Geisterbahnfahrt 36 Seemeilen

Wir fahren heute von Portosin nach Sanxenxo. Das sind ca. 36 Seemeilen. Um 10:00 Uhr verlassen wir den Hafen und steuern aus der Ria de Muros in Richtung freies Wasser. Es ist bedeckt, der Morgennebel hat sich noch nicht aufgelöst und hängt als Vorhang 50 – 100 Meter über der Bucht. Der angekündigte Nordwind hat sich noch nicht durchgesetzt und so motoren wir durch die Bucht. Alles ist erledigt, Fender und Leinen verstaut der Kurs liegt fest, alles ist ruhig. Das ist nun genau eine dieser Situationen, in denen im Kopf von Elke dieser kleine Mann mit dem Goldhämmerchen auf eine Synapse einhämmert und diese die Sprechorgane einen Satz bilden lässt wie z.B. “ Du könntest doch mal prüfen, ob das Radargerät noch richtig funktioniert“! Ich hatte gerade meinen Kreislauf nach dem Ablegemanöver wieder in den Slow-motion Modus gebracht und war auf eine längere hingeflätschte Motorfahrt eingerichtet, als mich dieser eindeutige Konjunktiv erreichte. Nach der Erfahrung aus dem Ärmelkanal konnte ich jedoch die Notwendigkeit dieser Ansage verstehen. So wurde die Antenne hochgefahren und das Radar in den Senden Modus eingestellt. Alles funktionierte auf Anhieb und wir konnten mit dem Gerät mal ohne Stress arbeiten. Nach einer halben Stunde „ Radareinweisung“ hatten wir alle wichtigen Funktionen durch, das Radar arbeitete problemlos und wir schalteten das Gerät ab. Zwischenzeitlich hatten wir offenes Wasser erreicht der Wind war jedoch immer noch zu schwach. Da meldete sich wieder das kleine Männchen mit dem Goldhämmerchen. Dieses Mal wollte es mit dem Parasailer (120 m² Leichtwindsegel) spielen. Gott sei Dank hatte ich die ganzen Umlenkrollen und Schoten nicht vorbereitet und als wir noch diskutierten nahm der Wind auch plötzlich zu. Jedoch nicht aus Nordost sondern aus Südsüdwest. Da wir nach Südost unterwegs waren, ergab sich somit ein Amwindkurs der uns zwar nicht ganz auf unsere geplante Route brachte, aber immerhin noch segelbar war. Groß und Genua wurden voll gesetzt und die Sunrise zog mit 6-7 Knoten durchs Wasser. Aber leider nicht sehr lange, denn der Wind legte ordentlich los und wir mussten zunächst das Großsegel und später dann auch die Genua reffen. Zudem trieb uns der Wind in eine noch nicht definierbare Wand. Gewitterfront oder nur Regen oder doch gar Nebel? Nebel und zwar pottendicht. Schnell ließ der Wind im Nebel wieder nach, genauso schnell wurden die Segel wieder weggerollt und das Radargerät eingeschaltet. Wie gut, dass wir unser eben erst aufgefrischtes Wissen in die Praxis umsetzten konnten. Gefühlt war die Sichtweite eine Handbreit um das Schiff herum, dann begann die Wattelandschaft—alles gut verpackt! Viele Fischer kreuzten unseren Kurs, einige haben kein AIS und sind somit nur über das Radar zu sehen. Fast die ganze Strecke hatten wir mal mehr mal weniger dicke Nebelbänke zu durchfahren, erst auf den letzten 10 Seemeilen kam der Wind zurück und der Nebel lichtete sich etwas. So konnten wir sogar noch ein paar Meilen segeln, waren mit dem Segeltag versöhnt und der kleine Mann im Kopf mit dem Hämmerchen auch.

Portosin

Die Nordwindlage hält an, anfangs noch angenehme 3 Bft, dann ab Cap Finisterre Flaute. Was wiederum eine entspannte Motorbootfahrt zur Folge hatte. Auch die Delphine waren heute träge, ganz gelangweilt sind sie am Boot vorbeigeschwommen, keine Sprünge, nur kurz den Kopf rausgestreckt zum Luftholen. Mit jeder Seemeile, die wir südlicher kommen wird es wärmer. In A Coruna haben wir am Abend noch den Heizlüfter angestellt, hier brauchen wir schon fast die Klimaanlage. Das Kap Finisterre ist wohl eine Klimagrenze, nördlich davon ist kaltes und rauhes Klima, südlich davon ist es mild (ist meine Vermutung und keinesfalls wissenschaftlich belegt). Wir sind in Portosin im Club Nautico. Die Hafengebühr ist mit 39,90 € wesentlich höher als in A Coruna wo wir für 7 Tage 163,00 € bezahlt hatten. Egal, der Hafen ist sehr ruhig, es gibt kostenlos Stromanschluss, Frischwasser, freies WLan und warme Duschen. Der Weg zum kleinen Supermarkt ist weit, aber wir haben kein Brot mehr und zwei Tage Knäckebrot zum Frühstück muss nicht sein. Abendessen gibt es wieder an Bord und nach dem Abendessen wird der Mittagsschlaf nachgeholt. Die Hitze für uns noch ungewohnt, auch wir sind schlapp. Vielleicht liegt es auch am fehlenden Nachtschlaf, den wir heute nachholen werden. Am Mittwoch geht es nach Sanxenxo, 36 Meilen. Bis auf weiteres werden wir entspannte Tagestörns machen und wenn uns das Wetter nicht passt, bleiben wir im Hafen.

Camarinas

50 Seemeilen von A Coruna bis nach Camarinas. Wir verlassen A Coruna um 8:30. Dicht unter der Küste (es steht kaum Welle) haben wir einen schönen Ausblick auf die Stadt, die Menhire und den Herkules-Leuchtturm. Es ist schwachwindig, anfangs noch aus Südost, dann auf Nord drehend und leicht zunehmend. Was bedeutet, dass wir die ersten drei Stunden Motorbootfahren, erst dann können wir die Segel setzen. Wir fahren nur mit dem großen Vorsegel, weil der Wind ziemlich genau von achtern kommt und das Großsegel das Vorsegel nur abdecken würde. Es ist eine gemütlich Fahrt, die befürchteten Biscaya-Wellen und die ums Capo Vilan herum bleiben aus. Die Ria Camarinas ist eine Meeresbucht, an deren Ende ein kleiner Yachthafen liegt. Wir bergen erst kurz vor dem Hafen das Segel – so soll es sein. Zwischenzeitlich, immer passend zum Anlegen, bläst es mit 16 bis 18 Konten, aber der Hafenmeister hat uns gesehen, umgehend in eine freie Box eingewiesen und die Leinen angenommen. Sehr freundlich! Es gibt freies WLan (aber nur direkt vorne am Club Nautico), sodass wir uns die aktuellsten Wetterdaten holen können. Das Dörfchen schauen wir uns leider nicht an, wir haben mächtig Hunger und nach dem Abendessen eine Einladung bei Christine und Heinz von der Anima Mea. Es wird ein netter und langer Abend, das heißt eine kurze Nacht. Am Dienstag geht es bereits nach Portosin weiter. Wir wollen die aktuelle Nordwindlage ausnutzen. Die anima mea wird ebenfalls nach Portosin weitersegeln.

Sonntag in A Coruna

Ausschlafen und dann den dritten Versuch starten um den historischen Leuchtturm „Herkules“ zu besichtigen. Der erste Versuch zu Fuß zum Leuchtturm zu laufen fiel buchstäblich ins Wasser – zu viel Wasser von oben. Der zweite Versuch am Freitagabend auf der Rückfahrt von Santiago de Compostela fiel ebenfalls ins Wasser, immerhin standen wir schon auf dem Parkplatz. Heute hat es endlich geklappt. Zuvor jedoch, von 12:00 Uhr bis 15:00 Uhr, sind uns hier an Bord massenhaft Flugzeuge um die Ohren geflogen. Es fand direkt hier in der Bucht von A Coruna eine Flugschau statt. Zuerst kamen diverse Kleinflugzeuge, die einzeln und in Formation Kunst(flug)stücke vorgeführt haben. Die Schau hat sich gesteigert, die Flugobjekte wurden größer und nach der Hubschrauberformation hat der Hafen vibriert, denn es kam ein Düsenflieger angedonnert. Kurz darauf war der Lärmpegel unerträglich, es kamen 7 Düsenflieger angedonnert. Düsenflieger-Kunststücke – abartig! Was die Spanier heute an Kerosin bzw. Steuergelder verbrannt haben – ich will gar nicht daran denken. In Südspanien brennt die Pampa ab und hier brennt der Himmel! Als die Geldverbrennungs-Aktion beendet war, sind wir zu Fuß die lange Strandpromenade entlang Richtung Herkulesturm gelaufen. Der Herkulesturm ist der einzige Leuchtturm aus der Antike, der heute noch in Betrieb ist. Er wurde im 1. Jahrhundert von den Römern errichtet. Reste des ursprünglichen römischen Fundamentes haben bis heute überlebt. Die heutige Version entstand weitgehend im 18. Jahrhundert nach vielen vorhergehenden Umbauten. 2009 wurde er zum Weltkulturerbe erklärt. Auf dem Rückweg zum Hafen sind wir zu den Menhiren für den Frieden (Künstler Manolo Paz) gegangen. Das Kunstwerk wird auch Menhir-Familie genannt und besteht aus 12 Steinen unterschiedlicher Größe (Vater, Mutter und Kinder). Jeder einzelne Menhir besitzt eine Öffnung, durch die man den Turm, das Meer und den Sonnenuntergang betrachten kann.

Santiago de Compostela

Unser Plan für Heute: Um 9 Uhr losfahren nach Santiago de Compostela, es sind knappe 70 Kilometer. Um 12 Uhr beginnt die Pilgermesse und die Kathedrale wird für die Zeit der Messe verständlicherweise abgeschlossen. Der Terminplan geriet leicht ins Wanken, weil wir schlicht und einfach verschlafen haben. Kurz vor 12 Uhr waren wir im Außenbezirk von Santiago de Compostela. Wie durch Zufall fuhren wir mit dem Auto auf dem Camino de Santiago – dem Jakobsweg. Wir haben den Wagen geparkt und sind die letzten drei Kilometer des Jakobswegs „gewandert“. Viele, sehr junge Pilger (zwischen 20 und 30 Jahre alt) sind unterwegs nach Santiago, wenige in unserem Alter. Auch viele mit dem Fahrrad – das zählt mittlerweile wohl auch. An der Porto do Camino angekommen, brauchen wir nur noch den Rucksäcken durch die mittelalterliche Altstadt zu folgen. Ziel Aller ist der Plaza do Obradoiro vor der Kathedrale. Wir wissen, dass die Kathedrale gerade noch abgeschlossen ist und stehen auf dem Plaza. Die Kathedrale ist eingerüstet, Fotos zu machen bringt nichts. Auf dem Plaza ist eine Stimmung wie auf der Kirbe (Volksfest/Kirmes). Die Einheimischen machen wohl keinen Popanz mit dem Wallfahrtsort und der Pilgerei. Auf dem Plaza ist eine Art Disneyland-Bus mit entsprechender Musik – ein krasser Stilbruch im Verhältnis zum Umfeld. Wichtig ist nebenbei auch das Geld, das die Touristen und Pilger liegen lassen. Überall werden Handzettel mit Restaurant-Tips, Ermäßigungs-Vouchers für Souvenirartikel etc. verteilt. Aber eine Touristenfalle ist es wirklich nicht. Wir gehen zum Tourismusoffice, holen uns einen kostenlosen Stadtplan und laufen die kleine Altstadtrunde ab. Sehr beeindruckende alte Steine und an jedem Eck eine Kirche. Zu Recht ist die komplette Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe, ohne Frage, die Altstadt ist sehenswert. Wer mehr über die Historie von Santiago wissen möchte, sollte die Freunde von Wikipedia fragen. Wir kommen an der Kirche Igrexa das Animas vorbei, hier werden wir angelockt von einem Gesang, der uns an die Drei Tenöre erinnert. Die beiden Flügel der Kirchentüre sind weit geöffnet, die Kirche ist festlich geschmückt, weil eine Hochzeit stattfindet. Das Brautpaar und die Gäste füllen die vorderen Reihen, die unbeteiligten Besucher stehen hinten. Offensichtlich war es der Wunsch der Brautleute, dass sich auch Andere an der Musik erfreuen, bzw. an der Zeremonie teilnehmen können. An den Markthallen kommen wir vorbei, biegen ein und genehmigen uns eine kleine Portion Pulpo (gekocht im Salzwasser, mit Meersalz, Paprika und Olivenöl gewürzt). Schmeckt richtig lecker und wie bereits gesagt, der Pulpo ist pflegeleicht, einmal gar, immer gar. Wir pilgern zur Kathedrale zurück und stellen fest, dass wir uns in die Besucherschlange einreihen können und pro Person 12 Euro zahlen sollen. Wir verzichten auf die Innenbesichtigung. Walters O-Ton: Da drinnen hättest du es eh nicht ausgehalten, da riecht es nach Moder, Weihrauch, Schweiß und Käsefüße. Zwischenzeitlich ist es Nachmittag, wir laufen zurück zum Auto und wir wenden uns wieder weltlichen Dingen zu: Außerhalb der Stadt ist ein großes Einkaufszentrum mit einem Carrefour-Markt. Wir stocken unseren Proviant für die nächsten Tage auf und fahren zurück nach A Coruna. Hier wollten wir noch den Herkules-Turm besichtigen, aber es fängt an zu regnen. Na dann eben nicht, morgen ist auch noch ein Tag. Die Wetterprognose ist eh so, dass wir in den nächsten zwei Tagen gar nicht hier weg wollen.

Nachtrag zum Guggenheim Museum Bilbao

Schon fast ein kleines bisschen enttäuscht über die inneren Werte des Museums (die zwei Wechselausstellungen, Braque und Ono – aber kaum eigener Bestand ausgestellt, bis auf die Objekte von Serra im EG) wollten wir gerade das Gebäude verlassen, als uns im Erdgeschoss ein weiterer Raum auffiel. Im Zugang stand in großen Lettern „The Visitors“ von Ragnar Kjartansson. Es ist eine Videoinstallation des isländischen Künstlers. In einem großen Darkroom sind zehn große Videoleinwände aufgestellt. Auf jeder Leinwand wird ein Zimmer mit einem Musiker gezeigt. Im Zentrum dieses Darkrooms teilt eine Leinwand den Raum in zwei Hälften, auf dieser Leinwand wird eine 200 Jahre alte Landvilla gezeigt, in der das Ganze spielt. Auf deren Außenterrasse sitzt eine kleine Gruppe junger Menschen, die mit Begleitung einer Gitarre einen Chor bildet. Im Vordergrund, unter einem kleinen Sonnenschirm im Gras, sitzt, fast unbeteiligt, ein alter Mann mit einem Feuerwehrhelm auf dem Kopf sowie daneben ein junger Mann. Vor den Beiden steht eine kleine Kanone, im krassen Gegensatz zu dieser doch ganz friedlichen Stimmung. Im Inneren der Villa sitzt je ein Musiker mit seinem Instrument in einem Raum. So zum Beispiel sitzt Ragnar Kjartansson mit seiner Gitarre im Badezimmer in der Badewanne. Oder der Schlagzeuger in der Küche, eine Cellistin im Schlafzimmer, ein E-Bassist in der Bibliothek, ein E-Gitarrist im Gästezimmer, ein Pianist im Salon. Jeder für sich alleine mit seinem Instrument und einem Kopfhörer auf dem Kopf musizierend. Jeder Musiker spielt für sich seinen Part der Komposition. Über die Kopfhörer können sie hören was die Anderen spielen, die Verbindung ist die Musik. Der Betrachter hört im Darkroom die „komplette“ Musik, je nachdem, zu welcher Leinwand er sich bewegt, hört er den Einzelnen mehr oder weniger. Es ist eine sehr schöne Komposition und man merkt in einigen Phasen, dass vieles improvisiert wird. Immer wieder hebt sich der Soundteppich, der Chor setzt mit ein, dann beruhigt sich die Szene wieder und der Gitarrist in der Badewanne spielt fast solo. Ein ständiges Auf- und Abwogen und an einem Punkt, wenn gerade mal wieder einer dieser Höhepunkte erreicht ist, steht der alte Mann aus dem Gras auf, der Jüngere entzündet einen Gasbrenner mit dem der alte Mann, genau zum richtigen Zeitpunkt im Takt, die Kanone zündet. Verrückt, aber irgendwie muss sich diese Spannung ja mal entladen.
Nach einer halben Stunde spielten die Musiker immer noch. Auf einer Beschreibung zu dieser Installation haben wir gelesen, dass das komplette Stück 64 Minuten dauert, und zwar so lange bis der Gitarrist der Badewanne entsteigt und die anderen Musiker aus der Villa führt. Uns hat es wirklich gut gefallen, nicht nur wegen des sehr schönen Soundtracks, sondern auch wegen der Stimmung, die diese Videos erzeugt haben, alles sehr ruhig, aber doch mit Spannung. Viele Besucher haben sich auf den Boden gesetzt und sich mitnehmen lassen. Wen es interessiert, der kann ja mal im Netz unter „The Visitors“ von Ragnar Kjartansson suchen. Von der Videoinstallation im Migros-Museum in Zürich gibt es ein youtube video. Leider konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden wo bzw. wie ich an den kompletten Soundtrack komme.

Gijon

Santander_Gijon_A Coruna
Auf der Rückreise nach A Coruna machen wir in Gijon eine Pause. Wir laufen die lange Promenade am Strand von San Lorenzo entlang und gehen ins Cimadevilla-Quartier. Schon die Römer hatten dort Thermen angelegt. Herrschaftliche alte Häuser, schöne Plätze und Restaurants laden zum Verweilen ein. Zum Essen ist es noch viel zu früh, deshalb genügt uns ein Café. Im Gegensatz zu Santander hat die Stadt viel Flair. Wir müssen leider weiter, fahren am Fußballstadion vorbei und verlassen die Stadt.
Fußballfreunden ist der Begriff „Gijon“ bekannt, er steht für verschobene Fußballspiele und wurde anlässlich des WM-Spiels Österreich gegen Deutschland 1982 geprägt, als sich beim Stande von 1:0 für Deutschland ab der zweiten Halbzeit kaum mehr einer bewegte -Nichtangriffspakt-, weil dieses Ergebnis beide Teams in die nächste Runde brachte.

Bilbao

Guggenheim Museum Bilbao
Wir verbringen den kompletten Tag im Guggenheim Museum. Ich empfehle jedem, der interessiert ist, die website des Museums zu besuchen. Was heißt die website besuchen, Flug buchen und ab nach Bilbao. Schon alleine die Architektur von Frank O. Gehry ist unbeschreiblich. Im Außenbereich sind u.a. Objekte/Kunstwerke von Jeff Koons (Beitragsbild Tulips mit Reflektionen). Aktuell ist in der 2. Ebene das Lebenswerk von Georges Braques ausgestellt. Eine ganze Etage nur Bilder von George Braques – sehr beeindruckend. Gefällt uns wirklich sehr. Im 3. OG derzeit das Lebenswerk von Yoko Ono (als Künstlerin) zu sehen – naja, da habe ich eine eigene Meinung.
Am frühen Abend verlassen wir Bilbao in Richtung Santander, wo wir übernachten wollen. Santander ist hässlich – tut mir leid, aber ich empfinde es eben so. Wir finden unser Hotel trotz Tom Tom und machen uns sofort zu Fuß auf Richtung Fischereihafen, weil da heute das Fest der heiligen Carmen -Schutzpatronin der Fischer- gefeiert wird. Am Fischereihafen ist Rummel pur, ein Fischrestaurant finden wir trotzdem. Es wäre wohl besser gewesen, wenn wir an den Ständchen auf dem Rummel etwas gegessen hätten. Walters Bonito ist total verkocht und trocken und mein Merluza mit Salsa verde ist de facto ungenießbar (zu 18 Euro), einzig die Vorspeise Pulpo ist klasse. Ich denke, den Pulpo kannst du misshandeln wie du willst, er nimmt dir das nicht übel – durchgegart bleibt durchgegart und er schmeckt immer noch. Nach dem Essen schauen wir uns noch eine Darbietung spanischer Folklore an. Fünf Männer gockeln auf der Bühne, aber Gitarrespielen wie der Teufel und Singen können sie, Hut ab. Kurz vor Mitternacht ist noch ein Feuerwerk, das wir vom Hotelfenster aus betrachten können – wir haben ja eine super Hotelofferte gebucht. Direkt an der Stadtautobahn mit Blick zum Industriehafen. Wird eine laute und kurze Nacht werden.
Santander scheint auch die Stadt der Parkrowdies zu sein, Walter hat eben noch nach dem Polo geschaut und festgestellt, dass er eine Delle am Nummernschild und am Kühlergrill hat – mal sehen, ob heute Nacht noch was dazu kommt und was AVIS am Samstag dazu sagt.

A Coruna_Bilbao

Um 11 Uhr geht es los. Mit Sack und Pack für mindestens 2 Über-nachtungen in Richtung Autovermietung. Mit dabei ist Martin von der Segelyacht Ganescha, er erwartet seine Lieben (Frau und Hund) heute auf dem Flughafen La Coruna. Dieses Mal gibt es kein Galama mit der Mietwagen-reservierung, weil mir Martin an Bord der Ganescha die Buchungsbestätigung ausgedruckt hat und somit die Daten schwarz auf weiß bei der Autovermietung vorgelegt werden können. Wir bekommen einen nagelneuen VW Polo mit 4 Türen, Klima und Navi. Das Navi heißt Tom Tom und hat seine Tücken. Die Dame der Autovermietung ist so nett und will uns unser erstes Ziel, den Flughafen La Coruna eingeben, was sich jedoch als gar nicht so einfach herausstellt. Auf jeden Fall verursacht sie erst einmal einen Verkehrsstau auf der Straße vor der Autovermietung, weil es keine Parkplätze gibt und wir in der Einfahrtsspur des Parkhauses stehen. Notgedrungen muss sie ins Parkhaus rein, Martin und ich sitzen ja schon im Polo, aber Fahrer Walter hatte ja für die Avis-Dame Platz gemacht und muss jetzt sehen, dass er uns zu Fuß verfolgt. Das Parkhaus hat ein Problem, bzw. das Navi hat ein Problem mit dem Parkhaus, es gibt hier drinnen nämlich keinen GPS Empfang, sodass die ganze Aktion letztendlich sinnfrei war. Die Avis-Dame verlässt uns wieder und Walter übernimmt. Wir fahren der Nase nach aus La Coruna raus, so ungefähr wissen wir ja, wo der Flughafen ist und irgendwann kommen auch die Verkehrsschilder Richtung Flughafen. Aber unser grundsätzliches Problem mit dem Navi-Gerät ist latent. Drei Jung-Rentner im Polo und ein Tom Tom, der/das zwischenzeitlich sogar Deutsch spricht, Realsatire pur. Walter fährt nochmal rechts ran und jeder darf mal mit Tom Tom spielen. Keine Chance – die Route lässt sich nicht starten. Walter fährt und Martin spielt weiter. Irgendwann, 1 Kilometer vor dem Flughafen entdeckt Martin dann, dass uns die Avis-Dame als Ausgangspunkt und nicht als Ziel den Flughafen eingegeben hat, und deshalb hat sich das Gerät verweigert, eine Route zu erstellen. Ganz schön tricky. Wir verabschieden Martin am Flughafen und fahren weiter nach Bilbao. Zwischenzeitlich leitet uns das Tom Tom durch fast unwegsame Gebirgsregionen (es sieht aus wie in Südtirol im allerhintersten Gebirgstal) bis es wieder die neue Autobahn Richtung Bilbao findet. Die Navi-Software scheint sehr veraltet zu sein. Letztendlich kommen wir gegen 18 Uhr gut in Bilbao an und beziehen unser Hotelzimmer. Herrliches Wetter in Bilbao, schöne Abendsonne und leichter warmer Wind. Wir ziehen sofort zu Fuß los zum Fotoshooting Richtung Guggenheim-Museum. Gegen 20 Uhr streikt mein Magen, hat er doch seit dem Frühstück nichts mehr erhalten, wir suchen und finden ein Fischrestaurant. Walter bestellt als Vorspeise irgendwas mit Tuna. Es kommt ein künstlerisch hochwertig gestaltetes Objekt: Eine Lage rohe Tomaten, eine Lage Tunfisch, eine Lage rohe Tomaten und gekrönt wird der Turm mit einer roten Rose (aus der Tomatenschale gestaltet). Man/frau muss wissen, dass Walter Tuna liebt, aber nie niemals rohe Tomaten isst! Ich habe Lula (Tintenfisch) als Vorspeise und als Walter mit allergrößter Verachtung eine Mini-Tomatenscheibe gegessen hat, tauschen wir die Teller. Begleitet von einer Flasche Rioja und der Tour de France im TV klingt der Abend aus.

A Coruna

Im September 2006 war ich mit der GfS, mit unserem Vereinsschiff „Brigantia“, schon einmal hier in La Coruna. Skipper war Heinz „Gutzi“ – mein Lieblingsschweizer. Es wurde ein unvergesslicher Gourmet-Törn nach Lissabon. Walter und ich werden diesen Törn nachfahren. Ich habe den Törnplan aufbewahrt (Buchhalterin bleibt Buchhalterin) und natürlich mit dabei. La Coruna hat sich in den 8 Jahren nicht sehr verändert. Die Hafenpromenade von der Marina La Coruna in Richtung Club Nautico wurde neu gestaltet, aber sonst wurde kaum was verändert, vieles kommt mir bekannt vor. Auf Anhieb habe ich den Mercator (Supermarkt) gefunden, auch die Einkaufsstraßen, die Altstadt und den Autoverleih. Richtig witzig finde ich den Blumenschmuck auf den Balkonen. Es sind gehäkelte Blumentöpfe und gehäkelte Blumen – total genial. Brauchst nicht zu gießen, verwelken nicht. Vielleicht wäre das was für unseren Garten zu Hause? Meine Kinder werden sich jetzt an den Kopf fassen und sagen, jetzt ist sie völlig durchgeknallt.
Das Abendessen war ein Genuss. Wir haben nach längerer Pause mal wieder im Lokal zu Abend gegessen (zu Hause gehen wir ja schließlich auch nicht jeden Abend zum Essen aus – und unser zuhause ist ja momentan hier). Wir hatten eine riesige Salatplatte mit Tuna, Oliven und Ei als „Entrada“ und als Hauptgang Langostinos, dazu eine Flasche (0,5 Liter) 2010er Rioja. Bezahlt haben wir 47 Euro – da kannst nicht meckern. Morgen, am 15.07. werden wir den bestellten Mietwagen abholen und nach Bilbao düsen. Wir berichten.