Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand

Auch die dunkelste Wolke hat einen silbernen Rand.
Von allen Sprüchen, die auf unsere aktuelle Situation passen, gefällt mir dieser am besten.
Seit Wochen war kein aktueller Blogbeitrag mehr von uns zu lesen. Der Grund dafür ist, dass Walter bei einer herbstlichen Gartenaktion einen schweren Unfall hatte und sich zwei Brustwirbel gebrochen hat. Nachdem die Wirbelsäulen-Operation gut verlaufen ist und Walter sich nun in einer ambulanten Therapie befindet, sehen wir den Silberstreif am Horizont.

Viper Implantat vom 4. - 11. Brustwirbel nach Wirbelfraktur 6. + 9. Brustwirbel

Viper Implantat vom 4. – 11. Brustwirbel nach Wirbelfraktur 6. + 9. Brustwirbel

Viper Implantat in Walters Wirbelsäule vom 4. bis 11. Brustwirbel

Viper Implantat in Walters Wirbelsäule vom 4. bis 11. Brustwirbel

Wir hatten ja zu Hause aktiv am kulturellen Leben im Großraum Stuttgart teilgenommen und hin und wieder von unseren Aktivitäten berichtet. Den letzten Bericht konnte ich nicht mehr verfassen, da ich den Kopf voller Sorgen hatte. Hier nun eine Nachlese: Am Wochenende vor dem Unfall fuhren wir mit dem Fahrrad in unsere Nachbargemeinde Strümpfelbach. Hier lebt und wirkt die Künstlerdynastie Nuss. Der Vater Fritz Nuss, leider schon verstorben, war ein international anerkannter Bildhauer und bekannt für seine Bronzeplastiken. In seine Fußstapfen getreten ist sein Sohn Karl Ulrich Nuss. Wir hatten die Möglichkeit an einer Führung durch das Atelier und den Ausstellungsraum teilzunehmen.

Atelier Karl Ulrich Nuss in Weinstadt-Strümpfelbach

Atelier Karl Ulrich Nuss in Weinstadt-Strümpfelbach

Herr Professor Nuss war persönlich da und lies es sich nicht nehmen, uns die Entstehung einer mannshohen Bronzeskulptur zu erklären. Sehr launig nahm er der Stadtführerin das Heft aus der Hand (Zitat im breitesten Schwäbisch: Du machst jetzt schon zig Jahre die Führungen, aber das mit der Technik hast immer noch nicht drauf, das mach ich jetzt lieber selber).

Prof. Karl Ulrich Nuss

Prof. Karl Ulrich Nuss


Bronzeskulpturen im Atelier von Prof. Karl Ulrich Nuss

Bronzeskulpturen im Atelier von Prof. Karl Ulrich Nuss


Atelier von Prof. Karl Ulrich Nuss

Atelier von Prof. Karl Ulrich Nuss

Im Anschluss an die Führung durch das Atelier gingen wir in die Strümpfelbacher Weinberge zur Skulpturenallee „Paare“.

Skulpturenallee PAARE oberhalb von Weinstadt-Strümpfelbach

Skulpturenallee PAARE oberhalb von Weinstadt-Strümpfelbach

Mittendrin in den Weinbergen stehen im öffentlichen Raum 43 Bronzeplastiken der Nussdynastie. Mit dabei auch Skulpturen des Neffen Christoph Traub. Sehr gute Informationen über die Künstler, den Skulpturenpfad und die Skulpturenallee sind auf der Website www.remstal-Route.de Stichwort Kultur trifft Natur, Kunst in den Weinbergen zu finden.
Aktuell können wir uns auch an den wunderschönen Herbstfarben erfreuen. Die Weinberge um uns herum bieten vom kräftigen Grün bis hin zum purpurnen Rot das ganze herbstliche Farbspektrum. Die Mischwälder auf der Schurwaldhöhe stehen dem nicht nach. Kürzere Spaziergänge kann Walter schon machen, jeden Tag einen kleinen Schritt mehr. Die gebuchte Peru, Bolivien, Chile Reise mussten wir jedoch stornieren.

Kontrastprogramm

Total schräg oder nur schräg
So ganz einig waren wir uns nicht, auf gar keinen Fall aber total daneben: Kofelgschroa aus Oberammergau. Die vier Jungs waren am Freitag bei uns im Jazzclub Armer Konrad zu Gast. Blasmusik oder Alpentechno? Mundarttexte, die teils witzig, scharfzüngig oder halt unverständlich (bayrisch) waren. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente, Tuba, Posaune, Tenorhorn, Ziehharmonika, Gitarre etc. perfekt. Außerdem sind sie sehr sympathisch.

Quelle Website Kofelgschroa, Fotos Hans Lauer

Quelle Website Kofelgschroa, Fotos Hans Lauer

Quelle Website Kofelgschroa, Fotos Hans Lauer

Quelle Website Kofelgschroa, Fotos Hans Lauer

Unsere Arbeitsgruppe (der Jazzclub wird von Freiwilligen betrieben) hatte „Dienst“. Das heißt für das leibliche Wohl der Musiker und der zahlreichen Gäste zu sorgen. Am Nachmittag kam Renate bei mir zu Hause vorbei und wir verarbeiten 2,5 Kilo Brie- und Frischkäse zu „Obazda“. Dazu gab es frisches Holzofenbrot – bayrischer geht’s kaum. 2/3 bereiteten wir nach klassischem Rezept zu und 1/3 nach Schuhbeck-Rezept. Am Ende des Tages hatte das klassische Rezept um Längen gewonnen, wir hätten ein Vielfaches davon verkaufen können. Auch der Schwabe ..isst halt nur was er kennt. Den Rest des leckeren Schuhbeck-Obazda dürften wir am Ende selbst essen – auch gut. In den frühen Morgenstunden war der Gewölbekeller wieder besenrein, hunderte Gläser gespült, die Küche gewienert und die Reste der angefangenen Weinflaschen von den vielen Freiwilligen vernichtet. Beschwingt und trotzdem hundemüde wackelten wir nach Hause ( zu Fuß !!!).

Das krasseste Kontrastprogramm, das man sich vorstellen kann, haben wir uns dann am Samstag gegeben. Unser Segelfreund Gerhard hatte sich Stuttgarts Rote Nacht der Bars (11 Bars, 11 Acts) als Wochendprogramm ausgesucht, da dürften wir nicht fehlen. Die Rote Nacht der Bars wird gesponsert von dem roten Getränk, von dem die Eltern sagten, dass man davon Läuse im Bauch kriegt. Die Cocktailmischung ungewöhnlich: Tonic, Eis, rotes Getränk, eine Scheibe Zitrone und ein Rädchen Salatgurke. Schon ein optisches No-Go. Wahrscheinlich sollte die Gurkenscheibe einen Bezug zum Act in der Bar herstellen – es waren nämlich holländische Rockabillies am Start.

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Das muss man sich erst mal trauen, als blutjunger Musiker die Musik aus den 1950er Jahren zu spielen! Total verrückte Typen mit nicht weniger verrückten Kostümen, die drei Sängerinnen in Glitzerkleidchen, zum Schluss nur noch im Glitzerbody oder Bikini auf der Bühne.

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So abgedreht, dass es schon wieder gut war. Mit pfeifenden Ohren verließen wir weit nach Mitternacht die Location.

Sieben auf einen Streich

Wahrheitsgemäß muss „Streich“ durch „Wochenende“ ersetzt werden. Ab Freitag war in Gesamt-Weinstadt der Bär los. Die Nacht der Keller war auf dem Programm. Kenner und Liebhaber guter Weine treffen sich alljährlich am dritten Septemberwochenende in Weinstadt zu einer nächtlichen Entdeckungstour durch historische Gewölbekeller. In allen fünf Weinstädter Stadtteilen sind an diesem Wochenende rund 30 Gewölbekeller – vom kleinsten Keller für 15 Personen bis hin zum größten Holzfasskeller Süddeutschlands – für die Öffentlichkeit geöffnet.

Nacht der Keller 3

Nacht der Keller 2

Nicht nur sinnliche Genüsse, sondern auch ein vielfältiges kulturelles Angebot mit Live-Musik und Kunst-Ausstellungen erwarten die Besucher. Wir besuchten am Freitag und Samstag insgesamt nur 4 Keller (bedingt durch die Gelbfieberimpfung waren wir nicht so in Höchstform).
Am Sonntagvormittag stand ein besonderer Leckerbissen auf unserem Programm. Jazzfrühschoppen in Baltmannsweiler-Hohengehren in einer kleinen, aber feinen Scheuer (www.derkleinetermin.de). Die lokale Jazzband September (www.septembergroove.de) spielte auf. Anspruchsvoll die Musik und auch die Verpflegung. Nichts mit Hefeweizen und Weißwurst, sondern Kürbis-Kokos-Süppchen, Pina Colada Süppchen, Bratwurstsalat von der fränkischen Hausmacher-Bratwurst, Wurstsalat, Obazda (Käsecreme) und alles aus Öko-Anbau. Das war Streich Nummer 5.
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Am frühen Nachmittag stiegen wir aufs Fahrrad und radelten nach Waiblingen, wo 13. Remstal-Klassik „Die Geschichte des Automobils – live auf Waiblingens Straßen und Plätzen“ stattfand. Tolle historische Fahrzeuge, unter anderem auch Walters erster VW-Käfer Bj. 1966 (also ein baugleicher, nicht Walters) und unser erster gemeinsamer VW-Campingbus T 2 fuhren die Rally mit und wurden einzeln vorgestellt. Natürlich waren überwiegend hochpreisige Autos wie Porsche, Jaguar, Alfa, Mercedes, MG, Cadillacs, Chevrolet und andere Amischlitten am Start. Alle rausgeputzt und gewienert. Das war Aktion Nummer 6.
Anschließend ging es mit dem Fahrrad weiter nach Weinstadt-Strümpfelbach, wo eines der Weingüter wohl noch nicht genug Stress aus der Nacht der Keller hatte und nahtlos in ihr Herbstfest übergegangen war. Uns gelüstete es nach einem Salzkuchen (Hefeteig mit Eier-Sauerrahm-Schnittlauch-Belag) aus dem Holzofen – aber leider war schon alles ausverkauft als wir am frühen Abend dort ankamen. Ein Viertele (für Nichtschwaben: Ein Glas Wein 0,2 l) gab es aber noch. Streich Nummer 7.

Das absolute Highlight des Wochenendes war aber die Ankunft des Babys von Anja und Tobi! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum gesunden Mädele.

Kultursommer in Deutschland_8

Kalendarisch ist noch Sommer! Wir leben noch in unserem Kultursommer – bis 23.09. und dann gehen wir nahtlos in den Kulturherbst über. Die Openair-Saison auf dem „Dulk“ ist seit letzter Woche vorbei. Den Abschluss machte das Daimler Classic Jazz Orchestra am Samstag, 12.09. im Hangar des Aero Clubs Esslingen.
Heute auf dem Programm: Saisonopening im Bix Jazzclub Stuttgart mit Tabeah aus Osnabrück.

Quelle: Website Tabeah

Quelle: Website Tabeah

Gerhard, unser Wenn-wir-mit-der-Sunrise-in-Deutschland-sind-Teilzeit-Bordingenieur und bewährter NOK-Steuermann (am Autopilot + 1,2,3 oder -1,2,3 Grad drückend), hatte uns den Tipp gegeben und hat zusammen mit uns das beeindruckende Konzert der Band Tabeah genossen. Mehr Infos unter: http://tabeah.bandcamp.com/releases oder http://tabeahmusic.com/.

Quelle: Website Tabeah

Quelle: Website Tabeah

Ansonsten bereiten wir uns intensiv auf unsere Peru-Bolivien-Chile-Reise (auf dem Landweg ohne die Sunrise) im Oktober vor. Morgen geht es zur Gelbfieberimpfung, hoffe dass wir den Impfstoff vertragen.

Komplette_route

Kultursommer in Deutschland_7

Zu Hause, also in Deutschland, ist es auch wunderschön. Vor allem bei diesem Traumwetter hier in Süddeutschland. Am letzten Wochenende jedoch ging dem Sommer die Kraft aus, Alle redeten vom meteorologischen Herbstanfang und das Wetter hielt sich an die Ansage. Die Temperatur fiel einfach mal um 15 Grad. Ideal für uns endlich wieder der Staatsgalerie Stuttgart einen Besuch abzustatten.

Staatsgalerie
Viel zu selten haben wir die wechselnden Ausstellungen besucht. Aktuell ist die Ausstellung „Künstlerräume“ zu sehen. Wobei es bei mir mit dem Kunstverständnis so eine Sache ist, entweder mir gefällt ein Kunstwerk spontan oder nicht. Genau wie beim Wein, entweder mir schmeckt der erste Schluck, oder eben nicht. Egal ob die Flasche nun 5 Euro oder 50 Euro (würde ich nie ausgeben) kostet. So einfach. Die Ausstellung „Künstlerräume“ stellt jedem Künstler einen eigenen Raum zur Verfügung. Moderne Kunst ab 1960. Mein Favorit war wieder Jeff Koons. Er hatte mich im letzten Jahr in Bilbao mit seinen riesigen Tulpen und seinem Blütenpuppy so begeistert. Wir haben auf unserer Website unter dem Datum 15.7./16.7.2014 darüber geschrieben. Hier in der Stuttgarter Staatsgalerie hängt von ihm das Werk Jungle mit dem giftgrünen Wutmonster Hulk mit knallgelben Seepferdchen im Hintergrund. Auf so ein abgedrehtes Motiv muss man erst mal kommen! Es stellt den Nuklaerprofessor Dr. Bruce Banner dar, der sich nach einem Laborunfall mit Gammastrahlen bei jeder Aufregung in das grüne Wutmonster Hulk verwandelt! (Mein erster Gedanke war, das ist doch das Grünschleimmonster aus der Hustensaftreklame).

Koons

Auch in der Ausstellung vertreten ist Georg Baselitz, der irgendwann mal den Geistesblitz hatte, seine Kunstwerke auf den Kopf zu stellen. Katharina Grosse mit raumfüllenden Farbflächen und Rosemarie Trockel mit Strickmuster, bzw. Stickbilder haben auch die Ehre.
Wie gesagt, entweder es gefällt – oder nicht. Punkt.
Im Anschuss daran, stellen wir fest, dass der Musikpavillon auf dem Stuttgarter Schlossplatz in den Sommermonaten am Wochenende wieder bespielt wird. Umsonst und draußen – das war uns doch glatt entgangen. Info unter www.jazzstadtstuttgart.de.

Musikpavillion

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Eine andere Attraktion ist das Inselkino. Im Keller des Westfalenhofs beheimatet ist es ein imposantes Plüschkino der alten Prägung. Mit großen Plüschsesseln in grüner Farbe. Jeder Besucher hat nicht nur viel Platz um sich herum, sondern auch eine kleine Ablagefläche vor sich mit einem Lämpchen darauf.

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Dieses Lämpchen leuchtet immer, wird während der Filmvorführung gedimmt und wenn man es ausschaltet erscheint der Platzanweiser/in und nimmt die Bestellung für so kultige Getränke wie Damengedeck, Grüne Wiese oder Tote Tante auf.

Verzehrkino Juist

Über das Juister Original, Hans Hattenhorst, wurde sogar ein Kurzfilm gedreht. Ove Sander, Technischer Leiter Digitales Kino der Berlinale, hat den Juister Filmvorführer porträtiert. Der kauzige Eigenbrödler lebte im und für das Inselkino. Ja, er wohnte in einem Raum hinter der Leinwand und das Kino war seine Welt. Sander konnte Hattenhorst noch interviewen, aber leider verstarb er noch vor Beginn der Filmaufnahmen. Der Kurzfilm wurde trotzdem produziert und wurde mit dem Hauptpreis Short Tiger Award der FFA, 2006 Berlin prämiert.

*Tote Tante: 2 EL geschlagene Sahne, 1 TL Zucker, 200 ml Milch, 2 TL Kakaopulver, 1 Schnapsglas Rum (also heißer Kakao mit Rum)
*Grüne Wiese: 4 cl Blue Curaçao, 6 cl Orangensaft. Crasheis.

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Juist ist Kult
Viele Jahre schon kommen wir nach Juist. Als Kind war ich schon mit meinen Eltern hier und unsere Kinder haben hier einige Sommer verbracht. Es ist wie beim Segeln, hat dich einmal der Virus gepackt kannst du nicht mehr davon lassen. Über die vielen Jahre hat sich Juist, wenn überhaupt, nur ganz wenig verändert. Es gibt auf Juist einige Dinge und Orte, die einfach nicht von der Insel weg zu denken sind. So zum Beispiel die Domäne Bill, am westlichen Ende der Insel gelegen, hier kommt jeder Inselbesucher mindestens ein Mal her. Entweder mit dem Fahrrad, mit der Pferdekutsche oder zu Fuß. Man kann die ca. 5 Kilometer Wegstrecke entweder über den 17 Kilometer langen Sandstrand oder auf der Wattseite über den Fahrweg entlang den Salzwiesen zurücklegen. Ein herrlicher Ausflug und als Belohnung wartet in der Domäne Bill ein großes Stück Rosinenstuten und ein Kännchen Ostfriesentee auf die Besucher.

Gaststube Domäne Bill, Juist

Gaststube Domäne Bill, Juist

Eine weitere „Kultstätte“ auf Juist ist der Schiffchenteich am Kurplatz. Hier glänzen alle Kinderaugen, hier werden Glück und Dramen erzeugt. Kinder erleben Erfolge und bittere Niederlagen, wenn ihre Schiffchen am Beckenrand ankommen oder eben auch nicht. Eltern verzweifeln, weil die Kinder nicht von diesem Platz weg zu kriegen sind oder verdrücken eine Träne vor Glück über ihre Kleinen beim Spiel.

Schiffchenteich am Kurplatz

Schiffchenteich am Kurplatz


Schiffchenteich, Spielplatz für kleine und große Kinder

Schiffchenteich, Spielplatz für kleine und große Kinder


Schiffchenteich am Kurplatz

Schiffchenteich am Kurplatz

Ebenfalls am Kurplatz ist der Musikpavillon in dem das Kurorchester ein bis drei Mal täglich zwischen Mai und September ein Kurkonzert spielt. Dieses aus Ungarn stammende Orchester kommt seit über dreißig Jahren nach Juist und verbringt hier den Sommer. Einige Musiker der ersten Stunde sind mittlerweile schon verstorben und durch jüngere ersetzt worden, aber am Konzept leichte Musik zur Unterhaltung älterer Menschen hat sich nichts verändert.

Auch die Menschen sind irgendwie einzigartig, – eben friesisch herb. Ich konnte folgenden Dialog an der Fleischtheke im Supermarkt miterleben. Ein offensichtlich „Eingeborener“ mit breiten Schultern Elbsegler auf dem Kopf, groben Strickpullover, Blaumann und schweren Stiefeln stand vor der Fleischtheke und konnte sich nicht entscheiden, was er nun einkaufen sollte. Nach einiger Zeit sprach ihn nun die Verkäuferin, ebenfalls von der Insel, an: „Na, wie wär´s mit die Beine von Dolores?“ Der Kunde runzelte kurz die Stirn und sagte dann: „Das ja mal ne Idee“! Die Verkäuferin packte zwei Hühnerschlegel ein überreichte diese dem Kunden und beide waren zufrieden, sie hatten sich offensichtlich verstanden.

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Kurhaus Juist

Herrliches Juister Sommerwetter, 21 Grad, Sonne und 4 Beaufort Wind aus Nordost. Die Jugend trifft sich in der Juister Surfschule. Viele Surfer sind im Watt, ein Bild, das wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Das lag aber nicht am Juister Schietwetter, sondern daran, dass wir in den letzten Jahren außerhalb der Saison hier waren.

Surfer im Juister Watt

Wir setzten uns an die Deichkante und schwelgten in Erinnerungen an unsere Surfanfänge vor über 30 Jahren am Gardasee und an den Kindersegelkurs hier im Watt. Unsere Kinder durften teilnehmen, wir Eltern standen mit Neopren-Anzügen und Segellehrer Rainer (ohne Neopren) hüfttief im Watt und schöpften die Optis leer und schickten die verirrten Optis wieder auf „große“ Fahrt. Unser Sohnemann war damals in der ersten Klasse und konnte noch nicht lesen und schreiben und deshalb durfte er die Prüfung zum Jüngstenschein ausnahmsweise mündlich ablegen. Leider hat Rainer die Segelschule auf Juist nach wenigen Jahren wieder aufgegeben. Mangels Segelgelegenheit bei uns zu Hause verloren unsere Kinder nach und nach das Interesse am Segeln. Leider. Aber zwischenzeitlich wendet sich das Blatt. Die Sunrise winkt in der Karibik.