Nachtrag zum Guggenheim Museum Bilbao

Schon fast ein kleines bisschen enttäuscht über die inneren Werte des Museums (die zwei Wechselausstellungen, Braque und Ono – aber kaum eigener Bestand ausgestellt, bis auf die Objekte von Serra im EG) wollten wir gerade das Gebäude verlassen, als uns im Erdgeschoss ein weiterer Raum auffiel. Im Zugang stand in großen Lettern „The Visitors“ von Ragnar Kjartansson. Es ist eine Videoinstallation des isländischen Künstlers. In einem großen Darkroom sind zehn große Videoleinwände aufgestellt. Auf jeder Leinwand wird ein Zimmer mit einem Musiker gezeigt. Im Zentrum dieses Darkrooms teilt eine Leinwand den Raum in zwei Hälften, auf dieser Leinwand wird eine 200 Jahre alte Landvilla gezeigt, in der das Ganze spielt. Auf deren Außenterrasse sitzt eine kleine Gruppe junger Menschen, die mit Begleitung einer Gitarre einen Chor bildet. Im Vordergrund, unter einem kleinen Sonnenschirm im Gras, sitzt, fast unbeteiligt, ein alter Mann mit einem Feuerwehrhelm auf dem Kopf sowie daneben ein junger Mann. Vor den Beiden steht eine kleine Kanone, im krassen Gegensatz zu dieser doch ganz friedlichen Stimmung. Im Inneren der Villa sitzt je ein Musiker mit seinem Instrument in einem Raum. So zum Beispiel sitzt Ragnar Kjartansson mit seiner Gitarre im Badezimmer in der Badewanne. Oder der Schlagzeuger in der Küche, eine Cellistin im Schlafzimmer, ein E-Bassist in der Bibliothek, ein E-Gitarrist im Gästezimmer, ein Pianist im Salon. Jeder für sich alleine mit seinem Instrument und einem Kopfhörer auf dem Kopf musizierend. Jeder Musiker spielt für sich seinen Part der Komposition. Über die Kopfhörer können sie hören was die Anderen spielen, die Verbindung ist die Musik. Der Betrachter hört im Darkroom die „komplette“ Musik, je nachdem, zu welcher Leinwand er sich bewegt, hört er den Einzelnen mehr oder weniger. Es ist eine sehr schöne Komposition und man merkt in einigen Phasen, dass vieles improvisiert wird. Immer wieder hebt sich der Soundteppich, der Chor setzt mit ein, dann beruhigt sich die Szene wieder und der Gitarrist in der Badewanne spielt fast solo. Ein ständiges Auf- und Abwogen und an einem Punkt, wenn gerade mal wieder einer dieser Höhepunkte erreicht ist, steht der alte Mann aus dem Gras auf, der Jüngere entzündet einen Gasbrenner mit dem der alte Mann, genau zum richtigen Zeitpunkt im Takt, die Kanone zündet. Verrückt, aber irgendwie muss sich diese Spannung ja mal entladen.
Nach einer halben Stunde spielten die Musiker immer noch. Auf einer Beschreibung zu dieser Installation haben wir gelesen, dass das komplette Stück 64 Minuten dauert, und zwar so lange bis der Gitarrist der Badewanne entsteigt und die anderen Musiker aus der Villa führt. Uns hat es wirklich gut gefallen, nicht nur wegen des sehr schönen Soundtracks, sondern auch wegen der Stimmung, die diese Videos erzeugt haben, alles sehr ruhig, aber doch mit Spannung. Viele Besucher haben sich auf den Boden gesetzt und sich mitnehmen lassen. Wen es interessiert, der kann ja mal im Netz unter „The Visitors“ von Ragnar Kjartansson suchen. Von der Videoinstallation im Migros-Museum in Zürich gibt es ein youtube video. Leider konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden wo bzw. wie ich an den kompletten Soundtrack komme.

Gijon

Santander_Gijon_A Coruna
Auf der Rückreise nach A Coruna machen wir in Gijon eine Pause. Wir laufen die lange Promenade am Strand von San Lorenzo entlang und gehen ins Cimadevilla-Quartier. Schon die Römer hatten dort Thermen angelegt. Herrschaftliche alte Häuser, schöne Plätze und Restaurants laden zum Verweilen ein. Zum Essen ist es noch viel zu früh, deshalb genügt uns ein Café. Im Gegensatz zu Santander hat die Stadt viel Flair. Wir müssen leider weiter, fahren am Fußballstadion vorbei und verlassen die Stadt.
Fußballfreunden ist der Begriff „Gijon“ bekannt, er steht für verschobene Fußballspiele und wurde anlässlich des WM-Spiels Österreich gegen Deutschland 1982 geprägt, als sich beim Stande von 1:0 für Deutschland ab der zweiten Halbzeit kaum mehr einer bewegte -Nichtangriffspakt-, weil dieses Ergebnis beide Teams in die nächste Runde brachte.

Bilbao

Guggenheim Museum Bilbao
Wir verbringen den kompletten Tag im Guggenheim Museum. Ich empfehle jedem, der interessiert ist, die website des Museums zu besuchen. Was heißt die website besuchen, Flug buchen und ab nach Bilbao. Schon alleine die Architektur von Frank O. Gehry ist unbeschreiblich. Im Außenbereich sind u.a. Objekte/Kunstwerke von Jeff Koons (Beitragsbild Tulips mit Reflektionen). Aktuell ist in der 2. Ebene das Lebenswerk von Georges Braques ausgestellt. Eine ganze Etage nur Bilder von George Braques – sehr beeindruckend. Gefällt uns wirklich sehr. Im 3. OG derzeit das Lebenswerk von Yoko Ono (als Künstlerin) zu sehen – naja, da habe ich eine eigene Meinung.
Am frühen Abend verlassen wir Bilbao in Richtung Santander, wo wir übernachten wollen. Santander ist hässlich – tut mir leid, aber ich empfinde es eben so. Wir finden unser Hotel trotz Tom Tom und machen uns sofort zu Fuß auf Richtung Fischereihafen, weil da heute das Fest der heiligen Carmen -Schutzpatronin der Fischer- gefeiert wird. Am Fischereihafen ist Rummel pur, ein Fischrestaurant finden wir trotzdem. Es wäre wohl besser gewesen, wenn wir an den Ständchen auf dem Rummel etwas gegessen hätten. Walters Bonito ist total verkocht und trocken und mein Merluza mit Salsa verde ist de facto ungenießbar (zu 18 Euro), einzig die Vorspeise Pulpo ist klasse. Ich denke, den Pulpo kannst du misshandeln wie du willst, er nimmt dir das nicht übel – durchgegart bleibt durchgegart und er schmeckt immer noch. Nach dem Essen schauen wir uns noch eine Darbietung spanischer Folklore an. Fünf Männer gockeln auf der Bühne, aber Gitarrespielen wie der Teufel und Singen können sie, Hut ab. Kurz vor Mitternacht ist noch ein Feuerwerk, das wir vom Hotelfenster aus betrachten können – wir haben ja eine super Hotelofferte gebucht. Direkt an der Stadtautobahn mit Blick zum Industriehafen. Wird eine laute und kurze Nacht werden.
Santander scheint auch die Stadt der Parkrowdies zu sein, Walter hat eben noch nach dem Polo geschaut und festgestellt, dass er eine Delle am Nummernschild und am Kühlergrill hat – mal sehen, ob heute Nacht noch was dazu kommt und was AVIS am Samstag dazu sagt.

A Coruna_Bilbao

Um 11 Uhr geht es los. Mit Sack und Pack für mindestens 2 Über-nachtungen in Richtung Autovermietung. Mit dabei ist Martin von der Segelyacht Ganescha, er erwartet seine Lieben (Frau und Hund) heute auf dem Flughafen La Coruna. Dieses Mal gibt es kein Galama mit der Mietwagen-reservierung, weil mir Martin an Bord der Ganescha die Buchungsbestätigung ausgedruckt hat und somit die Daten schwarz auf weiß bei der Autovermietung vorgelegt werden können. Wir bekommen einen nagelneuen VW Polo mit 4 Türen, Klima und Navi. Das Navi heißt Tom Tom und hat seine Tücken. Die Dame der Autovermietung ist so nett und will uns unser erstes Ziel, den Flughafen La Coruna eingeben, was sich jedoch als gar nicht so einfach herausstellt. Auf jeden Fall verursacht sie erst einmal einen Verkehrsstau auf der Straße vor der Autovermietung, weil es keine Parkplätze gibt und wir in der Einfahrtsspur des Parkhauses stehen. Notgedrungen muss sie ins Parkhaus rein, Martin und ich sitzen ja schon im Polo, aber Fahrer Walter hatte ja für die Avis-Dame Platz gemacht und muss jetzt sehen, dass er uns zu Fuß verfolgt. Das Parkhaus hat ein Problem, bzw. das Navi hat ein Problem mit dem Parkhaus, es gibt hier drinnen nämlich keinen GPS Empfang, sodass die ganze Aktion letztendlich sinnfrei war. Die Avis-Dame verlässt uns wieder und Walter übernimmt. Wir fahren der Nase nach aus La Coruna raus, so ungefähr wissen wir ja, wo der Flughafen ist und irgendwann kommen auch die Verkehrsschilder Richtung Flughafen. Aber unser grundsätzliches Problem mit dem Navi-Gerät ist latent. Drei Jung-Rentner im Polo und ein Tom Tom, der/das zwischenzeitlich sogar Deutsch spricht, Realsatire pur. Walter fährt nochmal rechts ran und jeder darf mal mit Tom Tom spielen. Keine Chance – die Route lässt sich nicht starten. Walter fährt und Martin spielt weiter. Irgendwann, 1 Kilometer vor dem Flughafen entdeckt Martin dann, dass uns die Avis-Dame als Ausgangspunkt und nicht als Ziel den Flughafen eingegeben hat, und deshalb hat sich das Gerät verweigert, eine Route zu erstellen. Ganz schön tricky. Wir verabschieden Martin am Flughafen und fahren weiter nach Bilbao. Zwischenzeitlich leitet uns das Tom Tom durch fast unwegsame Gebirgsregionen (es sieht aus wie in Südtirol im allerhintersten Gebirgstal) bis es wieder die neue Autobahn Richtung Bilbao findet. Die Navi-Software scheint sehr veraltet zu sein. Letztendlich kommen wir gegen 18 Uhr gut in Bilbao an und beziehen unser Hotelzimmer. Herrliches Wetter in Bilbao, schöne Abendsonne und leichter warmer Wind. Wir ziehen sofort zu Fuß los zum Fotoshooting Richtung Guggenheim-Museum. Gegen 20 Uhr streikt mein Magen, hat er doch seit dem Frühstück nichts mehr erhalten, wir suchen und finden ein Fischrestaurant. Walter bestellt als Vorspeise irgendwas mit Tuna. Es kommt ein künstlerisch hochwertig gestaltetes Objekt: Eine Lage rohe Tomaten, eine Lage Tunfisch, eine Lage rohe Tomaten und gekrönt wird der Turm mit einer roten Rose (aus der Tomatenschale gestaltet). Man/frau muss wissen, dass Walter Tuna liebt, aber nie niemals rohe Tomaten isst! Ich habe Lula (Tintenfisch) als Vorspeise und als Walter mit allergrößter Verachtung eine Mini-Tomatenscheibe gegessen hat, tauschen wir die Teller. Begleitet von einer Flasche Rioja und der Tour de France im TV klingt der Abend aus.

A Coruna

Im September 2006 war ich mit der GfS, mit unserem Vereinsschiff „Brigantia“, schon einmal hier in La Coruna. Skipper war Heinz „Gutzi“ – mein Lieblingsschweizer. Es wurde ein unvergesslicher Gourmet-Törn nach Lissabon. Walter und ich werden diesen Törn nachfahren. Ich habe den Törnplan aufbewahrt (Buchhalterin bleibt Buchhalterin) und natürlich mit dabei. La Coruna hat sich in den 8 Jahren nicht sehr verändert. Die Hafenpromenade von der Marina La Coruna in Richtung Club Nautico wurde neu gestaltet, aber sonst wurde kaum was verändert, vieles kommt mir bekannt vor. Auf Anhieb habe ich den Mercator (Supermarkt) gefunden, auch die Einkaufsstraßen, die Altstadt und den Autoverleih. Richtig witzig finde ich den Blumenschmuck auf den Balkonen. Es sind gehäkelte Blumentöpfe und gehäkelte Blumen – total genial. Brauchst nicht zu gießen, verwelken nicht. Vielleicht wäre das was für unseren Garten zu Hause? Meine Kinder werden sich jetzt an den Kopf fassen und sagen, jetzt ist sie völlig durchgeknallt.
Das Abendessen war ein Genuss. Wir haben nach längerer Pause mal wieder im Lokal zu Abend gegessen (zu Hause gehen wir ja schließlich auch nicht jeden Abend zum Essen aus – und unser zuhause ist ja momentan hier). Wir hatten eine riesige Salatplatte mit Tuna, Oliven und Ei als „Entrada“ und als Hauptgang Langostinos, dazu eine Flasche (0,5 Liter) 2010er Rioja. Bezahlt haben wir 47 Euro – da kannst nicht meckern. Morgen, am 15.07. werden wir den bestellten Mietwagen abholen und nach Bilbao düsen. Wir berichten.

Deutschland ist Weltmeister und wir sind über die Biscaya

Donnerstag Morgen in Camaret Sur Mer. Seit Tagen haben wir das Wetter auf mehreren Systemen beobachtet. Eigentlich ist für die nächsten 4 Tage eine günstige Wetterprognose für die Passage über die Biskaya. Wind aus NNW mit 3-4 Bft einzig die Wellenhöhe auf der Biskaya, vor allem vor La Coruna macht uns Sorge. Hier steigt der Meeresspiegel innerhalb 30 Meilen von 4000 Metern Tiefe auf 100 Meter an. Wir rechnen und rechnen wann ist der günstigste Zeitpunkt um den sicheren Hafen zu verlassen und uns auf die 345 nm lange Seestrecke zu machen. Am Ende geht alles ganz schnell. Wir kommen immer wieder auf das Ergebnis, dass wir mit 3 Nächten auf See planen müssen und so macht es keinen Unterschied ob wir nun bis zum nächsten Morgen warten oder gleich aufbrechen. Um 15 Uhr treffen wir die Entscheidung auszulaufen und um 16:30 legen wir ab. Alles ist an Bord. Wir haben volle Tanks und der Proviant reicht länger als wir unterwegs sein werden. Noch kurz eine Gulaschsuppe vorgekocht und Nudelsalat gemacht, alles seefest verstaut. So ziehen wir in die erste Nacht. Die begrüßt uns mit reichlich Wind, wir fahren zunächst mit Vollzeug, reffen dann aber immer mehr das Großsegel um es am Ende dann ganz zu bergen und reffen in der Nacht dann auch noch die Genua ins erste Reff. Es ist bewölkt, der Vollmond kann uns so keine Hilfe sein. Im Dunklen kann man die Schauerböen nicht erkennen und so haben wir lieber weniger Tuch stehen wie es der Wind erlauben würde. Unser Etmal nach dem ersten Tag kann sich dennoch sehen lassen: 145 nm in 24 Stunden- nicht schlecht. Am zweiten Tag flaut der Wind dann etwas, wie vorhergesagt, ab, hin und wieder müssen wir den Motor zur Unterstützung anwerfen. Es bleibt bewölkt ist aber trocken. Nachts schläft der Wind teilweise ein und wir müssen motoren. Nahezu die ganze Stecke über begleiten uns Delphine, sie schwimmen mit der Sunrise mit, tauchen unter ihr durch, drehen um und kommen wieder; selbst als wir unter Motor fahren müssen sind sie da. Delphine bringen Glück – ganz sicher! Der dritte Tag bringt uns wieder etwas Wind und nun fängt die Rechnerei wieder von vorne an. Denn eigentlich wollen wir die Anfahrt auf La Coruna bei Tageslicht machen. Segeln bedeutet wir sind zu langsam um noch vor 23 Uhr anzukommen. Motoren bedeutet mit min. 2000 Umdrehungen ca. 15Std. lang das letzte Teilstück durch die Biskaya zu Pflügen. Wir entscheiden uns für Segeln im Wissen, dass eine Ankunft in La Coruna nicht vor 3 Uhr morgens am andern Tag zu schaffen ist. Die Anfahrt auf La Coruna war dann auch schwieriger als erwartet. Nicht wie befürchtet sind es die Seegangsverhältnisse, sondern die vielen Lichter in der Nacht haben uns einiges abverlangt. Es war eigentlich nur 1 (EINE) Tonne zu beachten, die vielen Lichter an Land, also Straßenbeleuchtungen, festgemachte Schiffe, Fischfarmen, Promenade, Ölpier etc. waren derart verwirrend, dass wir kurz vor der Einfahrt in die Marina noch mal umkehren und das Tageslicht abwarten wollten. Ganz langsam und mit unserer großen Halogenhandlampe haben wir dann doch noch das Mauseloch gefunden. Zwar hat sich die Marina in der Nacht ganz anders als auf unseren Hafenplänen dargestellt, so dass wir dann am erst besten Steg, um 3:45 Uhr einfach festgemacht haben.
So und jetzt kommt die Fußball-WM ins Spiel! Wer richtig mitgerechnet hat, der kommt auf das Ergebnis: Wir sind am Sonntagmorgen um 3:45 in La Coruna eingelaufen. Am Sonntagabend um 21:00 Uhr fand das WM-Endspiel statt, und das haben wir im Kreise einiger Segler, die wie wir vor kurzem die Biskaya überquerten, beim Public-Viewing in der Marina miterleben dürfen. Ein toller Abend, nicht nur weil die deutsche Mannschaft wieder Weltmeister ist. Nette Kontakte konnten geknüpft werden und Adressen (auf La Palma/Kanaren) wurden ausgetauscht.

Camaret-sur-Mer

Hafentag
Camaret-sur-Mer gefällt uns sehr. Auf dem Bild zu sehen ist die Kapelle Notre-Dame de Rocamadour, aus dem Jahr 1527. Daneben steht der Vauban-Turm, der den Status „UNESCO-Weltkulturerbe“ hat. In den Gassen gleich hinter der Hafenpromenade ist das Künstlerviertel mit Werkstätten, Ateliers und Galerien. Nur gut, dass wir mit dem Schiff hier sind, sonst hätten wir sicherlich ein kleines künstlerisches Andenken (eine kleine aus Strandgutholz hergestellte Figur von Catherine Rochelle) erworben. Morgen findet auf der Hafenpromenade ein Künstlermarkt statt, da schauen wir auf jeden Fall vorbei. Für heute Abend steht das WM-Halbfinale Brasilien vs. Deutschland auf dem Programm, das wir uns in einer Creperie anschauen werden.

Brest Hafentag

Am Sonntag haben wir in Brest die öffentlichen Verkehrsmittel getestet. Nachdem wir zu Fuß zum „Musée des Beaux-Arts“ gegangen sind und uns die Ausstellung lokaler Künstler und ein paar italienische Meisterwerke (aus dem 17. Jahrhundert) angeschaut haben, hatten wir noch fast den ganzen Sonntag vor uns. Aus dem Musée waren wir schon nach einer knappen Stunde wieder draußen. Da das Wetter sehr durchwachsen war, sind wir mit der Tram quer durch die Stadt gefahren. Die Stadt ist nicht schön, was jedoch daran liegt, dass sie nach 1945 schnell wieder aufgebaut wurde und so sieht sie auch heute noch aus. Unser größtes Highlight war, dass wir an der Endhaltestelle keine Münzen mehr im Geldbeutel hatten und der Ticketautomat keine 5er oder 10er Scheine genommen hat. Schwarzfahren? Nein, trau ich mich nicht. Also sind wir durch verlassene Vorstadtstraßen Richtung der nächsten Trambahnhaltestelle gelaufen, in der Hoffnung, eine Tankstelle, Kiosk oder Bar Tabak zum Geldwechseln zu finden. Gefunden haben wir einen 1-Euro-Schrottladen, der Totalausverkauf hatte. Die Kassiererin hat mich gleich verstanden und hat mir 5 Ein-Eurostücke für den Fahrkartenautomat ausgehändigt. Also Rückfahrtickets gezogen, in die Tram rein und zurück zum Place Liberté um in den Bus Nr. 3 Richtung Port de Plaisance du Moulin Blanc (der andere Sportboothafen von Brest) einzusteigen. Beim Port Moulin Blanc befindet sich auch das Ozeanopolis mit vielen Meerestieren, die wir jedoch lieber in freier Natur sehen. Einige nette Restaurants, Bistros und Cafés säumen die Promenade am Yachthafen und zur Stärkung musste mal wieder eine Tarte de pomme her. Zurück zur Marina de Chateau sind wir zu Fuß. Walters Spruch des Tages: „Leben wie Gott in Frankreich war gestern. Wenn ich nochmal zur Welt komme, dann als Hund in Frankreich, da kannst du überall hinpissen und hinsch…. „ So extrem wie hier ist uns das noch nirgends aufgefallen, sogar in der Marina auf den neuen Anlegestegen im Hafen liegt die Hundescheiße! Der Größe/Menge nach wahrscheinlich vom Dobermann des Wachmanns.
Der Raymarine Servicetechniker hat wie vereinbart pünktlich am Montag früh an die Bordwand geklopft. Walter und ich haben ihn in den Mast gezogen, wo er das Raymarine Radargerät zerlegt hat. Er hat festgestellt, dass dort oben zu wenig Power ankommt. Also musste es an den Kabeln und/oder Kontakten liegen. Nach einigem Durchprüfen, Messen, Kopfschütteln, Kontaktspray-Verteilen, Aus- und Einschalten konnten zwei Schwachstellen gefunden werden: Das Kabel zum Mast hoch hatte ein Kontaktproblem und der Kabelstecker am Raymarineplotter ebenfalls. Der Raymarine-Mensch war schon am Aufgeben. Der Stecker am Raymarine-Plotter ist aber auch doof konstruiert. Es ist wohl ein Stecker der auch für andere Zwecke verwendet werden kann und damit er in den Plotter passt, sind über einige der Messinghülsen Distanzstücke gezogen, die sich durch den Ab- und Anbau des Plotters nach innen geschoben haben und somit einige Pins keinen Kontakt hatten. Durch Zufall hat er die zusammengequetschte Resthülse gesehen und mit filigraner Technik raus gepult. Jetzt grad funktioniert wieder alles – hoffentlich noch lange. Nach dem der Techniker bezahlt war, haben wir Brest verlassen und sind um die Ecke ins 8 Seemeilen entfernte Camaret sur Mer.

Brest

Wir sind seit gestern 17 Uhr in der Marina Brest Chateau. Um 7 Uhr morgens, also fast noch zu nachtschlafender Zeit, sind wir aus Roscoff weg. Knapp 3 Stunden Gegenstrom und anschließend 6 Stunden die Strömung mit uns. Die Rechnerei (halb so wild, dank Excel) hat gut gepasst. Unterwegs, ausgerechnet im Chenal du four – wo auch sonst – hatten wir pottendichten Nebel. Leichter aber kalter Südwestwind, warmes Wasser und Land – das macht Dunst und Nebel. Mit Radar, gutem wachem Auge und Ohr geht das. Aber es fiel eine Komponente aus, das Radar. Der Raymarine Kartenplotter, auf dem auch das Radarbild (normalerweise) dargestellt wird, hatte schon wieder einen schlechten Tag. Vectorenseekarte, GPS-Signal, Wegpunkte, AIS Signale (der anderen Schiffe) alles perfekt dargestellt – aber kein Radarscan. Die Radarantenne lies sich hochfahren, hat auch rotiert, aber es wurden keine Daten auf das Display übertragen. So eine sch…. Elektronik, von der wir wenig Ahnung haben. Walter war sehr angespannt und auch ziemlich genervt (ich nicht minder), wir düsten ja schließlich mit knapp 9 Konten durch den Kanal. Nach zwei Stunden wurden wir erlöst und die Sonne hat sich wieder durchgesetzt. Es könnte ja so entspannend sein, das Schiffle fahren…. Die lange Einfahrt nach Brest war wieder ideal für ein Fotoshooting. Ich sag´ noch zu Walter, Brest war doch der Hafen, aus dem „Das Boot“ ausgelaufen ist und schon wird es spannend. Hubschrauber über uns, vor uns 5-6 mausgraue Schiffe und etwas versetzt ein schwarzes unförmiges Hindernis, das nicht in der Seekarte verzeichnet war. Näher dran konnten wir Militärschiffe und ein U-Boot erkennen, das sich gerade aufmachte, Brest zu verlassen. Ganz „unauffällig“ zwischen zig Seglern hindurch. Ist es verboten, Militärschiffe zu fotografieren? Nein, ich denke nicht.
In der Marina drin, haben wir den ersten freien Liegeplatz geentert, den wir erkennen konnten. In den „Visitor-Hafenbereich“ zwischen der Außenmole und dem Tankstellensteg wurde ein neuer Längssteg ausgebracht – das fanden wir perfekt. Noch mehr Gastliegeplätze. Weit gefehlt, alle Leinen waren fest, die Fender ausgerichtet, kann der Assistent vom Hafenmeister und hat uns wieder weggeschickt. Sind Dauerliegeplätze. Wir sollen an die Außenmole (innen) längsseits. Na dann eben keinen Feierabend und das Ganze nochmals nur zur Übung. Der neue Liegeplatz ist überhaupt nicht schön, Massen von Hobbyanglern stehen auf der Mole und baden ihre Angelschnüre, Freizeitläufer spulen ihr Laufprogramm ab usw., alle haben freien Ein- und Überblick über die Gastschiffe.
Heute oder am Montag soll ein Raymarine Servicetechniker zu uns kommen und sich das Problem mit dem Radar anschauen. Wir warten. Zwischenzeitlich ist die „Brigantia“ die Hallberg-Rassy 48, der GfS in den Hafen von Brest eingelaufen. Mit der GfS ( http://www.gfs-hochseesegeln.com ) haben wir schon viele tolle Törns gefahren. Aktuell ist Volker der Skipper und das Hallo fällt entsprechend herzlich aus. Für die Brigantia haben wir Platz gemacht, sie liegt jetzt direkt am Steg und wir haben uns drangehängt. Für die aktuelle Brigantia-Crew ist hier der Zielhafen und das bedeutet, dass heute Putztag ist. Volker bleibt noch zwei Wochen und morgen oder am Sonntag kommt seine neue Crew. Wir treffen uns heute Abend in der Brasserie zum Fußballschauen. Frankreich vs. Deutschland – sehr passend, dass wir gerade in Frankreich sind.