La Isla Bonita_9

4. Advent
Seit gestern liegen wir in der Marina La Palma in Santa Cruz. In Tazacorte sind wir morgens um 10 Uhr bei Sonnenschein, Flaute und spiegelglatter See ausgelaufen. Bis zum Vulkan San Antonio, fast an La Palmas Südspitze änderte sich dies auch nicht. Nur 2 Seemeilen weiter, auf der Höhe des Leuchtfeuers Fuencaliente fanden wir eine komplett andere Situation vor! Wind auf die Nase mit 25 bis 27 Koten und weiße Schaumkronen auf dem Wasser. Die Wellenhöhe betrug zirka 3 Meter. Kapeffekt nennen die Segler dies. Weiter um die Südspitze von La Palma herhum drehte der Wind mit und düste uns weiterhin voll auf die Nase. Wir bekamen hektoliterweise Wasser über den Bug und die Sprayhood geschüttet – Salzwasser kam aus allen Ritzen ins Cockpit – aber innen blieb alles trocken. Die Windvorhersage war 4 Beaufort aus ENE, und zwar für den West- als auch den Ostteil der Insel. Dies hätte bedeutet, dass wir die Stecke in den Süden mit raumen Winden und die Strecke nach Norden am Wind hätten segeln können. An Segeln war jedoch nicht zu Denken, wir wollten uns nicht den Wolf kreuzen, zumal wir ausnahmsweise auf Termin in Santa Cruz sein mussten (Machen wir normalerweise nie). Wir hatten uns mit Joanna und Marcel in El Castillo im Azul zum Abendessen verabredet. Erschwerend kam hinzu, dass wir unseren Mietwagen in Tazacorte drüben stehen hatten und zuerst mit dem Bus quer durch die Insel fahren mussten. Hat alles geklappt, wir sind rechtzeitig an- und rübergekommen und haben einen sehr schönen Abschiedsabend mit ausgezeichnetem 4-Gänge-Menü gehabt. Die Nacht hier in der Marina war unruhig (Elke) bzw. nichts mitbekommen (Walter). Die Schaukelei durch den Schell hier war kein Problem, aber hinter dem Marinagebäude ist ein Pommesladen mit 24 Stunden Öffnungszeit und einem riesigen Parkplatz. Hier hatte sich gestern wohl die komplette Jugend der Insel getroffen und abgefeiert. Die Autoradios plärrten in voller Lautstärke – aus jedem Auto kam ein anderes Geplärr, was einen miserablen Sound ergeben hat. Ab 3 Uhr schwand der Soundteppich so langsam. Auch aus diesem Grund war heute wieder lazy sunday. Die Läden hatten heute geöffnet und wir nutzten den Komfort des Mietwagens um unsere Vorräte für die Atlaniküberquerung aufzustocken. Am Nachmittag wollten wir noch eine kleine Runde im Nationalpark durch den Lorbeerwald laufen, aber, keiner hätte es gedacht, es regnete mal wieder auf dieser Seite der Insel. Aus dem Spaziergang wurde ein Stadtbummel in Santa Cruz. Da die Läden hier alle geöffnet waren, habe ich eine supergünstiges Schuhschnäppchen gemacht. Nein, keine Manolo Blahnik Highheels – sondern Markenlaufschuhe um 29,99 €. Guter Tag!

La Isla Bonita_8

Highlight heute war unsere Wanderung durch die Angustias-Schlucht in die Caldera de Taburiente. Gleich hier um die Ecke, von Los Llanos aus, geht eine kleine Straße zum Parkplatz im Barranco de Las Angustias. Der offizielle Wanderweg läuft parallel zum Bach, bei niedrigem Wasserstand kann man aber auch getrost im Bachbett wandern. Wir ziehen das Bachbett vor, obwohl es ein wenig mühevoller ist, als der Wanderweg. Hin und wieder müssen wir über Felsen im Bachbett kraxeln. Die Felswände des Barrancos ragen senkrecht in den Himmel, unterwegs unterqueren wir ein Felsentor (ein riesiger Felsbrocken hat sich links und rechts in der Felswand verkeilt).
Barrancowanderung (65k)
Etwa zwei Stunden laufen und hüpfen wir durch das Bachbett immer tiefer in den Barranco hinein und stehen vor einer Staumauer.
Barrancowanderung k
Auch die können wir umklettern und laufen weiter im Bachbett bis zum Punkt Dos Aguas. Hier kommen, wie der Name schon sagt, dos, also zwei Bäche zusammen. Wir folgen dem rechten Bachlauf weiter bis zu einer weiteren künstlichen Staustufe, hier müssen wir kurz nach links ausweichen und über eine Felsrippe klettern. Weiter geht es den rechten Bachlauf entlang, der so langsam seine Farbe wechselt. Das Wasser ist sehr eisenhaltig und das ganze Bachbett leuchtet tieforange.
Barrancowanderung (121k)
Die letzten 100 Meter bis zu den Cascada de Colores (bunter Wasserfall) sind die beschwerlichsten. Es gibt kaum mehr trockene Stellen im schmalen Bachbett, die Steine und Felsen sind mit ockerfarbenem Schlick überzogen, verdammt glitschig, hoch und rund. Wir kommen doch tatsächlich mit einigermaßen trockenen Schuhen bei der Cascada an. Zwei spanische Jungs ziehen sich die Badehosen an und duschen unter lautem Gejohle (scheint sehr kalt zu sein) mit dem eisenhaltigen Wasser.
Barranco Orange k Cascada Colores k
Wir laufen und hüpfen auf dem gleichen Weg zurück, wobei der Rückweg wieder anstrengender ist, obwohl es nun leicht bergab geht.
Barrancowanderung (23k)
Morgen werden wir Abschied nehmen von Tazacorte und von Marcel und Joanna; für uns geht es weiter nach Santa Cruz da la Palma. Die Chulugi segelt am Sonntag weiter nach La Gomera. Die Marina Tazacorte ist sehr angenehm, da es hier sehr windstill ist und es in der Marina keinerlei Schwell gibt. Die Schiffe liegen absolut ruhig in den Boxen. Nur ungern ziehen wir weiter nach Santa Cruz. Zumal es jedes Mal geregnet hat, als wir in Santa Cruz vorbeigefahren sind. Tazacorte hat laut Reiseführer die meisten Sonnenstunden der Insel La Palma und das stimmt wirklich.

La Isla Bonita_7

Der zweite Versuch die Vulkane San Antonio und Teneguia zu besteigen war erfolgreich. Der Wettergott hatte ein Einsehen und verwehrte uns diese großartige Rundtour durch die bizarre Vulkanlandschaft nicht ein zweites Mal. Wir parkten kostenfrei an der Zufahrtsstraße zum Besucherzentrum des Vulkans San Antonio. (Parken und Eintritt ins Besucherzentrum kostet 5 Euro/Person). Der ausgezeichnete Wanderweg führte uns in steilen Kehren hinab und dann immer am Fuß des Vulkans San Antonio entlang. Teilweise sinkt man knöcheltief in den schwarzen Vulkanschotter (Lavagrus) ein. Weiße Socken – ganz schlecht und Schuhe mit luftdurchlässigem, netzartigem Obermaterial auch; wirkt wie ein Filter, sodass sich der Schuh mit feinstem Vulkansand füllt.
Der Aufstieg zum jungen Vulkan Teneguia (erst- und letztmals im Jahr 1971 ausgebrochen) ging entlang an scharfen abgerissenen Ausbruchkratern. Die Krater sind nicht pechschwarz wie die Lava, sie schimmern in Rot- und Gelbtönen.
Panorama Vulkan Teneguia k
Der Pfad zum Gipfel führte über einen scharfen Grat, ungesichert. Im Rother Wanderführer steht hierzu folgendes: Bei Sturm ein gefährliches Abenteuer, das man besser lassen sollte! Wir drehten aufgrund der üblen Windböen knapp 50 Meter vor dem Gipfel um. Sicher ist sicher. Ebenfalls im Rother steht, dass sich am Wegrand noch zahlreiche heiße Stellen befinden und dass es nach Schwefel riecht. Wir haben nichts davon mitbekommen.
Panorama Vulkan k
Der Rückweg zum Auto ging durch das Weinbaugebiet von Teneguia. Auf der schwarzen Vulkanerde gedeihen, geschützt durch Lavasteinmäuerchen, Weinreben. Die Weinreben werden nicht wie bei uns hochgebunden, nein, sie liegen auf dem warmen Boden. Was muss das für eine mühevolle Erntearbeit sein. Im Anschluss an unsere Vulkanwanderung haben wir noch zwei örtliche Bodegas (Weingüter) besucht, probiert und zwölf Flaschen Wein gekauft, die Weinbautradition hier muss erhalten bleiben! Zum Abendessen wurden wir von Marcel und Joanna auf die Chulugi eingeladen. Lecker, nein sauleckerer Salat mit nicht minder leckerem Schweinefilet mit Sherry-Thymian-Sauce. Sterneverdächtig. Ganz dickes Lob und vielen Dank!

La Isla Bonita_6

Der Versuch einen Teil der Vulkanroute zu laufen scheiterte. Weshalb? Na, weil es im Südwesten ab der Ortschaft Jedey mal wieder regnete. Wir haben wohl ein Regenabonnement. In der Hoffnung, dass sich die Wolken ganz im Süden bei Los Canarios verziehen, sind wir trotzdem weiter zum Parkplatz vor dem Besucherzentrum beim Vulkan San Antonio gefahren. Nicht nur, dass es auch hier regnete, nein, auch der Wind war sehr unfreundlich. Er hatte geblasen, aus allen Rohren. Flexibilität ist für uns ja kein Fremdwort, eher gelebte Praxis. Also Auto gewendet und wieder in Richtung Tazacorte (da scheint immer die Sonne) gefahren und weiter nach El Jesús. Hier, vom Parkplatz El Pinar haben wir eine kleine Wanderung durch den dichten Kiefernwald zum Torre del Time gemacht. Die Hälfte des Weges führt über dick mit Kiefernadeln gepolsterte Wege, die andere Hälfte ist anstrengend, über Stock und Stein durch zwei kleinere Barrancos. Belohnt wurden wir oben mit einer grandiosen Aussicht in die Caldera de Taburiente.
El Time
Am Aussichtspunkt wollte eine vorwitzige Krähe unbedingt einen Schokokeks von uns abhaben.
Vulkankrähe
Die Stärkung haben wir jedoch selbst benötigt, der Rückweg war wesentlich anstrengender, da die Kiefernnadeln auf den Steinen wie Schmierseife wirken. Wir kamen ohne Sturz und Blessuren zum Auto zurück. Der Heimweg führte uns über Los Llanos und hier in eine prima Pizzeria, die uns von Joanna und Marcel empfohlen wurde.

La Isla Bonita_5

Wir machten einen neuen Versuch den rauen Norden von La Palma zu erkunden. Der Himmel war am Vormittag stechend blau, somit stand unserer Bergwanderung am Roque de los Muchachos scheinbar nichts im Wege. Mit dem Auto fuhren wir eine knappe Stunde, die Außentemperatur auf 2000 Meter Höhe erreichte trotz Sonne gerade mal 4 Grad und die Straße durch den Kiefern- und Pinienwald war noch sehr feucht. Oberhalb der Baumgrenze war die Straße trocken, jedoch im Bereich zwischen dem Abzeig zu den Observatorien und dem Mirador de los Andenes, im Schatten der Felswände, spiegelglatt. Nachdem Walter dies realisiert hatte, ist er sofort an der nächsten Ausbuchtung rechts ran gefahren. Mit einem Kleinwagen mit Sommerreifen eine kluge Entscheidung. Zu Fuß sind wir dann auf der Straße zum Mirador geeiert um die Eislage zu sondieren. Es war nur noch eine Stelle mit knapp 100 Metern auf unserer Fahrbahnseite total vereist, auf der Gegenfahrbahn war der äußerste Streifen einigermaßen frei. Die Autos die von Santa Cruz herauf kamen, hatten keine Probleme mit Vereisung. Also fuhren wir den Wagen auf der Gegenfahrbahn die 100 Meter runter auf den Parkplatz beim Mirador.
Mirador
Dick eingepackt mit Mütze, Schal, Handschuhen und dicker Jacke gingen wir los. Schon nach wenigen Minuten und noch nicht einmal fünf hundert Metern der Wegstrecke bemerkten wir, dass die Wolkendecke immer dichter wurde und sich über die Bergrücken schob.
Roque Muchachos
Der blaue Himmel war zur grau milchigen Masse geworden und zu allem Überfluss wurde es richtig feucht. Keine Chance mehr sicher weiter zu gehen. Schon recht nass kehrten wir wieder um und beeilten uns zum Wagen zu kommen, denn wir befürchteten, dass der Sprühnebel auf der kalten Bergstraße zu Eis werden würde. Vereinzelt hatte sich auch schon Eis an Zweigen und Ästen der Sträucher gebildet. So fuhren wir auf der anderen Seite Richtung Santa Cruz im dichten Nebel wieder ins Tal.
Nebel zieht auf
Unterhalb der Wolken stellte sich dann Bindfadenregen ein, kein Wunder, denn wir waren ja nun auf der Ostseite von La Palma und da regnet es offensichtlich zu dieser Jahreszeit immer. Aus der Wandertour wurde nun sightseeing mit dem Mietauto. Zurück nach Tazacorte fuhren wir über die LP 1, die ganz im Norden der Küstenlinie folgt und später im Nordwesten auf die LP 4 trifft. Gewaltige Barancos mussten durchfahren werden, die Straße schlängelte sich in Serpentinen den Berg hinauf und wieder herunter und dies einige Male. Beeindruckende grüne Täler, vereinzelt Weinanbaugebiete und wunderschöner Lorbeerwald alles auf wenigen Quadratkilometern und in einer sehr dünn besiedelten Region, das ist der Norden von La Palma. Es war bereits dunkel als wir zurück auf dem Schiff waren und das Abendessen vorbereiten; da steckte Nico den Kopf durch den Niedergang. Er hatte sich angewöhnt, immer erst bei uns nach dem Rechten (sprich Futter) zu sehen, bevor er dann mit den Chulugis auf das eigene Schiff geht.
Nico hatte vollen Erfolg, denn spontan wurden die Portionen verdoppelt und so verbrachten wir einen schönen Abend mit Joanna, Marcel und Hund Nico auf der Sunrise.

La Isla Bonita_4

3. Advent, Sonntag, 14.12., ein besonderer Tag. Er fängt damit an, dass wir den Wecker nicht gestellt haben und wunderbar lange schlafen. Die Nächte sind schon ziemlich kalt, wir haben die warmen Decken (Nordsee lässt grüßen) wieder im Einsatz und so schlafen wir schön warm eingewickelt wie die Murmeltiere bis es draußen wieder warm wird. Vorher aufzustehen macht ja auch überhaupt keinen Sinn, weil das Duschwasser auch erst von der Sonne erwärmt werden muss – wer will schon im Winter kalt duschen? So gibt es zum späten Frühstück bereits Apfelstrudel, Käsekuchen und Pfirsichsahnestorte (alles vom Samstagsmarkt in Puntagorda und alles original kanarisch aus deutscher Produktion). Die deutschen Residenten hier haben die Gastronomieoberhand (unser Eindruck) der komplette Markt in El Paso und auch in Puntagorda war deutschsprachig, die ausgezeichneten Cafés (Frida in Los llanos) und Restaurants (Azul in El Castillo) sind in deutscher Hand. Unser Sonntagsausflug ging nun abermals nach Puntagorda und nach La Tricias. Die dicken Regenwolken hingen noch einige Meilen nördlich von uns und so konnten wir den alten Camino (Wanderweg) durch die Mandelbaumfelder und durch den Drachenbaumhain machen.
Drachenbaum k
Die Mandelbäume tragen aktuell kein Laub mehr, aber es hängen noch viele Früchte drauf, die nicht abgefallen oder geerntet sind. Schade drum. Ab Februar blühen die Bäume wieder und es gibt neue Früchte, die wiederum keiner erntet oder aufsammelt. Nach unserem Sonntagsspaziergang fahren wir mit dem Wagen zu den Sternguckern (Observatorien) auf den Roque de los Muchachos hoch. Hier auf 2426 Metern haben wir glasklare Luft und 4 Grad. In der Nacht ist es hier stockdunkel, es gibt keine Streulichter und deshalb ist die Sicht ins Universum so einmalig. Die Wolkendecke ist unter uns und die Sonne steht flach drüber.
Roque Muchachos k
Die Wanderung hier oben steht noch auf unserer Liste, aber heute zieht es uns ins Restaurant Azul. Zum Tagesausklag gibt es ein vorzügliches Menü.
Suppe kVorspeise kHauptgang kDessert k

La Isla Bonita_3

Freitag, 12.12. ist um 8:30 Uhr der Krantermin für die Sunrise. Na ja, nach spanischer Zeitrechnung war es dann 10 Uhr und die beiden Kranspezialisten machten eher den Eindruck einer Spaßcombo. Aber sie beherrschten den Kran und die Tragegurte. Die hintere Gurte hatten sie exakt 1 cm neben dem zu tauschenden Seeventil platziert. Die Sunrise schwebte aus dem Wasser, wobei schweben relativ ist, immerhin hat sie auf dem Display des Kranspezialisten ein Gewicht von 11,5 Tonnen angezeigt. Ziemlich viel, zumal ihr Leergewicht mit 9 Tonnen angegeben ist und wir außer den vollen Wasser- und Dieseltanks noch gar keinen großen Proviantvorrat an Bord haben.
Spaßcombo
Der Austausch des Seeventils, bzw. des Borddurchlasses wurde vom Marineservice El Chopo durchgeführt. Unseres Erachtens zu schnell, da sie das Aushärten der Dichtungsmasse (Sika) nicht abgewartet haben. Wir hingen bis 16 Uhr im Kran und wurden dann kurz vor Feierabend und dem Wochenende wieder ins Wasser gelassen. Der Austausch des Borddurchlasses war völlig für die Katz´, weil der alte noch pfenniggut war. Die undichte Stelle kam von der Verbindung des Borddurchlasses mit dem Seeventil. Hier war vormals schlampig gearbeitet worden, die Abdichtung mit Hanf war undicht und der Hanf hatte sich mit dem Abwasser des Fäkalientanks durchtränkt und tröpfchenweise in den Unterschrank des Waschbeckens geleckt. Hat auch dementsprechend gerochen. Auf jeden Fall ist nun der Borddurchlass neu, aber das Seeventil ist noch das alte, wurde jedoch gereinigt und die Verbindungsstelle zum Borddurchlass wurde neu abgedichtet. Aktuell, nach 2 Tagen im Hafen, ist noch alles dicht – wir hoffen, dass das auch unter Belastung so bleibt. Am frühen Abend ging es mit der Chulugi-Crew noch nach La Laguna zum offenen Atelier des deutschen Malers Hagen Westphal, der vor 25 Jahren aus Bremerhaven nach La Palma gekommen ist. Sehr interessante Bilder auf kanarischem Pinienholz, Altholz und auch sehr schöne Aquarelle waren zu sehen – nur einen Nagel in die Wand zu schlagen, um ein Bild aufzuhängen geht nun mal ganz schlecht auf einem Boot.
Am Samstagvormittag haben wir mit der Chulugi-Crew (Joanna, Marcel und Hund Nico) eine Fahrt zum Wochenmarkt in El Paso gemacht. Marcel spricht spanisch und mit seiner Übersetzungshilfe habe ich mich endlich an die einheimischen Früchte gewagt. Ich habe Mandelkäse, Ziegenfrischkäse, Birnenmelonen, süße Tomaten (den spanischen Namen habe ich leider vergessen) und eine Kartoffelgurke (heißt nicht wirklich so, aber hat die Form einer schrumpeligen großen Kartoffel und die Farbe einer Gurke) gekauft. Die Kartoffelgurke muss erst noch verarbeitet werden, die Birnenmelone und die süßen Tomaten sind schon verzehrt. Weiter ging es zu den deutsch-polnischen Glasbläsern nach Los Llanos. Nur sehr schwer konnten wir uns auf 3 Glaskugeln beschränken, wir hätten sehr gerne noch Blumenvasen, Obstschalen, Weingläser, Teelichtgläser und anderes mitgenommen. Überaus geschmackvolle Farbkombinationen und auch Gläser mit Lavasteineinschlüssen (glasklar mit schwarzen Schlieren) stellen die beiden Glasbläser her. Am Nachmittag ging es weiter zu einer kanarischen Bierbrauerei (nach belgischem Rezept) mit Direktverkauf und Tapas-Restaurant. Lecker Bierchen getrunken und leckere Tapas gegessen. Der nächste Stopp war der Markt in Puntagorda, da unser Verdauungsspaziergang dem Regen zum Opfer fiel. Wir konnten nur kurz einen uralten Drachenbaum unmittelbar an der Verbindungsstraße zwischen Puntagorda und Tazacorte anschauen, weitere Wege waren aufgrund der sintflutartigen Regenschauer unmöglich.
La Palma k
Zurück in Tazacorte schien die Sonne; dies ist nicht ungewöhnlich, weil die hohen Berge an der Nordwestküste von La Palma eine Wetterscheide darstellen. Tazacorte ist der Ort mit den meisten Sonnenstunden auf La Palma.
La Palma_5 (k)

La Isla Bonita_2

Die Busverbindungen hier sind recht gut. Stündlich fährt ein Bus vom Puerto Tazacorte nach Los Llanos. Von dort aus geht es weiter nach Santa Cruz de La Palma. Gestern sind wir nach Los Llanos gefahren um uns dort die historische Altstadt um die Kirche, die Kunsthandwerker-, die Bio-, Öko- und Naturkostläden (letztere fest in deutscher Hand) anzuschauen. Tolle Ledertaschen, Schmuck aus Lavasteinen, Klamotten aus Biobaumwolle und Seide, Bioobst und –Gemüse, Brot und vieles mehr. Gekauft haben wir (noch) nichts. Stattdessen sind wir am Nachmittag unserer Lieblingsbeschäftigung nachgegangen – na was wohl? Zwei Tassen und zwei Kuchenteller sind mit von der Partie gewesen.
Heute hat uns der Bus zum Flughafen nach Santa Cruz gebracht. Dort haben wir unseren Mietwagen geholt. Wir sind einfach unabhängiger mit dem fahrbaren Untersatz. Vom Flughafen aus ging es direkt in den Süden zu den Salinen von Teneguia.
Salinen Salek
Die Salzabschöpfung findet zwar nur in den Sommermonaten statt, aber die Anlage kann trotzdem besichtigt werden. Ein halbstündiger Rundweg führt mit Hinweistafeln, die Schritt für Schritt die Salzgewinnung beschreiben, durch die Anlage. Hier wird ausschließlich von Hand geerntet. Der Laden dort verkauft das Salz von Teneguia in verschiedenen Güteklassen. Das beste Salz ist das Fleur de Sel und es kann nur im Hochsommer bei einer bestimmten Wetterlage von Hand abgeschöpft werden. Die Verkäuferin hat ausdrücklich betont, dass dieses Salz erst nach der Zubereitung der Speisen zugefügt, also auf keinen Fall mitgekocht werden soll. Zum Schluss zum Verfeinern über den fertigen Fisch, das Fleisch oder das Gemüse streuen und sofort genießen. Werden wir probieren. Für unser leibliches Wohl am späten Nachmittag hat das dortige Restaurant gesorgt: Köstliche Langostinos im Bett von grobem Meersalz gegart und in einem Firstziegel (Dachziegel) serviert. Sah wirklich recht originell aus und hat superlecker geschmeckt.
Garnelen (2)k
Weiter ging die Fahrt durch das Vulkangebiet des Teneguia, der erst 1971 ausgebrochen war. Meterhoch türmen sich die Lavabrocken neben der Straße, es gibt eine ausgewiesene Wanderroute durch das Vulkangebiet von Teneguia, die wir noch machen werden. Zurück nach Tazacorte führt die Straße durch ausgedehnte Bananenplantagen.
Banana canaria
Zum Sonnenuntergang haben wir einen kurzen Stopp in Puerto Naos, einem Hotspot der Mountainbiker, eingelegt. Muskelbepackte junge Menschen (sehen aus wie Rugbyspieler mit ihren diversen Schützern) tauschten am Nachbartisch die neuesten Informationen über ausgesuchte Trails aus, sodass uns Hören und Sehen vergangen ist – krasse Risikosportart. So fahren die Jungs und Mädels sogar den Steilwandweg vom El Time nach Puerto Tazacorte mit dem Rad runter! Ich bin ja wirklich schwindelfrei und habe keinerlei Problem mit dem Gleichgewicht, aber ich war wahrlich froh, als ich, als wir dort unterwegs waren, wieder ebenen Boden unter den Füßen hatte.

La Isla Bonita_1

Steilwand wir kommen! Vom Hafen Tazacorte geht der Wanderweg 131 weg und zwar ziemlich heftig. Nämlich die Steilwand 600 Meter hoch bis zum Mirador el Time. Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Kondition auch, aber nicht zwingend, weil man/frau kann ja jeweils in den Kehren stehen bleiben und den herrlichen Ausblick auf den Hafen, den schwarzen Sandstrand und das Meer genießen. Verdächtig wird es nur, wenn Frau den faszinierenden Ausblick an jeder Kehre genießt.
Strand Tazacorte Steilwand k
Der Lohn wartet oben im Café des Miradors in Form einer Mascarpone-Torte mit Ananas und einem Café con Leche (habe ich vorher ehrlich nicht gewusst). Der Ostwind bringt milde Saharaluft in die Kanaren und es scheint die Sonne, sodass wir im Freien sitzen und verweilen können. Ausgeruht geht es zur Bushaltestelle, der Bus könnte uns nach Los Llanos und zurück nach Tazacorte bringen. Wohlgemerkt könnte! Walter hat noch keine guten Fotos machen können, die Sonne war noch zu grell und zu hoch, und deshalb geht es zu Fuß die 600 Höhenmeter wieder runter nach Puerto Tazacorte. Als wir um 17 Uhr unten ankommen hat sich an der kleinen Strandpromenade gerade der Gitarrenspieler eingefunden und es wäre ja wirklich unhöflich an ihm vorbeizugehen ohne einige seiner Darbietungen gehört zu haben.
Promenade k
Wir bleiben zum Aperitif im Strandrestaurant. Die Servicedame schaut zwar etwas pikiert, als wir nur ein Glas Weißwein bestellen, aber wir bekommen es. Immerhin waren wir ja gestern zwei Mal dort. Einmal nachmittags zum Café con Leche und abends zum Essen – jeden Tag muss das ja nun wirklich nicht sein. Am Abend besuchen uns Joanna und Marcel mit Hund Nico (SY Chulugi) um uns Tipps für Ausflüge zu geben. Wir mögen Nico sehr gerne und er kommt auch schon ohne die Beiden zu uns an Bord um zu schauen, was bei uns so geht. Nico liebt Zucchini und Karotten und bekommt von uns immer ein Gemüselekkerli. Braver Hund.
Die Frage nach dem Krantermin und den Termin mit dem Servicetechniker konnten wir heute Vormittag mit Marcels Hilfe (er spricht spanisch) auch klären. Am Freitag früh wird die Sunrise wieder aus dem Wasser gekrant und das rotte Seeventil wird von Pedro, dem Techniker, ausgetauscht

La Isla Bonita

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Wie bereits geschrieben, sind wir auf der Insel La Palma angekommen. Die Insel wird La Isla bonita, die schöne Insel, genannt. Wir fahren mit dem Bus quer durch die Insel nach Santa Cruz de la Palma. Nach Los Llanos zieht sich die Straße die Berge hoch und es fängt an zu regnen. Das kennen wir ja bereits aus La Gomera. Der Vorteil des vielen Regens ist, dass die Insel herrlich grün ist. Zwischen Tazacorte und Los Llanos befinden sich durchgehend Bananenplantagen, die tatsächlich noch bewirtschaftet werden. Überhaupt sieht alles sehr gepflegt und aufgeräumt aus. In Santa Cruz angekommen, schauen wir uns zuerst die Marina Santa Cruz an. Hier müssen wir demnächst hin, weil dort die Seminare, Sicherheitschecks und Einweisungen für die Atlaniküberquerung stattfinden. Wir haben uns ja der AtlanticOdyssey (neues Projekt von Jimmy Cornell) angeschlossen, um gemeinsam mit mehreren Schiffen ab 8. Januar 2015 nach Martinique zu segeln. Für uns ein wichtiger Sicherheitsaspekt. Wir bekommen einen Schiffstracker gestellt, damit die Rallyleitung und die zu Hause immer genau unsere Position wissen, wir bekommen regelmäßig die Wetterlage und es wird eine tägliche Funkrunde zwischen den Schiffen geben. Die Marina Santa Cruz ist deshalb der Starthafen, weil die Eigner der Marina die Odyssey sponsern. Sehr ruhig scheint die Marina Santa Cruz nicht zu sein, die Schiffe schaukeln ziemlich und die Marina legt immer nur ein Schiff in eine Doppelbox – die wissen schon weshalb. Die Yemania von Steffi und Tomy liegt derzeit auch dort, sie ist aber gut festgemacht, sodass der Schwell wohl keinen Schaden verursachen wird.
Dadurch, dass es auch in Santa Cruz Bindfäden regnet, ist unser Aktionsradius eingeschränkt. Wir laufen nur die Straße durch die Altstadt bis zum Nachbau von Columbus´ Schiff Santa Maria (Schifffahrtsmuseum) und eine andere Straße wieder zurück zum Busterminal. Gut, dass die alten Häuser viele Balkone haben, sodass wir uns von Balkon zu Balkon fortbewegen und dadurch einigermaßen trocken bleiben. Das einzig doofe ist, dass die Dächer alle auf die Straße hin entwässern, die Dachrinnen haben einen etwa einen Meter langen frei über der Straße endenden Ablauf, wenn wir diesem Wasserfall nicht ausweichen, sind wir komplett geduscht. Es ist mehr ein Hindernislauf als ein Spaziergang, wobei ein Regenschirm schon hilfreich wäre – sofern man hat.