Aerosköping

Der Wecker klingelt um 7:30 da 2 von 3 Schiffen, die wir eingeparkt/gepackt haben, um 8 Uhr los wollen. Also ohne Kaffee das Schiff verlegen. Wir gehen auf die andere Hafenseite ins 2er Päckchen und schauen uns noch vor dem Frühstück das Hafenkino an. Es sind Ferien in Dänemark und alle Häfen sind rappelvoll. Nachdem sich alles einigermaßen sortiert hat, verlegen wir ein 2. Mal in einen Top-Logenplatz in einer Box. Völlig unabhängig, wir können kommen und gehen wann wir wollen. Das wird gleich ausgenutzt! Fahrräder leihen und Landausflug heißt die Parole. Ein kleines Problem, die Fahrräder sind Traktoren und es ist brennend heiß. Die Insel Als ist verdammt „hyggelig“*, völlig platt kommen wir in Marstal an. In den Gassen gibt es bereits am Nachmittag Livemusik. Die Band besteht aus 4 Musikern, die es locker zusammen auf 250 Jahre bringen. Walter hat ein Beweisvideo auf der Kamera. (Siehe Videos „Nachwuchsband“) Wären gerne länger in Marstal geblieben, aber wir müssen die Fahrräder um 19:30 wieder abgeben und so hyggelig wie es hier ist, brauch ich für die 13 km locker 2 Stunden.
Am Abend hat der Verein mit den „lokalen Kreftern“ auf dem Marktplatz ein großes Grillfest mit Livemusik organisiert. Heute bleibt die Bordküche kalt, wir reihen uns in die Grillschlange ein, Supersonderangebot „Kalvesteek, Salat und Flute“ zu DK 70,00/Person (echt billig für dänische Verhältnisse) und ein Karlsberg Sabbelbier im Plastikbecher, 0.2 l für normale DK 35,00. Ach ja, wir sind ja extra wegen dem Jazzfestival nach Aerosköping – aber das fängt erst am 28.07.2013 an. Vielleicht hätten die netten Inder vom „Indernet“ das ja gewusst – aber ich hab´ halt net nachgeschaut.
Aero lohnt sich auf jeden Fall immer!!!
*hyggelig heißt eigentlich gemütlich, aber ich habe das kurzerhand in hügelig umgedeutet.

Dyvig-Aerosköping

Wir waren im Hafen eingekeilt und sind erst gegen 11 Uhr losgekommen. Bisschen spät für 38 nm. Die ersten Meilen sind wir unter Motor gefahren und ab den Inselende von Als haben wir die Segel gesetzt. Wir waren gegen 19 Uhr im Handelshafen von Aerosköping und sind als 4. Schiff ins Päckchen. Außer ein paar neuen blauen Flecken (auch bei Walter und bei ihm auf dem Kopf) hat sich heute nichts Spannendes getan.

Dyvig/Nordborg

Heute Rentnerleben pur – nur 2 geschäftliche E-Mails abgevespert, die zudem noch völlig überflüssig waren -. Der Spruch Hirn einschalten und dann erst melden gilt immer noch.

Sind gegen 12 losgezogen und wollten Fahrräder mieten, aber der nette Herr Hafenmeister vom Nachbarhafen wollte uns keine geben, auch nicht gegen Kaution! Also, dann laufen wir halt nach Nordborg, ca. 3 Km. Grundsätzlich kein Problem, aber der Planet sticht so abartig vom Himmel. Ich war echt froh, in Nordborg, nachdem wir nach dem begrabenen Hund gesucht haben (tote Hose in der ganzen schönen dänischen Kleinstadt) einen Kaffee und einen warmen Apfelkuchen mit Sahne zur Stärkung zu bekommen. Nordborg hat ein schönes Schloss mit einem hübsch angelegten Garten, aber alles zu – nichts los, obwohl die Dänen hier 3 Wochen Betriebsferien haben und alle, samt Kind und Kegel und Hund unterwegs sind.
Zum Grillen gab es heute Rindersteaks, wir passen uns allmählich den Sitten hier an. Morgen wollen wir los und nach Aero segeln. In Aerosköping beginnt morgen das Jazzfestival. Mal sehen.

Dyvig/Aries Montage

Tag der Aries-Windfahnensteuerungsmontage. Die Sonne knallt vom Himmel und beschert demjenigen, der sich nicht mit 30er Sonnenschutz einschmiert, einen leuchtenden Sonnenbrand. Zwischendurch versuchen wir noch die Flensburger Smog-dreckschmiere vom Deck zu waschen, eine Seite ist fertig, die andere war in der prallen Sonne und da ist es ziemlich sinnfrei mit Schwamm und anschließend mit Politur zu arbeiten, weil alles sofort trocknet bzw. hinklebt. Abends legen wir noch zwei Lachsfilets auf den Gemeinschaftsgrill. Tolle Einrichtung, der Hafenmeister feuert gegen 18 Uhr mit zig Säcken Holzkohle einen Grill im Ausmaß einer Tischtennisplatte an und von allen Schiffen strömen die Grillmeister mit Tonnen von Würsten, Fleisch, Maiskolben etc. – nur Fisch scheint verpönt zu sein. Unsere Lachsfilets waren getarnt in Alufolie. Überall sitzen die Familien an den vielen Holztischen, schön gedeckt mit mitgebrachten Tischtüchern und lassen es sich schmecken, tolle Stimmung und Schlag 23 Uhr ist absolute Ruhe im Hafen. Da geht es am Mittelmehr erst richtig los. Ich finde die Sitte hier um Längen besser.

Fast jedes dänische Schiff hat einen Hund an Bord. Hundeerziehung haben die netten Dänen echt drauf, kein Gekläffe oder Geschrei vom Herrchen, das funktioniert mit Augenkontakt, Telepathie oder so ähnlich. Heute kam immer mal wieder kleiner Promenadenmischling bei uns auf dem Steg vorbei und hat nachgeschaut, ob Peter die Aries auch richtig montiert. Gestern ist mir ein Dackelhund bis zur Toilette gefolgt – er musste aber draußen bleiben. Trotzdem, ein Seehund kommt mir nicht an Bord.

Sonderborg

Motorpratzen-Familie will um 9 Uhr weg, also chaotisches Ablegen, weil der Hirsch schon alle unsere Leinen losgeschmissen hat. Ergebnis: eine kleine Blutblase am rechten Zeigefinger, da Abhalten, Leineneinholen und Rettungskragen vorm Verlieren sichern mit 2 Händen äußerst schlecht geht. Wir kreiseln vor der Sonderborg-Brücke, die um 9:30 öffnet und sortieren erst mal alle unsere Festmacher und Fender. Das war´s aber auch mit dem Chaos für heute, mehr brauchen und wollen wir nicht. Nach der Brückenpassage setzen wir Großsegel mit Reff1 und Genua voll, da der Alssund sehr eng ist und kreuzen bis Dyvig hoch. Die Entscheidung für Reff 1 im Groß war gut, weil wir Bodensee-Windverhältnisse haben, drehend und zwischen 10 und 17 Knoten, so bleibt alles gut händelbar. Bereits kurz nach 12 Uhr sind wir in Dyvig Badelaug in der Marina fest. Es ist in der Tat so, dass ab 12 Uhr während der Saison der Run auf die Liegeplätze losgeht und das ist äußerst ätzend. Da wir von Peter Matthiesen unsere Aries-Windfahne hier montieren lassen, müssen wir einen Liegeplatz in der Marina haben.

Flensburg – Sonderborg

Planmäßig sind wir am Montag aus Flensburg raus und Richtung Sonderborg/DK gesegelt. Der Wind war sehr fair und moderat aus West, so konnten wir die komplette Strecke entspannt nur mit der Genua segeln. In Sonderborg sind wir im Stadthafen ins Päckchen mit einer Millionen-Motorpratze gegangen. Ein kleines Malheur mit unsere Pumptoilette gab es noch – warum sollte auch alles wie am Schnürchen laufen? Also, nachdem die Toiletten im Stadthafen nur mit Wäscheklammer in der Nase und mit Gummistiefel zu betreten sind, weiss ich vom Vorjahr noch und ich denke nicht, dass sich daran viel geändert hat, musste ich halt den Kaffee hier an Bord wegbringen. Das Abpumpen ging kurz und dann aber hat alles blockiert. Erster Gedanke: Qualle angesaugt. Es wimmelt in diesem Jahr wieder von Quallen in der Ostsee. Walter hat notgedrungen die WC-Pumpe zerlegt, derweil ich mich vorsichtshalber schon mal vom Acker gemacht habe um in der Fußgängerzone ein paar Dänenkronen zu ziehen und als Friedensangebot 2 Kaneel-Snekler (schwäbisch: Schneckennudla) für Walter zu kaufen. Sind gut angekommen und im WC war nur Seegras angesaugt.

Flensburg/Dampfer rund um

Haben gestern Abend in Flensburg die laue Nacht und die Phil Collins Coverband genossen. Die waren richtig gut, sogar Walter ist mitgehopst. Die Jungs kommen ja auch aus dem Ländle (Mannheim). Es gibt einige gute Youtube Videos von der Band und die website der Band findet man/frau unter: www.phil-online.de

Nicht-mehr-abhängig-arbeiten-müssen III

Zugegeben, ein klassisches Rentenleben war es zwischen Mittwoch und heute nicht. Es war nämlich etwas hektisch und dadurch auch chaotisch. Für Donnerstag, 11.07.2013 hatte ich den Mietwagen bestellt, musste ja schließlich Nägel mit Köpfen machen und so sind wir gezwungenermaßen Richtung Flensburg losgedüst. Haben einiges vergessen, z.B. hat Walter keine Socken mit – sind nur noch 3 Paar auf dem Schiff – ich habe meine Pinzette vergessen und das ist nämlich echt verdammt wichtig! Die Insiderinnen wissen, dass Frau ab einem gewissen Alter die Pinzette nicht nur zum Korrigieren der Augenbrauen benötigt – auch andere Gesichtspartien im unteren Drittel zeigen schon mal störrische schwarze Härchen. OK, anderes Thema.

Wir sind in Flensburg und auf unserem Schiffle. Die Sunrise, Schiffe sind immer weiblich, hat unsere Abwesenheit gut verkraftet, ist nur saudreckig an Deck. Die Flensburger „Großstadtluft“ ist wohl eine klebrige Mischung aus Abgas und Sand. Vielleicht liegt es auch daran, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zu Niro Petersen (da liegen wir grad) ein Kraftwerk ist. Kann durchaus sein, dass da einiges an Abgas aus dem Schornstein rausfliegt. Egal, am Freitag haben wir uns erstmal in die Flensburg-City aufgemacht, restliche Sachen einkaufen, Mietwagen abgeben und anschließend noch mit den Flensburgern und den Touristen die „Dampfer-Rundum“ zu feiern. Geht bis morgen und wir sind zeitweise mit dabei, besonders wenn wir Hunger oder Durst haben. Das Geld für Hunger und Durst haben wir gestern beim Taxi eingespart, der Autoverleih hat seine Filiale am Stadtrand und normalerweise nehmen wir dann ein Taxi zurück zum Schiff. Aber gestern nicht, weil a) tolles Wetter war und b) wir unsere Bord-Cityroller (Kinder-Tretroller – klappbar) mitgenommen haben. So sind wir alten Säcke mit den Kinder-Rollern vom Hof des Autovermieters gerollt. So jeder, der mit diesen Teufelsteilen – Walter und auch Gerhard – schon gerollert ist, hat schon spezielle Erfahrungen damit gemacht – blieb nur noch ich. Also habe ich mich bei meiner Cityroller-Premiere, nach knapp 300 Metern, solidarisch auf den Asphalt geschmissen. Knie futsch, Hose aufgeschrabbelt und der linke Turnschuh hat vorne oben im Bereich der Großzehe ein centgroßes Loch. Danach hatte ich tierisch Respekt vor dem Teufelsteil, Kopfsteinpflaster geht gar nicht, nur drübertragen, normaler Gehweg, nur wenn der Pflasterer einen guten Tag hatte. Bordsteinkante – lebensgefährlich!!!, sehr gut rollert asphaltierte Straße, aber siehe oben, auch lebensgefährlich. Heute früh zum Brötchenholen zu Fuß gegangen.
Im Moment liegt Walter unter dem Kartentisch um die Funke wieder zu installieren. Er und es/sie (die Funke) geben komische Geräusche von sich. Erst Walter mit diversen Flüchen über den Funkenverkäufer, die Enge da unten und überhaupt – dann die Funke. Was an sich ja gut ist, weil dann tut sie ja. Jetzt komm ich dran. Muss das Notebook mit dem Modem über Bluetooth verbinden und versuchen Wetterdaten zu holen und E-Mails über Modem+ Funk zu versenden.

Heute Abend ist auf der Museumsbühne eine Phil Collins Coverband angesagt. Kann eine lange Nacht werden. Wir haben eh vor, erst am Montag Richtung Sonderborg/Dänemark zu gehen.

Jetzt, mit Sicherheit geht es los, das Entspannen und so…

Nicht-mehr-abhängig-arbeiten-müssen II

Am Montag, nachdem die Küchenschlacht und die Topfgeldjäger durch sind, gehen Walter und ich nach 16:00 Uhr – typisch Rentner, wenn alle Feierabend haben –  einkaufen. Zuerst holen wir in Waiblingen unseren neuen Philipp* ab und anschließend zur Hauptverkehrszeit zum Supermarkt.

* Die Geschichte vom kleinen Philipp
Wie er zu uns kam und wieder ging.
Vorneweg er ist tot – kann nichts mehr, tut nichts mehr, verweigert seinen originären Dienst. Keine Panik, der kleine Philipp ist, vielmehr war unser kleiner 2,3 PS Honda-Außenborder. Der Name, ganz klar kommt davon, weil er aus Asien kommt und auch klein ist. Er kam zu uns vor zwei Jahren über Ebay aus Magdeburg (im Nachhinein gesehen, fatale Fehlerhäufung und Geld rausgeschmissen). Nachdem wir ihn nun zwei Jahre trocken an Deck über die Nord- und Ostsee geschippert hatten, wollte Walter ihn nach dem Winterlager in Hooksiel an das Dinghy (Gummiboot) hängen und durch den Hafen düsen. Ich wollte abends ganz frech zum Openair-Fest in den alten Hafen nach Hooksiel hochbutschern und mittendrin anlegen und mitfeiern – aber es blieb beim Wollte, denn der kleine Philipp wollte schon bei Walter nicht mitspielen. Nach gefühlten fünf Stunden hatte Walter ein Einsehen besser, die Schnauze voll, und hat den kleinen Philipp ins Auto gepackt – Ziel Waiblingen Honda-Vertretung. Und genau dort waren wir gestern Nachmittag, weil nämlich der kleine Philipp nicht zu retten war. Er war wohl vor Jahren mal abgesoffen (in der Elbe?) und deshalb innerlich korrodiert, alles rott. Also goodbye kleiner Philipp, jetzt holen wir einen 4 PS Yamaha – auch ein Asiate, hat aber noch keinen Namen. Den kriegt er auch erst, wenn er sich beim Dinghyfahren bewährt.

Das war gestern, der heutige Tag, Dienstag, 09.07.2013, hat früh angefangen, weil sich der Küchenbauer für 7 Uhr und der Sanitärmensch für 10 angekündigt hatte. Brezeln gab es zwischendurch. Danach, wie langweilig, habe ich die Einkommensteuer-Erklärung der Tochter fertig gestellt und mit Elster an die Steuereintreiber übertragen.

Ätsch und jetzt sitze ich wieder vor der Küchenschlacht, so schließt sich der Kreis. Danach geht’s langweilig weiter, nämlich mit dem 13. Lauf (Jahresabschlussarbeiten 2012) für Walters Labor.

Nicht-mehr-abhängig-arbeiten-müssen

Klappe die Erste
Muss: Ohne Wecker aufstehen.
Kann/someone should – not me:  =  Walter zum Bäcker schicken um frische Brezeln zu holen. Noch 3 Tage schwäbische Brezeln genießen!
Was-ist-noch-zu-tun-Liste anfangen abzuarbeiten; das heißt wo verdammt ist jetzt die Telefonnummer von….Na ja, das mit der Büroorganisation in unserem „Altenteil“ im Dachgeschoss muss ich wohl noch etwas üben – aber nur wenn ich noch Zeit und Muse dafür habe -. Also die Telefonnummer der Deutschen Post AG, Postfach-Vergabestelle liegt weder auf der Kommode, noch auf dem Esstisch und natürlich auch nicht auf dem Küchenblock (alle drei Zwischenlager zusammengenommen ergeben mein neues Privatbüro). Walters Begeisterung zur Postagentur – ist praktischerweise genau neben dem Bäcker- zu latschen hält sich in überschaubaren Grenzen. Ein Postfach zu kündigen ist echt nicht einfach – das geht nicht bei der Stelle, die morgendlich das Postfach mit den Briefen füttert, nein das geht nur schriftlich bei der Deutschen Post AG in Bonn und unter Einhaltung von 3 Wochen Kündigungsfrist. Schön, dann eben einen Brief an die Post schreiben, nur gut, dass ich ganz genau weiß, wo ich letzte Woche die Briefmarken zwischengelagert habe, ich denke, Walter hätte jetzt angefangen zu meutern.
Ansonsten gibt es noch einiges an Altlasten aus dem Labor, so z.B. die Bilanz 2012 und die ESt.-2012, laufende Buchhaltung und viele E-Mail zu bearbeiten, aber das ist viel zu langweilig.
Der Sohnemann hatte heute gute Laune, die sich sehr schnell verflüchtigte, als ich ihn zum Frisör schicken wollte. Ich habe es dann gerade noch umgebogen und gesagt, gut, dann schneide ich dir die Haare. Er hat nicht schnell genug reagiert – und ich bin stolz auf mich, das Ergebnis ist nicht übel, habe mir nur nicht getraut, den Rasierer zu nehmen und eine Fissur in seinen Unkrautbart zu fräsen.
Gerade läuft die Küchenschlacht, das heißt ich kann grad nicht mehr weiterschreiben. Morgen geht’s weiter.