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3. Advent, Sonntag, 14.12., ein besonderer Tag. Er fängt damit an, dass wir den Wecker nicht gestellt haben und wunderbar lange schlafen. Die Nächte sind schon ziemlich kalt, wir haben die warmen Decken (Nordsee lässt grüßen) wieder im Einsatz und so schlafen wir schön warm eingewickelt wie die Murmeltiere bis es draußen wieder warm wird. Vorher aufzustehen macht ja auch überhaupt keinen Sinn, weil das Duschwasser auch erst von der Sonne erwärmt werden muss – wer will schon im Winter kalt duschen? So gibt es zum späten Frühstück bereits Apfelstrudel, Käsekuchen und Pfirsichsahnestorte (alles vom Samstagsmarkt in Puntagorda und alles original kanarisch aus deutscher Produktion). Die deutschen Residenten hier haben die Gastronomieoberhand (unser Eindruck) der komplette Markt in El Paso und auch in Puntagorda war deutschsprachig, die ausgezeichneten Cafés (Frida in Los llanos) und Restaurants (Azul in El Castillo) sind in deutscher Hand. Unser Sonntagsausflug ging nun abermals nach Puntagorda und nach La Tricias. Die dicken Regenwolken hingen noch einige Meilen nördlich von uns und so konnten wir den alten Camino (Wanderweg) durch die Mandelbaumfelder und durch den Drachenbaumhain machen.
Drachenbaum k
Die Mandelbäume tragen aktuell kein Laub mehr, aber es hängen noch viele Früchte drauf, die nicht abgefallen oder geerntet sind. Schade drum. Ab Februar blühen die Bäume wieder und es gibt neue Früchte, die wiederum keiner erntet oder aufsammelt. Nach unserem Sonntagsspaziergang fahren wir mit dem Wagen zu den Sternguckern (Observatorien) auf den Roque de los Muchachos hoch. Hier auf 2426 Metern haben wir glasklare Luft und 4 Grad. In der Nacht ist es hier stockdunkel, es gibt keine Streulichter und deshalb ist die Sicht ins Universum so einmalig. Die Wolkendecke ist unter uns und die Sonne steht flach drüber.
Roque Muchachos k
Die Wanderung hier oben steht noch auf unserer Liste, aber heute zieht es uns ins Restaurant Azul. Zum Tagesausklag gibt es ein vorzügliches Menü.
Suppe kVorspeise kHauptgang kDessert k

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Freitag, 12.12. ist um 8:30 Uhr der Krantermin für die Sunrise. Na ja, nach spanischer Zeitrechnung war es dann 10 Uhr und die beiden Kranspezialisten machten eher den Eindruck einer Spaßcombo. Aber sie beherrschten den Kran und die Tragegurte. Die hintere Gurte hatten sie exakt 1 cm neben dem zu tauschenden Seeventil platziert. Die Sunrise schwebte aus dem Wasser, wobei schweben relativ ist, immerhin hat sie auf dem Display des Kranspezialisten ein Gewicht von 11,5 Tonnen angezeigt. Ziemlich viel, zumal ihr Leergewicht mit 9 Tonnen angegeben ist und wir außer den vollen Wasser- und Dieseltanks noch gar keinen großen Proviantvorrat an Bord haben.
Spaßcombo
Der Austausch des Seeventils, bzw. des Borddurchlasses wurde vom Marineservice El Chopo durchgeführt. Unseres Erachtens zu schnell, da sie das Aushärten der Dichtungsmasse (Sika) nicht abgewartet haben. Wir hingen bis 16 Uhr im Kran und wurden dann kurz vor Feierabend und dem Wochenende wieder ins Wasser gelassen. Der Austausch des Borddurchlasses war völlig für die Katz´, weil der alte noch pfenniggut war. Die undichte Stelle kam von der Verbindung des Borddurchlasses mit dem Seeventil. Hier war vormals schlampig gearbeitet worden, die Abdichtung mit Hanf war undicht und der Hanf hatte sich mit dem Abwasser des Fäkalientanks durchtränkt und tröpfchenweise in den Unterschrank des Waschbeckens geleckt. Hat auch dementsprechend gerochen. Auf jeden Fall ist nun der Borddurchlass neu, aber das Seeventil ist noch das alte, wurde jedoch gereinigt und die Verbindungsstelle zum Borddurchlass wurde neu abgedichtet. Aktuell, nach 2 Tagen im Hafen, ist noch alles dicht – wir hoffen, dass das auch unter Belastung so bleibt. Am frühen Abend ging es mit der Chulugi-Crew noch nach La Laguna zum offenen Atelier des deutschen Malers Hagen Westphal, der vor 25 Jahren aus Bremerhaven nach La Palma gekommen ist. Sehr interessante Bilder auf kanarischem Pinienholz, Altholz und auch sehr schöne Aquarelle waren zu sehen – nur einen Nagel in die Wand zu schlagen, um ein Bild aufzuhängen geht nun mal ganz schlecht auf einem Boot.
Am Samstagvormittag haben wir mit der Chulugi-Crew (Joanna, Marcel und Hund Nico) eine Fahrt zum Wochenmarkt in El Paso gemacht. Marcel spricht spanisch und mit seiner Übersetzungshilfe habe ich mich endlich an die einheimischen Früchte gewagt. Ich habe Mandelkäse, Ziegenfrischkäse, Birnenmelonen, süße Tomaten (den spanischen Namen habe ich leider vergessen) und eine Kartoffelgurke (heißt nicht wirklich so, aber hat die Form einer schrumpeligen großen Kartoffel und die Farbe einer Gurke) gekauft. Die Kartoffelgurke muss erst noch verarbeitet werden, die Birnenmelone und die süßen Tomaten sind schon verzehrt. Weiter ging es zu den deutsch-polnischen Glasbläsern nach Los Llanos. Nur sehr schwer konnten wir uns auf 3 Glaskugeln beschränken, wir hätten sehr gerne noch Blumenvasen, Obstschalen, Weingläser, Teelichtgläser und anderes mitgenommen. Überaus geschmackvolle Farbkombinationen und auch Gläser mit Lavasteineinschlüssen (glasklar mit schwarzen Schlieren) stellen die beiden Glasbläser her. Am Nachmittag ging es weiter zu einer kanarischen Bierbrauerei (nach belgischem Rezept) mit Direktverkauf und Tapas-Restaurant. Lecker Bierchen getrunken und leckere Tapas gegessen. Der nächste Stopp war der Markt in Puntagorda, da unser Verdauungsspaziergang dem Regen zum Opfer fiel. Wir konnten nur kurz einen uralten Drachenbaum unmittelbar an der Verbindungsstraße zwischen Puntagorda und Tazacorte anschauen, weitere Wege waren aufgrund der sintflutartigen Regenschauer unmöglich.
La Palma k
Zurück in Tazacorte schien die Sonne; dies ist nicht ungewöhnlich, weil die hohen Berge an der Nordwestküste von La Palma eine Wetterscheide darstellen. Tazacorte ist der Ort mit den meisten Sonnenstunden auf La Palma.
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Die Busverbindungen hier sind recht gut. Stündlich fährt ein Bus vom Puerto Tazacorte nach Los Llanos. Von dort aus geht es weiter nach Santa Cruz de La Palma. Gestern sind wir nach Los Llanos gefahren um uns dort die historische Altstadt um die Kirche, die Kunsthandwerker-, die Bio-, Öko- und Naturkostläden (letztere fest in deutscher Hand) anzuschauen. Tolle Ledertaschen, Schmuck aus Lavasteinen, Klamotten aus Biobaumwolle und Seide, Bioobst und –Gemüse, Brot und vieles mehr. Gekauft haben wir (noch) nichts. Stattdessen sind wir am Nachmittag unserer Lieblingsbeschäftigung nachgegangen – na was wohl? Zwei Tassen und zwei Kuchenteller sind mit von der Partie gewesen.
Heute hat uns der Bus zum Flughafen nach Santa Cruz gebracht. Dort haben wir unseren Mietwagen geholt. Wir sind einfach unabhängiger mit dem fahrbaren Untersatz. Vom Flughafen aus ging es direkt in den Süden zu den Salinen von Teneguia.
Salinen Salek
Die Salzabschöpfung findet zwar nur in den Sommermonaten statt, aber die Anlage kann trotzdem besichtigt werden. Ein halbstündiger Rundweg führt mit Hinweistafeln, die Schritt für Schritt die Salzgewinnung beschreiben, durch die Anlage. Hier wird ausschließlich von Hand geerntet. Der Laden dort verkauft das Salz von Teneguia in verschiedenen Güteklassen. Das beste Salz ist das Fleur de Sel und es kann nur im Hochsommer bei einer bestimmten Wetterlage von Hand abgeschöpft werden. Die Verkäuferin hat ausdrücklich betont, dass dieses Salz erst nach der Zubereitung der Speisen zugefügt, also auf keinen Fall mitgekocht werden soll. Zum Schluss zum Verfeinern über den fertigen Fisch, das Fleisch oder das Gemüse streuen und sofort genießen. Werden wir probieren. Für unser leibliches Wohl am späten Nachmittag hat das dortige Restaurant gesorgt: Köstliche Langostinos im Bett von grobem Meersalz gegart und in einem Firstziegel (Dachziegel) serviert. Sah wirklich recht originell aus und hat superlecker geschmeckt.
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Weiter ging die Fahrt durch das Vulkangebiet des Teneguia, der erst 1971 ausgebrochen war. Meterhoch türmen sich die Lavabrocken neben der Straße, es gibt eine ausgewiesene Wanderroute durch das Vulkangebiet von Teneguia, die wir noch machen werden. Zurück nach Tazacorte führt die Straße durch ausgedehnte Bananenplantagen.
Banana canaria
Zum Sonnenuntergang haben wir einen kurzen Stopp in Puerto Naos, einem Hotspot der Mountainbiker, eingelegt. Muskelbepackte junge Menschen (sehen aus wie Rugbyspieler mit ihren diversen Schützern) tauschten am Nachbartisch die neuesten Informationen über ausgesuchte Trails aus, sodass uns Hören und Sehen vergangen ist – krasse Risikosportart. So fahren die Jungs und Mädels sogar den Steilwandweg vom El Time nach Puerto Tazacorte mit dem Rad runter! Ich bin ja wirklich schwindelfrei und habe keinerlei Problem mit dem Gleichgewicht, aber ich war wahrlich froh, als ich, als wir dort unterwegs waren, wieder ebenen Boden unter den Füßen hatte.

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Steilwand wir kommen! Vom Hafen Tazacorte geht der Wanderweg 131 weg und zwar ziemlich heftig. Nämlich die Steilwand 600 Meter hoch bis zum Mirador el Time. Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Kondition auch, aber nicht zwingend, weil man/frau kann ja jeweils in den Kehren stehen bleiben und den herrlichen Ausblick auf den Hafen, den schwarzen Sandstrand und das Meer genießen. Verdächtig wird es nur, wenn Frau den faszinierenden Ausblick an jeder Kehre genießt.
Strand Tazacorte Steilwand k
Der Lohn wartet oben im Café des Miradors in Form einer Mascarpone-Torte mit Ananas und einem Café con Leche (habe ich vorher ehrlich nicht gewusst). Der Ostwind bringt milde Saharaluft in die Kanaren und es scheint die Sonne, sodass wir im Freien sitzen und verweilen können. Ausgeruht geht es zur Bushaltestelle, der Bus könnte uns nach Los Llanos und zurück nach Tazacorte bringen. Wohlgemerkt könnte! Walter hat noch keine guten Fotos machen können, die Sonne war noch zu grell und zu hoch, und deshalb geht es zu Fuß die 600 Höhenmeter wieder runter nach Puerto Tazacorte. Als wir um 17 Uhr unten ankommen hat sich an der kleinen Strandpromenade gerade der Gitarrenspieler eingefunden und es wäre ja wirklich unhöflich an ihm vorbeizugehen ohne einige seiner Darbietungen gehört zu haben.
Promenade k
Wir bleiben zum Aperitif im Strandrestaurant. Die Servicedame schaut zwar etwas pikiert, als wir nur ein Glas Weißwein bestellen, aber wir bekommen es. Immerhin waren wir ja gestern zwei Mal dort. Einmal nachmittags zum Café con Leche und abends zum Essen – jeden Tag muss das ja nun wirklich nicht sein. Am Abend besuchen uns Joanna und Marcel mit Hund Nico (SY Chulugi) um uns Tipps für Ausflüge zu geben. Wir mögen Nico sehr gerne und er kommt auch schon ohne die Beiden zu uns an Bord um zu schauen, was bei uns so geht. Nico liebt Zucchini und Karotten und bekommt von uns immer ein Gemüselekkerli. Braver Hund.
Die Frage nach dem Krantermin und den Termin mit dem Servicetechniker konnten wir heute Vormittag mit Marcels Hilfe (er spricht spanisch) auch klären. Am Freitag früh wird die Sunrise wieder aus dem Wasser gekrant und das rotte Seeventil wird von Pedro, dem Techniker, ausgetauscht

La Isla Bonita

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Wie bereits geschrieben, sind wir auf der Insel La Palma angekommen. Die Insel wird La Isla bonita, die schöne Insel, genannt. Wir fahren mit dem Bus quer durch die Insel nach Santa Cruz de la Palma. Nach Los Llanos zieht sich die Straße die Berge hoch und es fängt an zu regnen. Das kennen wir ja bereits aus La Gomera. Der Vorteil des vielen Regens ist, dass die Insel herrlich grün ist. Zwischen Tazacorte und Los Llanos befinden sich durchgehend Bananenplantagen, die tatsächlich noch bewirtschaftet werden. Überhaupt sieht alles sehr gepflegt und aufgeräumt aus. In Santa Cruz angekommen, schauen wir uns zuerst die Marina Santa Cruz an. Hier müssen wir demnächst hin, weil dort die Seminare, Sicherheitschecks und Einweisungen für die Atlaniküberquerung stattfinden. Wir haben uns ja der AtlanticOdyssey (neues Projekt von Jimmy Cornell) angeschlossen, um gemeinsam mit mehreren Schiffen ab 8. Januar 2015 nach Martinique zu segeln. Für uns ein wichtiger Sicherheitsaspekt. Wir bekommen einen Schiffstracker gestellt, damit die Rallyleitung und die zu Hause immer genau unsere Position wissen, wir bekommen regelmäßig die Wetterlage und es wird eine tägliche Funkrunde zwischen den Schiffen geben. Die Marina Santa Cruz ist deshalb der Starthafen, weil die Eigner der Marina die Odyssey sponsern. Sehr ruhig scheint die Marina Santa Cruz nicht zu sein, die Schiffe schaukeln ziemlich und die Marina legt immer nur ein Schiff in eine Doppelbox – die wissen schon weshalb. Die Yemania von Steffi und Tomy liegt derzeit auch dort, sie ist aber gut festgemacht, sodass der Schwell wohl keinen Schaden verursachen wird.
Dadurch, dass es auch in Santa Cruz Bindfäden regnet, ist unser Aktionsradius eingeschränkt. Wir laufen nur die Straße durch die Altstadt bis zum Nachbau von Columbus´ Schiff Santa Maria (Schifffahrtsmuseum) und eine andere Straße wieder zurück zum Busterminal. Gut, dass die alten Häuser viele Balkone haben, sodass wir uns von Balkon zu Balkon fortbewegen und dadurch einigermaßen trocken bleiben. Das einzig doofe ist, dass die Dächer alle auf die Straße hin entwässern, die Dachrinnen haben einen etwa einen Meter langen frei über der Straße endenden Ablauf, wenn wir diesem Wasserfall nicht ausweichen, sind wir komplett geduscht. Es ist mehr ein Hindernislauf als ein Spaziergang, wobei ein Regenschirm schon hilfreich wäre – sofern man hat.

Advent

2. Advent
Es fühlt sich schon irgendwie unecht an, wenn bei 20 Grad die Menschen in kurzen Hosen und T-Shirt am (Plastik-)Weihnachtsbaum und an Leuchtsternen vorbei flanieren. Auf manchen Schiffen wird die Adventszeit gefeiert. Die französischen Nachbarn feiern den Nikolaustag mit Nikolausmützen, Glitterketten, Weihnachtskugel-Ohrringen und Tannenreisig im Haar. Ganz schön irreal.
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Seit Samstagabend sind wir in der Marina Tazacorte auf der Westseite von La Palma. Das Marinaoffice hat leider bis Dienstag früh geschlossen, weil auf den Kanaren am Montag ein Feiertag ist. Es ist sehr ruhig im Hafen, kein Schwell und Einrucken in die Festmacherleinen. Der Hafen hat in den letzten Jahren eine riesige neue Betonaußenmole erhalten (EU finanziert), sodass die heranrollenden Atlantikwellen gut ausgebremst werden. Es war geplant, dass auch Fähren den Hafen anlaufen, aber keine Gesellschaft wollte nach Tazacorte. Alles geht hier über Santa Cruz de La Palma. Auf den Kanaren heißt alles Santa, La Palma, Las Palmas,Santa Cruz oder Puerto Cruz. Total verwirrend. Wir mussten erst mal die Pläne der sieben Kanareninseln verinnerlichen, um zu verstehen, von welcher Insel und von welchem Hafen die Leute eigentlich reden. Es kommen ja auch noch die Sprachprobleme, beiderseits, dazu. Die meisten Spanier sprechen noch schlechter Englisch als wir, die französischen Segler sprechen wider Erwarten ein gutes Englisch, sodass Konversation durchaus möglich ist. Hier im Hafen befindet sich fast schon eine deutsche Kolonie. Um uns rum liegen Chulugi (Bremerhafen), Dörtie (Emden), Helios (Burgtiefe), Volker von Alzei (Norddeich), Rosanna (Hamburg), Salida (Hamburg) und am Nachbarsteg auch noch welche. Sprache – kein Problem. Schwäbisch ist halt doch ne Weltsprache und wird auch auf den Kanaren verstanden!

La Gomera adieu, La Palma wir kommen

Die Frage, wo wir die Sunrise nun auf La Gomera aus dem Wasser holen, hat sich dann ganz schnell beantwortet; nämlich durch unseren vorzeitigen Aufbruch nach La Palma.
Es waren da einige Möglichkeiten, wie z.B. in Porto Santiago auf La Gomera, was aber nur bei ganz ruhigen Wetter möglich ist. Leider ist der Kran dort nicht einsatzbereit und muss erst repariert werden. Oder nach einer Überfahrt nach Tenerife in Los Christianos. Der Kran hätte funktioniert, aber der Behördenschimmel trabt dort ganz gewaltig. So gehört der Kran der Cooperative Pesquera der Hafen aber der Kommune. Man muss sich also mit beiden Institutionen einig werden, wann und wie lange man sich im nicht öffentlichen Hafen aufhalten will. Ist das Schiff dann wieder im Wasser, muss es sofort wieder aus dem Hafen, weil keine Liegeplätze vorhanden sind. Die dritte Möglichkeit wäre dann noch San Miguel auf Tenerife gewesen. Aus diesem Hafen waren wir vor gerade mal zwei Wochen nach La Gomera ausgelaufen, also zurück auf Los und ziehe nicht 4000 DM! Das Wetter hat dann entschieden: Für Samstag waren noch moderate Bedingungen für die Überfahrt nach La Palma vorhergesagt. Wind mit 4 Bft. aus Nord auf Ost drehend. Für Sonntag waren dann schon deutlich mehr Wind und Welle vorhergesagt, der Montag gar unmöglich mit mehr als 6 Bft. und Wellen ab 4 Meter—Nein, danke nicht freiwillig.
Gekommen ist es wie immer etwas anders. Wir diskutieren heute noch darüber, ob die Überquerung der Biskaya schlimmer war oder diese 65 Meilen nach La Palma. Auf jeden Fall war es mir auf der Biskaya weniger schlecht. Noch bei Dunkelheit haben wir den Hafen in San Sebastian auf Gomera verlassen und mussten die ersten Meilen gegen den bereits kräftig blasenden Nordwind anmotoren. Rum um die Ecke am Cap Punta Majona mit Kurs 290 Grad war dann Segeln möglich, mit Abstrichen, denn wir mussten sofort Groß-und Vorsegel ins erste Reff nehmen bei 5 Bft. Kurs 290 Grad für die nächsten 45 Meilen (ca. 7 Stunden). Immer wieder waren ausgedehnte Böenwalzen auf unserer Kurslinie, hier bekamen wir regelmäßig noch 2 Bft. zum Grundwind dazu und ab und an auch einen gewaltigen Regenguss oder von der querlaufenden Wellen eine Salzwasserdusche. Das Ganze kein Spaß mehr. Mit etwas Groß und gerefften Vorsegel kann unser Schiff schon einiges ertragen. Wie gesagt, wir waren uns uneins über die Beurteilung dieser Überfahrt, die Eine machte Mittagsschlaf im Wetterchaos, dem Anderen war’s einfach nur schlecht. Das schlechte Wetter und der Wind blieb uns bis um die Südspitze von La Palma erhalten, erst als wir dann in der Abdeckung auf der Westseite von La Palma angekommen waren, schlief der Wind ein, die Wellen glätteten sich und wir mussten die letzten 8 Meilen bis in den Hafen von Tazacorte motoren. Hier gibt es zwei funktionierende Kräne die uns hoffentlich in den nächsten Tagen etwas helfen werden.
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Der 7. Sinn oder einfach mal wieder Schwein gehabt

Was macht eine Schwäbin, wenn der Tagesplan durcheinander gerät? Der Mann ewig beim Duschen ist und die Wolkendecke mal wieder die Sicht in die Berge vernebelt? Na ja, sie entspannt sich und fängt an zu putzen! Zuerst werden die Polster abgesaugt, dann wird zusammengekehrt und der Kehricht wird eingesaugt und wenn dann der Akku des Staubsaugers noch Kapazitäten frei hat, werden die unteren Schränke ausgeräumt und ebenfalls ausgesaugt. Ja, auf einem schwäbischen Schiff muss Ordnung sein – zumindest hin und wieder. Liegt halt in den Genen oder an der guten Erziehung – gelle Mama Theresia (meine Mutter heißt wirklich so, sie ist sehr streng, aber auch sehr gütig). Der Schrank unter dem Waschbecken im hinteren Bad ist sehr geräumig, beherbergt den Klopapiervorrat und den KüPa-Vorrat für Monate, alles wird rausgeräumt und ausgesaugt. Aber was soll die dünne braune Linie am Seeventil für den Fäkalientank? Die war da nicht und die soll da auch nicht sein! Kurz gehirnt, klar, das Seeventil muss rott sein. Warum auch immer. Wir haben das Schiff die letzten drei Jahre immer in der Werft vom Fachpersonal für teures Geld warten lassen. Hatten das Schiff erst vor zwei Monaten aus dem Wasser und gewissenhaft durchgesehen und jetzt das. Mann, mann, mann. Als Walter vom Duschen kommt, muss er erst mal tief durchatmen, ob der neuen Nachricht. Er ruft den Vertreter der TransOcean-Vereinigung in San Sebastian, Andreas, an. Andy kommt am Nachmittag aufs Schiff und diagnostiziert: Seeventil ist rott, es muss ausgetauscht werden (sag ich doch). Die Sunrise muss aus dem Wasser, wie und wo muss erst noch eruiert werden. Hier in San Sebastian gibt es keinen Kran für unser Schiff. Oh Mann, was haben wir aber auch für ein Glück, dass wir das jetzt bemerkt haben, wenn uns das Seeventil im Januar mitten auf dem Atlantik abgegrätscht wäre, dann hätten wir aber einen Mordsstress und mordsmäßig viel Wasser im Schiff gehabt – an weiteres möchte ich gar nicht denken. Diese Neuigkeiten müssen wir erst mal verdauen und beschließen erst mal die Grundlage zur Verdauung zu schaffen, indem wir uns ins Auto setzen, nach Hermigua in ein nettes Restaurant fahren und uns mit einem leckerem Abendessen und einer Flasche Rotwein beruhigen lassen. Morgen ist ein neuer Tag!

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Zitat aus dem Prospekt des Oficina Turismo, San Sebastián de La Gomera: Von den Passatwinden gebadet, herrscht auf der Insel La Gomera eine Variante des subtropischen Klimas… Die Wirkung der Passatwinde und das sogenannte Wolkenmeer haben ihr Zentrum in der Nordebene, wo sich der Nationalpark Garajonay befindet… Im Nationalpark von Garajonay beginnen eine Vielzahl von Wanderwegen… Diese zerklüftete und gewundene Landschaft ist es, die das als horizontalen Regen bekannte, einzigartige Phänomen bewirkt, das durch die Erhebung der Berge verursacht wird und die Wolken bremst…
So weit so gut! Nur mit dem kleinen Problem, dass der Regen zur Zeit nicht nur horizontal sondern auch vertikal niederfällt. Kaum dass wir mit dem Auto die Serpentinenstraße einige Höhenmeter hochfahren, fängt das Wolkenmeer an und es wird feucht, teilweise sogar sehr feucht. Seit Samstag sind im Nationalpark Garajonay alle Wanderwege aus meteorologischen Gründen gesperrt – nun ja, bei dem Wetter macht es ja auch nicht wirklich viel Spaß durch den Nationalpark zu wandern. Am Sonntag fuhren wir durch den Regenwald zum Besucherzentrum „Juego de Bolas“ oberhalb von Agulo auf der Nordseite der Insel. Sehr interessante Schaubilder zeigen die Entstehung der Vulkaninseln, Filme informieren über die Geschichte und die Kultur der Einwohner, im Garten des Zentrums wachsen viele auf den Inseln vorkommende Pflanzen. Im Anschluss daran haben wir einen weiteren Besuch im Valle Gran Rey gemacht – und dort schien doch tatsächlich die Sonne.
Heute, am Montag war es in San Sebastian am Vormittag wieder sonnig und wir sind in den Barranco de Benchijigua gefahren. Die Straße nach Benchijigua geht von der Hauptstraße nach Puerto Santiago ab und ist keine Straße, sondern eine Schotterpiste. Ein Stück weit sind wir mit dem Auto gefahren, haben dann jedoch geparkt und sind zu Fuß weiter. Das Dörfchen Benchijigua liegt herrlich am Ende der weiten Schlucht, ist jedoch verlassen. Drei oder vier Häuser sind frisch renoviert, sehen jedoch nicht so aus als ob sie dauerhaft bewohnt sind. Die kurze Straße zur Kapelle ist mit solarbetriebenen Straßenlaternen bestückt, die Ansiedlung sollte ein EU-Vorzeigeprojekt werden, aber außer der beeindruckenden Natur ist nichts.
Barranco Benchijigua
Das nächste Dorf in der Schlucht ist Lo del Gato, soll bewohnt und auch die Felder sollen bewirtschaftet sein. Gesehen haben wir es nicht, weil, wie soll es auch anders sein, es hat angefangen zu regnen und wir sind kurz vorher umgekehrt. Schnell sind wir zum Auto zurückgehetzt, da wir die Befürchtung hatten, dass die Schotterpiste bei Starkregen für uns nicht mehr befahrbar ist. Der kleine Mietwagen hat halt keinen Allradantrieb. Wir haben es geschafft und sind zurück in die Zivilisation nach Puerto de Santiago gefahren. Dort saßen die Menschen im Straßencafé draußen in der Sonne! Wir dann auch.

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Schwein gehabt
Schweini
In Erwartung des vorhergesagten Starkwindes sind wir am Freitag bis 15 Uhr an Bord gesessen und haben den Wolken zugeschaut. Nachdem hier im Hafen von San Sebastian alles ruhig war, sind wir an die Nordküste raufgefahren, um zu schauen, was sich dort tut. Auch in Hermigua und am Strand La Galeta war es nicht extrem windig, einzig die Wellen waren wesentlich höher als am Vortag. Beruhigt sind wir, mit einem kleinen Abstecher über Puerto Santiago, wieder zurück zum Schiff. Um Mitternacht fing es an zu regnen und auch der Starkwind setzte ein. Wir hatten bereits zusätzliche Leinen ausgebracht und die Schiffsbewegungen hielten sich in Grenzen. Bemerkenswert ist, dass trotz der hohen Wellen (über 5 Meter) draußen, hier im Hafen überhaupt kein Schwell ist. Es war zwar durch die Windgeräusche sehr laut, viel Schlaf haben wir nicht bekommen, wir hatten jedoch nie das Gefühl, dass die Situation bedrohlich werden könnte. Bis Samstagmittag hielt der Wind durch, jetzt ist wieder alles ruhig, nur einzelne Fallböen knallen von den Felsen runter in den Hafen – aber das ist hier normal.
In Santa Cruz de La Palma, unsere nächste Insel und unser nächsten Hafen, sah es so aus (echte Daten, keine Vorhersage):
Windreport
Am Samstagnachmittag haben wir den dritten Versuch einer Wanderung gestartet, dieses Mal sind wir erst gar nicht in die Berge gefahren, sondern nur wenige Kilometer in den Barranco da Villa rein. Zu Fuß sind wir weiter zum Barranco de Las Laias. In diesem engen Tal befinden sich drei Stauseen, die randvoll waren. Das Tal ist sehr grün und fruchtbar. Es gibt in der Tat noch einige Bananenplantagen, Avocado-, Orangen- und Mandarinenbäume, Kartoffeläcker sowie einige Ziegenställe, freilaufende Schafe und (Killer-)Bienen.
Schafe Bienen
Am Abend sind wir ins Hotel Restaurant Torre del Conde gegangen um der Demonstration der Pfeifsprache Silbo Gomero zu lauschen. Diese Pfeifsprache ist einmalig auf der Welt, es gibt sie ausschließlich auf La Gomera und wurde von den Ureinwohnern entwickelt um sich über die tiefen Täler hinweg verständigen zu können. Gepfiffen werden Silben, die Tonhöhe und die Länge des Pfiffs ergeben die unterschiedlichen Silben. El Silbo wurde von der UNESCO zum immateriellen Kulturgut erklärt und wird mittlerweile an den Schulen in La Gomera unterrichtet um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren. Bemerkenswert war, dass sich nur deutsche Touristen für die Demonstration dieses Kulturgutes interessiert haben, am Nachbartisch saßen drei spanische Paare, die massiv den „Unterricht“ gestört haben, indem sie sich während der Demonstration laut mit ihren maschinengewehrartigen Salven einfach weiter duellierten. Um nicht als deutscher Quadratschädelkopf betitelt zu werden, habe ich mich notgedrungen zurückgenommen und nicht um „silencio“ gebeten. Die deutschen Touristen sind hier entweder die „loco alemán“, die Althippies oder die „cabezas quadradas“, die Anderen.