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Karneval Guadeloupe (k)
Sonntag, 15.02.2015
Karnevalsumzug in Point a Pitre. Am schwarzen Brett in der Marina hängt ein Zeitungsausschnitt, dass der große Umzug um 12:30 Uhr beginnt. Fasching ist hier wie ein Feiertag, keine Busse und erst recht keine Taxen fahren. Wozu hat der Mensch zwei gesunde Beine bekommen? Wir gehen zu Fuß durch die unangenehme Vorstadt, werden jedoch wie bereits Tage zuvor nur von freundlichen Gesichtern gegrüßt. Trotzdem laufen wir schnellen Schrittes weiter ins Zentrum. Die Straße, auf der der Umzug durchzieht ist leicht zu finden. Die Einwohner von Point a Pitre haben mit Sack und Pack bereits um 12 Uhr Stellung bezogen. Klapptische, Klappstühle und Kühlboxen sind am Straßenrand platziert. Wir sind pünktlich an Ort und Stelle und suchen uns ein Schattenplätzen zwischen den Einheimischen. Gegen 13 Uhr kommt die Polizei durchgefahren und begutachtet die Lage – wohl alles in Ordnung. Die Großfamilien richten ihr Mittagessen her, was noch fehlt wird kurzerhand bei Kentucky Fried Chicken besorgt. Wir stehen mit unserer Literflasche Wasser ziemlich doof in der Gegend. Gegen 14 Uhr kommt ein niegelnagelneuer Audi Cabrio von der KFC Konkurrenz Mc mit der Faschingsprinzessin durchgefahren. Unser Wasservorrat geht zu Ende, es hat gefühlte 40 Grad. Gegen 15 Uhr kommen die ersten Amateurgruppen an. Nicht sehr spektakulär ziehen durchgeknallte Halbstarke peitschenknallend durch die Straße, gefolgt von einer Gruppe mit Trommeln und einigen recht ansehnlichen Mädels, auch unansehnliche sind dabei. Mir reicht es, ich brauch jetzt einen Kaffee. Ganz schlecht heute. Es wird ein Heineken. Zwischenzeitlich ist es 16 Uhr und der eigentliche Umzug fängt jetzt an. Keine Ahnung, ob es hier auch Sambaschulen gibt, aber es sieht so aus.
Karneval Guadeloupe (5k)
Mit sehr aufwändigen Kostümen und einstudierten Tanzformationen begeistern uns nun die eher traditionell geprägten Gruppen. Hier ist Rhythmus und Ästhetik und nicht Knallerei und Aggressivität gefragt. Irgendwann kann ich nicht mehr stehen und wir bewegen uns in Richtung Marina zurück. Zu Essen bekommen wir nichts mehr, hat alles zu. Klar, ist ja hoher Feiertag. Gut, dass es auf der Sunrise noch genügend Proviant aus Europa gibt.
Karneval Guadeloupe (6k)

Guadeloupe_6

Freitag, der 13. Völlig ohne Plan! Wir waren so dreist es auszuprobieren, mittags um 12 Uhr ans östliche Inselende, nach St. François (35 km entfernt) zu fahren. Wir nehmen den Bus, ohne zu wissen, ob wir von dort am gleichen Tag wieder zurück nach Point a Pitre kommen. Im Bus eher Achterbahn und Geisterbahn in Einem, beschleunigt auf Busüberschallgeschwindigkeit von über 100 Stundenkilometer. Das auf Straßen, die eher eine Sackkarre, als einen Bus kennen.
Herausgekommen ist eine freundliche Guadeloupperin, die uns noch im Bus adoptiert, an der Endhaltestelle unterhakt und in ihre Bar geleitet. Dort erfahren wir, dass tatsächlich noch ein Bus am Abend St. François in Richtung Point a Pitre verlässt.
St. François ist ein Touristenort mit Badestrand, kleinem Yachthafen und allem was die Touristen begehren.

St. Francois

St. Francois

Uns bleiben nur zwei Stunden Zeit, den Ort und die Umgebung zu erkunden. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass auf Guadeloupe mehr als freundliche Menschen leben. Wenn man sich einlässt auf ihre Improvisationskünste und dass alles nicht so perfekt ist, kann man diese Insel schätzen und lieben lernen.

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Linienbus auf Guadeloupe

Linienbus auf Guadeloupe

Und es fährt doch ein Bus vom Flughafen nach Pointe á Pitre!!! Zwar nicht ganz direkt und nur halblegal, aber wenn frau sich hilflos genug anstellt… Es trug sich wie folgt zu: Mietwagenabgabe beim Verleiher am Flughafen. Auf unsere Frage, wo und ob es einen Bus in die Stadt gibt, kommt wie aus der Pistole geschossen die bekannte Antwort: Nein, es gibt keinen Bus. Wir haben einen Shuttleservice von hier zum Ankunftsterminal, zu den Taxis. Wir nehmen den kostenlosen Shuttleservice des Mietwagenverleihers in Anspruch und lassen uns zum Terminal fahren. Immer noch glauben wir es nicht, dass es am Flughafen keine Bushaltestelle gibt. Wir gehen ins Ankunftsterminal und schauen uns um. Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht. Auf der Suche nach einem Café fällt mir ein Schild auf, auf dem „Ausgang Busterminal“ steht. Na also, geht doch. Wir nehmen den Ausgang und stehen tatsächlich auf dem Busparkplatz. Fünf Busse stehen da und ein Werkstattwagen. Ein Mechaniker steht gelangweilt rum. Er ist mein Opfer und mit unbedarftem Altweibercharme frage ich ihn, wann der nächste Bus nach Poite á Pitre fährt. Er versteht mich und erklärt, dass von hier kein Bus abfährt. Unsere Kernfrage hat er also verstanden und weil wir nicht klein bei geben verstrickt er sich so lange in wenn und aber, bis er den Vorschlag macht uns zur nächsten offiziellen Bushaltestelle zu bringen. O.K. wir nehmen gerne an. So kommen wir zu einer Exklusivbusfahrt in einem Reisebus für ca. achtzig Personen vom Busparkplatz Flughafen bis zum nächsten Centre Commercial, wo immer Busse verkehren. Dort ist die nächste Linienbushaltestelle, etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt. Auf die Frage, was es kostet (das Mieten eines kompletten Reisebusses), kommt die Antwort, ich soll ihm eine Cola bezahlen. Eine Cola krieg ich jetzt grad nicht so schnell hergezaubert, also einigen wir uns auf 2 Euro pro Person. An der Bushaltestelle will gerade der Linienbus nach Poite á Pitre abfahren, der wird von unserem Chauffeur kurzerhand ausgebremst und angehupt. Wir sollen schnell umsteigen. Der Fahrer des Linienbusses hat begriffen was Sache ist und öffnet uns die Türen. Für 0,75 Euro/Person fahren wir nach Poite á Pitre! Bleibt die Frage, wieso kein Bus vom Flughafen abfährt? Na logisch, weil die Taxis ja schließlich auch was vom Tourismuskuchen abhaben wollen.
Ich bin stolz wie Bolle und will das gesparte Geld gleich in Schuhe investieren. Ein paar neue Sandaletten. Die Hitze hat der Sohle von meinen Sandaletten stark zu gesetzt, das heißt, sie lösen sich auf und die Riemchen gehen buchstäblich aus dem Leim. Leider kann ich in den hier überall angebotenen Schuhen nicht laufen, entweder High Heels oder flache Latschen ohne Fußbett. Dann eben nicht.
Zurück in der Marina wird die Losung „Kampf um die Waschmaschinen“ ausgerufen. Einen
Wäsche-Vollservice wie in Le Marin gibt es hier leider nicht. Also muss ich mit meinem Wäscheberg, den drei Maschinenladungen, zu den Marinawaschmaschinen. Es gibt drei Waschmaschinen, zwei Trockner und täglich hunderte Kilo verschwitzter Seglerwäsche. Wenn Frau nicht in der Waschküche stehen bleibt und nach der nächsten freien Waschmaschine geiert, ist sie chancenlos. Bis zum späten Abend ist die Wäsche gewaschen. Die Trockner halten nicht, was sie versprechen. Die Wäsche bleibt sehr feucht und muss zwei Runden durchgeblasen werden. Schlecht, wenn frau nur Chips für drei Waschmaschinen und drei Trocknerladungen im Office gekauft hat und das Office zwischenzeitlich geschlossen hat. Es wandert eine Tüte sehr nasser Wäsche, eine Tüte feuchter Wäsche und eine Tüte mit trockener Wäsche zurück aufs Schiff. Ein unbefriedigendes Ergebnis, zumal es am Abend immer wieder tropische Regenschauer gibt und ein Aufhängen der Wäsche auf dem Schiff nicht zielführend ist. Morgen früh werde ich gleich Trocknerchips kaufen müssen.

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Die Route de la Traverse führte uns ins Inselinnere der Insel Basse Terre. Unser erster Stopp war der Wasserfall Ecrevisses. Dieses Ziel hatten auch die sieben Reisebusse, mit denen die Reisenden des Kreuzfahrers AIDA Luna dorthin gefahren wurden. Das Motto des heutigen Tages für die AIDA Toursten stand auf den Reisebussen: Guadeloupe auf einen Blick. Ich habe nichts gegen Kreuzfahrer, nein im Gegenteil. Dies ist eine hervorragende Möglichkeit für die älteren Semester bequem die Welt zu erkunden. Nur eben wenn sie in Massen auftauchen, ist es unangenehm. Wir fuhren weiter zum Maison de la Foret und machten eine zweite Wanderung durch den Regenwald. Die Wanderung fiel etwas kürzer aus, denn wir wollten uns heute nicht wieder bis zu den Knien einsauen. Es ist schon ziemlich feucht und matschig – deshalb ja auch Regenwald. Unsere Schuhe reinigten wir im Bachbett und fuhren anschließend weiter auf die andere Inselseite nach Pointe-Noire ins Maison du Cacao. Hier wird der Weg von der Ernte der Kakao-Pflanze bis zur Herstellung der Schokolade gezeigt. War sehr interessant und die Erfindung der Chilli-Schokolade geht auf die Azteken zurück. Die Schokolade wurde nämlich ursprünglich mit Wasser und scharfen Gewürzen getrunken. Erst ein Spanier kam auf die Idee, der Kakaomasse Zucker hinzuzufügen. Der Zucker erst weckt den Schokoladengeschmack. Erst später kam die Milch dazu und die Schokolade in Tafelform, so wie wir sie kennen wurde hergestellt.

Kakaofrucht

Kakaofrucht

Weiter ging es nach Deshaies, einem kleinen hübschen Küstenort. Hier ist eine geschützte Ankerbucht, die wir noch anlaufen wollen. Gleich nebenan ist die schönste Badebucht der Basse-Terre Insel, der Plage de la Grande Anse. Hier sahen wir zum ersten Mal auf Guadeloupe viel touristisches Leben mit Strandbars, Restaurants und Kajakverleih.

Minivögelchen in Deshaies

Im nächsten größeren Dorf, Sainte Rose, befindet sich das Rum-Museum. Das lassen wir jedoch links liegen und fahren Richtung Marina. Beim Carrefour ergänzen wir unsere Vorräte. Die Preise hier sind teilweise astronomisch hoch. Für eine Packung Camembert (250 g) zahlen wir fast 5 Euro, dafür kostet ein Baguette überall nur 1 Euro. Das relativiert den Käsepreis.

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Inselteil Basse Terre
Spruch des Tages: Wäre ich ein Trüffelschwein, fühlte ich mich hier daheim.
Und zwar im knöcheltiefen lehmigem Matsch. Heute stand ein Ausflug in den Regenwald am Soufrier-Vulkan auf der Inselhälfte Basse Terre auf dem Programm. Mit den Wägelchen fuhren wir rüber auf die andere Inselhälfte. Plan: Die „facile“ Wanderung zum dritten Wasserfall. Der Wasserfall ziert auch den Inselprospekt.

Dritter Wasserfall, 20 Meter hoch

Dritter Wasserfall, 20 Meter hoch

Mit dem Auto ging es hoch auf 800 Meter Höhe zum Parkplatz. Dar Weg war gut auszumachen, zuerst mit Wackersteinen ausgelegt, dann immer lehmiger. Streckenweise mit Holzplanken belegt, streckenweise nur knöcheltiefer Matsch. Regenwald pur. Feucht und glitschig. Auch der Spruch „im Schweiß gebadet“ hat hier seinen Ursprung. In tropischer Hitze läuft der Schweiß vom Kopf über den Nacken den Rücken hinunter, durch die Unterwäsche hindurch direkt in die Socken und Wanderschuhe rein. Nachdem wir eine Stunde unterwegs waren, kamen wir an eine Stelle, der Wasserfall war bereits zu hören, die die Bezeichnung „facile“ (leicht) definitiv nicht verdient hat. Die Strecke zuvor fand ich nun wirklich auch nicht so leicht, da alles rutschig, glitschig und matschig war, aber dieses Teilstück warf echt die Frage auf „Geht´s noch und vor Allem wie?“ Ein Abgrund unterhalb von dem Holzplateau.

Wo geht´s  bitte zum Wasserfall

Wo geht´s bitte zum Wasserfall

Na ja, halt 5 Meter senkrecht. Baumwurzeln, Steine und Matsch und –Gott-sei-Dank- und total eingesaut ein Seil, an dem ich mich halten konnte. Danach gab es wunderbare Holztreppenstufen vollends runter zum Wasserfall. Das Wasser soll oben am Vulkan mit 95 Grad rauskommen und hier am 3. Wasserfall hat es sich schon merklich abgekühlt. Einige unerschrockene Wanderer entledigten sich ihrer Klamotten und nahmen ein Bad im Wasserbecken.

Dritter Wasserfall mit "Planschbecken"

Dritter Wasserfall mit „Planschbecken“

Wir machten Picknick. Auf demselben Weg ging es für uns wieder zurück zum Auto und der Rückweg war einfacher, zwar immer noch glitschig, rutschig und matschig, aber wir wussten was uns erwartet. Nichts mit „facile“ eher „difficile“. Ein Problem mit der Glitschigkeit in Verbindung mit der Schwerkraft und der Erdanziehungskraft hatte ich schließlich auch noch. Ich saß völlig unvorbereitet plötzlich auf meinem Hinterteil im Urwald und kam alleine nicht mehr hoch. Walter war mein „Tarzan“ und hat mich selbstlos aus dem Matsch gezogen. Nur gut, dass ich bereits schlammfarbene Klamotten am Leib hatte. Zurück am Auto wurden Klamotten und Schuhe gewechselt und wir fuhren runter nach Trois Riviere zum Eisessen. Mit Eisessen am Nachmittag hat man es hier nicht so, wir werden immer doof anschaut, wenn wir gegen 16 Uhr am Mittag nur ein Dessert bestellen.

Petit Bourg

Petit Bourg


Alter Leuchtturm in Vieux Fort

Alter Leuchtturm in Vieux Fort

Unsere weitere Rundfahrt brachte uns in die rush hours der Hauptstadt Basse Terre (muss man nicht gesehen haben) und anschließend zum Sonnenuntergang zum Reserve Jaques-Yves Cousteau. Anschließend war es wieder schlagartig pottendunkel und so wir fuhren über die Traverse zurück zum Schiff.

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Wo gibt es hier einen Mietwagen? Meine favorisierte deutsche Mietwagen-Buchungsseite hat mir kurz vor dem Abholtermin mitgeteilt, dass die Verleihfirma am Flughafen uns den kleinsten VW nicht zur Verfügung stellen will und hat die Reservierung kostenfrei storniert. Im Mietwagenstornieren sind wir ja mittlerweile ganz gut. Wir wollen aber die Insel erkunden und mit den Buslinien kommen wir noch nicht klar. Also ins Marinaoffice und die Damen nach den lokalen Verleihern gefragt. Praktischerweise ist genau gegenüber dem Marinaoffice ein Pavillion einer Verleihfirma, aber hier war nur ein 7 – 9 Sitzer zu bekommen – was wollen wir mit so einem Monstrum? Als nächstes sind wir rüber in die Blue Lagoon Marina zum Autoverleiher – kein Mietwagen für diese Woche! Komisch, wir haben nun nicht gerade den Eindruck, dass die Insel von Touristen überschwemmt ist. Aber wir geben nicht so schnell klein bei. Aktion „und es fährt doch ein Bus zum Flughafen“ wird ausgerufen. Am Unigelände, das praktischerweise direkt an die Marina angrenzt, sprechen wir einen Studenten an. Fährt ein Bus zum Flughafen? Nein, eher nicht. Aber wir sollen ins Stadtzentrum von Pointe a Pitre fahren und dort zum Busterminal gehen. Gesagt getan. Für 0,50 Euro/Person fahren wir zur Place de la Victoire. Leider gibt es ein Problem mit den Busfahrern. Sie sind alle ausgesprochen höflich und nett, aber verstehen weder Schulfranzösisch noch Englisch. Ok, nächste Option, das Office de Tourisme. Das wird ja wohl einen Busfahrplan der Insel haben und auch eine Person, die uns versteht. Mit dem Verstehen hat es geklappt. Der Cheffe des Ganzen, in Anzug und Krawatte (bei 35 Grad), hat uns gut verstanden und hat sich sehr gefreut, dass wir Gäste aus Deutschland sind – aber weiterhelfen konnte er uns nicht. Er hatte oder es gibt keinen Busfahrplan und auch kein Verzeichnis der Buslinien. Hallo? Sind wir jetzt in der EU oder j.w.d.? Wir sollen ein Taxi nehmen, die fahren gleich hier am Platz weg und immer zum Flughafen. Na, warum wohl? Der Taxifahrer hat sich sehr über seine neuen Opfer gefreut. Der Preis für die 6 Kilometer zum Flughafen betrug 10 Euro, pro Person wohlgemerkt. Die Verständigung hat auch gut geklappt, als Walter beim Flughafen die Schilder der Mietwagen-Verleiher gesehen und drauf gedeutet hat, ist der gute Mann gleich abgebogen und hat uns direkt vor Europcar abgeladen. Es gibt sehr wohl Mietwägen am Flughafen, so viele, dass es hier mindestens 6 Verleiher gibt. Wir haben jetzt einen Kleinwagen für 3 Tage und er kostet uns mehr als die ursprüngliche Reservierung über die deutsche Internetseite für eine Woche. Das Thema Bus zum Flughafen werden wir am Donnerstag, wenn wir das kleine Wägelchen zurückgeben müssen, nochmals intensiv angehen. Es fahren nämlich überall die Linienbusse. Haben wir gesehen, als wir den Inselteil „Grand Terre“, die flache Insel mit den Sandstränden, mit dem Wägelchen erkundet haben. Unser Weg führte uns über Port Louis (krasser Friedhof direkt neben dem Badestrand) und der Anse Bertrand direkt zur Nordostküste.

Typisch karibischer Friedhof mit gekachelten Häuschen

Typisch karibischer Friedhof mit gekachelten Häuschen

Zum nordöstlichstem Punkt der Insel führt vom Parkplatz aus ein breiter, eingeschotterter Trampelpfad, geschmückt mit dem Hinweis, dass hier ein „risque de morte“ besteht. Da wir uns unsicher waren, ob uns nun jemand nach dem Leben trachtet, oder der Hinweis sich auf die Geländeformation bezieht, ignorierten wir ihn und gingen vorsichtig weiter. Wir waren dabei in guter Gesellschaft, eine ganze Gruppe in Badelatschen kam uns entgegen. Die Steilküste hier ist sehr zerklüftet und sieht nicht spektakulärer aus, als andere Steilküsten.

Nordostküste Guadeloupe

Nordostküste Guadeloupe

Wir gingen den breiten Trampelpfad zurück zum Auto und fuhren nach Le Moule an der Ostküste. Hier scheint ein Surfer-Hotspot zu sein und die EU wird Milliarden für die kilometerlange Strandpromenade (total verwaist, kein Mensch unterwegs) rausgehauen haben. In den Städten hier herrscht Verkehrschaos, in Pointe á Pitre immer und auch in Le Moule. Im Schrittempo quälten wir uns durch und zwischenzeitlich wurde es Nacht. Spätestens um 18:30 ist hier pottendunkel und um 7 Uhr morgens wird es erst wieder hell. Von St. Francois und St. Anne sahen wir deshalb nichts mehr. Schauen wir uns an einem anderen Tag an. Hierhin fährt auch ein Bus, ganz sicher. Nämlich die U6 Linie, das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Pfeif auf dem Mietwagen und das Taxi.

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Sonntag in Pointe á Pitre
Am Vormittag ist es bewölkt, regnet und kühlt wunderbar ab. Die richtige Temperatur um am Schiff zu arbeiten. Eigentlich. Wir gehen lieber ins Aquarium, das hier gleich um die Ecke am Eingang der Blue Lagoon Marina liegt. Das Aquarium ist eine der Sehenswürdigkeiten auf Guadeloupe. Wir sind fast alleine, nur eine Familie mit zwei Kindern findet ebenfalls den Weg hierhin. Ob es am Preis liegt (11,50 Euro/Person)? In den verschiedenen Aquarien schwimmt alles was hier im Meer lebt, natürlich auch ein paar Haifische. In viel zu kleinen Becken. Es gibt Informationsvideos und viele Schautafeln – alles nur auf Französisch. Lesen geht ja einigermaßen, aber von den Videos kann ich keine Informationen erhalten.

Zwei bemitleidenswerte Insassen des Aquariums

Zwei bemitleidenswerte Insassen des Aquariums

Aquarium k2

Aktuell sind wir noch zu Fuß unterwegs. Der Mietwagenverleiher hat uns die Mietwagenreservierung abgesagt. Es gibt hier diverse Busverbindungen, wir müssen unser aber erst noch kundig machen.

Pointe á Pitre_Guadeloupe

Gestern Vormittag, nach einer entspannten Nacht vor Anker in Port St. Louis/Marie Galante sind wir mit einer leichten Backstagsbrise die letzten 15 Meilen nach Pointe á Pitre auf Guadeloupe gesegelt. Die Ansteuerung der Bas du Fort Marina war uns in der Nacht zu unsicher. Wer weiß, ob die Fahrwassertonnen auch beleuchtet sind. Man nimmt es hier nicht so genau. Umso erstaunter waren wir, dass die Tonnen wirklich exakt an den Punkten sitzen, wie auf der Seekarte eingezeichnet. Auch die Navionics Karten auf dem Plotter waren sehr genau. Das betonnte Fahrwasser wurde sowohl von den Fähren nach Marie Galante und Les Saints, als auch von den ortskundigen Seglern ignoriert. Sie fuhren den kürzesten Weg über die Flachs. Wir nicht. Und wohl auch nicht die AIDA und der MSC Kreuzfahrer, die ebenfalls den Weg nach Point á Pitre gefunden hatten.
Pointe a Pitre k (1)
Wir haben in der Bas du Fort Marina einen Platz am Besuchersteg 6 zugewiesen bekommen und der freundliche Marina-Mitarbeiter hat unsere Bugleine entgegen genommen und an der Boje festgebunden. Wir liegen wie in Le Marin mit dem Heck zum Steg. Das Einklarieren in der Bas du Fort Marina geht sehr einfach – mit dem Computer. Kennen wir ja schon. Keine Frage, weshalb wir von Le Marin bis hier 3 Tage unterwegs waren. (1. Stopp in St. Pierre , 2. Stopp in Port Louis ) Der Computer spricht nicht und stellt auch keine Fragen. Das Einklarieren kostet hier 3 Euro. Den Platz in der Marina haben wir für zunächst eine Woche gebucht, mit der Option verlängern zu können. Bezahlen müssen wir erst, wenn wir gehen. Die Officedame sagte, dass wir erst bezahlen sollen, wenn klar ist wann wir gehen. Je länger wir hier liegen, desto „günstiger“ wird es. Schaun mer mal.
Am Abend hatten wir den Versuch unternommen, zu Fuß ins Stadtzentrum zu gehen. Nach dem Universitätsgelände haben wir aber umgedreht und sind sehr flott wieder Richtung Marina zurück gelaufen. Die Gegend sah in der Nacht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Im Umfeld der Marina gibt es einige Bars und Restaurants, hier gab es noch eine Kleinigkeit für uns zum Essen und anschließend in der Bar bei Livemusik noch ein Glas Bier. Als Walter bezahlen wollte, stellte sich heraus, dass die Holländer, die mit uns am Stehtisch standen unsere Getränke mit bezahlt hatten. Besten Dank!
Der zweite Anlauf zu Fuß ins Stadtzentrum von Pointe á Pitre zu kommen war heute Vormittag erfolgreich. Die Gegend am Stadtrand sieht tagsüber auch nicht besser aus. Wir wurden jedoch nicht angesprochen oder angebettelt, wir haben immer in ein freundliches Gesicht geschaut. Das Stadtzentrum ist überschaubar, am alten Hafen, verkaufen die Fischer direkt aus ihren Booten ihren Fang, gleich daneben ist die alte Markthalle, Marché de la Darse mit den Gemüsefrauen.

Farbenfroher Markt in Pointe á Pitre

Farbenfroher Markt in Pointe á Pitre

Pointe a Pitre k (3)

Interessant war, wie die Fischer die Fische entschuppen: Sie haben Kronkorken von Bierflaschen auf ein Brettchen genagelt, mit der scharfen Seite nach unten und ziehen das Brettchen über die Fische. Die Schuppen fliegen im hohen Bogen auf den Boden, wahlweise auch auf die gaffenden Touristen. Am Place de la Victoire gab es am Mittag schon Livemusik in einer Kneipe, eine willkommene Gelegenheit eine Pause zu machen. Ansonsten zählt die Stadt nicht zu den 1000 Plätzen, die man gesehen haben muss.
Poine a Pitre k3

Anker auf in St. Pierre

Unser Ziel ist Guadeloupe. Zuerst müssen wir nach Pointe á Pitre zum Einklarieren, es ist schon verrückt. In Martinique (Frankreich und somit EU) ausklarieren und in Guadeloupe (Frankreich und somit EU) einklarieren. Das auch nur, weil wir durch das Hoheitsgebiet von Dominica segeln. In Dominica werden wir nicht anlegen und auch nicht vor Anker gehen. Wir segeln mit Abstand von 5 Meilen an der schönen, naturbelassenen Insel (so der Reiseführer) vorbei.
Dominica k
Von St. Pierre auf Martinique bis nach Pointe á Pitre auf Guadeloupe sind es knapp 100 Meilen, da wird uns das Tageslicht zwischendurch ausgehen. Wahrscheinlich gehen wir in der Nacht vor Marie Galante vor Anker und fahren erst bei Tageslicht nach Poite á Pitre.

Abschied von Le Marin

Am Mittwoch, den 04.02.2015 hat uns die Marina die Freundschaft gekündigt. Herzlich und zuvorkommend war der Empfang in der Woche zuvor, der Abschied war exakt das Gegenteil. Die Officedame verstand auf einmal kein Englisch mehr, zum Ausklarieren wurde ich in den Raum mit den vier PCs geschickt. Ich soll bitteschön die Ausklarierungsvordrucke am PC ausfüllen, ausdrucken, fünf Euro parat halten und zum Abstempeln kommen. Wir haben uns noch von den Crews von Neptune, Penny Lane, Roxy und Vagaluga verabschiedet. Wir sehen uns irgendwann und irgendwo auf diesem Planeten wieder. Bis dahin alles Gute und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel. Die Calypso war nicht mehr an ihrem ursprünglichen Liegeplatz (immer Ärger mit der Calypso), so konnten wir uns leider nicht von Judi und Victor verabschieden. Euch ebenfalls alles Gute. Zurück auf der Sunrise habe ich über Funk den Hafenmeister gerufen, damit er uns von der Boje losknotet. Ohne seine Hilfe wollten wir nicht auslaufen. Kaum hatte ich gefunkt, war er mit seinem Boot schon da und hat ungeduldig an der Bugleine gezerrt, ich sollte ihm lose drauf geben, damit er seinen Knoten aufbekommt. Walter hatte gerade erst den Motor gestartet und die Leeleine am Heck weggenommen. Er hielt nun das Schiff an der Luv-Heckleine. Jetzt erst habe ich die Bugleine soweit gefiert, dass der Hafenmeister seinen Knoten aufknoten konnte – und weg war er. Wir haben einen blitzsauberen Ableger hingelegt und sind los. Es war bereits 11:30 und wir hatten 33 Meilen bis zum Ankerplatz in St. Pierre, der alten Hauptstadt von Martinique, die 1902 durch den Ausbruch des Vulkans Pelée komplett zerstört wurde. Bis zum Rocher du Diamant hatten wir zu wenig Wind zum Segeln und sind mit Dieselwind gefahren.
Rocher du Diamant k
Danach hatten wir „Sahnehäubchen“ Segel mit achterlichem Wind zwischen 15 und 20 Knoten bis zum Ankerplatz. Noch vor 17 Uhr waren wir dort und waren überrascht, wie voll das Ankerfeld bereits war. Viele Charterkatamarane (unterliegen dem Nachtfahrverbot) natürlich in der ersten Reihe, dahinter die Fahrtensegler. Alleine drei kanadische und drei, mit uns dann vier deutsche Schiffe. Die Wassertiefe in der zweiten Reihe war beängstigend, ab 20 Meter aufwärts. Unmöglich! Eine knappe Stunde sind wir unter Motor gekreiselt um einen geeigneten Platz mit einer vernünftigen Wassertiefe zu finden – nichts zu machen. Da um 18 Uhr die Sonne untergeht und es anschließend stockdunkle Nacht ist, fiel der Anker doch auf 20 Meter Wassertiefe. Unsere 50 Meter Kette haben wir gar nicht komplett stecken können, sonst wären wir beim Schwojen wahlweise auf der Tonne, die das Ankerfeld eingrenzt oder auf dem Nachbarn gehangen. So haben wir wider allen Regeln geankert und sind die komplette Nacht Ankerwache gegangen. Für uns ist dieser Ankerplatz definitiv durchgefallen! Entweder man ist am Vormittag bereits da und kann sich in die erste Reihe legen oder man fährt weiter.