Von St.Lucia nach St. Vincent

St.Lucia Reduit Beach

Oder angepisst im Paradies
Am Mittwochvormittag, ganz gemütlich haben wir in St. Lucia ausklariert und sind aus der Marina in Rodney Bay raus. Unser Plan war, einige Stunden in der Jalousie Bucht (die Bucht mit dem exklusivsten Ressort von St. Lucia) genau zwischen den Pitons zu verbringen. Gegen Nachmittag wurden wir bereits weit draußen von einem Helferlein mit seinem Holzboot empfangen. Er fuhr uns voraus in die Jalousie Bucht und half beim Durchfädeln der Leine durch die Mooringboje. Es war die vorletzte Boje und es war gut, dass wir an der Boje lagen. In die Jalousiebucht knallen erhebliche Fallwinde von den Pitons runter, es steht viel Strömung drin und außerdem wäre Ankern aufgrund der Wassertiefe gar nicht möglich. Unser Helferlein wollte und bekam 40 EC für die Hilfe und fragte ob wir alte Festmacherleinen für ihn hätten. Hatten wir leider noch nicht. Vielleicht im nächsten Jahr.
Um 2 Uhr in der Nacht ging die Reise weiter, um bei Tidenhöchststand um 11 Uhr in der Blue Lagoon in St. Vincent zu sein. Der Wind drehte immer mehr auf Süd und wir waren zu langsam. Die letzten 10 Meilen hatten wir 25 Knoten Wind direkt auf die Nase, die kleine Kreuzfock nicht angeschlagen und auch noch Strömung gegen uns. Ohne Segel, mit 2000 Umdrehungen musste uns der Motor voranbringen. Wir hatten es gerade so zum Tidenhöchststand (+25 cm) in die Bucht geschafft und waren ernüchtert, dass die Blue Lagoon Marina uns per Funk mitteilte, dass wir mit unseren 2 Metern Tiefgang trotz Hochwasser den Pass in die Lagoon nicht nehmen können. Sie schickten uns ein Boot, das uns direkt durch den Südpass, exakt mittig durch das Riff, in die Lagoon lotsen sollte. Wir diskutierten, da im Doyle Guide gerade an diesem Pass ein Totenkopf aufgemalt ist und ausdrücklich vor der Passage gewarnt wird. Wir beschlossen, den Lotse wieder wegzuschicken, St. Vincent zunächst auszulassen und direkt nach Bequia in die Admiralty Bay zu segeln. Dort angekommen fing das Angepisstsein richtig an. Wir machten alles klar für ein Ankermanöver, die Mooringbojenverleiher kreisten schon um uns. Walter fand eine geeignete Stelle, an der ausnahmsweise keine Mooringboje lag, ich sollte den Anker fallen lassen – Sollte! Aber nichts, absolut nichts tat sich. (Die Kosenamen, die mir Walter währenddessen gab, habe ich aufgrund der starken Windböjen vorne nicht verstanden. War wahrscheinlich auch gut so.) Ich nahm den Stecker von der elektrischen Ankerwinsch nochmals raus, steckte ihn wieder rein – nichts, absolut nichts tat sich. Die Kontakte mit Kontaktspray eingesprüht (Walter) und nichts tat sich. Die Installation der elektrischen Ankerwinsch samt Stecker ist auch besonders idiotisch! Im vordersten Kasten im Bug, wo auf Amwindkursen (die soll´s ja geben) hektoliterweise Salzwasser überkommt und wieder durch die Entwässerung (ja, daran wurde gedacht) wieder rausläuft, ist die elektrische Ankerwinsch eingebaut. Elektromotor, Kabel und Stecker. Sehr durchdacht die ganze Konfiguration. Es ist ja durchaus möglich, den Anker von Hand fallen zu lassen. Nichts ist leichter als das, Spill aufdrehen und schon rauscht der Anker samt Kette raus. Aber, Ankeraufgehen, von Hand! Absolut unmöglich, für uns. 55 Meter schwere Kette samt 25 Kilo Anker von Hand reinholen. Nein, wir sind nicht Poppey, obwohl wir sehr gerne Spinat essen. Wir nahmen dankbar das Angebot an, eine Mooringboje zu nehmen. Obwohl die Bojen hier nicht lizenziert sind und das Zoll- und Immigrationoffice vor den Bojen sogar warnt. Sie sind privat und werden gewartet oder auch nicht. Wir hingen nun an der Mooringboje von African. African selbst ist nicht mehr da, aber Blessin hat sie übernommen. Frau Blessin betreibt auch das Wassertaxi und brachte mich zum Zoll und zur Immigration. Sie war es auch, die unser missglücktes Ankermanöver beobachtete und uns Hilfe anbot. Kerry, KMS Marine Service wurde von ihr benachrichtigt. Kerry kam am Freitagvormittag und nahm sich unsere Ankerwinsch vor. Das Ergebnis: Der Elektromotor ist komplett korrodiert. Nachdem er mit schwerem Werkzeug, Hammer und Co., den Motor aufgemacht hatte, rieselte das korrodierte Metall wie Bimssteinpulver aus dem Gehäuse. Alles verrottet!

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Ein Telefonat mit dem lokalen Marinehändler brachte das Resultat, dass wir hier keinen Ersatz bekommen. Wir müssen es in Canuan oder Union Island versuchen, wo Bareboat-Vercharterer sind. Oder südlicher in Grenada. Dort besteht die Chance ein Tauschmotor zu erhalten. Für uns heißt das, hier in dieser Region, wo normalerweise ausschließlich geankert wird, Buchten mit Moorings oder Anlegemöglichkeiten zu finden. Mal sehen.

St. Lucia_4

Rainforest Zipline und Aerial Tram
Ein bisschen Adrenalinausstoß – wenn das Schiff sicher im Hafen liegt – kann nicht schaden. Und so kam es, dass uns pünktlich um 9:20 Uhr der Shuttlebus in der Marina abholte. Rainforest Zipline quer durch und über den Regenwald. Auf Tarzans Spuren, von Plattform zu Plattform sausend, am Tarzan Swing über die „Schlucht“ schwingend und am „Boa Rappel“ (festes Hanfseil) abgeseilt werden. Das ganze Programm wird sicher mit Klettergurt, doppelten Rollen und starken Karabinerhaken durchgeführt. Pro Gruppe sind zwei Guides beschäftigt, die Gäste sicher ein- und auszuhaken und die Fahrt an den Drahtseilen rechtzeitig zu bremsen, sodass der Gast nicht ungebremst gegen den nächsten Gummibaum klatscht. Der Spaß war es wert.

Zipline durch den Regenwald, Upside down

Zipline durch den Regenwald, Upside down

St. Lucia_3

Mietwagenrundfahrt_3
Sonntagsbruch im Ladera Ressort zwischen den beiden Pitons. Wir hatten uns in der Tat überlegt, ob wir nicht den Umweg über die Atlantikküste, Vieux Fort und die Südwestküste in Kauf nehmen um die Schlaglochpiste zwischen Castries und Soufrière zu vermeiden. Haben wir dann doch nicht gemacht. Pünktlich, nach fast zwei Stunden Fahrt und mit gutem Hunger (ohne Frühstück los), sind wir im Restaurant angekommen. Wir waren zunächst die einzigen Nicht-Ressortgäste und das Buffet war noch nicht eröffnet. Am Pool sitzend und wartend konnten wir den phantastischen Blick zwischen den Pitons hindurch auf die Karibische See genießen.

Blick vom Ladera Estate

Blick vom Ladera Estate

Im Restaurant wurde uns ein Tisch auf der Terrasse in der ersten Reihe zugewiesen und das Buffet wurde eröffnet. Unsere Speisenfolge: Grüne Gemüsesuppe, Salat aus Weiß- und Rotkohl mit Rosinen, Fischsalat, Roastbeef, creolischer Fleischtopf, Fruchtsalat mit Vanillesauce bzw. Lemoncake und Brotpudding. Wir waren über zwei Stunden „beschäftigt“, zwischendurch hatte sich das Restaurant gut gefüllt und auch schnell wieder geleert. Wir waren die Ersten und bei den Letzten die gingen. Animiert vom traumhaften Ausblick auf die Bucht unter uns fuhren wir anschließend mit dem Auto Richtung Sugar Beach und Jalousie Plantation (Hotelressort). An der Straße zum Ressort war eine Schranke und ein Wärterhaus. Der Sicherheitsdienst kam zu uns. Wir erkundigten uns, ob es möglich sei, hinein zu fahren und zum Strand zu gehen. Ja, kein Problem. Er würde per Funk den zweiten Sicherheitscheckpoint verständigen. Dort müssten wir den Wagen parken. Wir taten wie geheißen und schon war ein Shuttle-Tuk-Tuk zur Stelle um uns durch das weitläufige exklusive Ressort zu fahren. Die Gäste wohnen im Gelände verstreut in kleinen Bungalows im karibischen Stil. Vermutlich mit eigenem Personal. Am Strand dürften wir uns frei bewegen und für die Rückfahrt zum Auto mussten wir wieder das Shuttle-Tuk-Tuk nehmen. Ein Service, der fast peinlich war – vor allem weil wir ja überhaupt nicht „see you next year …“ vorhatten, sondern nur die Bucht und die Ankermöglichkeiten dort in Augenschein nehmen wollten.
Für den Rückweg zur Rodney Bay nahmen wir dann doch den Umweg über die Ostküste. Den Abend ließen wir im Pigeon Island Nationalpark, im Restaurant Jambe du Bois (ohne Essen) bei Live-Jazz ausklingen.

Jazz at Jambe du Bois

Jazz at Jambe du Bois

St. Lucia_2

Mietwagenrundfahrt_2
Von Castries aus führte uns unsere Tour auf die Atlantikseite der Insel. Die gut ausgebaute Straße führt quer durch den Regenwald zum Fischerdorf Dennery. Weiter nördlich ist die Grand Anse Bay, hier legen die Lederschildkröten zwischen März und August ihre Eier ab. Wir wollten eine geführte Beobachtungs-Tour, mit Übernachtung am Stand, buchen. Leider sind die Strände aktuell mit Seegras übersäht, deshalb werden Führungen nicht angeboten. Darüber, ob und wie die Schildkröten zur Eiablage überhaupt an Land kommen, konnte uns leider keine Auskunft gegeben werden. Ganz im Süden der Insel befindet sich die ehemalige Hauptstadt Vieux Fort. Die Stadt ist nicht sehenswert, wir sind erst gar nicht aus dem Auto ausgestiegen. An der Westküste entlang ging es wieder zurück Richtung Soufrière. Kurz vor Soufrière liegt die Kakaoplantage und das Ressort Doux Estate mitten in einem tropischen Garten.

Doux Estate, ehemalige Kakaoplantage

Doux Estate, ehemalige Kakaoplantage

Ideal für eine Kaffeepause, natürlich mit Schokokuchen und Vanilleeis. Es ist auffallend und beschämend zugleich, dass alle Institutionen und Anlagen, die von Touristen besucht und von Privatleuten oder Hotelketten geführt werden, in einem absolut traumhaft schönen und gepflegten Umfeld liegen.

Doux Estate, Kakaobohnen trocknen in der Sonne

Doux Estate, Kakaobohnen trocknen in der Sonne

Wir hatten noch genug vom gestrigen Versuch ein typisch karibisches Abendessen am Strand einzunehmen und sind deshalb wieder in den Hotspot Marigot Bay gefahren. Die kostenlose Fähre brachte uns über die Bucht, dieses Mal zum Live-Jazz und Candlelight Dinner ins Rainforest Hideaway.

Der Klassiker: Marigot Bay Sunset

Der Klassiker: Marigot Bay Sunset

Die Heimfahrt über die Schlaglochpiste war wieder beschwerlich, einerseits wegen der rüden Fahrwiese der Einheimischen und andererseits wegen den Straßenverhältnissen.

St. Lucia_1

Mietwagenrundfahrt_1
Angefangen hatten wir am Freitag mit Castries (Hauptstadt), der Marigot Bay und Soufrière. Castries hat eine Duty-Free-Meile, die jedoch mangels Kreuzfahrtschiff verwaist war, die Hafenanlage und die Ruinen des Fort Charlotte. Alle diese Einrichtungen kann man/frau getrost ausfallen lassen. Die Straße an der Westküste der Insel, von Castries bis Soufrière verdient die Bezeichnung Straße nicht wirklich, Schlaglöcher so groß wie Kinderplanschbecken. Ich hatte die Befürchtung, dass der Kleinwagen die Strecke nicht durchhält, Radaufhängung futsch oder mindestens platte Reifen. Er, der Kleinwagen und Walter, der Fahrer, haben es durchgestanden. Bei Anse de la Raye haben wir einen kurzen Abstecher zu den River-Rock-Wasserfällen gemacht. Die Vegetation ist wirklich immer wieder atemberaubend schön. Bei strömendem Regen sind wir danach mit dem Auto zur Marigot Bay, der bekanntesten und romantischten Bucht von St. Lucia, runter gefahren. Praktisch für Fußkranke, Rentner und Menschen ohne Regenschirm – der Parkplatz ist unmittelbar oberhalb der Marina. Die Marina war wider Erwarten sehr spärlich besucht, auch viele Mooringbojen waren frei.

St. Lucia Marigot Bay Ressort

Ein Muss für Touristen ist der Besuch des Dr. Doolittle´s Restaurant. Ein kostenloser Bootshuttle bringt die Besucher zum romantischen Strand und zu den Restaurants. Am Nachmittag ging es weiter nach Soufrière. Hier wollten wir noch zu den Wasserfällen, aber da die Anlagen um 17 Uhr schließen haben wir darauf verzichtet, es hätte sich für eine Stunde Aufenthalt nicht mehr gelohnt. Die Schwefelquellen haben wir ebenfalls nicht gesehen, aber gerochen! Es stinkt kilometerweit nach faulen Eiern. Unser nächster Stopp war das Ladera Ressort zwischen den beiden Pitons. Fotografieren kostet dort 25 EC – außer man besucht das Restaurant. Ist absolut verständlich, als Ressort- und Restaurantgast wollte ich auch keine herumirrenden Foto-Touristen um mich haben. In Anse la Raye findet Freitagabends immer das Fischbratfest statt. In Openairküchen wird gebrutzelt, was das Meer hergibt. Als wir gegen 18 Uhr dort ankamen, waren die Vorbereitungen noch im Gange. Kaum geparkt, hatten wir schon drei Kinder am Auto stehen, die uns zu den Getränke- und Essensständen führen wollten. Die Kinder im Schlepptau gingen wir die Uferstraße rauf und ohne Getränk und Essen die nächste Straße runter und wieder zum Auto zurück. Die Kinder wollten für die „Führung“ Geld von uns. Unverschämt, aber sie haben Walters Münzgeld doch bekommen. Bei Dunkelheit und Regen haben wir geschlagene zwei Stunden zurück zur Rodney Bay gebraucht.

St. Lucia

Le Marin _ Rodney Bay Marina
Unter Vollzeug, und zwar die komplette Strecke. Seit Monaten mal wieder ohne Reff im Großsegel bei fast konstanten 15 Knoten Wind aus ENE und auch wenig Welle im St. Lucia Kanal. So schön kann Segeln sein. St. Lucia hat nicht den besten Ruf in Seglerkreisen, aufdringliche Boatboys, Dinghy-und Außenborderdiebstahl und Schiffseinbrüche sollen gelegentlich vorkommen. Wir liegen jetzt einen halben Tag hier und wir wurden äußerst freundlich empfangen. Das Marinapersonal weist ein und hilft beim Anlegen, die Anmeldung im Office geht zügig so wie auch Zoll und Immigration. Kurz nach dem Anlegen bekamen wir das Angebot den Rumpf polieren zu lassen und das Unterwasserschiff zu säubern. Walter sagte, dass wir auf dem Weg nach Trinidad sind und dort sämtliche Arbeiten vorgenommen werden. Der junge Mann war einsichtig und zog friedlich ab. Der Obst und Gemüseverkäufer kommt am Freitag wieder, weil wir noch keinen Bedarf hatten. Ich hoffe, es bleibt so und wir können die Insel genießen.
Ansonsten sind wir hier an dem Platz, wo so manch harter Seemann und Atlantiküberquerer die eine oder andere Träne vor Glück verdrückt hat. Denn hier in der Rodney Bay kommen jedes Jahr vor Weihnachten die rund 250 Schiffe der ARC (Start in Las Palmas, GC) an.

Über unsere kleinen Mitbewohner

Kurzzeit-Mitbewohner auf der Sunrise

Kurzzeit-Mitbewohner auf der Sunrise

Es wird viel geschrieben und man erfährt so einiges über die unliebsamen Mitreisenden auf einem Segelschiff.
Das Thema Nummer 1 ist natürlich die Kakerlakenplage. In vielen Häfen liegen sie, oft zertreten, auf der Pier. Man muss höllisch aufpassen, dass man diese Krabbeltiere nicht mit dem Einkauf auf das Schiff bringt. So sollte man alle Umverpackungen bereits auf dem Steg entfernen, Gemüse sollte gewaschen werden, bevor es an Bord gelangt. Kakerlakeneier kleben praktisch überall! An den Schuhen, den Milchtüten, der Getränkeverpackung usw. Hat man diese an Bord gebracht, vermehren sie sich explosionsartig.
Noch übler sind die Geschichten von Ratten, die über die Festmacher auf das Schiff kommen und dann unter den Bodenbrettern, der Wandverkleidung oder sonst wo verschwinden und nicht wieder von Bord zu kriegen sind.
Von Wolfgang und Uli von der Golden Tilla haben wir so einige Geschichten zu diesem Thema gehört und sie haben uns auch gleich eine Ampulle Frontline zur Kakerlakenbekämpfung geschenkt. Ja Frontline! Eigentlich ein Mittel mit dem man Hundeflöhe bekämpft, wirkt aber auch sehr gut gegen Kakerlaken.
Nun der Grund warum ich dies schreibe ist nicht, dass wir nun Kakerlaken an Bord hätten, nein! Jedoch als wir gestern vom Jardin Balata zurückkehrten, da huschte etwas über die Bodenbretter. Viel zu schnell für eine Kakerlake. Sensibilisiert auf Ungeziefer bewaffnete ich mich sofort mit einer Taschenlampe und siehe da unter der Salonbank an saß es, bzw er. Ein kleiner Geko hatte sich bei uns eingeschlichen. Nun sind diese possierlichen Tierchen recht flink und bei dem Gedanken, er könne in unserem Bett schlafen wollen, erwachte mein Jagdtrieb. Mit Trinkglas, Papier und Taschenlampe versuchte ich dem Eindringling auf den Leib zu rücken. Nach einigen abrupten Richtungsänderungen konnte ich das Trinkglas über ihn stülpen, schob das Papier unter dem Glas durch und der kleine Kerl war gefangen.
Nun verbringt er seine Freiheit im Grün der Parkplatzbegrenzung in der Marina – hoffentlich recht lange.

Martinique_Ost

Unser Ausflug führte uns zunächst nach Fort de France. Hier ins alte Stadtzentrum um den Place de la Savane. Das einzig sehenswerte Gebäude ist die Bibliothek Schoelcher. 1889 war dieses Gebäude als karibischer Pavillon auf der Pariser Weltausstellung zu sehen, wurde danach in seine Einzelteile zerlegt und nach Fort de France verschifft und wieder aufgebaut. Gegenüber vom Hauptpostamt, im Park Savane, steht das Denkmal der Kaiserin Joséphine – leider aktuell ohne Kopf. Der wurde abgeschlagen. Die Stadt war wie ausgestorben, Sonntags flüchten die Bewohner offensichtlich ins Umland, was ich nachvollziehen kann. Die Außenbezirke von Fort de France sind unschön. Zwar hat man einen schönen Blick über die Stadt und die Baie de Fort de France. Man sieht aber auch die Kehrseite der Stadt.

Fort de France

Fort de France

Wir fuhren weiter nach Balata. Hier steht die Miniaturausgabe der Sacré Coeur vom Pariser Montmartre. Leider verschlossen. Mehr Glück hatten wir im Botanischen Garten von Balata. Dieser schöne und gepflegte private Garten ist der Öffentlichkeit (gegen Gebühr) zugänglich und ist absolut einen Besuch wert. Tropische Pflanzen aus aller Herren Länder und ein kreolisches Wohnhaus sind zu sehen.

Jardin de Balata

Jardin de Balata

Creolisches Wohnhaus

Creolisches Wohnhaus

Zum Ausklang des Tages fuhren wir nach Trois Ilet und Anse Mitan.

Anse Mitan, Martinique

Anse Mitan, Martinique

Immer wieder faszinierend, Sonnenuntergang in der karibischen See

Martinique Atlantikseite

Unser Ausflug führte uns heute zunächst nach St. Anne. Von Land aus gesehen ist die Ankerbucht sehr weitläufig. Das Wasser, je nach Sonnenstand und Wolken, hat alle Blautöne, wechselt von knalligem Türkis bis zum dunklen Blau. Der Strand, an dessen Ende sich der Club Med festgesetzt hat, ist perlweiß. Natürlich fehlen auch die Palmen nicht. In der ersten Reihe (sehen Sie besser) liegt derzeit die Shogun (Bingen am Rhein) die wir zuletzt auf den Kanaren, in St. Cruz de La Palma gesehen haben.
Für uns ging es weiter zur Grand Anse des Salines. Der Badewanne des Südens.

Grand Anse des Salines

Grand Anse des Salines

Kilometerlang zieht sich der perlweiße Sandstrand und natürlich kann man direkt mit dem Auto hinfahren (was m.E. die Idylle stört), man parkt unter den Palmen, fällt dreimal der Länge nach um und liegt am Stand. Die kleinen Imbissbuden und Souvenirläden haben Logos von allen gängigen Kreditkartenunternehmen auf Holztafeln geklebt, man kann selbst am Strand bargeldlos einkaufen. Ohne zu Baden fuhren wir weiter nach Vauclin, dann nach St. François, beides an der Atlantikküste.

In der Nähe von St. François befindet sich die Habitation Clément.

Skulpturenpark Habitation Clément

Skulpturenpark Habitation Clément

Botanischer Garten, Skulpturenpark, Kunstausstellung, historische kreolische Gebäude, alte Rumdistillerie, Probierstube und Verkauf. Keine Frage, dass wir uns die Habitation und die Foundation angesehen haben. Alles sehr professionell durchorganisiert, am Eingang bekommt man einen Audioguide, der uns in Englisch die verschiedenen Pflanzen und auch die Geschichte der Familie und die der Rumherstellung nahe gebracht hat. Ein Freilichtmuseum pur, der Rundweg führt zunächst in den botanischen Garten, den Sklupturenpfad, dann in die alte historische Distillerie, die Lagerhäuser, zum creolischen Wohnhaus der Eignerfamilie Clément (jetzt Museum), in die Kunstausstellung und dann zur Verkostung.

Creolisches Wohnhaus der Familie Clément

Creolisches Wohnhaus der Familie Clément

Ehemaliges Wohnhaus der Familie Clément

Ehemaliges Wohnhaus der Familie Clément

Auf diesem historischen Gelände hatten sich die Präsidenten Mitterrand und Bush nach dem Irakkrieg getroffen um über weltpolitische Fragen zu debattieren. Hoffentlich vor der Rumverkostung. Wir verweilten über drei Stunden und selbstverständlich kauften wir auch etwas von dem wertvollen Zuckerrohrsaft.

Martinique Nord

Die Mietwagenreservierung in Le Marin hatte geklappt und so konnten wir zu einer Tour in den Norden der Insel aufbrechen. St. Pierre, die alte, 1902 vom Vulkan Pelée verschüttete Inselhauptstadt war unser erstes Ziel. Vom Ausbruch des Vulkans Pelée ist nicht mehr viel zu erkennen, in der Unterstadt stehen noch einige Ruinen. Gute Informationen erhält der Besucher im Vulkanmuseum Frank Perret. Hier steht auch die deformierte Kirchenglocke. Durch die große Hitze war das Metall weich geworden und hatte sich durch den Druck der Schuttmasse zusammengefaltet wie ein Plätzchenteig. Nächster Stopp war in Morne-Rouge und von hier aus fuhren wir die Stichstraße zum Montagne Pelée hoch. Die Straße endet am Parkplatz des Aussichtspunktes l’Aileron. Von hier aus geht der Wanderweg zum Vulkankrater los. Rund 3 Stunden Aufstieg, meist im Nebel und Nieselregen. Walter hat immer noch Schmerzen im Sprunggelenk und kann keine weiten Strecken wandern und zudem war es schon zu spät, zu nass und zu kalt. Eine Wanderung fiel somit aus. Die Plantation Leyritz, heute Hotel, Restaurant und Museum sollte unser nächstes Ziel sein; nur wir fanden sie nicht. Nachdem wir zweimal an die Straße rauf und runtergefahren waren, entdeckte Walter ein zugewachsenes Schild, dass die Plantation nach Renovierung neu eröffnet wird. Schade, wir hätten gerne dort unseren Nachmittagstee getrunken. Stattdessen fuhren wir zu J.M. Ruhm.

Rhum Distillery

Unsere erste Besichtigung einer Destillerie, mit Verkostung und Verkauf. Weiter ging die Fahrt entlang der wilden Atlantikküste zum Fischerort Grand Riviere. Der Norden von Martinique ist ähnlich wie Dominica, wild und kräftig grün. Viele Bananenplantagen, Zuckerrohrfelder und Ananasfelder befinden sich dort. Zurück nach Le Marin nahmen wir die Straße, die entlang der Atlantikküste bis nach Le Vauclin führt. Sehen konnten wir nichts mehr, die Sonne war uns schon wieder abhanden gekommen und es war stockfinster. Morgen ist ein neuer Tag.