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Sunrise Sandwich
Eingekeilt zwischen Motoryachten

Bei unserer Ankunft im Club de Pesca de Cartagena wurden wir in den ersten Liegeplatz nach dem Kopfsteg eingewiesen. Wir liegen zwischen zwei großen Motoryachten eingekeilt und fühlten uns wie ein Ruderboot zwischen Fahrgastschiffen der weißen Flotte am Bodensee. Außen am Kopfsteg liegt die SeaC, ein wunderbarer Wellenbrecher für den all gegenwärtigen Schwell durch die vorbeifahrenden Boote.
Captain Mike stellte sich gleich nach unserem Anlegemanöver vor und auch seine komplette Putzcrew reichte uns die Hand. So vergingen die Wochentage, man werkelte neben einander her, Smalltalk hier, ein paar spanische Floskeln da. Alle recht freundlich. Am Freitag berichtete uns Mike, dass sein Boss am Wochenende die SeaC von Cartagena nach Santa Marta überführen wolle. Das gute Stück (Schiff) über 5 Mio Euro Wert sollte mit einer großen Party in Santa Marta übernommen werden. Doch Mike hatte auch den Wetterbericht studiert und seinem Boss die Unmöglichkeit einer Fahrt nach Santa Marta erklärt. Der Boss war not amused und trudelte am Freitag in Cartagena ein. Mike musste plötzlich eine Kapitänsuniform tragen und aus der Putzcrew waren plötzlich Buttler mit weißen Hemden und maritimen Shorts geworden. Der Samstag verging mit Vorbereitungen auf der SeaC. Die Einweihungsparty wurde kurzer Hand nach Cartagena verlegt. Kompromiss zwischen Captain und Eigner. Begrüßung der Gäste, ein Willkommensgetränk, Auslaufen in die Lagune von Cartagena zum Sundowner, anschließende Rückkehr zum Liegeplatz und Party bis ultimo.
Naja, so der Plan. Am Ende waren die Gäste aus Santa Marta kommend verspätet, die Sonne war bereits unter gegangen und der Wind hatte derart zugelegt, dass ein Auslaufen unmöglich war. So versammelten sich nach und nach alle Gäste im Laufe des Abends auf der SeaC und taten das was Gäste so tun, sie feierten. Champagner floss im Überfluss, Musik schallte aus den Lautsprechern, schnell war der Abend zum Morgen geworden und die Musik aus den Außenlautsprechern wollte kein Ende nehmen. Als dann um ca. ein Uhr am Morgen der Lautstärkepegel abrupt erhöht wurde platzte Elke der Kragen. Im Schlafdress stürzte sie an Deck griff sich verbal Mike und wies diesen an seinem Boss klar zu machen, dass nun Schluss mit der Veranstaltung sei. PUNKT. Und siehe da nicht eine Minute später war die Musik aus, zwei Minuten später gingen die Gäste, wir hatten ein saublödes Gefühl. Mal wieder den typisch Deutschen rausgehängt. Voll peinlich! Buahh.
Am gleichen Morgen ca. 10 Uhr wir sitzen noch am Frühstück, jeder löffelt aus seiner Müslischale, da kommt Mike, frisch geduscht und mit einer Flasche Rotwein in der Hand um sich für die Unannehmlichkeiten der letzten Nacht zu entschuldigen. Wir sind überrascht und einigen uns auf ein don‘t worry. Keine zwei Stunden später erscheint eine vier Mann starke Truppe an der SeaC, im Gepäck haben sie 6 brandneue natürlich viel größere Lautsprecher. In einer Stunde sind die getauscht, am Nachmittag holt die SeaC ihren Ausflug in die Lagune nach. Am Abend same procedure, Champagner im Überfluss und schrill laute Musik aus den NEUEN Lautsprechern. Mike I think it`s time for another bottle of wine. Oder auf schwäbisch: so laut wie die Musik isch, so viel kannst gar net saufa.

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Wir sind immer noch in Cartagena. In der karibischen See hat sich ein Starkwindfeld festgesetzt. Es liegt direkt vor der Küste Kolumbiens und somit auf unserem geplanten Weg nach Grand Cayman. Es breitet sich über ca. 200 Seemeilen aus. Das heißt, wir würden sehenden Auges direkt dort rein segeln. Nein, ich brauche keine Starkwindböen und schon gar nicht mit 40 Knoten und zweimal nicht in der Nacht. Zudem noch nach siebenmonatiger Segelpause. Von der dort stehenden Welle ganz zu schweigen.
Es gibt schlimmere Orte zum Warten. Das Essen im Food Truck ist gut, die Sushi Läden kennen uns bereits und bei Italiener werden wir schon mit Handschlag begrüßt.
Zwischenzeitlich haben wir 100 Liter Trinkwasser in PET-Flaschen eingekauft und die üblichen Grundnahrungsmittel im Bauch der Sunrise verstaut. Es fehlen nur noch die frischen Lebensmittel, wir wären startklar.
Aus lauter Jux und Tollerei leihen wir uns den Gummifisch vom Club für eine Fotosession. Hier wird alles mit Kameras aufgezeichnet, wir gönnen dem Nachtwächter den Spaß – und uns auch.

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Morgens, kurz nach Sonnenaufgang, also zu nachtschlafender Zeit, ist es windstill. Die Temperatur ist noch erträglich und deshalb wird auf der Sunrise gearbeitet. Das Großsegel muss aus dem Vorschiff gewuchtet werden und in den Rollmast eingezogen werden. Dito das Vorsegel. Schweißtreibende Arbeit. Danach ist erst mal Frühstückspause. Bevor es richtig heiß wird, werden hier und da noch Kleinigkeiten erledigt. Dinge von A nach B geräumt, sodass sie am nächsten Tag unauffindbar sind und b.a.w. auch bleiben. Ein wohnliches Schiff sieht anders aus. Um die Mittagszeit legen wir uns in den Schatten und ruhen. Der Nachmittag vergeht wie im Flug und das Highlight des Tages ist das Abendessen. Entweder beim Italiener (frisch renoviert), beim Ceviche-Stand, im Sushi-Lokal oder im Foodtruck Court. Die drei letztgenannten werden überwiegend von Einheimischen besucht, sind preiswert, frisch und gut.

Cartagena Nights


Lieblingsitaliener mit kolumbianischer Livemusik


Lieblings-Ceviche Stand
Mittlerweile auf Wunsch auch ohne rote Zwiebeln


Foodtruck-Court
lecker Sushi, Burger und Steaks


Foodtruck-Court

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Buena Vista aus dem Masttop

Viel Arbeit steht an. Bis hoch zum Masttop ist das Schiff eingesaut. Ich hänge mit Microfasertuch und Wasserschlauch ausgestattet im Bootsmannstuhl. Walter winscht mich bis zum Masttop hoch. Mit dem Wasserschlauch versuche ich den gröbsten Dreck vom Mast und den Wanten zu spritzen. Sorry liebe Nachbarlieger, bei dem Gewell hier geht viel daneben. Mit dem Microfasertuch werden die Wanten abgerieben, bleibt das Tuch hängen ist es schlecht, weil dann wären die Wanten angegriffen. Sind sie nicht. Auch die Terminals und die Sicherungsbolzen mit Splinten sind in Ordnung. Nur etwas Schwund ist dabei. Über dem Radar sitzt eine kleine Antenne, deren Fuß ist korrodiert und hält dem Kontakt mit meinem Knie nicht Stand. Da muss der Fachmann ran. Walter wird selbst ins Rigg gehen und dies provisorisch mit Kabelbindern wieder fixieren. Provisorien halten üblicherweise am längsten.

Sechs neue Batterien wurden ebenfalls geliefert. Walter hat sie selbst eingebaut. Fettes Lob! Es funktioniert. Wir haben jetzt frische
Servicebatterien und je eine neue Batterie für die Ankerwinsch und das Bugstrahlruder. Der Superwind Windgenerator und die Solarzellen laden die Batterien zuverlässig auf. Nur in der Nacht verweigern die Solarzellen den Dienst. Kaum zu glauben aber wahr, der Schwabe in mir hat es getestet und das Panel zum Flutlichtstrahler am Steg hin ausgerichtet. Tut net.

Flutlicht auf Solarzelle
Energiegewinnung rund um die Uhr – funktioniert halt nicht

Spässle gmacht.

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Kranbox ist nicht mehr weit! Endlich geht es ins Wasser

Endlich im nassen Element. Am Dienstagvormittag rollt der Marine Travelllift an und hängt die Sunrise in die Gurte. Wir können am Bord bleiben, erstaunlich bei den strengen Sicherheitsvorkehrungen hier. So erleben wir hautnah eine freischwebende Schifffahrt durch die Luft. Sanft wird die Sunrise in der Kranbox ins Wasser gelassen. Alle Borddurchlässe werden geprüft. Das neu gedichtete Ruderlager, die Seeventile etc. bleiben trocken, der Motor springt zuverlässig an (die Starterbatterie hatte auch als einzige die sieben Monate ohne Ladung überlebt), auch die Navigationsinstrumente zeigen Werte an. Wir zögern nicht lange und fordern einen Piloten an, der uns durch das flache Wasser geleitet. Nichts wie weg hier aus dem Dreck. Nicht Ferroalquimar ist das Problem, gut der Hof gleicht der Sahara und der Wind hilft kräftig mit, alles einzupudern; das größte Problem sind die umliegenden Großschiffswerften. Steht der Wind schlecht kommt Ruß, Flugrost, Farbnebel, irgendwelches Giftzeugs angeweht und legt sich auf den eingelagerten Schiffe nieder. Entsprechend eingesaut sieht die Sunrise aus. Die Sunrise hat Akne. Das toppt alles seither dagewesene. Ansonsten macht die Werft viel damit sich die Kunden künftig wohler fühlen. Die neuen Duschen und Toiletten sind fast fertig, das werfteigene Restaurant bietet Mittagessen und im Aufenthaltsraum gibt es eine Teeküche und auch eine saubere Toilette. Eine immense Verbesserung. Vor sieben Monaten hatte ich ein Foto von der Dusche und dem WC hochgeladen. Furchtbar war es. Trotzdem würden wir, falls wir nochmals hier her kommen müssten, nicht auf dem an Land stehenden Schiff wohnen. Bei dem was hier alles durch die Luft gewirbelt wird, ist der Feinstaub am Stuttgarter Neckartor ein Witz hoch zehn. Außerdem ist es an Land viel zu heiß. 

So kommen wir einen Tag früher als mit der Büroleiterin vereinbart mit der Sunrise  im Club de Pesca de Cartagena an. Wir melden uns über UKW Funk Kanal 71 beim Jefe de Muelle, Nestor Castro Viana. Mein Spanisch reicht soweit, vorbereitete Sätze fehlerfrei zu formulieren. Mit der Antwort wird es schon etwas schwieriger. Wir sollen warten. Der Jefe weiß von nichts. Absolut normal. Hilft nur vor der Marina rumzubutschern und auf ein ok zu warten. Es folgt das übliche umfangreiche und absolut unverständliche Palaver. Hier hilft Doofstellen und Nix verstehen ungemein weiter. Kurzum wir bekommen bald einen Liegeplatz an der Muelle 3 zugewiesen. Schiff anbinden, abschließen und schnellstens diesen Ort des Grauens für heute verlassen. Zurück ins Hotel und eine ausgiebige Dusche nehmen, dann zum Japanischen Restaurant zum Abendessen. Ab morgen wird gewienert. Dann ziehen wir auch offiziell ein. Es war gut, dass ich das Hotel im Vorfeld bereits für elf Tage eingebucht hatte. Wir mussten aus vorstehenden Gründen um zwei Tage verlängern.

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Bocagrade

Batterie-Drama in mehreren Akten

  1. Akt: Feststellung, dass die vier Servicebatterien, die Batterie für die Ankerwinsch und die Batterie für das Bugstrahlruder die sechsmonatige Standzeit in der Hitze nicht überlebt haben. Beim Versuch diese aufzuladen wurden sie gefährlich heiß.
  2. Akt: Der werfteigene ingeniero electrónico wird an Bord gebeten, der feststellt, dass die Batterien heiß sind, aber eigentlich noch genug Spannung anzeigen. Er ist ratlos und fordert Verstärkung an. 
  3. Akt: Ein externer Ingenieur kommt am nächsten Tag an Bord. Offensichtlich hat er einen Plan, denn er nimmt die ihm unter die Nase gehaltene Gebrauchsanweisung unseres Ladegerätes und Ladereglers in die Hand und liest die spanische Beschreibung. Legt sich mit seinen Messgeräten unter den Kartentisch und kommt zum Ergebnis, das Gerät ist in Ordnung. Die sechs Batterien sind futsch.
  4. Akt: Im Büro von Ferroalquimar schildern wir das Problem. Die Sekretärin will Angebote für neue Batterien einholen.
  5. Akt: Am nächsten Vormittag fährt ein Taxi vor und vier Batterien werden mit viel Palaver an Bord gehievt. Wir sind irritiert. Wir hatten weder einen Kostenvoranschlag gesehen, noch einen Kaufauftrag erteilt. Die Sekretärin kommt ebenfalls an Bord und glättet die Wogen. Es sei nur ein Test, ob die Batterien passen. Tun sie eben nicht! Nicht dass wir ihr Fotos von den alten Batterien, vom Batterietyp AGM und von den Maßen der Batterien und auch der Batteriebox gegeben hätten. Die ganze sinnlose Aktion wird abgeblasen und der Batterieverkäufer zieht beleidigt ab.
  6. Akt: Findet nicht statt. Am nächsten Tag passiert nämlich gar nichts. Niente, nada. Alle Beteiligten schmollen.
  7. Akt: Wir werden aktiv. Über Google Maps suchen wir alle Batterienläden in Cartagena raus und setzen uns ins Auto und fangen mit Abklappern an. Das dauert drei Tage. Der Googleübersetzer läuft heiß. Wir finden einige Alternativen. Unter anderem kommen wir auch an den Verkäufer aus Akt 5. Der ist immer noch angefressen (sein Problem), lässt sich aber darauf ein, uns passende Batterien rauszusuchen und uns einen Kostenvoranschlag zu machen. Er könnte in 15 – 30 Tagen liefern. Der Nachbarladen hat auch Batterien im Angebot, will uns aber weismachen, dass wir durchaus Gel- und AGM-Batterien mischen können. Also vier Gel-Batterien als Service- und zwei AGM Batterien für Ankerwinsch und Bugstrahlruder. Er hätte zufälligerweise alle auf Lager. Nein, lieber nicht. 
  8. Akt: Die Werftsekretärin ist immer noch angefressen und sagt, dass es nahezu unmöglich sei, für uns die passenden Batterien zu finden. Wenn sie das meint…
  9. Akt: Wir kommen mit unserem Zimmervermieter (Engländer, seit 14 Jahren hier) ins Gespräch. Er hat einen amerikanischen Freund, der seit vier Jahren im Club Nautico Cartagena auf seinem Segelboot lebt. Dieser empfiehlt uns den Marine Store in Manga. Ja, den kennen wir und da waren wir auch vor zwei Tagen kurz vor Feierabend. Die sagten zwar lose, dass sie uns Batterien besorgen könnten, aber nichts genaues. Also hatten wir den zwischenzeitlich abgehakt.
  10. Akt: Wir fahren am Samstagvormittag nochmals zum Marine Store in Manga. Ja, sie können sich an unseren Besuch erinnern und ja, die Aussage, die Batterien besorgen zu können steht. Wenn wir jetzt im Voraus bezahlen, werden die Batterien bis zum Dienstag angeliefert. 5 AGM Batterien, mit der Einschränkung, dass wir aus Platzgründen nun weniger Ah zur Verfügung haben. Die Batterien mit der benötigten Kapazität wären schlicht zu fett für unsere Batteriebox gewesen, nun steht halt eine Servicebatterie weniger drin. Muss gehen. Es gab keine andere Möglichkeit. Zudem hatten sie den besten Preis gemacht. Der Unterschied vom teuersten zum günstigsten betrug 1.470.000,— kolumbianische Pesos, sind rund 410 Euros. 
  11. Akt: Fällt aus, weil nämlich die Batterien tatsächlich angeliefert werden. Wird schon klappen. 

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Vorausschauend denken und handeln scheint eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein. Bestes Beispiel heute früh. Wir müssen mit unserem Mietwagen vor 7 Uhr morgens aus der Stadt draußen sein, weil wir mit der Endnummer 6 auf dem Nummernschild donnerstags ab 7 Uhr nicht mehr in Cartagena fahren dürfen. Eine gute Regelung, schont die Umwelt und entzerrt den Berufsverkehr. Die bringt uns schon weit vor sieben in die Werft und aufs Schiff. Wir sitzen noch beim Tee, schwups ist die Leiter weg (und auch unsere Schuhe) wir sind gefangen. Kommen nicht mehr runter. Scheint nicht üblich zu sein, dass morgens jemand auf dem Schiff ist. Vielleicht hätte nachfragen geholfen. Der Kran ist da, um das Schiff ca. einen Meter anzuheben. Ratz fatz hängen wir in den Seilen (Krangurten) so schnell können wir gar nicht gucken. Schiffschaukel.

Da hängt sie in den Seilen

Aus Sicherheitsgründen dürften wir gar nicht auf dem Schiff sein. Heute ist es egal. Time is money. Kranstunden sind teuer. Aber aufs Klo oder in den Aufenthaltsraum ohne Schutzhelm zu gehen ist unmöglich. Sofort pfeift einen der Sicherheitsmensch zurück. Kein Schritt übers Gelände ohne Helm (Ich könnte einen Versandhandel für Schutzhelme aufmachen, so viele Leihhelme habe schon verordnet bekommen). Aber Schiffschaukel ist ok? Für den Sicherheitsmensch wohl, aber nicht für mich. Ich sitze am Kartentisch in bekomme hautnah mit, wie die Sunrise in die Gurte gequetscht wird. Wir sind ein Kunststoff-Schiff mit 9 Tonnen Leergewicht und das Einquetschen macht ein Geräusch, das mag man sich gar nicht vorstellen. Der Grund für diese Aktion ist, dass wir die Dichtungen unseres Ruderlagers austauschen wollen. Dafür muss das Ruder einen Meter aus dem Ruderschaft abgelassen werden. Das geht nicht, wenn das Schiff auf den Stützen steht, deshalb die Schiffschaukel-Aktion. In Trinidad haben wir die Dichtungen vom Ruderlager ebenfalls getauscht. Hier haben die Jungs kurzerhand ein Loch unter dem Ruder gebuddelt, die Dichtungen ersetzt und hinterher den Sand wieder eingeschaufelt. So geht es auch.

Aktion Ruderlager/Schiffschaukel beendet. Travellift zieht ab

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Das Schiff steht unverändert an Land. Die Arbeiten gehen schleppend voran. Dafür habe ich sogar Verständnis. 30 Grad in Cartagena.

Cartagena 30 Grad

Ich bin bereits nach einer Stunde Schiffabspritzen, was nun echt keine schwierige, dafür sinnlose Übung ist, platt wie eine Flunder.

Vor dem Putzen ist gleich nach dem Putzen.

Da widmen wir uns doch lieber schöneren Dingen, Genüssen. Das Frühstück im Hotel ersetzt das Mittagessen bzw. ist Frühstück und Mittagessen in einem. Wir beginnen mit einem hauchdünnen Crêpe mit frischen Früchten und Schokoladensauce, es folgt eine Platte mit gefüllten Maisfladen, Spiegel- oder Rührei, Avocado und Tomatenstückchen und gegrilltem Brot. Dazu schwarzer Kaffee und frisch gepresster Saft.

Frühstück 1. Gang

Frühstück 2. Gang

Danach wäre ein Verdauungsschlaf angesagt – aber wir sind hier nicht auf Urlaub. Mit dem Auto* geht es quer durch die Stadt um die Arbeiten auf der Werft anzustoßen. 

Abends nehmen wir im Hotel eine Dusche und anschließend widmen wir uns wieder den schönen Dingen. Abendessen. Sushi und/oder Ceviche Camaron, Rinderfilet oder Pizza. Alles lecker. Leider hat „unser“ Italiener einen Tag nach unserem Besuch heiß abgebrochen, oder es waren andere italienische Mächte am Werk, sodass das Lokal b.a.w. geschlossen ist. Nobody knows.

Ceviche camaron mit Avocado, Mango und Karottenstreifen

Das Angebot ist riesig, hungern braucht hier kein Tourist.

*Autofahren in Cartagena ist die ultimative Herausforderung. Walter fährt, ich zucke. Ausgerechnet ich, überhaupt nicht schreckhaft und auf der Straße eher zu den forschen Piloten zählend. Das hier ist eine ganz spezielle Nummer. Vom Grundsatz ein super System. Alles Einbahnstraßen, meist zweispurig. Aufgeteilt schachbrettartig in Calles und Carreras. Die Carreras mit den geraden Zahlen führen aus der Stadt raus, die ungeraden rein. Die Calles sind die rechtwinkligen Verbindungen zwischen den Carreras. Soweit alles gut, es kommen in den Vorstädten noch die Transversales und die Diagonales dazu. Durchschaubar und logisch – wenn nicht tausende andere Verkehrsteilnehmer auf der Piste wären. Rikschas, Fahrräder, Mofas und auch mal ein Esel mit angehängtem Karren kommen einem in der Einbahnstraße am linken! Straßenrand entgegen. Die aggressiven gelben Taxis machen aus den zwei Spuren kurzerhand vier. Spurwechsel ohne Blinker normal, in jede Lücke wird reingedrängt, dazwischen düsen hunderte Mopeds durch die Massen von Autos auf undefinierbaren Fahrspuren. Rücksichtslos oder hirnlos – einig sind wir uns, dass im Oberstübchen irgendwas verrutscht ist. Auch nett, die rechte Fahrspur ist im Prinzip nicht existent, weil zugestellt mit mobilen Essenständen, Wasserverkäufern, Schubkarren mit heimischem Obst, original Panamahut-Verkäufer etc. also kilometerlanger Marktplatz. Taxis halten immer und überall wo sie einen möglichen Fahrgast auch nur wittern, in der Kurve, in zweiter Reihe. Normal.

Heute war mitten im Chaos eine Verkehrskontrolle. Wir mit dabei, eh klar. Nicht mit dabei die Pässe und Walters Führerschein. Die Mietwagen-Dokumente waren im Handschuhfach. Da konnte der Officer schon mal mit Lesen anfangen. Dann zeigte ich ihm das Foto von Walters Führerschein auf dem Mobilphone und versuchte ihm zu erklären, dass die Originaldokumente im Hotelsafe sind. Der Rest war minutenlanges Doofstellen unsererseits und viel Palaver bei der Gegenpartei. Die Gegenpartei gab als Erstes auf und tippte die Verwarnung in den Google-Übersetzer. Das Dokumente muss physisch in der Auto sein. Lässt sich machen, manana. Und Tschüss!

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Das Problem mit dem lauten Hotelzimmer konnten wir lösen. Wir haben seit gestern ein Zimmer, das zum Hinterhof raus geht. Es ist nicht mehr so laut und wir können in der Nacht die verhasste Klimaanlage auslassen und die Fenster öffnen. 

Unser Blick aus dem Hotelfenster in den Hinterhof

Ein anderes Problem habe ich (Walter hat keines, er sagt ihm war das klar). Nach drei Tagen arbeiten am Schiff habe ich die Nase schon gestrichen voll. Das Werftgelände liegt eingebettet zwischen zwei Großschiffswerften und es staubt ohne Ende. Sand, Dreck, Farbsprühnebel und was weiß ich für ein gelbes Giftzeugs wird vom Wind über der Sunrise verteilt. Deck schrubben und abspritzen ist grad für die Katz. Außerdem sind die Jungs von Ferroalquimar noch dabei unser Heck neu zu lackieren. Da ist Wasser tabu. Es grenzt an ein Wunder, welch gutes Ergebnis sie unter solch widrigen Bedingungen erzielen. Der Lack sieht pickelfrei aus. Schauen wir mal wie lange der unter der karibischen Sonne hält.

Im Schiff drinnen war alles in Ordnung. Der Luftentfeuchter lief mit einer Zeitschaltuhr über eine externe Stromversorgung, nicht über das Bordnetz,  jeweils einige Stunden am Tag. Nichts müffelt oder ist schimmelig. 

Aber unsere Batterien sind tiefenentladen. Irgendwie haben die Ladegeräte und/oder die Laderegler nicht so wie gewünscht funktioniert. Geplant war, dass die Batterien über unsere Solarzellen geladen werden, weil wir während unserer Abwesenheit keinen externen Stromanschluss haben wollen. Hat in den Vorjahren immer super funktioniert. Nur eben jetzt nicht. Das heißt, wir werden die Batterien ersetzen müssen. 

P.S. Bilder vom versauten Schiff gibt es keine. Das will kein Mensch sehen. Und außer dem Hotel und der Werft haben wir noch nicht viel gesehen. Wir arbeiten dran.