Figuera da Foz_2

Zwei Tage in Figuera da Foz. Kilometerlanger Sandstrand, die Strandpromenade gesäumt von Hotels. Teilweise Glas-Edelstahl-Architektur, teilweise abbruchreif. Das Altstadtviertel mit bunten Häusern, mit knallig hellgrünen, altrosa oder orangefarbenen Fassaden. Wir verproviantieren uns hier im Supermarkt und erregen Aufsehen, als wir mit unserer Baumarkt-Sackkarre (leider die kleine Ausgabe, nur 80 cm hoch und total unbequem zum Ziehen) bepackt mit einer vollgefüllten Klappbox über die gepflasterten Wege pollern. Aber 18 Liter Flüssigkeit plus Beiwerk, also 25 Kilogramm wollen irgendwie zum Schiff transportiert werden. Heute Abend gegen 19 Uhr, ich bin gerade am Vorkochen, laufen Christine und Heinz in den Hafen ein. Unverhofft kommt oft! Eine nette Überraschung und da ich gerade eine ganze Packung Nudeln und eine frische Tomaten-Paprika-Sauce gekocht habe, gibt es das komplette Seglermenü (Nudeln, Sauce, Salat) auf der Sunrise. Heinz bringt sein Anlegerbier selbst mit und ist der zufriedenste Segler der Welt. Christine und Elke sind auch zufrieden, weil Christine einen portugiesischen Prosecco stiftet. So schön kann segeln sein! Anschließend ziehen sich die Crews an den Kartentisch zur weiteren Törnplanung zurück. Wir gehen morgen nach Porto Santo (Madeira) rund 560 Seemeilen und wir rechnen mit 4,5 Tagen Reisezeit. Christine und Heinz haben 60 Meilen vor dem Bug. Zwischendurch kocht noch ein Linsencurry mit roten Linsen und Karotte für unterwegs. Die restliche Verpflegung für die vier Tage kommt aus der Dose: Schwäbisch Hällisches Biofutter – der absolute Hit: Gulaschsuppe mit Brot, Geschnetzeltes mit Reis (Reis richtig gut aufkochen, vom Herd nehmen, Topf in mindestens zwei Duschtücher einpacken, diesen Pack dann in Bett. Der Reis wird superkörnig und kann nach 4 oder auch 8 Stunden noch gegessen werden), Rindsrouladen mit Kartoffeln (sofern der Seegang nicht zu heftig ist). Die Verpflegung ist gesichert, muss nur noch der Wind und der Seegang mitspielen.

Figuera da Foz

Heute war Frühsport auf dem Plan. Ablegen in Porto gegen 7 Uhr um die 65 Seemeilen nach Figuera da Foz bei Tageslicht zu machen. In der Douro Marina waren schon die ersten Sonnenstrahlen zu sehen, aber kaum aus dem Hafen draußen kamen wir in eine dicke Nebelwand. Kein Wind, eine Motorfahrt mit dem Radar und 4 Augen-Ausguck war angesagt. Die Fischer hier sind richtig abgebrüht, keine Positionsleuchten an, kein AIS und vielleicht auch kein Radar. Zwei von ihnen lagen direkt auf unserer Kurslinie, aber unser Raymarine-Radar hat sie lange vor uns gesehen. Gut zu wissen, dass das Gerät momentan zuverlässig arbeitet. Die Unmengen von Fischernetzen und Fischerfähnchen haben wir erst im letzten Augenblick gesehen und Blitzausweichmanöver gefahren, weil ein Fischernetz oder Tau in der Schiffsschraube der blanke Horror ist. Erst gegen Mittag drückte die Sonne durch und der Wind frischte auf, sodass wir bis kurz vor Figuera da Foz segeln konnten. Wie alle portugiesischen Häfen ist auch Figuera da Foz bei viel Schwell schwierig bis unmöglich anzulaufen. Der Hafen wird dann geschlossen, anscheinend soll sich auf der Nord-Mole ein Signalmast befinden, den wir jedoch nicht ausmachen konnten. Da wir jedoch momentan eine Schwachwindphase haben, baut sich kaum Schwell auf, sodass wir bislang Glück hatten und alle Häfen ohne Probleme anlaufen konnten. Das Marinapersonal ist auch hier überaus freundlich und hilfsbereit. Der Hafen bietet viel Platz für Gäste, nur die Duschen und WCs sind sehr weit weg. Ein Spaziergang rund um den Hafen ist erforderlich. Am Ende des Tages war die ganze Seglerschar, die Richtung Süd geht, vereint. Die Australier mit der Black Butterfly, der Holländer mit der Blue Valentine und natürlich die Sunrise – nur die Anima Mea mussten wir zurücklassen. Christine und Heinz wollen Porto auch noch sehen. Steffi und Tomy von der Yemania machen Urlaub vom Urlaub und fliegen morgen von Porto aus nach Hause.

Porto

Was für ein Glück haben wir, dass wir uns diese Reise leisten können. Heute in Porto haben wir uns etwas abseits der Touristenpfade bewegt. Es ist schockierend, welche Armut es mitten in Europa gibt. Welche Chance haben die vielen Kleinkinder und Jugendlichen, die hier mehr auf der Straße als im beschützen zu Hause aufwachsen? Deren Chance tendiert gegen Null. Was für paradiesische Zustände haben wir doch in Deutschland, aber alle meckern über die Arbeitsmarktpolitik, die Wirtschaft, die Steuern, das Bildungssystem etc. Wir jammern auf höchstem Niveau, anstatt zuzugreifen und unsere Chance zu packen. In den Nebenstraßen hier in Porto ist ein großer Teil der Häuser einsturzgefährdet und abbruchreif, teilweise jedoch noch bewohnt. Traurig ist diese Seite von Porto. Zurück zu unserem Tag hier in Porto: Wir sind mit der Taxifähre über den Douro gefahren und anschließend mit der historischen Straßenbahn entlang des linken Douroufers in die Innenstadt. Heute war es möglich den Torre dos Clérigos zu besteigen und die atemberaubende Aussicht rund um Porto zu genießen. Anschließend sind wir Richtung „Art Spot“ gelaufen um diverse Galerien und Läden anzuschauen. Wir waren weder in einer Galerie noch in einem Laden. Entweder Sommerpause oder pleite oder total daneben. Sehr sehenswert ist der Park um den Palacio Cristal (Konferenzcenter) und das Museu Romentico. Wir hatten nur das kleine Problem, dass wir uns verlaufen haben. Der Park ist in Terrassen über dem Douro angelegt, aber leider sind viele Terrassen Sackgassen, sodass wir mehrfach bergab und bergauf laufen mussten um endlich, mit viel Glück, einen Ausgang Richtung Douro zu finden. Wir kamen weit draußen vor der Stadt zurück auf die Hauptstraße und es hat sich nicht mehr gelohnt, für die letzten Meter in die Straßenbahn einzusteigen. So sind wir auch heute wieder zu Fuß und dann mit dem Taxiboot zurück zur Marina. Zwischenzeitlich waren auch Christine und Heinz mit der anima mea in der Douro Marina. Wir haben einen lustigen gemeinsamen Abend mit Abendessen im Restaurant verbracht. Abschiednehmen fällt schwer. Wir wollen weiter, Christine und Heinz haben noch viel Zeit, da sie in Spanien ins Winterlager gehen. Unser nächstes Ziel ist Madeira und dann die Kanaren.

P wie Portugal, Porto und Portwein

Ich hatte ja ganz vergessen zu erwähnen, dass wir seit Viana do Costelo in Portugal sind. Somit verändert sich die Zeit (eine Stunde früher, UTC + 1), die Sprache und das Nachtleben. Die Sprache deshalb, weil Danke nicht mehr gracias sondern obrigado/a heißt, und „haste mal Lego“ (hasta luego – bis später) auch nicht mehr zu hören ist. Das Nachtleben, weil hier in Portugal gegen 20 Uhr und nicht gegen 23 Uhr zu Abend gegessen wird. Damit können wir gut leben.
Unser heutiges Programm: Porto zu Fuß! Von der Douro Marina immer am Ufer des Douro entlang, nach etwa 3 Kilometer sind wir mitten drin und zwar genau auf der richtigen Uferseite. Hier nämlich sind die ganzen Portweinkellereien mit Degustation wie Perlen an der Kette aufgereiht. Wir besuchen die von der Marina empfohlene Churchill Kellerei, verzichten aber vorerst auf die Verkostung, da es noch viel zu früh am Tag ist. Wir vereinbaren einen Termin zur Kellerführung um 17:30 Uhr. Genügend Zeit um die Highlights in Porto in Augenschein zu nehmen. Zuerst fahren wir mit der neuen Doppelmayr-Umlaufgondel hinauf auf die Anhöhe. Direkt auf die zweiten Ebene der berühmten Eiffelbrücke „Ponte de D. Luiz I“ und gehen unmittelbar neben den Bahnschienen drüber (ist erlaubt) um auf die andere Uferseite zu gelangen. Nächstes Highlight ist die Kathedrale, dann der Hauptbahnhof mit der riesigen Halle, deren Wände mit bunten Kacheln verziert sind. Anschließend besichtigen wir den schönsten Mac Donalds Europas; essen nichts, bestaunen nur die Kronleuchter und die Bleiglasscheiben. Weiter geht es zur Livraria Lello (ältester Buchladen) und anschließend zum Torre das Clérigos, den wir aber aufgrund der Warteschlange nicht hochsteigen. Genug Touristenprogramm für heute, wir lassen uns bis 17 Uhr ziellos durch die Altstadt treiben um anschließend auf der unteren Ebene (wie langweilig) über die Eiffelbrücke zu gehen um die Führung bei Churchill zu machen. Es wird eine Exklusivführung nur für uns beide, wir verkosten drei verschiedene Portoweinsorten und erwerben 3 Flaschen vom 10jährigen Twany. Um wieder zurück in die Altstadt zu kommen überqueren wir ein weiteres Mal die großartige Eiffelbrücke. Plötzlich Fußgängerstau auf der Brücke, Platscher im Douro und Gejohle vom Ufer. Vier halbverrückte Halbstarke springen von der Brücke in den Douro und schwimmen/kämpfen sich gegen die mächtige Strömung ans Ufer. Wir landen in einer Sisha-Bar vor der ein australischer Musiker Songs von Sting spielt. Auf die Wasserpfeife verzichten wir, genehmigen uns jedoch einen weiteren Schluck Portwein zur Stärkung – wir wollen ja schließlich den Sonnenuntergang über dem Douro bestaunen. Die Sonne geht doch in der Tat genau zwischen den Brückenpfeilern unter. Sobald die Sonne weg ist, wird es richtig kalt und wir beeilen uns zurück zum Schiff zu kommen. Das atlantische Klima ist sehr angenehm, immer frischer Wind, tagsüber nicht zu heiß und nachts kühlt es ab, sodass man richtig gut schlafen kann.

Fischernetzslalom und Delphinshow

Am späten Vormittag verlassen wir Viana do Castelo mit Ziel Douro Marina Porto. Die Windprognose ist nicht vielversprechend. Westnordwest 2-3 Beaufort auf Nord drehend und auf 4 Beaufort zunehmend. Schwachwindsegeln kennen wir ja vom Bodensee, mit dem gravierenden Unterschied, dass wir auf dem See gerade mal 700 kg zu bewegen haben, aber die Sunrise bringt 9 Tonnen auf die Waage. Die müssen erst mal zum Laufen gebracht werden. Hartnäckig wird getrimmt. Auch die Unmengen an Fischerfähnchen hindern ein richtiges Vorankommen. Ständige Slalomfahrt ist angesagt. So extrem wie auf diesem Streckenabschnitt hatten wir das noch nicht. Zwischendurch besuchen uns Delphinschulen mit Jungtieren dabei und spielen mit der Sunrise. Ich hoffe so sehr, dass sich die anmutigen Tiere nicht in den unzähligen Fischernetzen verfangen, denn das bedeutet unweigerlich, dass sie ertrinken, weil sie nicht mehr zum Luftholen auftauchen können. Schreckliche Vorstellung.
Für die 37 Meilen von Viana do Castelo nach Porto brauchen wir knapp 8 Stunden. Ein blamabler Schnitt, aber wir haben seit Hooksiel schon viel zu viele Motorstunden auf dem Zähler, dass wir einen Schwachwindsegeltag akzeptieren. Wir sind ja nicht auf einer Regatta. Die neue Douro Marina Porto liegt im Douro gleich nach der Mündung auf der rechten Uferseite. Die Ansteuerung ist bei viel Schwell nicht ungefährlich. Wir sind von Südsüdwest angelaufen und wurden trotz wenig Schwell sehr nach Steuerbord versetzt. Also gut vorhalten. Die Betonnung ist sehr gut und in den Douro rein gibt es auch ein Richtfeuer. Wir haben die Einfahrt zur Marina kurz vor Hochwasser erreicht und deshalb auch kein Problem mit der Tiefe gehabt, bei Niedrigwasser könnte es für Schiffe mit Tiefgang >2 Meter knapp werden. Die Douro Marina hat Schwimmstege und aktuell noch genügend Platz für Gäste. Die Anlage ist zwei Jahre alt und sehr gepflegt und sauber. Wasser und Strom an den Stegen ist frei. Die historische Stadt Porto ist drei Kilometer flussaufwärts und zu Fuß gut zu erreichen. Unser Programm für Montag steht damit also fest.

Viana do Castelo

So übel war das Wetter in Baiona nun wirklich nicht, bloß der Wind hat gefehlt. Deshalb sind wir ja auch nach Baiona reingefahren und haben es nicht bereut. Ein wirklich sehenswertes Städtchen. Wir hatten einen schönen Hafentag am Donnerstag. Ausschlafen, spätes Frühstück und anschließend haben wir vom Yachtclub in die Baiona Marina verlegt. Hier lagen schon Christine und Heinz mit ihrer anima mea. Nachdem wir fest waren, haben wir die Altstadt besucht und nach gefühlten zwei Stunden auch den Supermarkt gefunden. Frisches Obst, frischer Salat und frisches Brot sind einfach gut und sollten an Bord wenn möglich nicht fehlen. Hier gibt es schon die neue Ernte Orangen, Mandarinen, Zitronen und Limetten. Einen Eisen-, Elektro-und Haushaltswarenladen haben wir auch gefunden. Eine Fundgrube ohne Gleichen, da kannst jeden Baumarkt in die Tonne klopfen. Auf 40 m² das Vollsortiment. Im Schaufenster hat Walter einen Stromstecker gesehen, den wir für die Stromtankstellen an den Anlegestegen brauchen könnten. Mangels Sprachkenntnisse auf beiden Seiten hat der Ladenbesitzer Walter kurzerhand hinter die Verkaufstheke geholt und hat ihn in den diversen Kisten und Kartons wühlen lassen. Ein Stecker, der so aussah also ob er passend wäre, war noch da. Wir haben ihn für 8 Euro bekommen und er passte! Am späten Nachmittag bin ich mit meinem Notebook zu Heinz rüber auf die anima mea, weil Heinz auch etwas Stress mit dem Airmail-Programm hat (bei mir läuft es nach wie vor nicht rund). Wir haben alle Einstellungen verglichen und festgestellt, dass es daran nicht liegen kann. Bei mir wird die aktuelle Schiffsposition –trotz im März neu installierter extra GPS-Mouse- nicht fortgeführt. Bei Heinz klappt die bluetooth Verbindung zwischen Notebook und Pactor Modem nicht richtig – so eine blöde Technik, von der ich nichts versteh! Aber ich benötige sie. Die Möglichkeit einen Wifi-Hotspot zu catchen nimmt ab und deshalb bin ich auf die Wetter-Gripfiles über Funk angewiesen. Schiffle fahren könnte ja so entspannend sein!
Seit Freitag, 01.08.2014 sind wir in Viana do Castelo in Portugal. Die Marina ist zu klein für uns und deshalb hat uns der Hafenmeister direkt vor der Nase die Fußgänger-Schwenkbrücke wieder zu gemacht. Die Marina ist voll mit einheimischen Booten, einen Visitorplatz mit einem Schiff über 36 Fuß zu bekommen, halte ich in der Saison für ausgeschlossen. Wir liegen nun am Wartesteg im Rio Lima. Vor uns eine holländische Yacht und davor ein Australier, den wir von A Coruna kennen, und hinter uns liegt die anima mea. Der Wartesteg ist mit vier Schiffen gut voll. Neu ankommende Schiffe müssen nun entweder zu uns ins Päckchen oder wieder raus fahren. Wir haben hier einen weiteren Hafentag, weil Starkregen und Südwestwind angesagt ist. Es hat den ganzen Tag über immer wieder geregnet, was uns nicht davon abgehalten hat, zu Fuß über die Eiffelbrücke über den Rio Lima zu gehen, die Altstadt von Viana do Castelo anzuschauen. Leider konnten wir wegen der dichten und tiefhängenden Wolkendecke nicht mit der Schrägseilbahn zum Castelo hochfahren. Bei schönem Wetter soll man einen atemberaubenden Ausblick von dort haben.

Bayona

Es gibt schlechtere Orte um auf besseren Wind zu warten als Bayona! Heute früh sind wir aus Cangas raus gefahren mit dem Ziel Viana do Castelo (Portugal). Der Wind in der Ria de Vigo war schwach, hat gerade so gereicht um mit 4 Konten dahin zu dümpeln. Wir hatten die Hoffnung, dass der Wind zulegt, sobald wir aus der Landabdeckung und der Ria draußen sind. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Der Wind hat bis auf 5 Knoten abgenommen und da hilft alles Schotenzupfen, Ausbaumen und Trimmen nichts mehr. Zwei Möglichkeiten: Motor starten und die restlichen 30 Meilen nach Viana do Castelo motoren oder nach links abbiegen und in die Marina Bayona rein. Wir haben uns für Bayona entschieden, zumal Bayona auch Historisches zu bieten hat. Hier ist die Karavelle Pinta des Kapitäns Martín Alonso Pinzón im März 1493 nach ihrer Teilnahme an der ersten Amerikareise des Christoph Kolumbus angekommen. Die Bevölkerung von Bayona hat als erstes von der Entdeckung der „Neuen Welt“ Kenntnis erlangt, weil Kolumbus erst später angekommen ist.
Wir liegen in der Marina des Monte Real Club de Yates Bayona direkt an der Festung Castillo de Monte Real, das jetzt ein Vier-Sterne-Hotel beherbergt. Die Festungsanlage ist sehr gepflegt, wie überhaupt alles hier. Es kostet zwar 1 Euro Eintritt um die Festung zu betreten, aber den Eintritt bekommt man erstattet, wenn man auf der Terrasse des Hotels einen Kaffee o.ä. trinkt. Was wir gemacht haben, ist ja klar. Nachdem wir die Halbinsel zu Fuß umrundet und die herrliche Aussicht genossen haben, sind wir in das Restaurant des Yachtclubs zum Abendessen gegangen. Very british hier – aber der Chefkoch kann definitiv nicht mithalten. Ehrlich, der grilled Codfish war mit Gräten durchzogen, zumindest die steichholzdicken Gräten hätte er mal vor dem Braten ziehen können, aber auch die weniger dicken. Das erwarte ich bei der Preisklasse. Der gemischte Salat als Vorspeise war gut und hätte für zwei Personen locker gereicht. Das Abendessen rausgerissen hat der Gin Tonic – eigentlich Aperitif – nach dem Essen. Wir hatten einfach Lust darauf und in unserem Alter kann man/frau sich nicht mehr blamieren, bzw. es ist uns einfach schnurzpiepegal. Die Servierdame hat uns ein bauchiges Rotweinglas gefüllt mit Eiswürfeln und Zitrone serviert, auf dem Servierbrett hatte sie eine volle Flasche Gin und aus der hat sie Gin über die Eiswürfel geschüttet. Offenbar bis er Kunde ein Signal zum Einhalt gibt. Diese Methode war uns völlig unbekannt, ehrlich! Unsererseits kam kein Stoppsignal und deshalb hatten wir einen ziemlich kräftigen Gin Tonic als Absacker. Ist eine gute Art und Weise mit der Restaurantrechnung letztendlich entspannt umzugehen. Auf der Sunrise angekommen wurden wir vom Beaglehund des Nachbarliegers aus Belgien verbellt. Der kleine Kerl hat uns nicht mehr erkannt und als Einbrecher eingestuft. Die Alarmanlage funktioniert länderübergreifend. Ist ein gutes Gefühl, lassen wir nachts doch zwischenzeitlich in den Häfen alle Fenster zur Durchlüftung offen.

Nationalpark „Isla Cies“

Am Sonntag früh pottendichter Nebel und der geplante Ausflug mit der Fähre zum Nationalpark „Isla Cies“ schien nicht möglich zu sein. Gegen 11 Uhr drückte die Sonne durch, schnell die Badesachen sowie etwas Verpflegung eingepackt und um 11:45 Uhr ging es mit der Fähre rüber zum Nationalpark. Pro Person 18,50 Euro. Im Internet gibt es tolle Bilder und viel Information über den Nationalpark, einfach mal Google fragen. Der Nebel draußen auf See war leider nach wie vor sehr dicht, was aber die Wochenend-Besuchermassen nicht davon abhielt, mit Sack und Pack, Kühltaschen, Sonnenschirm, Liegestuhl, Zelt etc. die Insel zu stürmen. Ja, trotz leichtem Nebel und kaltem Wind war der Hauptstrand bereits picke packe voll – wie auf Malle. Alleine von Cangas aus gehen pro Stunde 3 Personenfähren zu den Inseln. Nichts deutete auf Nationalpark hin. Wir, Chistine, Heinz, Walter und ich beschlossen die Insel Cies zu Fuß zu erkunden. Erst links rum. Gut ausgebaute Waldwege durch Kiefer- und Eukalyptusbäume, immer wieder Badebuchten mit leuchtend weißem Sand. Wirklich wunderschön, aber auch sehr gut besucht. Wir bestiegen den 175 !!! Meter hohen Hügel mit dem Faro de Cies drauf und konnten zwischen den Nebelbänken doch die herrliche Aussicht genießen. Nach einer kurzen Cafépause ging es rechts rum weiter. In den Ankerbuchten lagen trotz widriger Wetterlage viele Boote vor Anker. Die Gewässer um die Nationalparkinseln dürfen nur mit amtlicher Genehmigung befahren werden und zum Ankern benötigt man ebenfalls eine Genehmigung. Ich habe die Genehmigung von Combarro aus beantragt, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten. Wir werden jedoch nicht mit dem eigenen Boot rüberfahren, da es einerseits ein Massenrummel und andererseits viel Wind vorhergesagt ist – da bleiben wir mal lieber schön im sicheren Hafen in Cangas. Der Hafenmeister wird seine Freude mit uns haben! Heute war nämlich Großputz an der Reihe. Erst Betten abziehen, Kochwäsche in die Marinawaschmaschine und Alles, was ausgelüftet werden kann wurde in den herrlich warmen Nordwind gehängt. Mal wieder volle Beflaggung auf der Sunrise und dem Hafenmeister war spätestens jetzt klar, dass er uns so schnell nicht los kriegt. Das Schiff wurde abgespritzt und mit umweltfreundlichem Shampoo eingeseift. Anschließend poliert, das heißt momentan nur die Backbordseite, die andere Seite mache ich jetzt. Schön alles der Reihe nach.

Cangas

Seit Samstag liegen wir im kleinen Hafen Cangas in der Ria de Vigo direkt gegenüber der „Großstadt“ Vigo. Der Hafenmeister war nicht sehr erfreut uns einlaufen zu sehen. Aus der ersten freien Box mussten wir wieder raus. Wir hatten extra geschaut, ob dort feste Leinen am Steg liegen, was ein sicheres Zeichen für einen Dauerliegeplatz ist; es lagen keine Leinen dort und deshalb sind wir reingefahren. Der Hafenmeister hat uns erklärt, dass der Hafen voll ausgebucht ist und er keinen Platz für uns hat. Walter zeigte dann auf den freien Kopfsteg und meinte da könnten wir doch hin. Der Hafenmeister entpuppte sich als Assistent vom Ober-Hafenmeister und musste sich die Genehmigung einholen, dass wir an den Kopfsteg dürfen. Zwischenzeitlich lagen wir dann dort und es schien in Ordnung zu sein. Kurz danach kamen Christine und Heinz und legten die anima mea ebenfalls an den langen Steg. Nun ging die Diskussion von Neuem los. Die anima mea sollte wieder weg. Der zweite Platz am Steg musste frei bleiben. Kein Problem, dann geht die anima mea eben direkt längsseits bei uns ins Päckchen. Oh nein, das geht schon mal überhaupt gar nicht. Das darf man in Spanien nicht. Christine und ich gingen mit dem Assistenten zusammen zum Ober-Hafenmeister, der leider kein Englisch verstand, und verklickerten ihm, dass wir das so haben wollen und es für uns kein Problem sei. In Holland und Deutschland ist das Päckchenbauen während der Saison üblich. Er hatte ein Einsehen und die berechtigte Befürchtung, dass wir eh nicht mehr weggehen. Also geht doch!

Sanxenxo und Combarro

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war horrible. Wir lagen in der großen sehr belebten Marina in Sanxenxo in der Ria Pontevedra. Im Vergleich zu den letzten Übernachtungsplätzen ist Sanxenxo eine Großstadt. Hochhäuser säumen die lange Strandpromenade, Bars, Cafés, Restaurants, Schuh- und Kleiderläden. Auch der Badestrand war gut besucht. Freizeitangebote, wie im Fallschirm hängend vom Motorboot in 50 Meter Höhe durch die Bucht gezogen werden u.a. Offensichtlich ein beliebter Urlaubsort. Im Restaurant gab es erst ab 21 Uhr Abendessen, bis kurz vor 23 Uhr waren wir die einzigen Gäste. Dann füllte sich das Restaurant schnell, spanische Familien mit Säuglingen und Kleinkindern kamen. Die Säuglinge liegen im Kinderwagen mitten im Trubel – so gewöhnen sie sich schnell an den Lebensrhythmus im Süden. Der Rhythmus ging die ganze Nacht durch, und zwar ausgehend von der Bhudda-Bar in der Marina. Gewummer bis morgens um 6 Uhr – sodass an Nachtschlaf nicht zu denken war. Christine und Heinz von der anima mea lagen zwei Schiffe vor uns und sind aufgrund meines Tips auch nach Sanxenxo gefahren. Ich war hier vor 8 Jahren schon mal, aber die Disco im Hafen gab es da noch nicht – tut mir leid. Gegen Mittag verlassen wir die Marina Sanxenxo und fahren gemeinsam weiter in die Ria Pontevedra rein. Dort erwarten uns Seffi und Tomy von der Yemania mit dem Geheimtip Combarro. Ein herzlicher Empfang, Leinen werden angenommen, kaum sind beide Schiffe fest, sitzen 6 Personen beim Begrüßungsumtrunk im Cockpit der Yemania. Die Marina Combarro ist eine schöne, saubere Marina, vielleicht drei bis vier Jahre alt. Am Abend besichtigen wir die historische Altstadt von Combarro. Sehenswert sind die Kornspeicher vor den Häusern. Die Kornpeicher stehen auf Steinstelzen, auf der Stelze eine runde Steinscheibe und darauf ist das Speicherhäuschen gebaut. Zweck dieser Bauweise ist, dass keine Ratten etc. ins Vorratshäuschen klettern können, da sie die runde Steinplatte nicht überwinden können. Alles ist sehr herausgeputzt, die Bewohner sind sich der Schönheit ihrer „Steine“ bewusst und pflegen sie. Zum Abendessen gehen wir gemeinsam in eine kleine Taperia am Rande der Altstadt. Wir sitzen idyllisch unter Weinreben und Kiwibäumen im Freien. Die Wirtin serviert uns der Reihe nach Pulpo, kleine gegrillte Fische, große gegrillte Fische, gegrillte Pimentas, kleine frittierte Calamaris und eine Platte Lammkoteletts (Heinz isst kein Fisch). Wir essen uns kreuz und quer durch das Sortiment, alles ist lecker, nur das Lamm ist nicht so der Hit. Gut gelaunt verlassen wir die Taperia und schlendern durch die Gassen Richtung Marina. Kleinkinder spielen noch auf den Gassen (anderer Lebensrhythmus) und in der Marina ist ebenfalls noch einiges geboten. In einer Bar spielt ein Trio und in der anderen ein Gitarrist. Wir bleiben beim Trio hängen und Christine versucht vom Barkeeper sechs Mojitos zu bekommen. Es werden die sechs langsamsten, akribisch zubereitetsten Mojitos, die jemals über eine Theke gewandert sind. Amüsiert betrachten wir von draußen durch die Glasscheibe die Zubereitung: Sechs Limetten werden aus der Obstschale genommen, eine nach der anderen auf das Schneidbrett gelegt, einmal längs und zweimal quer schnitten. Ins Glas getan (dauerte länger als die Zeilen zu schreiben), sechs Gläser mit Limetten gefüllt stehen da, jetzt kommt Zucker drauf, danach werden die Limetten mit dem Stößel und dem Zucker zerquetscht, jedes Glas bekommt zwei Runden Limetten-mit-Zucker-Verquetschung, danach steigert sich die Geschwindigkeit minimal, Eis kommt drauf, Minzeblättchen werden abgezählt, verteilt und zum Schluss noch der Alkohol drauf. Strohhalme rein und fertig ist der Mojito – nein jetzt werden noch sechs blaue Servietten in Dreiecksform gefaltet und mit der Spitze nach oben ans Glas gepappt. Heinz ist zwischenzeitlich zu Christine an die Bar gegangen um Tragen zu helfen, darf er aber nicht. Ein anderer Ober kommt mit einem Servierbrett, stellt die sechs Gläser drauf, ein Schälchen Nüsse, ein Schälchen Gummibärchen dazu und serviert nun endlich den „Schlürschluck“, nach einer gefühlten Stunde. Lustig war´s. Die Nachtruhe wird nicht gestört, da die Party dieses Mal nicht bis in die Morgenstunden geht. Am nächsten Morgen bleiben wir lange in den Kojen liegen und genießen dann den Tag – es ist hoher Feiertag in Galicien: Heiliger Sankt Jakob.