Kanada Reise 2019_2

Toronto schläft nie. Das sagt New York ebenfalls, aber hier erfahren wir es direkt am eigenen Leib. Der CN Tower strahlt die ganze Nacht hindurch in den schönsten Farben über uns, auch der Verkehr unter uns, Fußgänger und Autos, reißt nicht ab. Wir standen gestern bis weit nach Mitternacht auf dem Balkon um das Farbspektakel über uns und das pulsierende Leben unter uns zu beobachten. Wir „wohnen“ im 12. Stockwerk und haben einen guten Überblick. Es ist Wochenende, tolles Wetter und die Menschen zieht es nach draußen. So bleich wie manche sind, ist anzunehmen, dass der Sommer hier in seinen ersten Zügen liegt. Unser Sonntagsausflug beginnt damit, dass wir unsere Kindertretroller aus dem Kofferraum holen. In Toronto gibt es keine Elektro-Tretroller zum Mieten – und das ist gut so. Wir sind rollende Exoten auf dem Radweg, teils auch auf den Gehwegen. Unser Ziel sind die beiden international anerkannten Museen, das Royal Ontario Museum und die Art Galerie Ontario (wieder zeigt sich hier die Handschrift Frank Gehrys). Bei dem tollen Wetter wollen wir gar nicht in die Museen rein, sondern nur die Architektur dieser anschauen und vor allem fotografieren. Es gibt leider keine Innenansichten. Frank Gehry hat so clever geplant, das wir seinen spiralförmigen Treppenaufgang im Inneren der Art Galerie nicht fotografieren können, ohne 25 Dollar Eintritt zu zahlen. Die derzeitige Ausstellung interessiert uns nicht, also gibt es keine Fotos. Wir rollern weiter durch die Stadt. Es gibt wenig alte und erhaltene Straßenzüge, oft wird Altes mit Neuem kombiniert.

Royal Ontario Museum in Toronto
Alt und Neu wunderschönen verzahnt

Alt und Neu an fast jeder Straßenecke
Die Kirche wurde kurzerhand umbaut

Alt und Neu in Toronto

Eaton Shopping Center
Mit je einer U-Bahnstation vorne und hinten

Unser nächstes Ziel sind die Toronto Islands im Ontario See, direkt vor Downtown Toronto. Mit der Fähre 10 Minuten. Gefühlt 100.000 Andere sind auf die gleiche Idee gekommen, denn die Schlange vor der Fähre ist unendlich lang. Im Augenwinkel hatte ich beim Vorbeirollern ein Schild eines Wassertaxis gesehen. Gleich im nächsten Hafenbecken legen Wassertaxis ab, die nur 2 Dollar mehr kosten als die Fähre. Kaum Wartezeiten, auf dem nächsten Wassertaxi haben wir Platz. Der Clou ist, dass das Wassertaxi den Preis für die einfache Fahrt aufruft. Aber die Rückfahrt von den Inseln zurück kann man mit der Fähre machen, weil das kostet dann nichts. Nun ja, eigentlich kostet das schon, man kann für die Fähre nur ein Hin- und Rückticket lösen, aber auf der Fahrt zurück muss die Fähre alles mitnehmen was da steht. Es soll kein Tourist auf der Insel bleiben. Die Verwaltung ist sehr restriktiv, es leben derzeit nur 700 Personen dauerhaft auf den Inseln, und es gibt eine Zuzugsbegrenzung, mehr soll und darf es nicht werden. Die Inselkette erstreckt sich über acht Kilometer und bietet für Segler einige Häfen, für Schwimmer erfrischendes Ontario-Seewasser. Alles gleicht einem heißen Sommertag am Bodensee. Draußen ziehen die Segelschiffe vorbei, am Strand spielen die Kinder und im Wasser wird sich erfrischt. Oma und Opa sitzen auf der Picknick-Decke und überwachen die Kühlboxen. Mit der Verpflegung ist es nämlich schwierig, aber die Erfahrenen ziehen am Wochenende mit Sack und Pack im Bollerwagen auf die Inseln. Der Ontario See hat derzeit ziemlich viel Wasser, die wenigen Ferienhäuser und Wohnhäuser sind mit Sandsäcken vor Überflutung geschützt, einige Wege sind jedoch unpassierbar, zumindest nicht mit dem Tretrollern.

Hochwasser auf Toronto Islands

So bleibt uns der Anblick des einzigen FKK Strandes am Ontario See verwehrt, oder erspart. Je nach dem.

Viel Verkehr über dem Inner Harbor
Fähren zu den Inseln, Freizeit-Segler, Motorboote und Flugzeuge im Landeanflug auf den Toronto Airport

Kanada Reise 2019_1

Von den Niagarafällen nach Toronto
Dieses Naturschauspiel zieht uns den dritten Tag in Folge in den Bann. In Buffalo bringt uns die Peace Brücke nach Kanada rüber.

Die Grenzkontrolle ist völlig stressfrei. Der kanadische Grenzbeamte fragt nach wohin, wie lange und schon haben wir den Einreisestempel im Pass. Auf dem kanadischen Niagara Parkway fahren wir bis zu den Horseshoe Falls vor. Die Niagarafälle sind von der kanadischen Seite noch spektakulärer. Nur eine Mauer trennt die Besucher von der Abbruchkante der Horseshoe Falls und die amerikanischen Falls sind aus dieser Perspektive ebenfalls super zu sehen.

Noch besser ist die Sicht vom Skylon Tower aus. Mit einem verglasten Außenaufzug geht die Fahrt in einer Minute nach oben auf die Aussichtsplattform. Es ist sehr windig, der Turm schwingt in der Tat etwas. Die Aussicht ist überwältigend. Hunderte Fotos werden gemacht und die Auswahl fällt schwer.

Niagarafälle vom Skylon Tower aus

Niagara American Falls vom Skylon Tower (Kanada) aus gesehen

Niagara Horseshoe Falls vom kanadischen Ufer aus

Niagara Horseshoe Falls

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Toronto, wo wir direkt in der City, neben dem CN Tower, unsere Unterkunft haben. Der Blick vom Balkon aus dem 12. Stockwerk hinauf zum CN Tower und durch die Straßenschluchten ist betonlastig aber trotzdem nicht unschön… es gibt eine weitere Fotosession bis weit nach Mitternacht.

CN Tower in Toronto/Kanada

Toronto bei Nacht

USA Rundreise 2019_18

Niagara Gorge Trail

Gemäß unseren Informationen gibt’s auf der amerikanischen Flussseite einen anspruchsvollen Wanderweg in der engen Schlucht des Niagara Rivers. Es ist trocken, also ist die Gefahr, dass es matschig und glitschig wird gebannt. Wir fahren zum Devil’s Cave Parkplatz, hier ist einer der drei Einstiege in die Schlucht. Es geht spektakulär los, über Steinplatten und verwitterte Stufen geht es gefühlte 200 Höhenmeter runter an den reißenden Fluss. Völlig ungefährlich und super gut in Schuss ist der Trail am Wasser entlang. Natur pur und kaum jemand unterwegs. Wir laufen die Trails 6 und 5; der Trail der weiter in Richtung der Falls führt ist leider gesperrt.

Niagara Gorge


Niagara Gorge

Teilweise können wir bis an die Wasserkante vor und sehen die vielen Races (Wirbel durch die starke Strömung). Über den Whirlpool, der einzigen Ausbuchtung in der Schlucht, lassen die Kandier von gegenüber eine vorsintflutliche Seilbahn, eine Gitterbox, sausen. Das Alter dieses Teils stellt wohl den Kick dar. Auf jeden Fall ist die Gitterbox immer gut gefüllt. Unten im Fluss tauchen am späten Vormittag immer mehr Speedboote auf, die mit Massen von Touristen über die unzähligen Stromschnellen jumpen und sich einen Spaß draus machen, die Passagiere absichtlich klatschnass zu machen.

Überhaupt ist Niagara eine nasse Angelegenheit, überall gibt’s Gummilatschen und Regenjacken zu kaufen.
Das brauchen wir heute nicht. Wir laufen den 5er Trail zurück zu den Whirlpool Stairs, steigen wieder aus der Schlucht. Dieser Zugang zur Schlucht ist der bequemste, zwar über unzählige Treppenstufen, aber richtig gut zu gehen. Für den Rückweg zum Parkplatz nehmen wir den Niagara Rim Trail, immer oben an der Abbruchkarte entlang. Gut ausgebaut wie ein breiter Waldweg. Wunderschön und absolut lohnenswert. Kaum Menschen auf dem Trail, die lassen sich lieber in die Gitterbox stopfen oder holen sich einen nassen Hintern im Speedboat. Faule Säcke!
Für das Abendprogramm stärken wir uns wieder „daheim“ und ziehen anschließend zu Fuß los. Bei uns um die Ecke, im Riverside Park spielt eine Led Zeppelin Tribute Band. Wir überlegen, landen aber schlussendlich in einer der vielen Brauereien. Auch hier Livemusik im Freien und frisch gebrautes Bier. Buffalo ist stolz auf seine Bierbrauer. (Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot?) Unzählige Brauereien gibt’s und unüberschaubar viele Biersorten. Deutschstämmige Namen überall, der beste Supermarkt hier heißt Wegmann‘s.

42 Biersorten


Brauerei mit Ausschank

USA Rundreise 2019_17

Discover Niagara Falls State Park
Heute ist der ideale Tag für die Falls. Der Wetterdienst meldet bewölkt und 10 bis 20% Regenwahrscheinlichkeit. Donnerstags ist nicht so der Run auf die Falls und vielleicht hält die Wetterprognose noch ein paar Weitere davon ab, diesen Touristen Hotspot aufzusuchen. Trotz dem Hype um die Falls, sind sie für uns ebenfalls ein absolutes Muss. Wir werden nicht enttäuscht.
Eher durch Zufall, weil Walter schneller fährt als ich die vielen Wegweiser lesen kann, landen wir in unmittelbarer Nähe zu den Falls im Ort Niagara Falls. Hier können wir kostenlos parken. Das können wir gar nicht glauben. Walter läuft die Straße rauf und runter, nirgends ein Parkverbot-Schild. Hinter uns steht ein Wohnmobil, müsste also passen. Nach wenigen Minuten sind wir zu Fuß schon mitten im Niagara Falls Nationalpark. Keine Eintrittsgebühren. Die hervorragend ausgeschilderten Wege führen unmittelbar am Wasser entlang. Es ist möglich, direkt an die American Falls, hinüber auf die Goat Island zu den Bridal Veil Falls und dicht an die Horseshoe Falls zu gehen. Die gleiche Strecke fährt auch der Trolley Bus, Hop on – Hop off, für 3 Dollar am Tag. Das sind Preise, die sind wir gar nicht mehr gewohnt. Die Rundfahrt nehmen wir natürlich mit. Ist doch bequem, nebenbei informativ und wir bekommen einen Überblick.
Mittlerweile geht es auf die Mittagszeit zu und uns begegnen immer mehr frisch geduschte Menschen. Teils in klatschnassen Straßenklamotten, teils in gelben oder blauen tropfenden Plastikumhängen und mit quietschenden durchnässten Schuhen. Allen gemein ist ein fröhliches Grinsen. Wir entscheiden uns für die Blaukittel-Fraktion. Eine Schifffahrt mit der Maid of the Mist, hinein ins Duschvergnügen, das muss sein. Der Preis hierfür ist ebenfalls sehr moderat und beinhaltet die über die Niagara-Schlucht hinausragende Aussichtsbrücke. Wahnsinn. Mit dem Aufzug geht es hinunter zum Schiffsanleger. Kaum dass wir uns die blauen Plastikumhänge übergezogen haben gehts auch schon los mit dem Boarding. Keine Wartezeiten. Natürlich müssen wir aufs Oberdeck und selbstredend auch ganz vorne an den Bug. Alles andere wäre Pillepalle. Vorbei an den amerikanischen Falls und an den Bridal Veil Falls mit mäßig Sprühnebel geht es in die Massagedusche des Beckens der Horseshoes Falls. Es herrscht ein Winddruck, wie bei Starkwind und das Wasser bzw. der Sprüh prasselt herunter. Die Kleider bleiben soweit trocken, aber die ganze Soße läuft in die Schuhe. Wohl dem, der so schlau war und Badelatschen angezogen hat. Wir sind bei den Doofen.

Neptun mit Gattin auf der Maid of the Mist

Fahrt mit der Maid of the Mist direkt an die Falls.

Ausflugsdampfer „Maid of Mist“ mit Blaukitteln auf dem Weg in den Horseshoe Kessel vom amerikanischen Ufer aus.

Niagarafälle, links die amerikanischen und im Hintergrund mittig die kanadischen.
Die Rotkittel sind auf der „Hornblower“ die vom kanadischen Ufer ablegt

Gelbkittel Fußgänger unterhalb der Bridal Veil Falls auf der Cave of Winds Plattform

American Falls und Hintergrund Horseshoe Falls (Kanada)

Niagarafälle, American Falls

Horseshoe Falls
Ausflugsdampfer, Dusche inclusive

Zurück an Land versuchen wir die Treppen entlang der amerikanischen Falls hoch zu steigen, kehren aber in der Hälfte um. Echt zu glitschig und zu nass.
Zum Glück kommt die Sonne raus und trocknet uns auf unserer erneuten Runde durch den Park in Richtung der Bridal Veil Falls. Hier ist die Gelbkittel-Fraktion am Start. Mit dem Aufzug fährt man in die Cave of the Wind hinunter und kann auf eine Plattform, genannt Hurricane Deck, direkt an die Bridal Falls gehen. Nachdem wir die Mutigen von oben herab fotografieren, beschließen wir, dass wir für heute bereits ausgiebig geduscht haben.
Wir laufen zu den Horseshoe Falls. Die gehören bereits zu Kanada, aber der Aussichtspunkt Terrapin Point ist noch auf der amerikanischen Seite. Die Horseshoe Falls sind viel spektakulärerer, weil die Abbruchkante wirklich rechtwinklig ist und das Wasser senkrecht nach unten knallt. Unter den amerikanischen Falls liegen so viele Felsen und Schuttberge, dass die, zwar auch spektakulär, aber doch nicht so senkrecht wie die Horseshoes hinunter stürzen. Erst vor zwei Tagen, am Dienstag, ist ein Verwirrter auf der kanadischen Seite über die Mauer gestiegen und wurde von den Wassermassen des Horseshoe erfasst und mitgenommen. Er hat den Sturz, immerhin 51 Meter, wie durch ein Wunder überlebt und wurde weiter unten im Niagara Gorge mit mittelschweren Verletzungen auf einem Stein sitzend abgeborgen. Diese Meldung hatten wir zunächst als Fake eingestuft. Stimmt aber. Seriöse Medien und die Polizei haben es bestätigt.
Außer den Gelb- und Blaukitteln gibt es noch die Rotkittel. Die kommen mit den Hornblower Schiffen von der kanadischen Seite aus herbei. Gut zu unterscheiden.
Morgen gehen wir wieder hin. Wir wollen den Niagara Gorge Trail ein Stück weit laufen.

USA Rundreise 2019_16

Und wir düsen, düsen, düsen im Sauseschritt…. durch Ohio, Pennsylvania in den Bundesstaat New York. Nach Cleveland/Ohio machen wir für drei Tage in Buffalo/NY Station.

Canalside in Buffalo

Warum Buffalo? Weil wir a) ein Super-Schnäppchenpreis für eine Loft (60 qm, voll ausgestattete Küche mit Spülmaschine, Wohnzimmer mit offenem Kamin u.v.m.) direkt am Eriekanal in einem umgebauten Industriegebäude „geschossen“ haben und b) die Niagarafälle auf dem Plan stehen. Durch die Vielzahl unserer Buchungen über ein bestimmtes Buchungsportal sind wir jetzt in den Genius Rabattbereich aufgestiegen und bekommen auch auf die Schnäppchen nochmal 15 % Rabatt. Nicht schlecht, oder? Und da wir zudem dazu übergegangen sind, am Abend selbst zu kochen wird unser Budget gar nicht so übermäßig belastet. Die gut bestückten Supermärkte haben 24/7 geöffnet und bieten sogar BioWare. So ist unser Tagesablauf gut durch geplant. Frühstück (Kaffee/Tee, Müsli und frisches Obst) und Abendessen (Gemüse, Pasta oder Reis, Fisch oder Fleisch oder nur Vegi). Den Tag über Fahrt zum nächsten Domizil oder Sightseeingtour.

USA Rundreise 2010_15

Cleveland Ohio bzw. Bay Village am Erie See
Super angenehmes Klima am Erie See. Schlafen ist ohne Klimaanlage möglich. Nach dem Ankommen gestern wurden sofort die Kindertretroller aus dem Kofferraum geholt. Wir rollern los. Uns zieht es immer ans Wasser. Lake Erie ist mehr ein Binnenmeer als ein See. Auf jeden Fall sieht man das kanadische Ufer nicht und dicke Frachter sind unterwegs. Wir verbringen einen entspannten Abend am See.
Heute besuchten wir die Rock n Roll Hall of Fame in Cleveland. Siehe www. Wir verbringen einige Stunden dort, bis wir durch die Klimaanlage so tiefgefroren sind, dass wir ins Freie zum Aufwärmen müssen.
Cleveland hat viele Stadtviertel, ein richtiges Zentrum vermissen wir. Ohio City besteht nur aus der 25. Straße und Little Italy ist echt sehr klein. Im Business Viertel waren wir erst gar nicht. Der Abend klingt in einer der wenigen Kneipen, die heute Livemusik bieten, aus. Reißt uns jetzt nicht vom Hocker. Vor allem wird das Essen auf Papptellern und das Getränk in Plastikbechern serviert – in der Kneipe für mich ein No-Go. Gegessen wird überwiegend mit den Fingern – Fingerfood live.
Wir kaufen ein und kochen selbst.

Markthalle


Markthalle in der 25. Straße


Übliche Portionsgröße
Reicht bei uns für eine komplette Familie

USA Rundreise 2019_14

Cincinnati/Ohio







Die Smokys und die Vergnügungsparks lassen wir hinter uns. Wobei wir das Vergnügungs-Ballyhoo nur aus der Ferne betrachtet hatten. Unser nächster Stopp ist in Cincinnati im Bundesstaat Ohio. Sonntags sind die Straßen proppenvoll, mehrfach stehen wir im Stau. Unser Google-Navi leitet uns von der Interstate 75 runter und auf den Highway 25. Nicht nur uns, gefühlt tausende Andere auch. Was zur Folge hat, dass sich auch hier kein Rad mehr dreht und wir immer mehr in die Tiefen von Tennessee geleitet werden. Wir kommen an Orten vorbei, die kein Mensch sehen will. Verlassene und verfallene Farmhäuser, Messi-Häuser wo der Müll in Tüten über die Terrasse hinaus in den Garten quillt, kaputte Autos, die einfach am Ort des Kollapses stehen gelassen wurden u.v.m. Bereiche, wirklich wahr, ohne Mobilfunkabdeckung. Hier ist „make America great again“ in den letzten vier Jahren definitiv nicht vorbeigekommen, geschweige von „keep America great“.
So vergehen Stunden bis wir in Cincinnati, Ohio ankommen. Geplant war um 15 Uhr im Hotel einzuchecken und dann gleich loszulegen um die Stadt zu erkunden. Wir kommen erst nach 18 Uhr an. Unser Nachtdomizil ist direkt am Ohio River, im Bezirk The Banks. Dieses Viertel ist komplett neu gestaltet. Ein großer Riverside Park, mit Wasserspielen, Riesenrad, Klangkörper und Glockenspielen. Außerordentlich hübsch und sauber. Die historische John A. Roebling Brücke ist gleich um die Ecke. Sie war ursprünglich die längste Hängebrücke in Amerika und würde vom gleichen Ingenieur konstruiert wie die Brooklyn Bridge in New York. Fotoshootings sind angesagt. Sehr viel mehr sehen wir vom Innenstadtbereich leider nicht. Das Viertel „over the Rhine“ ein ehemals deutsches Auswandererviertel, erinnert an das alte Berliner Stadtviertel Kreuzberg (als wir dieses in den 70iger Jahren erstmals sahen). Viel Kulturelles steht im Eventkalender, wir müssen passen. Am Montag geht es weiter an den Erie-See, eine weitere Nacht in Cincinnati hätte sich gelohnt.

USA Rundreise 2019_13

Great Smoky Mountains
Pigeon Forge/Gatlinburg
Nach Nashville zieht es uns ins Grüne. Die Great Smoky Mountains liegen 300 Kilometer östlich von Nashville und sind ein beliebtes Ausflugsziel für die Städter. Da wollen wir hin. Auf Empfehlung der Rezeption unseres Hotels in Nashville haben wir uns in Pigeon Forge eingebucht, im Wilden Bären war noch ein Zimmer zu haben. Gatlinburg ist an diesem Wochenende nahezu ausgebucht. Wir wünschten uns eine Unterkunft am Rand der Mountains mit Blick ins Grüne. Zum Wandern und Kopf auslüften. Nur ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen; am Rande der Mountains. Als wir in Gatlinburg/Pigeon Forge ankommen, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Wo sind wir hier nur gelandet? Gatlinburg/Pigeon Forge ist ein einziger Freizeitpark entlang der Bundesstraße. Kilometerweit Fahrgeschäfte, Riesenrad, Ballyhoo, Disneyland 4.0, gekrönt durch den Dollywood Park der Country Sängerin Dolly Parton. Die sind doch alle größenwahnsinnig.
Der Wilde Bär liegt direkt an der sechsspurigen Bundesstraße. Schlafen geht mit Ohrstöpsel, immerhin ist es sehr sauber. Der Witz am Wilden Bären ist, dass es ein Motel mit deutschen Restaurant ist. Und es steppt der Bär. Es gibt Bratwurst, Kartoffelsalat (den wir lieber nicht probieren), Schnitzel in allen Variationen, frische Salate, deutsches Bier etc. Samstag ist der beliebteste Tag. Der Laden brummt. Es gibt Sauerbraten und Rindsrouladen nach Omas Art.
Wir sind jedoch nicht zum Essen hierher gekommen. Einen ausgedehnten Spaziergang (Wandern wäre übertrieben) im Great Smoky Mountains Nationalpark machen wir. Ein kurzes Stück geht es mit dem Auto in die Berge. Berge ist relativ, die Schwäbische Alb oder das Allgäu sind vergleichbar. Da wir früh dran sind, bekommen wir sogar direkt am Einstieg einen Parkplatz. Unser Ziel sind die Rainbow Falls. 5,5 Kilometer sanft ansteigend. Sehr angenehm zum Laufen, weil der Weg top instand gehalten ist. An steilen Stellen Steinstufen, ansonsten Steinplatten und Holzbalken zur Ableitung des Regenwassers.

Trail zu den Rainbow Falls



Rainbow Falls

Die Wolkendecke schließt sich dummerweise, so dass uns das Schauspiel des Regenbogens am Wasserfall verwehrt bleibt. Bei voller Sonne bildet sich um den Wasserfall herum durch die Lichtbrechung im Wassernebel ein Regenbogen. Heute nicht. Beim Abstieg werden wir auf den letzten 500 Meter so dermaßen von Oben begossen, dass wir uns klatschnass ins Auto setzen. Wandern ist für heute abgeschlossen. Mit dem Auto geht es weiter. Zuerst nach Ober Gatlinburg, wo sich im Winter sogar eine Skipiste befindet. Das aktuelle Highlight dort ist eine 210 Meter lange Skybridge die sich über eine Schlucht spannt.

Great Smoky Mountains
Sky Bridge in Gatlinburg

Trotz unsicherem Wetter stehen Massen am Kassenhäuschen. Wir nicht. Wir nehmen Kurs auf Ashville in North Carolina. Die Landesgrenze zwischen Tennessee und North Carolina verläuft längs durch die Mountains.

Great Smoky Mountains Nationalpark


In North Carolina gehen die Smokys in die Blue Ridge Mountains über. Unsere Straße, die wir durch die Berge wählen, ist nur auf der Tennessee Seite asphaltiert, in North Carolina ist die Bundesstraße 32 nur noch eine Schotterpiste. Der Verkehr soll über den Highway 40 fließen und nicht quer durch den Nationalpark. Können wir akzeptieren und drehen ab. Wir kommen am River raus und können unzählige Schlauchboote beim Rafting beobachten.



Um da mitzumachen ist es leider zu spät am Tag, aber wahrscheinlich wäre der Event wieder an der Schmerzgrenze (Preis nicht akzeptabel) gescheitert. You can’t always get what you want….

USA Rundreise 2019_12

Tag 3
Heute Vormittag ist wieder gehobene Kultur angesagt. Das Nashville Museum of Art zeigt derzeit aus der Sammlung Gelmann einige wenige Bilder von der deutschstämmigen mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. Frida Kahlos Vater Wilhelm kam aus Pforzheim (Baden-Württemberg) und ist mit 18 Jahren nach Mexiko ausgewandert.



Frida Kahlos geliebte traditionelle Kleidung

Ausstellungen von Frida Kahlos Werk sind sehr selten. Das Gesamtwerk von Frida Kahlo, die nur 47 Jahre alt wurde, umfasst lediglich 144 Ölgemälde. Nach ihrem Tod verfügte ihr Ehemann Diego Rivera, dass die Bilder, die sich im Museum Casa Azul in Coyacán befinden, Mexiko niemals verlassen dürfen. Näheres ist im www zu finden.

Am späten Nachmittag sind wir zusammen mit 250.000 Menschen in Downtown Nashville unterwegs um dem Independence Day zu feiern. Wir feiern nicht, wir staunen nur. Der Broadway, wo die große Bühne steht, ist bereits am Nachmittag brechend voll. Wir gehen zwar noch durch die Sicherheitsschleusen, mit Körperscanner und Taschenkontrolle, aber verlassen den Bereich schnell wieder.

Neues Ziel ist das Ascent Amphitheater, wo am Abend das mehrfach prämierte Nashville Symphonie-Orchester live zum Feuerwerk spielt. Bis dahin werden die einzelnen Acts der Hauptbühne auf große Leinwände überall in der Stadt und ins Theater übertragenen. Wie sitzen bequem auf Stühlen und können ohne den riesigen Trubel die Show miterleben. Das Motto in Nashville ist „let freedom sing“. Also keinerlei politisches Statement und kein militärisches Brimborium, so wie es in diesem Jahr erstmals in Washington aufgezogen wurde.

Im ganzen Stadtgebiet sind Leinwände aufgebaut, die die Show der Hauptbühne übertragen

Kurz vor 21:30 Uhr erscheint das Symphonie-Orchester und mit dem ersten Takt rauschen auch schon die Feuerwerkskörper in die Höhe. Insgesamt dauert das Konzert zum Feuerwerk 30 Minuten. Es ist definitiv das gigantischste Feuerwerk das ich je gesehen habe. Alles eine Nummer größer und wahnsinniger. Walters Kommentar: gut, dass die heute so viel amerikanische Steuergelder verprasst haben, dann können sie damit schon keinen anderen Blödsinn anstellen.

Symphonie Orchester im Amphitheater



USA Rundreise 2019_11


Tag 2
Immer mehr Straßen werden abgesperrt, Bühnen aufgebaut und Toilettenhäuschen angekarrt. Den Hop on – Hop off Bus zu nehmen macht keinen Sinn. Wir holen uns den Flyer und fahren mit dem Auto die Sehenswürdigkeiten am Stadtrand ab. Das Belford Manison wird heftig beworben. Es ist ein historisches Herrenhaus, das heute ein Museum ist. Interessanter ist aber der Campus der Belford Universität. Alles nur vom Feinsten. Die einzelnen Fakultäten sind ebenfalls in verschiedenen Herrenhäusern untergebracht, die auf dem sehr gepflegten Belford Gelände stehen.

Belford Universitätscampus in Nashville



Der nächste Stopp ist der Parthenon im Centennial Park. Er ist ein detailgetreuer Nachbau des antiken griechischen Parthenon-Tempels in Athen, also ein Plagiat.
Weiter geht es zum Farmer‘s Market. Das passt uns heute ganz gut. Hier gibt es eine große Auswahl an Essen.
Nach einer kurzen Ruhepause im Hotel geht es zurück in die City. Bereits heute um 16 Uhr fangen die Feierlichkeiten zum Independence Day an. Im Ascent Amphitheater gibt es Livemusik bis 20 Uhr.

Danach ziehen wir weiter Richtung Broadway und finden eine gediegene Jazz-Location in der Printers Alley.

Hier bleiben wir bis die Band aufhört.