Von Dominica nach Martinique

Zu nachtschlafender Zeit, um 6:30 Uhr, haben wir am Dienstag nach Ostern Dominica in Richtung Martinique verlassen. Den Süden von Dominica haben wir nicht mehr besucht, das machen wir im nächsten Jahr.

Majestätisch ziehen unsere königlichen Nachbarn aus der Prince Rupert Bay an uns vorbei

Majestätisch ziehen unsere königlichen Nachbarn aus der Prince Rupert Bay an uns vorbei

Die Strecke entlang der Insel mussten wir mangels Wind unter Motor fahren, Segel konnten wir erst kurz vor dem Kanal zwischen Dominica und Martinique setzen. Cordula und Andreas waren mit ihrer Aphrodite 1 ½ Stunden voraus und teilten uns über Funk die aktuelle Windstärke und die Wellenhöhe im Kanal mit. Sehr praktisch! Dankeschön. Wir segelten völlig entspannt mit der kleinen Fock und gerefftem Groß nach Martinique. Im Lee von Martinique spielte der Wind mit uns Katz und Maus, in Bezug auf die Windrichtung und –stärke. Fock runter, große Genua raus und dann düsten 30 Knoten Wind aus der Bucht von Fort de France raus. Genua weg und nur mit dem Großsegel weiter. Zwischendurch musste Walter noch einen Kreuzfahrer aufwecken, der mit 6 Knoten aus der Bucht von Fort de France rausdümpelte und uns exakt getroffen hätte. Dank AIS ist eine Kollisionsverhütung heutzutage kein Problem mehr – sofern die Schiffe AIS haben und vor allem auch damit arbeiten. Der Kreuzfahrer hatte wohl die Signale der Sportbootfahrer unterdrückt und der Funker war ziemlich überrascht, dass wir ihn angefunkten. Es dauerte eine Weile, bis er uns auf dem Schirm hatte und uns mitteilte, dass wir unseren Kurs beibehalten sollen. Die Jewel of the Seas änderte ihren Kurs und dümpelte hinter uns durch. Es war bereits Abendessenszeit und wahrscheinlich durfte sie nicht schneller fahren, damit es das Buffet nicht durcheinanderwürfelt. Wieder in der Landabdeckung der Trois Ilets schlief der Wind ein und wir fuhren mit dem Motor weiter. Als wir um die Ecke kamen und Kurs seeseitig am Diamond Rock vorbei in Richtung St. Anne anlegen konnten, hatten wir wieder 20 Knoten Wind direkt auf die Nase. Die Sonne war bereits untergegangen und wir hatten keine Lust mehr im Dunkeln die letzten 10 Meilen aufzukreuzen. So ging es unter Motor weiter und ich bereitete das Abendessen vor. Kurz nach dem Diamond Rock, in Höhe der Diamond Bank, brach hier an Bord eine mittelschwere Hektik aus. Walter meldete 6 Meter Wassertiefe und kurz darauf hatten wir keine Fahrt mehr im Schiff. Der Motor lief noch, aber wir hatten keinen Vortrieb mehr. Die Kontrolle der Position auf der Seekarte brachte das Ergebnis, dass wir exakt auf unserer Kurslinie waren und über 100 Meter Wasser unterm Kiel haben sollten. Wir waren gefangen. Stockdunkle Nacht. Mit der starken Halogenlampe konnten wir dicke Seegrasklumpen und irgendwelchen Müll im Meer erkennen. Entweder wir waren in ein Netz, ein bereits durchgetrenntes Netz oder in eine Seegras- und Müllhalde gefahren, was uns dermaßen ausbremste. Sehen konnten wir nichts. Walter drehte ziemlich heftig am Rad (hiervon kommt der Begriff „Am Rad drehen“) und irgendwie gelang es ihm aus dem Schiff 2 Knoten Fahrt in die richtige Richtung rauszukitzeln. Er wollte nur noch so schnell wie möglich in die Ankerbucht von St. Anne. Der Motor brachte keine Leistung mehr. Die Schiffsschraube drehte unrund und somit vibrierten die Antriebswelle und das Schiff. Wir hatten den Eindruck, dass immer mal wieder was von dem mitgeschleppten Müll wegflog, denn nach und nach steigerte sich unsere Geschwindigkeit bis auf 3 Kt bei ca. 2000 Umdrehungen. Das nächste Problem stellte sich in der Ankerbucht von St. Anne. Andreas hatte uns mit einem starken Blitzlicht den Weg in die Ankerbucht angezeigt und wir konnten uns dadurch im Dunkeln sehr gut orientieren. Weit hinter seinem Heck, auf 5,60 Meter Wassertiefe, ließen wir den Anker fallen und Walter traute sich tatsächlich, den Rückwärtsgang einzulegen um den Anker einzufahren. Wir hatten die Befürchtung, dass uns das nicht gelingen würde. Es hat geklappt und der Anker hielt auch die ganze Nacht. Am Mittwochmorgen haben wir über Funk einen Stegliegeplatz in der Marina Le Marin reserviert, den Anker aufgeholt und sind unter Motor in die Marina gefahren. Unsere Bedenken mit dieser schlechten Motorleistung gegen Wind und Welle in die Marina zu fahren waren unbegründet, denn merkwürdigerweise hatten wir mit niedriger Motordrehzahl bereits wieder 3,5 Knoten Fahrt und auch die Vibrationen waren weniger. Als wir in der Marina festgemacht hatten, kam Andreas schon mit seinem Dinghi angefahren und bot uns an, mit seiner Tauchausrüstung zu kommen, zu tauchen und schauen, was wir eingefangen hatten. Walter hat nur Schnorchel und Flossen und er kann nicht längere Zeit unter Wasser bleiben und schon gar nicht ein Netz aus der Schraube schneiden. Beide mussten nicht ins dreckige Hafenwasser. Gegenüber ist der Chartersteg und ein Katamaran wurde gerade abgetaucht. Der Taucher erklärte sich bereit, anschließend bei uns vorbeizukommen und unser Schiff abzutauchen. Ohne Sauerstoffflasche, nur mit Neoprenanzug, Brille und Flossen ist er unter die Sunrise getaucht. Zweimal längs durch. Und es war nichts! Nur dass wir die Zinkanoden an der Welle und auch am Kiel verloren hatten. Die Schraube ließ sich bewegen. Wahrscheinlich hatten wir unseren „Fang“ über Nacht in der Ankerbucht verloren. Durch das Hin- und Herschwojen am Anker, vielleicht. Wir wissen es nicht. In Trinidad werden wir ein neues Wellenlager einbauen lassen müssen. Dass der Motor keine Leistung mehr gebracht hatte ist uns ebenfalls ein Phänomen, Öldruck und Temperatur blieben normal. Wir hatten vielleicht Seegras im Kühlkreislauf, aber am Schauglas im Wasserfilter ist auch nichts mehr zu sehen. Das war eine Begebenheit, die ich nicht wieder brauche, genau genommen gar nie mehr.
Blumeninsel Martinique

Dominica_3

Fort Shirley
Im Cabrits-Nationalpark befindet sich das historische Fort Shirley aus dem 18. Jahrhundert. Cordula und Andreas nehmen uns mit ihrem Dinghi mit, sodass sich Walter auch heute wieder um das Aufpumpen des eigenen Dinghis drücken kann. Ein Teil der Gebäude der riesigen Fortanlage ist renoviert, alte Kanonen stehen zu Hauf im Gelände, andere historische Gebäude wie die Kasernen und Offiziersunterkünfte sind verfallen. Die Natur kommt zurück! Armdicke Wurzeln durchdringen die Gemäuer, Bäume und Sträucher wachsen in und an den Gebäuden. In den verfallenen Batteriestellungen liegen noch massenhaft Kanonenkugeln.

Fort Shirley

Eine gespenstische Szenerie, wie im Film Fluch der Karibik. Wir laufen eine knappe Stunde durch den Nationalpark, immer wieder regnet es in Strömen und wir werden heftig geduscht. Zwischendrin knallt die Sonne erbarmungslos vom Himmel und wir fühlen uns wie im römischen Dampfbad. Am Abend veranstaltet PAYS, die Organisation der Boatboys ein BBQ im Gemeinschaftshaus am Strand von Portsmouth. All you can eat, all you can drink für pauschal 50 ECs pro Person. Vom Erlös dieser Veranstaltung finanziert die PAYS den Sprit für die Außenborder der Boys, die nachts durchs Ankerfeld tuckern und aufpassen, dass nichts passiert. Die PAYS ehrt am Abend zwei Persönlichkeiten: Anne Vandercraft und Chris Doyle. Anne hat schon einige Bücher über die Karibik geschrieben und Chris Doyle ist der Herausgeber der einzig wahren Cruising Guides für diese Region. Beide liegen mit ihren Schiffen momentan hier in der Prince Rupert Bay. Chris Doyle hat wohl auch die Anregung zur Gründung der PAYS gegeben und dadurch Dominica wieder zu einem sicheren Reiseziel für uns Segler gemacht.

Dominica_2

Organisierter Landausflug
Pünktlich um 9 Uhr wurden wir von Titus abgeholt. Er hatte einen Minivan mit Fahrer organisiert. Zusammen mit den Engländer von der noblen Oyster Yacht ging es los. Die Route führte uns zuerst um den Nordteil der Insel. Die Straßen sind überraschenderweise gut. Die Vegetation im Northern Forest Reservat ist unbeschreiblich. Tiefstes Grün, Bäume, Sträucher, Heilpflanzen dicht an dicht. Unser Fahrer hielt oftmals am Straßenrand an um uns Blätter vom Bayleaf-Baum, vom Cinnamon (Zimt) Baum, Zitronengras ins Auto zu reichen. Unser erster längerer Stopp war auf der Atlantikseite am Red Rock.

Red Rock Dominica

Ein leuchtend orangener Fels, durchzogen von kleinen Schluchten, inmitten eines Naturgartens. Ein lokaler Guide führt die Touristen durch seinen angelegten Garten, über die zerklüfteten Felsen und sammelt den Wohlstandsmüll (PET-Flaschen und Joghurtbecher) der Touristen ein. Überhaupt ist die Insel (bis auf die Stadt Roseau) sehr sauber. Die Menschen scheinen in der Tat ein Umweltbewusstsein entwickelt zu haben und die Regierung setzt alles daran, die Insel als Ökodestination Nummer eins zu vermarkten. Weiter ging die Fahrt an der Atlantikküste entlang in Richtung des Carib Territory.Im Jahr 1903 wurde dieses Gebiet den letzten Nachfahren der Kariben zur Verfügung gestellt und ist bis heute das einzige Rückzugsgebiet der karibischen Ureinwohner, die seitdem hier in Selbstverwaltung leben. Sie leben von Fischerei, Landwirtschaft, Korbflechterei und Kunsthandwerk. Unser Fahrer hielt an einem Straßenverkaufsstand mit Korbflechterwaren und ein schöner Sonnenhut wechselte den Besitzer bzw. die Besitzerin. Weiter ins Karibengebiet wollten wir nicht reinfahren, weil wir die Menschen nicht Begaffen und im Alltag stören wollten. Zum Lunch hielten wir an einem Restaurant mit Terrasse mit Blick über den Regenwald bis zum Atlantik. Es gab gegrilltes Chicken oder angeräuchertes Chicken oder Fisch. Wir nahmen den Tagesfisch mit Reis und Salat. Sehr lecker gewürzt und richtig schmackhaft. Nächster Hotspot war der Emerald Pool, ein vom Wasserfall ausgewaschener Felsenpool. Die Engländer hatten Badesachen dabei und erfrischten sich im natürlichen Gebirgswasser. Es war zwar etwas Trubel am Emerald Pool, da eine Gruppe Kreuzfahrer ebenfalls dieses Ziel auf der Tagesordnung hatten, aber es störte nicht sonderlich.

Dominica

Durch den Central Forest ging es anschließend weiter zu den Jacko Falls. Hier waren wir alleine. Das Gelände um den Wasserfall wird durch eine Familie instand gehalten und es kostete auch 5,00 US $ Eintritt (wie auch am Emerald Pool und 2 US $ kosteten die Red Rocks). Das ist absolut in Ordnung, weil alles wirklich sehr sauber ist. Zum Abschluss der Rundfahrt ging es in der Hauptstadt Roseau, hier im botanischen Garten konnten wir den Papagei, der das Landeswappen ziert, im Gehege bewundern. Es gibt zwar im Regenwald auch freilebende Exemplare, aber die zu sehen ist schwierig. Den Rest der Hauptstadt muss man nicht gesehen haben. Unser Fahrer brachte uns sicher nach Portsmouth zurück, wo schon Titus mit seinem Holzboot wartete und uns zu unseren Schiffen brachte.

Dominica

Prince Rupert Bay
Ja, wir sind doch nach Dominica gesegelt. Alle Segler, die wir unterwegs getroffen haben, schwärmten von der naturbelassenen Insel. Auf dem Weg nach Norden hatten wir die Insel ausgelassen, da unser Segelführer vor den Boat Boys und vor Diebstählen gewarnt hatte. Nur leider ist der Bartholmes hier nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Boat Boys, die den Yachten ihre Dienstleistungen anbieten, haben sich zusammengeschlossen und sind gut durchorganisiert. Wir wurden draußen vor dem Ankerfeld vom Yachtservice Lawrence of Arabia sehr freundlich begrüßt. Er wartete ab, bis unser Ankermanöver beendet war und kam dann längsseits. Als erstes wies er uns darauf hin, dass Gründonnerstag ist und dass wir am Karfreitag nicht einklarieren können. Wenn wir uns beeilen würden, hätte das Office noch geöffnet. Natürlich hatten wir unser Beiboot nicht klar und so hat mich der freundliche Herr schnell mit seinem Holzkahn zum weit entfernten Anleger gebracht, mich zum Zoll begleitet und gewartet, bis alles erledigt war. Anschließend ging es mit Highspeed zurück zum Boot. Hier hat er sich mit Walter über unsere weiteren Pläne unterhalten und mitgeteilt, dass er für Freitag eine Gruppe hat, die zum Indian River möchte. Hier konnten wir uns anschließen. So kamen wir gleich am ersten Tag auf Dominica zu einer Fahrt auf dem Indian River. Mit dabei zwei sehr gediegene Engländer (blaue Nationalflagge mit weißer Krone rechts unten. Königlich?), fünf lustige Finnen und wir Beide. Pünktlich um 7 Uhr am Morgen wurden wir von unserem Guide abgeholt. Ab der Mündung des Indian Rivers musste der arme Kerl mit neun Personen an Bord rudern. Der Indian River gehört zum Naturreservat und darf nur mit Ruderbooten befahren werden. Das Flussufer ist dicht mit Mangroven, Palmen, Hibiskus und anderen Bäumen bewachsen.

Indian River Dominica

Am Ufer wuselten die weißen Krabben, da ihre Wohnhöhen durch die gestrigen Regenfälle überflutet waren. Der Indian River hatte heute die Farbe eines Milchkaffees, ebenfalls dem Regen geschuldet. Normalerweise kann man bis zum Grund sehen. Fische sahen wir keine, aber viele einheimische Vogelarten. Den einheimischen Papagei, der die Landesflagge ziert, haben wir leider auch nicht gesehen, dafür Kolibris.

hummingbird

In einem Seitenarm des Indian Rivers steht noch eine Hütte/Kulisse aus dem Film „Fluch der Karibik“. Da es im Dschungel keine Stromversorgung gab, mussten die Filmbeleuchter die Szenen mit kerosingetränkten Lappen ausleuchten.

Filmhütte aus Fluch der Karibik

Der Wendepunkt der Bootsfahrt war an einem kleinen Bootssteg, wo sogar eine Busch-Bar mit Erfrischungen wartete. Unsere fünf Finnen, hart wie sie nun mal sind, bestellten sich vor 9 Uhr bereits den Spezialdrink, den Dynamic-Punsch (Rumpunsch). Die Engländer und wir tranken einen würzigen Kräutertee aus den heimischen Heil-Pflanzen (kein Bier vor Vier). Die ältesten Menschen im karibischen Raum leben auf Dominica mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 85 Jahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie sich überwiegend mit heimischen Produkten ernähren. Selbst die deutsche Pharmaindustrie soll hier Forschungen betreiben, um die Bestandteile der Pflanzen zu analysieren.
Unser Guide brachte alle Teilnehmer wieder zurück zu ihren Booten und verabschiedete sich herzlich. Bei uns gab es gegen 10 Uhr ein zweites Frühstück und einen ausgedehnten Mittagsschlaf.

Freundliche Menschen auf Guadeloupe und unzuverlässige Mietwagenverleiher

Guadeloupes Mietwagenverleiher sind unzuverlässig. Anfang Februar hatten wir in Pointe á Pitre das Problem, dass der bestätigte Mietwagen nicht zur Verfügung gestellt wurde und hier in Basseterre, Rivière Sens haben wir das gleiche in Grün. Der zugesagte Mietwagen für heute war ebenfalls nicht verfügbar. Und es handelte sich nicht um einen Aprilscherz. Heute früh ging ich mit dem Baguette unterm Arm beim hiesigen Fahrrad- und Mopedverleiher vorbei und dessen Eigentümer grüßte mich freundlich. Er hatte mich gestern zur Autovermietung Sim Car nach Basseterre geschickt und erkundigte sich danach, ob ich erfolgreich war. Er kennt wohl seine Pappenheimer und zur Sicherheit zückte er sein Mobilphone und rief den Verleiher in Basseterre an. Nein, er hatte keine Reservierung von uns und außerdem kommt auch heute kein Auto zurück, da der Kunde den Mietwagen verlängert hätte. Ziemlich blöde Situation. Wir waren auch deshalb nochmals nach Guadeloupe gesegelt, weil wir in Pointe á Pitre bei Mr. Bricolage einen Déshumificateur (Luftentfeuchter) gekauft hatten. Diesen benötigen wir, wenn wir mit der Sunrise in der Regenzeit in Trinidad weilen. Nur leider hatten wir nicht bedacht, dass es in Trinidad 110 V und 60 Hz und keine 230 V und 50 Hz gibt – das heißt, wir können dieses Gerät gar nicht einsetzen. Das Gerät soll nicht übers Bordnetz, sondern direkt mit dem Landstrom betrieben werden. Demzufolge wollten wir das original verpackte Gerät wieder zurückgeben. Mit dem Bus nach Pointe á Pitre zu kommen wäre schon möglich, aber nicht ins Industriegebiet. Taxi wäre viel zu teuer, Mietwagen die einzige einigermaßen kostengünstige Alternative. Der nette Herr Fahradverleiher bot uns einen privaten Wagen an, den wir jedoch aus versicherungsrechtlichen Gründen ablehnten. Petra und Klaus von der Lubini hatten gerade hier in Riviére Sens schlechte Erfahrungen mit einem privaten Wagen, vom Hafenmeister vermittelt, gemacht. Sie mussten 400 Euro für eine Beule bezahlen, die schon vorher am Auto war. Leider konnten sie es nicht beweisen und so blieb ihnen nichts anders übrig als die 400 Euro zu bezahlen. Es tat sich doch noch ein Türchen für uns auf: Der Fahrradverleiher musste am Nachmittag zwei Personen zum Flughafen nach Pointe á Pitre fahren. Wir durften uns anschließen und so kamen wir für 25 Euro zu einer Fahrt nach Point á Pitre und zurück. Mr. Bricolage war sehr uneinsichtig und nahm uns das am 09.02.2015 gekaufte Gerät nicht wieder zurück. Rückgabe gegen Geld nur innerhalb von 2 Wochen. Ich konnte es gar nicht glauben, wir sind doch hier in der EU, was ist das für eine Rechtslage? Aber das Personal und der Geschäftsführer stellten sich stur und verstanden nur noch Französisch (und meines ist erdenmiserabel) und niemand im ganzen Laden war nun der englischen Sprache mehr mächtig. Wir sollten uns ein anderes Gerät um 200 Euro raussuchen – aber wir benötigten keine Bohrmaschine, keinen Akkuschrauber, keinen Dampfreiniger und schon gar keine Gartenstühle. So zogen wir mit unserem Luftentfeuchter wieder ab. Irgendwo und irgenwann ist der bestimmt von Nutzen.

Nachtfahrt von Nevis nach Guadeloupe

Ankerplatz vor Nevis

Ankerplatz vor Nevis

Am Montagnachmittag, bei 5 Windstärken aus Ost, warfen wir den Festmacher los und segelten mit der kleinen Fock und einem Reff im Groß los. Der Himmel war wolkenlos und wir hofften auf einen klaren Sonnenuntergang mit dem sagenhaften „Greenflash“. Fast ein Jahr sind wir schon mit der Sunrise unterwegs, haben jede Menge Sonnenuntergänge gesehen, aber noch nie den Greenflash. Entweder war es zu diesig oder es schob sich in der letzten Sekunde doch noch eine Wolkenbank vor die Sonne. So auch gestern. Trotzdem gibt es jedes Mal sensationelle Farben am Horizont und es ist jeden Tag aufs Neue faszinierend. Wir hatten eine sehr ruhige Nachtfahrt. Die Welle war moderat und der Wind ließ im Laufe der Nacht immer mehr nach. Kurz nachdem ich von Walter die Nachtwache übernommen hatte, musste ich ihn leider schon wieder wecken. Die kleine Fock musste weg und dafür die große Genua gesetzt werden. Zum Bergen der Fock müssen wir aufs Vorschiff, da wir die Fock mit Stagreiter am wegnehmbaren Kutterstag fahren. Das kann Einer alleine nicht, zumindest wir nicht. Die Genua durfte uns auch nur noch drei Stunden ziehen, dann war der Wind ganz weg. Die letzten 15 Meilen haben wir mit dem Motor zurückgelegt. Die Marina de Port de Rivière Sens ist 1,5 Meilen südlich der Stadt Basseterre auf Guadeloupe. Wir haben den Hafenkapitän angefunkt und nachgefragt, ob wir mit unseren 2 Metern Tiefgang reinkönnen. Ja, es geht. In der Einfahrt sind es 2,70 Meter, im Hafen selbst ist es sehr flach, wir sitzen nach unserem Tiefenmesser bereits im Sand. Die Schiffe liegen mit dem Heck an einer Boje und mit dem Bug an Schwimmstegen. Dies ist in der Karibik üblich. Üblich ist aber auch, dass das Marinapersonal mit dem Schlauchboot kommt und die Leine für die Boje übernimmt und festmacht, sodass die Schiffscrew (also ich) nur noch dichtholt und sich dann um die Vorleinen kümmern kann. Nicht so hier, der Hilfsmarinero stand gelangweilt am Steg und hat uns an einen freien Platz geschickt. Wie wir die Leine an die Boje bringen, war unser Problem. Und es war in der Tat ein Problem, denn darauf war ich überhaupt nicht gefasst. Die Boje konnte ich mit dem Bootshaken ja greifen, aber hochziehen um die Leine durchzufädeln ging beim besten Willen nicht. In Skandinavien ist das Festmachen an Bojen auch üblich und die Segler verwenden hierzu einen langen starren Bojenhaken aus Metall, der in die Boje eingehakt wird. Am Bojenhaken hängt der Festmacher und fertig ist die Laube. Aber leider gibt es bei uns an Bord diesen Bojenhaken noch nicht und deshalb stand ich ziemlich bescheuert mit dem Bootshaken in der rechten Hand, die Boje dran hängend, und mit dem Festmacher in der linken Hand an Deck. Den Bootshaken konnte ich nicht loslassen, weil dann wäre die Boje wieder weggeflutscht. Runterbeugen ging auch nicht, ich hätte mich selbst über Bord gezogen. Walter musste vom Steuer weg und den Festmacher einfädeln. Als dann endlich auch die Vorleinen fest waren, stellte der HiTri-Marinero fest, dass unser Schiff zu breit für diesen Platz ist und wir mussten wieder aus der Lücke raus. Er schickte uns weiter in den Hafen rein und der Tiefenmesser zeigte nur noch 2 Meter Tiefe. Wir haben einen Tiefgang von 2 Metern. Hier das gleiche Theater wieder. Nur mit dem kleinen Handycap, dass ich auf einmal nur noch den Gummigriff vom Bootshaken in der Hand hatte, der Bootshaken ist einfach rausgeflutscht, schwamm im Hafenbecken und ging sofort unter. Schnell den zweiten Bootshaken geholt, die Boje wieder gegriffen und Walter hat den Festmacher durchgefädelt. In diesem Chaos hat sich Walter noch den Fuß übertreten und sich wieder eine Verletzung am gerade verheilten Sprunggelenk zugezogen. Wir waren ziemlich bedient. Dafür ging das Einklarieren recht flott. In der Bar Barrakuda steht ein Einklarierungscomputer und die Inhaberin der Bar erledigt das Einklarieren direkt selbst. Auf die Frage, was es kostet, kam die Antwort, dass das Klarieren in Frankreich gratis ist. Hört, hört! Die Marina Fort Louis in St. Martin (auch Frankreich) nimmt 7,80 Euro fürs Einklarieren und 7,80 Euro fürs Ausklarieren. Die Angaben am Computer macht man selbst, druckt das Formular aus und das Officepersonal macht nur noch den Stempel drauf.
Am Nachmittag war die Aktion Mietwagen dran. In Rivière Sens gibt es eine Filiale eines Mietwagenverleihers, der aber aktuell keine Autos hat. Wir sollen nach Basseterre. Mit dem Linienbus fuhren wir nach Basseterre. Mietwagen für Mittwochvormittag Fehlanzeige. Mittwoch 15 Uhr, frühestens. Im Tourismusoffice gab man uns eine Liste mit drei weiteren Verleihern in Basseterre. Wir haben trotz Stadtplan keinen davon gefunden. Nach einigen Irrwegen und Nachfragen stellte sich heraus, dass zwei Verleiher mittlerweile in der nächsten Stadt, in Baillif im Industrieviertel sind. Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Baillif und fanden beide Verleiher. Einer hatte noch geöffnet. 82 Euro (68,00 + 14,00 Versicherung) für einen Tag. Nein danke. Mit dem Bus wollten wir wieder zurück nach Basseterre, bzw. Rivière Sens. Wir standen eine gefühlte Stunde an der Bushaltestelle, kurz vor Sonnenuntergang hielt ein Auto. Der Fahrer fragte uns, ob er uns nach Basseterre mitnehmen kann. Nach 17:30 fährt von dort kein Bus mehr. Dankbar stiegen wir ein und bekamen gleich zwei Bananen zur Stärkung geschenkt. Der nette Mann fuhr uns direkt zur Marina, wollte von Walter kein Trinkgeld nehmen und schenkte uns stattdessen noch zwei frisch geschnittene Salatköpfe. Unglaublich! Am Steg angekommen, mussten wir feststellen, dass die Codekarte zum Öffnen der Türe nicht mehr funktionierte. Zum Sundowner schafften wir es nicht mehr zum Schiff, stattdessen warteten wir auf jemand, der uns die Türe öffnete. Das Office war selbstverständlich schon geschlossen und ein Wachdienst nicht zu sehen. Oh what a beautiful day!

Nevis

Die Nacht von Freitag auf Samstag hatten wir in der Waschmaschine, bzw. an der Mooringboje vor Oranjestad/St. Eustatia verbracht. Schlaf haben wir nicht viel bekommen, ich hatte mich sogar mittschiffs in unsere Seekoje (auf die Salonbank) gelegt. Dort waren die Schiffsbewegungen am erträglichsten. Früh am Morgen, kurz nach sechs Uhr verließen wir Oranjebaai. Kurs Nevis. Dort, vor Charlestown haben wir um die Mittagszeit die vorletzte Mooringboje bekommen. Hier wollten wir ordnungsgemäß einklarieren, mussten jedoch zuvor noch unser Beiboot aufpumpen. Mittlerweile war es dann 15 Uhr. Die Strecke zum Dinghidock ist ziemlich weit, circa 15 Minuten mit dem kleinen Pisser (unser 4 PS Außenborder für das Dinghi). Gegen 15:30 Uhr waren wir bei der Port Authority, beim Zoll und bei der Immigration, die praktischerweise in einem Gebäude untergebracht sind. Zoll und Immigration arbeiten am Samstagnachmittag nicht. Wir sollten am Sonntagvormittag um 9 Uhr wiederkommen.

Carlestown Warteschleife

Am Sonntag, kurz nach 9 Uhr, waren bereits vier Crews vor dem Office in der Warteschleife. Eine lustige, typisch karibisch dralle Officedame gab im schattigen Garten vor dem Office die Alleinunterhalterin. Zwischendurch simste sie immer wieder mit den verschiedenen Verantwortlichen und erkundigte sich nach deren Verbleib. Um die Wartezeit abzukürzen kassierte sie schon mal vorab die Gebühren. Wir durften 120 EC $ bezahlen – das Doppelte. War ja schließlich Sonntag. Gegen 10:30 Uhr kam die Nachricht durch, dass Zoll und Immigration bald öffnen werden – die heilige Messe am Sonntag war nämlich zu Ende. Der Hafenkapitän gehörte wohl einer anderen Konfession an, denn er kam erst um 11 Uhr. Schick mit Anzug, weißem Hemd und Krawatte. Er entschuldigte sich vielmals und rief die Crews der Reihe nach auf und ganz flott wurden wir nacheinander abgefertigt. Der nette junge Mann vom Zoll sah, dass wir aus dem zollfreien St. Martin kamen und fragte nach Alkohol, Zigaretten, Zigarren, Waffen, Haustieren und Pflanzen. Nein, wir doch nicht. Wir haben keine Waffen und Haustiere und auch sonstige böse Sachen nicht. Ich denke, er weiß ganz genau, dass Segler nichts gegen einen Sundowner, ein Bierchen oder Wein einzuwenden haben. Er muss eben diese doofen Fragen stellen. Er kassierte 30 EC $ und damit war der Behördengang erledigt.
Wir hielten Ausschau nach einem Taxi für eine Inselrundfahrt. Vor dem Office stand ein verwaistes Taxi, aber der Fahrer fehlte. Es stellte sich heraus, dass der Taxifahrer auch gleichzeitig der Pastor ist und der hatte jetzt seine Mittagspause redlich verdient. Gleich zwei verschiedene Personen boten ihre Hilfe an, um uns ein Taxi zu besorgen. So kamen wir zu einer Inselrundfahrt mit einer Hobbyhistorikerin. Sie erzählte uns sehr viel über die Auseinandersetzungen zwischen den Britten und den Franzosen im 17. und 18. Jahrhundert und über die Sklaverei. Die Britten und die Franzosen kloppten sich nicht nur in Europa, sondern vorwiegend in der Karibik um die Inseln. Letztlich blieb Nevis britisch, bzw. ist seit 1983 unabhängig. Unsere Reiseführerin fuhr mit uns zu den ehemaligen Zuckerrohrplantagen. Auch zu der Plantage wo Admiral Lord Nelson seine erste Frau Frances Nisbet ehelichte. Zuckerrohr wird heute auch auf Nevis nicht mehr angebaut. Einige der Plantagen sind jetzt noble Hotels und Restaurants. Wie auch auf den anderen Inseln stellen die Anlagen für die Touristen einen extremen Gegensatz zum lokalen Umfeld dar. Aber so ist es eben.

Newis Golden Rock

In der Hauptstadt Charlestown gibt es einige schön restaurierte kreolische Holzhäuschen und einige Häuser aus Stein, die noch aus dem 17. Jahrhundert stammen und die Erdbeben und Hurrikane überstanden haben.

Nevis Charlestown

Adieu St. Martin

Adieu Marina Fort Louis
Donnerstag am späten Nachmittag kommt kurz Hektik in der Marina Fort Louis auf. Angela und Franz von der Maeva piti waren im Office und haben ihre Rechnung bezahlt. Sie haben das günstige 10-Tages-Arrangement nicht erhalten und mussten den vollen Tagespreis pro Tag bezahlen. Anscheinend bekommt man das nur, wenn man über die Website der Marina bucht und gleich bei der Ankunft für 10 Tage im Voraus bezahlt. Das steht nirgends und bei der Anmeldung hat uns keiner darauf hingewiesen. Unser 10-Tages-Ticket läuft von 16.03. bis 26.03.2015. Wir begaben uns ebenfalls zum Office. Auch wir sollten den vollen Tagespreis bezahlen, obwohl ich per E-Mail vorreserviert, sogar die Kreditkartendaten mitgeteilt und gleich bei der Ankunft auf das Anmeldeformular den 26. als Abreisetag angegeben hatte. Gleiches Argument wie bei Franz: Bei Ankunft sofort im Voraus bezahlen. Walter war so bocksauer, dass es eine ziemlich laute Auseinandersetzung mit dem Marinamanager gab. Wir erhielten schließlich den 10-Tages-Preis und beschlossen sofort die Marina zu verlassen und ins Ankerfeld zu gehen. Franz bekommt noch 3 Gratisliegetage, weil er die Rechnung bereits bezahlt hatte und ein Storno nicht möglich war. Die Nacht im Ankerfeld war zwar unruhiger als in der Marina, aber das war es uns wert. So geht´s ja auch nicht.
Am Freitag früh legten wir trotz suboptimaler Windprognose (zu viel Süd mit drin) in Richtung Statia ab. Es wurde ein harter Anwindkurs und wir kniffen Höhe was das Zeug hielt. Gegen 16:30 waren wir vor Oranjestad in der Oranjebaai (Statia ist holländisch). Außer uns waren nur noch zwei Segler in der Bucht, wir brauchten nicht zu ankern, es gibt Moringbojen. Sehr einladend sieht es hier nicht aus. Nördlich von uns ist die Ölpier und einige Tanker und Frachter liegen auf Reede. Von einer holländischen Kleinstadt kann ich vom Ankerfeld aus nichts erkennen. Abwarten bzw. schaun mer mal.
Statia (5k)

St. Martin_6

Es wird Zeit den Bug wieder nach Süden zu drehen. St. Martin ist für diese Saison unser nördlichster Punkt. Heute und morgen hat der Wind eine leichte Südkomponente, sodass wir noch nicht lossegeln können. Am Samstag dann. Wir liegen schon wieder viel zu lang in der Marina und unserem Schiff ist ein Bart gewachsen. Der Bart muss ab. Mit dem Holzbratenwender und dem Plattenfender (zum Draufliegen) bin ich ins Hafenwasser und habe den Algenbart abgeschabt. Es gibt angenehmere Badevergnügen, aber was sein muss, muss sein.

Bart ab

Die befreundeten Schiffe ziehen ebenfalls weiter, die Amazone und die Lubini nach Nordwest und anschließend zurück nach Europa, die Maeva piti und die Aphrodite ebenfalls nach Süd um rechtzeitig aus der Hurrikane Zone zu kommen. Man sieht sich wieder. Heute habe ich von der Themi eine E-Mail bekommen. Markus wird Anfang Mai wieder in die Karibik fliegen, wir treffen uns hoffentlich in Grenada.

St. Martin_5

Es gibt Wahrscheinlichkeitrechnungen die gegen Null gehen, und genau so eine Rechnung haben wir heute angestellt. Sieben Personen weißer Hautfarbe stehen nachts um 12 Uhr auf St. Martin, in Grand Case an der Kreuzung und warten auf einen Bus, der nicht mehr fährt, oder ein Sammeltaxi oder einen Autofahrer, der Anhalter mitnimmt. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass die Sieben anders als zu Fuß zurück in die Fort Louis Marina kommen. Auch ist mehr als unwahrscheinlich, dass alle als Anhalter weiterkommen.
Es war so, dass Angela, Cordula, Elke, Andreas, Eric, Franz und Walter beschlossen hatten, gemeinsam einen Abend in Grand Case zu verbringen. Grand Case ist die nächste Bucht, die hinter dem Hügel, Luftlinie 5 Kilometer entfernt liegt. Es gibt einen Sandstrand, viele Strandbars mit Livemusik und auch einen ganzen Straßenzug mit verschiedenen Restaurants. Die Fahrt dorthin mit dem Sammeltaxi kostete pauschal 40 € (für 6 Kilometer), der Preis, der zunächst ausgerufen wurde war 8 € pro Person, Andreas verhandelte geschickt und der Preis wurde Zug um Zug reduziert.

Grand Case, Sundowner

Grand Case, Sundowner

Grand Case scheint das Sonntagsausflugsziel der halben Insel zu sein, die Restaurants waren sehr gut gesucht und aus allen Ecken wummerten die Bässe. Mitten im Dorf gibt es ein sehr ursprüngliches Restaurant mit Holzbänken und Holztischen. Es sieht eher aus, wie ein Busterminal, ohne Außenwände, das Dach von Säulen getragen. Der riesige Grill steht mitten drin. Es gibt Fisch, Langusten und gegrillte Rippchen. Das Bier gibt es direkt aus der Flasche, so ist es am hygienischsten. Die Qualität der Speisen war überraschend gut, mein Snapper war um einiges besser als der hier im Yachtclub. Nach dem Abendessen zog die Karawane in die nächste Strandbar mit Livemusik um dort, direkt am Wasser den schönen Sonntagabend zu genießen. Irgendjemand hatte wohl an der Uhr gedreht, denn es war kurz vor 12 Uhr als wir den Heimweg antraten. „Unsere“ Strandbar war die einzige, die noch offen hatte, der Rest des Dorfes nahezu ausgestorben. Zwei Großraumtaxis parken direkt vor der Strandbar, wohlwissend, dass hier die Gäste irgendwie und irgendwann nach Hause wollen. Der Preis war jetzt auf 80 € gestiegen und die Taxifahrer waren gnadenlos und nicht zu erweichen. Konsequenter Weise ließen wir das Taxi stehen, so geht’s ja auch nicht. Und so kam es, dass nachts um 12 Uhr sieben Weiße an der Kreuzung standen und sich Gedanken machten, wie sie nach Hause kommen könnten. Ein Linienbus fuhr vorbei, hielt trotz Winken nicht an. Ein Sammeltaxi fuhr vorbei, die Hampelmänner an Straßenrand missachtend. Wir versuchten es mit Trampen. Sieben Leute! Viele Autos fuhren vorbei, was ja auch absolut verständlich war. So standen wir da und gewöhnten uns an den Gedanken, die Strecke zurück zu Fuß zu bewältigen. Bis dann plötzlich, eine dieser von uns sonst so verschmähten Großraumlimousinen anhielt. Der Fahrer ließ die Scheibe herunter und Andreas fragte ob wir mitfahren könnten. Auf die Gegenfrage wie viele Personen antwortete Andreas wahrheitsgemäß SIEBEN !! OK, no Problem war die Antwort des farbigen Autofahrer. NO PROBLEM das muss man sich ganz deutlich vorstellen: Es ist nachts um 0:30 Uhr, da stehen SIEBEN Personen und wollen in die nächste größere Stadt. Es fährt kein Bus und kein Taxi mehr und dieser freundliche Autofahrer hat kein Problem mit uns „SIEBEN“. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass in Deutschland mitten in der Nacht ein Weißer sieben Schwarze in die nächste Stadt gefahren hätte.