Le Marin _ Rodney Bay Marina
Unter Vollzeug, und zwar die komplette Strecke. Seit Monaten mal wieder ohne Reff im Großsegel bei fast konstanten 15 Knoten Wind aus ENE und auch wenig Welle im St. Lucia Kanal. So schön kann Segeln sein. St. Lucia hat nicht den besten Ruf in Seglerkreisen, aufdringliche Boatboys, Dinghy-und Außenborderdiebstahl und Schiffseinbrüche sollen gelegentlich vorkommen. Wir liegen jetzt einen halben Tag hier und wir wurden äußerst freundlich empfangen. Das Marinapersonal weist ein und hilft beim Anlegen, die Anmeldung im Office geht zügig so wie auch Zoll und Immigration. Kurz nach dem Anlegen bekamen wir das Angebot den Rumpf polieren zu lassen und das Unterwasserschiff zu säubern. Walter sagte, dass wir auf dem Weg nach Trinidad sind und dort sämtliche Arbeiten vorgenommen werden. Der junge Mann war einsichtig und zog friedlich ab. Der Obst und Gemüseverkäufer kommt am Freitag wieder, weil wir noch keinen Bedarf hatten. Ich hoffe, es bleibt so und wir können die Insel genießen.
Ansonsten sind wir hier an dem Platz, wo so manch harter Seemann und Atlantiküberquerer die eine oder andere Träne vor Glück verdrückt hat. Denn hier in der Rodney Bay kommen jedes Jahr vor Weihnachten die rund 250 Schiffe der ARC (Start in Las Palmas, GC) an.
Über unsere kleinen Mitbewohner
Es wird viel geschrieben und man erfährt so einiges über die unliebsamen Mitreisenden auf einem Segelschiff.
Das Thema Nummer 1 ist natürlich die Kakerlakenplage. In vielen Häfen liegen sie, oft zertreten, auf der Pier. Man muss höllisch aufpassen, dass man diese Krabbeltiere nicht mit dem Einkauf auf das Schiff bringt. So sollte man alle Umverpackungen bereits auf dem Steg entfernen, Gemüse sollte gewaschen werden, bevor es an Bord gelangt. Kakerlakeneier kleben praktisch überall! An den Schuhen, den Milchtüten, der Getränkeverpackung usw. Hat man diese an Bord gebracht, vermehren sie sich explosionsartig.
Noch übler sind die Geschichten von Ratten, die über die Festmacher auf das Schiff kommen und dann unter den Bodenbrettern, der Wandverkleidung oder sonst wo verschwinden und nicht wieder von Bord zu kriegen sind.
Von Wolfgang und Uli von der Golden Tilla haben wir so einige Geschichten zu diesem Thema gehört und sie haben uns auch gleich eine Ampulle Frontline zur Kakerlakenbekämpfung geschenkt. Ja Frontline! Eigentlich ein Mittel mit dem man Hundeflöhe bekämpft, wirkt aber auch sehr gut gegen Kakerlaken.
Nun der Grund warum ich dies schreibe ist nicht, dass wir nun Kakerlaken an Bord hätten, nein! Jedoch als wir gestern vom Jardin Balata zurückkehrten, da huschte etwas über die Bodenbretter. Viel zu schnell für eine Kakerlake. Sensibilisiert auf Ungeziefer bewaffnete ich mich sofort mit einer Taschenlampe und siehe da unter der Salonbank an saß es, bzw er. Ein kleiner Geko hatte sich bei uns eingeschlichen. Nun sind diese possierlichen Tierchen recht flink und bei dem Gedanken, er könne in unserem Bett schlafen wollen, erwachte mein Jagdtrieb. Mit Trinkglas, Papier und Taschenlampe versuchte ich dem Eindringling auf den Leib zu rücken. Nach einigen abrupten Richtungsänderungen konnte ich das Trinkglas über ihn stülpen, schob das Papier unter dem Glas durch und der kleine Kerl war gefangen.
Nun verbringt er seine Freiheit im Grün der Parkplatzbegrenzung in der Marina – hoffentlich recht lange.
Martinique_Ost
Unser Ausflug führte uns zunächst nach Fort de France. Hier ins alte Stadtzentrum um den Place de la Savane. Das einzig sehenswerte Gebäude ist die Bibliothek Schoelcher. 1889 war dieses Gebäude als karibischer Pavillon auf der Pariser Weltausstellung zu sehen, wurde danach in seine Einzelteile zerlegt und nach Fort de France verschifft und wieder aufgebaut. Gegenüber vom Hauptpostamt, im Park Savane, steht das Denkmal der Kaiserin Joséphine – leider aktuell ohne Kopf. Der wurde abgeschlagen. Die Stadt war wie ausgestorben, Sonntags flüchten die Bewohner offensichtlich ins Umland, was ich nachvollziehen kann. Die Außenbezirke von Fort de France sind unschön. Zwar hat man einen schönen Blick über die Stadt und die Baie de Fort de France. Man sieht aber auch die Kehrseite der Stadt.
Wir fuhren weiter nach Balata. Hier steht die Miniaturausgabe der Sacré Coeur vom Pariser Montmartre. Leider verschlossen. Mehr Glück hatten wir im Botanischen Garten von Balata. Dieser schöne und gepflegte private Garten ist der Öffentlichkeit (gegen Gebühr) zugänglich und ist absolut einen Besuch wert. Tropische Pflanzen aus aller Herren Länder und ein kreolisches Wohnhaus sind zu sehen.
Zum Ausklang des Tages fuhren wir nach Trois Ilet und Anse Mitan.
Immer wieder faszinierend, Sonnenuntergang in der karibischen See
Martinique Atlantikseite
Unser Ausflug führte uns heute zunächst nach St. Anne. Von Land aus gesehen ist die Ankerbucht sehr weitläufig. Das Wasser, je nach Sonnenstand und Wolken, hat alle Blautöne, wechselt von knalligem Türkis bis zum dunklen Blau. Der Strand, an dessen Ende sich der Club Med festgesetzt hat, ist perlweiß. Natürlich fehlen auch die Palmen nicht. In der ersten Reihe (sehen Sie besser) liegt derzeit die Shogun (Bingen am Rhein) die wir zuletzt auf den Kanaren, in St. Cruz de La Palma gesehen haben.
Für uns ging es weiter zur Grand Anse des Salines. Der Badewanne des Südens.
Kilometerlang zieht sich der perlweiße Sandstrand und natürlich kann man direkt mit dem Auto hinfahren (was m.E. die Idylle stört), man parkt unter den Palmen, fällt dreimal der Länge nach um und liegt am Stand. Die kleinen Imbissbuden und Souvenirläden haben Logos von allen gängigen Kreditkartenunternehmen auf Holztafeln geklebt, man kann selbst am Strand bargeldlos einkaufen. Ohne zu Baden fuhren wir weiter nach Vauclin, dann nach St. François, beides an der Atlantikküste.
In der Nähe von St. François befindet sich die Habitation Clément.
Botanischer Garten, Skulpturenpark, Kunstausstellung, historische kreolische Gebäude, alte Rumdistillerie, Probierstube und Verkauf. Keine Frage, dass wir uns die Habitation und die Foundation angesehen haben. Alles sehr professionell durchorganisiert, am Eingang bekommt man einen Audioguide, der uns in Englisch die verschiedenen Pflanzen und auch die Geschichte der Familie und die der Rumherstellung nahe gebracht hat. Ein Freilichtmuseum pur, der Rundweg führt zunächst in den botanischen Garten, den Sklupturenpfad, dann in die alte historische Distillerie, die Lagerhäuser, zum creolischen Wohnhaus der Eignerfamilie Clément (jetzt Museum), in die Kunstausstellung und dann zur Verkostung.
Auf diesem historischen Gelände hatten sich die Präsidenten Mitterrand und Bush nach dem Irakkrieg getroffen um über weltpolitische Fragen zu debattieren. Hoffentlich vor der Rumverkostung. Wir verweilten über drei Stunden und selbstverständlich kauften wir auch etwas von dem wertvollen Zuckerrohrsaft.
Martinique Nord
Die Mietwagenreservierung in Le Marin hatte geklappt und so konnten wir zu einer Tour in den Norden der Insel aufbrechen. St. Pierre, die alte, 1902 vom Vulkan Pelée verschüttete Inselhauptstadt war unser erstes Ziel. Vom Ausbruch des Vulkans Pelée ist nicht mehr viel zu erkennen, in der Unterstadt stehen noch einige Ruinen. Gute Informationen erhält der Besucher im Vulkanmuseum Frank Perret. Hier steht auch die deformierte Kirchenglocke. Durch die große Hitze war das Metall weich geworden und hatte sich durch den Druck der Schuttmasse zusammengefaltet wie ein Plätzchenteig. Nächster Stopp war in Morne-Rouge und von hier aus fuhren wir die Stichstraße zum Montagne Pelée hoch. Die Straße endet am Parkplatz des Aussichtspunktes l’Aileron. Von hier aus geht der Wanderweg zum Vulkankrater los. Rund 3 Stunden Aufstieg, meist im Nebel und Nieselregen. Walter hat immer noch Schmerzen im Sprunggelenk und kann keine weiten Strecken wandern und zudem war es schon zu spät, zu nass und zu kalt. Eine Wanderung fiel somit aus. Die Plantation Leyritz, heute Hotel, Restaurant und Museum sollte unser nächstes Ziel sein; nur wir fanden sie nicht. Nachdem wir zweimal an die Straße rauf und runtergefahren waren, entdeckte Walter ein zugewachsenes Schild, dass die Plantation nach Renovierung neu eröffnet wird. Schade, wir hätten gerne dort unseren Nachmittagstee getrunken. Stattdessen fuhren wir zu J.M. Ruhm.
Unsere erste Besichtigung einer Destillerie, mit Verkostung und Verkauf. Weiter ging die Fahrt entlang der wilden Atlantikküste zum Fischerort Grand Riviere. Der Norden von Martinique ist ähnlich wie Dominica, wild und kräftig grün. Viele Bananenplantagen, Zuckerrohrfelder und Ananasfelder befinden sich dort. Zurück nach Le Marin nahmen wir die Straße, die entlang der Atlantikküste bis nach Le Vauclin führt. Sehen konnten wir nichts mehr, die Sonne war uns schon wieder abhanden gekommen und es war stockfinster. Morgen ist ein neuer Tag.
Von Dominica nach Martinique
Zu nachtschlafender Zeit, um 6:30 Uhr, haben wir am Dienstag nach Ostern Dominica in Richtung Martinique verlassen. Den Süden von Dominica haben wir nicht mehr besucht, das machen wir im nächsten Jahr.
Die Strecke entlang der Insel mussten wir mangels Wind unter Motor fahren, Segel konnten wir erst kurz vor dem Kanal zwischen Dominica und Martinique setzen. Cordula und Andreas waren mit ihrer Aphrodite 1 ½ Stunden voraus und teilten uns über Funk die aktuelle Windstärke und die Wellenhöhe im Kanal mit. Sehr praktisch! Dankeschön. Wir segelten völlig entspannt mit der kleinen Fock und gerefftem Groß nach Martinique. Im Lee von Martinique spielte der Wind mit uns Katz und Maus, in Bezug auf die Windrichtung und –stärke. Fock runter, große Genua raus und dann düsten 30 Knoten Wind aus der Bucht von Fort de France raus. Genua weg und nur mit dem Großsegel weiter. Zwischendurch musste Walter noch einen Kreuzfahrer aufwecken, der mit 6 Knoten aus der Bucht von Fort de France rausdümpelte und uns exakt getroffen hätte. Dank AIS ist eine Kollisionsverhütung heutzutage kein Problem mehr – sofern die Schiffe AIS haben und vor allem auch damit arbeiten. Der Kreuzfahrer hatte wohl die Signale der Sportbootfahrer unterdrückt und der Funker war ziemlich überrascht, dass wir ihn angefunkten. Es dauerte eine Weile, bis er uns auf dem Schirm hatte und uns mitteilte, dass wir unseren Kurs beibehalten sollen. Die Jewel of the Seas änderte ihren Kurs und dümpelte hinter uns durch. Es war bereits Abendessenszeit und wahrscheinlich durfte sie nicht schneller fahren, damit es das Buffet nicht durcheinanderwürfelt. Wieder in der Landabdeckung der Trois Ilets schlief der Wind ein und wir fuhren mit dem Motor weiter. Als wir um die Ecke kamen und Kurs seeseitig am Diamond Rock vorbei in Richtung St. Anne anlegen konnten, hatten wir wieder 20 Knoten Wind direkt auf die Nase. Die Sonne war bereits untergegangen und wir hatten keine Lust mehr im Dunkeln die letzten 10 Meilen aufzukreuzen. So ging es unter Motor weiter und ich bereitete das Abendessen vor. Kurz nach dem Diamond Rock, in Höhe der Diamond Bank, brach hier an Bord eine mittelschwere Hektik aus. Walter meldete 6 Meter Wassertiefe und kurz darauf hatten wir keine Fahrt mehr im Schiff. Der Motor lief noch, aber wir hatten keinen Vortrieb mehr. Die Kontrolle der Position auf der Seekarte brachte das Ergebnis, dass wir exakt auf unserer Kurslinie waren und über 100 Meter Wasser unterm Kiel haben sollten. Wir waren gefangen. Stockdunkle Nacht. Mit der starken Halogenlampe konnten wir dicke Seegrasklumpen und irgendwelchen Müll im Meer erkennen. Entweder wir waren in ein Netz, ein bereits durchgetrenntes Netz oder in eine Seegras- und Müllhalde gefahren, was uns dermaßen ausbremste. Sehen konnten wir nichts. Walter drehte ziemlich heftig am Rad (hiervon kommt der Begriff „Am Rad drehen“) und irgendwie gelang es ihm aus dem Schiff 2 Knoten Fahrt in die richtige Richtung rauszukitzeln. Er wollte nur noch so schnell wie möglich in die Ankerbucht von St. Anne. Der Motor brachte keine Leistung mehr. Die Schiffsschraube drehte unrund und somit vibrierten die Antriebswelle und das Schiff. Wir hatten den Eindruck, dass immer mal wieder was von dem mitgeschleppten Müll wegflog, denn nach und nach steigerte sich unsere Geschwindigkeit bis auf 3 Kt bei ca. 2000 Umdrehungen. Das nächste Problem stellte sich in der Ankerbucht von St. Anne. Andreas hatte uns mit einem starken Blitzlicht den Weg in die Ankerbucht angezeigt und wir konnten uns dadurch im Dunkeln sehr gut orientieren. Weit hinter seinem Heck, auf 5,60 Meter Wassertiefe, ließen wir den Anker fallen und Walter traute sich tatsächlich, den Rückwärtsgang einzulegen um den Anker einzufahren. Wir hatten die Befürchtung, dass uns das nicht gelingen würde. Es hat geklappt und der Anker hielt auch die ganze Nacht. Am Mittwochmorgen haben wir über Funk einen Stegliegeplatz in der Marina Le Marin reserviert, den Anker aufgeholt und sind unter Motor in die Marina gefahren. Unsere Bedenken mit dieser schlechten Motorleistung gegen Wind und Welle in die Marina zu fahren waren unbegründet, denn merkwürdigerweise hatten wir mit niedriger Motordrehzahl bereits wieder 3,5 Knoten Fahrt und auch die Vibrationen waren weniger. Als wir in der Marina festgemacht hatten, kam Andreas schon mit seinem Dinghi angefahren und bot uns an, mit seiner Tauchausrüstung zu kommen, zu tauchen und schauen, was wir eingefangen hatten. Walter hat nur Schnorchel und Flossen und er kann nicht längere Zeit unter Wasser bleiben und schon gar nicht ein Netz aus der Schraube schneiden. Beide mussten nicht ins dreckige Hafenwasser. Gegenüber ist der Chartersteg und ein Katamaran wurde gerade abgetaucht. Der Taucher erklärte sich bereit, anschließend bei uns vorbeizukommen und unser Schiff abzutauchen. Ohne Sauerstoffflasche, nur mit Neoprenanzug, Brille und Flossen ist er unter die Sunrise getaucht. Zweimal längs durch. Und es war nichts! Nur dass wir die Zinkanoden an der Welle und auch am Kiel verloren hatten. Die Schraube ließ sich bewegen. Wahrscheinlich hatten wir unseren „Fang“ über Nacht in der Ankerbucht verloren. Durch das Hin- und Herschwojen am Anker, vielleicht. Wir wissen es nicht. In Trinidad werden wir ein neues Wellenlager einbauen lassen müssen. Dass der Motor keine Leistung mehr gebracht hatte ist uns ebenfalls ein Phänomen, Öldruck und Temperatur blieben normal. Wir hatten vielleicht Seegras im Kühlkreislauf, aber am Schauglas im Wasserfilter ist auch nichts mehr zu sehen. Das war eine Begebenheit, die ich nicht wieder brauche, genau genommen gar nie mehr.

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Fort Shirley
Im Cabrits-Nationalpark befindet sich das historische Fort Shirley aus dem 18. Jahrhundert. Cordula und Andreas nehmen uns mit ihrem Dinghi mit, sodass sich Walter auch heute wieder um das Aufpumpen des eigenen Dinghis drücken kann. Ein Teil der Gebäude der riesigen Fortanlage ist renoviert, alte Kanonen stehen zu Hauf im Gelände, andere historische Gebäude wie die Kasernen und Offiziersunterkünfte sind verfallen. Die Natur kommt zurück! Armdicke Wurzeln durchdringen die Gemäuer, Bäume und Sträucher wachsen in und an den Gebäuden. In den verfallenen Batteriestellungen liegen noch massenhaft Kanonenkugeln.
Eine gespenstische Szenerie, wie im Film Fluch der Karibik. Wir laufen eine knappe Stunde durch den Nationalpark, immer wieder regnet es in Strömen und wir werden heftig geduscht. Zwischendrin knallt die Sonne erbarmungslos vom Himmel und wir fühlen uns wie im römischen Dampfbad. Am Abend veranstaltet PAYS, die Organisation der Boatboys ein BBQ im Gemeinschaftshaus am Strand von Portsmouth. All you can eat, all you can drink für pauschal 50 ECs pro Person. Vom Erlös dieser Veranstaltung finanziert die PAYS den Sprit für die Außenborder der Boys, die nachts durchs Ankerfeld tuckern und aufpassen, dass nichts passiert. Die PAYS ehrt am Abend zwei Persönlichkeiten: Anne Vandercraft und Chris Doyle. Anne hat schon einige Bücher über die Karibik geschrieben und Chris Doyle ist der Herausgeber der einzig wahren Cruising Guides für diese Region. Beide liegen mit ihren Schiffen momentan hier in der Prince Rupert Bay. Chris Doyle hat wohl auch die Anregung zur Gründung der PAYS gegeben und dadurch Dominica wieder zu einem sicheren Reiseziel für uns Segler gemacht.
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Organisierter Landausflug
Pünktlich um 9 Uhr wurden wir von Titus abgeholt. Er hatte einen Minivan mit Fahrer organisiert. Zusammen mit den Engländer von der noblen Oyster Yacht ging es los. Die Route führte uns zuerst um den Nordteil der Insel. Die Straßen sind überraschenderweise gut. Die Vegetation im Northern Forest Reservat ist unbeschreiblich. Tiefstes Grün, Bäume, Sträucher, Heilpflanzen dicht an dicht. Unser Fahrer hielt oftmals am Straßenrand an um uns Blätter vom Bayleaf-Baum, vom Cinnamon (Zimt) Baum, Zitronengras ins Auto zu reichen. Unser erster längerer Stopp war auf der Atlantikseite am Red Rock.
Ein leuchtend orangener Fels, durchzogen von kleinen Schluchten, inmitten eines Naturgartens. Ein lokaler Guide führt die Touristen durch seinen angelegten Garten, über die zerklüfteten Felsen und sammelt den Wohlstandsmüll (PET-Flaschen und Joghurtbecher) der Touristen ein. Überhaupt ist die Insel (bis auf die Stadt Roseau) sehr sauber. Die Menschen scheinen in der Tat ein Umweltbewusstsein entwickelt zu haben und die Regierung setzt alles daran, die Insel als Ökodestination Nummer eins zu vermarkten. Weiter ging die Fahrt an der Atlantikküste entlang in Richtung des Carib Territory.Im Jahr 1903 wurde dieses Gebiet den letzten Nachfahren der Kariben zur Verfügung gestellt und ist bis heute das einzige Rückzugsgebiet der karibischen Ureinwohner, die seitdem hier in Selbstverwaltung leben. Sie leben von Fischerei, Landwirtschaft, Korbflechterei und Kunsthandwerk. Unser Fahrer hielt an einem Straßenverkaufsstand mit Korbflechterwaren und ein schöner Sonnenhut wechselte den Besitzer bzw. die Besitzerin. Weiter ins Karibengebiet wollten wir nicht reinfahren, weil wir die Menschen nicht Begaffen und im Alltag stören wollten. Zum Lunch hielten wir an einem Restaurant mit Terrasse mit Blick über den Regenwald bis zum Atlantik. Es gab gegrilltes Chicken oder angeräuchertes Chicken oder Fisch. Wir nahmen den Tagesfisch mit Reis und Salat. Sehr lecker gewürzt und richtig schmackhaft. Nächster Hotspot war der Emerald Pool, ein vom Wasserfall ausgewaschener Felsenpool. Die Engländer hatten Badesachen dabei und erfrischten sich im natürlichen Gebirgswasser. Es war zwar etwas Trubel am Emerald Pool, da eine Gruppe Kreuzfahrer ebenfalls dieses Ziel auf der Tagesordnung hatten, aber es störte nicht sonderlich.
Durch den Central Forest ging es anschließend weiter zu den Jacko Falls. Hier waren wir alleine. Das Gelände um den Wasserfall wird durch eine Familie instand gehalten und es kostete auch 5,00 US $ Eintritt (wie auch am Emerald Pool und 2 US $ kosteten die Red Rocks). Das ist absolut in Ordnung, weil alles wirklich sehr sauber ist. Zum Abschluss der Rundfahrt ging es in der Hauptstadt Roseau, hier im botanischen Garten konnten wir den Papagei, der das Landeswappen ziert, im Gehege bewundern. Es gibt zwar im Regenwald auch freilebende Exemplare, aber die zu sehen ist schwierig. Den Rest der Hauptstadt muss man nicht gesehen haben. Unser Fahrer brachte uns sicher nach Portsmouth zurück, wo schon Titus mit seinem Holzboot wartete und uns zu unseren Schiffen brachte.
Dominica
Prince Rupert Bay
Ja, wir sind doch nach Dominica gesegelt. Alle Segler, die wir unterwegs getroffen haben, schwärmten von der naturbelassenen Insel. Auf dem Weg nach Norden hatten wir die Insel ausgelassen, da unser Segelführer vor den Boat Boys und vor Diebstählen gewarnt hatte. Nur leider ist der Bartholmes hier nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Boat Boys, die den Yachten ihre Dienstleistungen anbieten, haben sich zusammengeschlossen und sind gut durchorganisiert. Wir wurden draußen vor dem Ankerfeld vom Yachtservice Lawrence of Arabia sehr freundlich begrüßt. Er wartete ab, bis unser Ankermanöver beendet war und kam dann längsseits. Als erstes wies er uns darauf hin, dass Gründonnerstag ist und dass wir am Karfreitag nicht einklarieren können. Wenn wir uns beeilen würden, hätte das Office noch geöffnet. Natürlich hatten wir unser Beiboot nicht klar und so hat mich der freundliche Herr schnell mit seinem Holzkahn zum weit entfernten Anleger gebracht, mich zum Zoll begleitet und gewartet, bis alles erledigt war. Anschließend ging es mit Highspeed zurück zum Boot. Hier hat er sich mit Walter über unsere weiteren Pläne unterhalten und mitgeteilt, dass er für Freitag eine Gruppe hat, die zum Indian River möchte. Hier konnten wir uns anschließen. So kamen wir gleich am ersten Tag auf Dominica zu einer Fahrt auf dem Indian River. Mit dabei zwei sehr gediegene Engländer (blaue Nationalflagge mit weißer Krone rechts unten. Königlich?), fünf lustige Finnen und wir Beide. Pünktlich um 7 Uhr am Morgen wurden wir von unserem Guide abgeholt. Ab der Mündung des Indian Rivers musste der arme Kerl mit neun Personen an Bord rudern. Der Indian River gehört zum Naturreservat und darf nur mit Ruderbooten befahren werden. Das Flussufer ist dicht mit Mangroven, Palmen, Hibiskus und anderen Bäumen bewachsen.
Am Ufer wuselten die weißen Krabben, da ihre Wohnhöhen durch die gestrigen Regenfälle überflutet waren. Der Indian River hatte heute die Farbe eines Milchkaffees, ebenfalls dem Regen geschuldet. Normalerweise kann man bis zum Grund sehen. Fische sahen wir keine, aber viele einheimische Vogelarten. Den einheimischen Papagei, der die Landesflagge ziert, haben wir leider auch nicht gesehen, dafür Kolibris.
In einem Seitenarm des Indian Rivers steht noch eine Hütte/Kulisse aus dem Film „Fluch der Karibik“. Da es im Dschungel keine Stromversorgung gab, mussten die Filmbeleuchter die Szenen mit kerosingetränkten Lappen ausleuchten.
Der Wendepunkt der Bootsfahrt war an einem kleinen Bootssteg, wo sogar eine Busch-Bar mit Erfrischungen wartete. Unsere fünf Finnen, hart wie sie nun mal sind, bestellten sich vor 9 Uhr bereits den Spezialdrink, den Dynamic-Punsch (Rumpunsch). Die Engländer und wir tranken einen würzigen Kräutertee aus den heimischen Heil-Pflanzen (kein Bier vor Vier). Die ältesten Menschen im karibischen Raum leben auf Dominica mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 85 Jahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie sich überwiegend mit heimischen Produkten ernähren. Selbst die deutsche Pharmaindustrie soll hier Forschungen betreiben, um die Bestandteile der Pflanzen zu analysieren.
Unser Guide brachte alle Teilnehmer wieder zurück zu ihren Booten und verabschiedete sich herzlich. Bei uns gab es gegen 10 Uhr ein zweites Frühstück und einen ausgedehnten Mittagsschlaf.
Freundliche Menschen auf Guadeloupe und unzuverlässige Mietwagenverleiher
Guadeloupes Mietwagenverleiher sind unzuverlässig. Anfang Februar hatten wir in Pointe á Pitre das Problem, dass der bestätigte Mietwagen nicht zur Verfügung gestellt wurde und hier in Basseterre, Rivière Sens haben wir das gleiche in Grün. Der zugesagte Mietwagen für heute war ebenfalls nicht verfügbar. Und es handelte sich nicht um einen Aprilscherz. Heute früh ging ich mit dem Baguette unterm Arm beim hiesigen Fahrrad- und Mopedverleiher vorbei und dessen Eigentümer grüßte mich freundlich. Er hatte mich gestern zur Autovermietung Sim Car nach Basseterre geschickt und erkundigte sich danach, ob ich erfolgreich war. Er kennt wohl seine Pappenheimer und zur Sicherheit zückte er sein Mobilphone und rief den Verleiher in Basseterre an. Nein, er hatte keine Reservierung von uns und außerdem kommt auch heute kein Auto zurück, da der Kunde den Mietwagen verlängert hätte. Ziemlich blöde Situation. Wir waren auch deshalb nochmals nach Guadeloupe gesegelt, weil wir in Pointe á Pitre bei Mr. Bricolage einen Déshumificateur (Luftentfeuchter) gekauft hatten. Diesen benötigen wir, wenn wir mit der Sunrise in der Regenzeit in Trinidad weilen. Nur leider hatten wir nicht bedacht, dass es in Trinidad 110 V und 60 Hz und keine 230 V und 50 Hz gibt – das heißt, wir können dieses Gerät gar nicht einsetzen. Das Gerät soll nicht übers Bordnetz, sondern direkt mit dem Landstrom betrieben werden. Demzufolge wollten wir das original verpackte Gerät wieder zurückgeben. Mit dem Bus nach Pointe á Pitre zu kommen wäre schon möglich, aber nicht ins Industriegebiet. Taxi wäre viel zu teuer, Mietwagen die einzige einigermaßen kostengünstige Alternative. Der nette Herr Fahradverleiher bot uns einen privaten Wagen an, den wir jedoch aus versicherungsrechtlichen Gründen ablehnten. Petra und Klaus von der Lubini hatten gerade hier in Riviére Sens schlechte Erfahrungen mit einem privaten Wagen, vom Hafenmeister vermittelt, gemacht. Sie mussten 400 Euro für eine Beule bezahlen, die schon vorher am Auto war. Leider konnten sie es nicht beweisen und so blieb ihnen nichts anders übrig als die 400 Euro zu bezahlen. Es tat sich doch noch ein Türchen für uns auf: Der Fahrradverleiher musste am Nachmittag zwei Personen zum Flughafen nach Pointe á Pitre fahren. Wir durften uns anschließen und so kamen wir für 25 Euro zu einer Fahrt nach Point á Pitre und zurück. Mr. Bricolage war sehr uneinsichtig und nahm uns das am 09.02.2015 gekaufte Gerät nicht wieder zurück. Rückgabe gegen Geld nur innerhalb von 2 Wochen. Ich konnte es gar nicht glauben, wir sind doch hier in der EU, was ist das für eine Rechtslage? Aber das Personal und der Geschäftsführer stellten sich stur und verstanden nur noch Französisch (und meines ist erdenmiserabel) und niemand im ganzen Laden war nun der englischen Sprache mehr mächtig. Wir sollten uns ein anderes Gerät um 200 Euro raussuchen – aber wir benötigten keine Bohrmaschine, keinen Akkuschrauber, keinen Dampfreiniger und schon gar keine Gartenstühle. So zogen wir mit unserem Luftentfeuchter wieder ab. Irgendwo und irgenwann ist der bestimmt von Nutzen.
















