Viana do Castelo

So übel war das Wetter in Baiona nun wirklich nicht, bloß der Wind hat gefehlt. Deshalb sind wir ja auch nach Baiona reingefahren und haben es nicht bereut. Ein wirklich sehenswertes Städtchen. Wir hatten einen schönen Hafentag am Donnerstag. Ausschlafen, spätes Frühstück und anschließend haben wir vom Yachtclub in die Baiona Marina verlegt. Hier lagen schon Christine und Heinz mit ihrer anima mea. Nachdem wir fest waren, haben wir die Altstadt besucht und nach gefühlten zwei Stunden auch den Supermarkt gefunden. Frisches Obst, frischer Salat und frisches Brot sind einfach gut und sollten an Bord wenn möglich nicht fehlen. Hier gibt es schon die neue Ernte Orangen, Mandarinen, Zitronen und Limetten. Einen Eisen-, Elektro-und Haushaltswarenladen haben wir auch gefunden. Eine Fundgrube ohne Gleichen, da kannst jeden Baumarkt in die Tonne klopfen. Auf 40 m² das Vollsortiment. Im Schaufenster hat Walter einen Stromstecker gesehen, den wir für die Stromtankstellen an den Anlegestegen brauchen könnten. Mangels Sprachkenntnisse auf beiden Seiten hat der Ladenbesitzer Walter kurzerhand hinter die Verkaufstheke geholt und hat ihn in den diversen Kisten und Kartons wühlen lassen. Ein Stecker, der so aussah also ob er passend wäre, war noch da. Wir haben ihn für 8 Euro bekommen und er passte! Am späten Nachmittag bin ich mit meinem Notebook zu Heinz rüber auf die anima mea, weil Heinz auch etwas Stress mit dem Airmail-Programm hat (bei mir läuft es nach wie vor nicht rund). Wir haben alle Einstellungen verglichen und festgestellt, dass es daran nicht liegen kann. Bei mir wird die aktuelle Schiffsposition –trotz im März neu installierter extra GPS-Mouse- nicht fortgeführt. Bei Heinz klappt die bluetooth Verbindung zwischen Notebook und Pactor Modem nicht richtig – so eine blöde Technik, von der ich nichts versteh! Aber ich benötige sie. Die Möglichkeit einen Wifi-Hotspot zu catchen nimmt ab und deshalb bin ich auf die Wetter-Gripfiles über Funk angewiesen. Schiffle fahren könnte ja so entspannend sein!
Seit Freitag, 01.08.2014 sind wir in Viana do Castelo in Portugal. Die Marina ist zu klein für uns und deshalb hat uns der Hafenmeister direkt vor der Nase die Fußgänger-Schwenkbrücke wieder zu gemacht. Die Marina ist voll mit einheimischen Booten, einen Visitorplatz mit einem Schiff über 36 Fuß zu bekommen, halte ich in der Saison für ausgeschlossen. Wir liegen nun am Wartesteg im Rio Lima. Vor uns eine holländische Yacht und davor ein Australier, den wir von A Coruna kennen, und hinter uns liegt die anima mea. Der Wartesteg ist mit vier Schiffen gut voll. Neu ankommende Schiffe müssen nun entweder zu uns ins Päckchen oder wieder raus fahren. Wir haben hier einen weiteren Hafentag, weil Starkregen und Südwestwind angesagt ist. Es hat den ganzen Tag über immer wieder geregnet, was uns nicht davon abgehalten hat, zu Fuß über die Eiffelbrücke über den Rio Lima zu gehen, die Altstadt von Viana do Castelo anzuschauen. Leider konnten wir wegen der dichten und tiefhängenden Wolkendecke nicht mit der Schrägseilbahn zum Castelo hochfahren. Bei schönem Wetter soll man einen atemberaubenden Ausblick von dort haben.

Bayona

Es gibt schlechtere Orte um auf besseren Wind zu warten als Bayona! Heute früh sind wir aus Cangas raus gefahren mit dem Ziel Viana do Castelo (Portugal). Der Wind in der Ria de Vigo war schwach, hat gerade so gereicht um mit 4 Konten dahin zu dümpeln. Wir hatten die Hoffnung, dass der Wind zulegt, sobald wir aus der Landabdeckung und der Ria draußen sind. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Der Wind hat bis auf 5 Knoten abgenommen und da hilft alles Schotenzupfen, Ausbaumen und Trimmen nichts mehr. Zwei Möglichkeiten: Motor starten und die restlichen 30 Meilen nach Viana do Castelo motoren oder nach links abbiegen und in die Marina Bayona rein. Wir haben uns für Bayona entschieden, zumal Bayona auch Historisches zu bieten hat. Hier ist die Karavelle Pinta des Kapitäns Martín Alonso Pinzón im März 1493 nach ihrer Teilnahme an der ersten Amerikareise des Christoph Kolumbus angekommen. Die Bevölkerung von Bayona hat als erstes von der Entdeckung der „Neuen Welt“ Kenntnis erlangt, weil Kolumbus erst später angekommen ist.
Wir liegen in der Marina des Monte Real Club de Yates Bayona direkt an der Festung Castillo de Monte Real, das jetzt ein Vier-Sterne-Hotel beherbergt. Die Festungsanlage ist sehr gepflegt, wie überhaupt alles hier. Es kostet zwar 1 Euro Eintritt um die Festung zu betreten, aber den Eintritt bekommt man erstattet, wenn man auf der Terrasse des Hotels einen Kaffee o.ä. trinkt. Was wir gemacht haben, ist ja klar. Nachdem wir die Halbinsel zu Fuß umrundet und die herrliche Aussicht genossen haben, sind wir in das Restaurant des Yachtclubs zum Abendessen gegangen. Very british hier – aber der Chefkoch kann definitiv nicht mithalten. Ehrlich, der grilled Codfish war mit Gräten durchzogen, zumindest die steichholzdicken Gräten hätte er mal vor dem Braten ziehen können, aber auch die weniger dicken. Das erwarte ich bei der Preisklasse. Der gemischte Salat als Vorspeise war gut und hätte für zwei Personen locker gereicht. Das Abendessen rausgerissen hat der Gin Tonic – eigentlich Aperitif – nach dem Essen. Wir hatten einfach Lust darauf und in unserem Alter kann man/frau sich nicht mehr blamieren, bzw. es ist uns einfach schnurzpiepegal. Die Servierdame hat uns ein bauchiges Rotweinglas gefüllt mit Eiswürfeln und Zitrone serviert, auf dem Servierbrett hatte sie eine volle Flasche Gin und aus der hat sie Gin über die Eiswürfel geschüttet. Offenbar bis er Kunde ein Signal zum Einhalt gibt. Diese Methode war uns völlig unbekannt, ehrlich! Unsererseits kam kein Stoppsignal und deshalb hatten wir einen ziemlich kräftigen Gin Tonic als Absacker. Ist eine gute Art und Weise mit der Restaurantrechnung letztendlich entspannt umzugehen. Auf der Sunrise angekommen wurden wir vom Beaglehund des Nachbarliegers aus Belgien verbellt. Der kleine Kerl hat uns nicht mehr erkannt und als Einbrecher eingestuft. Die Alarmanlage funktioniert länderübergreifend. Ist ein gutes Gefühl, lassen wir nachts doch zwischenzeitlich in den Häfen alle Fenster zur Durchlüftung offen.

Nationalpark „Isla Cies“

Am Sonntag früh pottendichter Nebel und der geplante Ausflug mit der Fähre zum Nationalpark „Isla Cies“ schien nicht möglich zu sein. Gegen 11 Uhr drückte die Sonne durch, schnell die Badesachen sowie etwas Verpflegung eingepackt und um 11:45 Uhr ging es mit der Fähre rüber zum Nationalpark. Pro Person 18,50 Euro. Im Internet gibt es tolle Bilder und viel Information über den Nationalpark, einfach mal Google fragen. Der Nebel draußen auf See war leider nach wie vor sehr dicht, was aber die Wochenend-Besuchermassen nicht davon abhielt, mit Sack und Pack, Kühltaschen, Sonnenschirm, Liegestuhl, Zelt etc. die Insel zu stürmen. Ja, trotz leichtem Nebel und kaltem Wind war der Hauptstrand bereits picke packe voll – wie auf Malle. Alleine von Cangas aus gehen pro Stunde 3 Personenfähren zu den Inseln. Nichts deutete auf Nationalpark hin. Wir, Chistine, Heinz, Walter und ich beschlossen die Insel Cies zu Fuß zu erkunden. Erst links rum. Gut ausgebaute Waldwege durch Kiefer- und Eukalyptusbäume, immer wieder Badebuchten mit leuchtend weißem Sand. Wirklich wunderschön, aber auch sehr gut besucht. Wir bestiegen den 175 !!! Meter hohen Hügel mit dem Faro de Cies drauf und konnten zwischen den Nebelbänken doch die herrliche Aussicht genießen. Nach einer kurzen Cafépause ging es rechts rum weiter. In den Ankerbuchten lagen trotz widriger Wetterlage viele Boote vor Anker. Die Gewässer um die Nationalparkinseln dürfen nur mit amtlicher Genehmigung befahren werden und zum Ankern benötigt man ebenfalls eine Genehmigung. Ich habe die Genehmigung von Combarro aus beantragt, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Wir werden jedoch nicht mit dem eigenen Boot rüberfahren, da es einerseits ein Massenrummel und andererseits viel Wind vorhergesagt ist – da bleiben wir mal lieber schön im sicheren Hafen in Cangas. Der Hafenmeister wird seine Freude mit uns haben! Heute war nämlich Großputz an der Reihe. Erst Betten abziehen, Kochwäsche in die Marinawaschmaschine und Alles, was ausgelüftet werden kann wurde in den herrlich warmen Nordwind gehängt. Mal wieder volle Beflaggung auf der Sunrise und dem Hafenmeister war spätestens jetzt klar, dass er uns so schnell nicht los kriegt. Das Schiff wurde abgespritzt und mit umweltfreundlichem Shampoo eingeseift. Anschließend poliert, das heißt momentan nur die Backbordseite, die andere Seite mache ich jetzt. Schön alles der Reihe nach.

Cangas

Seit Samstag liegen wir im kleinen Hafen Cangas in der Ria de Vigo direkt gegenüber der „Großstadt“ Vigo. Der Hafenmeister war nicht sehr erfreut uns einlaufen zu sehen. Aus der ersten freien Box mussten wir wieder raus. Wir hatten extra geschaut, ob dort feste Leinen am Steg liegen, was ein sicheres Zeichen für einen Dauerliegeplatz ist; es lagen keine Leinen dort und deshalb sind wir reingefahren. Der Hafenmeister hat uns erklärt, dass der Hafen voll ausgebucht ist und er keinen Platz für uns hat. Walter zeigte dann auf den freien Kopfsteg und meinte da könnten wir doch hin. Der Hafenmeister entpuppte sich als Assistent vom Ober-Hafenmeister und musste sich die Genehmigung einholen, dass wir an den Kopfsteg dürfen. Zwischenzeitlich lagen wir dann dort und es schien in Ordnung zu sein. Kurz danach kamen Christine und Heinz und legten die anima mea ebenfalls an den langen Steg. Nun ging die Diskussion von Neuem los. Die anima mea sollte wieder weg. Der zweite Platz am Steg musste frei bleiben. Kein Problem, dann geht die anima mea eben direkt längsseits bei uns ins Päckchen. Oh nein, das geht schon mal überhaupt gar nicht. Das darf man in Spanien nicht. Christine und ich gingen mit dem Assistenten zusammen zum Ober-Hafenmeister, der leider kein Englisch verstand, und verklickerten ihm, dass wir das so haben wollen und es für uns kein Problem sei. In Holland und Deutschland ist das Päckchenbauen während der Saison üblich. Er hatte ein Einsehen und die berechtigte Befürchtung, dass wir eh nicht mehr weggehen. Also geht doch!

Sanxenxo und Combarro

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war horrible. Wir lagen in der großen sehr belebten Marina in Sanxenxo in der Ria Pontevedra. Im Vergleich zu den letzten Übernachtungsplätzen ist Sanxenxo eine Großstadt. Hochhäuser säumen die lange Strandpromenade, Bars, Cafés, Restaurants, Schuh- und Kleiderläden. Auch der Badestrand war gut besucht. Freizeitangebote, wie im Fallschirm hängend vom Motorboot in 50 Meter Höhe durch die Bucht gezogen werden u.a. Offensichtlich ein beliebter Urlaubsort. Im Restaurant gab es erst ab 21 Uhr Abendessen, bis kurz vor 23 Uhr waren wir die einzigen Gäste. Dann füllte sich das Restaurant schnell, spanische Familien mit Säuglingen und Kleinkindern kamen. Die Säuglinge liegen im Kinderwagen mitten im Trubel – so gewöhnen sie sich schnell an den Lebensrhythmus im Süden. Der Rhythmus ging die ganze Nacht durch, und zwar ausgehend von der Bhudda-Bar in der Marina. Gewummer bis morgens um 6 Uhr – sodass an Nachtschlaf nicht zu denken war. Christine und Heinz von der anima mea lagen zwei Schiffe vor uns und sind aufgrund meines Tips auch nach Sanxenxo gefahren. Ich war hier vor 8 Jahren schon mal, aber die Disco im Hafen gab es da noch nicht – tut mir leid. Gegen Mittag verlassen wir die Marina Sanxenxo und fahren gemeinsam weiter in die Ria Pontevedra rein. Dort erwarten uns Seffi und Tomy von der Yemania mit dem Geheimtip Combarro. Ein herzlicher Empfang, Leinen werden angenommen, kaum sind beide Schiffe fest, sitzen 6 Personen beim Begrüßungsumtrunk im Cockpit der Yemania. Die Marina Combarro ist eine schöne, saubere Marina, vielleicht drei bis vier Jahre alt. Am Abend besichtigen wir die historische Altstadt von Combarro. Sehenswert sind die Kornspeicher vor den Häusern. Die Kornpeicher stehen auf Steinstelzen, auf der Stelze eine runde Steinscheibe und darauf ist das Speicherhäuschen gebaut. Zweck dieser Bauweise ist, dass keine Ratten etc. ins Vorratshäuschen klettern können, da sie die runde Steinplatte nicht überwinden können. Alles ist sehr herausgeputzt, die Bewohner sind sich der Schönheit ihrer „Steine“ bewusst und pflegen sie. Zum Abendessen gehen wir gemeinsam in eine kleine Taperia am Rande der Altstadt. Wir sitzen idyllisch unter Weinreben und Kiwibäumen im Freien. Die Wirtin serviert uns der Reihe nach Pulpo, kleine gegrillte Fische, große gegrillte Fische, gegrillte Pimentas, kleine frittierte Calamaris und eine Platte Lammkoteletts (Heinz isst kein Fisch). Wir essen uns kreuz und quer durch das Sortiment, alles ist lecker, nur das Lamm ist nicht so der Hit. Gut gelaunt verlassen wir die Taperia und schlendern durch die Gassen Richtung Marina. Kleinkinder spielen noch auf den Gassen (anderer Lebensrhythmus) und in der Marina ist ebenfalls noch einiges geboten. In einer Bar spielt ein Trio und in der anderen ein Gitarrist. Wir bleiben beim Trio hängen und Christine versucht vom Barkeeper sechs Mojitos zu bekommen. Es werden die sechs langsamsten, akribisch zubereitetsten Mojitos, die jemals über eine Theke gewandert sind. Amüsiert betrachten wir von draußen durch die Glasscheibe die Zubereitung: Sechs Limetten werden aus der Obstschale genommen, eine nach der anderen auf das Schneidbrett gelegt, einmal längs und zweimal quer schnitten. Ins Glas getan (dauerte länger als die Zeilen zu schreiben), sechs Gläser mit Limetten gefüllt stehen da, jetzt kommt Zucker drauf, danach werden die Limetten mit dem Stößel und dem Zucker zerquetscht, jedes Glas bekommt zwei Runden Limetten-mit-Zucker-Verquetschung, danach steigert sich die Geschwindigkeit minimal, Eis kommt drauf, Minzeblättchen werden abgezählt, verteilt und zum Schluss noch der Alkohol drauf. Strohhalme rein und fertig ist der Mojito – nein jetzt werden noch sechs blaue Servietten in Dreiecksform gefaltet und mit der Spitze nach oben ans Glas gepappt. Heinz ist zwischenzeitlich zu Christine an die Bar gegangen um Tragen zu helfen, darf er aber nicht. Ein anderer Ober kommt mit einem Servierbrett, stellt die sechs Gläser drauf, ein Schälchen Nüsse, ein Schälchen Gummibärchen dazu und serviert nun endlich den „Schlürschluck“, nach einer gefühlten Stunde. Lustig war´s. Die Nachtruhe wird nicht gestört, da die Party dieses Mal nicht bis in die Morgenstunden geht. Am nächsten Morgen bleiben wir lange in den Kojen liegen und genießen dann den Tag – es ist hoher Feiertag in Galicien: Heiliger Sankt Jakob.

Geisterbahnfahrt 36 Seemeilen

Wir fahren heute von Portosin nach Sanxenxo. Das sind ca. 36 Seemeilen. Um 10:00 Uhr verlassen wir den Hafen und steuern aus der Ria de Muros in Richtung freies Wasser. Es ist bedeckt, der Morgennebel hat sich noch nicht aufgelöst und hängt als Vorhang 50 – 100 Meter über der Bucht. Der angekündigte Nordwind hat sich noch nicht durchgesetzt und so motoren wir durch die Bucht. Alles ist erledigt, Fender und Leinen verstaut der Kurs liegt fest, alles ist ruhig. Das ist nun genau eine dieser Situationen, in denen im Kopf von Elke dieser kleine Mann mit dem Goldhämmerchen auf eine Synapse einhämmert und diese die Sprechorgane einen Satz bilden lässt wie z.B. “ Du könntest doch mal prüfen, ob das Radargerät noch richtig funktioniert“! Ich hatte gerade meinen Kreislauf nach dem Ablegemanöver wieder in den Slow-motion Modus gebracht und war auf eine längere hingeflätschte Motorfahrt eingerichtet, als mich dieser eindeutige Konjunktiv erreichte. Nach der Erfahrung aus dem Ärmelkanal konnte ich jedoch die Notwendigkeit dieser Ansage verstehen. So wurde die Antenne hochgefahren und das Radar in den Senden Modus eingestellt. Alles funktionierte auf Anhieb und wir konnten mit dem Gerät mal ohne Stress arbeiten. Nach einer halben Stunde „ Radareinweisung“ hatten wir alle wichtigen Funktionen durch, das Radar arbeitete problemlos und wir schalteten das Gerät ab. Zwischenzeitlich hatten wir offenes Wasser erreicht der Wind war jedoch immer noch zu schwach. Da meldete sich wieder das kleine Männchen mit dem Goldhämmerchen. Dieses Mal wollte es mit dem Parasailer (120 m² Leichtwindsegel) spielen. Gott sei Dank hatte ich die ganzen Umlenkrollen und Schoten nicht vorbereitet und als wir noch diskutierten nahm der Wind auch plötzlich zu. Jedoch nicht aus Nordost sondern aus Südsüdwest. Da wir nach Südost unterwegs waren, ergab sich somit ein Amwindkurs der uns zwar nicht ganz auf unsere geplante Route brachte, aber immerhin noch segelbar war. Groß und Genua wurden voll gesetzt und die Sunrise zog mit 6-7 Knoten durchs Wasser. Aber leider nicht sehr lange, denn der Wind legte ordentlich los und wir mussten zunächst das Großsegel und später dann auch die Genua reffen. Zudem trieb uns der Wind in eine noch nicht definierbare Wand. Gewitterfront oder nur Regen oder doch gar Nebel? Nebel und zwar pottendicht. Schnell ließ der Wind im Nebel wieder nach, genauso schnell wurden die Segel wieder weggerollt und das Radargerät eingeschaltet. Wie gut, dass wir unser eben erst aufgefrischtes Wissen in die Praxis umsetzten konnten. Gefühlt war die Sichtweite eine Handbreit um das Schiff herum, dann begann die Wattelandschaft—alles gut verpackt! Viele Fischer kreuzten unseren Kurs, einige haben kein AIS und sind somit nur über das Radar zu sehen. Fast die ganze Strecke hatten wir mal mehr mal weniger dicke Nebelbänke zu durchfahren, erst auf den letzten 10 Seemeilen kam der Wind zurück und der Nebel lichtete sich etwas. So konnten wir sogar noch ein paar Meilen segeln, waren mit dem Segeltag versöhnt und der kleine Mann im Kopf mit dem Hämmerchen auch.

Portosin

Die Nordwindlage hält an, anfangs noch angenehme 3 Bft, dann ab Cap Finisterre Flaute. Was wiederum eine entspannte Motorbootfahrt zur Folge hatte. Auch die Delphine waren heute träge, ganz gelangweilt sind sie am Boot vorbeigeschwommen, keine Sprünge, nur kurz den Kopf rausgestreckt zum Luftholen. Mit jeder Seemeile, die wir südlicher kommen wird es wärmer. In A Coruna haben wir am Abend noch den Heizlüfter angestellt, hier brauchen wir schon fast die Klimaanlage. Das Kap Finisterre ist wohl eine Klimagrenze, nördlich davon ist kaltes und rauhes Klima, südlich davon ist es mild (ist meine Vermutung und keinesfalls wissenschaftlich belegt). Wir sind in Portosin im Club Nautico. Die Hafengebühr ist mit 39,90 € wesentlich höher als in A Coruna wo wir für 7 Tage 163,00 € bezahlt hatten. Egal, der Hafen ist sehr ruhig, es gibt kostenlos Stromanschluss, Frischwasser, freies WLan und warme Duschen. Der Weg zum kleinen Supermarkt ist weit, aber wir haben kein Brot mehr und zwei Tage Knäckebrot zum Frühstück muss nicht sein. Abendessen gibt es wieder an Bord und nach dem Abendessen wird der Mittagsschlaf nachgeholt. Die Hitze für uns noch ungewohnt, auch wir sind schlapp. Vielleicht liegt es auch am fehlenden Nachtschlaf, den wir heute nachholen werden. Am Mittwoch geht es nach Sanxenxo, 36 Meilen. Bis auf weiteres werden wir entspannte Tagestörns machen und wenn uns das Wetter nicht passt, bleiben wir im Hafen.

Camarinas

50 Seemeilen von A Coruna bis nach Camarinas. Wir verlassen A Coruna um 8:30. Dicht unter der Küste (es steht kaum Welle) haben wir einen schönen Ausblick auf die Stadt, die Menhire und den Herkules-Leuchtturm. Es ist schwachwindig, anfangs noch aus Südost, dann auf Nord drehend und leicht zunehmend. Was bedeutet, dass wir die ersten drei Stunden Motorbootfahren, erst dann können wir die Segel setzen. Wir fahren nur mit dem großen Vorsegel, weil der Wind ziemlich genau von achtern kommt und das Großsegel das Vorsegel nur abdecken würde. Es ist eine gemütlich Fahrt, die befürchteten Biscaya-Wellen und die ums Capo Vilan herum bleiben aus. Die Ria Camarinas ist eine Meeresbucht, an deren Ende ein kleiner Yachthafen liegt. Wir bergen erst kurz vor dem Hafen das Segel – so soll es sein. Zwischenzeitlich, immer passend zum Anlegen, bläst es mit 16 bis 18 Konten, aber der Hafenmeister hat uns gesehen, umgehend in eine freie Box eingewiesen und die Leinen angenommen. Sehr freundlich! Es gibt freies WLan (aber nur direkt vorne am Club Nautico), sodass wir uns die aktuellsten Wetterdaten holen können. Das Dörfchen schauen wir uns leider nicht an, wir haben mächtig Hunger und nach dem Abendessen eine Einladung bei Christine und Heinz von der Anima Mea. Es wird ein netter und langer Abend, das heißt eine kurze Nacht. Am Dienstag geht es bereits nach Portosin weiter. Wir wollen die aktuelle Nordwindlage ausnutzen. Die anima mea wird ebenfalls nach Portosin weitersegeln.

Sonntag in A Coruna

Ausschlafen und dann den dritten Versuch starten um den historischen Leuchtturm „Herkules“ zu besichtigen. Der erste Versuch zu Fuß zum Leuchtturm zu laufen fiel buchstäblich ins Wasser – zu viel Wasser von oben. Der zweite Versuch am Freitagabend auf der Rückfahrt von Santiago de Compostela fiel ebenfalls ins Wasser, immerhin standen wir schon auf dem Parkplatz. Heute hat es endlich geklappt. Zuvor jedoch, von 12:00 Uhr bis 15:00 Uhr, sind uns hier an Bord massenhaft Flugzeuge um die Ohren geflogen. Es fand direkt hier in der Bucht von A Coruna eine Flugschau statt. Zuerst kamen diverse Kleinflugzeuge, die einzeln und in Formation Kunst(flug)stücke vorgeführt haben. Die Schau hat sich gesteigert, die Flugobjekte wurden größer und nach der Hubschrauberformation hat der Hafen vibriert, denn es kam ein Düsenflieger angedonnert. Kurz darauf war der Lärmpegel unerträglich, es kamen 7 Düsenflieger angedonnert. Düsenflieger-Kunststücke – abartig! Was die Spanier heute an Kerosin bzw. Steuergelder verbrannt haben – ich will gar nicht daran denken. In Südspanien brennt die Pampa ab und hier brennt der Himmel! Als die Geldverbrennungs-Aktion beendet war, sind wir zu Fuß die lange Strandpromenade entlang Richtung Herkulesturm gelaufen. Der Herkulesturm ist der einzige Leuchtturm aus der Antike, der heute noch in Betrieb ist. Er wurde im 1. Jahrhundert von den Römern errichtet. Reste des ursprünglichen römischen Fundamentes haben bis heute überlebt. Die heutige Version entstand weitgehend im 18. Jahrhundert nach vielen vorhergehenden Umbauten. 2009 wurde er zum Weltkulturerbe erklärt. Auf dem Rückweg zum Hafen sind wir zu den Menhiren für den Frieden (Künstler Manolo Paz) gegangen. Das Kunstwerk wird auch Menhir-Familie genannt und besteht aus 12 Steinen unterschiedlicher Größe (Vater, Mutter und Kinder). Jeder einzelne Menhir besitzt eine Öffnung, durch die man den Turm, das Meer und den Sonnenuntergang betrachten kann.

Santiago de Compostela

Unser Plan für Heute: Um 9 Uhr losfahren nach Santiago de Compostela, es sind knappe 70 Kilometer. Um 12 Uhr beginnt die Pilgermesse und die Kathedrale wird für die Zeit der Messe verständlicherweise abgeschlossen. Der Terminplan geriet leicht ins Wanken, weil wir schlicht und einfach verschlafen haben. Kurz vor 12 Uhr waren wir im Außenbezirk von Santiago de Compostela. Wie durch Zufall fuhren wir mit dem Auto auf dem Camino de Santiago – dem Jakobsweg. Wir haben den Wagen geparkt und sind die letzten drei Kilometer des Jakobswegs „gewandert“. Viele, sehr junge Pilger (zwischen 20 und 30 Jahre alt) sind unterwegs nach Santiago, wenige in unserem Alter. Auch viele mit dem Fahrrad – das zählt mittlerweile wohl auch. An der Porto do Camino angekommen, brauchen wir nur noch den Rucksäcken durch die mittelalterliche Altstadt zu folgen. Ziel Aller ist der Plaza do Obradoiro vor der Kathedrale. Wir wissen, dass die Kathedrale gerade noch abgeschlossen ist und stehen auf dem Plaza. Die Kathedrale ist eingerüstet, Fotos zu machen bringt nichts. Auf dem Plaza ist eine Stimmung wie auf der Kirbe (Volksfest/Kirmes). Die Einheimischen machen wohl keinen Popanz mit dem Wallfahrtsort und der Pilgerei. Auf dem Plaza ist eine Art Disneyland-Bus mit entsprechender Musik – ein krasser Stilbruch im Verhältnis zum Umfeld. Wichtig ist nebenbei auch das Geld, das die Touristen und Pilger liegen lassen. Überall werden Handzettel mit Restaurant-Tips, Ermäßigungs-Vouchers für Souvenirartikel etc. verteilt. Aber eine Touristenfalle ist es wirklich nicht. Wir gehen zum Tourismusoffice, holen uns einen kostenlosen Stadtplan und laufen die kleine Altstadtrunde ab. Sehr beeindruckende alte Steine und an jedem Eck eine Kirche. Zu Recht ist die komplette Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe, ohne Frage, die Altstadt ist sehenswert. Wer mehr über die Historie von Santiago wissen möchte, sollte die Freunde von Wikipedia fragen. Wir kommen an der Kirche Igrexa das Animas vorbei, hier werden wir angelockt von einem Gesang, der uns an die Drei Tenöre erinnert. Die beiden Flügel der Kirchentüre sind weit geöffnet, die Kirche ist festlich geschmückt, weil eine Hochzeit stattfindet. Das Brautpaar und die Gäste füllen die vorderen Reihen, die unbeteiligten Besucher stehen hinten. Offensichtlich war es der Wunsch der Brautleute, dass sich auch Andere an der Musik erfreuen, bzw. an der Zeremonie teilnehmen können. An den Markthallen kommen wir vorbei, biegen ein und genehmigen uns eine kleine Portion Pulpo (gekocht im Salzwasser, mit Meersalz, Paprika und Olivenöl gewürzt). Schmeckt richtig lecker und wie bereits gesagt, der Pulpo ist pflegeleicht, einmal gar, immer gar. Wir pilgern zur Kathedrale zurück und stellen fest, dass wir uns in die Besucherschlange einreihen können und pro Person 12 Euro zahlen sollen. Wir verzichten auf die Innenbesichtigung. Walters O-Ton: Da drinnen hättest du es eh nicht ausgehalten, da riecht es nach Moder, Weihrauch, Schweiß und Käsefüße. Zwischenzeitlich ist es Nachmittag, wir laufen zurück zum Auto und wir wenden uns wieder weltlichen Dingen zu: Außerhalb der Stadt ist ein großes Einkaufszentrum mit einem Carrefour-Markt. Wir stocken unseren Proviant für die nächsten Tage auf und fahren zurück nach A Coruna. Hier wollten wir noch den Herkules-Turm besichtigen, aber es fängt an zu regnen. Na dann eben nicht, morgen ist auch noch ein Tag. Die Wetterprognose ist eh so, dass wir in den nächsten zwei Tagen gar nicht hier weg wollen.