Mit dem T 3 Bulli unterwegs_21

Auf der Fahrt zum Staffelsee ein Abstecher zum Weltkulturerbe Wieskirche


Prunk und Gloria in der Wieskirche

Naturschutzgebiete am Staffelsee


Morgens am Staffelsee

1000 Höhenmeter
Heimgarten. Der unbedarfte Bürger, so auch wir, stellt sich unter Heimgarten ein schmuggeliges Gärtchen rund ums traute Heim vor. Für Tag zwei unseres Aufenthalts am Staffelsee schlagen Renate und Dieter vor, den Heimgarten zu besuchen. Ja, klar, kein Thema. Machen wir. Spätestens jetzt hätten wir wach werden müssen. Unser Heim ist nicht am Staffelsee, hier steht nur unser Campingbus für drei Tage auf dem Campingplatz, und ein Gärtchen haben wir hier schon gar nicht. Nach und nach stellt sich heraus, dass der Heimgarten überhaupt gar nichts mit einen Gärtchen gemein hat – nein der Heimgarten, das ist ein erzgemeiner Berg hier um die Ecke. Von Ohlstadt aus heißt es schlappe vier Stunden zu laufen und 1000 Höhenmeter zu erklimmen, um das Gärtchen in der Höhe zu erreichen. Eine Herausforderung für uns untrainierte Städter. Belohnt werden wir mit Holunderschorle und Versperbrettle auf der Heimgartenhütte und einem unbeschreiblichen Rundumblick auf Walchensee, Kochelsee, Starnberger See, Ammersee, Riedsee und Staffelsee.

Ausblick vom Heimgarten


Bushaltestelle Heimgarten außer Betrieb. Im Hintergrund der Staffelsee


Blick zum Walchensee

Der Abstieg wird zur ultimativen Tortour. Gift für die Kniegelenke und die Lendenwirbel.

Nütz nix – 1000 Höhenmeter bleiben 1000 Höhenmeter.


Fromme Wegweiser auf dem Abstieg vom Heimgarten

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_20

Drei Tage am Arlberg
Die Anreise durch den Bregenzer Wald (Lied von HMBC „Von Mellau bis nach Schoppernau“)* ist Programm. Anschließend über den Hochtannbergpass nach Warth und weiter nach Lech und Zürs. In Lech ist vom 03.09. bis 05.09.2020 Die Arlberg Classic Car Rallye. In der Summe werden Millionenwerte über den Arlbergpass bewegt. Alle historischen Sportwagen von Rang und Namen sind vertreten, allen voran unsere Nobelmarken aus Untertürkheim und Zuffenhausen. Nicht nur – ein T 2 Bulli und ein Käferkabrio sind auch vertreten und werden gefeiert. Eigentlich hätten wir mit dem T 3 auch dort aufschlagen können… so als Kontrapunkt.


Alle Parkplätze an den Liftanlagen, außer in St. Christoph, sind gesperrt. Der Normalo mit dem Campingbus ist in Zürs/Lech nicht willkommen. Hinstellen und Übernachten ist nicht erwünscht. Den ersten offiziellen Campingplatz gibt es in Pettneu am Arlberg (ArlbergLife) und der ist sehr zu empfehlen. Nur 6 km von St. Anton entfernt und mit dem Fahrrad und dem kostenlosen Ortsbus ist alles bequem und schnell zu erreichen. Mit der gratis Sommergästekarte können alle Liftanlagen, die in Betrieb sind, an einem Tag kostenlos genutzt werden. Das nutzen wir weidlich aus. Bis zur Vallugaspitze, 2.809 m, lassen wir uns hochgondeln. Hinab nach St. Anton, 1304 m, geht es zu Fuß. Schlappe 1.500 Höhenmeter gehen ganz schön in die Oberschenkel und die Knie.

Blick von der Valluga Richtung Schindlergrad Talstation, Arlbergpass und Lechtaler Alpen

Abstieg von der Valluga Richtung Ulmer Hütte

Blick vom Gampen auf den Rendl, im Tal St. Anton

In Anton ist tote Hose – kaum ein Hotel hat geöffnet, in der Fußgängerzone verirren sich einige Wenige.

Am zweiten Tag fahren wir mit dem Postbus von Pettneu nach Lech und wandern, eher spazieren aufgrund der brennenden Oberschenkel am Lech entlang über Zug zum Älpele. Da gibt es lecker Kaiserschmarrn und Milchkaffee.

Zuger Täli, Wanderung am Lech entlang

Lechtal zwischen Zug und Formarinsee

Zurück in Lech können wir den Zieleinlauf der Oldtimer miterleben, Rosi Mittermaier und Christian Neureuther steuern auch einen durchs Ziel und winken volksnah aus dem Fenster.
Für Tag drei ist Regen angesagt, wir verlassen die Haute Volee am Arlberg und ziehen uns in Richtung Bodensee zurück. Ursprünglich war das Etschtal und Meran geplant, aber da regnet es laut Vorhersage zwei Tage am Stück – das muss nicht sein. Bulli und Dauerregen schließen sich aus.

* Album/Single: Lieble, Vo Mello bis ge Schoppornou
Offizielle Übersetzung: Von Mellau bis nach Schoppernau
Samstag Zaubod a dor Egg, I beo wiedor amaul halb varreckt
Oas, zwo, drü, vier, fünf, seggs, siebo Gläsle sand oas zviel gsin, I gloub i ka nix daföar
No an letschta blick uf mine Rolex Uhr, häb oa Oug zua, dass I jau do Zwölfar sea,
Glück kea, glück kea und scho hat ar mi gseah, Guni seyt itz züod fädo I toar nämle zuo min Lädo.
Vo Mello bis ge Schoppornou bean I gloufo, d’Füaß himmor weh tau
Vo Mello bis ge Schoppornou bean I gloufo, d’Füaß himmor weh tau
Weh tau, we tau, we tau, d’Füaß himmor weh tau
Weh tau, we tau, we tau, d’Füaß himmor weh tau
Usse ussom Tritsch – abe vor a Kässtadl – Hond usse – wato bis an Karro kunt
Oas, zwo, drü, vier, fünf, sechs, siebo Stunda han I gwatot und zmaul kunt an rota Renault Clio dauhear
Deanna huckt an Dütscha Koch, ar seyt „Ich kann Dich mitnehmen bis nach Mellau von da an musst du schauen wie du selber weiterkommst und jetzt steig ein und mach das Fenster auf es stinkt“
ja reg di ned uf Zefix!!
Vo Mello bis ge Schoppornou bean I gloufo, d’Füaß himmor weh tau
Vo Mello bis ge Schoppornou bean I gloufo, d’Füaß himmor weh tau
Weh tau, we tau, we tau, d’Füaß himmor weh tau
Weh tau, we tau, we tau, d’Füaß himmor weh tau
Blausa kea an Füaßo, Blausa kea im Kopf, so bean I ietrolat i üsa Gadoschopf
Oas, zwo, drü, halbeviere wiad as gsin sin
D’Mama ischt scho ufret gsin, Si seyt „Ey Buob wau bischt scho wiedor gsin? Allad umanandsufo das kann as doch nüd sin, das kann as doch nüd sin, ey Vator saig ou amaul eatz“
„Ja lassa macho ar wiat scho weasso was ar tuot“
Vo Mello bis ge Schoppornou bean I gloufo, d’Füaß himmor weh tau
Vo Mello bis ge Schoppornou bean I gloufo, d’Füaß himmor weh tau
Weh tau, we tau, we tau, d’Füaß himmor weh tau
Weh tau, we tau, we tau, d’Füaß himmor weh tau.

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_19

Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Drei Nächte bleiben wir auf dem Wohnmobilstellplatz in Saarburg. Am Tag nach unserem „Triathlon“ radeln wir zur Mündung der Saar in die Mosel und wechseln auf den Moselradweg. Es ist nach wie vor brüllend heiß und wir machen schlapp. Im Wetterbericht erfahren wir später, dass Trier mit dem bundesdeutschen Highscore von 38,4 Grad punktet. Kein Wunder, Trier ist quasi in Sichtweite. Für die Rückfahrt wechseln wir auf die andere Moselseite und landen unversehens im Großherzogtum Luxemburg. Ups, da war doch was. Corona und Quarantäne. Wir radeln nur an der Mosel entlang und nach einer Stunde verlassen wir Luxemburg schon wieder.
Am nächsten Tag verlegen wir unser Schlafzimmer, das Campingbussle, nach Saarlouis, der Stadt des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. In der Vaubanstadt sind neben den historischen Festungsanlagen, den Kasematten und der Vauban-Insel viele alte Steine zu sehen. Interessiert uns im Moment nicht so doll. Im Altstadtkern ist hauptsächlich Gastronomie vertreten und es ist proppenvoll. Wir essen ein Eis in einem der vielen Eiscafes und verzeihen uns flott auf den fast leeren Campingplatz Wallerfangen.

Uns interessiert das nächste Weltkulturerbe, die 1986 stillgelegte Völklinger Hütte. Wir radeln die 21 Kilometer einfach und bestaunen die Eisen- und Stahlwelt und die Architektur des ersten Industriekulturdenkmals des UNESCO Weltkulturerbes. Sieben Kilometer lang ist der Rundweg und wir steigen sogar die 45 Meter auf Gittertreppen entlang der Hochöfen auf die Aussichtsplattform hoch. Interessant und imposant. Gewaltige Maschinen sind da zu bestaunen. Nicht auszudenken wie die Arbeitsbedingungen der Arbeiter waren. Im Winter bei Minusgraden, im Sommer bei brütender Hitze am Hochofen unter freiem Himmel. Immer im Schwerlastbereich und das nicht nur am Hochofen, sondern in all den anderen Bereichen des Werks. Ob in der Kokserei oder der Möllerhalle, wo Züge mit den Rohstoffen einfuhren um die Hängebahnwagen, die Lohren, zu beladen. In der Sinterhalle mit ihren riesigen Ventilatoren und Sintermaschinen. In allen Abteilungen musste schwerst körperlich gearbeitet werden. Im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Eine Zeit in der zugepackt wurde; heute unvorstellbar. Gesundheitsschutz und Arbeitsrecht lassen dies nicht mehr zu.

Urban Street Art auf den Freiflächen in der stillgelegten Hütte. Auch die Lager- und Produktionshallen werden als Ausstellungsflächen genutzt.

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_18

Saarschleife

Saar-Triathlon, sehr verkürzt.
36 Grad sind angesagt. Der Fahrtwind auf dem Fahrrad lässt es grad so aushalten. Wir radeln auf dem Saar-Radweg von Saarburg saaraufwärts nach Mettlach. Im Dreiländereck eingebettet befindet sich das Traditionsunternehmen Villeroy & Boch, wo wir in der alten Benediktinerabtei die Erlebniswelt Keravision besichtigen wollten – Geschlossen wegen Corona. Wenige Kilometer weiter kommen wir zur berühmten Saarschleife in Mettlach-Orscholz. Die Fahrräder werden beim Fähranleger angeschlossen und Triathlon Part 2 beginnt. Der Aufstieg durch das Steinbachtal zum Aussichtspunkt Cloef wird mit einem grandiosen Ausblick auf die Saarschleife belohnt. Für den Abstieg nehmen wir die direkte Variante, den Cloef Pfad, der im Zickzack-Kurs direkt runter zur Saarschleife führt. Nicht gut für die Kniegelenke, zudem ist volle Konzentration und Trittsicherheit gefordert. Im Anschluss daran geht es wieder auf die Fahrräder und zurück zum Wohnmobilstellplatz bei Saarburg. Part 3 des Triathlons, der mit dem Wasser, findet seniorengerecht unter der Dusche statt. Radfahren 4 Stunden, Laufen 2 Stunden, Wasser 4 Minuten. Wir sind so platt, dass wir nicht mehr zum Abendessen gehen. Im Kühlschrank hat es noch ein paar Reste, die müssen auch weg.

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_17


Unsere Deutschland-Entdeckungsreise geht nach vierwöchiger Pause im Westen weiter. Der Bulli hat zwischendurch ein neues Radlager und neue Bremsen bekommen.
In Trier besichtigen wir die historische Altstadt mit der Porta Nigra. Entlang der Mosel fahren wir zunächst nach Konz, wo die Saar in die Mosel mündet. Saaraufwärts geht es weiter zu dem mittelalterlich geprägten Saarburg. Es ist brüllend heiß, wir lassen den Bulli und die Fahrräder stehen und laufen gemütlich nach Saarburg rein. Wasser und Eis sind angesagt. Danach Aufstieg zur Saarburg und Fahrt mit dem Doppelsessel auf den Warsberg. Der Panoramaweg führt uns durch die Weinberge direkt zurück in die Altstadt – in ein Panorama- Restaurant über der Saar zum Tagesausklang. „ Saar-voire vivre“ – Hauptsach gudd gess, ein geflügelter Ausdruck, der aus dem Wortschatz und dem Lebensgefühl der Saarländer nur schwer wegzudenken ist.

Saarburg

Klein Venedig beim Saarburger Wasserfall

Die Saarburg

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_16

Fischland-Darß-Zingst


Mittlerweile steht der Bulli in Zingst auf einem Campingplatz. Leider können wir bzw. will ich nicht auf WoMo Stellplätze ohne Strom und Wasseranschluss. Da gibt es einige, auch die Landvergnügen-Stellplätze, für die wir ein Voucher erworben hatten, bringen uns ohne Frischwasser nichts. Wir nehmen den Bulli zwar nur als „Hotel Garni“, aber aus irgend einem Grund, kann er das Wasser nicht mehr halten … das Alter eben. Unser Frischwassertank ist inkontinent. Den Tag ohne Katzenwäsche und Kaffee zu beginnen geht gar nicht. So eben jeden Tag Campingplatz mit Dusche, WC, Strom und Brötchenservice und nicht nur jeden zweiten Tag. Auf den Campingplätzen fallen wir total aus dem Rahmen. Wir kommen an, stellen den Bus einigermaßen eben auf den Stellplatz, klappen das Dach auf, nehmen die Fahrräder vom Träger und weg sind wir. Nichts mit Vorzelt, Markise, Tisch, Stühlen und Gedöns, das kommt erst zum Frühstück kurz raus und gleich wieder weg. Wir sind angenehme Nachbarn. Nie da und abends zu verfroren um noch draußen zu sitzen.

Unsere Reise durch Meck-Pomm ist hier zu Ende. Wir radeln den Darß ab und werden, oh Wunder, in den zwei Tagen noch nicht mal nass. Am ersten Tag radeln wir über Prerow zum Leuchtfeuer Darßer Ort und zum Nothafen Darßer Ort. Wider Erwarten steht dort doch tatsächlich der Seenotrettungskreuzer „Theo Fischer“. Das heißt, die Fahrwasserrinne ist nicht versandet, sie wurde wohl nochmals ausgebaggert. Einige Segelschiffe liegen ebenfalls im kleinen Hafen. Seit Jahren gibt es ein riesiges Gedöns um den Nothafen, Baggern, nicht Baggern, schließen, einen neuen Hafen seeseitig in Prerow bauen etc. Ich bin nicht auf dem Laufenen, weil unser Segelrevier in den letzten sechs Jahren ja woanders lag.

Leuchtfeuer Darßer Ort

Nothafen Darßer Ort

Ansteuerung Nothafen Darßer Ort

Am zweiten Tag heißt unser Ziel Ostseebad Ahrenshoop. Auf der Radroute liegen die für uns schönsten Orte des Darß. Wieck mit seinen hübsch restaurierten Reeddachhäusern, dem putzigen Boddenhafen mit den traditionellen Zeesbooten und den frischen Fischbrötchen im Hafen.

Lecker Fischbrötchen

Boddenhafen in Wieck/Darß

Nicht minder hübsch ist Born am Darß. Unser Tagesziel Ahrenshoop ist ein traditionelles altes Ostseebad.

Reeddach-Haus in Ahrenshoop neu interpretiert

Mittlerweile so restauriert, dass die Verwahrlosung während der Jahre 1945 bis 1990 nicht mehr erkennbar ist. Es war einfach kein Baumaterial, kein Geld und keine Motivation da, den Bestand der Seebäder-Architektur zu erhalten. Wer einen richtig dicken Hals kriegen will, soll im www den Begriff „Aktion Rose“ googeln. Hier werden die systematisch geplanten und durchgeführten Enteignungen, Verhaftungen und Vertreibungen des damaligen Systems erläutert.

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_14

Der Bulli steht in Dranske auf einem richtig schönen Stellplatz. Eingefriedet und getrennt von den anderen Plätzen mit mannshohen Hecken, Wasser- und Stromanschluss direkt vor dem Bus. Saubere Sanitäranlagen. Ideal zum Urlauben. Links der Botten, rechts der Ostseestrand.
Unser Tagesausflug von Wiek aus mit Rad und Fähre nach Hiddensee endete mit Eisbein (meine Füße), klatschnassen Klamotten und Lumumba zum Aufwärmen. Hiddensee ist autofrei und besteht aus vier Orten, Vitte, Kloster, Grieben und Neuendorf und vereinzelten versprengten Häuseransammlungen.


Als Höhepunkte sind da die ehemaligen Wohn- und Sommerhäuser von Gerhart Hauptmann und der Stummfilmschauspielerin Asta Nielson, zugegeben mit dieser Dame konnte ich auch nichts anfangen, aber immer hin wurde das Haus von dem Bauhausarchitekten Max Taut entworfen.

Sommerhaus von Asta Nielson, Design Bauhaus Architekt Taut

Der Höhepunkt ist die Steilküste mit dem Leuchtfeuer Dornbusch.

Der Klassiker auf Hiddensee

Wir radeln die Insel rauf und runter. Steigen die Steilküste rauf und runter. Insgesamt 9 Stunden Aufenthalt haben wir. Für einen Tagesausflug ist das in Ordnung. Die Insel wirkt sehr ländlich, verschlafen man kann fast sagen, ganz Hiddensee ist ein Dorf. Es gibt keine großen Hotelkomplexe wie in den anderen mondänen Ostseebädern. Nein, Hiddensee bleibt den Künstlern und Ökos vorbehalten, hier hebt keiner so schnell ab.

Traditionelle Boddenfischerei auf Hiddensee

Alles total relaxed auf Hiddensee

Vieles erinnert uns an Juist, aber Juist ist immer noch die unschlagbare Nummer 1.

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_13

Biosphärenreservat Jasmund und Kreidefelsen

Königstuhl

In Lohme stellen wir den Bulli auf den Wohnmobilstellplatz. Im Krüger Naturcamp um die Ecke in Nipmerow haben wir keinen Platz bekommen. Der wollte uns nicht haben, blöd angemotzt wurden wir. Weil wir keine Reservierung hatten und auch keine Meldeadresse im Bundesland Meck-Pomm. Das sei strafbar, wir sollen uns vom Acker machen. Seit 25.05. gilt das jedoch nicht mehr. Die rüde Zurückweisung ist also Willkür. Wir fühlen uns 30 Jahre zurückgesetzt.
Nichtsdestotrotz gefällt uns das Biosphärenreservat Jasmund sehr gut. Wir machen am Nachmittag gleich eine Wanderung über den Küstenhochweg von Lohme zum Königstuhl. Am nächsten Tag kommen die Fahrräder wieder zum Einsatz. Unser Ziel ist Sassnitz. Nur 12 Kilometer entfernt. Trotzdem anstrengend. Der Radweg zieht sich rauf und runter durch den Küstenwald. Sassnitz entpuppt sich jedoch als nicht ganz so prickelnd wie die letzten Ostseebäder. Es gibt einen Fischerei-, Yacht- und Fährhafen. Die Stadt hat kein Flair. Kein Wunder, denn erst in den 60igern wurde aus dem Alt Sassnitz und dem Neubaudorf Crampas das heutige Sassnitz. Außer den wenigen Straßenzügen in Alt-Sassnitz hat die Stadt nichts schönes.

Alt Sassnitz

Alt-Sassnitz

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_12

Den Selliner Ortsteil Moritzdorf und das Seebad Baabe trennt die Baaber Bek, 50 Meter Brackwasser. Hier steuert Kay-Uwe Strandmann die kleinste Ruderbootfähre sicher von Ufer zu Ufer. Seit 1891 gehört die Ruderbootfähre zum Alltag der Einwohner von Baabe und Moritzdorf und Kay–Uwe Strandmann ist eines dieser so seltenen Originale, schon in dritter Generation Fährmann auf Rügen. *Heute ist der Fährmannn, der Urlauber mit Muskelkraft übersetzt, ein Kuriosum. Es sind nur diese 50 Meter, die er von Moritzdorf nach Baabe bewältigen muss. Doch wenn das Boot mit 15 Fahrgästen und bis zu 10 Rädern voll besetzt ist, dann kosten die rund 25 Ruderschläge Kraft. Ohne Strandmann müssten die Ausflügler acht Kilometer um den Selliner See herumfahren um nach Baabe zu gelangen. Nicht auszudenken, ein Moritzdorf ohne Fährmann.

*ab hier wörtlich zitiert aus der Gästebroschüre „Middenmang“ der Kurverwaltung Sellin