Segelsommer 2026 mit der SY Pille_20

Visby/Gotland – Loftahammar – Fyrudden – Stegeborg – Mem

Die Tage fliegen nur so dahin. Wir verlassen Gotland nachdem das Sturmtief durchgegangen ist und der Wind moderat aus Nord bläst. Die Wellenhöhe ist mittlerweile auch erträglich; zwischen Gotland und den geschützten Schären liegen über 50 Seemeilen (ca. 95 Kilometer) freier Seeraum, da kann sich schon einiges aufbauen. Fun Fakt: auf der Hinfahrt hatte es uns ziemlich verschaukelt. Achterbahnfahrt. Ein Crewmitglied hat es auf der Toilette ausgehoben und bei der Landung hat’s den Klodeckel gesprengt. Schleudergang halt. Erster Schaden auf der Reise.
Zwischenzeitlich hatten wir einen Stopp in Loftahammar, dann waren wir zwei Tage in Fyrudden. Dort war am Wochenende Hafenfest Hully Gully und Fußball Public Viewing bis zwei Uhr morgens. Da sind nur die Harten am Sonntag raus. Am Montag ging es für uns weiter in Richtung Göta Kanal. Herrliches Wetter. Sonne pur. Wind ganz schwach.

Schären zwischen Fryudde und Mem

Nächster Stopp war Stegeborg mit seiner alten Schlossruine. Walter weigerte sich, nachdem er den Eintrittspreis von 70 SEK/Person gesehen hatte, noch weitere mittelalterliche Steinhaufen anzuschauen. Gustav Wasas alte zusammengefallene Hütte mit erhaltenem Schlossturm war ihm grad egal.

Yachthafen vor der Ruine Stegeborg

Von Stegeborg ging’s dann in Mem in den Göta Kanal. Die ersten drei von 58 Schleusen, von haben wir schon geschafft und liegen jetzt als Fotomodell direkt an der Göta Kanal Promenade in Söderköping. Sie ist halt schon schön, die Pille.

Ansteuerung Mem/Göta Kanal

Erste Schleuse im Kanal

Gästehafen Söderköping direkt an der Göta Kanal Promenade

Söderköping, St. Laurentii Kyrka

Söderköping, Glockenturm der St. Laurentii Kyrka

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_19

Visby Stadtrundgang_2


Das Sturmtief ist durch. Einmal kräftig durchgeblasen. Der Botanische Garten hat einige alte Bäume eingebüßt und musste zum Teil gesperrt werden. Wir lassen uns nochmals durch die Mittelalterstadt treiben, besuchen Schwedens größten Eisladen u.v.m.



St. Maria Domkirche, Visby

Fiskegränd, Visby
Meist fotografierte Gasse in Visby

Die Stadt Visby bereitet sich auf den nächsten Sturm vor. Auf den Ansturm der Stockholmer Nachwuchs Haute Volée mit ihren fetten Motorbooten und noch fetteren Soundanlagen. Nächste Woche ist Stockholm-Woche. Die ersten Vorboten sind schon da und beschallen den inneren Hafen. Da heißt es Reißaus zu nehmen. Zurück in die Schären an der Ostküste und in Richtung Göta-Kanal.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_18

Geführter Stadtrundgang in Visby
Die Touristen Information bietet free-tours an. Ohne Anmeldung. Einfach um 11 Uhr da sein. Falls mehr als 20 Personen aufkreuzten – Pech. First come – first serve.
Unser Guide, der Schotte Aiden, lebt seit 12 Jahren auf Gotland und hat irgendwas mit Historie in der Vita. Die 1,5 Stunden Führung ist auf Englisch, eingefärbt mit Schwedisch und Schottisch. 75 % von dem Erzählten habe ich verstanden. Gleich zu Anfang wird das „for free“ präzisiert: wenn dir’s gefallen hat, dann zahle was du denkst was es wert war. Wenn dir’s nicht gefallen hat, schicke deinen Nachbarn.
In unserer Gruppe sind 4 Norweger, 2 Australier, 1 Spanier, 1 Schwede, 2 Deutsche. Die Mittelalterstadt ist voll mit Kreuzfahrt-Touristen die hinter ihren Nummerntafelträgern irrlichtern. Wir haben es gut, dass wir eine kleine Gruppe sind und unser Guide die Tour so legt, dass wir dem Gewimmel entgehen. Aiden gibt einen Kurzabriss zur Geschichte von Gotland ab dem 12. Jahrhundert, über die Verbindung der Hansestadt Visby zur Hansestadt Lübeck. Aiden kennt viele Geschichten, wahre und erfundene. Wir sehen die ältesten Lagerhäuser, Fischerhütten, Kirchenruinen, Botanischer Garten, die alte Stadtmauer, Marktplätze u.v.m. Nur in die Domkirche darf keine Führung rein. Gut so. Wir sollen im Anschluss an die Stadtführung selbst rein gehen. Wir sind gebrieft auf was wir achten sollen. Gut, dass wir die Stadtführung mitmachen konnten. Wir wären im Besucherstrom gestrandet und hätten aufgegeben.

Visby St. Maria Domkirche


Visby St. Maria Domkirche


Christopher Polhems Statue (Schwedischer Wissenschaftler *1661 in Tingstäde, Gotland)
Im Hintergrund Ruine Drottenskirche


St. Karins Kirchenruine, Visby


Visby


Visby


Botanischer Garten

Ab 16 Uhr ist ultimatives Scheißwetter angesagt. Es zieht ein Sturmtief direkt über Gotland. Aktuell sind wir im Auge des Tiefs und es ist absolut windstill. Aber bald geht’s los. Heute um Mitternacht ist Show time mit 49 Knoten in Böen.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_17

Borgholm-Byxelkrok/Öland-Visby/Gotland
Kurzer Übernachtungsstop in Byxelkrok im Norden von Öland um ein durchzuziehendes Tief abzuwettern. Auf einen Landausflug verzichten wir. Es schüttet schon wieder und außerdem wollen wir am nächsten Tag sehr früh los um rüber nach Visby/Gotland zu Segeln.

Gewitterwolke über Byxelkrok


Hafenmole Byxelkrok

Es sind 46 anstrengende Meilen. Es steht noch eine unangenehme Restwelle und der achterliche Wind ist zu schwach um uns durchzuziehen. So muss der Motor wieder mitschrieben. Eine bescheidene Reise, es scheppert und klappert auf dem ganzen Schiff. Die Segel wollen nicht stehen. Das Großsegel hat Pause und das Vorsegel steht nur ausgebaumt mit dem Spibaum. So verzurrt knallt es wenigstens nicht, wenn die Wellen das Schiff aufschaukeln. Schönes Segeln ist anders.
Die ersten Eindrücke von Visby, UNESCO Welterbe, sind entschädigend.

Stadtmauer in Visby



Sommer in Visby/Gotland

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_16

Quälnix-Kunsttour 2.0
Heute geht’s mit den Bordrädern (genannt Quälnixe) zum VIDA Kunstmuseum, 11 km südlich von Borgholm. Der Radweg führt komplett an der stark befahrenen Bundesstraße 136 entlang. Unschön. Der schönere Weg durch den Wald ist blockiert durch die königliche Sommerresidenz Solliden samt Englischem Garten. Die Sommerresidenz ist privat und nicht zu besichtigen. Die Gartenanlage jedoch ist in den Sommermonaten geöffnet und für Besucher zugänglich. Kostet 150 SEK bzw. 13,50 €/Person. Wir lassen die Schönheit rechts liegen und radeln weiter im Abgasnebel zum VIDA Museum. Wieder ein architektonisches Meisterwerk, mit tiefen Fenstern und freiem Blick auf den Kalmarsund.


VIDA Museum Öland


VIDA Museum

Im Museum sind die Massivglas-Skulpturen und Glasbilder von Bertil Vallien sehr beeindruckend. Er gießt diese in den Glashütten von Kosta Boda. Eine ausführliche Dokumentation hierüber läuft im Ausstellungsraum. Auch die Glaskunstwerke von Markus Åkesson sind außergewöhnlich. Weniger angetan waren wir von den Kunstwerken der Ehefrauen von Vallien und Åkesson, Ulrica Hydman Vallien und Ellen Ehk Åkesson.

Glasbild von Bertil Vallien


Glaskunst aus Massivglas von Bertil Vallien


Glaskunst von Bertil Vallien

Markus Åkesson, Glaskunst


Markus Åkesson, Glaskunst

Die Künstlerin Nathalia Edenmont, geboren in Jalta/Halbinsel Krim, lebt heute in Stockholm. Ihre bearbeiteten Fotografien sind im Grenzbereich zwischen abstoßend und ansprechend. Blut ist fast immer im Spiel, Maden erregen Ekel. Kunst darf das. Ich muss es nicht schön finden.

Nathalia Edenmont
Neuinterpretation von Chili con carne


Nathalie Edenmont
Ich finde es ekelig: Maden im Haar und Insekten als Kleid

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_15

Borgholm/Öland

Der schwedische Sommer macht Pause. Leider. So fallen unsere Exkursionen in und um Borgholm ins Wasser bzw. es werden kleine Kurztrips in den Regenpausen. Borgholm ist die touristische Hauptstadt Ölands. Nett angelegt mit Parks und Fußgängerzone. Die üblichen Läden, Cafés und Restaurants. Einen ganz verrückten Kruscht- und Krempelladen finden wir.

Kruschtladen in Borgholm


Kruschtladen2.0


Der komplette Temu-Schrott gebündelt und gestapelt auf 100 qm.

Borgholm Slott (von der Website Borgholm Slott)

Der Spaziergang zur Schlossruine führt uns durch einen Stadtteil von Borgholm mit sehr hübschen alten Holzhäusern. Die Häuser erinnern extrem an die Holzhäuser in Georgia, South- und North Carolina (US-Ostküste).

Borgholm/Öland


Borgholm/Öland

Ich sag ja immer schon, dass die amerikanische Kultur und Architektur von den Europäer, hier von den schwedischen Einwanderern* mitgebracht wurde. Alles nur geklaut.
*Auf Empfehlung meiner Schwedisch-Lehrerin habe ich die Auswanderer-Bücher von Vilhelm Moberg gelesen. Sehr zu empfehlen. Der Epos beginnt mit der Auswanderung småländischer Familien aus der Not heraus im Jahr 1840. Der vierte Band „Sista brevet till Sverige“ endet mit dem Tod von Auswanderer Karl Oskar Nilsson.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_14

Kalmar Slott

Karlskrona – Kalmar
60 Seemeilen. 11 Stunden mit wechselnden Bedingungen. 3,5 Stunden reine Motorfahrt wegen Flaute. 3,5 Stunden Vollzeugsegeln mit Dieselwind, weil wir nicht mit unter 4 Knoten Fahrt dahindümpeln wollten. Die letzten 4 Stunden ohne Motorunterstützung, dafür mit gerefften Segeln und zeitweise mit über 7 kn Fahrt. Alles dabei. Wind und Wetter unberechenbar, außer dass die Sonne vom Himmel brät als gäbe es kein Morgen. Die Wetter-App schickt eine Hitzewarnung für Kalmar. 30 Grad.
Die Kalmar Stadtmarina ist halbleer, freie Auswahl. Wir gehen wieder an die Bojen vor dem Clarion Hotel im Hafenteil „gamla havn“. Vor zwei Jahren hatten wir die Boje 20, jetzt die 21. Das Hotel schützt perfekt vor dem „Großstadtlärm“. Der neuere Teil der Marina hat den Bahnhof gegenüber und die Durchgangsstraße direkt davor. Wobei Großstadt und Lärm, beziehungsweise Bahn- und Autoverkehr hier maßlos übertrieben sind. Nach 22 Uhr schläft die Stadt. Die übrigens sehr viel schöner ist als Karlskrona. Das Schloss aus dem 12. Jahrhundert wurde im 16. Jahrhundert in ein Renaissance Schloss umgebaut und steht heute noch unverändert da. Die Altstadt mit ihren vielen Lädchen ist sehr schnuggelig. Uns gefällt es hier. Morgen geht es jedoch weiter nach Öland.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_13

Beliebtestes Fotomotiv: Inselchen Brändaholm bei Karlskrona

Idylle pur


Gardening Day

Aktivurlaub?
Die Quälnixe (unsere Bordräder) kommen wieder zum Einsatz. Die ersten acht Kilometer sind richtig idyllisch. Durch die Altstadt, rüber über die Brücke zur Insel Brändaholm. Südschwedens beliebtestes Fotomotiv. Eine Puppenstubensiedlung auf einer Schäre. Herausgeputzt fürs Foto. Mit gemischten Gefühlen laufen wir auf dem markierten Weg durch die Schrebergartensiedlung. Wir sind fast allein unterwegs, noch ist Vorsaison. Diese Woche noch. Die Dauerbewohner werden in der Saison ihrer Privatsphäre beraubt, wenn Hunderte Touristen über die Insel latschen. Nicht schön.

Für uns geht’s auf der Insel Dragsö nicht weiter, also radeln wir in die andere Richtung. Richtung Lyckeby. Glücksdorf. Es ist halt die typische Vorstadt, mit großem Einkaufszentrum und Wohnblocks. Zurück. Abendessen bei Blomlövs in Saltö. Krabbensalat und Krabbenbrötchen. Jättegott!

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_12

Karlskrona, Stadtrundgang zu Fuß
Mit dem Stadtplan auf Papier, klassisch, bekommen wir den besten Überblick. 15.000 Schritte und wir wissen Bescheid. Na ja, zumindest über die 14 wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt auf der Insel Trossö. Vom Stadthafen geht’s zum Stortorget, dem großen Marktplatz. Hier befinden sich gleich drei Hotspots.
Die Fredrikskirche, Baubeginn 1720, Fertigstellung 1744. Sie ist sehr schlicht und hell, hat keine Kirchenbänke sondern einzelne Stühle. Das Besondere ist ein großes ovales Taufbecken mit fließendem Wasser in der Mitte.

Fredrikskyrkan, Karlskrona

Die Dreifaltigkeitskirche aus dem Jahr 1709. Ein achteckiges Gebäude mit einer beeindruckenden Kuppel. Alle Bänke sind auf die Mitte hin ausgerichtet. Dies schafft eine besondere feierliche Atmosphäre.

Kuppel der achteckigen Dreifaltigkeitskirche


Dreifaltigkeitskirche, ehemalige deutsche Kirchengemeinde


Dreifaltigkeitskirche

Das historische Radhaus. Wir standen nur davor und konnten nicht fotografieren, weil die Fußball-Fanmeile direkt davor aufgebaut war. Abends gibt’s derzeit public viewing diverser WM Spiele.

Die nächste Sehenswürdigkeit ist das Marinemuseum. Mit Schwedens maritimer Geschichte von 1522 bis heute. Eine große Sammlung von Galionsfiguren,

Galionsfigur im Marinemuseum Karlskrona

Dokumentationen über Schiffbau und U-Boot-Jagten im Kalten Krieg. Das U-Boot Neptun befindet sich im Untergeschoss des Museums und kann besichtigt werden. An Klaustrophobie sollte man nicht leiden, es ist abartig eng und beklemmend im Rumpf des U-Boots. Das Minenabwehrschiff Bremön aus den Jahr 1940, Schulschiff Jarramas von 1900 liegen im Hafen des Museums und können ebenfalls besichtigt werden. Wir kneifen nach 1,5 Stunden ab und gehen weiter zur
Admiralitätskirche von 1685. Vor der Kirche steht die Figur des Bettlers Rosenbom, diese ist zugleich eine Spendenbüchse. Wenn man den Hut hebt, kann man eine Spende einwerfen. Die Spenden kommen sozialen Projekten zugute.
Weiter führt der Rundweg durch den Altstadtteil Björkholmen mit den schönen Holzhäuschen, sowie vorbei an der kleinen Insel Ekholmen.

Karlskrona, Björkholmen


Karlskrona, Ekholmen

Zum Abschluss gehen wir noch über die Brücke auf die Insel Saltö mit dem ehemaligen? Fischereihafen und den Fischräuchereien. Beides ist aktuell nicht zu Sehen. Ein schönes Restaurant befindet sich jedoch direkt am Wasser. Die Speisekarte ist wirklich verlockend, aber leider ist es erst 16 Uhr und wir haben noch keinen Hunger auf ein Fischmenü. Wir kommen demnächst wieder zur Abendessenszeit. Uns steht der Sinn nach Fika (viel Kaffee und Kuchen).

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_11

Wanderung Hanö rund


Märchenwald


Obelix war hier

Bei sehr angenehmen 25 Grad und leichtem Südwind ziehen wir festes Schuhwerk an, packen ein kleines Rucksäcken mit Getränken und begeben uns auf die dreistündige Wanderung Hanö rund.
Die Wanderwege sind außerordentlich gut ausgeschildert. Es geht buchstäblich über Stock und Stein, durch Märchenwälder, über Felsen, Klippen, Kluften, durch Geröllfelder und Grassteppen. Die Eiszeit hat hier eine besondere Landschaft hinterlassen, mitten auf der Insel, sogar auf der Anhöhe kamen mordsmäßige Felskugeln zum Liegen.

Wanderung Hanö rund


Wanderung Hanö rund


Wanderung Hanö rund


Wanderung Hanö rund

Die Insel ist Privatbesitz. Sie ist 2,2 km lang von Nord nach Süd, und 1,3 km breit. Es gibt keine Autos nur zwei Quads von Bediensteten der Kommune. Um den Hafen herum sind die Wege asphaltiert, ansonsten Schotterwege und Trampelpfade. Es gibt ein Restaurant, ein Eislädelchen, ein Minisupermarkt und zwei Loppisbuden (Secondhand Lädchen).

Alle Sehenswürdigkeiten werden abgehakt. Wir sind streckenweise alleine unterwegs, gut so. Die Saison beginnt erst am nächsten Wochenende. Dann spucken die Fähren, die von Nogersund im Stundentakt hier im Hafen anlegen, pro Saison bis zu 40.000 Tagesbesucher aus.