Mit dem T 3 Bulli unterwegs

Ganz gemächlich und altersgerecht (der Bulli) fahren wir über Land- und Bundesstraßen nach Jena. Über Schwäbisch Hall, Crailsheim, Bamberg und Coburg.

Weiß-blaue Idylle in Oberfranken

Wobei wir das letzte Teilstück ab Bamberg über die Autobahnen A 73, A 71 und A 4 zurück legen. Unsere Tochter bittet uns telefonisch darum, ihr 33 Jahre altes Bulli-Schätzchen nicht über die Landstraße durch den Thüringer Wald und über den Rennsteig zu quälen. Recht hat sie. Sie lebt zeitweise in Jena und kennt aufgrund der vielen Fahrten zwischen Stuttgart und Jena die Topographie sehr gut.
Wir dürfen in ihrer Studentenbude nächtigen, sie weilt gerade zu Hause im Ländle. Das beschert uns ein muggelig warmes Bett in der Nacht, im Bulli wäre es bedeutend kälter. Eine böse Kaltfront von Norden beschert uns 4 – 6 Grad in der Nacht – Besserung ist aber in Sicht.
Ab jetzt ist Kultur angesagt. 30 Jahre nach der Wende sind uns die Kulturhochburgen der neuen Bundesländer, außer Berlin und Potsdam, immer noch gänzlich unbekannt. Das ist blamabel, wenn man bedenkt, dass wir in den letzten Jahren die indigenen Mayastätten aus dem 4. – 10. Jahrhundert in Mexiko und die archäologischen Fundstätten San-Agustín in Kolumbien aus dem Jahrhundert vor Christi bestaunt hatten. Nun, die „Kultur“, die wir im letzten Jahr auf unserer mehrmonatigen USA Rundreise besichtigt hatten, war überwiegend europäisch (spanisch, französisch und britisch) geprägt, weil eben diese Einwanderer die Ureinwohner von Nordamerika abgemetzelt hatten und bis heute deren Nachfahren nicht vollumfänglich respektieren.

Jetzt also die Kultur Deutschlands. Weimar:

Goethe und Schiller Denkmal in Weimar

Goethe und Schiller haben hier gewirkt und sind in Form von Statuen, Museen und Straßennamen sehr präsent.

Goethes Gartenhaus im Ilmpark in Weimar

Ilm Park in Weimar

Uns interessiert jedoch mehr das Wirken der Bauhaus-Künstler ab dem Jahr 1919. Ganz vorne mit dabei Walter Gropius, Gründungsdirektor des Bauhauses, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe sowie die Meister Lyonel Feininger, Gerhard Marcks, Johannes Itten, Oskar Schlemmer oder Paul Klee. Das Bauhaus-Museum im Weimar zeigt eindrücklich die Entwicklung der Kunst-/Handwerks- und Architekturschule „Bauhaus“ und beschönigt nicht, dass die Bevölkerung zu dieser Zeit noch nicht reif war für diese neuen Kunstformen.

Bauhaus Musterhaus von 1923 in Weimar

Es herrschte eine extreme Inflation in den goldenen Zwanziger Jahren und politisch übte die parlamentarische Demokratie nach der Kaiserzeit die Weimarer Republik von 1918 bis 1933. Wie es ausging wissen wir heute. Schlecht lief es auch für das Bauhaus, denn das Land Thüringen stellte die Förderung ein und das Bauhaus zog 1925 nach Dessau in Sachsen-Anhalt. Nichts desto trotz haben die Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, die Architektur und die Kunst Weltkulturerbestatus.

Bauhaus Klassiker