Guadeloupe_2

Wo gibt es hier einen Mietwagen? Meine favorisierte deutsche Mietwagen-Buchungsseite hat mir kurz vor dem Abholtermin mitgeteilt, dass die Verleihfirma am Flughafen uns den kleinsten VW nicht zur Verfügung stellen will und hat die Reservierung kostenfrei storniert. Im Mietwagenstornieren sind wir ja mittlerweile ganz gut. Wir wollen aber die Insel erkunden und mit den Buslinien kommen wir noch nicht klar. Also ins Marinaoffice und die Damen nach den lokalen Verleihern gefragt. Praktischerweise ist genau gegenüber dem Marinaoffice ein Pavillion einer Verleihfirma, aber hier war nur ein 7 – 9 Sitzer zu bekommen – was wollen wir mit so einem Monstrum? Als nächstes sind wir rüber in die Blue Lagoon Marina zum Autoverleiher – kein Mietwagen für diese Woche! Komisch, wir haben nun nicht gerade den Eindruck, dass die Insel von Touristen überschwemmt ist. Aber wir geben nicht so schnell klein bei. Aktion „und es fährt doch ein Bus zum Flughafen“ wird ausgerufen. Am Unigelände, das praktischerweise direkt an die Marina angrenzt, sprechen wir einen Studenten an. Fährt ein Bus zum Flughafen? Nein, eher nicht. Aber wir sollen ins Stadtzentrum von Pointe a Pitre fahren und dort zum Busterminal gehen. Gesagt getan. Für 0,50 Euro/Person fahren wir zur Place de la Victoire. Leider gibt es ein Problem mit den Busfahrern. Sie sind alle ausgesprochen höflich und nett, aber verstehen weder Schulfranzösisch noch Englisch. Ok, nächste Option, das Office de Tourisme. Das wird ja wohl einen Busfahrplan der Insel haben und auch eine Person, die uns versteht. Mit dem Verstehen hat es geklappt. Der Cheffe des Ganzen, in Anzug und Krawatte (bei 35 Grad), hat uns gut verstanden und hat sich sehr gefreut, dass wir Gäste aus Deutschland sind – aber weiterhelfen konnte er uns nicht. Er hatte oder es gibt keinen Busfahrplan und auch kein Verzeichnis der Buslinien. Hallo? Sind wir jetzt in der EU oder j.w.d.? Wir sollen ein Taxi nehmen, die fahren gleich hier am Platz weg und immer zum Flughafen. Na, warum wohl? Der Taxifahrer hat sich sehr über seine neuen Opfer gefreut. Der Preis für die 6 Kilometer zum Flughafen betrug 10 Euro, pro Person wohlgemerkt. Die Verständigung hat auch gut geklappt, als Walter beim Flughafen die Schilder der Mietwagen-Verleiher gesehen und drauf gedeutet hat, ist der gute Mann gleich abgebogen und hat uns direkt vor Europcar abgeladen. Es gibt sehr wohl Mietwägen am Flughafen, so viele, dass es hier mindestens 6 Verleiher gibt. Wir haben jetzt einen Kleinwagen für 3 Tage und er kostet uns mehr als die ursprüngliche Reservierung über die deutsche Internetseite für eine Woche. Das Thema Bus zum Flughafen werden wir am Donnerstag, wenn wir das kleine Wägelchen zurückgeben müssen, nochmals intensiv angehen. Es fahren nämlich überall die Linienbusse. Haben wir gesehen, als wir den Inselteil „Grand Terre“, die flache Insel mit den Sandstränden, mit dem Wägelchen erkundet haben. Unser Weg führte uns über Port Louis (krasser Friedhof direkt neben dem Badestrand) und der Anse Bertrand direkt zur Nordostküste.

Typisch karibischer Friedhof mit gekachelten Häuschen

Typisch karibischer Friedhof mit gekachelten Häuschen

Zum nordöstlichstem Punkt der Insel führt vom Parkplatz aus ein breiter, eingeschotterter Trampelpfad, geschmückt mit dem Hinweis, dass hier ein „risque de morte“ besteht. Da wir uns unsicher waren, ob uns nun jemand nach dem Leben trachtet, oder der Hinweis sich auf die Geländeformation bezieht, ignorierten wir ihn und gingen vorsichtig weiter. Wir waren dabei in guter Gesellschaft, eine ganze Gruppe in Badelatschen kam uns entgegen. Die Steilküste hier ist sehr zerklüftet und sieht nicht spektakulärer aus, als andere Steilküsten.

Nordostküste Guadeloupe

Nordostküste Guadeloupe

Wir gingen den breiten Trampelpfad zurück zum Auto und fuhren nach Le Moule an der Ostküste. Hier scheint ein Surfer-Hotspot zu sein und die EU wird Milliarden für die kilometerlange Strandpromenade (total verwaist, kein Mensch unterwegs) rausgehauen haben. In den Städten hier herrscht Verkehrschaos, in Pointe á Pitre immer und auch in Le Moule. Im Schrittempo quälten wir uns durch und zwischenzeitlich wurde es Nacht. Spätestens um 18:30 ist hier pottendunkel und um 7 Uhr morgens wird es erst wieder hell. Von St. Francois und St. Anne sahen wir deshalb nichts mehr. Schauen wir uns an einem anderen Tag an. Hierhin fährt auch ein Bus, ganz sicher. Nämlich die U6 Linie, das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Pfeif auf dem Mietwagen und das Taxi.

Guadeloupe_1

Sonntag in Pointe á Pitre
Am Vormittag ist es bewölkt, regnet und kühlt wunderbar ab. Die richtige Temperatur um am Schiff zu arbeiten. Eigentlich. Wir gehen lieber ins Aquarium, das hier gleich um die Ecke am Eingang der Blue Lagoon Marina liegt. Das Aquarium ist eine der Sehenswürdigkeiten auf Guadeloupe. Wir sind fast alleine, nur eine Familie mit zwei Kindern findet ebenfalls den Weg hierhin. Ob es am Preis liegt (11,50 Euro/Person)? In den verschiedenen Aquarien schwimmt alles was hier im Meer lebt, natürlich auch ein paar Haifische. In viel zu kleinen Becken. Es gibt Informationsvideos und viele Schautafeln – alles nur auf Französisch. Lesen geht ja einigermaßen, aber von den Videos kann ich keine Informationen erhalten.

Zwei bemitleidenswerte Insassen des Aquariums

Zwei bemitleidenswerte Insassen des Aquariums

Aquarium k2

Aktuell sind wir noch zu Fuß unterwegs. Der Mietwagenverleiher hat uns die Mietwagenreservierung abgesagt. Es gibt hier diverse Busverbindungen, wir müssen unser aber erst noch kundig machen.

Pointe á Pitre_Guadeloupe

Gestern Vormittag, nach einer entspannten Nacht vor Anker in Port St. Louis/Marie Galante sind wir mit einer leichten Backstagsbrise die letzten 15 Meilen nach Pointe á Pitre auf Guadeloupe gesegelt. Die Ansteuerung der Bas du Fort Marina war uns in der Nacht zu unsicher. Wer weiß, ob die Fahrwassertonnen auch beleuchtet sind. Man nimmt es hier nicht so genau. Umso erstaunter waren wir, dass die Tonnen wirklich exakt an den Punkten sitzen, wie auf der Seekarte eingezeichnet. Auch die Navionics Karten auf dem Plotter waren sehr genau. Das betonnte Fahrwasser wurde sowohl von den Fähren nach Marie Galante und Les Saints, als auch von den ortskundigen Seglern ignoriert. Sie fuhren den kürzesten Weg über die Flachs. Wir nicht. Und wohl auch nicht die AIDA und der MSC Kreuzfahrer, die ebenfalls den Weg nach Point á Pitre gefunden hatten.
Pointe a Pitre k (1)
Wir haben in der Bas du Fort Marina einen Platz am Besuchersteg 6 zugewiesen bekommen und der freundliche Marina-Mitarbeiter hat unsere Bugleine entgegen genommen und an der Boje festgebunden. Wir liegen wie in Le Marin mit dem Heck zum Steg. Das Einklarieren in der Bas du Fort Marina geht sehr einfach – mit dem Computer. Kennen wir ja schon. Keine Frage, weshalb wir von Le Marin bis hier 3 Tage unterwegs waren. (1. Stopp in St. Pierre , 2. Stopp in Port Louis ) Der Computer spricht nicht und stellt auch keine Fragen. Das Einklarieren kostet hier 3 Euro. Den Platz in der Marina haben wir für zunächst eine Woche gebucht, mit der Option verlängern zu können. Bezahlen müssen wir erst, wenn wir gehen. Die Officedame sagte, dass wir erst bezahlen sollen, wenn klar ist wann wir gehen. Je länger wir hier liegen, desto „günstiger“ wird es. Schaun mer mal.
Am Abend hatten wir den Versuch unternommen, zu Fuß ins Stadtzentrum zu gehen. Nach dem Universitätsgelände haben wir aber umgedreht und sind sehr flott wieder Richtung Marina zurück gelaufen. Die Gegend sah in der Nacht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Im Umfeld der Marina gibt es einige Bars und Restaurants, hier gab es noch eine Kleinigkeit für uns zum Essen und anschließend in der Bar bei Livemusik noch ein Glas Bier. Als Walter bezahlen wollte, stellte sich heraus, dass die Holländer, die mit uns am Stehtisch standen unsere Getränke mit bezahlt hatten. Besten Dank!
Der zweite Anlauf zu Fuß ins Stadtzentrum von Pointe á Pitre zu kommen war heute Vormittag erfolgreich. Die Gegend am Stadtrand sieht tagsüber auch nicht besser aus. Wir wurden jedoch nicht angesprochen oder angebettelt, wir haben immer in ein freundliches Gesicht geschaut. Das Stadtzentrum ist überschaubar, am alten Hafen, verkaufen die Fischer direkt aus ihren Booten ihren Fang, gleich daneben ist die alte Markthalle, Marché de la Darse mit den Gemüsefrauen.

Farbenfroher Markt in Pointe á Pitre

Farbenfroher Markt in Pointe á Pitre

Pointe a Pitre k (3)

Interessant war, wie die Fischer die Fische entschuppen: Sie haben Kronkorken von Bierflaschen auf ein Brettchen genagelt, mit der scharfen Seite nach unten und ziehen das Brettchen über die Fische. Die Schuppen fliegen im hohen Bogen auf den Boden, wahlweise auch auf die gaffenden Touristen. Am Place de la Victoire gab es am Mittag schon Livemusik in einer Kneipe, eine willkommene Gelegenheit eine Pause zu machen. Ansonsten zählt die Stadt nicht zu den 1000 Plätzen, die man gesehen haben muss.
Poine a Pitre k3

Anker auf in St. Pierre

Unser Ziel ist Guadeloupe. Zuerst müssen wir nach Pointe á Pitre zum Einklarieren, es ist schon verrückt. In Martinique (Frankreich und somit EU) ausklarieren und in Guadeloupe (Frankreich und somit EU) einklarieren. Das auch nur, weil wir durch das Hoheitsgebiet von Dominica segeln. In Dominica werden wir nicht anlegen und auch nicht vor Anker gehen. Wir segeln mit Abstand von 5 Meilen an der schönen, naturbelassenen Insel (so der Reiseführer) vorbei.
Dominica k
Von St. Pierre auf Martinique bis nach Pointe á Pitre auf Guadeloupe sind es knapp 100 Meilen, da wird uns das Tageslicht zwischendurch ausgehen. Wahrscheinlich gehen wir in der Nacht vor Marie Galante vor Anker und fahren erst bei Tageslicht nach Poite á Pitre.

Abschied von Le Marin

Am Mittwoch, den 04.02.2015 hat uns die Marina die Freundschaft gekündigt. Herzlich und zuvorkommend war der Empfang in der Woche zuvor, der Abschied war exakt das Gegenteil. Die Officedame verstand auf einmal kein Englisch mehr, zum Ausklarieren wurde ich in den Raum mit den vier PCs geschickt. Ich soll bitteschön die Ausklarierungsvordrucke am PC ausfüllen, ausdrucken, fünf Euro parat halten und zum Abstempeln kommen. Wir haben uns noch von den Crews von Neptune, Penny Lane, Roxy und Vagaluga verabschiedet. Wir sehen uns irgendwann und irgendwo auf diesem Planeten wieder. Bis dahin alles Gute und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel. Die Calypso war nicht mehr an ihrem ursprünglichen Liegeplatz (immer Ärger mit der Calypso), so konnten wir uns leider nicht von Judi und Victor verabschieden. Euch ebenfalls alles Gute. Zurück auf der Sunrise habe ich über Funk den Hafenmeister gerufen, damit er uns von der Boje losknotet. Ohne seine Hilfe wollten wir nicht auslaufen. Kaum hatte ich gefunkt, war er mit seinem Boot schon da und hat ungeduldig an der Bugleine gezerrt, ich sollte ihm lose drauf geben, damit er seinen Knoten aufbekommt. Walter hatte gerade erst den Motor gestartet und die Leeleine am Heck weggenommen. Er hielt nun das Schiff an der Luv-Heckleine. Jetzt erst habe ich die Bugleine soweit gefiert, dass der Hafenmeister seinen Knoten aufknoten konnte – und weg war er. Wir haben einen blitzsauberen Ableger hingelegt und sind los. Es war bereits 11:30 und wir hatten 33 Meilen bis zum Ankerplatz in St. Pierre, der alten Hauptstadt von Martinique, die 1902 durch den Ausbruch des Vulkans Pelée komplett zerstört wurde. Bis zum Rocher du Diamant hatten wir zu wenig Wind zum Segeln und sind mit Dieselwind gefahren.
Rocher du Diamant k
Danach hatten wir „Sahnehäubchen“ Segel mit achterlichem Wind zwischen 15 und 20 Knoten bis zum Ankerplatz. Noch vor 17 Uhr waren wir dort und waren überrascht, wie voll das Ankerfeld bereits war. Viele Charterkatamarane (unterliegen dem Nachtfahrverbot) natürlich in der ersten Reihe, dahinter die Fahrtensegler. Alleine drei kanadische und drei, mit uns dann vier deutsche Schiffe. Die Wassertiefe in der zweiten Reihe war beängstigend, ab 20 Meter aufwärts. Unmöglich! Eine knappe Stunde sind wir unter Motor gekreiselt um einen geeigneten Platz mit einer vernünftigen Wassertiefe zu finden – nichts zu machen. Da um 18 Uhr die Sonne untergeht und es anschließend stockdunkle Nacht ist, fiel der Anker doch auf 20 Meter Wassertiefe. Unsere 50 Meter Kette haben wir gar nicht komplett stecken können, sonst wären wir beim Schwojen wahlweise auf der Tonne, die das Ankerfeld eingrenzt oder auf dem Nachbarn gehangen. So haben wir wider allen Regeln geankert und sind die komplette Nacht Ankerwache gegangen. Für uns ist dieser Ankerplatz definitiv durchgefallen! Entweder man ist am Vormittag bereits da und kann sich in die erste Reihe legen oder man fährt weiter.

Planänderung

Die Marina le Marin will uns loshaben. Wir dürfen nur noch bis Mittwoch, 04.02.2015 bleiben. Keine Verlängerung möglich und auch keine Mooringbojen verfügbar. Ankern wäre die einzige Möglichkeit noch hier in Bucht von Le Marin zu bleiben. Das ist aber keine Alternative. Wir hatten einen Mietwagen für die Zeit vom 04.02. bis 11.02.2015 reserviert, aber das Schiff und auch das Dinghy den ganzen Tag über unbeaufsichtigt zu lassen machen wir nur, wenn wir in einer Marina liegen. Ich war das erste Mal seit Monaten richtig wütend, als ich aus dem Marinaoffice gekommen bin und habe zuerst die Mietwagenreservierung storniert. Wir werden hier am Mittwochvormittag weggehen müssen und uns Martinique eventuell erst später im Jahr von Land aus anschauen.
Am Sonntagabend war unsere kleine Welt noch in Ordnung. Die Crews von der Penny Lane und der Neptune hatten zum Stegkonzert eingeladen. Vanessa und Pete mit der Gitarre und Gary mit dem Saxophone.
Stegparty mit Pete,Vanessa und Garry k
Es war eine gelungene harmonische Stegparty. Walter hat unsere Induktionskochplatte aufs Achterschiff gestellt und mehrere Portionen Kaiserschmarrn zubereitet (Päckchen-Kaiserschmarrn von Dr. O.) und mit Apfelmus an die Zuhörer verteilt. Er bekam ein dickes Lob. Selbst unsere Österreicher von der Themi haben den Kaiserschmarrn durchgehen lassen. Doch, die Rally-Gemeinschaft löst sich jetzt so langsam auf. Gestern ist die dänische Crew weiter (Stegparty verpasst – selber Schuld), heute ist Themi raus.
Abschied Themi k
Yveline und Luc gehen morgen.
Yveline und Luc k
Wir haben heute unseren Außenborder fürs Dinghy getestet. Er war seit den Kanalinseln nicht mehr im Einsatz, hat bei der Überquerung hinten im Heckkorb seinen ganzen Treibstoff verloren, ist aber nach zweimaligem Anziehen angesprungen. So muss es sein. Unser faltiges Großsegel haben wir kurz vor Sonnenuntergang ebenfalls klariert. Wir haben es komplett runtergenommen und neu in die Mastschiene eingezogen. Beim Einrollen des Segels hatten wir wieder genau das gleiche Theater wie auf See draußen – Falte drin. Nichts geht mehr. Zornesfalten in Walters Gesicht. Bootsmannstuhl u.s.w., die ganze Prozedur eben. Es ist so, dass wir das Segel künftig nur noch unter Zug einrollen werden, dann kann sich wenigstens keine Falte reinziehen. Ob das so gut für das Material ist, wird sich zeigen.

Abschlusstag

Samstag, 31.01.2015
Wir hatten seit Freitag einen Gast an Bord. Judy, Freundin des Calypso-Skippers hatte schon vor längerer Zeit einen Flug nach Martinique gebucht und ist am Donnerstagabend in Fort-de-France angekommen. Die Calypso war da noch fast 300 Seemeilen vom Ziel entfernt. Judy kam trotzdem mit dem Taxi zum Hafen und hatte Glück, dass die Roxy-Crew noch wach war. Die Nacht von Donnerstag auf Freitag schlief sie im Cockpit der Roxy. Da dies ein unmöglicher Zustand war, haben wir kurzerhand unsere Wurfkoje (Vorschiff) ausgeräumt und Judy bei uns einquartiert. Die Nachrichten und Positionsangaben von der Calypso waren chaotisch und verwirrend. Kathy von der Rallyorganisation war schon richtig genervt – Judy aber auch. Irgendwann hatte Victor wohl ein Mobilfunknetz und konnte sich per Mobilphone melden. Die Calypso ist doch noch am Samstag mit dem letzten Tageslicht hier eingelaufen. Walter und ich haben die Ankunft gar nicht mitbekommen, weil wir von Yveline und Luc eingeladen wurden, mit ihnen zusammen zur Anse d´Arlet zu fahren. Die Beiden haben dort vor über 30 Jahren für 18 Monate gelebt und gearbeitet. Ihr schönes ehemaliges Häuschen direkt am Strand ist jetzt ein Souvenirladen und im Garten ist ein Kiosk mit Holzbänken.
Anse d´Arlet
Auf dem Weg dorthin hat Luc für uns zwei Fotostopps eingelegt und uns über die Besonderheit des Rocher du Diamant informiert.
Roche Diamant
Am Abend hatte der Tourismusverband die Odyssey Teilnehmer zur Abschluss- und Abschiedsveranstaltung eingeladen. Es gab wieder Rumpunsch und Fingerfood, einige kurze Reden und Ehrungen für die einzelnen Teilnehmer. Irgendwann taten uns die Füße weh, wir hatten keine Lust auf weiteren Rumpunsch so verzogen wir uns mit Markus (Themi) auf die Sunrise. Die laute Livemusik in der Marina hätte uns eh nicht schlafen lassen, so saßen wir noch bis weit nach Mitternacht im Cockpit. Karl und Michael kamen auch noch dazu und wir konnten noch wertvolle Tipps zur Konfiguration des Autopiloten bekommen. Ab Sonntag wird sich die Gruppe langsam auflösen. Wir werden ab Mittwoch einen Mietwagen haben und selbst die Insel erkunden.

Angekommen!

Route
Odyssey KMittwoch, 28.01.2015, mitten in der Nacht um 2:46 UTC. Lokale Zeit: 23:46 Dienstagnacht. Nach dem Zieldurchgang sind wir direkt nach rechts abgebogen und haben uns im Schneckentempo dem Ankerfeld von St. Anne genähert. Tausende von Lichter am Strand, Bassgewummer und Lightshow im Club Med, aber wo verdammt sind die Ankerlieger. Nach einer gefühlten Stunde wollte Walter wieder raus aufs Meer und bis zum Tagesanbruch mit der geringsten Besegelung die Küste rauf und runter butschern. Darauf hatte ich nun wirklich keine Lust mehr. Irgendwann ist gut und eine ausgedehnte Mütze Schlaf ist dran. Und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her – bei uns war es ein weißes Licht, das ca. 15 Meter über dem Meer hin und her gependelt ist. Musste ein Ankerlieger sein. Weitere schwankende Lichtlein konnten ausgemacht werden und so fiel der Anker auf 5 Meter Wassertiefe. Ein ausgedehnter und wohlverdienter Schlaf bis morgens um 8 Uhr (lokal time) folgte. Unsere Ankunft in der Marina le Marin hatten wir über Funk für 10 Uhr avisiert. Wohlweislich nahmen wir noch ein reichliches Frühstück zu uns, eigentlich so gar nicht unsere Gewohnheit. Wir waren vorgewarnt! Es ist üblich, dass die Atlantiksegler mit Planters-Punch (Zusammensetzung: Rum, Rum, Rum, Zitrone, Fruchtsaft, Gewürze) begrüßt werden. Doch ein guter Grund die Gewohnheiten zu ändern! Der Empfang war überwältigend. Alle Segelfreunde, die bereits angekommen waren, sind trötenderweise zum Steg gekommen, sowie Kathy und Roger von der Rallyorganisation. In deren Schlepptau zwei Vertreterinnen des Tourismusbüros, bewaffnet mit den legendären Rumpunsch. Michael von der Themi kam am Längssteg noch als Deckshand für die letzten 10 Meter mit zu uns aufs Schiff um beim Anlegen zu helfen. Rückwärts in die Box und am Bug vorne an der schwimmenden Boje festmachen und die Heckleinen am Steg. Zu zweit fast unmöglich. Danke Michael! So gesehen war unsere spätere Ankunft für die Gesundheit (speziell die der Leber) gut, weil Roxy und Themi machen diese Prozedur seit 5 Tagen. Täglich! Es kommen noch im Tagesabstand: Penny Lane, Neptun, Vagaluga und Calypso! Na denn Prost. So viel zu Thema Frühstücksgewohnheiten. Flexibel wie wir sind, tauschen wir kurzerhand das Frühstücksgetränk aus. Wenn der Pegel sich dann wieder soweit auf Normal eingestellt hat, kommt der Abend und die Happy Hour in den umliegenden Bars. Am Ankunftsabend wurden die Odysseyteilnehmer vom Tourismusverband zur Party in der Mangobar eingeladen. Es gab Pastetchen, Schinkenspießchen, Fleischbällchen und sonstige leckere Kleinteilchen und natürlich auch das Nationalgetränk in allen möglichen und unmöglichen Mischungen. Flaschenweise! Zur Selbstbedienung. Ich blieb wohlweislich beim Bier und das war auch gut so.

 

Tag 19 der Odyssey

Sonntag, 25.01.2015
Seit gestern, Samstag, 24.01.2015 haben wir wieder Passatwinde die wirklich zum Segeln reichen. Wir sind seit Samstag wieder mit ausgebaumter Genua und gerefftem Großsegel, gesichert mit dem Bullenstander, im Schmetterlingsstil unterwegs. Das war nie unsere bevorzugte Segelstellung. Auf dieser Strecke fahren wir die Schmetterlingsvariante zum ersten Mal. Sie funktioniert, weil wir so platt vor dem Wind segeln können. Das Großsegel ist mit der Schot und dem Bullenstander festgeknallt, sodass hier nichts passieren sollte. Die Genua steht ausgebaumt auf der anderen Schiffsseite. Einzig die Halsen sind aufwändig. Zuerst holen wir das Großsegel langsam mittschiffs, in dem Walter die Schot dichtkurbelt und ich die Bullenstanderleine mitfiere. Das Großsegel reffen wir dann kurzzeitig ein Stück ein, damit wir in Ruhe auf dem Vorschiff arbeiten können. Dann geht Walter aufs Vorschiff, ich muss die Genuaschot fieren und gleichzeitig das Segel Stück für Stück einrollen. Dann wird der Topnant (die Leine, die den Spibaum im rechten Wickel zum Mast hält) gefiert, damit Walter den Spibaum greifen kann und z.B. die backbordseitige Genuaschot auspicken, den Spibaum auf die andere Vorstagseite hieven und die steuerbordseitige Genuaschot einpicken kann. Wenn die neue Schot eingepickt ist, wird der Topnant wieder durchgesetzt. Der Spibaum steht jetzt auf der anderen Schiffsseite, der Kurs kann geändert und die Genua wieder ausgerollt werden. Der nächste Schritt ist das Großsegel wieder auf den neuen Bug zu stellen. Walter darf wieder aufs Vorschiff um die Leine für den Bullenstander neu zu legen. Wir lenken die Leine vorne an der Bugklampe nur um und belegen den Rest auf einer Winsch im Cockpit. Das Großsegel wird wieder auf die gewünschte Größe ausgerollt und aufgefiert, gleichzeitig wird die Bullenstanderleine dichtgekurbelt, damit die ganze Prozedur kontrolliert und ohne Einrucken über die Bühne geht. Meistens klappt das auch so wie beschrieben. Richtig stressig wird es, wie gestern früh (noch vor dem Frühstück), wenn sich das Großsegel weder aus- noch einrollen lässt! Da stand es nun zu einem Drittel und wir konnten deutlich erkennen, was die Ursache für dieses Malheur war. Wir haben einen Rollmast und das Segel wird zum Bergen und Verkleinern in den Mast gerollt. Unser Segel hat auch längsseitige Segellatten zur Versteifung und eine dieser Latten hatte sich etwas aus der Lattentasche herausgearbeitet, sich beim Einrollen verhakt und eine riesige Falte über die komplette Segellänge bis zum Masttop verursacht. Diese Falte hatte sich nun in der Mastnut verkeilt, sodass nichts mehr ging. Zuerst hat Walter versucht, auf dem Großbaum und Spibaum stehend, die Falte von Hand rauszuziehen. Erfolglos. Der Versuch mit dem Kochlöffel die Falte in die Mastnut zu stopfen gelang müßig, auf einer Länge von einem knappen Meter – da waren es nur noch 12 Meter. Entweder ohne Großsegel weiter bis Martinique oder Walter in den Bootsmannstuhl und ab in den Mast. So haben wir es auch gemacht. Der Bootsmannstuhl ist allemal sicherer als an den Wanten eingepickt auf dem Großbaum rumzuturnen. Hochgezogen mit dem Spifall und gesichert mit dem Kutterfall musste er, bewaffnet mit der Gemüseraspel, den Mast entlang hochgezogen werden. Nur gut, dass wir elektrische Winschen haben, das hat zumindest dieses Manöver etwas erleichtert. Mit der stabilen Gemüseraspel hat er Stück für Stück, im Bootmannstuhl baumelnd und mit den Beinen in den Wanten verkeilt, das Segel in die Mastnut gerammt. Ich habe abwechselnd die Großsegeleinhole und die -ausholeleine gezogen und lose gelassen. Nach drei Stunden hatten wir es so weit geschafft, dass sich das Großsegel zu 75 % ausrollen ließ. Die letzten Meter zu Masttop bleiben nun bis Martinique gefaltet im Mast. Dort sehen wir weiter. Den Tipp mit dem Kochlöffel verdanken wir übrigens Heinz aus Emden, den wir in Las Palmas kennen gelernt haben und der auf seiner Calypso genau das gleiche Rigg hat. Er hatte dieses Malheur mit den Falten auch schon und weiß auch von anderen Seglern mit dieser Konfiguration, dass das wohl jeden einmal trifft – also ich brauche das definitiv nie nie mehr. Und Walter schon gleich gar nicht. Ach ja, vielleicht wundern sich einige, dass wir nicht mit dem Parasailor segeln. Walter hat die Schnauze gestrichen voll, von diesem 125 m² Leichtwindsegel. Einen ganzen Tag hat er sich bei Leichtwind um die 5 Knoten damit rumgeärgert, sodass bei ihm das Segel jetzt durchgefallen ist. Ab 10 – 12 Knoten Wind von Achtern laufen wir mit der Schmetterlingsvariante auch 5 – 6 Knoten. Deshalb will er den Parasailor nicht mehr Setzen, auch weil das Bergen so ein mordsmäßiges Geraffel ist, nicht bei Leichtwind unter 7 Knoten, sondern ab 10 Knoten wird das Bergen zum ultimativen Stress. Vielleicht sind wir auch einfach nicht für dieses Segel geeignet. Bei der konventionellen Schmetterlingsvariante kann vom Cockpit aus sowohl die Genua als auch das Großsegel verkleinert oder vergrößert werden, ohne dass man auf dem Vorschiff rumturnen muss. Das Halsen s.o. ist halt etwas zeitintensiv. Er will den Parasailor verkaufen, bei mir hat er noch eine Chance verdient. Warten wir es ab.

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