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Wir bekommen morgens die Daily News aufs Deck geworfen. Das ist ein Service der CrewsInn Marina. Interessant wie und was hier berichtet wird; Europa findet normalerweise keine Erwähnung, aber der Fifa-Skandal schlägt Wellen in Trinidad und Tobago. Jack Austin Warner, Politiker in Trinidad und Tobago und ehemaliger Vizepräsident der Fifa, hatte sich hier in Port of Spain der Polizei gestellt. Er wird beschuldigt während seiner Zeit als Fifa-Vize unter anderem in den Korruptionsskandal bei der WM-Vergabe nach Katar involviert gewesen zu sein. Er wurde nach Zahlung einer Kaution von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt. Die Presse ist voll mit Berichten, Interviews und Meinungen. Es überwiegt die Meinung: Solange die Schuld nicht bewiesen ist, gilt er als unschuldig. Letzten Donnerstag fuhren wir mit Jesse James am Warner Firmensitz vorbei, er gibt hier die Sonntagszeitung heraus. Eine überdimensionale Nationalflagge wehte an einem riesigen Flaggenmast. Jesse sagte, dass Jack Warner die größte Nationalflagge hat, die es auf Trinidad und Tobago gibt. Auch eine Art Höhenflug.
Ansonsten trauten wir uns bislang noch nicht, hier einen Mietwagen zu nehmen. Es herrscht nur Chaos und Stau auf den Straßen. Außerdem fahren hier auch wieder alle auf der falschen Straßenseite, wobei das in diesem Verkehrschaos gar nicht so richtig auszumachen ist.

Am Sonntag sind am Argyle Wasserfall zwei kanadische Touristen überfallen und ausgeraubt worden. Sie sind Gott-sei-Dank nicht verletzt, nur das Geld und die Ringe sind weg. Die Kriminalitätsrate in TT ist recht hoch, die Daily News berichtet täglich von Morden unter den Einheimischen (ca. 500 Morde/p.a. bei 1,2 Millionen Einwohnern, d.h. 1-2 pro Tag). Auch aus diesem Grund hängen wir fast ausschließlich in Chaguaramas rum. Wir arbeiten unsere 16 Punkte To-Do Liste nach und nach ab. Das heißt, wir arbeiten nicht wirklich. Wir rennen den Servicebetrieben hinterher, um sie zu uns auf das Schiff zu locken. Ist gar nicht so einfach. Alle sind sehr beschäftigt, da am 01.06. offiziell die Hurrikan-Saison begonnen hat und viele kanadische und europäische Schiffe aus Versicherungsgründen sich außerhalb der üblichen Hurrikan-Zugrichtungen, also hier in TT, aufzuhalten haben. Wenn wir nicht am Rumrennen sind, dann sind wir am Swimmingpool zu finden. Hier ist die Hitze sehr gut auszuhalten.

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CrewsInn Marina

CrewsInn Marina

Die Telefine hatte am Freitag um 10 Uhr Krantermin. Da Enrico aktuell ohne seine Familiencrew (Ehefrau Birgit und Tochter Sanna) ist, boten wir uns als „Linehander“ an. Zuvor lud uns Enrico noch zu einem opulenten Frühstück auf der Telefine ein. Seit sieben Uhr morgens stand er in der Küche um einen unschlagbar leckeren Kaiserschmarrn zu zubereiten. Ja, das ist schon eine andere Sphäre, eine österreichische. Da können wir mit unserem Päckchen-und-200-ml-Milch-hinzufügen-Kaiserschmarrn einpacken. Das Kranen ging gut und recht flott. An der Kranbox standen bereits vier Mitarbeiter bereit, die die Leinen angenommen haben und die Telefine mittig in der Box hielten. Zum Kranen mussten alle Personen das Schiff verlassen, von Hund hatte keiner was gesagt. So kam es, dass Bordhund Arina zu ihrer ersten Erfahrung auf einem fliegenden Schiff kam. Es hat ihr nichts ausgemacht, sie saß interessiert auf dem Laufdeck und hat zu uns runterschaut.

Gasthund Arina

Gasthund Arina

Enrico fand das spaßig, aber Birgit und Sanna hätten es wohl weniger spaßig gefunden. Bevor jedoch das Schiff mit dem Dampfstrahler abgestrahlt wurde, hat Enrico sie noch „abgeborgen“. Er hat sie auf die Badeplattform gelockt, sie ist den Heckspiegel runtergerutscht, direkt in Enricos Arme. Arina geht auch mit Sanna auf den Kinderspielplatz, klettert ihr nach und rutscht durch die Tunnelrutsche. Habe ich mit eigenen Augen gesehen, ehrlich.
Nachdem die Telefine sicher an Land stand, ging unser Segelmacher-Bank-Segelmacher-Bank-Segelmacher Marathon los. Wir haben einen festen Sonnenschutz (Bimini) in Auftrag gegeben, damit wir im kompletten Cockpit einen ausreichenden Sonnenschutz haben. Der Segelmacher will, wie alle Servicebetriebe hier, bei Auftragsvergabe eine Anzahlung von 50 % der Angebotssumme. Ein Kreditkartenlesegerät besitzt er nicht, also muss Bargeld her. Es gibt hier auf Trinidad Blue Machines und ATM Geräte. Wir haben auf Trinidad bereits drei verschieden Blue Machines aufgesucht, keine hat Geld rausgerückt, obwohl das MasterCard Logo auf dem Display war. Einzig die ATMs rücken Geld raus. Gut, dass es hier in Chaguaramas einen ATM gibt. Wir hin, den Maximalbetrag von 3000 TT $ gezogen, andere MasterCard rein und wieder den Maximalbetrag eingegeben – Fehlanzeige. Machine out of order – maintainance, das ausgerechnet freitags in der Mittagspause. Die dazugehörende Bank machte um 15 Uhr wieder auf und so kam es, dass wir zweimal zur Bank und dreimal zum Segelmacher rannten. Auch eine Art Fitness workout. Zwischendurch fuhren wir mit Enrico mit seinem Dinghy zur Sunrise rüber und haben das Vorsegel und das Großsegel abgeschlagen und ebenfalls zum Segelmacher gefahren. Danke, Enrico. Ein langer, anstrengender Tag. Er endete relaxed im Swimmingpool.

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Tagesausflug mit Jesse James

Kolibri

Kolibri

Jesse James ist der Freund der Yachties und er verdient gut damit. Wie sein richtiger Name ist, weiß nur seine Familie. Wir buchten eine Tagestour mit ihm. Es waren nur noch zwei weitere Mitfahrer, sodass der Preis pro Person recht heftig war. Wenn ich das System richtig verstanden habe, kostet die Tour pauschal einen Betrag X und je mehr Personen dabei sind, desto billiger wird es pro Nase. Egal. Unser erster Stopp war im Asa Wright Nature Center. Einer ehemaligen Kaffee-, Kakao und Zitrusfrucht-Plantage. Nach dem Tod des Eigentümers brachte die Witwe die Plantage in die Stiftung Asa Wright Nature Center ein. Vogel- und Wildschützer machen Führungen durch den Regenwald.

Asa Wright Nature Center - gelebter Naturkundeunterricht

Asa Wright Nature Center – gelebter Naturkundeunterricht

Sehr seltene Vögel, auch endemische Arten wie der Bellbird leben hier.Es gibt auch giftige Schlagen und deshalb ist es gut, einen einheimischen Führer dabei zu haben und auf den gekennzeichneten Wegen zu bleiben.

Landkrabbe

Landkrabbe

Wir sahen hunderte Kolibris, Honeycreepers und Woodpeckers. Auch den witzigen kleinen Michael-Jackson-Vogel, den Red Cap Mannakin, der auf einem Ast den Moonwalk vollführte. Vielleicht hat ja Michael-Jackson den Moonwalk von diesen Vögelchen abgekupfert.
Siehe youtube Video https://www.youtube.com/watch?v=eI_quJRRGxk
Auf dem Gelände laufen Agutis, große langbeinige Meerschweinchen, frei herum. Die Mitarbeiter locken die Tiere mit ausgelegten frischen Früchten und Zuckerwasser in künstlichen Blüten (für die Vögel) an.

Purple yellow leg mannaki

Purple yellow leg mannaki

Im Anschluss an die Führung durch den Regenwald gab es ein Mittagessen im alten Plantagenhaus und unsere beiden Mitreisenden verließen uns. Sie hatten eine Übernachtung mit Nachtwanderung zu den Höhlen mit den seltenen Eulen und Fledermäusen gebucht. Wenn wir das vorher gewusst hätten… Wir haben nach wie vor einige Probleme die Einheimischen zu verstehen. In Trinidad ist zwar Englisch die Landessprache, aber dieses Englisch hat mit unserem Schulenglisch nichts gemein. Wenn die Leute sich bemühen, sind sie zu verstehen, aber wenn sie normal reden haben wir keine Chance.
Jesse James holte uns nach dem Mittagessen wieder ab und die Tour sollte eigentlich weiter zu den Caroni Swamps gehen. Die hatten wir ja schon gesehen und deshalb bat ich ihn, alternativ mit uns zu dem Pitch Lakes, den natürlichen Asphaltseen, zu fahren. Das war ihm zu weit im Süden und er bot uns an, mit uns zum Fort George und zu den „Magnificent Seven“ den Villen und Palästen ehemaliger Plantagenbesitzer in Port of Spain zu fahren. Gesagt, getan. Fort George liegt hoch über Port of Spain und man hat einen gigantischen Ausblick über den Golf von Paria bis rüber nach Venezuela. Genau südlich von Trinidad, an der Nordküste von Venezuela mündet der Orinoko in den Golf von Paria und bringt jede Menge Schlick und Erdreich ein. Auch deshalb (und durch die Umweltverschmutzung) ist das Wasser hier so trüb. Fort Georges wurde 1805 zur Verteidigung der Stadt gebaut, aber irgendwie haben sich die Jungs verrechnet. Selbst die größten Kanonen schafften es nicht, die Kanonenkugeln weit genug hinauszuschießen. Die Kugeln flogen hinaus und dann irgendwann senkrecht vom Himmel runter, ins eigentlich zu schützende Stadtgebiet hinein. Dumm gelaufen. Später wurde Fort Georges ein Leuchthaus und war bis 1964 in Betrieb. In Port of Spain fuhren wir mit Jesse an den Magnificent Seven Gebäuden vorbei. Besichtigen kann man sie nur von der Straße aus. Leider. Das Stollmeyer Castle sieht in der Tat wie ein schottisches Schloss aus. Ebenso das Knowsley Building, mit eher viktorianischem Touch. Port of Spain hat Bezirke, die Touristen tunlichst meiden sollten. Die Empfehlung lautet, nur bis zur Henry Street, eventuell tagsüber, ohne Wertsachen und viel Bargeld noch bis zur Charlotte Street. Charlotte Street ist Chinatown mit vielen Frucht-, Gemüse und Fischständen, Imbissbuden und Billigwaren. Bislang waren wir nur geschützt im Taxi durch Port of Spain gefahren. Auf die spaßigen Minibusfahrten haben wir bislang verzichtet. Die vielen Bars an der Einfallstraße nach Port of Spain sind vergittert. Direkt an der Ausschanktheke geht das massive Metallgitter bis hoch zur Decke, der Barkeeper samt seinen Flaschen steht dahinter und reicht die Getränke durch die Gitterstäbe heraus. Echt krass.

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Imbiss karibische Art (2)

Unsere Segelfreunde Marcel und Joanna von der SY Chuligi verstehen sich als Gastronauten. Alles was auf lokalen Märkten, in Läden und Restaurants angeboten wird und ihnen fremd ist, wird ausprobiert. Oft haben wir sie für diesen „Mut“ bewundert. Seither waren wir immer sehr vorsichtig, wenn es darum ging in einheimischen kleinen Lokalen etwas zu essen.
Gestern nun kamen wir eher unfreiwillig zu einem gastronomischen Erlebnis der besonderen Art. Im Anschluss an unseren Ausflug in die Caroni Swamps hatten wir alle großen Hunger und wir wollten nur kurz mal ein „Roti“ irgendwo an der Straße zu uns nehmen. Der Taxifahrer, der uns zurück in die Marina bringen sollte, war bereit einen kleinen Umweg zu fahren und so kam es, dass wir auf einem Imbissmarkt mitten in Port of Spain landeten. Ein Platz in der Größe zweier Fußballfelder. Die eine Hälfte dient als Parkplatz, auf der anderen Hälfte stehen viele kleine Imbissstände, oft mit ein oder mehreren Grills davor. Die Auswahl ist riesig; von der Suppe über allerlei Gegrilltem bis hin zu Früchten. Unser Taxifahrer empfiehlt uns die Doubles & Pies, eine Spezialität von hier. Zwei Minipfannkuchen werden auf ein Pergamentpapier gelegt und darauf kommt eine Füllung von Kichererbsen in Knoblauch-Koriander-Sauce. Wir nehmen die Variante „spicy“ und uns haut´s das Feuer aus den Augen und den Knoblauch aus den Poren. Lecker war´s trotzdem, nur etwas kompliziert zum Essen.

Imbiss karibische Art (5)

Imbiss karibische Art (4)

Auch im Angebot Erbsensuppe mit Süßkartoffeln, Gegrilltes aller Art, marinierte Mango und Ananas u.v.m. Wir futtern uns durch das Angebot. Die Esskultur bleibt allerdings auf der Strecke, alles wird im Stehen aus Styropor oder Plastiktellern verkonsumiert. Wichtiger für die Menschen hier ist das Miteinander. Hier trifft man sich, es wird geredet, gefeiert und Fußball gespielt, hier treffen und trennen sich Menschen, hier findet das soziale Leben statt.

Imbiss karibische Art (1)

Imbiss karibische Art (3)

Am nächsten Morgen liegen wir in einer Knoblauchblase und müssen erst mal richtig durchlüften, duschen und ein paar Längen im Schwimmingpool schwimmen. Am Nachmittag haben wir eine Einladung zu Cappuchino und Tiramisu auf der Telefine. Allererste Sahne. Zudem zeigt uns Birgit ihre Videopräsentation von der bisherigen Reise der Telefine – Hut ab! (www.sailness.at). So vergeht der Pfingstsonntag ganz gemütlich.

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Die Manati liegt bereits hoch und trocken und Wilma und Jochen haben Lust auf außer „Haus“ essen. Ja, da lassen wir uns nicht zweimal fragen. Klar, dass wir auch Lust haben. Im CrewsInn Restaurant, im ersten Stock ist es herrlich luftig und so kommen wir zu einem leckeren Abendessen, ohne dass uns der Schweiß zweispurig den Rücken runterläuft. Nachts ist es, sofern ein Lüftchen weht, recht angenehm. Kühl ist anders, es ist warm, aber nicht brütend heiß. Für den nächsten Tag verabreden wir uns mit der Telefine-Crew für einen Ausflug in die Caroni Swamps. Die Caroni Swamps sind Naturschutzgebiet und klingende Einnahmequelle der Tour Organisatoren. Pro Nase US $ 45,00 Eintritt für 2 ½ Stunden geführte Bootstour (mit 30 anderen Touristen). Gut, der Preis ist inklusive Taxifahrt von Chaguaramas bis zu den Sümpfen und wieder zurück. Unser Guide steuert seine Touristen umsichtig durch die Sümpfe. Immer wieder stoppt er und zeigt mit seinem Laserpointer in die Mangroven. Wir sehen grüne Echsen, einen kleinen Leguan, Krebse, Vieraugenfische und eine Baumboa.

Caroli Swamp Echse

Caroli Swamp Leguan

Caroli Swamp Vieraugenfische

Caroli Swamp Tree Boa

Kurz vor Sonnenuntergang steuert er sein Boot auf einen See im Sumpfgebiet. Hier findet täglich ein feuerrotes Spektakel statt. Kurz vor Sonnenuntergang fliegen tausende von Scharlachibissen in das Sumpfgebiet um zu fressen und ihre Schlafplätze in den Mangroven aufzusuchen. Die Scharlachibisse sind als Jungvögel erst graubraun und nach 6 – 12 Monaten ändert sich die Farbe des Gefieders in pink, nach 3 Jahren in feuerrot. Der Grund hierfür liegt in der Ernährung der Vögel, sie fressen überwiegend Krebse, Krabben und Schrimps. Diese Tiere enthalten viel Karotin und dies wiederum ist verantwortlich für die herrliche Farbe der Scharlachibisse.

Caroli Swamp Scharlachibise (7)

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Kaum liegt das Boot sicher in der Marina, ist schon eine Baustelle daraus geworden. Walters Checkliste hat 16 Punkte, die es abzuarbeiten gilt.

Mal wieder Baustelle k

Gestern haben wir einen Bankomaten gesucht, da wir keine Trinidad-Dollars hatten. Der erste Bankomat hatte keine Scheinchen mehr zum Ausgeben „dispenser down“. Gut dann eben weiter zum Nächsten. So kamen wir zu einem Rundweg um die ganze Bucht (bei 36 Grad) und fanden einen Servicebetrieb und Schiffsausstatter nach dem anderen. Aufgereiht wie am Perlenkettchen. Bei Budget Marine brachten wir unser Anliegen „neuer Elektromotor für die Ankerwinsch“ vor. Der fitte Verkäufer sagte, dass er uns den Motor innerhalb 6 – 8 Wochen besorgen könnte, es sei jedoch viel einfacher, den Motor von Deutschland mitzubringen. Die Frachtkosten hierher seien einfach zu hoch. Eine klare Auskunft und kundenfreundlich dazu. Bei Peakes sahen wir den uns fehlenden amerikanischen Stecker für den Landanschluss (und vieles mehr), bei Raymarine fragten wir nach dem Servicetechniker für „Gustav“. Gustav hat nämlich Blähungen und macht unterwegs immer komische Geräusche. Gustav ist unser Autopilot und nach sieben Jahren bekommt er seine erste Inspektion. Er hat uns 7000 Meilen zuverlässig unserem Ziel entgegen gesteuert, da darf er jetzt quietschen. Der Raymarinetechniker kam dann auch sogleich am nächsten Morgen. Zuvor mussten wir mal wieder unsere Schlafstatt abbauen, weil Gustav wohnt darunter. Im Handumdrehen sah das Boot aus wie eine Großbaustelle – und es wird nicht besser werden.

Trinidad

Ankunft in Trinidad
Am Dienstagnachmittag verlassen wir Grenada. Die Wettervorhersage für die 90 Meilen nach Trinidad ist gut, vor allem die Wellenhöhe wird mit 1,5 Meter prognostiziert. Ob das Wetter auch die Vorhersagewerte kennt und sich daran hält wird sich im Laufe der Nacht herausstellen. Sobald wir aus der Abdeckung von Grenada heraussegeln, werden wir durch die Strömung, die vom Atlantik in die Karibische See läuft, kräftig nach Westen versetzt. Aus dem gedachten Halbwindkurs wird ein Amwindkurs, da wir fast 30 Grad vorhalten müssen um nicht irgendwo in Venezuela rauszukommen. Die Sunrise schiebt sich fast quer durchs Wasser, der Bug zeigt nach Südost und die Fahrt geht nach Süd. Wir nehmen die große Rollgenua weg, montieren das wegnehmbare zweite Vorstag und setzten die kleine Fock. Mit der Fock können wir wesentlich mehr Höhe laufen als mit der bauchigen Genua. Die Windbedingungen sind wie vorhergesagt, ab und zu kommen Schauerböen und etwas Regen. So geht es durch die Nacht, wir machen 2 Wachwechsel. Walter bekommt jedoch zu wenig Schlaf und ist entsprechend unleidig am Morgen. Als der Wind vor der Küste dann auf 12 bis 15 Knoten nachlässt, hat er keine Lust, die Fock zu bergen und das wegnehmbare Vorstag zu verstauen. Es ist zugegebenermaßen schon ein Aufwand, die Fock auf dem tanzenden und nassen Vorschiff zu bergen, zusammenzulegen und in den Segelsack zu stecken. Dann das Vorstag wegnehmen und an den Wanten zu fixieren – aber es geht, sofern man will. Mann will heute nicht, also butschern wir ganz gemütlich mit 3,5 Knoten Fahrt Richtung Chaguaramas. Wir kommen am Mittwoch gegen 12 Uhr an. Der erste Eindruck von der Bucht ist fürchterlich. Überall liegen rotte Frachter und sonstige Schrottschiffe vor Anker und an Mooringbojen.

Chaguaramas

Das Wasser schillert in allen Regenbogenfarben, weil tonnenweise Diesel und Öl aufschwimmen. Es stinkt und es ist drückend heiß. Der zweite Eindruck ist nicht besser. Die Zollpier, an der wir zwingend anlegen müssen (laut Revierführer), ist eine Betonpier und viel zu hoch für Segelschiffe. Außerdem ist gerade Niedrigwasser und unser Tiefenmesser zeigt 1,80 Meter Wassertiefe. Hatte ich schon erwähnt, dass wir 2 Meter Tiefgang haben? Der Kiel zieht eine Spur in den Schlick und wir legen uns widerwillig an die Zollpier. Unser dicker Kugelfender ist die Rettung, der wird zwischen Boot und Beton eingeklemmt. In Vor- und Achterspring und Heckleine hängt die Sunrise und Walter lässt den Motor und auch die Schraube laufen, weil die depperte Spaßbootfraktion mit ihren Megaaußenbordern durch die Bucht düst und einen Megawellenschlag verursacht. Nur mit dem Schub von Motor und Schraube ist es möglich, die Sunrise schadenfrei an der Zollpier zu halten. Ich gehe zuerst zur Immigration um uns anzumelden und die Dame will nicht nur den Pass von Walter, sondern auch das Gesicht von ihm live sehen. Ja, das wussten wir. Wilma hatte es uns bereits gesagt. Walter will das Boot nicht verlassen. Muss er aber. Also bleibt die Sunrise mit laufendem Motor alleine an der Zollpier. Es geht gut und sie ist auch noch da, als Walter zurückkommt. Die Mitarbeiter der Zollbehörde wollen nur unsere Papiere und es genügt ihnen auch, nur mein Gesicht zu sehen. Wilma und Jochen von der Manati waren ebenfalls über die Nacht unterwegs, auch sie sind gut angekommen und wir treffen uns im Büro der Immigration. Sie haben es cleverer gemacht und sind erst gar nicht an die Zollpier gegangen, sondern gleich in die Marina an ihren Liegeplatz. Es hat sich keiner dran gestört und wir würden jedem empfehlen, entweder ins Mooringfeld oder in die Marina zu gehen. Und erst wenn das Schiff sicher liegt, die Behördengänge zu machen. Man lernt nie aus.
Chaguaramas (5)k

Im Anschluss an die Behördengänge verlegen wir in die CrewsInn Marina, wo wir vom Dockmaster gut eingewiesen werden. Die Marina macht einen guten Eindruck, wenigstens das passt.

Abschied von Grenada

Die Themi und die Telefine, beides österreichische Schiffe, liegen aktuell in der Prickly Bay im Süden von Grenada. Unsere derzeitige Lieblingsbeschäftigung ist ja Minibusfahren und die Linie 1 fährt praktischerweise fast im Minutentakt in den Süden, also Richtung Prickly Bay. Am Nachmittag stehen wir am Dinghy Dock vor der Spice Island Marina und Markus kommt mit seinem 20 PS Dinghy angebraust und holt uns ab. Auf der Themi gibt es außer Eiswürfel (siehe Berichte Ende Januar 2015 aus Le Marin) auch einen superguten George-Clooney-Nespresso – da lass´ ich mich nicht zweimal bitten. Ein guter Espresso oder Cappuccino geht mir schon ab. Was für Luxussorgen, aber auch. Ab 17 Uhr trifft sich karibikweit die Seglerszene zur Happy hour in den Strandbars und Restaurants. Eine Stunde lang halber Preis für Bier, Wein und Rumpunsch und heute obendrein ab 18 Uhr noch happy Pizza. Jede Pizza zum halben Preis (fast wichtiger als happy hour ist ein funktionierendes Wlan Netz für die neuesten Wetterdaten und zum Aktuallisieren der Websites).

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Da freut sich das Seglerherz nebst Geldbörse. Keine Frage, dass die Crews der Themi, Telefine, Sunrise und noch viele andere mit dabei sind. Es ist auch eine große Informationsbörse. Wo gibt es was, wer geht wo ins Hurricane-Lager, wer hat schlechte oder gute Erfahrungen gemacht, wie sind die weiteren Pläne, kann man aktuell zu den Los Roques usw. Adressen werden ausgetauscht und es muss wieder mal Abschied genommen werden. Die Maeva Piti, ein anderes österreichisches Schiff, ist noch unterwegs in den Süden. Wir werden Angela und Franz möglicherweise in Trinidad wiedersehen.
Morgen, am Nachmittag, geht es nun weiter bis nach Trinidad. Sollte sich der Wetterbericht nicht täuschen, werden wir mit östlichen Winden mit 4-5 Bft. und einer Welle mit 1-2 Metern die 86 Meilen in etwa 16 Stunden zurücklegen. Das bedeutet, dass unser letzter Schlag in dieser Segelsaison ein Nachtschlag wird. Den gleichen Plan haben Wilma (Jabbadabbadu) und Jochen von der Manati,so werden mindestens zwei Schiffe nach Trinidad unterwegs sein. Und das sind auch noch zwei deutsche Schiffe.

Manati verlässt den Hafen von St. George's

Manati verlässt den Hafen von St. George’s

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Die Tage vergehen wie im Flug. Kein Wunder, dass die Ooros schon die komplette Saison hier im Hafen liegt. In den letzten Tagen waren wir viel mit den Minibussen unterwegs. Mal nach Victoria, mal nach Gouyave, zur Phare Blue Marina, zur Spicelandmall zum Caribian Sushi essen, in die Grand Anse zum Chocolate Fest Bonefire, in die Grand Anse zum Sundowner u.v.m. Auch Bootspflege war auf dem Plan. Gestern war es bewölkt aber trocken und wir haben alle Niroteile und die Seereling vom Flugrost befreit. Heute waren die kompletten Wanten dran. Mit Mircofasertuch und Polierpaste bewaffnet, im Bootsmannstuhl sitzend, hat mich Walter bis in die Mastspitze hochgezogen. 18,75 Meter über dem Wasserspiegel – ja, wer ein Segelboot hat braucht keine sonstigen Vergnügungen wie Bungeejumping oder Achterbahn. Ist alles Inklusive.

Masttop View k

Alle Wanten und Terminals sind rund, glatt, sauber und rostfrei. Alle Splinte sind vorhanden und können sich nicht raus vibrieren. Der Rundumblick vom Masttopp ist unbeschreiblich. Ich habe nebenbei immer Ausblick nach der Themi mit Erika und Markus gehalten.

Ich sitz im Masttopp und wart auf die Themi - aber ´s kummt nit, ´s kummt nit

Ich sitz im Masttopp und wart auf die Themi – aber ´s kummt nit, ´s kummt nit

Sie hatten die Ankunft in St. George´s für heute avisiert. Sie kamen am Abend auch mit dem Dinghi aus der Ankerbucht. Wir verbrachten gemeinsam einen netten Abend in der Port Louis Marina. Für uns geht es weiter in die Phare Blue Marina. Wenn sich das Wetter so entwickelt wie prognostiziert, werden wir am 19. Mai bereits nach Trinidad weiterziehen. Schaun mer mal.