Fehmarn

Grömitz adjeu. Wir gehen heute nach Burgtiefe/Fehmarn. Die komplette Strecke muss Otto (Schiffsmotor) zusammen mit Gustav (Autopilot) fahren. Da wir bereits um 15:00 Uhr im Hafen sind, packen wir unsere Kinderroller aus und rollern noch nach Burg rein. Nettes Städtchen. Wir schauen uns die Ausstellung 50 Jahre Fehmarnsundbrücke an. Essen Fischbrötchen und rollern zurück zum Schiff.

Grömitz

Eigentlich wollten wir nach Travemünde/ Lübeck, aber der Wind kam aus SSW und somit voll auf die Nase. Außerdem hat sich der Wetter-/Windgott überhaupt nicht an unsere Vereinbarung gehalten – Blöd-bommel. Windstärke 4, in Boen 5 war vereinbart. Bereits aus Wismar raus hatten wir 22 kn, also 5 Bft. Hoch am Wind hätten wir uns den Wolf gekreuzt. Grömitz konnten wir anlegen. Also Planänderung und nach Grömitz. Zwischendurch hatten wir 29 kn Wind, also einen satten 6er und 7er Böen, und das hoch am Wind. Die arme Sunrise wurde ganz schön geprügelt. Bereits um 15:30 waren wir im Yachthafen Grömitz. Der ist total groß, aber doch zu klein für unser Schiff. Am ersten freien Liegeplatz waren die Dalben so eng, dass wir stecken geblieben sind. Zwischenzeitlich hatten wir uns beim Manöver in der engen Boxengasse am gegenüberliegenden Dalben noch den „Adenauer“- Flaggenstock (Deutsche Nationalflagge, die wir als deutsches Schiff im Heck führen müssen) abgebrochen (und gerettet). Also nächste Boxengasse und nächste freie Box, gleiches Spiel – aber jetzt ist es uns egal, die Dalben werden auseinander gedrückt und wir sind drin. Zwar streckt die Sunrise ihren netten Hintern um mind. 50 cm aus der Box raus, aber der Hafen ist voll mit Wochenend-Seglern, da wird heute Nacht keiner raus wollen und uns den Arsch abfahren. Zuerst Wunden lecken und Walter repariert den gebrochenen Flaggenstock. Akkuschrauber ist noch an Bord. Ein Bohrer abgebrochen und zwei Schrauben das Genick abgedreht, aber jetzt flattert es wieder deutsch im Heck. Abends laufen wir die lange Grömitzer Strandpromenade ab und gehen noch beim Italiener essen und Grappa trinken.

Wismar

Wir besichtigen Kirchen und Adelshäuser. Backsteingotik sowie andere Bauten aus der Zeit, in der Wismar schwedisch war. Sehr schöne alte Häuser, jedes hat einen anderen Giebel. Typisch Hansestadt. Wir sind schnell durch und ich entdecke einen Friseursalon, der „amamamondag“ geöffnet hat. Kurz nach einem Termin gefragt und schon sitze ich im Friseurstuhl. Walter muss eine Stunde alleine Spazieren. Waschen, Schneiden und Föhnen für schlappe 25 Euro – und der Schnitt ist nicht schlechter als der um 350 Dänenkronen in Aerosköping. Anschließend Kaffee-/Teetrinken und Kuchen essen. Es gibt Sauerkirsch-Grießkuchen vom Vortag (80 Cent das Stück). Total lecker. Wir bestellen jeder noch ein Stück nach und bezahlen 9.90 Euro für 4 Stückle Kuchen, 1 Milchkaffe und 1 Assamtee.
Da wir nun paffsatt sind, gehen wir „nach Hause“ um Auszuruhen und lassen den Abend an Bord spät mit Buletten und Schwarzbrot ausklingen.

Wismar

Wir sind in der Hansestadt Wismar. Nach schönen Segelmeilen liegen wir nun im Wasser-Wander-Rastplatz ganz nah an der Wismarer Altstadt. Der Wettergott hatte Sonntagslaune und hat uns keinen Regen und auch nicht die angekündigten 6er Böen geschickt. Mit konstanten 5 bft. sind wir über die Ostsee. Walter hatte bereits im Hafen von Großenbrode die kleine Fock angeschlagen und das Großsegel hatten wir im 2. Reff. Das war sehr vorsichtig, aber gut so. Unterwegs haben wir das Großsegel noch ausgerefft. Morgen, am Montag wollen wir uns die Stadt anschauen. Wir waren vor 12 oder 13 Jahren schon mal hier in Wismar. Damals waren wir mit dem Segelclub und den Kindern auf dem Topsegelschoner Banjaard unterwegs.

Großenbrode und Heiligenhafen

Immer noch in Großenbrode. Heute scheint es zum letzten Mal b.a.w. einen schönen Sommertag zu geben, der Wind kommt aus SSE, da wollen wir hin und deshalb laufen wir nicht aus. Nach dem Frühstück holt Walter die Kinderroller aus der Backskiste und wir rollern unfallfrei ca. 10km nach Heiligenhafen. Der Wettergott spielt mit und lässt uns gemütlich in Heiligenhafen einen Eiskaffee trinken, zur neuen Seebrücke rausrollern und auch noch trocken Krabbenbrötchen vespern. Das Rollern ist schon anstrengend und deshalb nehmen wir zurück nach Großenbrode den DB-Bus. Ursprünglich war der Plan mit dem Bus bis nach Burg/Fehmarn zu fahren, da sich aber schwarze Regenwolken aufbauen, steigen wir doch in Großenbrode aus. Am Abend ist am Ostseestrand ein „Kartoffelfeuer“. Da gehen wir hin. Currywurst, Pizza Margherita und Veltins Bier, außerdem ein total bescheuerter Discjockey, dessen Repertoire von Micky Krause über Andrea Berg bis hin zu Metallica ging. War schon witzig. Aber wo waren die Kartoffeln? Das Feuer war haushoch (Beweisfotos vorhanden), die Rentner von der Musik verscheucht und die Kinder bereits im Bett. Ich denke, morgen früh zum Frühschoppen könnte man durchaus in der Glut noch Kartoffeln garen.
Der Wettergott war auch bereits schlafen gegangen und hat pünktlich zum Sonnenuntergang die Regenwolken abregnen lassen. Morgen, wollen wir weiter. Schaun mer mal.

Großenbrode

Heute geht es weiter! Zuerst noch 72 Liter Diesel in den Tank füllen und dann den Otto (Schiffsmotor) laufen und den Gustav (Autopilot) Richtung Großenbrode steuern lassen. Wir fahren in der Tat die ganzen 40 Seemeilen bis Großenbrode unter Motor. Stechend blauer Himmel, bleierne Ostsee und absolut null Wind. Ich, Elke, sitze auf meinem Lieblingssitz im Heckkorb und lese einen kompletten Liebesschmöcker (Solange du da bist) aus. Walter kriegt zwischendurch eine leichte Krise, weil die verflixten gelben Tonnen vom Schießgebiet Todendorf und Hohwachter Bucht nicht an der richtigen Stelle sitzen. Genaugenommen sitzen sie gar nicht mehr, außer der P5 Tonne, die sie wohl vergessen hatten zu pflücken oder aus Jux und Tollerei einfach mal 1 Seemeile nach Nordosten versetzt haben. Wir haben Ende Mai 2013 extra noch niegel-nagel-neue digitale Seekarten von diesem Gebiet gekauft und ältere Papierkarten haben wir auch. Egal, die Y-Tours stecken ihre Spielwiese eh ab, wie sie grad wollen. Heute ist kein Sicherungsboot der Y-Tours unterwegs, also kein Funkverkehr und auch keine Schießübungen. Gegen 17 Uhr sind wir in Großenbrode bei der Klemens-Werft. Der Hafen hier ist sehr lebendig, viele Schiffe sind noch bewohnt und wir haben den Eindruck, dass die Saison noch nicht abgehakt ist. Tolle sanitäre Anlagen und Duschen ohne Limit

Strande

Immer noch in Strande. Kein Wind und der auch noch aus der falschen Richtung. Dafür kein Regen, teilweise schöne wärmende Sonne. Erfolg: 3 Waschmaschinen gewaschen, 3 Trocknerladungen gefaltet und verstaut. Zwischendurch mit dem Bus nach Kiel reingefahren, ohne Sturz mit den Kinderrollern die Kiellinie entlang gerollert und im Freien einen leckeren Eiskaffee getrunken. Abends dann lecker Essen im Strandhotel in Strande. (Krabbensuppe und anschließend gemischter Salat mit frischen gebratenen Pfifferlingen).
Walter hat Ärger mit den Fischern bekommen, als er das Bild gemacht hat – und genau deshalb ist es jetzt hier veröffentlicht.

Kappeln/Schlei – Strande

Der Wecker klingelt um 8:00 Uhr und die Regentropfen prasseln auf das Deck. Also noch mal rumdrehen. Nach dem Frühstück regnet es zwar nicht mehr aber es ist stark bewölkt und der Wind bläst immer noch aus der falschen Richtung nämlich von Osten. Wir wollen ja immer noch nach Wismar, also nach Südosten. So fassen wir den Plan eben zunächst Süd zu machen und dann, so die Vorhersage am Freitag stimmt, wenn der Wind dreht, nach Osten zu segeln. Unser Tagesziel ist heute damit Strande am Eingang zur Kielerförde. Aus der Schlei geht es unter Motor. Sobald wir die Ausfahrt bei Schleimünde hinter uns haben setzen wir die Segel. Nach den Erfahrungen vom Vortag, als wir viel zu viel Tuch stehen hatten, haben wir schon in Kappeln das zweite Vorstag gestellt und nun die kleine Fock gesetzt. Es ist wie verhext. Bei wenig Windvorhersage laufen wir mit Vollzeug aus und haben viel Mühe das Schiff zu Händeln, weil doch ordentlich Wind weht. Bei Windvorhersage die für eine kleinere Besegelung sprechen würde, ist unser kleines Segel zu wenig um das Schiff zum Laufen zu bringen. Wir sind genervt und müssen auch noch wegen eines Sperrgebietes aufkreuzen, die kleine Fock zieht bei 10Kn Wind eben nicht richtig und wir überlegen,ob wir die Segel wechseln. Bis wir endlich ausdiskutiert haben sind wir schon so weit draußen, dass wir genügend Wind haben. So beginnt das Schiff zu laufen und es ist ein entspanntes Segeln. Nichts ist mehr zu tun, das Schiff läuft einfach nur seinen Weg mit ordentlichen 5-6 Kn Speed und angenehmer Krängung.
Wer nichts zu tun hat, kommt schon mal auf dumme Gedanken! Schon lange war uns wichtig zu wissen, ob uns auch andere Schiffe gut erkennen können. Unser AIS–System zeigt uns zwar alle Schiffe in der Umgebung die auch dieses System an Bord haben, für die Berufsschifffahrt ist es sogar zwingend, aber wer sagt uns ob unser AIS auch ordentlich sendet? Also beschließen wir das nächste Schiff, welches ein AIS Signal abgibt über Funk anzurufen und einfach mal zu fragen ob die uns sehen. Dieses Schiff ist die HDW Herkules nach den Angaben vom AIS ein Schlepper Typ Safety Submarine. Wir rufen dieses Schiff per UKW-Funk an. Der freundliche 1.Offizier auf der Brücke meldet sich auch sofort und antwortet uns mit unserer vollen Kennung, also alles in Ordnung, die sehen uns. Für uns ist der Funkverkehr damit erledigt, nicht aber für die HDW Herkules. Der Offizier auf der Brücke teilt uns mit, dass die uns eh schon lange auf dem „Schirm“ hatten. Die HDW Herkules ist nämlich das Sicherungsfahrzeug für ein auf Sehrohrhöhe abgetauchtes U-Boot, das genau unsere Kurslinie läuft. Der Offizier bittet uns den Kurs nach Backbord zu ändern, dies geht aber nicht, da wir eh schon hoch am Wind sind. Alternativ fallen wir um 30 Grad ab und bleiben Stand by und warten auf weitere Instruktionen. Wir können den Funkverkehr von HDW Herkules und dem U-Boot mithören und irgendwann sehen wir in der Ferne eine hochkant durchs Wasser schießende Dachrinne (wohl das Sehrohr). Ein weiterer Kollisionsgegner taucht auf und wird von der HDW Herkules per Funk angerufen. Es ist eine Fähre mit Kurs auf Kiel. Der 1.Offizier der HDW Herkules möchte die Fähre auch nach Süden umleiten, was der Kapitän mit der Begründung ablehnt: „Ich habe Gäste an Bord, wenn ich nach Süden abdrehe, fahre ich voll gegen die Welle, dann kotzen die Alle“. Auch hier fand sich ein geeigneter Kurs und bevor wir dann am Stollergrund auf Grund gelaufen sind, hat uns der freundliche Offizier der Herkules auf den alten Kurs gelassen. Das ganze Manöver war nun aber auch das Ende unseres gemütlichen Segelnachmittags. Der Wind schlief kurz vor Kiel-Leuchturm ein. So haben wir die Segel geborgen und sind unter Motor um17:00 in die Marina in Strande eingelaufen.

 

Flensburg-Schlei

Unplanmäßiges Wecken um 6 Uhr durch das Straßenbaukommando Nord! Schei… die Ramme und der Bagger sind aber auch echt äztend laut. Kopfkissen übers Ohr statt unters Ohr – schon besser. Offizielles Crewwecken dann um 7:30 Uhr. Duschen, kurzes Frühstück und um 9:30 sind wir schon draußen auf der Flensburger Förde. Vormittags scheint noch die Sonne vom blauen Himmel, das gilt es auszunutzen. Der Wind ist doooof, sollte nach Prognose am Vormittag aus Süd kommen, macht der aber nicht. Kommt aus Ostsüdost und somit voll auf die Nase. Aus der Förde rauskreuzen mit 2 bft ist ziemlich spaßfrei, deshalb muss unser Otto (Dieselmotor) ran. Wir setzen erst nach der Tonne „Schwiegermutter“ die Segel und kreuzen raus – Kurs Bagenkop, ab Kalkgrund noch schlappe 22 nm. Aber hallo, was soll das? Da zieht eine dunkle Wand auf und bringt jede Menge Wind und Regen. Das war definitiv weder vom DWD, noch von Windfinder noch von den Dänen so vorhergesagt! Das Tief „Obama“ hat wohl seine Zugrichtung geändert. Hoffentlich ändert der echte Obama auch seine Syrien-Pläne. OK – dann halt 20 bis 24 kn aus SE. Kurs hoch am Wind und definitiv zu viel Tuch mit voller Genua und Groß. Zunächst das Groß ins 2. Reff (war ein mittelschweres Chaos, da wir im Manöver fast die FW-Mitteltonne Flensburger Förde gepflückt haben). Weiter Richtung Bagenkop aufkreuzen. Im Schiff unter Deck fliegt mittlerweile alles nicht festgezurrte durch den Salon und auch der Parasailor und die kleine Fock machen Trampolinspringen bei uns im Bett im Achterschiff. Seekarten, Hafenhandbuch und sonstige Bücher schlagen irgendwo ein. Nicht so tragisch, kennen wir ja schon.
Wenn nur der Regen nicht wäre. Irgendwann die Entscheidung: Aufkreuzen ist Mist, lieber hoch am Wind Richtung Eckernförde, da gibt es wenigstens was Gutes zum Essen (Fischdeel). Zwischenzeitlich haben wir auch die Genua, die Arme, etwas eingerollt und lassen sie von oben mit Süßwasser und von vorne mit Salzwasser duschen. Querab von Schleimünde hat Walter keinen Bock mehr auf die Elemente der Natur und beschließt in die Schei rein zu fahren. Nun, Widerspruch zwecklos, da sind wir mal wieder bei Henningsen und Steckmest in Kappeln. Keiner errät, was dann passiert: Die Sonne kommt raus, der Wind schläft ein und ich schreibe den Bericht im Cockpit. Ach ja – einen herben Verlust mussten wir dann doch hinnehmen: Unser Tchibofußabstreifer, der nun den ganzen Sommer auf der „Badeplattform“ mitgesegelt ist und eigentlich nur als Entenkotabwehr fungiert hat – ja, der hat sich heute in der Ostsee zu ertränken versucht. Aber der ist aus Holz und wir sind gespannt wann und wo wir ihn wieder sehen.
Und gestern Abend hatten wir vor dem Dessert (flambierte Ananas) an Bord auch noch ein interessantes Experiment gewagt: Im Salontisch werden bei uns die Alkoholika versenkt und mittels Knallfolie bruchgesichert. Zum Flambieren der Ananas war Rum von Nöten, nur leider war auf dem Rum eine Flensflasche gestapelt, in Knallfolie gewickelt. Knallfolie rausgezogen, Flens knallt gegen Rumflasche. Wer hat gewonnen? Rum! Verloren Flens (Hals ab) sowie Elke und Walter, weil nämlich 0,3 l Flens in den Salontisch und unten raus gelaufen sind. War echt grenzwertig spaßig, die ganze Soße samt Scherben zu entsorgen!!!

Flensburg

Hafentag, weil seit Sonntagnachmittag Dauerregen und blöde Windprognose. In Fehmarn haben sie die Fehrmarnsundbrücke für PKW mit Anhänger und Lastwagen wegen Starkwind gesperrt. Durch die Fehrmarnsundbrücke wollen wir diese Woche auch noch, mal wieder nach Großenbrode. Schaun mer mal. (Für die Insider, in Großenbrode gibt es Waschmaschinen und Trockner)