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Fischland-Darß-Zingst


Mittlerweile steht der Bulli in Zingst auf einem Campingplatz. Leider können wir bzw. will ich nicht auf WoMo Stellplätze ohne Strom und Wasseranschluss. Da gibt es einige, auch die Landvergnügen-Stellplätze, für die wir ein Voucher erworben hatten, bringen uns ohne Frischwasser nichts. Wir nehmen den Bulli zwar nur als „Hotel Garni“, aber aus irgend einem Grund, kann er das Wasser nicht mehr halten … das Alter eben. Unser Frischwassertank ist inkontinent. Den Tag ohne Katzenwäsche und Kaffee zu beginnen geht gar nicht. So eben jeden Tag Campingplatz mit Dusche, WC, Strom und Brötchenservice und nicht nur jeden zweiten Tag. Auf den Campingplätzen fallen wir total aus dem Rahmen. Wir kommen an, stellen den Bus einigermaßen eben auf den Stellplatz, klappen das Dach auf, nehmen die Fahrräder vom Träger und weg sind wir. Nichts mit Vorzelt, Markise, Tisch, Stühlen und Gedöns, das kommt erst zum Frühstück kurz raus und gleich wieder weg. Wir sind angenehme Nachbarn. Nie da und Abends zu verfroren um noch draußen zu sitzen.

Unsere Reise durch Meck-Pomm ist hier zu Ende. Wir radeln den Darß ab und werden, oh Wunder, in den zwei Tagen noch nicht mal nass. Am ersten Tag radeln wir über Prerow zum Leuchtfeuer Darßer Ort und zum Nothafen Darßer Ort. Wider Erwarten steht dort doch tatsächlich der Seenotrettungskreuzer „Theo Fischer“. Das heißt, die Fahrwasserrinne ist nicht versandet, sie wurde wohl nochmals ausgebaggert. Einige Segelschiffe liegen ebenfalls im kleinen Hafen. Seit Jahren gibt es ein riesiges Gedöns um den Nothafen, Baggern, nicht Baggern, schließen, einen neuen Hafen seeseitig in Prerow bauen etc. Ich bin nicht auf dem Laufenen, weil unser Segelrevier in den letzten sechs Jahren ja woanders lag.

Leuchtfeuer Darßer Ort

Nothafen Darßer Ort

Ansteuerung Nothafen Darßer Ort

Am zweiten Tag heißt unser Ziel Ostseebad Ahrenshoop. Auf der Radroute liegen die für uns schönsten Orte des Darß. Wieck mit seinen hübsch restaurierten Reeddachhäusern, dem putzigen Boddenhafen mit den traditionellen Zeesbooten und den frischen Fischbrötchen im Hafen.

Lecker Fischbrötchen

Boddenhafen in Wieck/Darß

Nicht minder hübsch ist Born am Darß. Unser Tagesziel Ahrenshoop ist ein traditionelles altes Ostseebad.

Reeddach-Haus in Ahrenshoop neu interpretiert

Mittlerweile so restauriert, dass die Verwahrlosung während der Jahre 1945 bis 1990 nicht mehr erkennbar ist. Es war einfach kein Baumaterial, kein Geld und keine Motivation da, den Bestand der Seebäder-Architektur zu erhalten. Wer einen richtig dicken Hals kriegen will, soll im www den Begriff „Aktion Rose“ googeln. Hier werden die systematisch geplanten und durchgeführten Enteignungen, Verhaftungen und Vertreibungen des damaligen Systems erläutert.

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Der Bulli steht in Dranske auf einem richtig schönen Stellplatz. Eingefriedet und getrennt von den anderen Plätzen mit mannshohen Hecken, Wasser- und Stromanschluss direkt vor dem Bus. Saubere Sanitäranlagen. Ideal zum Urlauben. Links der Botten, rechts der Ostseestrand.
Unser Tagesausflug von Wiek aus mit Rad und Fähre nach Hiddensee endete mit Eisbein (meine Füße), klatschnassen Klamotten und Lumumba zum Aufwärmen. Hiddensee ist autofrei und besteht aus vier Orten, Vitte, Kloster, Grieben und Neuendorf und vereinzelten versprengten Häuseransammlungen.


Als Höhepunkte sind da die ehemaligen Wohn- und Sommerhäuser von Gerhart Hauptmann und der Stummfilmschauspielerin Asta Nielson, zugegeben mit dieser Dame konnte ich auch nichts anfangen, aber immer hin wurde das Haus von dem Bauhausarchitekten Max Taut entworfen.

Sommerhaus von Asta Nielson, Design Bauhaus Architekt Taut

Der Höhepunkt ist die Steilküste mit dem Leuchtfeuer Dornbusch.

Der Klassiker auf Hiddensee

Wir radeln die Insel rauf und runter. Steigen die Steilküste rauf und runter. Insgesamt 9 Stunden Aufenthalt haben wir. Für einen Tagesausflug ist das in Ordnung. Die Insel wirkt sehr ländlich, verschlafen man kann fast sagen, ganz Hiddensee ist ein Dorf. Es gibt keine großen Hotelkomplexe wie in den anderen mondänen Ostseebädern. Nein, Hiddensee bleibt den Künstlern und Ökos vorbehalten, hier hebt keiner so schnell ab.

Traditionelle Boddenfischerei auf Hiddensee

Alles total relaxed auf Hiddensee

Vieles erinnert uns an Juist, aber Juist ist immer noch die unschlagbare Nummer 1.

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Biosphärenreservat Jasmund und Kreidefelsen

Königstuhl

In Lohme stellen wir den Bulli auf den Wohnmobilstellplatz. Im Krüger Naturcamp um die Ecke in Nipmerow haben wir keinen Platz bekommen. Der wollte uns nicht haben, blöd angemotzt wurden wir. Weil wir keine Reservierung hatten und auch keine Meldeadresse im Bundesland Meck-Pomm. Das sei strafbar, wir sollen uns vom Acker machen. Seit 25.05. gilt das jedoch nicht mehr. Die rüde Zurückweisung ist also Willkür. Wir fühlen uns 30 Jahre zurückgesetzt.
Nichtsdestotrotz gefällt uns das Biosphärenreservat Jasmund sehr gut. Wir machen am Nachmittag gleich eine Wanderung über den Küstenhochweg von Lohme zum Königstuhl. Am nächsten Tag kommen die Fahrräder wieder zum Einsatz. Unser Ziel ist Sassnitz. Nur 12 Kilometer entfernt. Trotzdem anstrengend. Der Radweg zieht sich rauf und runter durch den Küstenwald. Sassnitz entpuppt sich jedoch als nicht ganz so prickelnd wie die letzten Ostseebäder. Es gibt einen Fischerei-, Yacht- und Fährhafen. Die Stadt hat kein Flair. Kein Wunder, denn erst in den 60igern wurde aus dem Alt Sassnitz und dem Neubaudorf Crampas das heutige Sassnitz. Außer den wenigen Straßenzügen in Alt-Sassnitz hat die Stadt nichts schönes.

Alt Sassnitz

Alt-Sassnitz

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Den Selliner Ortsteil Moritzdorf und das Seebad Baabe trennt die Baaber Bek, 50 Meter Brackwasser. Hier steuert Kay-Uwe Strandmann die kleinste Ruderbootfähre sicher von Ufer zu Ufer. Seit 1891 gehört die Ruderbootfähre zum Alltag der Einwohner von Baabe und Moritzdorf und Kay–Uwe Strandmann ist eines dieser so seltenen Originale, schon in dritter Generation Fährmann auf Rügen. *Heute ist der Fährmannn, der Urlauber mit Muskelkraft übersetzt, ein Kuriosum. Es sind nur diese 50 Meter, die er von Moritzdorf nach Baabe bewältigen muss. Doch wenn das Boot mit 15 Fahrgästen und bis zu 10 Rädern voll besetzt ist, dann kosten die rund 25 Ruderschläge Kraft. Ohne Strandmann müssten die Ausflügler acht Kilometer um den Selliner See herumfahren um nach Baabe zu gelangen. Nicht auszudenken, ein Moritzdorf ohne Fährmann.

*ab hier wörtlich zitiert aus der Gästebroschüre „Middenmang“ der Kurverwaltung Sellin

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Seebrücke Sellin

Kurort Sellin

Kurort Sellin

Wir verlegen mit dem Campingbus nach Sellin. Die Entfernungen zu den „Must-have-seen“ auf Rügen sind uns mit dem Fahrrad zu weit. Wir haben Glück und bekommen im Wohnmobilhafen in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Sellin und zur Ortsmitte noch einen der letzten zwei Stellplätze. Die Fahrräder bleiben am ersten Tag auf dem Fahrradträger. Relaxt Rügen entdecken steht auf dem Programm. Das heißt wir lassen fahren. Der Rasende Roland, eine ultimative Drecksschleuder mit seiner Dampflok, bringt uns zu den angesagten Seebädern. Mit einer Tageskarte in der Tasche, können wir beliebig oft aus- und zusteigen. Ostseebad Baabe, Ostseebad Göhren, Ostseebad Binz, Jagdschloß Granitz, Putbus und Lauterbach.

Rasender Roland auf Rügen

Jagdschloß Granitz

Strandbad Baabe

Seebrücke Sellin

Am zweiten Tag geht es wieder auf die Drahtesel. Quer durch das Biosphärenreservat Südost Rügen und die Halbinsel Mönchgut mit ausgedehnten Wäldern, Weide- und Landwirtschaftsflächen. Das gefällt uns sehr.

Halbinsel Klein Zicker

Ruderboot-Fähre zwischen Moritzdorf und Baabe

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Stralsund

Stralsund

1. Gorch Fock in Stralsund

Nun also Rügen. Auf dem Weg dorthin nehmen wir Stralsund mit. Für das Meeresmuseum ist es zu spät, das muss noch warten. Wir befürchten für den Bulli sonst keinen Stellplatz mehr zu kriegen. Wir landen in Altefähr auf einem 4-Sterneplatz umgeben von drei T3 Oldtimer Bullis. Eine nette Atmosphäre herrscht auf dem Platz. Am Tag zwei erkunden wir den Süden von Rügen mit dem Fahrrad. Wir radeln bis Bergen und über Putbus wieder zurück bis Altefähr. Rund 50 Kilometer, das letzte Drittel mit böigen Gegenwind. Das sind wir noch nicht gewohnt, es geht uns echt in die Knochen.


Rügen


Jagdschloss auf Rügen

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Außerplanmäßig nochmals Berlin
Walter hatte aus den Medien erfahren, dass die Ausstellung „It wasn‘t us“ der aus Freiburg im Breisgau stammenden Künstlerin Katharina Grosse planmäßig eröffnet werden konnte. Im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin hat die Künstlerin die historische Halle sowie den Außenbereich hinter dem Gebäude in ein expansives Bild verwandelt.

Wie immer in Berlin bleibt der Bulli auf dem Campingplatz in Berlin-Gatow, wie immer fahren wir die 20 km mit den Rädern ins Zentrum und wie immer werden wir auf dem Rückweg klatschnass. Waschmaschine und Trockner regeln das im Anschluss, sie sind 24 Stunden verfügbar.

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Re-Start mit Hindernissen
Die Spüle ist da! Endlich. Nachdem DHL die erste Lieferung aus unerklärlichen Gründen nicht ans Ziel bringen konnte, hat die nachbestellte Spüle nunmehr Jena erreicht. Wir unterbrechen unsere Deutschlandtournee und bauen die alte Studentenküche unserer Tochter komplett aus und eine neue ein.
Von Jena aus geht es weiter, besser gesagt es soll weitergehen mit Eisenach, Wartburg, Erfurt, Wittenberg, Berlin, Stralsund und Rügen. Nicht nur der Wettergott hat was dagegen, dem Bulli wird’s wohl langsam zu viel. Er will wieder in seine Garage und seine Ruhe haben. Er wirft zuerst einen der drei Bolzen, mit dem die Lichtmaschine befestigt ist und schließlich noch den Keilriemen raus. Braucht er nicht zum Ruhen – das kann weg.
Den quietschenden Keilriemen hatten wir schon zuvor bemerkt und auch bereits Ersatz besorgt. Hätte es nicht sintflutartig geregnet, hätte Walter diesen auch sofort getauscht…. Hätte, hätte, Fahrradkette. So nun eben Bolzen und zwei Keilriemen (Wasserpumpe und Lichtmaschine) tauschen. Jetzt geht er, es kann weiter gehen.
Einige deutsche Welterbestätten wollen wir noch besuchen. Wir fangen mit der Wartburg bei Eisenach an. Sehr eindrucksvoll und wuchtig steht die Burg auf einem der unzähligen thüringischen Hügeln. Entgegen der Angaben auf der Website hat das Museum geschlossen.

Wartburg

In strömendem Regen laufen wir in den Burghof und auf der Wehrmauer um die Burg herum. Trotzdem eindrücklich. Die Historie der Wartburg haben wir bei Wikipedia nachgelesen. Geht auch, trocken und ohne Öffnungszeiten. In Erfurt besichtigen wir den Dom (von außen) und die hübsche Altstadt mit Krämerbrücke, Rathaus, Fischmarkt u.v.m.

Dom zu Erfurt

Krämerbrücke Erfurt

Fischmarkt und Rathaus Erfurt

Die nächste Welterbe-Stadt die wir besuchen ist Wittenberg. Gleich mit drei Welterbestätten kann Wittenberg aufwarten. Die Schlosskirche, Luther-Haus und das Melanchthon-Haus. Dafür ist die Stadt sehr leer, fast ausgestorben. Kein Leben auf der Schlossstraße, auf dem Marktplatz oder in den Gassen. Weimar, Dessau, Erfurt und Dresden hat trotz Corona gelebt. Einheimische und Touristen sind sich auf den Straßen, den Cafés und Museen mit Abstand und Maske begegnet. Das Leben hat pulsiert – in Wittenberg ist hiervon nichts zu spüren. Viele Leerstände von Läden im historischen Stadtkern. Fast unheimlich.

Lutherhaus Wittenberg

Schlosskirche Wittenberg

Luthers 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg

Schlosskirche Wittenberg

Marktplatz Wittenberg

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Insel Usedom
Die Schwaben und die Bayern fluten in den Pfingstferien die Insel. Telefonisch einen Stellplatz für den Bulli zu reservieren ist schwierig. Entweder ist am anderen Ende der Leitung belegt, der Anrufbeantworter dran oder wir haben unterwegs kein Mobilfunknetz. Also fangen wir an, die Wohnmobil-Stellplätze von West nach Ost anzufahren. Gleich hinter Zinnowitz, im Dünencamping Zempin können wir den Bulli in eine Sandmulde hinter den Dünen parken. Natur pur. Mitten im Dünenwäldchen liegt der offizielle Campingplatz.
Mit den Fahrrädern erkunden wir die Insel. Der Radweg von Zinnowitz nach Bansin zieht sich entlang der Ostseeküste im Dünenwald. Es artet in eine anstrengende Mountain Bike Tour aus. Drei kurze Steigungen von 16% bietet der Radweg. Selbst E-Bike-Fahrer steigen ab und schieben ihr Zweirad auf den Gefällstrecken. Mit Sand, Schotter, Kiefernadeln und vielen Unebenheiten ist der Radweg bei Bremsmanövern nicht ungefährlich.

Insel Usedom

Seebrücke Ahlbeck

Seebad Ahlbeck

Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf und das Seebad Ahlbeck sind die Hotspots an der Ostseeküste. Es steppt der Bär. Ferienhungrige und Frischluftfreunde tummeln sich zu Massen auf den Promenaden. Nur die Strandkörbe sind kaum belegt. Die Massen brauchen Bewegung. Wir radeln auf dem Europaradweg bis an die polnische Grenze. Dort ist Schluss, die Grenze ist noch geschlossen.