USA Rundreise 2019_20

Camden und Kennebunkport sind DIE angesagten Touristen Hotspots in Maine. Wir mischen uns drunter.
In Camden sind wir leider einen Tag zu spät um das jährliche Segelregatta Event mitzunehmen. Es sind jedoch noch einige klassische Yachten im Hafen zu bewundern.

Camden

Camden

Die Atmosphäre in Camden ist sehr maritim. Es gibt noch richtige Bootsbauer, Segelmacher und Ausflugsfahrten auf Segelschonern werden angeboten. Das Bojenfeld vor dem inneren Hafen ist gut mit hochseetüchtigen Segelschiffen belegt und es ist interessant zu beobachten, wie die dicken Viermaster durch das Bojenfeld pflügen. Hier wird noch richtig gesegelt. Alle Achtung! Oft genug konnten wir andernorts beobachten, dass Segelausfahrten verkauft und nur das Großsegel zur Optik gesetzt wurde, der Antrieb jedoch ausschließlich über die Maschine erfolgte.

Portland Head Light

In Kennebunkport ist es ähnlich maritim, nur dass das Städtchen zusätzlich damit aufwarten kann, dass die Präsidentenfamilie Bush hier über Jahrzehnte ihren Sommersitz hatte beziehungsweise noch hat. Es ist wunderschön.

Kennebunkport

Kennebunkport

Vom Klima her wie an der Nordsee, angenehm warme Tage und kühle Nächte. Nicht so wie in Florida, am Lieblingsort des aktuellen Präsidenten, wo einem die Sonne im Sommer das Hirn austrocknet. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Am Abend, wir sind schon auf dem Heimweg, kommen wir in Kennebunk an einer Tankstelle vorbei und hören angenehm Klänge. Ein Garagenkonzert von Einheimischen für Einheimische. Die Nachbarn kommen mit Klappstühlen herbei, wir bleiben ebenfalls für einige Zeit und hören zu. Ein schöner Ausklang des Tages.


USA Rundreise 2019_19

Nach einem Tag in der Hafen- und Industriestadt Saint John in der Bay of Fundy verlassen wir Kanada wieder und setzen unsere Reise gen Süden in den USA fort. Der Stopp in Saint John hat sich nicht wirklich gelohnt. Zwar gibt es eine schachbrettartig angelegte und noch erhaltene, beziehungsweise gut renovierte Altstadt, aber mittlerweile sind wir wohl zu verwöhnt. Witzig waren jedoch die Menschen auf den Straßen. Multi in jeder Hinsicht. Es war ja auch die Pride Woche. Selbst der Hund wurde gestylt

Pride week in Saint John, Bay of Fundy, Kanada

Zwischenzeitlich sind wir in Maine, USA. Unser erster Halt auf der Rückreise nach Florida ist der Acadia Nationalpark und die putzige Hafenstadt Bar Harbor. Am ersten Nachmittag und am Abend mischen wir uns unter die Touristen in Bar Harbor. Es sind viele, viel zu viele. Es ist eben Urlaubszeit auf der kompletten nördlichen Halbkugel und das merkt man auch. Alle Hautfarben und Sprachen sind vertreten. Nichts desto trotz finden wir einen netten Park mit einem Gitarristen, der die üblichen Klassiker spielt. Die Besitzerin des Hotels am Park öffnet die hauseigene Bar für das Publikum und schenkt Bier, Wein und Whisky in echten Gläsern (normalerweise im Freien nur Plastikbecher) aus und hat damit gar kein Problem. Gegen später kommt sie vorbei und fragt nach, ob es denn genehm sei, wenn sie das „Lagerfeuer“ zündet. Das Lagerfeuer ist eine runde Feuerstelle mit großen Kieseln drin und darunter eine Ringleitung mit Gas. Die Gasleitung kommt aus dem Hotel und wird von dort aus scharf gemacht. Die Flammen zügeln zwischen den Steinen hoch und schaffen sofort eine besondere Atmosphäre. Gitarre und Lagerfeuer 4.0.
Der zweite Tag ist komplett dem Acadia Nationalpark auf der Mount Desert Island gewidmet. Wir lassen uns im Informationszentrum beraten und fahren mit dem Auto auf den Park Loop. Der Ranger meinte, dass wir zu viel Zeit verlieren würden, wenn wir jeweils an den Ein- und Ausstiegen der Trails auf den kostenlosen Shuttle warten würden. Falls man mehrere Tage im Park verbringt, ist der Shuttle Bus die erste Wahl.
Wir suchen uns drei besonders sehenswerte Punkte heraus. Der erste Trail ist ein Rundweg. Es geht ganz flach los, erreicht den Höhepunkt mit einem Aufstieg auf 1270 Fuß. Über den Ladder Trail, steigt man entlang der steilen Felsen, die an zwei Stellen mit Leitern überwunden werden. Der Rückweg zum Parkplatz ist sehr gut ausgebaut und die Höhendifferenz ist beim Absteigen kaum wahrnehmbar. Es zieht sich halt in die Länge.
Der nächste Stopp ist beim Thunder Hole, einer Stelle, wo die Meeresdünung zwischen den Felsen fontänenartig nach oben schießt. Mit dabei auf dem Trail wäre ein Aufstieg auf 525 Fuß, zwecks besserem Überblick, gewesen. Nein, danke. Das mit dem Aufsteigen hatten wir schon. Weiter geht es zum Jordan Pond mitten im Nationalpark. Den umrunden wir zu Fuß. Auf der einen Seeseite ist ein Holzbohlenweg, damit ja niemand in den Matsch treten muss und auf der anderen Seeseite ein breiter, geschotterter Weg. Das hält die Leute davon ab, mitten durch das Naturschutzgebiet zu latschen und die Tiere aufzuscheuchen.
Gesehen haben wir jedoch nur Eichhörnchen, eine brütende Wildgans und ein Reh mit einem Rehkitz. Tiere also, die wir auch aus Europa kennen.

So viele tolle Bilder vom Acadia Nationalpark – ich kann mich gar nicht entscheiden.

Wildlife im Acadia Nationalpark

Trail im Acadia Nationalpark

Acadia Nationalpark, Maine

Bar Harbor

Bar Harbor, Maine

Kanada Reise 2019_8

Halifax, Noca Scotia
Zweiter Regentag in Folge. Während Deutschland unter der Hitzewelle und der Trockenheit stöhnt, kramen wir unser Regenzeug und die warmen Klamotten aus dem Koffer. Downtown Halifax fällt heute aus, wir fahren ins Umland zu den empfohlenen „Must sees“.
Wir besuchen den Friedhof, auf dem viele der Opfer der Titanic-Katastrophe beigesetzt wurden. Bei diesem Wetter ist dies noch bedrückender.

Nächster Halt ist der alte Fischereihafen Fisherman’s Cove. Es ist ein Hafen, der nach wie vor von kleineren Lobster Fischern genutzt wird. Es gibt einige Lobster Buden und dazwischen die unvermeidlichen Souvenir Shops.

Fisherman’s Cove

Für uns nicht unbedingt ein must have seen. Es gibt schönere Plätze in der Umgebung, so zum Beispiel der Crystal Crescent Beach im Sambro Creek. Puderzuckerfeiner Sandstrand zwischen Felsblöcken, mit schöner Brandung und einigen hartgesottenen Badenden.

Chrystal Crescent Beach

Der Holzbohlenweg durch die Dünen ist mit blühenden Heckenröschen gesäumt. Es sieht aus wie auf der Nordseeinsel Juist und es riecht auch so. Feiner Blütenduft mit einer Salznote. Im Hinterland ausgedehnte Mischwälder. Tiefes sattes Grün in allen Schattierungen. Eine Wohltat für die Augen.
Peggy’s Cove ist ein absolutes Muss. Der meist fotografierteste Leuchtturm Nordamerikas. Die Schönheit müssen wir uns mit zehn Busladungen asiatischen Touristen teilen. Selbst die Busse sind mit den asiatischen Schriftzeichen beschriftet. Gott bewahre diesen zauberhaften Ort vor Over Tourism. Wahrscheinlich waren wir am falschen Wochentag vor Ort – der Einzigartigkeit tut das jedoch keinen Abbruch.

Peggy’s Cove


Leuchtturm Peggy’s Cove mit Scharen von Touristen

Am Hafen von Peggy’s Cove steht ein alter Bauwagen, davor drei große Wasserkessel mit Gasbrennern darunter. In den Kesseln kochen die Lobster-Fischer ihren Fang direkt nach dem Anlanden. Frischer geht es nicht. Die Crew im Bauwagen zerlegt die frisch gekochten Lobster, bäckt Brötchen auf, füllt diese mit Lobsterfleisch. Der Verkaufsrenner schlechthin. Die Menschenmenge davor spricht Bände. Das Warten auf die Lobster Roll lohnt sich. Leckerer als Krabbenbrötchen und das will was heißen.

Lobster Roll im Hafen von Peggy’s Cove


Lobster Roll

Auf dem Weg nach Lunenburg kommen wir am Denkmal für die Opfer des Swissair Fluges 111 vorbei. Am 02.09.1998 stürzte unter dramatischen Umständen die Swiss Air Maschine auf dem Weg von New York nach Genf vor Peggy’s Cove ins Meer. Alle Insassen kamen dabei ums Leben. Die Gedenkstätte liegt in einem Strandbereich voller Felsen und sieht von Natur aus wie ein Trümmerfeld aus. Die Trauernden haben bei guter Sicht einen guten Blick auf die in 10 Meilen entfernte Absturzstelle.

Swiss Air 111 Gedenkstätte

Lunenburg, gegründet um 1750 von Auswanderern, überwiegend aus Deutschland. Lunenburg gilt als älteste deutsche Siedlung in Kanada. Im alten Stadtkern sind gut erhaltende und renovierte bunte Holzhäuschen und Kapitänsvillen zu bewundern.

Lunenburg

Keine neuzeitlichen Bausünden dazwischen, deshalb darf sich das Städtchen seit 1995 mit dem Prädikat UNSESCO Weltkulturerbe schmücken. Besonders die drei Kirchen sind herausgeputzt. An der Wasserfront gibt es das übliche Angebot für die Touristen. Schiffs-Museum, Hochsee-Angeln, Segeltörns mit alten Schonern, Souvenir Läden und jede Menge Restaurants.

Lunenburg Waterfront

Am späten Abend bessert sich das Wetter und wir verlassen Lunenburg rechtzeitig um die rund 100 Kilometer nach Peggy’s Cove zurück zu fahren. Wir wollen vor Sonnenuntergang dort sein, um bei schönem Licht nochmals Aufnahmen dieses wunderschönen Fleckchens Erde zu machen. Wir werden belohnt. Es sind keine Busse mehr da und da der Regen aufgehört hat werden wir mit einem grandiosen Sonnenuntergang beglückt. Jedes Bild (Foto) wie ein Gemälde.

Peggy’s Cove


Leuchtfeuer Peggy’s Cove

Kanada Reise 2019_7

Nova Scotia empfängt uns mit Regen. Der erste Stadtrundgang in Halifax wird zum Dauerlauf. Die Stadtbibliothek ist unsere erste Anlaufstelle. Von der Cafeteria im 5. Stock hat man einen schönen Überblick über die Stadt.

Halifax Stadtbibliothek


Den alten Glockenturm unterhalb der Zitadelle schaffen wir auch noch – der Rest versinkt im Nebel und Dauerregen.

Halifax
Glockenturm

Kanada Reise 2019_6

Prince Edward Island
Nach Neufundland wäre es jetzt auch nicht mehr weit. Von hier aus fährt eine Autofähre. Das wage ich gar nicht zu erwähnen, Walter würde mich für komplett überbelichtet bezeichnen. Quebec war unser nördlichster Punkt und dabei soll es bleiben. Entlang des Sankt Lorenz Stromes fuhren wir nach Westen in Richtung Atlantik. Nach einem Zwischenstopp irgendwo im nirgendwo, in Woodstock (New Brunswick), sind wir auf Prince Edward Island angekommen. Eine Zeitzone näher an Europa; wir sind jetzt nur noch fünf Stunden hinterher.

North Rustico Harbor
Parkplatz nur bei Ebbe

Dass die Insel ca. 280 Kilometer lang ist, das hatte ich nicht realisiert. Demzufolge mussten wir uns leider auf Charlottetown und auf einen Teil der Atlantikküste reduzieren. Die Einheimischen zogen bei 25 Grad Luft- und 18 Grad Wassertemperatur in Scharen an die Strände. Die Luft ist sehr angenehm, aber die Wassertemperatur liegt eindeutig unter unserer Wohlfühlgrenze.

Abwechslungsreich sind die Strände, Sand in den Farben rostrot und gelb. Die Küste hat zerklüftete Sandsteinklippen, aber auch flache Stellen mit Dünen und dichten Nadelwäldern dahinter.

Es gefällt uns hier. Auch ist es sehr sauber. Es liegt kein Müll, nirgendwo. Der Müll wird getrennt und die öffentlichen Toiletten sind wirklich sauber. Da können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden.
Morgen geht es schon wieder weiter, nach Halifax, Nova Scotia. Zum Abschied dürfen wir in Charlottetown in der Fußgängerzone eine Nachwuchsgruppe bewundern, die richtig guten Mainstream Jazz darbietet. Dazu ein kanadisches Bier – perfekt.

Kanada Reise 2019_5

Québec
Leben wie Gott in Frankreich. Nicht nur eine inhaltslose Phrase – nein das Angebot ist unbeschreiblich. Von A, wie Artischocken bis Z, wie Zucchini gibt es hier alles was das Herz begehrt. Die Tendenz geht eindeutig in Richtung französische Küche. Die vielfältigen Zutaten gibt es in jedem Lebensmittelladen, hinzu kommen Bäckereien und Konditoreien, Fleischer und Fischläden, Vinotheken und vieles mehr. Die Torten sind jede ein Kunstwerk für sich.


Quebec ist eine Reise wert! Nicht nur zum Schlemmen, nein auch die alten Straßenzüge, das Parlamentsgebäude, das meistfotografierte Hotel der Welt, das Hotel Fairmont Le Château Frontenac, die Kathedrale und noch viel mehr. Alles ist sehr gut erhalten und zieht die Touristen in Scharen an. Selbst einen Anleger für Kreuzfahrtschiffe gibt es. Es ist aber derzeit keines da. Vieux Quebec ist auch so schon voll genug.


Parlamentsgebäude in Quebec



Hotel Fairmont Le Château Frontenac


Es wird Französisch gesprochen, ein ganz reines Hochfranzösisch, dass es sogar mir möglich ist, etwas zu verstehen. Im Gegensatz zu den Franzosen in Europa, bemühen sich die Frankokanadier wenigstens mit den sprachbehinderten Touristen klar zu kommen.

Bagages – ein urschwäbisches Wort. Definition für eine Gruppe von Menschen. Schwäbisch ist eine Weltsprache ?‍♀️

Aber beim Autofahren haben sie das Aggro-Gen nachhaltig implantiert. Noch nirgends sind wir so böse angehupt oder beschimpft worden wie in Montreal und Quebec. Immerhin bremsen sie kurz bevor es scheppert. In den restlichen kanadischen Regionen und in den USA ist das Autofahren total relaxed. Sehr rücksichtsvoll, vor allem gegenüber Fußgängern (und Tretrollern). Auch ein Spurwechsel über drei Spuren ist problemlos machbar – hier würde es eine Massenkarambolage geben.

Am zweiten Tag unseres Quebec Aufenthaltes zieht es uns in die „Großgärtnerei“ Ile d‘Orleans. Die Insel liegt mitten im Sankt Lorenz Strom. Die Farmen dort versorgen ganz Kanada mit Erdbeeren und Kartoffeln. Es geht nichts über frisch geerntete Erdbeeren direkt vom Feld. Genuss pur am Straßenrand. Die Schokoladen Manufaktur streicht mir Walter aus dem Programm. Stattdessen fahren wir wieder über die Brücke zurück aufs Festland und nehmen die Montmorency Falls ins Visier. An der Zubringerstraße zum Parc de la Chute Montmorency können wir für 90 Minuten kostenlos parken. Demzufolge wird es es Speed-Dating mit den Falls. Über 83 Meter stürzt der Wasserfall in die Tiefe und ergießt sich in den Sankt Lorenz Strom. Die Niagara Falls sind natürlich nicht zu toppen, aber das hier ist auch sehr sehenswert. Eine Brücke führt über den Wasserfall, mit der ZIP-Line können besonders Profilierungssüchtige drüber rauschen und die normal Konditionierten können über eine Treppenkonstruktion die 83 Meter entlang des Wasserfalls runtersteigen. Das macht besonders viel Laune, wenn, wie bei uns der Fall, das Auto oben parkt. Aber unser neues Hobby ist ja eh überall rauf- bzw. runter zu steigen.

Montmorency Falls


Kanada Reise 2019_4

Montreal
Uns tun die Füße weh. Wir müssen auch zwanghaft immer irgendwo raufsteigen. Am gestrigen Nachmittag sind wir zwei Stunden zu früh in Montreal. Wir dürfen erst ab 16 Uhr in unser Loft. Immerhin darf das Auto schon auf den Parkplatz, der sich drei Querstraßen entfernt in einem Hinterhof befindet. Sicher geht anders. Wir nutzen die Zeit um auf Montreals Hausberg, den Mont Royal zu steigen. Insgesamt drei Stunden verbringen wir im Wald und am Berg. Der Ausblick auf Montreal, den Ontario See und den St. Lorenz Strom ist sehr gut. Leider ist es grau in grau, sodass es keine guten Fotos gibt. Auf der Aussichtsplattform des Chalet du Mont Royal steht ein altes Piano im Freien. Jeder Besucher darf darauf herumklimpern. Teilweise kommen schöne Stücke, auch vierhändig, dabei raus.

Blick über Montreal vom Mont Royal aus

Zurück in der City beziehen wir unsere Unterkunft, machen uns ein schnelles Abendessen und sind auch schon wieder weg. Zu Fuß geht es Downtown in die Maison du Jazz.

Maison du Jazz Montreal

Am nächsten Tag geht die Stadtrallye weiter. Alles zu Fuß. Nicht, dass wir nicht fähig wären uns ein Tagesticket für die Öffentlichen zu kaufen, nein es lohnt sich nicht. Wir wohnen direkt am Rande der Altstadt und alles ist fußläufig erreichbar. Außerdem sehen wir so mehr. Heute kein Museum, wir laufen die empfohlenen Sightseeing-Wege ab. Bei der Basilique Notre-Dame de Montreal zögern wir kurz, ob wir die 8 Dollar Eintritt pro Person bezahlen. Unser nächster Stopp ist in der alten Markthalle auf einen Café au lait. So gestärkt können wir wieder unserem neuen Hobby nachgehen. Leuchtfeuer hochsteigen. Der Bell Tower im alten Hafen ist kein Leuchtfeuer, sondern ein Glockenturm. 186 Treppenstufen und wir stehen mitten im Uhrwerk.

Ziffernblatt und Uhrwerk im Bell Tower
Alter Hafen Montreal

Darunter ist der Stadtstrand von Montreal. Ein Witz. Entlang des Jachthafens wurde Sand ausgebracht, einige Sonnenschirme und Stühle platziert, fertig ist der Strand. Nur doof, dass Baden hier strengstens verboten ist. Der St. Lorenz Strom ist reißend und vermutlich auch affenkalt. Eintritt kostet der Strand auch noch. Dass dieses Angebot nicht angenommen wird ist nicht verwunderlich.

Blick vom Bell Tower nach Westen

„Strand“ am St. Lorenz Strom
Baden strengstens verboten

Auf dem Heimweg lassen wir uns durch die Altstadt treiben und sehen schöne Gassen und Plätze. Sehr originell ist hier der unterirdische Fußgänger Highway. Über 33 km kann man kreuzungsfrei durch bzw. unter der Stadt laufen. Alle wichtigen Einkaufszentren, Hotels, Bürogebäude und Metrostationen sind so fix zu erreichen. Was uns sehr beeindruckt hat war, dass hier unten alles sehr sauber ist. Kein Müll, keine verpissten und stinkenden Ecken. Hochglanz 10 feet down.

Vieux Montreal

Vieux Montreal

Unterirdischer Fußgänger Highway

Kanada Reise 2019_3

Geocaching auf kanadisch – finde dein Loft und den Parkplatz
Die moderne Art ein Appartement zu beziehen ist in Kanada zum Geocaching mutiert. Die GPS Position des Schatzes wird vom Vermieter per E-Mail, mit Link zu Google Maps, übermittelt. Mit einer weiteren E-Mail wird die Position des Parkplatzes verraten. Schwierig wird es mit der Logistik, wenn der Parkplatz zwei Blocks vom Hotel entfernt liegt. Ganz wichtig ist, ausschließlich den angegebenen Parkplatz zu nehmen, weil sonst das Fahrzeug abgeschleppt wird. Die Identifikation des parkberechtigten Fahrzeugs erfolgt durch Übermittlung eines Fotos der Autonummer, Typ und Farbe. Wenn das Fahrzeug versorgt ist, folgt die nächste Hürde. Finde die Straße, die Hausnummer, die richtige Eingangstüre und die Tastatur für den Sicherheitscode für die Eingangshalle. Als nächstes ist die richtige Etage und die Wohnungstür zu finden. Die Türe ist entweder mittels Zahlencode zu öffnen oder der Schlüssel ist aus einem Minisafe, ebenfalls mittels Zahlencode, zu befreien. Bis zu diesem Zeitpunkt ist kein menschliches Wesen zu sehen und so bleibt es auch über die komplette Aufenthaltsdauer. Reklamation gehen über E-Mail oder WhatsApp. Alles ist total anonym, bis auf die Tatsache, dass das Auto identifiziert werden, ein Foto des Reisepasses sowie ein aktuelles Foto vom Passinhaber, direkt mit dem mobilen Endgerät aufgenommen, über das Onlineportal der vermietenden Organisation hochgeladen werden muss. Dies dient zur Identifikation und zum Abgleich zwischen Pass und Person. Datenschutz ist in Nordamerika nicht angekommen.

Ohne mobiles Endgerät bleibt uns der Eintritt in diesen Ausstellungssaal verwehrt

Ohne mobiles Endgerät und Kreditkarte geht es nicht. Wahrscheinlich können wir in zehn Jahren gar nicht mehr in Museen oder Theateraufführungen gehen, weil wir uns nämlich weigern, für jeden Sch… eine App runter zu laden und auch noch die Kreditkartendaten zu hinterlegen. Wir sind jetzt noch vorsichtiger, weil Walters Kreditkarte gehackt wurde. Unsere Hausbank war wachsam und hat die Karte gesperrt, nachdem innerhalb von 5 Minuten über 20 Belastungen aufgelaufen waren. Das Problem ist, dass wir mit dieser Karte ausschließlich die Hotel- und Mietwagenbuchungen getätigt haben um den Überblick nicht zu verlieren. Nun müssen wir, wenn wir zu Hause sind auf die Polizeistation gehen und Betrugsanzeige erstatten, damit uns die Beträge wieder gutgeschrieben werden.

Kanada Reise 2019_2

Toronto schläft nie. Das sagt New York ebenfalls, aber hier erfahren wir es direkt am eigenen Leib. Der CN Tower strahlt die ganze Nacht hindurch in den schönsten Farben über uns, auch der Verkehr unter uns, Fußgänger und Autos, reißt nicht ab. Wir standen gestern bis weit nach Mitternacht auf dem Balkon um das Farbspektakel über uns und das pulsierende Leben unter uns zu beobachten. Wir „wohnen“ im 12. Stockwerk und haben einen guten Überblick. Es ist Wochenende, tolles Wetter und die Menschen zieht es nach draußen. So bleich wie manche sind, ist anzunehmen, dass der Sommer hier in seinen ersten Zügen liegt. Unser Sonntagsausflug beginnt damit, dass wir unsere Kindertretroller aus dem Kofferraum holen. In Toronto gibt es keine Elektro-Tretroller zum Mieten – und das ist gut so. Wir sind rollende Exoten auf dem Radweg, teils auch auf den Gehwegen. Unser Ziel sind die beiden international anerkannten Museen, das Royal Ontario Museum und die Art Galerie Ontario (wieder zeigt sich hier die Handschrift Frank Gehrys). Bei dem tollen Wetter wollen wir gar nicht in die Museen rein, sondern nur die Architektur dieser anschauen und vor allem fotografieren. Es gibt leider keine Innenansichten. Frank Gehry hat so clever geplant, das wir seinen spiralförmigen Treppenaufgang im Inneren der Art Galerie nicht fotografieren können, ohne 25 Dollar Eintritt zu zahlen. Die derzeitige Ausstellung interessiert uns nicht, also gibt es keine Fotos. Wir rollern weiter durch die Stadt. Es gibt wenig alte und erhaltene Straßenzüge, oft wird Altes mit Neuem kombiniert.

Royal Ontario Museum in Toronto
Alt und Neu wunderschönen verzahnt

Alt und Neu an fast jeder Straßenecke
Die Kirche wurde kurzerhand umbaut

Alt und Neu in Toronto

Eaton Shopping Center
Mit je einer U-Bahnstation vorne und hinten

Unser nächstes Ziel sind die Toronto Islands im Ontario See, direkt vor Downtown Toronto. Mit der Fähre 10 Minuten. Gefühlt 100.000 Andere sind auf die gleiche Idee gekommen, denn die Schlange vor der Fähre ist unendlich lang. Im Augenwinkel hatte ich beim Vorbeirollern ein Schild eines Wassertaxis gesehen. Gleich im nächsten Hafenbecken legen Wassertaxis ab, die nur 2 Dollar mehr kosten als die Fähre. Kaum Wartezeiten, auf dem nächsten Wassertaxi haben wir Platz. Der Clou ist, dass das Wassertaxi den Preis für die einfache Fahrt aufruft. Aber die Rückfahrt von den Inseln zurück kann man mit der Fähre machen, weil das kostet dann nichts. Nun ja, eigentlich kostet das schon, man kann für die Fähre nur ein Hin- und Rückticket lösen, aber auf der Fahrt zurück muss die Fähre alles mitnehmen was da steht. Es soll kein Tourist auf der Insel bleiben. Die Verwaltung ist sehr restriktiv, es leben derzeit nur 700 Personen dauerhaft auf den Inseln, und es gibt eine Zuzugsbegrenzung, mehr soll und darf es nicht werden. Die Inselkette erstreckt sich über acht Kilometer und bietet für Segler einige Häfen, für Schwimmer erfrischendes Ontario-Seewasser. Alles gleicht einem heißen Sommertag am Bodensee. Draußen ziehen die Segelschiffe vorbei, am Strand spielen die Kinder und im Wasser wird sich erfrischt. Oma und Opa sitzen auf der Picknick-Decke und überwachen die Kühlboxen. Mit der Verpflegung ist es nämlich schwierig, aber die Erfahrenen ziehen am Wochenende mit Sack und Pack im Bollerwagen auf die Inseln. Der Ontario See hat derzeit ziemlich viel Wasser, die wenigen Ferienhäuser und Wohnhäuser sind mit Sandsäcken vor Überflutung geschützt, einige Wege sind jedoch unpassierbar, zumindest nicht mit dem Tretrollern.

Hochwasser auf Toronto Islands

So bleibt uns der Anblick des einzigen FKK Strandes am Ontario See verwehrt, oder erspart. Je nach dem.


Viel Verkehr über dem Inner Harbor
Fähren zu den Inseln, Freizeit-Segler, Motorboote und Flugzeuge im Landeanflug auf den Toronto Airport

Kanada Reise 2019_1

Von den Niagarafällen nach Toronto
Dieses Naturschauspiel zieht uns den dritten Tag in Folge in den Bann. In Buffalo bringt uns die Peace Brücke nach Kanada rüber.

Die Grenzkontrolle ist völlig stressfrei. Der kanadische Grenzbeamte fragt nach wohin, wie lange und schon haben wir den Einreisestempel im Pass. Auf dem kanadischen Niagara Parkway fahren wir bis zu den Horseshoe Falls vor. Die Niagarafälle sind von der kanadischen Seite noch spektakulärer. Nur eine Mauer trennt die Besucher von der Abbruchkante der Horseshoe Falls und die amerikanischen Falls sind aus dieser Perspektive ebenfalls super zu sehen.

Noch besser ist die Sicht vom Skylon Tower aus. Mit einem verglasten Außenaufzug geht die Fahrt in einer Minute nach oben auf die Aussichtsplattform. Es ist sehr windig, der Turm schwingt in der Tat etwas. Die Aussicht ist überwältigend. Hunderte Fotos werden gemacht und die Auswahl fällt schwer.

Niagarafälle vom Skylon Tower aus

Niagara American Falls vom Skylon Tower (Kanada) aus gesehen

Niagara Horseshoe Falls vom kanadischen Ufer aus

Niagara Horseshoe Falls

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Toronto, wo wir direkt in der City, neben dem CN Tower, unsere Unterkunft haben. Der Blick vom Balkon aus dem 12. Stockwerk hinauf zum CN Tower und durch die Straßenschluchten ist betonlastig aber trotzdem nicht unschön… es gibt eine weitere Fotosession bis weit nach Mitternacht.

CN Tower in Toronto/Kanada

Toronto bei Nacht