Deutschland ist Weltmeister und wir sind über die Biscaya

Donnerstag Morgen in Camaret Sur Mer. Seit Tagen haben wir das Wetter auf mehreren Systemen beobachtet. Eigentlich ist für die nächsten 4 Tage eine günstige Wetterprognose für die Passage über die Biskaya. Wind aus NNW mit 3-4 Bft einzig die Wellenhöhe auf der Biskaya, vor allem vor La Coruna macht uns Sorge. Hier steigt der Meeresspiegel innerhalb 30 Meilen von 4000 Metern Tiefe auf 100 Meter an. Wir rechnen und rechnen wann ist der günstigste Zeitpunkt um den sicheren Hafen zu verlassen und uns auf die 345 nm lange Seestrecke zu machen. Am Ende geht alles ganz schnell. Wir kommen immer wieder auf das Ergebnis, dass wir mit 3 Nächten auf See planen müssen und so macht es keinen Unterschied ob wir nun bis zum nächsten Morgen warten oder gleich aufbrechen. Um 15 Uhr treffen wir die Entscheidung auszulaufen und um 16:30 legen wir ab. Alles ist an Bord. Wir haben volle Tanks und der Proviant reicht länger als wir unterwegs sein werden. Noch kurz eine Gulaschsuppe vorgekocht und Nudelsalat gemacht, alles seefest verstaut. So ziehen wir in die erste Nacht. Die begrüßt uns mit reichlich Wind, wir fahren zunächst mit Vollzeug, reffen dann aber immer mehr das Großsegel um es am Ende dann ganz zu bergen und reffen in der Nacht dann auch noch die Genua ins erste Reff. Es ist bewölkt, der Vollmond kann uns so keine Hilfe sein. Im Dunklen kann man die Schauerböen nicht erkennen und so haben wir lieber weniger Tuch stehen wie es der Wind erlauben würde. Unser Etmal nach dem ersten Tag kann sich dennoch sehen lassen: 145 nm in 24 Stunden- nicht schlecht. Am zweiten Tag flaut der Wind dann etwas, wie vorhergesagt, ab, hin und wieder müssen wir den Motor zur Unterstützung anwerfen. Es bleibt bewölkt ist aber trocken. Nachts schläft der Wind teilweise ein und wir müssen motoren. Nahezu die ganze Stecke über begleiten uns Delphine, sie schwimmen mit der Sunrise mit, tauchen unter ihr durch, drehen um und kommen wieder; selbst als wir unter Motor fahren müssen sind sie da. Delphine bringen Glück – ganz sicher! Der dritte Tag bringt uns wieder etwas Wind und nun fängt die Rechnerei wieder von vorne an. Denn eigentlich wollen wir die Anfahrt auf La Coruna bei Tageslicht machen. Segeln bedeutet wir sind zu langsam um noch vor 23 Uhr anzukommen. Motoren bedeutet mit min. 2000 Umdrehungen ca. 15Std. lang das letzte Teilstück durch die Biskaya zu Pflügen. Wir entscheiden uns für Segeln im Wissen, dass eine Ankunft in La Coruna nicht vor 3 Uhr morgens am andern Tag zu schaffen ist. Die Anfahrt auf La Coruna war dann auch schwieriger als erwartet. Nicht wie befürchtet sind es die Seegangsverhältnisse, sondern die vielen Lichter in der Nacht haben uns einiges abverlangt. Es war eigentlich nur 1 (EINE) Tonne zu beachten, die vielen Lichter an Land, also Straßenbeleuchtungen, festgemachte Schiffe, Fischfarmen, Promenade, Ölpier etc. waren derart verwirrend, dass wir kurz vor der Einfahrt in die Marina noch mal umkehren und das Tageslicht abwarten wollten. Ganz langsam und mit unserer großen Halogenhandlampe haben wir dann doch noch das Mauseloch gefunden. Zwar hat sich die Marina in der Nacht ganz anders als auf unseren Hafenplänen dargestellt, so dass wir dann am erst besten Steg, um 3:45 Uhr einfach festgemacht haben.
So und jetzt kommt die Fußball-WM ins Spiel! Wer richtig mitgerechnet hat, der kommt auf das Ergebnis: Wir sind am Sonntagmorgen um 3:45 in La Coruna eingelaufen. Am Sonntagabend um 21:00 Uhr fand das WM-Endspiel statt, und das haben wir im Kreise einiger Segler, die wie wir vor kurzem die Biskaya überquerten, beim Public-Viewing in der Marina miterleben dürfen. Ein toller Abend, nicht nur weil die deutsche Mannschaft wieder Weltmeister ist. Nette Kontakte konnten geknüpft werden und Adressen (auf La Palma/Kanaren) wurden ausgetauscht.

Camaret-sur-Mer

Hafentag
Camaret-sur-Mer gefällt uns sehr. Auf dem Bild zu sehen ist die Kapelle Notre-Dame de Rocamadour, aus dem Jahr 1527. Daneben steht der Vauban-Turm, der den Status „UNESCO-Weltkulturerbe“ hat. In den Gassen gleich hinter der Hafenpromenade ist das Künstlerviertel mit Werkstätten, Ateliers und Galerien. Nur gut, dass wir mit dem Schiff hier sind, sonst hätten wir sicherlich ein kleines künstlerisches Andenken (eine kleine aus Strandgutholz hergestellte Figur von Catherine Rochelle) erworben. Morgen findet auf der Hafenpromenade ein Künstlermarkt statt, da schauen wir auf jeden Fall vorbei. Für heute Abend steht das WM-Halbfinale Brasilien vs. Deutschland auf dem Programm, das wir uns in einer Creperie anschauen werden.

Brest Hafentag

Am Sonntag haben wir in Brest die öffentlichen Verkehrsmittel getestet. Nachdem wir zu Fuß zum „Musée des Beaux-Arts“ gegangen sind und uns die Ausstellung lokaler Künstler und ein paar italienische Meisterwerke (aus dem 17. Jahrhundert) angeschaut haben, hatten wir noch fast den ganzen Sonntag vor uns. Aus dem Musée waren wir schon nach einer knappen Stunde wieder draußen. Da das Wetter sehr durchwachsen war, sind wir mit der Tram quer durch die Stadt gefahren. Die Stadt ist nicht schön, was jedoch daran liegt, dass sie nach 1945 schnell wieder aufgebaut wurde und so sieht sie auch heute noch aus. Unser größtes Highlight war, dass wir an der Endhaltestelle keine Münzen mehr im Geldbeutel hatten und der Ticketautomat keine 5er oder 10er Scheine genommen hat. Schwarzfahren? Nein, trau ich mich nicht. Also sind wir durch verlassene Vorstadtstraßen Richtung der nächsten Trambahnhaltestelle gelaufen, in der Hoffnung, eine Tankstelle, Kiosk oder Bar Tabak zum Geldwechseln zu finden. Gefunden haben wir einen 1-Euro-Schrottladen, der Totalausverkauf hatte. Die Kassiererin hat mich gleich verstanden und hat mir 5 Ein-Eurostücke für den Fahrkartenautomat ausgehändigt. Also Rückfahrtickets gezogen, in die Tram rein und zurück zum Place Liberté um in den Bus Nr. 3 Richtung Port de Plaisance du Moulin Blanc (der andere Sportboothafen von Brest) einzusteigen. Beim Port Moulin Blanc befindet sich auch das Ozeanopolis mit vielen Meerestieren, die wir jedoch lieber in freier Natur sehen. Einige nette Restaurants, Bistros und Cafés säumen die Promenade am Yachthafen und zur Stärkung musste mal wieder eine Tarte de pomme her. Zurück zur Marina de Chateau sind wir zu Fuß. Walters Spruch des Tages: „Leben wie Gott in Frankreich war gestern. Wenn ich nochmal zur Welt komme, dann als Hund in Frankreich, da kannst du überall hinpissen und hinsch…. „ So extrem wie hier ist uns das noch nirgends aufgefallen, sogar in der Marina auf den neuen Anlegestegen im Hafen liegt die Hundescheiße! Der Größe/Menge nach wahrscheinlich vom Dobermann des Wachmanns.
Der Raymarine Servicetechniker hat wie vereinbart pünktlich am Montag früh an die Bordwand geklopft. Walter und ich haben ihn in den Mast gezogen, wo er das Raymarine Radargerät zerlegt hat. Er hat festgestellt, dass dort oben zu wenig Power ankommt. Also musste es an den Kabeln und/oder Kontakten liegen. Nach einigem Durchprüfen, Messen, Kopfschütteln, Kontaktspray-Verteilen, Aus- und Einschalten konnten zwei Schwachstellen gefunden werden: Das Kabel zum Mast hoch hatte ein Kontaktproblem und der Kabelstecker am Raymarineplotter ebenfalls. Der Raymarine-Mensch war schon am Aufgeben. Der Stecker am Raymarine-Plotter ist aber auch doof konstruiert. Es ist wohl ein Stecker der auch für andere Zwecke verwendet werden kann und damit er in den Plotter passt, sind über einige der Messinghülsen Distanzstücke gezogen, die sich durch den Ab- und Anbau des Plotters nach innen geschoben haben und somit einige Pins keinen Kontakt hatten. Durch Zufall hat er die zusammengequetschte Resthülse gesehen und mit filigraner Technik raus gepult. Jetzt grad funktioniert wieder alles – hoffentlich noch lange. Nach dem der Techniker bezahlt war, haben wir Brest verlassen und sind um die Ecke ins 8 Seemeilen entfernte Camaret sur Mer.

Brest

Wir sind seit gestern 17 Uhr in der Marina Brest Chateau. Um 7 Uhr morgens, also fast noch zu nachtschlafender Zeit, sind wir aus Roscoff weg. Knapp 3 Stunden Gegenstrom und anschließend 6 Stunden die Strömung mit uns. Die Rechnerei (halb so wild, dank Excel) hat gut gepasst. Unterwegs, ausgerechnet im Chenal du four – wo auch sonst – hatten wir pottendichten Nebel. Leichter aber kalter Südwestwind, warmes Wasser und Land – das macht Dunst und Nebel. Mit Radar, gutem wachem Auge und Ohr geht das. Aber es fiel eine Komponente aus, das Radar. Der Raymarine Kartenplotter, auf dem auch das Radarbild (normalerweise) dargestellt wird, hatte schon wieder einen schlechten Tag. Vectorenseekarte, GPS-Signal, Wegpunkte, AIS Signale (der anderen Schiffe) alles perfekt dargestellt – aber kein Radarscan. Die Radarantenne lies sich hochfahren, hat auch rotiert, aber es wurden keine Daten auf das Display übertragen. So eine sch…. Elektronik, von der wir wenig Ahnung haben. Walter war sehr angespannt und auch ziemlich genervt (ich nicht minder), wir düsten ja schließlich mit knapp 9 Konten durch den Kanal. Nach zwei Stunden wurden wir erlöst und die Sonne hat sich wieder durchgesetzt. Es könnte ja so entspannend sein, das Schiffle fahren…. Die lange Einfahrt nach Brest war wieder ideal für ein Fotoshooting. Ich sag´ noch zu Walter, Brest war doch der Hafen, aus dem „Das Boot“ ausgelaufen ist und schon wird es spannend. Hubschrauber über uns, vor uns 5-6 mausgraue Schiffe und etwas versetzt ein schwarzes unförmiges Hindernis, das nicht in der Seekarte verzeichnet war. Näher dran konnten wir Militärschiffe und ein U-Boot erkennen, das sich gerade aufmachte, Brest zu verlassen. Ganz „unauffällig“ zwischen zig Seglern hindurch. Ist es verboten, Militärschiffe zu fotografieren? Nein, ich denke nicht.
In der Marina drin, haben wir den ersten freien Liegeplatz geentert, den wir erkennen konnten. In den „Visitor-Hafenbereich“ zwischen der Außenmole und dem Tankstellensteg wurde ein neuer Längssteg ausgebracht – das fanden wir perfekt. Noch mehr Gastliegeplätze. Weit gefehlt, alle Leinen waren fest, die Fender ausgerichtet, kann der Assistent vom Hafenmeister und hat uns wieder weggeschickt. Sind Dauerliegeplätze. Wir sollen an die Außenmole (innen) längsseits. Na dann eben keinen Feierabend und das Ganze nochmals nur zur Übung. Der neue Liegeplatz ist überhaupt nicht schön, Massen von Hobbyanglern stehen auf der Mole und baden ihre Angelschnüre, Freizeitläufer spulen ihr Laufprogramm ab usw., alle haben freien Ein- und Überblick über die Gastschiffe.
Heute oder am Montag soll ein Raymarine Servicetechniker zu uns kommen und sich das Problem mit dem Radar anschauen. Wir warten. Zwischenzeitlich ist die „Brigantia“ die Hallberg-Rassy 48, der GfS in den Hafen von Brest eingelaufen. Mit der GfS ( http://www.gfs-hochseesegeln.com ) haben wir schon viele tolle Törns gefahren. Aktuell ist Volker der Skipper und das Hallo fällt entsprechend herzlich aus. Für die Brigantia haben wir Platz gemacht, sie liegt jetzt direkt am Steg und wir haben uns drangehängt. Für die aktuelle Brigantia-Crew ist hier der Zielhafen und das bedeutet, dass heute Putztag ist. Volker bleibt noch zwei Wochen und morgen oder am Sonntag kommt seine neue Crew. Wir treffen uns heute Abend in der Brasserie zum Fußballschauen. Frankreich vs. Deutschland – sehr passend, dass wir gerade in Frankreich sind.

Roscoff

Roscoff wird bis auf weiteres die einzige Stadt sein, die wir uns nicht ansehen werden. Heute früh sind wir von Lézardrieux weg und gegen 18 Uhr hier in der neuen Marina Roscoff angekommen. Die Ausfahrt aus Lézardrieux, den Fluss Trieux runter, war von der Landschaft her ein Genuss. Zudem hatten wir wieder bestes Sonnenscheinwetter, leider auch mal wieder wenig Wind. Die Gesamtstrecke betrug ca. 50 Meilen, wir hatten 6 Stunden mitlaufenden Strom. Anfangs hatten wir von der vorherigen Nacht noch eine üble Restwelle aus Nordost, exakt von hinten, sodass es uns ziemlich hin- und her geschleudert hat. Das Großsegel haben wir flott wieder eingeholt und sind die Strecke nur mit dem Vorsegel, zeitweise mit Motorunterstützung gesegelt. Das Einlaufen in die Marina Roscoff war schwierig, da wir halbe Tide hatten und abartig viel Strömung im Bereich der Besucherplätze stand. Die erste anvisierte freie Box hat Walter flott wieder rückwärts verlassen, da uns der Strom quer gestellt hatte. Wir sind dann mit Rückwärtsfahrt gegen den Strom an den Kopfsteg ran, das ging verhältnismäßig geordnet. Die Marina ist wie geschrieben ganz neu, dementsprechend sauber sind die Anlagen innen und außen. Auf einen Stadtbummel heute Abend müssen wir verzichten, da wir morgen gleich weiter wollen nach Brest. Das sind um die 70 Meilen, für die Nichtsegler also rund 130 Kilometer. Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass man mit dem Mofa von Stuttgart aus nach Memmingen im Allgäu fährt. Das dauert… Den halben Nachmittag habe ich damit zugebracht Strömungstabellen für die entsprechenden Wegpunkte unserer Strecke rauszusuchen, habe die Tidentabellen gesichtet, Tabellen geschrieben und Wind sollten wir ja auch haben. Die kritische Stelle morgen ist der Chenal du four zwischen der Ill d´Quessant bzw. den vorgelagerten Unmengen von Untiefen und Rocks und dem Festland. Hier muss der Strom mitlaufen, sonst stehen wir auf der Stelle. Erste Priorität hat die Strömungsrichtung, dann die Tide wegen der Wassertiefe und dann erst die Windrichtung. Wenn die Windrichtung nicht passt und es nicht gar zu toll auf die Nase bläst, kann immer noch der Motor schieben, wenn Ebbe ist, können manche Passagen gar nicht befahren werden und wenn Gegenströmung herrscht, steht man auf der Stelle. Ist also recht spannend hier, aber wir sind auch froh, wenn wir den Englischen Kanal verlassen können.

Lézardrieux

Heute um 8 Uhr, also zu sehr moderater Zeit für ein Tidengewässer sind wird aus St. Peter Port ausgelaufen. Es gibt Leute, die meinen, wir hätten so lange gewartet, weil wir als Langschläfer vor 8 Uhr keinen Durchblick hätten. Es ist schon was dran, morgens zu nachtschlafender Zeit einen Schlafanzugstart hinzulegen, das liegt uns tatsächlich nicht so. Die Tagesstrecke nach Lézardrieux (Bretagne) war um die 50 Seemeilen – also ebenfalls moderat. Die „Marina“ Lézardieux liegt rund 6 Seemeilen aufwärts im Fluss Trieux. Die Flusslandschaft ist wunderschön anzuschauen, leider konnten wir aus zwei Gründen keine Fotos machen. Erstens hat es angefangen zu regnen und zweitens hat unser Raymarine Seekartenplotter selbst tätigend auf Nachtdisplay umgeschaltet und war absolut nicht dazu zu bewegen, wieder „Tag“ zu machen! Sogar das Raymarine Handbuch durfte herhalten, wir haben alles versucht, Hintergrundbeleuchtung auf ganz hell und die Palette auf „Tag“ eingestellt – nur der Plotter hatte heute keinen Bock und hat unsere Befehle verweigert. So haben wir nach klassischer Art terrestrisch navigiert (das Hand GPS lief mit) und haben die Seekarte mit an Deck genommen und die Seezeichen abgehakt. Wir sind sicher angekommen. Hier wartete ein neues Problem auf uns: Wir wollten an den Besuchersteg mit Landzugang und nicht im Fluss an eine Boje (Dinghyfahren ist noch nicht so unser Favorit). Der Besuchersteg war jedoch bereits voll und an eine andere Stelle in der „Marina“ konnten wir aufgrund unseres Tiefgangs nicht hin – genau genommen gibt es für Schiffe mit 2 Meter Tiefgang nur eine Handvoll Plätze mit Landzugang. Vor uns ging eine Yacht an eine andere längsseits und wir haben beschlossen, am nächsten Zweierpäcken noch längsseits zu gehen. Es sind zwei sehr stabile Contest-Schiffe, denen es mit Sicherheit nichts ausmacht, wenn noch eine Sunbeam dranhängt. Leider haben wir die Rechnung ohne den Holländer gemacht, der als erstes am Steg lag. Wir hatten trotz Strömung ein sauberes Anlegemanöver hingelegt und waren grade dabei noch eine lange Landleine auszubringen, als die Holländer vom Einkaufen zurück kamen. Es ist uns noch gar nie nicht passiert, dass wir von Seglern rüde angepreit wurden, aber dieser Holländer (eher die Frau) hatte heute einen schlechten Tag und wollte uns in der Tat verjagen. Das Argument, dass wir nirgendwo anders hingehen können, war ihnen egal. Wir sollten uns in den Fluss an eine Boje legen, oder an den Besuchersteg mittig im Fluss ohne Landgangmöglichkeit. Mittlerweile hat es gegossen wie aus Kübeln, sodass sich die Kontrahenten verzogen haben. Walter zum Hafenmeister, die Holländer und ich unter Deck – und da sitzt der Holländer jetzt noch und wir sind immer noch fest. Dem Hafenmeister war es auch egal, er hatte um 18:47 (ehrlich!) Feierabend und hat grade noch die Hafengebühr kassiert und ist nach Hause gegangen.

Guernsey_fire brigade

Von den Wehren gibt es ja etliche Geschichten über deren Arbeit zur Brandbekämpfung, vor allem danach. Ich möchte eine hier auf Guernsey erlebte hinzufügen.
Gestern Morgen bemerkte ich weit entfernt eine Läufergruppe die Hauptstraße entlang Richtung Hafen joggen. Ich dachte mir noch: Da habe ich mal wieder etwas nicht mitbekommen, denn die Jogger waren durch einen großen Feuerwehr-LKW gesichert. Hinter dem LKW strampelte noch ein uniformierter Bobby auf seinem Dienstfahrrad und schirmte das Feld gegen den rückwärtigen Verkehr ab. Als die Gruppe nun näher kam, bemerkte ich eine armdicke Hanftrosse zwischen den Läufern und dem Feuerwehr-LKW. Das Ganze war keine Laufveranstaltung, sondern eine Art Highland Game der hiesigen Fire Brigade. Etwa 20 Feuerwehrmänner schleppten im Laufschritt ihr Einsatzfahrzeug durch St. Peter Port. Ich schnappte sofort meine Kamera, aber bis ich auf der Straße ankam hatten die Feuerwehrmänner ihr Dienstfahrzeug bereits ordnungsgemäß eingeparkt und machten sich nun an die Brandbekämpfung. Auf meine Frage an einen der Männer, was das Ganze auf sich hätte, antwortete dieser nur etwas von wegen das sei lustig und würde allen viel Spaß machen; dann kam die Eimerdusche vom Kollegen und das Gespräch war zu Ende.

Guernsey_Hafenkino

Uns gefällt es sehr gut auf Guernsey, aber nicht nur deshalb sind wir nun fast schon eine Woche hier. Walter hat sich einen Infekt eingefangen, ist nicht voll einsatzfähig und soll sich hier erholen. Deshalb machen wir auch ein schonendes Tagesprogramm. Am interessantesten ist jedoch das Hafenkino! Vorstellungsbeginn: Immer 2 Stunden vor bis 2 Stunden nach Hochwasser (so vergeht auch viel Zeit). Filmtitel: „Reise nach Jerusalem“. Die Victoria Marina hat ein festes Fluttor, ein Süll mit einer Höhe von 4,2 Metern (von draußen gesehen). Was gewährleistet, dass bei Ebbe nicht das komplette Wasser aus dem Hafen raus schießt. Im Hafenbecken ist eine Wassertiefe zwischen 1,20 und knapp über 2 Meter.Über dem Süll an der Hafeneinfahrt steht bei Hochwasser, je nach Tide zwischen 4 und 5 Meter Wasser, und demnach können die Boote erst raus oder rein, wenn genügend Wasser aufgelaufen ist. Zuerst verlassen die Motorboote mit geringerem Tiefgang unter mächtigem Einsatz von Bug- und Heckstrahlruder die Marina. Macht einen Höllenlärm. Danach kommen die Segler, mit erheblich weniger Einsatz von diversen Hilfsmitteln. Zwei Hafenmeister düsen mit ihren kleinen Motorflitzern nach draußen und lotsen die wartenden Boote eines nach dem anderen in den Hafen. Rein kommen zuerst die Motorboote mit geringem Tiefgang, dann nach und nach die Segelboote. Die Hafenmeister achten darauf, dass die Motorboote in der ersten Boxengasse zusammen sind, die zweite Boxengasse wird durchgemischt und ab der dritten Boxengasse liegen nur noch Segelboote. Das ist sehr gut durchorganisiert, weil die Boote meist im Päckchen liegen müssen und ein Segler schlecht an einem Motorboot festmachen kann. Zu unterschiedlich ist die Höhe des Aufbaus. Sehr unterschiedlich sind auch die Anlegemethoden, je mehr Leute auf den Schiffen sind, desto chaotischer ist es. Die Niederländer und Engländer sind am besten, ganz ruhig und souverän wird eine Leine ausgebracht, wenn die liegt ist alles klar und die finale Vertäuung findet anschließend sehr überlegt statt. Manche haben praktischerweise schon einen kleinen Tritt außenbords hängen, auf dem der Leinenmensch mit der ersten Leine steht und am Steg nur einen langen Schritt nach außen machen muss und nicht rüber springen muss. Diese Art will ich auch mal versuchen, indem ich den Fenderstep nach außen hänge – mal sehen ob es klappt. Am lautesten geht es bei den Franzosen zu – mit viel Blabla und Tärä wird angelegt. Bislang ist noch keiner ins Hafenbecken gefallen, am Ende liegen sie doch alle sicher und sind zufrieden.

Guernsey_buses.gg

Den Plan ein Fahrrad zu mieten haben wir schnell wieder aufgegeben, ein Auto zu mieten verbietet sich sogar. Unsere kontinentale Verkehrserziehung steht dem nämlich entgegen. In Guernsey herrscht Linksverkehr, wie im Mutterland. Die Autos haben das Lenkrad auf der falschen Seite und der ganze Zirkus dreht anders als zu Hause. Wollen wir eine Straße überqueren, sagt unser Männchen im Hinterkopf wie immer erst links dann rechts schauen. Auf Guernsey ein fataler Fehler, denn beim Linksschauen sieht man keine Autos, wenn man Glück hat sieht man eines von hinten, dann klingeln eben die Alarmglocken und man bleibt automatisch stehen. Läuft man los muss man einfach Glück haben, dass das Auto dann gerade nicht von rechts kommt von wo es hier immer kommt.
So haben wir uns für das Busfahren entschieden. Auf Guernsey gibt es nämlich ein gut verzweigtes und sehr gut organisiertes Busnetz. Die Busse sind zwar etwas geschrumpft, der Achsabstand und die Breite der Busse wurde den Straßenverhältnissen angepasst, so dass diese durch enge Kurven und Straßen unter Einbeziehung des Gehweges überall hinkommen. Im Inneren der Busse hat man aber das Prinzip der Außenhülle nicht weitergedacht und versucht auf kleinerem Raum genau so viele Sitze zu installieren wie bei der Originalgröße. So hat man als Passagier das Gefühl wie beim Vorschulelternabend in der Grundschule. Viel zu große Hinterteile drücken sich auf viel zu kleine Sitzmöbel. Die Fahrt ist aber grandios, es ist beeindruckend wie die Fahrer mit einer Bierruhe alle Engstellen, Serpentinen, Ortsdurchfahrten und Küstenstraßen meistern. Dabei fährt man durch eine wunderschöne Natur, hinter schweren Natursteinmauern sind überall Blumen gepflanzt und sehr viel Grün. Es gibt zwei Buslinien, die 91 und 92, die auf den Küstenstraßen in einer 1/1/2 Std. Rundfahrt die Insel umrunden. Die 91 fährt im Uhrzeigersinn, die 92 entgegengesetzt. Alle Linien beginnen und enden in St. Peter Port am Bus Terminal, keine zwei Minuten vom Hafen. Für uns also ideal um gefahrlos am Straßenverkehr teil zu nehmen.