US East Coast 2019_29

Life is (in) a roller coaster
Seit gestern liegen wir vor dem Safe Harbor City Boatyard im Wando-River. Am Außensteg, im River. Schräg gegenüber, hinter der Haarnadelkurve die der Fluss hier macht, ist eine Marina für die Kleingärtner. (Kleingärtner, so nennen wir die Motorbootfahrer mit ihren Plastikschüsseln und mindestens 250 PS Außenbordmotoren am Heck)

Wando River
Der rote Pfeil ist die Sunrise vor dem City Boatyard, rechts hinter der Haarnadelkurve sind die Kleingärtner

Nicht nur hier, den ganzen Fluss rauf sind Bootsanlegestege für diese Rennschüsseln. Es ist Wochenende und gefühlt tausend Motorboote brettern den Fluss rauf und runter. Ganz besonders angetan hat es Ihnen die Haarnadelkurve. Das muss tierisch Spaß machen, hier voll Speed hineinzuziehen und eine mordsmäßige Heckwelle zu verursachen. Von beiden Seiten. Es geht zu wie auf dem Hockenheimring, nur halt mit Gegenverkehr. Oh Herr schmeiß Hirn runter, oder schick uns wenigstens sintflutartige Regenfälle.

Kleingärtner-Ausflug direkt vor dem City Boatyard und somit nur wenige Meter von unserem Liegeplatz entfernt





Wir liegen am Außensteg und bekommen den ganzen Hack ungebremst ab. Die Sunrise vollführt Bocksprünge an ihren Leinen. Meterhoch. Das kann man gar nicht glauben. Der komplette Steg schwingt, nein, eher knallt rauf und runter. Unser Ruderblatt mussten wir fixieren, da das Steuerrad unkontrolliert von einem Anschlag zum anderen Anschlag geknallt ist. Sechs Fender und einen Plattenfender haben wir zum Schutz des Rumpfes ausgebracht. Ein Fender ist schon platt. Regelmäßig springen wir vom Boot auf den Steg um rausgehüpfte Fender wieder zwischen Steg und Bordwand zu quetschen. Eine Fitness-Übung der besonderen Art.
Wir hoffen nur, dass es uns nicht auch noch eine Klampe rausreißt oder sich die eingefädelten Ruckdämpfer in den Festmacherleinen pulverisieren. Außerdem hoffen wir, dass das Wochenende schnell rumgeht und die Spaßpiloten wieder zurück zur Arbeit müssen. Anfangs stand ich noch auf dem Laufdeck und habe den Idioten unschöne deutsche Kraftausdrücke hinterher geschickt – war sinnlos.

So ruhig könnte es sein

Den hier üblichen Tidenhub von bis zu zwei Metern und den dazugehörigen Tidenstrom mit bis zu 2,5 Knoten könnten wir ohne den überflüssigen Hack gut händeln. Es ist schon bemerkenswert wie weit ins Land hinein die Tide läuft.
Vor- und Achterspring, Vor- und Heckleine und das Schiff liegt ruhig am Steg. Normalerweise.

Ansonsten steht, soweit das in der Achterbahn hier machbar ist, Putzen, Polieren, Lüften, Aus-, Hin-, Her- und Verräumen, lang vermisste Sachen finden, Schoten und Leinen mit Süßwasser waschen und neuen Decksluken-Deckel einbauen u.v.m. auf dem Plan. Eine neue komplette Lewmar Ocean Decksluke hatte ich im Mai von zu Haus mitgebracht. Lewmar hat in den letzten zehn Jahren die Konstruktion nicht verändert, sodass Walter den Rahmen im Deck drin lassen konnte und nur den undichten Lukendeckel tauschen konnte. Die Lukendeckel sind auch Opfer der extremen UV Strahlung und der Hitze in der Karibik. Die Gummidichtungen der Scheiben ist porös geworden. Schwund ist immer dabei. Kostet Nerven und Geld.

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Unsere Segelsaison 2019 geht zu Ende. Seit dem 01.06. ist Hurrikan Saison. Noch braut sich über dem Atlantik nichts zusammen, aber drei Tage sintflutartigen Regen hatten wir bereits. Heute, am letzten Abend in der Charleston Harbor Marina gibt es ein kostenloses Farbspektakel am Abendhimmel. Versöhnung für die letzten Regentage? Man könnte es grad denken.

Wir hatten uns schon ein bisschen geärgert, dass wir den Swimmingpool und die sonstigen (mitbezahlten) Annehmlichkeiten des Resorts nicht richtig nutzen konnten. Das machen wir dann im Januar.
Morgen geht es einige Meilen den Wando-River hinauf in den Charleston City Boatyard. Am Montag ist der Krantermin um die Sunrise aus dem Wasser zu nehmen.

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Morgens 8 Uhr in Charleston SC – oder drei Beamte und drei verschiedene Aussagen

Es klopft recht kräftig an der Bordwand. Ich stehe am Herd und habe soeben das Teewasser aufgesetzt. Kaffee ist auch noch nicht fertig. Salonfähig bin ich erst recht nicht und auf eine Konversation in Englisch haben meine graue Zellen ohne Koffein ohnehin keine Lust. Also beschließe ich, das Klopfen zu ignorieren. Das geht nicht lange gut. Es klopft erneut, sehr massiv. Also zieh ich mir schnell was über und schau aus dem Niedergang. Was ich da sehe ist nicht erfreulich. Black and White einträchtig in blauer Uniform der US Customs and Border Protection neben dem Schiff stehend. Die grauen Zellen laufen zur Höchstform auf. Walter kommt ebenso schnell aus der Horizontalen und rettet das Teewasser davor vollends zu verdampfen. Die Beamten fragen nach woher wir kommen und wohin wir gehen. Nachdem das geklärt ist und auch die erforderlichen Papiere (US Cruising License, Bootsdokumente und Reisepässe) auf den Steg gewandert sind, kommt die K.O. Frage. Weshalb wir uns nicht telefonisch angemeldet hätten, nachdem wir in South Carolina festgemacht haben. Ok, das scheint jetzt problematisch zu werden. Um zu erklären weshalb wir nicht angerufen haben muss ich kurz ausholen.
Unser erster US Hafen war Key West. Dort hatte ich bereits von See aus, kurz vor Key West, vergeblich versucht die für kleine Sportboote benannte Telefonnummer anzurufen. Funktionierte weder mit dem Handy mit deutscher SIM Karte noch mit dem Satellitentelefon. Also gingen wir nach dem Anlegen umgehend zu Fuß zur US Customs and Border Protection Behörde meldeten uns an. Wir bekamen die US Cruising License und den Hinweis, dass „The Small Vessel Reporting System does not longer exist” und dass wir die CBP ROAM App aufs Handy laden müssen und wir uns künftig über die App melden müssen. Kein Thema, machen wir.

CBP ROAM APP

Nächster Stopp war in West Palm Beach. Nachdem ich alle personenbezogenen und alle Schiffsdaten in der App erfasst hatte, versuchte ich uns damit anzumelden. Dies scheiterte aber daran, dass ich bei der Frage „woher“ nur ausländische Staaten auswählen konnte, eine manuelle Eingabe war nicht vorgesehen. Ich nahm nun eben unser letztes Land Mexiko, drückte auf Senden und bekam umgehend eine E-Mail, das wir das nächste US CBP aufzusuchen hätten. Gut, wir lagen in Riviera Beach quasi direkt davor. Die Beamtin dort war erstaunt uns zu sehen. Sie erteilte uns die Auskunft, dass wir im Computer registriert seien und wir mit der Cruising License ein Jahr lang die US Gewässer befahren dürften. Walter sagte noch, dass ihm das spanisch vorkommt, aber wir hielten uns fortan daran.
Bis jetzt. Die Beamten in Charleston South Carolina sind da völlig anderer Meinung. Einer der Beiden bestand darauf an Bord zu kommen. Walter war zwischenzeitlich ebenfalls im Cockpit und bekam eine Unterweisung was künftig zu tun sei, eine kostenfreie Verwarnung und den Hinweis, dass die Verwarnung im Computer gespeichert wird und er im Wiederholungsfall mit bis zu 5000 US Dollar bestraft wird. Und wenn wir uns ein weiteres Mal nicht ordentlich anmelden kann das Schiff beschlagnahmt werden. Was ist nun also künftig zu tun? Immer die nächste CBP Behörde anrufen und sich telefonisch anmelden. Es hat sich nichts geändert.

Telefonnummern Small Vessel Reporting System

Zusammenfassung:
Auskunft Key West war falsch. CBP ROAM App ist noch ein Pilotprojekt und funktioniert, wenn überhaupt, nur bei erstmaliger Einreise aus einem anderen Land.
Auskunft West Palm Beach war insoweit falsch, dass sie sich offensichtlich nur auf den Bundesstaat Florida und nicht auf das ganze Land bezog.
Auskunft Charleston ist ebenfalls nicht ganz schlüssig, aber egal.

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Die Charleston Harbor Marina ist durch den Cooper River von Charleston Downtown getrennt. Wir nutzen den kostenlosen (naja, so ganz kostenlos echt nicht, der Liegeplatz ist grenzwertig teuer) Bus-Shuttle über die bekannte Arthur Ravenel jr. Bridge rüber nach Downtown. Der Shuttlebus fährt diese Strecke stündlich bis um 22:15 Uhr. Ein echter Service für die Resort- und Marina-Gäste. Wir steigen am historischen City-Markt aus und lassen uns durch die Markthallen treiben. Es gibt alles, Seestern-Weihnachtsbaum-Schmuck, Schnitzereien, Flechtwerk, Seide, Baumwollstoffe, nur nichts zum Essen (von Pfeffersaucen abgesehen).





Die Stadt ist stolz wie Bolle auf ihre historischen Häuser. Bedingt historisch, halt aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Vorher gab es ja nichts, bzw. das was es gab haben entweder die Spanier, Engländer oder sonstige Invasoren platt gemacht. Mittelalter – Fehlanzeige.

Satt wurden wir auch noch. Es gab lecker Seafood im Oyster Point.

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Charleston Harbor Marina

Nach einer durchsegelten Nacht mit viel Regen, Gewittern und umlaufenden Winden zwischen Flaute und 5 Beaufort sind wir ziemlich gemolken gestern Vormittag hier angekommen. Am Vortag, am späten Nachmittag legten wir in Beaufort ab und begaben uns gemächlich in Richtung Atlantik. Noch im Inlet mussten wir kurzzeitig stoppen bzw. eine zeitlang zurück fahren um einer Gewitterwand die direkt über dem Inlet hing, zu entkommen. Das gelang ganz gut. Für die rund 90 Meilen nach Charleston hatten wir auch jede Menge Zeit. Wir wollten nicht vor 7 Uhr morgens an der Ansteuerung zum Charleston Inlet sein. Das Zeitmanagement hatte wieder sehr gut funktioniert, aber die Bedingungen draußen auf dem Atlantik waren nicht wie vorhergesagt. Wir hatten ziemlich schnell die Nase voll, nahmen die Segel komplett weg und fuhren unter Motor durch die nasse Nacht. Jetzt liegen wir sicher für eine Woche in der Charleston Harbor Marina und können das Boot für die anstehende sechsmonatige Einlagerung vorbereiten und diverse Dinge regeln und Ärgernisse beseitigen.
Die erste Tat war die E-Mails zu checken und bei der ersten E-Mail ging mir doch gleich der Hut hoch! Ich hatte bei unserem Dingy-Hersteller angefragt, was sie von den aufplatzenden Nähten des zwei Jahre alten Teils halten und mit welchem Kleber ich die Nähte kleben könnte. Hier die Original-Antwort.

Noch Fragen?

Berichte über Charleston coming soon

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Schönes Beaufort SC

Immer noch Beaufort in South Carolina
Nicht der schlechteste Platz. Mindestens drei Eisdielen fußläufig erreichbar, einige Kneipen und Restaurants. Mit der Livemusik tun sie sich schwer. Das geht besser. Wir sind verwöhnt von St. Augustine und Key West. Sonntags und montags ist das Städtchen wie ausgestorben. Keine Livemusik, nirgends. Schade, selbst die schrägste Musik wäre besser als das Gequake von den zig verschiedenen Fernsehprogrammen die durchgehend in den Kneipen laufen. Heute, am Dienstag scheitert der Versuch a) an ein Eis zum Nachtisch und b) an einen Absacker in einer Kneipe zu kommen am Wettergott. Der schüttet kübelweise Wasser über uns aus und schickt Zornesblitze vom Himmel (lieber Gott, der Typ ist grad in England, also falsche Location für Blitz und Donner). Unsere lokale Wetter-App überschlägt sich mit halbstündigen Warnmeldungen. Ich habe den Alarm jetzt deaktiviert. Das nervt – zumindest wenn man im sicheren Hafen festgemacht hat.
Ansonsten üben wir ins jeden dritten Tag im Turbo-Einkaufen. Der Courtesy-Car der Marina steht uns jeweils nur eine Stunde zur Verfügung. Zum Publix ist es eine Viertelstunde Fahrzeit. Genau zur vollen Stunde macht die Drehbrücke über den ICW auf und legt den Verkehr kurzzeitig lahm. Das heißt kurz nach der vollen Stunde los und kurz davor wieder zurück. Die Qualität der Produkte ist wirklich gut. Frische Fische, Shrimps, fertige Shusi-Rolls, frisches lokales Obst und Gemüse, Eier von glücklichen Hühnern. Ja, da ist ein Teil der Bevölkerung schon weiter als ihr Oberhäuptling. Nun gut, Mülltrennung, keine Plastiktüten, Pfandsysteme etc. gibt es zumindest in Florida, Georgia und South Carolina nicht. Aber auf den Selters-Wasserflaschen ist aufgedruckt, dass es in einigen Bundesstaaten der USA bei der Rückgabe 5 ct. gibt. Ist doch ein Anfang. Ein kleiner Schritt…. oder was sagte der Astronaut Armstrong als er vor 50 Jahren auf dem Mond landete?

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Beaufort in South Carolina
Das Städtchen hat seinen Namen verdient. Es ist wirklich beau (franz. schön).
Wobei ich im ersten Moment gar nicht wusste, ob wir wirklich richtig sind. Die Marina meldete sich am Funk mit „Bufffor donton“. Wie bitte? Ok, Beaufort Downtown Marina. Die Aussprache hier ist gewöhnungsbedürftig, nur wenn der Gesprächspartner sich bemüht ist eine Verständigung in gepflegtem Schulenglisch möglich.

Beaufort Downton Marina bei High Tide

Kollege Klumpfuß und sein Papagei liegen wohl schon zu lange in der Beaufort Downtown Marina

Hausboot

Wir liegen schon wieder in einer Marina. Nicht nur wegen des Komforts zu Fuß zu den Duschen und WCs zu gehen, auch kommen wir so in den Genuss noch weit nach Sonnenuntergang durch die netten Straßen, Bars und Kneipen zu Tingeln. Wenn wir am Anker oder an einer Mooringboje hängen, machen wir das so gut wie nie. Da sind wir, wie es sich für ordentliche Leute gehört, am Abend daheim. Aber Ankern oder Mooring geht seit St. Augustine leider nicht mehr. Nicht dass es keine Plätze mehr gäbe, nein wir haben ein Mobilitätsproblemen. Wir kommen nicht mehr vom Schiff runter, weil unserem Dinghy die Luft ausgeht. Das ist echt total bescheuert. In Martinique hatten wir uns ein besonders leichtes und handliches Dinghy gekauft. Eines mit einem aufblasbaren Boden. Es wiegt nur 14 Kg, ist leicht über die Reling zu heben, Luft raus lassen, zusammen rollen, in seinen Rucksack rein und wegstauen. Fertig. Kein Hinterherschleppen und schon gar nicht als Hindernis an Deck stauen. So hatten wir uns das gewünscht. Und es ist ein Wunsch geblieben. Das Dinghy macht uns beim Fahren klatschnass und ist auch bei Strömung, Welle und Gegenwind schwer zu steuern. So hat eben jede Medaille auch eine Kehrseite. Und zwar eine ganz üble. Nachdem wir das Dinghy nach unserer Rückkehr nach Kolumbien das erste Mal wieder hervorgeholt und aufgepumpt hatten, fiel uns auf, dass der Boden nach kurzer Zeit seine Festigkeit verlor. Wir pumpten eben immer wieder nach, bis Walter die Nase voll hatte. Er füllte bei nächster Gelegenheit das Dinghy mit Frischwasser und wir sahen, dass um das Ventil herum schöne Blasen aufstiegen. Also Patch drauf und neu verkleben. Ging kurz gut. Irgendwann beim Aufpumpen ploppte eine 10 cm lange Naht im Heck auf und die Luft entwich mit einem kräftigen Zisch.

Plopp, der Kleber gibt nach. Klebestelle platzt auf und die ganze Luft vom Boden zischt raus

So geht das nicht, liebe Leut. Ich hasse solche Überraschungen und den Dominoeffekt. Wenn ihr in der Karibik Dingies verkauft, dann sollte der Klebstoff schon die hiesigen Temperaturen aushalten! Es ist ein französischer Hersteller. Den deutschen Vertrieb habe ich um Stellungnahme angeschrieben. Schauen wir mal, was rauskommt. Ach ja, die zweijährige Garantie ist seit Mai 2019 abgelaufen.
Ich kenne die Antwort schon…. ein Neues muss her. Das wäre das vierte in acht Jahren. Das erste war das Allerbeste, es war ein Zodiak, mit dreiteiligem Aluboden nur leider viel zu groß zum Wegstauen. Dieses haben wir unbenutzt in ein kleineres Allpa, ebenfalls mit dreiteiligem Aluboden, umgetauscht. Das war auch ok, aber wir haben es durch eigene Blödheit im Jahr 2017 verloren. Dann kam das aktuelle, dessen Hersteller ich erst nenne, wenn er mir blöd oder gar nicht antwortet.

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Brunswick Landing Marina
Die Marina bietet wirklich das, was auf ihrer Website versprochen wird. Es gibt Waschmaschinen und Trockner, Fahrräder, saubere WCs und Duschen, klimatisierte Aufenthaltsräume, freies WiFi und jeden Abend zum Sonnenuntergang Freibier. Wir haben bislang, bis auf das Freibier am Abend, alles in Anspruch genommen. Natürlich war der erste Weg nach einer durchsegelten Nacht der zur Dusche. Nachdem wir wieder gut dufteten, musste ich sofort zu den Waschmaschinen. Diese Chance konnte ich unmöglich verstreichen lassen. Der nächste Weg führte uns mit den kostenlosen Leihrädern zum Supermarkt. Erdbeeren, Salat und Shrimps satt. Auch hier ist aktuell Erdbeersaison. Lecker. Für Heute und Montag ist eine Hitzewelle angekündigt. Um 14 Uhr ist es mit 39 Grad brüllend heiß. Da bietet es sich an, sich auf die Fahrräder zu schwingen und sich den kühlenden Fahrtwind um die Nase blasen zu lassen. Walter hat mir den Vogel gezeigt, hat sich aber dann doch aus der Hängematte raus und auf das Fahrrad geschwungen. Ziel,

St. Simons Lighthouse

wie sollte es auch anders sein, der St. Simons Leuchtturm am St. Simons/Brunswick Inlet. Mit dem Fahrrad eine Stunde Fahrzeit. Gefühlte Temperatur 32 Grad. Die Strecke geht über vier Brücken, blöderweise teilweise entlang des Highways. Kein Problem, es ist eine Bike Lane ausgewiesen. So kommt es, dass wir mit dem Fahrrad, ohne Gangschaltung, auf dem Highway die 66 Fuß hohe Brücke über den Mackey River/Atlantic Intracoastal Waterway hochstrampeln. Die Rundumsicht genießen und auf der anderen Seite wieder hinunter sausen. Am Leuchtturm angekommen sind wir ziemlich platt, aber da geht noch was. Nämlich die lächerlichen 129 Stufen zur Leuchtturmplattform hoch zu steigen. Das Leuchtfeuer in St. Augustine hatte 219 Stufen, also bitte, kein Grund zum Meutern. Als Belohnung gab es Frischluft satt, getrocknete Klamotten und danach Eis und frisch gepressten Grapefruit Saft bzw. ein kühles Zischbier für Walter.

St. Simons Lighthouse

Der Rückweg auf der Bike Lane war gewöhnungsbedürftig. Es gibt parallel zum Highway nur auf einer Seite den Radweg. Nun denn, wenn das so ist, fahren wir entgegen der Fahrtrichtung mit unseren Fahrrädern über die Brücken zurück nach Brunswick.

Highway und Radweg


Highway


Brücke über den Intracoastal Waterway

Es stört sich niemand dran. Brunswick selbst ist heute wie ausgestorben, auf den mehrspurigen Straßen ist kaum ein Auto unterwegs und wenn doch, dann halten sie extrem viel Abstand und warten bis wir die Kreuzungen überquert haben. Richtig rücksichtsvoll. Wahrscheinlich denken die Autofahrer, wir sollten zur eigenen Sicherheit viel Abstand halten zu den zwei Verrückten mit den rollenden Ungetümen. Fahrradfahrer sind hier sehr rar.
Brunswick selbst ist nicht sehr schön. Straßen im Quadrat und vereinzelt herunter gekommene oder verlassene Häuser. Im Gegensatz hierzu sahen die Wohnviertel durch die wir heute auf der St. Simons Halbinsel geradelt sind, sehr ansprechend aus.

Straßenkreuzung St. Simons Island

St. Simons

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St. Augustine

Unser letzter Abend in St. Augustine
Wir verbringen einen netten Abend im historischen Viertel zusammen mit der Crew der Tin Lizzie. Im Irisch Pub konnten wir uns noch gut unterhalten, aber als wir ins Oak weitergezogen sind haben uns die Hardrocker die Ohren zugedröhnt. Ein guter Grund, den Kontakt und die Unterhaltung irgendwann und irgendwo weiter zu führen. Man trifft sich bekanntlich immer zweimal im Leben. Mindestens und hoffentlich.

Gegen 22:30 butschern wir mit den Dinghys zurück zur Mooringboje. Ich bin gerade dabei über die Reling der Sunrise zu klettern da sehe ich im Augenwinkel einen Stern mit Schweif am Himmel. Ja mei, ist denn schon wieder Weihnachten? Nein. Rocket Launch in Cape Canaveral. Ich glaube es jetzt echt nicht. Mit einer Woche Verzögerung fliegt die Space X mit ihrem Satelliten jetzt wirklich noch ins All. Die Trennung der wiederverwendbaren Booster findet leider hinter einer Wolke statt. Aber die Rückkehr des Boosters kann ich durchaus erkennen. Ob er die schwimmende Plattform im Atlantik getroffen hat? Wahrscheinlich.

Unterwegs auf dem Atlantik zwischen St. Augustine und Brunswick

US East Coast 2019_20

St. Augustine
Die älteste Stadt Floridas lebt und pulsiert. Viele Touristen bevölkern das historische Altstadtviertel. Die Kneipen bieten bereits mittags Livemusik. Die Touristen umkreisen die Kneipen wie die Motten das Licht. Jeder, zumindest jeder Zweite geht in die Falle. Fairerweise muss ich sagen, dass es nicht unangenehm ist, im Freien zu sitzen und Musik zu hören. Nette Fallen sozusagen. Etwas alkohollastig. Walter orderte ein Bier und ein Wasser und er bekam zwei Plastikbecher mit Bier, und das vor Vier. So saßen wir 3 Stunden da, genossen die Musik und warteten bis Vier für die zweite Runde. Kann man so machen.

Touristenmeile in St. Augustine

Am nächsten Tag zog es uns zu höheren kulturellen Weihen. Das Lightner-Museum lockte uns mit einer Edgar Degas Ausstellung. Das war dann schon eher eine Falle. Im dritten OG, auf einem Drittel der Fläche, wurden einige verblichene Bleistiftstudien ausgestellt. Kein einziger vollendeter Degas. Liebe Leut, das geht besser.

Da war uns die heutige „Besteigung“, 219 Stufen, des St. Augustine Lighthouse schon lieber. Leuchttürme sind faszinierend. Der Rundumblick ebenso. Witzig ist, dass wir beim Eintritt für den Leuchtturm als Senioren (ab 60 Jahre) zählen und beim Museum erst ab 65. Jahre. Walter sagt, das sei logisch, wer mit über 60 noch den Leuchtturm hochsteigt, der hat den Rabatt verdient.


Leuchtturm St. Augustine

St. Augustine Leuchtturm Linse

St. Augustine Inlet

Übrigens sind wir wieder mit den Kinder-Tretrollern unterwegs. Ein Fahrrad zu leihen war uns Schwaben echt zu teuer. Zwei Tage, zwei Fahrräder 96 US $. Zwei Tage ein Auto zu leihen ist billiger. Da mach ich mich doch gern mit dem Roller zum Gespött der Amis, setze mich in die Kneipe genieße und warte bis Vier.

Nachtleben downtown und Abendessen außer Haus fällt hier flach. Wir hängen an einer Mooringboje und mit unserem Dinghy bei Dunkelheit zum Schiff zu fahren ist kritisch. Es steht ein abartiger Strom im Mooringfeld, wenn der Dinghymotor versagt landen wir ungesehen im Nirwana.