Gran Canaria_4

Trinkwasser ist immer ein heikles Thema an Bord. Die Wasserqualität wird zunehmend schlechter und wir haben beschlossen, ab sofort Aquaclean in die Tanks zu geben. Bislang konnten wir ohne Zusatzmittel auskommen, aber das ist nun endgültig vorbei. Zusätzlich haben wir einen Aktivkohlefilter gekauft. Walter hat eine Konstruktion gemacht (siehe Foto) damit wir das Wasser gleich beim Einfüllen in die Tanks filtern können. Das Schlauchstück, in das er den Wasserfilter eingesetzt hat, wird nun mittels Kupplung auf unseren Wasserschlauch gesteckt. Zuerst war angedacht, den Aktivkohlefilter in der Bilge zu verbauen, aber ein Wassertank ist vorne und einer ist hinten, außerdem haben wir noch einen Warmwasserboiler. War uns dann doch zu kompliziert, wir hätten drei Filter benötigt und zudem war zu wenig Platz da. Die Filter müssen spätestens nach einem Jahr getauscht werden und hierfür dann jeweils das halbe Schiff auseinander zu nehmen – nein Danke.
Wasserfilter k
Am Nachmittag sind wir an den Stadtstrand Playa de Canteras zum Baden gegangen. Hier auf der Westseite von Las Palmas liegt ein kilometerlanger Sandstrand und das Atlantikwasser sieht sauber aus. Das Baden ist hier ungefährlich, weil vor dem Strand ein Riff liegt, auf dem sich die Brandung bricht, auch der Tidenstrom ist kaum zu spüren. Am Strand sind Süßwasserduschen – sehr angenehm. Die Außentemperatur lag heute bei untypischen 32 Grad. Das Wasser hatte bestimmt 24 Grad. An der Strandpromenade sind die Restaurants/Cafés wie am Perlenkettchen aufgereiht, komischerweise überwiegend italienische Küche und Eiscafés mit Eis nach italienischer Art.
Strand Las Palmas P

Gran Canaria_3

Hafentag in Las Palmas
Die Servicetechniker von Yanmar Motorservice waren ab 8:30 Uhr avisiert. Gekommen sind sie um14:00 Uhr. Genügend Zeit um Waschmaschinen zu beladen, Matratzen zum Lüften rauswuchten und andere Kleinigkeiten zu erledigen. Unser Aluminium-Pickhaken löst sich langsam auf, weißes Pulver rieselt. Dagegen sind wir machtlos, wir haben Ersatz. Das Liftsystem vom Spi-Baum haben wir optimiert. Der Spi-Baum läuft in der Mastschiene und wenn zu wenig Druck im Segel ist, fährt er selbstständig in der Schiene runter. Das geht so nicht! Gut dass am Anfang und am Ende der Mastschiene bereits Rollen fixiert sind, um eine umlaufende Leine einzuziehen, deren Anfang und Ende an der Spibaum-Glocke fest ist. So kann Walter, wenn er den Spibaum auf der richtigen Höhe hat, die Leine in die Curryklemme drücken und der Baum müsste dann an dieser Position in der Mastschiene bleiben. Müsste! Der Trockentest hat funktioniert, den Praxistest muss das System erst noch bestehen. Ach ja, um die Leine in die Rolle am Mast einzuziehen durfte ich mal wieder im Bootsmannstuhl „Aufzug“ fahren. Dieses Mal nur bis zum ersten Stock (erste Saling). Die Techniker vom Yanmar-Service haben gut gearbeitet und vor Allem, sie haben wenig Sauerei mit dem Öl- und Filterwechsel gemacht. Walter will den nächsten Ölwechsel selbst machen – abwarten.
Dadurch, dass wir den ganzen Tag am und ums Boot waren, konnten wir auch das Hafenkinoprogramm verfolgen. Manche Menschen werden mich jetzt für die folgenden Sätze hassen, aber so viele abgestürzte, verwahrloste, verzweifelte und durchgeknallte Menschen wie hier habe ich noch nie auf einem Fleck gesehen. Ja, die Segler sind an sich schon etwas crazy, lange Zeit auf so beengtem Raum zu Leben, ist nicht jedermanns Sache. Aber hier haben sich die Extreme versammelt. Unserem schwedischen Nachbarn rostet sein ehemals stolzes Stahlschiff buchstäblich unterm A…. weg und er kriegt den Selben nicht mehr hoch um etwas dagegen zu tun. Wir sind jetzt drei Tage hier und haben ihn nur kurz gesehen, als wir angekommen sind. Da hat ihn nämlich der Marinero rausgeklopft, damit er sein Beiboot wegzieht, sonst hätten wir nicht anlegen können. Seither sitzt er in seiner Dose unten drinnen – deprimierend. Vor den Stegen laufen immer wieder Leute, die sich als Crew verdingen wollen und die schwarzen Bretter sind voll mit den entsprechenden Hand-gegen-Koje-Angeboten. Walter ist heute kurz alleine zum Bootsausrüster rüber und auf dem Rückweg wurde er gleich von zwei Mädels, um die 25 Jahre alt, angemacht – nicht angesprochen. Zuerst gab es Komplimente, dass er gut aussieht, dann ob er zu einem Drink mit will und schließlich ob er noch Crew braucht. Er braucht von alldem nichts! Er war schockiert über die Art und Weise, wie er angesprochen wurde. Respektlos. Schräg gegenüber liegt ein Schiff mit deutscher Nationalflagge, es wird aber spanisch geredet. Die Tochter beschallt den ganzen Tag den kompletten Hafen mit Technomusik –akustische Umweltverschmutzung-, springt hin und wieder in voller Montur ins Hafenbecken, schwimmt ums Boot, klettert auf den Steg und spritzt sich mit dem Süßwasserschlauch ab. Wenn die Klamotten trocken sind, geht die ganze Prozedur von vorne los. Wenn der Vater abends an Bord ist, dann ist die Musik leiser, aber die optische Umweltverschmutzung setzt ein. Er hat vom Bug und vom Heck aus jeweils eine LED-Lichterkette in den Mast gezogen und die blinkt in allen Neonfarben. Ein älterer Mann, weißer Bart, Schlapphut, grüner Bundeswehrrucksack, olivgrüne Hose, immer Barfuß, geht von Steg zu Steg. Bei uns war er noch nicht vorstellig geworden, wahrscheinlich deshalb, weil der Magnetverschluss am Eingang zum Steg noch funktioniert. Am Nachbarsteg braucht man keine Chipkarte mehr, da genügt ein kräftiger Ruck, der Magnetverschluss gibt nach und das Tor ist offen. Das ist hier eben so, wir können damit umgehen.
Las Palmas-Jagi
Krasser Gegensatz: Ein alter gepflegter Jaguar vor dem Fünf-Sterne-Hotel.

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Heute wollen wir die alte Markthalle im Stadtteil Vegueta besuchen – zu spät. Wir haben uns in der Fußgängerzone verdaddelt und als wir dort ankommen, laden die ersten Händler ihre Waren bereits wieder in die Lieferwagen. Ich musste doch endlich mal den neuen Modesnack Frozen Yoghurt probieren. Mit tropischen Früchten, Crunchies und Honig sicher eine Kalorienbombe, aber jetzt weiß ich wie es schmeckt und kann wieder mitreden. Wir besuchen das Centro Atlantico de Arte Moderno, wir sind die einzigen Besucher. Das Museo stellt auf vier Ebenen Skulpturen, Fotomontagen, Bilder und Videoinstallationen aus. Wahnsinnig modern! Aber wir lassen uns Zeit, das Museo ist gut klimatisiert und die Museumsangestellten müssen ja auch einen Sinn in ihrem Arbeitstag finden. Eine nette junge Dame folgt uns auf Schritt und Tritt, wir bekommen nur ein Mal einen Verweis, als wir zu dicht an ein Gemälde treten. Wir wollen sehen, ob der Künstler alles mit Bleistift vorgezeichnet hat – ja, hat er. Ich kann Walter gerade noch davon abhalten auf das WC zu gehen, er will mit mir wetten, dass die Dame folgt. Im Anschluss daran laufen wir durch das Trianaviertel und durch das Gartenviertel, es gibt nette Ecken, man muss nur genau hinschauen. Wir laufen ohne Stadtplan und verdaddeln uns ein bisschen, als wir aber die ersten Rotlichtbars sehen, biegen wir umgehend rechts ab und laufen die bekannte Route Richtung Hotel Santa Catalina, durch den Park und zurück zu Marina. Abendessen gibt es heute zu Hause, morgen früh kommt der Yanmar-Techniker um einen Motoröl und -filterwechsel zu machen. Jetzt gehen wir noch in die Pier 19 Bar um dort den Wifi Code zu holen – gibt ätzendere Aktionen.
Hier Panoramabilder, zum Anschauen bitte anklicken.

Las Palmas Theatro

Las Palmas Theatro


Las Palmas_Kathedrale

Gran Canaria

Marina Las Palmas
Wir sind in der Nacht von Samstag auf Sonntag von Gran Tarajal auf Fuerteventura nach Gran Canaria gesegelt. Die Neumondnacht war stockdunkel und die Sterne haben sich auf der Wasseroberfläche gespiegelt. Im Süden von Fuerteventura, vor dem Leuchtturm Jandia liegt ein Riff, auf dem sich zahlreiche Fischerboote versammelt hatten. Nachdem wir ja bereits üblen Kontakt mit Fischernetzen hatten, waren wir etwas in Sorge. Viele Fischerboote sind nicht beleuchtet, bzw. sind nur auszumachen, wenn sie den Fang einholen und hierzu ihre starken Lampen anmachen. Durch die stockdunkle Neumondnacht und die Sternenspiegelung auf dem Wasser waren wir ziemlich angespannt. Letztendlich haben wir keinen Fischer aufgegabelt, aber der nächste Stress wartete vor dem Verkehrstrennungsgebiet zwischen Fuerteventura und Gran Canaria. Ein Frachter mit Ziel Las Palmas kam uns immer näher, obwohl wir außerhalb des Verkehrstrennungsgebietes waren. Das AIS meldete Entfernungen zwischen 0,2 und 0,5 Seemeilen, mitunter auch weniger. Wir behielten unseren Kurs bei, aber nahmen die Fahrt weitgehend aus dem Schiff. Die Passierentfernung erhöhte sich auf 0,5 Seemeilen. Wir waren der Meinung, das Problem sei nun gelöst, als der Frachter seinen Kurs änderte und wir statt des grünen Positionslichtes nun sein rotes sahen! Der Dödel hat doch tatsächlich seinen Kurs geändert und kam exakt auf uns zu. Walter hat gut reagiert und hat volle Pulle beschleunigt und wir haben uns vom Acker gemacht (nachts um 3 Uhr, das braucht kein Mensch). Da Frachter zwingend das AIS System haben müssen, können wir nur annehmen, dass der Navigator entweder ein Sadist oder Penner war. Ansonsten gab es vor der Hafeneinfahrt von Las Palmas viel Verkehr. Kreuzfahrtschiffe, Frachter und außer uns noch zwei Segler. Den Vogel hat der asiatische Frachter Hayfang abgeschossen, dessen AIS hat nämlich in die falsche Richtung gezeigt, auf unserem Display ist er von uns weg gefahren, aber in Wirklichkeit kam er mit langsamer Fahrt auf uns zu. Das konnten wir aber auch erst erkennen, als es langsam hell wurde. Seine Positionslichter waren so schwach, dass wir sie aus einer Entfernung von weniger als einer Meile gar nicht sehen konnten. Die Nacht war nicht so entspannt wie die Nächte der vorhergehenden Nachtfahrten, aber wir sind trotzdem gut und sicher in Las Palmas angekommen und haben auch unseren reservierten Liegeplatz erhalten. Alles ist in Ordnung, die Duschen sind warm, die Toiletten akzeptabel nur das freie WLAN Netz ist nicht vorhanden. Wir vermuten, dass während der Zeit, in der sich die 250 Boote der ARC hier sammeln, das freie WLAN Netz abgeschaltet wird. Es gibt Marina Las Palmas Wifi, 7 Tage zu 10 €.
Heute haben wir, um einen Überblick über die ungewohnte Großstadt zu bekommen, eine Stadtrundfahrt mit dem roten Hop on hop off Bus gemacht. Zwischendurch haben wir Kaffee, Tee und die Künste der einheimischen Konditoren genossen – und freies Wifi! Freies Wifi gibt es auch im Restaurant Velero direkt vor den Transitstegen P – T, der Ober rückt den Zugangscode unwillig raus, wenn man nur oben auf der Terasse vor einem Glas Bier sitzt. Wir wissen uns zu helfen, manchmal nützt es, wenn Frau den Charme des Alters einsetzt. Auf den ersten Blick gefällt uns die Großstadt Las Palmas doch recht gut. Es gibt schöne Ecken in den Altstadtbezirken Triana und Vegueta. Auch das Viertel Cuidad Jardim hat schöne Plätze und vor allem das Hotel Catalania, auf dessen Terrasse auch Gäste, die nicht im Hotel wohnen, sehr höflich und zuvorkommend bedient werden. Morgen, am Dienstag haben die Museen wieder geöffnet, unser Plan für morgen steht.

Fuerteventura_7

Tagesausflug nach El Cotillo und Faro de Tostòn.
Wir fahren längs durch die Insel in den Nordwesten. Hier ist die Küste wesentlicher rauher als im Lee der Insel (auf unserer Seite). Die Brandung rollt ungebremst von Westen an und donnert gegen die Felsküste/Lavaküste. Zwischendurch immer wieder kleine Buchten mit Sandstränden – zum Baden aber ungeeignet. Im Faro de Tostòn befindet sich ein Museum über die Ursprünge des Fischfangs auf Fuerteventura und der mittlere Leuchtturm kann bestiegen werden. El Cotillo hat einige Hotels und Restaurants, sieht aber insgesamt sehr verlassen aus. Überhaupt sehen wir viele verlassene und verfallene Gebäude. Schade.

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Heute machen wir einen Tagesausflug in die Inselmitte. Wir fahren durch Tuineje, Paraja nach Betancuria. Betancuria war die erste Inselhauptstadt, gegründet 1504 vom Eroberer Jean Bethancourt, einem Normannen der im Auftrag der spanischen Krone unterwegs war. Die Stadt wurde mitten in den Bergen gegründet, in der Hoffnung hier vor Piraterie sicher zu sein. Die Rechnung ging nicht auf, denn die Stadt wurde im 17. Jahrhundert von den Berbern angegriffen und niedergebrannt. Die Gebäude, die heute in der historischen Stadt zu besichtigen sind, sind danach wieder aufgebaut worden. Es gibt ein Touristeninformationszentrum in dem ein 3D Film über die Geschichte von Betancuria gezeigt wird. Die historische Stadt umfasst die beeindruckende Kirche, die Casa Santa Maria (jetzt ein Restaurant mit Michelin-Empfehlung. Die Küche schließt leider um 17 Uhr) und einige Souvenirshops. Am beeindruckendsten war die Autofahrt nach Betancuria. Die Straße ist gut ausgebaut und führt durch das Gebirge. Am Straßenrand wurden viele Aussichtsplattformen geschaffen um die tolle Aussicht über Fuerteventura zu genießen und um zu fotografieren. Auf der Passhöhe zwischen Betancuria und Antiqua ist auf der einen Seite die Aussicht bis zur westlichen Atlanikküste und auf der anderen Seite die Aussicht ins Inselinnere Richtung Betancuria möglich. Wir fahren über Antiqua zurück nach Gran Tarajal.

Die Überraschung des Tages: Im Restaurant Casa Santa Maria spricht man fließend sächsisch!

Fuerteventura Inselpanorama

Fuerteventura Inselpanorama

Fuerteventura_4

Heute am Montag ist Feiertag auf Fuerteventura. Vermutlich zu Ehren des Erzengels Michael, ich konnte mangels Spanischkenntnis nichts Verbindliches erfahren. Wir setzen unsere Autotour an der Ostküste fort und fahren zuerst hinauf zum Leuchtturm Punta de la Entallada. Es ist sehr bewölkt und zum Fotografieren zu kontrastlos. Wir müssen nochmal bei Sonnenschein hochfahren, weil der Ausblick über den Atlantik und die Insel atemberaubend ist. Der nächste Stopp ist das Lavafeld Malpais Grande bei Punta Negro. Ein ausgeschilderter Wanderweg geht durch das Lavafeld bis zum Fischerdorf Punta Negro. Wir sind faul und fahren mit dem Auto. Punta Negro besteht aus zwei Bars, einigen renovierten Ferienhäusern, vielen verlassenen Häusern und einem nicht sehr einladend aussehenden Campingplatz. Die Bucht ist sehr geschützt und eignet sich bestimmt als Ankerplatz, auch über Nacht. Der nächste Halt ist in Caleta de Fuste, Puerto Castillo. Hier befindet sich ein Ferienresort, bestehend aus vielen kleinen Bungalows, das vor 1989 von einer spanischen Investorengruppe gebaut wurde. Hinter der Investorengruppe standen jedoch keine Spanier, sondern hohe Funktionäre der ehemaligen DDR. (Es gibt hierüber einen alten Spiegelartikel. Einfach Schalck-Golodkowski und Fuerteventura googeln – ist durchaus interessant.) Jetzt gehört das Ressort und der kleine Hafen Puerto del Castillo zur Hotelkette Barcelo. Das Resort ist wirklich sehr hübsch, die kleinen Bungalows zwischen großen Palmen und vielen blühenden Sträuchern. Die neueren Gebäude sind ebenfalls niedrig gehalten und fügen sich gut ein. Der Badestrand mit goldgelbem Sand ist weitläufig und es geht flach ins Meer. Geeignet für Familien. Der kleine Hafen wird gerade aufgepimpt. Auf dem Steuerbord-Molenkopf entsteht ein modernes zweistöckiges Gebäude mit Sanitäranlagen im EG, Bar und Terrasse im OG. Die Liegeplätze im kleinen Hafen sind reduziert, weil fast die Hälfte davon abgeteilt wurde und als Touristenattraktion zwei Seehunde gefangen gehalten werden. Die armen Tiere schwimmen im 10 x 10 Meter Gitterkäfig und müssen für ihr Futter „arbeiten“. Vier Personen sind beschäftigt die Tiere zu bespaßen: Drei halten Reifen über den Beckenrand und Einer gibt den Tieren Befehle. Die Tiere springen durch den ersten Reifen und erhalten einen Fisch. Durch Reifen zwei und drei springen sie nicht – die sind ja nicht doof, wenn es für den ersten Reifen Futter gibt, und das mehrmals am Tag, reicht das. Nicht nur das Seehundbecken nimmt Liegeplätze weg, auch ein alter Schrottkahn aus Holz liegt im Hafenbecken. Ebenfalls als Touristenattraktion. An Deck steht Kaptain Jack Sparrow aus Holz – ohne Gesicht. Wo das Gesicht sein sollte ist ein ovales Loch und die Touristen können ihr Gesicht reinstecken und sich fotografieren lassen. Kostet 5 Euro. Damit und mit dem Seehundfutter (1 Fisch 1 Euro) ist vermutlich mehr verdient als mit den Liegeplätzen für Gastsegler. So wissen wir nun auch warum für die Sunrise kein Platz mehr war.

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Heute, am Sonntag, 12.10.2014 ist Fest auf Fuerteventura. Hier in Gran Tarajal wird am Vormittag die erfolgreiche Abwehr der englischen „Invasion“ vom 12.10.1740 gefeiert und nachgestellt. Immerhin ein englisches Schiff war in der Nacht auf den 12.10.1740 in der Bucht vor Gran Tarajal vor Anker gegangen, mit dem Ziel der Landnahme für die englische Krone. Die Bewohner von Fuerteventura hatten sich erfolgreich gewehrt und nach vier Tagen musste das Schiff den Anker lichten und sich verziehen. Heute pünktlich um 12 Uhr Mittag läuft ein alter Zweimaster in die Bucht ein, rot gekleidete Statisten stehen in der Takelage und über die gigantische Lautsprecheranlage auf der Strandpromenade läuft dramatische Filmmusik (ähnlich der aus Fluch der Karibik). Die vermeintlichen Befehle des englischen Kapitäns werden über die Lautsprecheranlage übertragen und die kostümierte Mannschaft des Zweimasters muss in die Ruderboote umsteigen und an den Strand rudern. Am Strand gehen einige vorbereitete Böller hoch und die Kostümierten „erobern“ Gran Tarajal. Mit Pauken und Trompeten ziehen sie anschließend über die Strandpromenade, gefolgt von historisch gekleideten Insulanern. Nach etwa einer Stunde ist das Schauspiel zu Ende und die Gassen von Gran Tarajal sind leergefegt. Siesta. Wir nehmen unseren Mietwagen und fahren in den Süden von Fuerteventura. Der erste Stopp ist Tarajalejo. Hier wird es schon etwas touristisch, wobei ein bereits fast fertig gestellter Hotelkomplex zur Bauruine verfällt. Weiter geht es nach Costa Calma – der Touristenhotspot! Die Straße mit den endlos aneinander gereihten Hotels heißt treffenderweise Rua Jahn Reisen. Hier beginnt auch der etwa 20 Kilometer lange gelbe Sandstrand, der sich bis hinter Morro Jable zieht. Zugegeben, der Strand und das in allen Blautönen schimmernde Meer sehen schon phantastisch aus. Wir fahren hinter Costa Calma eine festgefahrene Sandpiste runter in Richtung Meer und schon liegt ein fast menschenleerer Sandstrand vor uns. In den Felsen wohnen putzige Streifenhörnchen, die so zutraulich sind, dass sie sich mit Orangen füttern und fotografieren lassen.
Streifenhörnchen_kJogi
Wir fahren weiter nach Süden und sehen immer wieder abscheuliche Bauruinen in unberührter Landschaft. Zwischen Jandia und Morro Jable gibt es nur Bettenburgen soweit das Auge blickt. Leider zwischendrin auch riesige Bauruinen. Der Reiz von Fuerteventura (Süd) ist: Traumhaftes Wetter, herrliches Wasser, gelber Sand und (weil wohl die Nachfrage besteht) etwas Ballermannflair. Wir schauen uns auch den Hafen von Morro Jable an. Auch hier haben wir eine bestätigte Liegeplatz-Reservierung, die wir jedoch dieses Mal nicht annehmen. Wir bleiben b.a.w. in Gran Tarajal und gehen dann von hieraus rüber nach Gran Canaria. So übel ist der Hafen hier gar nicht. Strom und Wasser am Steg, sichere Fingerstege, absolut ruhig und keinerlei Schwell. Toiletten und Duschen könnten besser sein – aber es ist nicht ekelig.

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Wir fangen an den Fiat 500 (umgangssprachlich Knutschkugel) ins Herz zu schließen. Europcar scheint unsere Vorliebe zu kennen und hat uns heute wieder einen weißen Fiat übergeben. Unser erstes Ziel war Corralejo mit seinen saharagelben Sanddünen. Corralejo hat doch tatsächlich sehr hübsche Ecken und einen tollen Badestrand – aber wie immer haben wir keine Badeanzügen und Handtücher dabei. Nach einem riesigen Eisbecher brauchen wir einen Spaziergang und laufen am Sandstrand entlang zur Kitesurf-Schule. Die Lehrlinge müssen den Umgang mit den Drachen zuerst im Trockenen, also am Strand, lernen und gaffende Touristen, also wir, sind da im Weg. Wir weichen so gut es geht den Drachenschnüren aus. Ist ja nicht ganz ungefährlich, so eine Drahenschnur am Hals oder am Körper  muss nicht sein. Es sind auch absolute Könner im Wasser, die Kiteboards haben Foils unten dran und die Könner erkennt man daran, dass sich das Brett aus dem Wasser hebt und nur noch der Foil durchs Wasser pflügt. Heute beginnt auf den Inseln das Fest des Erzengels Michael. In Puerto Rosario, hier sitzte ich gerade im Restaurant mit free wifi, ist um 21 Uhr ein gratis Konzert. Das wollen wir uns anhören. Leider gibt es hier im Restaurant erst ab 20 Uhr warme Küche, sodass wir uns aktuell mit Bier (cane = kleines Glas) und einem Glas Weißwein und Oliven sättigen müssen. Wir sind ja flexibel! Puerto Rosario ist eine Industriestadt ohne Charme. Es gibt auch keinen Hafen für Segler, man kann neben dem Industriehafen vor Anker gehen. Das ist jedoch keine Alternative, dann noch lieber in Gran Tarajal.
Coralejo Panorama k