Advent

2. Advent
Es fühlt sich schon irgendwie unecht an, wenn bei 20 Grad die Menschen in kurzen Hosen und T-Shirt am (Plastik-)Weihnachtsbaum und an Leuchtsternen vorbei flanieren. Auf manchen Schiffen wird die Adventszeit gefeiert. Die französischen Nachbarn feiern den Nikolaustag mit Nikolausmützen, Glitterketten, Weihnachtskugel-Ohrringen und Tannenreisig im Haar. Ganz schön irreal.
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Seit Samstagabend sind wir in der Marina Tazacorte auf der Westseite von La Palma. Das Marinaoffice hat leider bis Dienstag früh geschlossen, weil auf den Kanaren am Montag ein Feiertag ist. Es ist sehr ruhig im Hafen, kein Schwell und Einrucken in die Festmacherleinen. Der Hafen hat in den letzten Jahren eine riesige neue Betonaußenmole erhalten (EU finanziert), sodass die heranrollenden Atlantikwellen gut ausgebremst werden. Es war geplant, dass auch Fähren den Hafen anlaufen, aber keine Gesellschaft wollte nach Tazacorte. Alles geht hier über Santa Cruz de La Palma. Auf den Kanaren heißt alles Santa, La Palma, Las Palmas,Santa Cruz oder Puerto Cruz. Total verwirrend. Wir mussten erst mal die Pläne der sieben Kanareninseln verinnerlichen, um zu verstehen, von welcher Insel und von welchem Hafen die Leute eigentlich reden. Es kommen ja auch noch die Sprachprobleme, beiderseits, dazu. Die meisten Spanier sprechen noch schlechter Englisch als wir, die französischen Segler sprechen wider Erwarten ein gutes Englisch, sodass Konversation durchaus möglich ist. Hier im Hafen befindet sich fast schon eine deutsche Kolonie. Um uns rum liegen Chulugi (Bremerhafen), Dörtie (Emden), Helios (Burgtiefe), Volker von Alzei (Norddeich), Rosanna (Hamburg), Salida (Hamburg) und am Nachbarsteg auch noch welche. Sprache – kein Problem. Schwäbisch ist halt doch ne Weltsprache und wird auch auf den Kanaren verstanden!

La Gomera adieu, La Palma wir kommen

Die Frage, wo wir die Sunrise nun auf La Gomera aus dem Wasser holen, hat sich dann ganz schnell beantwortet; nämlich durch unseren vorzeitigen Aufbruch nach La Palma.
Es waren da einige Möglichkeiten, wie z.B. in Porto Santiago auf La Gomera, was aber nur bei ganz ruhigen Wetter möglich ist. Leider ist der Kran dort nicht einsatzbereit und muss erst repariert werden. Oder nach einer Überfahrt nach Tenerife in Los Christianos. Der Kran hätte funktioniert, aber der Behördenschimmel trabt dort ganz gewaltig. So gehört der Kran der Cooperative Pesquera der Hafen aber der Kommune. Man muss sich also mit beiden Institutionen einig werden, wann und wie lange man sich im nicht öffentlichen Hafen aufhalten will. Ist das Schiff dann wieder im Wasser, muss es sofort wieder aus dem Hafen, weil keine Liegeplätze vorhanden sind. Die dritte Möglichkeit wäre dann noch San Miguel auf Tenerife gewesen. Aus diesem Hafen waren wir vor gerade mal zwei Wochen nach La Gomera ausgelaufen, also zurück auf Los und ziehe nicht 4000 DM! Das Wetter hat dann entschieden: Für Samstag waren noch moderate Bedingungen für die Überfahrt nach La Palma vorhergesagt. Wind mit 4 Bft. aus Nord auf Ost drehend. Für Sonntag waren dann schon deutlich mehr Wind und Welle vorhergesagt, der Montag gar unmöglich mit mehr als 6 Bft. und Wellen ab 4 Meter—Nein, danke nicht freiwillig.
Gekommen ist es wie immer etwas anders. Wir diskutieren heute noch darüber, ob die Überquerung der Biskaya schlimmer war oder diese 65 Meilen nach La Palma. Auf jeden Fall war es mir auf der Biskaya weniger schlecht. Noch bei Dunkelheit haben wir den Hafen in San Sebastian auf Gomera verlassen und mussten die ersten Meilen gegen den bereits kräftig blasenden Nordwind anmotoren. Rum um die Ecke am Cap Punta Majona mit Kurs 290 Grad war dann Segeln möglich, mit Abstrichen, denn wir mussten sofort Groß-und Vorsegel ins erste Reff nehmen bei 5 Bft. Kurs 290 Grad für die nächsten 45 Meilen (ca. 7 Stunden). Immer wieder waren ausgedehnte Böenwalzen auf unserer Kurslinie, hier bekamen wir regelmäßig noch 2 Bft. zum Grundwind dazu und ab und an auch einen gewaltigen Regenguss oder von der querlaufenden Wellen eine Salzwasserdusche. Das Ganze kein Spaß mehr. Mit etwas Groß und gerefften Vorsegel kann unser Schiff schon einiges ertragen. Wie gesagt, wir waren uns uneins über die Beurteilung dieser Überfahrt, die Eine machte Mittagsschlaf im Wetterchaos, dem Anderen war’s einfach nur schlecht. Das schlechte Wetter und der Wind blieb uns bis um die Südspitze von La Palma erhalten, erst als wir dann in der Abdeckung auf der Westseite von La Palma angekommen waren, schlief der Wind ein, die Wellen glätteten sich und wir mussten die letzten 8 Meilen bis in den Hafen von Tazacorte motoren. Hier gibt es zwei funktionierende Kräne die uns hoffentlich in den nächsten Tagen etwas helfen werden.
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Der 7. Sinn oder einfach mal wieder Schwein gehabt

Was macht eine Schwäbin, wenn der Tagesplan durcheinander gerät? Der Mann ewig beim Duschen ist und die Wolkendecke mal wieder die Sicht in die Berge vernebelt? Na ja, sie entspannt sich und fängt an zu putzen! Zuerst werden die Polster abgesaugt, dann wird zusammengekehrt und der Kehricht wird eingesaugt und wenn dann der Akku des Staubsaugers noch Kapazitäten frei hat, werden die unteren Schränke ausgeräumt und ebenfalls ausgesaugt. Ja, auf einem schwäbischen Schiff muss Ordnung sein – zumindest hin und wieder. Liegt halt in den Genen oder an der guten Erziehung – gelle Mama Theresia (meine Mutter heißt wirklich so, sie ist sehr streng, aber auch sehr gütig). Der Schrank unter dem Waschbecken im hinteren Bad ist sehr geräumig, beherbergt den Klopapiervorrat und den KüPa-Vorrat für Monate, alles wird rausgeräumt und ausgesaugt. Aber was soll die dünne braune Linie am Seeventil für den Fäkalientank? Die war da nicht und die soll da auch nicht sein! Kurz gehirnt, klar, das Seeventil muss rott sein. Warum auch immer. Wir haben das Schiff die letzten drei Jahre immer in der Werft vom Fachpersonal für teures Geld warten lassen. Hatten das Schiff erst vor zwei Monaten aus dem Wasser und gewissenhaft durchgesehen und jetzt das. Mann, mann, mann. Als Walter vom Duschen kommt, muss er erst mal tief durchatmen, ob der neuen Nachricht. Er ruft den Vertreter der TransOcean-Vereinigung in San Sebastian, Andreas, an. Andy kommt am Nachmittag aufs Schiff und diagnostiziert: Seeventil ist rott, es muss ausgetauscht werden (sag ich doch). Die Sunrise muss aus dem Wasser, wie und wo muss erst noch eruiert werden. Hier in San Sebastian gibt es keinen Kran für unser Schiff. Oh Mann, was haben wir aber auch für ein Glück, dass wir das jetzt bemerkt haben, wenn uns das Seeventil im Januar mitten auf dem Atlantik abgegrätscht wäre, dann hätten wir aber einen Mordsstress und mordsmäßig viel Wasser im Schiff gehabt – an weiteres möchte ich gar nicht denken. Diese Neuigkeiten müssen wir erst mal verdauen und beschließen erst mal die Grundlage zur Verdauung zu schaffen, indem wir uns ins Auto setzen, nach Hermigua in ein nettes Restaurant fahren und uns mit einem leckerem Abendessen und einer Flasche Rotwein beruhigen lassen. Morgen ist ein neuer Tag!

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Zitat aus dem Prospekt des Oficina Turismo, San Sebastián de La Gomera: Von den Passatwinden gebadet, herrscht auf der Insel La Gomera eine Variante des subtropischen Klimas… Die Wirkung der Passatwinde und das sogenannte Wolkenmeer haben ihr Zentrum in der Nordebene, wo sich der Nationalpark Garajonay befindet… Im Nationalpark von Garajonay beginnen eine Vielzahl von Wanderwegen… Diese zerklüftete und gewundene Landschaft ist es, die das als horizontalen Regen bekannte, einzigartige Phänomen bewirkt, das durch die Erhebung der Berge verursacht wird und die Wolken bremst…
So weit so gut! Nur mit dem kleinen Problem, dass der Regen zur Zeit nicht nur horizontal sondern auch vertikal niederfällt. Kaum dass wir mit dem Auto die Serpentinenstraße einige Höhenmeter hochfahren, fängt das Wolkenmeer an und es wird feucht, teilweise sogar sehr feucht. Seit Samstag sind im Nationalpark Garajonay alle Wanderwege aus meteorologischen Gründen gesperrt – nun ja, bei dem Wetter macht es ja auch nicht wirklich viel Spaß durch den Nationalpark zu wandern. Am Sonntag fuhren wir durch den Regenwald zum Besucherzentrum „Juego de Bolas“ oberhalb von Agulo auf der Nordseite der Insel. Sehr interessante Schaubilder zeigen die Entstehung der Vulkaninseln, Filme informieren über die Geschichte und die Kultur der Einwohner, im Garten des Zentrums wachsen viele auf den Inseln vorkommende Pflanzen. Im Anschluss daran haben wir einen weiteren Besuch im Valle Gran Rey gemacht – und dort schien doch tatsächlich die Sonne.
Heute, am Montag war es in San Sebastian am Vormittag wieder sonnig und wir sind in den Barranco de Benchijigua gefahren. Die Straße nach Benchijigua geht von der Hauptstraße nach Puerto Santiago ab und ist keine Straße, sondern eine Schotterpiste. Ein Stück weit sind wir mit dem Auto gefahren, haben dann jedoch geparkt und sind zu Fuß weiter. Das Dörfchen Benchijigua liegt herrlich am Ende der weiten Schlucht, ist jedoch verlassen. Drei oder vier Häuser sind frisch renoviert, sehen jedoch nicht so aus als ob sie dauerhaft bewohnt sind. Die kurze Straße zur Kapelle ist mit solarbetriebenen Straßenlaternen bestückt, die Ansiedlung sollte ein EU-Vorzeigeprojekt werden, aber außer der beeindruckenden Natur ist nichts.
Barranco Benchijigua
Das nächste Dorf in der Schlucht ist Lo del Gato, soll bewohnt und auch die Felder sollen bewirtschaftet sein. Gesehen haben wir es nicht, weil, wie soll es auch anders sein, es hat angefangen zu regnen und wir sind kurz vorher umgekehrt. Schnell sind wir zum Auto zurückgehetzt, da wir die Befürchtung hatten, dass die Schotterpiste bei Starkregen für uns nicht mehr befahrbar ist. Der kleine Mietwagen hat halt keinen Allradantrieb. Wir haben es geschafft und sind zurück in die Zivilisation nach Puerto de Santiago gefahren. Dort saßen die Menschen im Straßencafé draußen in der Sonne! Wir dann auch.

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Schwein gehabt
Schweini
In Erwartung des vorhergesagten Starkwindes sind wir am Freitag bis 15 Uhr an Bord gesessen und haben den Wolken zugeschaut. Nachdem hier im Hafen von San Sebastian alles ruhig war, sind wir an die Nordküste raufgefahren, um zu schauen, was sich dort tut. Auch in Hermigua und am Strand La Galeta war es nicht extrem windig, einzig die Wellen waren wesentlich höher als am Vortag. Beruhigt sind wir, mit einem kleinen Abstecher über Puerto Santiago, wieder zurück zum Schiff. Um Mitternacht fing es an zu regnen und auch der Starkwind setzte ein. Wir hatten bereits zusätzliche Leinen ausgebracht und die Schiffsbewegungen hielten sich in Grenzen. Bemerkenswert ist, dass trotz der hohen Wellen (über 5 Meter) draußen, hier im Hafen überhaupt kein Schwell ist. Es war zwar durch die Windgeräusche sehr laut, viel Schlaf haben wir nicht bekommen, wir hatten jedoch nie das Gefühl, dass die Situation bedrohlich werden könnte. Bis Samstagmittag hielt der Wind durch, jetzt ist wieder alles ruhig, nur einzelne Fallböen knallen von den Felsen runter in den Hafen – aber das ist hier normal.
In Santa Cruz de La Palma, unsere nächste Insel und unser nächsten Hafen, sah es so aus (echte Daten, keine Vorhersage):
Windreport
Am Samstagnachmittag haben wir den dritten Versuch einer Wanderung gestartet, dieses Mal sind wir erst gar nicht in die Berge gefahren, sondern nur wenige Kilometer in den Barranco da Villa rein. Zu Fuß sind wir weiter zum Barranco de Las Laias. In diesem engen Tal befinden sich drei Stauseen, die randvoll waren. Das Tal ist sehr grün und fruchtbar. Es gibt in der Tat noch einige Bananenplantagen, Avocado-, Orangen- und Mandarinenbäume, Kartoffeläcker sowie einige Ziegenställe, freilaufende Schafe und (Killer-)Bienen.
Schafe Bienen
Am Abend sind wir ins Hotel Restaurant Torre del Conde gegangen um der Demonstration der Pfeifsprache Silbo Gomero zu lauschen. Diese Pfeifsprache ist einmalig auf der Welt, es gibt sie ausschließlich auf La Gomera und wurde von den Ureinwohnern entwickelt um sich über die tiefen Täler hinweg verständigen zu können. Gepfiffen werden Silben, die Tonhöhe und die Länge des Pfiffs ergeben die unterschiedlichen Silben. El Silbo wurde von der UNESCO zum immateriellen Kulturgut erklärt und wird mittlerweile an den Schulen in La Gomera unterrichtet um die Sprache vor dem Aussterben zu bewahren. Bemerkenswert war, dass sich nur deutsche Touristen für die Demonstration dieses Kulturgutes interessiert haben, am Nachbartisch saßen drei spanische Paare, die massiv den „Unterricht“ gestört haben, indem sie sich während der Demonstration laut mit ihren maschinengewehrartigen Salven einfach weiter duellierten. Um nicht als deutscher Quadratschädelkopf betitelt zu werden, habe ich mich notgedrungen zurückgenommen und nicht um „silencio“ gebeten. Die deutschen Touristen sind hier entweder die „loco alemán“, die Althippies oder die „cabezas quadradas“, die Anderen.

La Gomera_4

Windfinderk
Im November regnet es auf Teneriffa und La Gomera im Durchschnitt an 6 Tagen. Ich befürchte, die Aussage gilt pro Insel, weil wir nähern uns den zwölf Regentagen im November. Ab Freitagmittag ist hier laut Wettervorhersage kräftig was geboten: Wind mit 7 – 8 Beaufort und Regen dazu Wellen mit 4-5Meter. Das heißt, unser Programm für Freitag steht schon. Wir bleiben im Hafen auf dem Boot und lassen den Landausflug sausen. Nur so können wir sicher sein, dass unsere Festmacherleinen und Fender dem Druck standhalten. Zurzeit herrscht die Ruhe vor dem Sturm, es ist windstill und im Hafen ist eine angespannte Atmosphäre. Einige Schiffe sind noch eilig in Richtung Süden ausgelaufen, neue Schiffe kommen nicht mehr an, weil diese lieber in sicheren Häfen das Wetter abwarten. Das Barometer fällt und fällt – wir werden sehen was kommt.
Heute hatten wir den zweiten Versuch gestartet, eine Wanderung im Nationalpark zu machen. Eine schöne Rundwanderung mit 3 Stunden durch den ursprünglichen Lorbeerwald sollte es sein. Mit jedem Höhenmeter, den wir hochfuhren wurde es feuchter. Am Wanderparkplatz Laguna Grande angekommen, regnete es Bindfäden. Wir waren uns sofort einig, dass das auch heute wenig Freude macht und so starteten wir zur Rundfahrt mit dem Auto in Richtung Hermigua, Agulo und Vallehermoso. Die Straße nach Hermigua zweigt von der Hauptstraße nach Valle Gran Rey ab und führt nach Nordwesten. Die Hauptverbindungsstraßen sind richtig gut ausgebaut und trotz der vielen Serpentinen gut zu fahren. Nach ein paar Kilometern standen Absperrungen quer über die Straße – Straße gesperrt wegen Steinschlag und Felsrutsch! Planänderung. Gut, dass wir eine detaillierte Wanderkarte von La Gomera (vielen Dank an Christine und Heinz) dabei hatten, da sind auch die kleinen Nebenstraßen drauf verzeichnet. Kurz vor der Absperrung geht links eine Piste ab, ein Schild zeigt Durchfahrtverbot für Fahrzeuge ab 10 Tonnen. Da fallen wir nicht drunter, also abbiegen. Die Piste erweist sich als gepflasterte Forststraße und da wir nicht als einziges Auto dort unterwegs waren, konnte es so falsch ja nicht sein. Entgegenkommen darf halt kein Auto, sonst ergibt sich eine schwer lösbare Situation. Wir wollen also über El Cedro nach La Palmita und weiter nach Hermigua – laut Wanderkarte eine weiße Piste, durchgehend. Da Walter zwischendurch einen Fotostopp machen musste, verloren wir unseren vorausfahrenden einheimischen Polo. Es gab nun mehrere Abzweigungen in Folge, die jeweils ordentlich mit Wanderwegschildern versehen waren. Wir fuhren nun nach den Wanderwegschildern und landeten doch tatsächlich in El Cedro. Dort gibt es einen Campingplatz und ein Restaurant. Den einheimischen Polo fanden wir auf dem Parkplatz vor dem Restaurant wieder – nur der Parkplatz war leider auch gleichzeitig eine Wendeplatte – also Sackgasse. Um es abzukürzen: Nach mehreren Versuchen die Forst- und Wanderwege, die von hier aus sternförmig abgehen, zu befahren, sind wir schließlich alles wieder zurückgefahren. Zuvor hatten wir jedoch ein Paar mit einen Kleinwagen (demnach war Autofahren hier schon erlaubt) mit deutschem Kennzeichen!!! ED – xx yy, an einer Müllsammelstelle Müll ausladen gesehen und die Oldies nach dem Weg nach La Palmita gefragt. Nun, es gab nur das Zurück auf die Hauptstraße und gaaanz außen rum nach Vallehermoso. Die Fahrt durch den „Regen“-Wald war wirklich sehr schön. In Vallehermoso hat Walter tolle Bilder vom kochenden Atlantik gemacht.
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Der Atlantikbrandung und dem Felsschlag (sowie auch fehlender Konzession) ist auch das Castillo-del-Mar, vormals Schiffsanlegestelle mit Kran, letztmals Kultur-Café, Freiluftbühne und Theater, zum Opfer gefallen. Der Weg dorthin, teils vom Steinschlag zerschlagen und teils von der Brandung weggerissen – sah ziemlich übel aus. Es gibt eine website www.castillo-del-mar.com, dort kann nachgelesen werden, was in Planung ist. Weiter ging es nach Agulo (alles geschlossen, wohl keine Saison mehr) und nach Hermigua (Café Creativo hatte offen). Beide Städtchen sind ganz nett, einige schöne altkanarische Herrenhäuser mit schönen Balkonen, kleine Gässchen und herausgeputzte Kirchen. Die landwirtschaftlichen Flächen, einst mühevoll angelegte Terrassen an den Bergrücken, sind verwildert. Die Bewirtschaftung ist zu beschwerlich und zu arbeitsintensiv, die Produkte wären im Vergleich zu den billigen Importwaren (Tomaten etc.) unbezahlbar. Einzig in den Tallagen sahen wir noch Bananenplantagen und Kartoffelfelder. Vom Tourismus á la Valle Gran Rey ist der Norden von La Gomera weitgehend verschont geblieben. Ob das gut ist oder nicht, mag ich nicht beurteilen.

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Es ist kalt und es hat geschneit – auf dem Teide drüben in Teneriffa. Für heute ist Sonne angesagt, am Vormittag ist herrliche Weitsicht. Wir fahren in die Berge und wollen eine kleine Wanderung ins fruchtbare Tal von Las Lajas machen. Vor lauter Fotoshooting-Stops läuft uns die Zeit davon, gute Fotos brauchen eben Zeit. Der erste Stopp ist gleich hinter San Sebastian am Mirador El Santo. Hier steht auf den Felsen eine 7 Meter hohe Christusstatue, die von oben direkt in den Hafen von San Sebastian schaut. Von der Plattform aus hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und übers Meer zum Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa.
Blick auf den Teide
Nächster Halt ist der Mirador Degollada de Peraza mit wunderbarer Aussicht auf die Gebirgslandschaft und in den Barranco. Hier ist der Ausgangspunkt unserer Wanderung nach La Laja – aber es ziehen, wie immer mittags, dicke Wolken auf und es fängt an zu nieseln. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Die Wanderung wird verschoben. Weiter geht es zum nächsten Aussichtspunkt, dem Mirador de los Roques –ein weiteres Postkartenmotiv.
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Unser neues Ziel für heute ist das Valle Gran Rey im Südwesten. Auf dem Weg dorthin kommen wir noch am Mirador de Palmarejo vorbei, mit einem von Cesar Manrique gestalteten Panoramarestaurant in den Steilwänden oberhalb vom Valle Gran Rey. Schade – es hat geschlossen. Nein, kein Ruhetag, es hat einfach nur zu. Aber der Blick ins Valle Gran Rey ist trotzdem phantastisch.
Valle Gran Rey
Unten angekommen gehen wir zuerst ins Hafenviertel Vueltas. Vom ehemaligen Hippietreff ist nicht viel übrig geblieben. Playa de la Caleras, Playa de la Puntilla und Charco del Conde sehen aus wie alle anderen Touristenhochburgen auf der Insel, aber irgendwas ist doch anders an diesem Ort. Man hat einfach das Gefühl an einem besonderen Ort zu sein, hier geht alles noch ein bisschen entspannter zu, es ist sehr überschaubar und doch angenehm. Kleine Läden, Cafés und Restaurants gibt es viele, aber hier herrscht ein anderer Geist. Nicht das übliche TV oder gar Musikvideos in Hintergrund, nein einfach nur der Wind die Wellen und das Meeresrauschen, keine billige Touristenanmache. Die einzige Musik erleben wir vor der legendären Bar Casa Maria, dort ist eine Trommlerformation zum Sundowner angetreten. Es wird getrommelt bis die Sonne untergegangen ist und der Regen eingesetzt.
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Seit gestern regnet es. Nicht so, wie bei uns zu Hause, dass es anfängt zu tröpfeln der Regen langsam einsetzt und sich dann eventuell bis zum Starkregen steigert. Nein, hier setzt für 5 Minuten Starkregen ein und das etwa 4 – 5 Mal in der Stunde. Dazu bläst ein starker Wind aus Nord und es ist kalt. Wer unterwegs ist und auf die Schnelle keinen Unterstand findet, ist im Nu durchnässt bis auf die Knochen. Am Freitag Nachmittag hatten wir im Trockenen noch einen Spaziergang zum Parador-Hotel hoch über San Sebastian gemacht. Von hier ist dieses Panoramafoto aufgenommen.
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Am Samstag konnten wir mit 3-4 Zwischenstopps einigermaßen trocken den Bauernmarkt im Zentrum von San Sebastian erreichen. Hier werden einheimische Produkte angeboten. Wir haben Engadiner Apfelkuchen und Käsekuchen von einer (hängengebliebenen) Schweizerin gekauft, der Stand gegenüber hatte eine große Auswahl an Obst und Gemüse (leider stand auf der Apfelkiste der Ursprung Südtirol). Der Stand des Fleischers sah sehr appetitlich aus und ich habe zwei Kalbsschnitzel gekauft – in der Hoffnung, dass es sich tatsächlich um ein ehemals regionales Rindvieh gehandelt hat. Mit gemischtem Salat (vom regionalen Markt), Zitronenreis und Zitronensauce hat es sehr lecker geschmeckt. Heute war wieder lazy Sonntag angesagt. Außer zum Duschen (warm!!!) bin ich nicht aus dem Schiff rausgekommen. Stattdessen habe ich zum zigten Mal die RTFM (read the fu….. manual) des Airmail-Programms (Sailmail-Primer) sowie die dazugehörenden FAQs gelesen. Walter hat parallel das Buch Amateurfunk an Bord von Rüdiger Hirche gelesen – weggelegt – gebruddelt –wieder in die Hand genommen und weiter gelesen. Diese Prozedur hat sich im Laufe des Regennachmittags mehrfach wiederholt und wurde nur kurz durch den Schweizer Käsekuchen unterbrochen. Eines ist sicher, die Funke und ihr Pactor sind und werden mit Sicherheit nicht unsere Lieblingsgeräte an Bord.
Highlight des Sonntagabends waren die 25 lautstarken Demonstranten plus Kinder, die auf dem Plaza de la Amerika demonstriert haben. Es ging gegen die von der spanischen Regierung erteilte Tiefsee-Ölbohrungslizenz für den Konzern Repsol. Repsol will zwischen den Kanaren und dem afrikanischen Festland nach Öl bohren – unvorstellbar, was ein Ölunfall vor den Kanaren für die Ökologie und auch den Tourismus bedeuten würde. Die Bewohner der Inseln leben zum Großteil vom Tourismus. Ein Referendum, das heute auf den Kanaren durchgeführt werden sollte, wurde von der spanischen Regierung schon im Vorfeld als nicht gesetzeskonform abgelehnt. Es wurde sogar mit Sanktionen für die Inselregierungen gedroht.

San Sebastian Gomera (4.k)
http://www.canariasdicenoarepsol.com/nein_zur_olforderung.html

La Gomera

Die Überfahrt von Teneriffa nach La Gomera hat uns auf der kurzen Strecke von rund 25 Meilen einen bunten Querschnitt durch die Wetterküche gezeigt. Sonne, Starkregen, Flaute, Böen mit 33 Knoten, lange Atlantikdünung (mittig zwischen den Inseln), Kreuzseen (Tenerife Sud) und ruhige See vor der Hafeneinfahrt von La Gomera. Punkt 8 Uhr sind wir in San Miquel los. Wir hatten beschlossen loszugehen, falls der Wind unter 15 Knoten im Hafen bläst. In der Nacht hatte es aus Südwest noch ordentlich durch den Hafen gedüst, aber der angekündigte Starkregen blieb aus. Die Wolkengebilde am Himmel gaben uns jedoch den Hinweis, die wasserdichten Jacken schon mal in Griffweite zu haben. Der Seegang vor Pta Rasca (Tenerife Sud) war für den Magen in den frühen Morgenstunden sehr grenzwertig, anrollende Atlantikdünung in Richtung Südwest und dagegen die Windsee der Süd- Südwestwinde der letzten drei Tage. Das Vorschiff wurde recht gut gespült und ab und zu mussten wir hinter der Sprayhood in Deckung gehen, um keine Salzwasserdusche abzukriegen. Besser wurde es als wir mittig zwischen den beiden Inseln waren. Hier hatte sich die Atlanikdünung durchgesetzt. Sie war angenehmer, weil sie zwar höhere Wellen, aber auch längere Wellen brachte, sodass sich das Schiff hebt und senkt ohne mit voller Wucht in die Wellen zu stampfen.
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Nur der Blick in den Himmel verhieß nichts Gutes – rechts von uns ein dickes fettes schwarzes Wolkenband mit Zugrichtung Teneriffa. Sehr viel Regen haben wir nicht davon abbekommen, nur die Gewitterböen mit 33 Knoten, die uns jedoch nichts ausgemacht haben, da wir die Segel nicht gesetzt hatten. Weiter südlich stand ein weiteres schwarzes Wolkenband, das uns ebenfalls verschonte. In den Abendnachrichten im spanischen Fernsehen (in jeder Kneipe plärrt das Fernsehen in voller Lautstärke, sodass die Leute auf der Straße kostenlos mit Informationen versorgt werden. Üblicherweise läuft Fußball) konnten wir sehen, dass es auf Teneriffa und auf El Hierro heute Nachmittag Starkregen, übergelaufene bzw. verstopfte Kanäle und Überschwemmungen gegeben hat. Da sind wir ja mal wieder richtig gut weggekommen, in San Sebastian auf La Gomera schien nämlich die Sonne als wir angelegt haben. Die Marina in San Sebastian auf La Gomera ist sehr gut organisiert. Die Stege und die sanitären Anlagen (warmes Wasser und sauber) sind nur mit Codekarte zugänglich, das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Die Dame im Marinaoffice hat mir gleich einen zweiten Zugangscode für das kostenlose WiFi-Netz gegeben. Für meinen Mann, sagte sie, es ist immer gut, wenn die Frauen shoppen gehen und der Mann auf das Schiff aufpasst und beschäftigt ist. Na dann! Wobei shoppen nicht wirklich zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Aber die Butter war aus und frische Früchte waren in San Miquel auch nicht zu bekommen, deshalb ging es zu zweit in den Supermarkt. Auf dem Rückweg sind wir am China-Restaurant gestrandet, das gerade für die Abendgäste öffnete. Für Walter Nr. 31 gebratener Eierreis mit Garnelen, für mich Nr. 93 Garnelen mit Gemüse und Reis und zwei Gläser Bier für unter 20 Euro. Kannst nicht meckern – und die Bordküche bleibt sauber.

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Der Wille war da! Auf unserer Seite und auch auf der Seite des spanischen Staates/der Gemeinden/Investoren. Unser Vorhaben für heute: An der Felsküste entlang auf der ausgewiesenen Route in Richtung Montana Roja zu laufen. Ein gemütlicher Spaziergang, an der Küste entlang. An den beiden Golfressorts vorbei, auf gepflegten gepflasterten Wegen, weiter an den Residentenanlagen entlang (Residenten werden hier Pensionäre genannt, die hier leben oder den Winter in ihren Ferienwohnungen verbringen) und durch den ersten Barranco (Felsschlucht) durch. Dass der Weg durch den Barranco natürlich nicht gepflastert ist, ist ja logisch, aber dass der ausgewiesene Promenadenweg anschließend über Stock und Stein weitergeht, haben wir nicht erwartet, war uns aber egal. Weiter ging es durch den nächsten Barranco in das Fischerdorf Los Abrigos mit einer traditionellen Bootswerft und vielen schönen Fischrestaurants direkt auf den Felsen. Da wir zur Mittagszeit nie eine warme Mahlzeit zu uns nehmen, mussten wir die freundlichen (unaufdringlichen) Angebote der Wirte, bei ihnen Platz zu nehmen, ablehnen.
Schiffswerft
Wir stiefelten weiter zu einem wunderschön gestalteten Aussichtspunkt, der aussah, als hätte Cesar Manrique hier noch die Hand im Spiel gehabt. Die Stufen, die vom Aussichtspunkt hinab in den nächsten Barranco führten, führten buchstäblich ins Nichts. Die letzte Stufe ragte ins Freie und einen halben Meter darunter die Steine und Felsen der Schlucht. Auch diese Schlucht durchquerten wir, weiter in Richtung Montana Roja. Nun fing es jedoch an, sehr unappetitlich zu werden. Der Weg war nicht mehr so genau auszumachen, überall illegale Bauschutthalden, Wohlstandsmüll und auch Tretminen-Hinterlassenschaften (vom Menschen, erkennbar am Klopapier, das in den Kaktusfeigen flattert). Wir hatten keine Lust mehr, durch diese von unseren Artgenossen verschandelte Natur zu laufen und haben unseren Spaziergang abgebrochen. Der gute Wille ist überall erkennbar, nur mangelt es an Geld die Vorhaben zu Ende zu führen. In den Dörfchen teilweise schön hergerichtete Plätzchen, um die Ecke dann Schutt und Müll. Auch hier auf Teneriffa gibt’s viel Unvollendetes. Sehr viele Bauruinen stehen hier, weil offensichtlich die Investoren pleite gegangen sind.
Bauruinen
Der große Boom scheint längst vorbei zu sein. Die Hotels sind froh, wenn sie gebucht werden und neue Hotels entstehen mit höchstem Risiko. Auch angefangene Privatbauten, stehen schon wieder kurz vor dem Verfall. Am schlimmsten jedoch ist die Vermüllung der wunderschönen Natur.
Hier der spektakuläre Blick auf den Teide, vom Cockpit aufgenommen.
Teide vom Hafen San Miguel aus