Vormittags Streetjazz, Mittagschlaf und abends dann Jazz im Café Aroma und Night Jam in der Werft.
Der erste am Steg – wie soll es auch anders sein – will um 10 Uhr weg. Kein Thema, ist ja nicht mehr nachtschlafende Zeit. Also zwei Schiffe kreisen im Hafenbecken, bis sich die Lage neu sortiert hat. Das mit dem Neusortieren hat trotz böigem Seitenwind gut geklappt. Die ultimative Katastrophe fand heute in der Panty (Küche) statt. Walter hat´s nicht so mit den Tetrapacks, speziell nicht mit denen mit Frischmilch drin. Beim Öffnen, wie auch immer, passiert es. Die Spüle, der Kühlschrank, das Regal, der Backofen – speziell dahinter – badet in Frischmilch. Walter ist auch kurz vorm Platzen – aber wer macht die Sauerei dann weg?
Also konzertierte Aktion bevor die Frischmilch bei der Hitze sauer wird und das ganze Schiff nach Kinderkotze stinkt. Alles ausräumen, Tupperle, Gewürzgläser, Kannen etc. spülen, Regal auswaschen, Backofen ausbauen !!! um den Milchsee dahinter zu beseitigen. Alles beseitigt! Jetzt nach drei Stunden stinkt´s noch nicht. Hoffe, es bleibt so. Wir schließen das Schiff jetzt ab und gehen Downtown, gucken was die Vorbereitungen für Festival machen.
Bleierne See, kein Wind, total diesig. Fahren unter Motor die ganzen 38 Meile nach Aerosköping. Unterwegs macht Walter Radarübungen und lässt das Schiff nach den Radarechos fahren. Klappt gut, es ist jedoch zu berücksichtigen, dass wir überhaupt keinen Seegang und deshalb auch keine Echos von den Wellen haben, die üblicherweise die Interpretation des Radarbildes erschweren. Wir sind schon um 15 Uhr im Hafen, der bereits gut gefüllt ist. Wir gehen als 3 Schiff an einem alten Holzsegelboot aus Flensburg längsseits. Werden gleich als Schwaben erkannt und nicht für voll genommen. Ist uns völlig völlig schnuppe, frei nach dem Motto „wir können alles, außer Hochdeutsch“. Auf dem Nachbarkutter sind drei ältere Herren, wahrscheinlich Ex-Bundeswehrler, von denen einer sogar in Stuttgart gearbeitet hat. Das Schwabenländle kann demnach doch nicht so übel sein.
Abends gehen wir noch in ein Musik-Café. Ein lokaler Gitarrist spielt Klassiker, die mindestens genau so alt sind wie er selbst. Aufgrund des Regens können wir dieses Mal nicht draußen sitzen, wir müssen rein in die Räucherbude. In Dänemark darf wohl in den Bars geraucht werden. Sehr unangenehm, stinken wie Räucheraale und gehen während des zweiten Sets nach Hause.
Fahrrad leihen war erfolgreich, weil wir nicht wie am 18.07. in der Marina, sondern vor dem Sternehotel Dyvig Bro liegen. Wir sind ja noch lernfähig, trotz Ü50. Hier ist die Nutzung der Fahrräder im Preis inbegriffen – der Liegeplatz kostet auch bloß 10 DK mehr als gegenüber! Also nach dem Frühstück los und die besten Aluräder gesichert und ab Richtung Augustenborg. Die Räder sind kein Vergleich zu denen in Aerosköping. Haben zwar nur 3 Gänge, aber rollen richtig leicht und gut. Schon um 12 Uhr sind wir in Augustenborg und finden auf Anhieb das schöne Schloss – da gibt es leider kein Schloss-Café. Das Schloss ist toll renoviert und ist jetzt Psychiatrische Klinik. Schnell weg hier! Wo gibt es hier was für den Durst??? Nirgendwo! Auch heute ist es schwül warm – alles zu, verrammelt, verlassen. Finden einen Spar, der verkauft uns zwei Tüteneis und 2 Flaschen Mineralwasser. Hilft schon mal. Das Schloss hat einen tollen Garten und einen anschließenden Schlosswald mit Skulpturenpfad. Hier deuten wir den Fußweg in Fahrradweg um und genießen den Schatten und die Skulpturen. Da wir völlig planlos sind, also ohne Stadtplan und Landkarte, und irgendwie und vor allem nicht mehr an der L405 zurück nach Nordborg radeln wollen, statten wir einer Tankstelle einen Besuch ab. Der nette Däne findet uns wohl auch so und schenkt uns eine Karte und erklärt uns den Weg über Nebenstraßen. Halt leider in die falsche Richtung, wir wollen heute nicht mehr nach Sonderborg sondern nach Nordborg! Egal, wir bedanken uns, radeln um die Ecke und navigieren selbst.
Auf der Nebenstraße zwischen Stevning und Oksböl wäre der Ausflug um ein Haar abrupt beendet gewesen, da ein Lieferwagenfahrer wohl Radlerhasser ist und dermaßen haarscharf mit einem Affenzahn bei Gegenverkehr an Walter und mir vorbeigerauscht ist, dass dessen rechter Außenspiegel genau zwischen meine Schulter und mein Ohr gepasst hat. Ich hab nur noch den Lenker festgekrallt und gedacht jetzt fliegt mir mindestens das Ohr weg. Walter ist Zeuge, er war 50 m hinter mir. Ich war so erschrocken, dass ich ihm (dem Lieferwagen-Piloten/Idioten) leider zu spät den Stinkefinger hinterher geschickt habe. So ein Volldepp!
Jetzt ist wieder alles gut, sitze im Cockpit und trinke ein Viertele aus der letzten Trollinger-Lemberger (reeller Württemberger Rotwein) Flasche. Morgen geht es auf der bekannten Route wieder nach Aerosköping, Jazzfestival, 2. Anlauf.
Im Nieselregen los in Richtung unserer Lieblingsanlegestelle Dyvig auf der Insel Als. Je südlicher wir kommen – je besser die Stimmung und auch das Wetter. Heute keine besonderen Vorkommnisse, außer dass wir um 17 Uhr in Dyvig fest waren und ich, Elke, meine Ostseeschwimm-Premiere gegeben habe. Weil nämlich die Dyvig-Bucht durch den Ostwind heute fast quallenfrei war und das gilt es auszunutzen. Anfangs war es schon frisch, aber dann sehr erfrischend.
Die Quallenplage ist schon echt heftig – einmal hat sich so ein glibbriges Teil an einem unserer Festmacher (sind die Leinen, mit denen das Schiff am Steg oder so festgemacht ist) verfangen, Walter hat mit der Hand wohl in die abgerissenen Tentakel gelangt und gleich brennende Stellen bekommen.
Morgen machen wir einen zweiten Versuch, Fahrräder in Dyvig zu bekommen. Vielleicht können wir ja bis Augustenborg radeln – schaun mer mal.
Zu nachtschlafender Zeit, ohne Frühstück, nur mit Milchkaffee im Magen Richtung Fredericia abgelegt. Anfangs kein Wind und im Schwanenhals zwischen Middelfahrt und Fredericia die volle Düse und voll auf die Nase. Zuerst sind wir noch gesegelt, aber als dann ein Frachter aus Kolding rausgeschossen kam und die ganzen Segler weggetutet hat, haben wir die Segel gestrichen und sind unter Motor vollends nach Fredericia in den Hafen. Die Anlege-Liveschau haben wir heute gegeben und somit geht heute mit großem Vorsprung der Schlechteste-Anleger-Award to Walter and Elke. Ist doch nicht gut, so früh auf den Beinen zu sein und auch nichts im Magen zu haben. Im Winterlager muss ein neuer Niro-Schutz an den Bug. Der Yachthafen in Federicia wurde zwar mit neuen Stegen versehen, ist aber …. Gleich am Gelände entlang rauscht die Schnellstraße und seeseitig Richtung Stadt ist das Industriegebiet.Wir sind ca. 4 km an der Schnellstraße entlanggelatscht, in sengender Hitze, um in die Altstadt zu kommen. Niete, noch nicht mal ein Cafe oder Eiskaffee, das einladend ausgesehen hat. Walter hat vor lauter Hunger und Ärger zwei Rosinensxhnexken gekauft und davon, weil doch zu klebrig, eine weggeworfen. Zurück sind wir mit dem Bus gefahren und haben „zu Hause“ gekocht.
In der Nacht Regen – passt doch alles zusammen!
Wir wollten heute nach Haderslev, ist aber fast eine Stunde zum reinmotoren in den engen Fjörd, ist uns zu äztend, sodass wir in Aarösund in den Hafen gehen und dort als 3. Schiff im Päckchen liegen. Aarö ist ein nettes kleines Städtchen, es gibt aber außer dem Campingplatz nichts und weshalb dort ein Campingplatz ist, versteht kein Mensch. Kein Badestrand, nichts absolut nichts – außer einer Familie, die am Sund gemütlich an einem hübsch gedeckten Tischen einen Nachmittagstee/kaffee zu sich nimmt.
Unser Liegeplatz-Nachbar, ein sympatischer alter Schwede, will am Mittwoch um 8 Uhr los, sodass wir uns früh ablegen.
Wir wollen nach Faaborg. Aber das ist gleich um die Ecke, 16 nm. Leider kein Wind, wir fahren unter Motor rüber. Sind um 15 Uhr schon da. Im alten Fischereihafen ist kein Platz für uns, egal, dann gehen wir in die Marina. Der Hafen wurde im Winter erweitert und im neuen Teil sind wir fast alleine. Bis auf 2 Motorprazzenfuzzis die eine Anlege-Liveschau abliefern. Details spare ich mir, hoffe nur, dass wir nie so einen schwarzen Tag erwischen. Die Sonne knallt immer noch vom Himmel, sodass wir beschließen, unterm Sonnendach einen Mittagschlaf zu halten – auch amama mondag nix aufregendes. (Hochdeutsch: Auch an einem Montag nichts aufregendes)
Ausschlafen. Wir sind platt – aber nicht vom Sabbelbier. Es ist einfach außergewöhnlich heiß hier und null Wind. Das glaubt uns wahrscheinlich kein Mensch, aber der Asphalt löst sich auf und bleibt an den Schuhsohlen kleben. Heute bleiben wir einfach an Bord und lesen und faulenzen. Zwischendurch wandert noch einen Ladung Wäsche in die Waschmaschine im Sanitärgebäude (DK 30,00) und anschließend in den Trockner (DK 20,00), sind ja auch Mielemaschinen, das hat seinen Preis.
Abends wandert eine Lachshälfte in den Backofen und es gibt frische dänische Gurken und grünen Salat dazu. Zum Sonnenuntergang laufen wir zum Badestrand und bleiben auf dem Rückweg an einer Kneipe hängen, in der eine Liveband spielt. Da wir nicht so einfach wie die Maulaffen rumstehen wollen, bestellt Walter 2 Bier (DK 90,00). Na ja, die nehmen ja auch keinen Eintritt.