Am Montagnachmittag, bei 5 Windstärken aus Ost, warfen wir den Festmacher los und segelten mit der kleinen Fock und einem Reff im Groß los. Der Himmel war wolkenlos und wir hofften auf einen klaren Sonnenuntergang mit dem sagenhaften „Greenflash“. Fast ein Jahr sind wir schon mit der Sunrise unterwegs, haben jede Menge Sonnenuntergänge gesehen, aber noch nie den Greenflash. Entweder war es zu diesig oder es schob sich in der letzten Sekunde doch noch eine Wolkenbank vor die Sonne. So auch gestern. Trotzdem gibt es jedes Mal sensationelle Farben am Horizont und es ist jeden Tag aufs Neue faszinierend. Wir hatten eine sehr ruhige Nachtfahrt. Die Welle war moderat und der Wind ließ im Laufe der Nacht immer mehr nach. Kurz nachdem ich von Walter die Nachtwache übernommen hatte, musste ich ihn leider schon wieder wecken. Die kleine Fock musste weg und dafür die große Genua gesetzt werden. Zum Bergen der Fock müssen wir aufs Vorschiff, da wir die Fock mit Stagreiter am wegnehmbaren Kutterstag fahren. Das kann Einer alleine nicht, zumindest wir nicht. Die Genua durfte uns auch nur noch drei Stunden ziehen, dann war der Wind ganz weg. Die letzten 15 Meilen haben wir mit dem Motor zurückgelegt. Die Marina de Port de Rivière Sens ist 1,5 Meilen südlich der Stadt Basseterre auf Guadeloupe. Wir haben den Hafenkapitän angefunkt und nachgefragt, ob wir mit unseren 2 Metern Tiefgang reinkönnen. Ja, es geht. In der Einfahrt sind es 2,70 Meter, im Hafen selbst ist es sehr flach, wir sitzen nach unserem Tiefenmesser bereits im Sand. Die Schiffe liegen mit dem Heck an einer Boje und mit dem Bug an Schwimmstegen. Dies ist in der Karibik üblich. Üblich ist aber auch, dass das Marinapersonal mit dem Schlauchboot kommt und die Leine für die Boje übernimmt und festmacht, sodass die Schiffscrew (also ich) nur noch dichtholt und sich dann um die Vorleinen kümmern kann. Nicht so hier, der Hilfsmarinero stand gelangweilt am Steg und hat uns an einen freien Platz geschickt. Wie wir die Leine an die Boje bringen, war unser Problem. Und es war in der Tat ein Problem, denn darauf war ich überhaupt nicht gefasst. Die Boje konnte ich mit dem Bootshaken ja greifen, aber hochziehen um die Leine durchzufädeln ging beim besten Willen nicht. In Skandinavien ist das Festmachen an Bojen auch üblich und die Segler verwenden hierzu einen langen starren Bojenhaken aus Metall, der in die Boje eingehakt wird. Am Bojenhaken hängt der Festmacher und fertig ist die Laube. Aber leider gibt es bei uns an Bord diesen Bojenhaken noch nicht und deshalb stand ich ziemlich bescheuert mit dem Bootshaken in der rechten Hand, die Boje dran hängend, und mit dem Festmacher in der linken Hand an Deck. Den Bootshaken konnte ich nicht loslassen, weil dann wäre die Boje wieder weggeflutscht. Runterbeugen ging auch nicht, ich hätte mich selbst über Bord gezogen. Walter musste vom Steuer weg und den Festmacher einfädeln. Als dann endlich auch die Vorleinen fest waren, stellte der HiTri-Marinero fest, dass unser Schiff zu breit für diesen Platz ist und wir mussten wieder aus der Lücke raus. Er schickte uns weiter in den Hafen rein und der Tiefenmesser zeigte nur noch 2 Meter Tiefe. Wir haben einen Tiefgang von 2 Metern. Hier das gleiche Theater wieder. Nur mit dem kleinen Handycap, dass ich auf einmal nur noch den Gummigriff vom Bootshaken in der Hand hatte, der Bootshaken ist einfach rausgeflutscht, schwamm im Hafenbecken und ging sofort unter. Schnell den zweiten Bootshaken geholt, die Boje wieder gegriffen und Walter hat den Festmacher durchgefädelt. In diesem Chaos hat sich Walter noch den Fuß übertreten und sich wieder eine Verletzung am gerade verheilten Sprunggelenk zugezogen. Wir waren ziemlich bedient. Dafür ging das Einklarieren recht flott. In der Bar Barrakuda steht ein Einklarierungscomputer und die Inhaberin der Bar erledigt das Einklarieren direkt selbst. Auf die Frage, was es kostet, kam die Antwort, dass das Klarieren in Frankreich gratis ist. Hört, hört! Die Marina Fort Louis in St. Martin (auch Frankreich) nimmt 7,80 Euro fürs Einklarieren und 7,80 Euro fürs Ausklarieren. Die Angaben am Computer macht man selbst, druckt das Formular aus und das Officepersonal macht nur noch den Stempel drauf.
Am Nachmittag war die Aktion Mietwagen dran. In Rivière Sens gibt es eine Filiale eines Mietwagenverleihers, der aber aktuell keine Autos hat. Wir sollen nach Basseterre. Mit dem Linienbus fuhren wir nach Basseterre. Mietwagen für Mittwochvormittag Fehlanzeige. Mittwoch 15 Uhr, frühestens. Im Tourismusoffice gab man uns eine Liste mit drei weiteren Verleihern in Basseterre. Wir haben trotz Stadtplan keinen davon gefunden. Nach einigen Irrwegen und Nachfragen stellte sich heraus, dass zwei Verleiher mittlerweile in der nächsten Stadt, in Baillif im Industrieviertel sind. Mit dem Bus fuhren wir weiter nach Baillif und fanden beide Verleiher. Einer hatte noch geöffnet. 82 Euro (68,00 + 14,00 Versicherung) für einen Tag. Nein danke. Mit dem Bus wollten wir wieder zurück nach Basseterre, bzw. Rivière Sens. Wir standen eine gefühlte Stunde an der Bushaltestelle, kurz vor Sonnenuntergang hielt ein Auto. Der Fahrer fragte uns, ob er uns nach Basseterre mitnehmen kann. Nach 17:30 fährt von dort kein Bus mehr. Dankbar stiegen wir ein und bekamen gleich zwei Bananen zur Stärkung geschenkt. Der nette Mann fuhr uns direkt zur Marina, wollte von Walter kein Trinkgeld nehmen und schenkte uns stattdessen noch zwei frisch geschnittene Salatköpfe. Unglaublich! Am Steg angekommen, mussten wir feststellen, dass die Codekarte zum Öffnen der Türe nicht mehr funktionierte. Zum Sundowner schafften wir es nicht mehr zum Schiff, stattdessen warteten wir auf jemand, der uns die Türe öffnete. Das Office war selbstverständlich schon geschlossen und ein Wachdienst nicht zu sehen. Oh what a beautiful day!
Nevis
Die Nacht von Freitag auf Samstag hatten wir in der Waschmaschine, bzw. an der Mooringboje vor Oranjestad/St. Eustatia verbracht. Schlaf haben wir nicht viel bekommen, ich hatte mich sogar mittschiffs in unsere Seekoje (auf die Salonbank) gelegt. Dort waren die Schiffsbewegungen am erträglichsten. Früh am Morgen, kurz nach sechs Uhr verließen wir Oranjebaai. Kurs Nevis. Dort, vor Charlestown haben wir um die Mittagszeit die vorletzte Mooringboje bekommen. Hier wollten wir ordnungsgemäß einklarieren, mussten jedoch zuvor noch unser Beiboot aufpumpen. Mittlerweile war es dann 15 Uhr. Die Strecke zum Dinghidock ist ziemlich weit, circa 15 Minuten mit dem kleinen Pisser (unser 4 PS Außenborder für das Dinghi). Gegen 15:30 Uhr waren wir bei der Port Authority, beim Zoll und bei der Immigration, die praktischerweise in einem Gebäude untergebracht sind. Zoll und Immigration arbeiten am Samstagnachmittag nicht. Wir sollten am Sonntagvormittag um 9 Uhr wiederkommen.
Am Sonntag, kurz nach 9 Uhr, waren bereits vier Crews vor dem Office in der Warteschleife. Eine lustige, typisch karibisch dralle Officedame gab im schattigen Garten vor dem Office die Alleinunterhalterin. Zwischendurch simste sie immer wieder mit den verschiedenen Verantwortlichen und erkundigte sich nach deren Verbleib. Um die Wartezeit abzukürzen kassierte sie schon mal vorab die Gebühren. Wir durften 120 EC $ bezahlen – das Doppelte. War ja schließlich Sonntag. Gegen 10:30 Uhr kam die Nachricht durch, dass Zoll und Immigration bald öffnen werden – die heilige Messe am Sonntag war nämlich zu Ende. Der Hafenkapitän gehörte wohl einer anderen Konfession an, denn er kam erst um 11 Uhr. Schick mit Anzug, weißem Hemd und Krawatte. Er entschuldigte sich vielmals und rief die Crews der Reihe nach auf und ganz flott wurden wir nacheinander abgefertigt. Der nette junge Mann vom Zoll sah, dass wir aus dem zollfreien St. Martin kamen und fragte nach Alkohol, Zigaretten, Zigarren, Waffen, Haustieren und Pflanzen. Nein, wir doch nicht. Wir haben keine Waffen und Haustiere und auch sonstige böse Sachen nicht. Ich denke, er weiß ganz genau, dass Segler nichts gegen einen Sundowner, ein Bierchen oder Wein einzuwenden haben. Er muss eben diese doofen Fragen stellen. Er kassierte 30 EC $ und damit war der Behördengang erledigt.
Wir hielten Ausschau nach einem Taxi für eine Inselrundfahrt. Vor dem Office stand ein verwaistes Taxi, aber der Fahrer fehlte. Es stellte sich heraus, dass der Taxifahrer auch gleichzeitig der Pastor ist und der hatte jetzt seine Mittagspause redlich verdient. Gleich zwei verschiedene Personen boten ihre Hilfe an, um uns ein Taxi zu besorgen. So kamen wir zu einer Inselrundfahrt mit einer Hobbyhistorikerin. Sie erzählte uns sehr viel über die Auseinandersetzungen zwischen den Britten und den Franzosen im 17. und 18. Jahrhundert und über die Sklaverei. Die Britten und die Franzosen kloppten sich nicht nur in Europa, sondern vorwiegend in der Karibik um die Inseln. Letztlich blieb Nevis britisch, bzw. ist seit 1983 unabhängig. Unsere Reiseführerin fuhr mit uns zu den ehemaligen Zuckerrohrplantagen. Auch zu der Plantage wo Admiral Lord Nelson seine erste Frau Frances Nisbet ehelichte. Zuckerrohr wird heute auch auf Nevis nicht mehr angebaut. Einige der Plantagen sind jetzt noble Hotels und Restaurants. Wie auch auf den anderen Inseln stellen die Anlagen für die Touristen einen extremen Gegensatz zum lokalen Umfeld dar. Aber so ist es eben.
In der Hauptstadt Charlestown gibt es einige schön restaurierte kreolische Holzhäuschen und einige Häuser aus Stein, die noch aus dem 17. Jahrhundert stammen und die Erdbeben und Hurrikane überstanden haben.
Adieu St. Martin
Adieu Marina Fort Louis
Donnerstag am späten Nachmittag kommt kurz Hektik in der Marina Fort Louis auf. Angela und Franz von der Maeva piti waren im Office und haben ihre Rechnung bezahlt. Sie haben das günstige 10-Tages-Arrangement nicht erhalten und mussten den vollen Tagespreis pro Tag bezahlen. Anscheinend bekommt man das nur, wenn man über die Website der Marina bucht und gleich bei der Ankunft für 10 Tage im Voraus bezahlt. Das steht nirgends und bei der Anmeldung hat uns keiner darauf hingewiesen. Unser 10-Tages-Ticket läuft von 16.03. bis 26.03.2015. Wir begaben uns ebenfalls zum Office. Auch wir sollten den vollen Tagespreis bezahlen, obwohl ich per E-Mail vorreserviert, sogar die Kreditkartendaten mitgeteilt und gleich bei der Ankunft auf das Anmeldeformular den 26. als Abreisetag angegeben hatte. Gleiches Argument wie bei Franz: Bei Ankunft sofort im Voraus bezahlen. Walter war so bocksauer, dass es eine ziemlich laute Auseinandersetzung mit dem Marinamanager gab. Wir erhielten schließlich den 10-Tages-Preis und beschlossen sofort die Marina zu verlassen und ins Ankerfeld zu gehen. Franz bekommt noch 3 Gratisliegetage, weil er die Rechnung bereits bezahlt hatte und ein Storno nicht möglich war. Die Nacht im Ankerfeld war zwar unruhiger als in der Marina, aber das war es uns wert. So geht´s ja auch nicht.
Am Freitag früh legten wir trotz suboptimaler Windprognose (zu viel Süd mit drin) in Richtung Statia ab. Es wurde ein harter Anwindkurs und wir kniffen Höhe was das Zeug hielt. Gegen 16:30 waren wir vor Oranjestad in der Oranjebaai (Statia ist holländisch). Außer uns waren nur noch zwei Segler in der Bucht, wir brauchten nicht zu ankern, es gibt Moringbojen. Sehr einladend sieht es hier nicht aus. Nördlich von uns ist die Ölpier und einige Tanker und Frachter liegen auf Reede. Von einer holländischen Kleinstadt kann ich vom Ankerfeld aus nichts erkennen. Abwarten bzw. schaun mer mal.

St. Martin_6
Es wird Zeit den Bug wieder nach Süden zu drehen. St. Martin ist für diese Saison unser nördlichster Punkt. Heute und morgen hat der Wind eine leichte Südkomponente, sodass wir noch nicht lossegeln können. Am Samstag dann. Wir liegen schon wieder viel zu lang in der Marina und unserem Schiff ist ein Bart gewachsen. Der Bart muss ab. Mit dem Holzbratenwender und dem Plattenfender (zum Draufliegen) bin ich ins Hafenwasser und habe den Algenbart abgeschabt. Es gibt angenehmere Badevergnügen, aber was sein muss, muss sein.
Die befreundeten Schiffe ziehen ebenfalls weiter, die Amazone und die Lubini nach Nordwest und anschließend zurück nach Europa, die Maeva piti und die Aphrodite ebenfalls nach Süd um rechtzeitig aus der Hurrikane Zone zu kommen. Man sieht sich wieder. Heute habe ich von der Themi eine E-Mail bekommen. Markus wird Anfang Mai wieder in die Karibik fliegen, wir treffen uns hoffentlich in Grenada.
St. Martin_5
Es gibt Wahrscheinlichkeitrechnungen die gegen Null gehen, und genau so eine Rechnung haben wir heute angestellt. Sieben Personen weißer Hautfarbe stehen nachts um 12 Uhr auf St. Martin, in Grand Case an der Kreuzung und warten auf einen Bus, der nicht mehr fährt, oder ein Sammeltaxi oder einen Autofahrer, der Anhalter mitnimmt. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass die Sieben anders als zu Fuß zurück in die Fort Louis Marina kommen. Auch ist mehr als unwahrscheinlich, dass alle als Anhalter weiterkommen.
Es war so, dass Angela, Cordula, Elke, Andreas, Eric, Franz und Walter beschlossen hatten, gemeinsam einen Abend in Grand Case zu verbringen. Grand Case ist die nächste Bucht, die hinter dem Hügel, Luftlinie 5 Kilometer entfernt liegt. Es gibt einen Sandstrand, viele Strandbars mit Livemusik und auch einen ganzen Straßenzug mit verschiedenen Restaurants. Die Fahrt dorthin mit dem Sammeltaxi kostete pauschal 40 € (für 6 Kilometer), der Preis, der zunächst ausgerufen wurde war 8 € pro Person, Andreas verhandelte geschickt und der Preis wurde Zug um Zug reduziert.
Grand Case scheint das Sonntagsausflugsziel der halben Insel zu sein, die Restaurants waren sehr gut gesucht und aus allen Ecken wummerten die Bässe. Mitten im Dorf gibt es ein sehr ursprüngliches Restaurant mit Holzbänken und Holztischen. Es sieht eher aus, wie ein Busterminal, ohne Außenwände, das Dach von Säulen getragen. Der riesige Grill steht mitten drin. Es gibt Fisch, Langusten und gegrillte Rippchen. Das Bier gibt es direkt aus der Flasche, so ist es am hygienischsten. Die Qualität der Speisen war überraschend gut, mein Snapper war um einiges besser als der hier im Yachtclub. Nach dem Abendessen zog die Karawane in die nächste Strandbar mit Livemusik um dort, direkt am Wasser den schönen Sonntagabend zu genießen. Irgendjemand hatte wohl an der Uhr gedreht, denn es war kurz vor 12 Uhr als wir den Heimweg antraten. „Unsere“ Strandbar war die einzige, die noch offen hatte, der Rest des Dorfes nahezu ausgestorben. Zwei Großraumtaxis parken direkt vor der Strandbar, wohlwissend, dass hier die Gäste irgendwie und irgendwann nach Hause wollen. Der Preis war jetzt auf 80 € gestiegen und die Taxifahrer waren gnadenlos und nicht zu erweichen. Konsequenter Weise ließen wir das Taxi stehen, so geht’s ja auch nicht. Und so kam es, dass nachts um 12 Uhr sieben Weiße an der Kreuzung standen und sich Gedanken machten, wie sie nach Hause kommen könnten. Ein Linienbus fuhr vorbei, hielt trotz Winken nicht an. Ein Sammeltaxi fuhr vorbei, die Hampelmänner an Straßenrand missachtend. Wir versuchten es mit Trampen. Sieben Leute! Viele Autos fuhren vorbei, was ja auch absolut verständlich war. So standen wir da und gewöhnten uns an den Gedanken, die Strecke zurück zu Fuß zu bewältigen. Bis dann plötzlich, eine dieser von uns sonst so verschmähten Großraumlimousinen anhielt. Der Fahrer ließ die Scheibe herunter und Andreas fragte ob wir mitfahren könnten. Auf die Gegenfrage wie viele Personen antwortete Andreas wahrheitsgemäß SIEBEN !! OK, no Problem war die Antwort des farbigen Autofahrer. NO PROBLEM das muss man sich ganz deutlich vorstellen: Es ist nachts um 0:30 Uhr, da stehen SIEBEN Personen und wollen in die nächste größere Stadt. Es fährt kein Bus und kein Taxi mehr und dieser freundliche Autofahrer hat kein Problem mit uns „SIEBEN“. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass in Deutschland mitten in der Nacht ein Weißer sieben Schwarze in die nächste Stadt gefahren hätte.
St. Martin_4
St. Martin/Sint Maarten
Nach dem unappetitlichen Thema gestern war es an der Zeit, uns wieder angenehmeren Dingen zuzuwenden. Antje und Ingo (Segelyacht Amazone) haben uns um 10 Uhr in der Marina Fort Louis mit dem Mietwagen abgeholt. Inselrundfahrt. Zuerst ging es rüber nach Holland zum Juliana Airport, genauer gesagt in die Maho Bay. Direkt hinter der Landebahn, nur durch einen höheren Gartenzaun getrennt, befindet sich der Strand.

In der rechten und linken Ecke der Bay gibt es jeweils eine Strandbar. Mittig in der Bay wäre es zu gefährlich, weil die Düsenflieger nur einige Meter über dem Strand auf die Landebahn zusteuern und die Dachplatten bzw. die Palmwedel weggewirbelt würden. Krass sind die Starts, hier entsteht ein regelrechter Sturm, der die Badegäste ganz schön durcheinander wirbeln kann.

Es gibt witzige Youtube Videos vom Princess Juliana International Airport in Sint Maarten.
Danach sind wir nach „Frankreich“ rüber um den höchsten Berg der Insel, den Pic du Paradis (424 m) zu besteigen. Na ja, wir sind mit dem Auto bis auf 400 Meter rauf gefahren und die letzten 24 Meter zu Fuß gegangen. Vom Pic gibt es einen fantastischen Blick bis rüber nach St. Barth.

Unser nächster Halt war in der Anse Marcel. Hier gibt es einen putzigen Yachthafen und zwei Ressorts, die jedoch ziemlich verlassen (nicht heruntergekommen, nur wenig besucht) aussahen. Es ist uns zum ersten Mal passiert, dass uns die Security Schranken aufgezeigt hat und wir uns nicht frei bewegen konnten. Die Strandbar durften wir besuchen, die wollten ja auch nur unser Bestes.
Anschließend rundeten wir den Nordteil der Insel und machten auf der Ostseite am Oyster Pond einen weiteren Stopp. Hier ist die Captain Olivers Marina, die zwar nicht sehr frequentiert, aber doch belebt war. Jetzt waren wir schon wieder in „Holland“ und besuchten anschließend die Hauptstadt Philipsburg. In der Groot Baai lag ausnahmsweise kein Kreuzfahrtschiff! Das ist insofern bemerkenswert, weil, als wir am Montag dort vorbeisegelten, vier von den Kolossen am Anleger lagen. Entsprechend gemütlich ging es heute in Philipsburg zu. Wenn die Einwohner von vier Dörfern (Kreuzfahrern) in ein Städtchen wie Philipsburg einfallen, geht es zu wie auf einem Jahrmarkt. Zum Ausklang des Tages ging es in die Cole Bay, ins Lagoonies. Hier trifft sich die Seglerszene am Abend bei Livemusik und Cocktails.
Der Lacher des Tages war, dass Walter bei einer Promotionaktion den Hauptgewinn gerubbelt hatte. Kaum waren wir aus Oyster Pond rausgefahren, standen zwei hyperaktive Jungs am Straßenrand und hielten uns an. Sie machten gerade eine Promotionaktion und ehe wir reagieren konnten, hatten wir vier Rubbellose im Auto. Antje, Ingo und ich hatten je zwei gleiche Symbole und Walter hatte drei Mal die Sieben. Jackpot. Entweder 1000 US $ in Bar, oder Luxusurlaub 5 Tage für 2 Personen auf St. Maarten, oder eine Video Kamera, oder Sonntagsbrunch für 2 Personen im xxx 5 Sterne Hotel. Aber nur, wenn der Gewinner über 30 Jahre alt, verheiratet, im Besitz einer gültigen Kreditkarte ist, ein Mindesteinkommen US $ 50.000,000 p.a. und an einer 90 minütigen Präsentation teilgenommen hat. Außerdem in einem Hotel oder Haus auf St. Maarten wohnt oder Urlaub macht. Das stellte uns jetzt vor ein echtes Problem, mindestens zwei der Kriterien konnten wir nicht erfüllen. Die 90 minütige Präsentation lief nur noch 20 Minuten und eine Segelyacht ist kein Haus oder Hotel. Also nichts mit JACKPOT! Walter verzichtete großzügig auf den Gewinn und der Promoter sackte zur Sicherheit umgehend Walters Rubbellos ein, frei nach dem Motto gehen sie nicht über Los und ziehen sie auch keine US $ 1000,00 ein, sondern begeben sie sich direkt …
Wir sind zwar über 30 Jahre alt, aber ganz doof sind wir ja nun auch nicht. Wir sollten wohl Anteile an einer Appartementanlage zeichnen, gleich die Provision mit der Kreditkarte abdrücken und die Ehefrau eine Bürgschaft unterschreiben.
St. Martin_3
St. Martin
Von St. Martin haben wir noch nicht viel gesehen. In Marigot, der Hauptstadt des französischen Inselteils, gibt es alles, was es in einer französischen Kleinstadt auch gibt: Erstklassige Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte, Schiffsausrüster, nette Restaurants.
Am Dienstag war wieder mal Großputztag. Wir lagen letzte Woche im Hafen von St. Kitts an der Innenseite unterhalb vom staubigen Parkplatz. Der Wind hatte uns den Staub und den schwarzen Vulkansand durch alle Ritzen ins Schiff geblasen. Überall knirschte und scheuerte es. Alles musste abgesaugt und feucht gewischt werden. In der Küche und im Salon mussten auch alle Schränke ausgeräumt und feucht ausgewischt werden. Eine schweißtreibende Aktion. Anschließend wurde das Schiff außen vom Sand und den Salzkristallen befreit. Abends waren wir so fix und fertig, dass wir nicht mehr ins Städtchen gingen.
Am Mittwoch ging es grad so weiter. Dinghi vom Sand und Salz befreien. Da wir das Dinghi nie hinter dem Schiff herziehen, sondern immer die Luft rauslassen und in den Dinghisack stauen, hatte sich bereits am Dinghi und im Sack eine richtige Salzschmiere gebildet. Dass das dem Material noch weniger gut tut, als die aggressive Sonneneinstrahlung ist klar. Also Dinghi auf den Steg gewuchtet, mit der Bürste, viel Wasser und Neutralseife bearbeitet, den Dinghisack gewaschen und alles zum Trocknen auf den Steg gelegt. Am Abend gab es zur Belohnung ein marokkanisches Abendessen in Marigot. Cordula und Andreas von der Segelyacht Aphrodite hatten ganz klar erkannt, dass wir uns ein besonderes Abendessen verdient hatten und uns gefragt, ob wir Lust hätten mitzukommen. Wir haben es nicht bereut! Das Restaurant Marrakesch liegt an der Hauptstraße, die durch Marigot führt. Von außen völlig unscheinbar, aber innen Orient pur. Bleiglasfenster, tolle Lampen, Teppiche auf dem Boden, bequeme Sofas und Sessel mit bunten Seidenkissen und sonstiges orientalisches Inventar, ein luftiger bepflanzter Innenhof zum Draußensitzen. Auch des Essen war sehr lecker, gut gewürzt, aber nicht überwürzt oder scharf. Alfons Schubeck hätte auch seine Freude gehabt. Danke an Cordula und Andreas, ohne euch hätten wir uns nie auf dieses fremde kulinarische Gebiet gewagt.
St. Martin
Über die kleinen Probleme von Langzeitseglern,
Ja, natürlich die gibt es und bevor wir in den Verruf geraten nur all zu positiv zu berichten nehme ich mich diesem Thema einfach mal an.
Schon in St. Cruz auf La Palma machte in der Odysseyfamilie die Stechmückenplage in der Karibik die Runde (das Chikungunyafieber, durch das Chikungunya-Virus ausgelöste, mit Fieber und Gelenkbeschwerden einhergehende tropische Infektionskrankheit, die durch Stechmücken übertragen wird). Dies hat uns nicht sonderlich erschreckt, hatten wir doch zwei Flaschen ANTI-BRUMM mit an Bord. So sahen wir uns gerüstet gegen jeglichen Mückenangriff. Heute muss ich zurück denken, wie es war, als wir vor über DREISSIG Jahren mit einem selbstausgebauten Campingbus, mit Ingrid und Rainer nach Skandinavien gefahren sind. Auch dort ist die Mückenplage, ich glaube heute noch, ein großes Thema. Damals sind wir in den erstbesten Supermarkt gegangen und während Ingrid und Elke fein säuberlich jede Etikette und Beipackzettel gelesen haben, hat sich Rainer nur vor dem Insektenmittelregal aufgestellt und beobachtet was die Leute so kauften. Das Ergebnis hieß damals MÜCKSPIRALER (Mückenspirale). Diese Spirale zündet man an und ähnlich einem Räucherstäbchen verbreitet diese Spirale einen Duftdunst, der entweder nach Zitrus oder Geranium riechen soll. In Wirklichkeit stinkt und raucht es einfach.
Nun mittlerweile sind die Antibrummflaschen leer, einheimische Produkte haben nicht sonderlich gut gewirkt, wir schlafen seit wir hier sind unter einem Moskitonetz, werden dann eben in der Dämmerung gestochen. So finden wir uns immer häufiger im Supermarkt, mit aufmerksamen Blicken am Insektenvernichtungsregal, wieder. Und heute hier auf St. Martin, nach über dreißig Jahren und eigentlich schon von jeder Gesundheitsbehörde verboten, finden wir sie wieder die MÜCKSPIRALER!!!
Es stinkt Gotts erbärmlich nach Weihrauch—aber es wirkt! Gott sei Dank!
St. Maarten/St. Martin
Wir haben den rolligen Ankerplatz in St. Barth am frühen Morgen verlassen um nach St. Maarten/St. Martin zu segeln. St. Maarten ist niederländisch und St. Martin ist französisch, es ist eine Insel, beide Inselteile sind Teil der EU. Sehr angenehm für uns in Bezug auf die Einreise- und Zollbestimmungen. Seit vielen Wochen haben wir seit heute wieder eine Schwachwindphase, unter 4 Bft. Wir rollten unsere Genua voll aus und der Motor lief mit niedriger Drehzahl mit. Unser im Jahr 2014 gekauftes Hafenhandbuch ist leider nicht mehr so ganz auf dem Laufenden (Ausgabe 2007 – beim Kauf gepennt), sodass wir uns unsicher waren, wie wir auf der niederländischen Seite in die Simpson Bay Lagoon reinkommen. Seeseitig ist eine Brücke, die für die Durchfahrt geöffnet wird. Unser Handbuch scheibt, dass man seeseitig vor Anker geht, mit dem Dinghy (ist gerade ganz schlecht, weil platt im Dinghysack verpackt und im Vorschiff ruhend) zum Zoll und zur Brücke fährt, die Brückendurchfahrt bezahlt und dann mit der nächsten Brückenöffnung in die Lagoon rein darf. So viel Ungeklärtes und deshalb fiel der Entschluss nicht nach Holland, sondern kurzerhand nach Frankreich, in die Marigot Bay, zu segeln. Hier in der Fort Louis Marina waren Liegeplätze frei und wir wollten mal wieder in Ruhe durchschlafen, keinen Ankeralarm aktivieren, keine Ankerwache durch die Nacht, Wasser tanken und zu Fuß an Land gehen. (Nach drei Tagen am Anker, ein Witz – aber wir sind verwöhnt, muss ich leider zugeben). Es ist ruhig wie im Ententeich und es gibt herrlich knuspriges Baguette und frischen Schinken und Obst und Gemüse und Käse und Wein… wie in Frankreich eben. Viele denken, dann wären sie doch in Europa geblieben, wenn alles so sein soll wie zu Hause. Nein, soll es eben nicht, aber wenn es hier so ist, darf man/frau es durchaus auch genießen.









