Mit Renate und Dieter besuchen wir die aktuelle Ausstellung „Poesie der Farbe“ in der Stuttgarter Staatsgalerie. Eine sehr kompetente Kunsthistorikerin führt uns durch die Ausstellung. Gezeigt werden ausschließlich eigene „Schätze“ der Stuttgarter Staatsgalerie. Werke von Beckmann, Campendonk, Delauney, Dix, Feininger, Grosz, Jawlenski, Kandinski, Klee, Kubin, Macke, Marc und Nolde (vom Ausstellungsplakat abgeschrieben – mehr als fünf bis sechs Namen hätte ich nicht mehr zusammen bekommen). Der Besuch der Staatsgalerie ist wirklich lohnenswert, auch die Dauerausstellung – wer Stuttgart und die Staatsgalerie jedoch noch nicht kennt, sollte mit dem Besuch auf jeden Fall noch einige Jahre warten, zumindest bis der Bahnhof fertiggestellt ist und sich das unerträgliche Verkehrschaos in der Innenstadt wieder normalisiert – vor allem aber der Nahverkehr wieder funktioniert. Die Stadt selbst ist momentan wirklich keine Schönheit. Nur Insider kennen die netten Plätzchen, so wie das kultige kleine Café im Stuttgarter Westen, wo wir den Nachmittag bei Törtchen und Kaffee ausklingen lassen.
Reha
Fast könnte man glauben wir wären wieder berufstätig, wir hetzten von Termin zu Termin. Mit schöner Regelmäßigkeit verlassen wir morgens das Haus und kommen erst am Nachmittag wieder zurück. Unsere Fahrstrecke ist die gleiche wie zu Berufszeiten, aber unser Ziel ist die VfB Reha-Welt. Es gilt Mobilität und Fitness zurück zu gewinnen, daran „arbeiten“ wir drei mal die Woche jeweils eine Stunde Behandlung (Folterbank) mit einem Physiotherapeuten/Osteopaten und dann eine weitere Stunde im Folterkeller mit den Sporttherapeuten. Oft lassen sich unsere Termine nicht gleichschalten, so dass wir immer wieder auf einander warten müssen. Aber die Mühe lohnt sich. Bei den Behandlungen werden Verspannungen gelöst, Faszien geglättet, Muskeln aktiviert, wir bekommen Wärmebehandlungen und dürfen auf ein Magnetfeld liegen. Die Folterbank kann somit auch ganz entspannend sein.
Der Folterkeller der Reha-Welt liegt im Obergeschoss des Carl Benz Centers, also Quälerei mit Aussicht auf die Mercedes Benz Arena. Unerbittliche Folterknechte, Verzeihung Sporttherapeuten leiten uns an, an hochmodernen Foltergeräten. Sie verlangen von uns, unsere geplagten Körper weiter zu schänden und sie sind sich nicht zu schade auch noch darauf zu achten, dass wir auch wirklich alle Übungen zu ihrer vollsten Zufriedenheit erledigen. Mit der Zeit ist man da einiges gewöhnt, will sagen, die ganze Plagerei zeigt Wirkung und wir fühlen uns immer besser. Der Countdown für Trinidad läuft, noch vier Wochen bis zum Rückflug!
Ein weiterer Schatz in Weinstadt „ der JAK“

Jazzclub Armer Konrad
Immer wieder donnerstags… Wir sind wieder am Start, zwar im slow motion modus (Elke eiert mit Gehhilfen die steilen Treppen in den Jazzkeller runter) aber wir haben Spaß und sind wieder mittendrin. Walter wird übermütig und meldet sich zum freiwilligen Thekendienst für die kommende Woche. Der JAK Weinstadt wird ausschließlich von ehrenamtlichen Helferlein am Laufen gehalten und das Programm kann sich durchaus sehen lassen. Zwar überwiegen die Silberrücken bzw. die Silberköpfchen, fast alle freiwilligen Helfer bewegen sich in Richtung Rentenalter, aber die Musiker und auch einige Gäste senken den Altersdurchschnitt oft erheblich.
Ja ist denn heut schon Weihnachten?
Antje und Ingo haben mit ihrer Amazone im August 2015 in Bremerhaven ihre Atlantikrunde glücklich und wohlbehalten beendet. Während der 15 Monate unter Segeln hat Antje interessante Berichte unter www.unsereauszeit.de verfasst. Als fleißige Blogleser werden auch wir davon profitieren, da wir ja in der letzten Saison nur bis nach St. Martin gesegelt sind. Alle Inseln, die nordwestlicher und nördlicher von St. Martin liegen wollen wir ja noch besuchen. Da sind die Erfahrungen und Tipps von Freunden unerlässlich – genau so wie die Cruising Guides (Segelhandbücher). Und genau die haben die Beiden in ein 5 Kilogramm schweres Paket gepackt und zu uns nach Hause gesandt. Beim Auspacken kam zuerst eine Geschenktüte zum Vorschein, der Inhalt: Ein Schutzengel mit hochgerecktem Arm (wir packen das), ein Buch mit Weihnachtskrimis, dazu passend die Weihnachtsmandeln und leckere Pralinen! Ja, wie Weihnachten, nur ohne Ansage. Mit dabei noch die Handbücher von Trinidad/Tobago, Leeward Islands und Virgin Islands. Vielen lieben Dank!
Leser, die meinen Blog hin und wieder lesen, wissen dass Walter eine schwere Wirbelsäulenverletzung hat. Der Unfall ist jetzt genau 6 Wochen her und wir sind sehr optimistisch, dass das Viper-Implantat gut eingeheilt ist. Wenn die Röntgenbilder dies bestätigen, darf Walter mit der Rückenschule beginnen. Bis zum Rückflug in die Karibik sind es jetzt noch 7 Wochen, wird zwar eng, aber wir sind voller Zuversicht! Die Physio- und Sporttherapeuten von der VfB Reha Welt begleiten uns an 3 Tagen in der Woche mit ihrer Fachkompetenz. Ja uns, weil ich im Augenblick auch nicht ohne Krücken geradeaus gehen kann. Mir ist am 11.11. das Außenmeniskus-Vorderhorn im rechten Knie entfernt worden und somit ist das Lazarett hier komplett. Auch ich bin zuversichtlich, dass sich das mit dem Geradeausgehen bis zum 4. Januar wieder gibt.
Herbstimpressionen aus der Heimat
Walters Aktionsradius wird immer größer. Bei diesem herrlichen, sonnig warmen Herbstwetter zieht es ihn förmlich aus dem Haus. Die Weinberge um uns herum leuchten um die Wette und es ist eine Wohltat für das Auge und die Seele, dies aufzunehmen.
Auch kleine Schätze unmittelbar im Ort entdecken wir auf unseren Spazierwegen. Hier die wunderschönen Chorfenster von Hans Gottfried von Stockhausen und Ada Isensee unserer Beutelsbacher Stiftskirche.
Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand
Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand.
Von allen Sprüchen, die auf unsere aktuelle Situation passen, gefällt mir dieser am besten.
Seit Wochen war kein aktueller Blogbeitrag mehr von uns zu lesen. Der Grund dafür ist, dass Walter bei einer herbstlichen Gartenaktion einen schweren Unfall hatte und sich zwei Brustwirbel gebrochen hat. Nachdem die Wirbelsäulen-Operation gut verlaufen ist und Walter sich nun in einer ambulanten Therapie befindet, sehen wir den Silberstreif am Horizont.
Wir hatten ja zu Hause aktiv am kulturellen Leben im Großraum Stuttgart teilgenommen und hin und wieder von unseren Aktivitäten berichtet. Den letzten Bericht konnte ich nicht mehr verfassen, da ich den Kopf voller Sorgen hatte. Hier nun eine Nachlese: Am Wochenende vor dem Unfall fuhren wir mit dem Fahrrad in unsere Nachbargemeinde Strümpfelbach. Hier lebt und wirkt die Künstlerdynastie Nuss. Der Vater Fritz Nuss, leider schon verstorben, war ein international anerkannter Bildhauer und bekannt für seine Bronzeplastiken. In seine Fußstapfen getreten ist sein Sohn Karl Ulrich Nuss. Wir hatten die Möglichkeit an einer Führung durch das Atelier und den Ausstellungsraum teilzunehmen.
Herr Professor Nuss war persönlich da und lies es sich nicht nehmen, uns die Entstehung einer mannshohen Bronzeskulptur zu erklären. Sehr launig nahm er der Stadtführerin das Heft aus der Hand (Zitat im breitesten Schwäbisch: Du machst jetzt schon zig Jahre die Führungen, aber das mit der Technik hast immer noch nicht drauf, das mach ich jetzt lieber selber).
Im Anschluss an die Führung durch das Atelier gingen wir in die Strümpfelbacher Weinberge zur Skulpturenallee „Paare“.
Mittendrin in den Weinbergen stehen im öffentlichen Raum 43 Bronzeplastiken der Nussdynastie. Mit dabei auch Skulpturen des Neffen Christoph Traub. Sehr gute Informationen über die Künstler, den Skulpturenpfad und die Skulpturenallee sind auf der Website www.remstal-Route.de Stichwort Kultur trifft Natur, Kunst in den Weinbergen zu finden.
Aktuell können wir uns auch an den wunderschönen Herbstfarben erfreuen. Die Weinberge um uns herum bieten vom kräftigen Grün bis hin zum purpurnen Rot das ganze herbstliche Farbspektrum. Die Mischwälder auf der Schurwaldhöhe stehen dem nicht nach. Kürzere Spaziergänge kann Walter schon machen, jeden Tag einen kleinen Schritt mehr. Die gebuchte Peru, Bolivien, Chile Reise mussten wir jedoch stornieren.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag
Kontrastprogramm
Total schräg oder nur schräg
So ganz einig waren wir uns nicht, auf gar keinen Fall aber total daneben: Kofelgschroa aus Oberammergau. Die vier Jungs waren am Freitag bei uns im Jazzclub Armer Konrad zu Gast. Blasmusik oder Alpentechno? Mundarttexte, die teils witzig, scharfzüngig oder halt unverständlich (bayrisch) waren. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente, Tuba, Posaune, Tenorhorn, Ziehharmonika, Gitarre etc. perfekt. Außerdem sind sie sehr sympathisch.
Unsere Arbeitsgruppe (der Jazzclub wird von Freiwilligen betrieben) hatte „Dienst“. Das heißt für das leibliche Wohl der Musiker und der zahlreichen Gäste zu sorgen. Am Nachmittag kam Renate bei mir zu Hause vorbei und wir verarbeiten 2,5 Kilo Brie- und Frischkäse zu „Obazda“. Dazu gab es frisches Holzofenbrot – bayrischer geht’s kaum. 2/3 bereiteten wir nach klassischem Rezept zu und 1/3 nach Schuhbeck-Rezept. Am Ende des Tages hatte das klassische Rezept um Längen gewonnen, wir hätten ein Vielfaches davon verkaufen können. Auch der Schwabe ..isst halt nur was er kennt. Den Rest des leckeren Schuhbeck-Obazda dürften wir am Ende selbst essen – auch gut. In den frühen Morgenstunden war der Gewölbekeller wieder besenrein, hunderte Gläser gespült, die Küche gewienert und die Reste der angefangenen Weinflaschen von den vielen Freiwilligen vernichtet. Beschwingt und trotzdem hundemüde wackelten wir nach Hause ( zu Fuß !!!).
Das krasseste Kontrastprogramm, das man sich vorstellen kann, haben wir uns dann am Samstag gegeben. Unser Segelfreund Gerhard hatte sich Stuttgarts Rote Nacht der Bars (11 Bars, 11 Acts) als Wochendprogramm ausgesucht, da dürften wir nicht fehlen. Die Rote Nacht der Bars wird gesponsert von dem roten Getränk, von dem die Eltern sagten, dass man davon Läuse im Bauch kriegt. Die Cocktailmischung ungewöhnlich: Tonic, Eis, rotes Getränk, eine Scheibe Zitrone und ein Rädchen Salatgurke. Schon ein optisches No-Go. Wahrscheinlich sollte die Gurkenscheibe einen Bezug zum Act in der Bar herstellen – es waren nämlich holländische Rockabillies am Start.
Das muss man sich erst mal trauen, als blutjunger Musiker die Musik aus den 1950er Jahren zu spielen! Total verrückte Typen mit nicht weniger verrückten Kostümen, die drei Sängerinnen in Glitzerkleidchen, zum Schluss nur noch im Glitzerbody oder Bikini auf der Bühne.

So abgedreht, dass es schon wieder gut war. Mit pfeifenden Ohren verließen wir weit nach Mitternacht die Location.
Sieben auf einen Streich
Wahrheitsgemäß muss „Streich“ durch „Wochenende“ ersetzt werden. Ab Freitag war in Gesamt-Weinstadt der Bär los. Die Nacht der Keller war auf dem Programm. Kenner und Liebhaber guter Weine treffen sich alljährlich am dritten Septemberwochenende in Weinstadt zu einer nächtlichen Entdeckungstour durch historische Gewölbekeller. In allen fünf Weinstädter Stadtteilen sind an diesem Wochenende rund 30 Gewölbekeller – vom kleinsten Keller für 15 Personen bis hin zum größten Holzfasskeller Süddeutschlands – für die Öffentlichkeit geöffnet.
Nicht nur sinnliche Genüsse, sondern auch ein vielfältiges kulturelles Angebot mit Live-Musik und Kunst-Ausstellungen erwarten die Besucher. Wir besuchten am Freitag und Samstag insgesamt nur 4 Keller (bedingt durch die Gelbfieberimpfung waren wir nicht so in Höchstform).
Am Sonntagvormittag stand ein besonderer Leckerbissen auf unserem Programm. Jazzfrühschoppen in Baltmannsweiler-Hohengehren in einer kleinen, aber feinen Scheuer (www.derkleinetermin.de). Die lokale Jazzband September (www.septembergroove.de) spielte auf. Anspruchsvoll die Musik und auch die Verpflegung. Nichts mit Hefeweizen und Weißwurst, sondern Kürbis-Kokos-Süppchen, Pina Colada Süppchen, Bratwurstsalat von der fränkischen Hausmacher-Bratwurst, Wurstsalat, Obazda (Käsecreme) und alles aus Öko-Anbau. Das war Streich Nummer 5.

Am frühen Nachmittag stiegen wir aufs Fahrrad und radelten nach Waiblingen, wo 13. Remstal-Klassik „Die Geschichte des Automobils – live auf Waiblingens Straßen und Plätzen“ stattfand. Tolle historische Fahrzeuge, unter anderem auch Walters erster VW-Käfer Bj. 1966 (also ein baugleicher, nicht Walters) und unser erster gemeinsamer VW-Campingbus T 2 fuhren die Rally mit und wurden einzeln vorgestellt. Natürlich waren überwiegend hochpreisige Autos wie Porsche, Jaguar, Alfa, Mercedes, MG, Cadillacs, Chevrolet und andere Amischlitten am Start. Alle rausgeputzt und gewienert. Das war Aktion Nummer 6.
Anschließend ging es mit dem Fahrrad weiter nach Weinstadt-Strümpfelbach, wo eines der Weingüter wohl noch nicht genug Stress aus der Nacht der Keller hatte und nahtlos in ihr Herbstfest übergegangen war. Uns gelüstete es nach einem Salzkuchen (Hefeteig mit Eier-Sauerrahm-Schnittlauch-Belag) aus dem Holzofen – aber leider war schon alles ausverkauft als wir am frühen Abend dort ankamen. Ein Viertele (für Nichtschwaben: Ein Glas Wein 0,2 l) gab es aber noch. Streich Nummer 7.
Das absolute Highlight des Wochenendes war aber die Ankunft des Babys von Anja und Tobi! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum gesunden Mädele.
Kultursommer in Deutschland_8
Kalendarisch ist noch Sommer! Wir leben noch in unserem Kultursommer – bis 23.09. und dann gehen wir nahtlos in den Kulturherbst über. Die Openair-Saison auf dem „Dulk“ ist seit letzter Woche vorbei. Den Abschluss machte das Daimler Classic Jazz Orchestra am Samstag, 12.09. im Hangar des Aero Clubs Esslingen.
Heute auf dem Programm: Saisonopening im Bix Jazzclub Stuttgart mit Tabeah aus Osnabrück.
Gerhard, unser Wenn-wir-mit-der-Sunrise-in-Deutschland-sind-Teilzeit-Bordingenieur und bewährter NOK-Steuermann (am Autopilot + 1,2,3 oder -1,2,3 Grad drückend), hatte uns den Tipp gegeben und hat zusammen mit uns das beeindruckende Konzert der Band Tabeah genossen. Mehr Infos unter: http://tabeah.bandcamp.com/releases oder http://tabeahmusic.com/.
Ansonsten bereiten wir uns intensiv auf unsere Peru-Bolivien-Chile-Reise (auf dem Landweg ohne die Sunrise) im Oktober vor. Morgen geht es zur Gelbfieberimpfung, hoffe dass wir den Impfstoff vertragen.


























