Roscoff

Roscoff wird bis auf weiteres die einzige Stadt sein, die wir uns nicht ansehen werden. Heute früh sind wir von Lézardrieux weg und gegen 18 Uhr hier in der neuen Marina Roscoff angekommen. Die Ausfahrt aus Lézardrieux, den Fluss Trieux runter, war von der Landschaft her ein Genuss. Zudem hatten wir wieder bestes Sonnenscheinwetter, leider auch mal wieder wenig Wind. Die Gesamtstrecke betrug ca. 50 Meilen, wir hatten 6 Stunden mitlaufenden Strom. Anfangs hatten wir von der vorherigen Nacht noch eine üble Restwelle aus Nordost, exakt von hinten, sodass es uns ziemlich hin- und her geschleudert hat. Das Großsegel haben wir flott wieder eingeholt und sind die Strecke nur mit dem Vorsegel, zeitweise mit Motorunterstützung gesegelt. Das Einlaufen in die Marina Roscoff war schwierig, da wir halbe Tide hatten und abartig viel Strömung im Bereich der Besucherplätze stand. Die erste anvisierte freie Box hat Walter flott wieder rückwärts verlassen, da uns der Strom quer gestellt hatte. Wir sind dann mit Rückwärtsfahrt gegen den Strom an den Kopfsteg ran, das ging verhältnismäßig geordnet. Die Marina ist wie geschrieben ganz neu, dementsprechend sauber sind die Anlagen innen und außen. Auf einen Stadtbummel heute Abend müssen wir verzichten, da wir morgen gleich weiter wollen nach Brest. Das sind um die 70 Meilen, für die Nichtsegler also rund 130 Kilometer. Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass man mit dem Mofa von Stuttgart aus nach Memmingen im Allgäu fährt. Das dauert… Den halben Nachmittag habe ich damit zugebracht Strömungstabellen für die entsprechenden Wegpunkte unserer Strecke rauszusuchen, habe die Tidentabellen gesichtet, Tabellen geschrieben und Wind sollten wir ja auch haben. Die kritische Stelle morgen ist der Chenal du four zwischen der Ill d´Quessant bzw. den vorgelagerten Unmengen von Untiefen und Rocks und dem Festland. Hier muss der Strom mitlaufen, sonst stehen wir auf der Stelle. Erste Priorität hat die Strömungsrichtung, dann die Tide wegen der Wassertiefe und dann erst die Windrichtung. Wenn die Windrichtung nicht passt und es nicht gar zu toll auf die Nase bläst, kann immer noch der Motor schieben, wenn Ebbe ist, können manche Passagen gar nicht befahren werden und wenn Gegenströmung herrscht, steht man auf der Stelle. Ist also recht spannend hier, aber wir sind auch froh, wenn wir den Englischen Kanal verlassen können.

Lézardrieux

Heute um 8 Uhr, also zu sehr moderater Zeit für ein Tidengewässer sind wird aus St. Peter Port ausgelaufen. Es gibt Leute, die meinen, wir hätten so lange gewartet, weil wir als Langschläfer vor 8 Uhr keinen Durchblick hätten. Es ist schon was dran, morgens zu nachtschlafender Zeit einen Schlafanzugstart hinzulegen, das liegt uns tatsächlich nicht so. Die Tagesstrecke nach Lézardrieux (Bretagne) war um die 50 Seemeilen – also ebenfalls moderat. Die „Marina“ Lézardieux liegt rund 6 Seemeilen aufwärts im Fluss Trieux. Die Flusslandschaft ist wunderschön anzuschauen, leider konnten wir aus zwei Gründen keine Fotos machen. Erstens hat es angefangen zu regnen und zweitens hat unser Raymarine Seekartenplotter selbst tätigend auf Nachtdisplay umgeschaltet und war absolut nicht dazu zu bewegen, wieder „Tag“ zu machen! Sogar das Raymarine Handbuch durfte herhalten, wir haben alles versucht, Hintergrundbeleuchtung auf ganz hell und die Palette auf „Tag“ eingestellt – nur der Plotter hatte heute keinen Bock und hat unsere Befehle verweigert. So haben wir nach klassischer Art terrestrisch navigiert (das Hand GPS lief mit) und haben die Seekarte mit an Deck genommen und die Seezeichen abgehakt. Wir sind sicher angekommen. Hier wartete ein neues Problem auf uns: Wir wollten an den Besuchersteg mit Landzugang und nicht im Fluss an eine Boje (Dinghyfahren ist noch nicht so unser Favorit). Der Besuchersteg war jedoch bereits voll und an eine andere Stelle in der „Marina“ konnten wir aufgrund unseres Tiefgangs nicht hin – genau genommen gibt es für Schiffe mit 2 Meter Tiefgang nur eine Handvoll Plätze mit Landzugang. Vor uns ging eine Yacht an eine andere längsseits und wir haben beschlossen, am nächsten Zweierpäcken noch längsseits zu gehen. Es sind zwei sehr stabile Contest-Schiffe, denen es mit Sicherheit nichts ausmacht, wenn noch eine Sunbeam dranhängt. Leider haben wir die Rechnung ohne den Holländer gemacht, der als erstes am Steg lag. Wir hatten trotz Strömung ein sauberes Anlegemanöver hingelegt und waren grade dabei noch eine lange Landleine auszubringen, als die Holländer vom Einkaufen zurück kamen. Es ist uns noch gar nie nicht passiert, dass wir von Seglern rüde angepreit wurden, aber dieser Holländer (eher die Frau) hatte heute einen schlechten Tag und wollte uns in der Tat verjagen. Das Argument, dass wir nirgendwo anders hingehen können, war ihnen egal. Wir sollten uns in den Fluss an eine Boje legen, oder an den Besuchersteg mittig im Fluss ohne Landgangmöglichkeit. Mittlerweile hat es gegossen wie aus Kübeln, sodass sich die Kontrahenten verzogen haben. Walter zum Hafenmeister, die Holländer und ich unter Deck – und da sitzt der Holländer jetzt noch und wir sind immer noch fest. Dem Hafenmeister war es auch egal, er hatte um 18:47 (ehrlich!) Feierabend und hat grade noch die Hafengebühr kassiert und ist nach Hause gegangen.

Guernsey_fire brigade

Von den Wehren gibt es ja etliche Geschichten über deren Arbeit zur Brandbekämpfung, vor allem danach. Ich möchte eine hier auf Guernsey erlebte hinzufügen.
Gestern Morgen bemerkte ich weit entfernt eine Läufergruppe die Hauptstraße entlang Richtung Hafen joggen. Ich dachte mir noch: Da habe ich mal wieder etwas nicht mitbekommen, denn die Jogger waren durch einen großen Feuerwehr-LKW gesichert. Hinter dem LKW strampelte noch ein uniformierter Bobby auf seinem Dienstfahrrad und schirmte das Feld gegen den rückwärtigen Verkehr ab. Als die Gruppe nun näher kam, bemerkte ich eine armdicke Hanftrosse zwischen den Läufern und dem Feuerwehr-LKW. Das Ganze war keine Laufveranstaltung, sondern eine Art Highland Game der hiesigen Fire Brigade. Etwa 20 Feuerwehrmänner schleppten im Laufschritt ihr Einsatzfahrzeug durch St. Peter Port. Ich schnappte sofort meine Kamera, aber bis ich auf der Straße ankam hatten die Feuerwehrmänner ihr Dienstfahrzeug bereits ordnungsgemäß eingeparkt und machten sich nun an die Brandbekämpfung. Auf meine Frage an einen der Männer, was das Ganze auf sich hätte, antwortete dieser nur etwas von wegen das sei lustig und würde allen viel Spaß machen; dann kam die Eimerdusche vom Kollegen und das Gespräch war zu Ende.

Guernsey_Hafenkino

Uns gefällt es sehr gut auf Guernsey, aber nicht nur deshalb sind wir nun fast schon eine Woche hier. Walter hat sich einen Infekt eingefangen, ist nicht voll einsatzfähig und soll sich hier erholen. Deshalb machen wir auch ein schonendes Tagesprogramm. Am interessantesten ist jedoch das Hafenkino! Vorstellungsbeginn: Immer 2 Stunden vor bis 2 Stunden nach Hochwasser (so vergeht auch viel Zeit). Filmtitel: „Reise nach Jerusalem“. Die Victoria Marina hat ein festes Fluttor, ein Süll mit einer Höhe von 4,2 Metern (von draußen gesehen). Was gewährleistet, dass bei Ebbe nicht das komplette Wasser aus dem Hafen raus schießt. Im Hafenbecken ist eine Wassertiefe zwischen 1,20 und knapp über 2 Meter.Über dem Süll an der Hafeneinfahrt steht bei Hochwasser, je nach Tide zwischen 4 und 5 Meter Wasser, und demnach können die Boote erst raus oder rein, wenn genügend Wasser aufgelaufen ist. Zuerst verlassen die Motorboote mit geringerem Tiefgang unter mächtigem Einsatz von Bug- und Heckstrahlruder die Marina. Macht einen Höllenlärm. Danach kommen die Segler, mit erheblich weniger Einsatz von diversen Hilfsmitteln. Zwei Hafenmeister düsen mit ihren kleinen Motorflitzern nach draußen und lotsen die wartenden Boote eines nach dem anderen in den Hafen. Rein kommen zuerst die Motorboote mit geringem Tiefgang, dann nach und nach die Segelboote. Die Hafenmeister achten darauf, dass die Motorboote in der ersten Boxengasse zusammen sind, die zweite Boxengasse wird durchgemischt und ab der dritten Boxengasse liegen nur noch Segelboote. Das ist sehr gut durchorganisiert, weil die Boote meist im Päckchen liegen müssen und ein Segler schlecht an einem Motorboot festmachen kann. Zu unterschiedlich ist die Höhe des Aufbaus. Sehr unterschiedlich sind auch die Anlegemethoden, je mehr Leute auf den Schiffen sind, desto chaotischer ist es. Die Niederländer und Engländer sind am besten, ganz ruhig und souverän wird eine Leine ausgebracht, wenn die liegt ist alles klar und die finale Vertäuung findet anschließend sehr überlegt statt. Manche haben praktischerweise schon einen kleinen Tritt außenbords hängen, auf dem der Leinenmensch mit der ersten Leine steht und am Steg nur einen langen Schritt nach außen machen muss und nicht rüber springen muss. Diese Art will ich auch mal versuchen, indem ich den Fenderstep nach außen hänge – mal sehen ob es klappt. Am lautesten geht es bei den Franzosen zu – mit viel Blabla und Tärä wird angelegt. Bislang ist noch keiner ins Hafenbecken gefallen, am Ende liegen sie doch alle sicher und sind zufrieden.

Guernsey_buses.gg

Den Plan ein Fahrrad zu mieten haben wir schnell wieder aufgegeben, ein Auto zu mieten verbietet sich sogar. Unsere kontinentale Verkehrserziehung steht dem nämlich entgegen. In Guernsey herrscht Linksverkehr, wie im Mutterland. Die Autos haben das Lenkrad auf der falschen Seite und der ganze Zirkus dreht anders als zu Hause. Wollen wir eine Straße überqueren, sagt unser Männchen im Hinterkopf wie immer erst links dann rechts schauen. Auf Guernsey ein fataler Fehler, denn beim Linksschauen sieht man keine Autos, wenn man Glück hat sieht man eines von hinten, dann klingeln eben die Alarmglocken und man bleibt automatisch stehen. Läuft man los muss man einfach Glück haben, dass das Auto dann gerade nicht von rechts kommt von wo es hier immer kommt.
So haben wir uns für das Busfahren entschieden. Auf Guernsey gibt es nämlich ein gut verzweigtes und sehr gut organisiertes Busnetz. Die Busse sind zwar etwas geschrumpft, der Achsabstand und die Breite der Busse wurde den Straßenverhältnissen angepasst, so dass diese durch enge Kurven und Straßen unter Einbeziehung des Gehweges überall hinkommen. Im Inneren der Busse hat man aber das Prinzip der Außenhülle nicht weitergedacht und versucht auf kleinerem Raum genau so viele Sitze zu installieren wie bei der Originalgröße. So hat man als Passagier das Gefühl wie beim Vorschulelternabend in der Grundschule. Viel zu große Hinterteile drücken sich auf viel zu kleine Sitzmöbel. Die Fahrt ist aber grandios, es ist beeindruckend wie die Fahrer mit einer Bierruhe alle Engstellen, Serpentinen, Ortsdurchfahrten und Küstenstraßen meistern. Dabei fährt man durch eine wunderschöne Natur, hinter schweren Natursteinmauern sind überall Blumen gepflanzt und sehr viel Grün. Es gibt zwei Buslinien, die 91 und 92, die auf den Küstenstraßen in einer 1/1/2 Std. Rundfahrt die Insel umrunden. Die 91 fährt im Uhrzeigersinn, die 92 entgegengesetzt. Alle Linien beginnen und enden in St. Peter Port am Bus Terminal, keine zwei Minuten vom Hafen. Für uns also ideal um gefahrlos am Straßenverkehr teil zu nehmen.

Guernsey_Inselrundfahrt mit dem Linienbus

Direkt gegenüber der Victoria Marina ist der zentrale Busbahnhof von Guernsey. Eine Fahrt rund um die Insel mit der Buslinie 91 kostet 1 englisches Pfund pro Person. Günstiger kann sigh seeing nicht sein. Mit dem Inselplan auf dem Schoß können wir die Haltestellen abgleichen und im Touristenguide gleich nachlesen, was es an dem einen oder anderen Ort an Sehenswürdigkeiten gibt. Sehr schön ist die Westküste mit zerklüfteten Felsen im Wasser und dazwischen immer wieder feine Sandstrände. Überall stehen alte Fortanlagen (Fort Doyle, Fort Hommet, Fort Grey, Fort George usw.) aus den vorherigen Jahrhunderten und natürlich auch deutsche Befestigungsanlagen aus den Jahren 1940 bis 1945 – unglaublich, aber leider wahr. Auch Guernsey war okkupiert. Wir konnten aus Zeitgründen nicht zwischendrin aussteigen, weil wir zu spät dran waren. Wir hatten den halben Tag in St. Peter Port vertrödelt, unter anderem im Fotoladen (Walter + Canon) im Apple Store (Elke + IPad Air). Im Applestore hatten sie alle IPads mit Internetzugang, sodass wir wunderbar über den Währungsrechner die engl. Pfund in Euro umrechnen und in den entsprechenden deutschen Internetseiten die Europreise abgleichen konnten. Es lohnt sich nicht wirklich, hier zu kaufen, um die 10 % Ersparnis.
Außer uns sind in St. Peter Port auch viele Schüler in den Bus eingestiegen. Alle in tadellosen Schuluniformen. Jede Schule oder Schulart scheint eine andere Kombination zu haben. Sehr hübsch sind die grün-rot karierten Faltenröckchen (Mini) mit weißen Blusen und dunkelgrünem Blazer, dazu weiße Söckchen und schwarze Ballerinas. Die Jungs entweder in blauen Anzügen oder blauen Stoffhosen, weißen Hemden und grauen Sakkos. Das hat was! Nach und nach stiegen die Schüler vorne beim Busfahrer aus, wünschten einen schönen Tag und bedankten sich! Nach ¾ der Strecke waren nur noch 8 Leute im Bus: 6 deutsche und 2 schweizerische Touristen, die ebenfalls die Idee mit der Inselrundfahrt hatten.

St. Peter Port_WM Übertragung

Die ersten 2 Straßenzüge längs am Hafen bestehen aus: Kleiderboutiquen, Parfümerien, Juwelieren, Optikern und Fotoläden, Computerläden und Mobiltelefonläden. Zwischendrin Restaurants und Cafés. Viel weiter sind wir bislang noch nicht gekommen. Wir wollen uns das 2. WM Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana anschauen und machen uns auf die Suche nach einem Pub mit Fernsehübertragung. Dies gestaltet sich schwieriger als erwartet. Die erste Location, in der die Übertragung läuft, ist ein take away Pizzaladen. Da können wir schlecht 1½ Stunden glotzend davor stehen. In den Einkaufsstraßen läuft nichts. Wir gehen einige Straßenzüge weiter den Berg hoch und finden ein kleines Pub mit Fernsehübertragung. Wir sind drin und kämpfen uns mit einem Glas Heineken in der Hand vor den Bildschirm. In der ersten Halbzeit ist der Ton abgeschaltet – passiert ja auch nicht viel, außer dass Ghana verdammt gut drauf ist. In der zweiten Halbzeit, nach dem 1:0 für Ghana, interessieren sich doch einige der Gäste für das Geschehen in Fortalezza, nach und nach wird der Ton laut und die dröhnende Musik abgestellt. Es fällt das 1:1 durch Götze, noch haben die anderen Gäste uns nicht eindeutig zuordnen können. Das 2:1 durch Ghana wird von allen anderen, außer von uns, kräftig bejubelt. Nun sind wir als Deutsche identifiziert und erst recht, als ich meinen verhaltenen Jubel über Kloses Tor und den anschließenden Salto (wurde ihm das nicht vom Bundestrainer verboten?) nicht unterdrücken kann. Wir werden toleriert – wir sind ja auch die Senioren, die man nicht ganz so ernst nehmen muss. Dass die Einheimischen für Ghana sind, wundert uns nicht im Geringsten. Denkt man an die emotionsgeladenen Spiele der Engländer gegen die Deutschen ist es logisch.

Guernsey – Auszug aus dem Bordleben

Hier in St. Peter Port ist es sehr schön, alles sehr aufgeräumt, die Sonne scheint und die Kirchenglocken läuten wie zu Hause, doch die Zeit scheint etwas stehen geblieben zu sein. Natürlich fahren die neuesten Autos durch die Straßen und es gibt auch ein Neubaugebiet, aber irgend wie atmet hier noch alles die Luft der 50iger Jahre. Ich will das an einem Beispiel erklären. Wie überall in den Marinas gibt es auch hier in der Viktoria Marina Waschräume. Die sehen hier very british aus (sehr sauber und nach Chlor riechend) und das wie gesagt im Stil der 50ziger Jahre. Die jüngere Generation unter uns wird sich wohl bei dem Begriff Einhebelmischer keine großen Gedanken über Sinn und Zweck dieser neuzeitlichen Erfindung machen. Hier in St. Peter Port stehe ich bei meiner bevorstehenden Nassrasur vor der Frage: „Wie soll das gehen?“ Ich stehe vor dem Waschbecken, vor mir zwei Wasserhähne mit einem Drücker, um Wasser auszulassen. Einer für Kaltwasser der andere natürlich für Warmwasser, um besser zu sagen um fast kochend heißes Wasser. Man hat also die Wahl zwischen Frostbeulen oder Brandblasen. Hat man den Rasierschaum mal im Gesicht und ist mit dem Nassrasierer über alle zu rasierende Flächen, spült man die restliche Seife vom Gesicht. Aber wie? Erster Versuch: Ich drücke beide Wasserhähne gleichzeitig und forme mit den Händen eine Schale. Zuerst warm geht nicht, das würde eine sofortige Brandblase nach sich ziehen, also zuerst kalt dann warm. Wie immer die Mischung macht´s. Bis ich die Seife aus dem Gesicht habe kann ich die Gabe von Kalt- und Warmwasser richtig einschätzen. Die Schlauen unter uns werden nun sagen: „Wie umständlich, einfach den Stöpsel reinstecken und entsprechend das Wasser einlaufen lassen“. Stimmt, aber was tun wenn kein Stöpsel da ist??? So nun tretet in Zukunft eurem Einhebelmischer mit etwas mehr Respekt gegenüber, auch wenn ihr fast immer einen Stöpsel haben solltet.

Alderney Braye Harbour

Wir hatten gestern eine unproblematische Überfahrt von Cherbourg nach Alderney. Von den Races (Wasserstrudeln) und starken Strömungen die hier im Alderney Race und in der Swinge vorherrschen haben wir kaum was mitbekommen. Es hatte ja auch sehr wenig Wind und wir sind bei Stillwasser durch die berüchtigten Zonen gefahren mit dem Ergebnis, dass wir bei der Ansteuerung von Braye Harbour bereits etwas Gegenstrom hatten. Das war zwar nicht unbedingt so geplant, eigentlich wollten wir schon den Schiebestrom voll ausnutzen, aber allen Berechnungen zum Trotz und auch wegen des Windes (zu schwach) waren wir zu langsam und somit eine Stunde zu spät dran. Bei der Ankunft im Ankerfeld von Braye haben wir uns gleich die nächstbeste Boje geschnappt und haben festgemacht. Der freundliche Hafenmeister kam mit seinen Boot längsseits und hat uns mit „wie geht´s“ auf Deutsch begrüßt und wir hatten gleich das Gefühl, hier willkommen zu sein. Die Einklarierungsformulare hat er uns ausgehändigt, mit der Bitte, sie später in den gelben Briefkasten am Dinghy-Anleger zu werfen. No problem! Walter hat aus der guten Laune heraus noch die gelbe JAZZCLUB-ARMER-KONRAD-Flagge am Vorstag rauf gezogen. In diesem Jahr ist ja schließlich die 500-Jahrfeier zu Ehren des Armen Konrads. Unsere Dinghy-Aufpump-Aktion hat gefühlte 3 Stunden in Anspruch genommen. Der Außenborder für das Dinghy ist in der Tat sofort angesprungen (gute Winter-Wartung bei der Honda-Marine-Vertretung bei uns zu Hause in Waiblingen) und so kam ich zur Dinghy-Fahrt-Premiere mit dem eigenen Dinghy. Wir sind trocken am Steg angekommen und nach unserem Spaziergang nach St. Anne war das Dinghy samt Motor auch noch am Steg. Diebstahl ist hier offensichtlich kein Thema, außer unserem Dinghy war keines angekettet und abgeschlossen.
St. Anne ist eine Kleinstadt im englischen Stil. Leider haben wir keinen homemade cake und keine scones bekommen – auch hier ist die Touristensaison noch nicht voll angelaufen. Zurück auf dem Schiff haben wir den Abend gemütlich ausklingen lassen. Mit der Gemütlichkeit war es ab Mitternacht schlagartig vorbei. Mit 5 Beaufort hat es geblasen und zwar aus Nordost, genau aus der Richtung, in der der Braye Harbour offen ist. Kirmes und Achterbahn durch die Nacht. Am schlimmsten hat es das Dinghy, das am Heck angebunden war, herumgeschleudert. Wir hatten Sorge, dass es sich mit dem schweren Außenborder am Heck einfach umdreht und samt Motor kieloben schwimmt. Näher zum Schiff herholen war auch keine Lösung, weil es sich dann unter der Aries-Windfahnensteuerung verkeilt hat. Das Dinghy hat die Nacht überlebt, der Motor auch. Wir sind ziemlich gerädert und entsprechend gedrückt ist die Stimmung. Nachdem wir den Dinghy-Außenborder wieder sicher an Deck hatten, haben wir uns in eine etwas ruhigere Ecke des Braye Harbours verlegt. Mal sehen, was der Tag noch bringt.

Mont Saint Michel und St. Malo

Der zweite Teil der Normandie-Rundreise geht in die Region Basse Normandie und ein kleines Stück in die Bretagne. Zunächst, absolutes Touristenpflichtprogramm: Der Mont Saint Michel. Die Touristenströme werden weit vorher abgefangen und auf riesige Parkplätze gelotst. Von hier aus kommt man mit dem Shuttlebus über den Damm zum Mont Saint Michel. Am Fuße des Klosters reihen sich Souvenirläden, Restaurants und Bars lückenlos aneinander. Voll und ganz auf die Bedürfnisse der Touristen eingestellt. Mit jeder Treppenstufe, die wir hochsteigen (gefühlte 1000) wird es leerer. Wir lösen die Eintrittskarte zum Benediktinerkloster und nehmen einen Audioguide. Für die nächsten zwei Stunden lassen wir uns bis ins Jahr 708 n.Chr. zurück versetzen. Unheimlich beeindruckend und alles sehr schlicht, kein Blattgold, kein Marmor und keine sonstigen Edelsteine. Eine unglaubliche architektonische Leistung, auf einem Felsen ein derartig kolossales Bauwerk zu errichten. Im nicht öffentlichen Teil des Klosters leben heute noch Mönche und Nonnen, die mit Sicherheit froh sind, wenn sich um 19 Uhr die Tore schließen.
Zurück auf dem Parkplatz zahlen wir für 3 Stunden parken 12,30 €, aber das relativiert sich, wenn man bedenkt, dass der Busshuttle gratis ist.
Weiter geht es nach St. Malo, im nördlichsten Zipfel der Bretagne. Die Altstadt ist umgeben von einer Festungsmauer, uralte Häuser, Türmchen und natürlich Kirchen. Alles erhalten und ebenfalls sehr gut für die Touristen aufbereitet. Trotzdem hübsch und sehenswert. Verhungern muss hier auch niemand, denn entlang der Stadtmauer/Festungsmauer reihen sich lückenlos die Créperien und Restaurants, die überwiegend Meeresfrüchte und bretonische Spezialitäten auf der Karte haben. Den ganzen Tag war es trüb, kalt und windig, aber passend zum Fotoshooting zeigt sich die Abendsonne und taucht alles in ein wunderbares Licht.
In den zwei Tagen sind wir über 900 Kilometer mit dem Auto durch das Land gefahren und es hat sich wahrhaftig gelohnt.