Kanada Reise 2019_8

Halifax, Noca Scotia
Zweiter Regentag in Folge. Während Deutschland unter der Hitzewelle und der Trockenheit stöhnt, kramen wir unser Regenzeug und die warmen Klamotten aus dem Koffer. Downtown Halifax fällt heute aus, wir fahren ins Umland zu den empfohlenen „Must sees“.
Wir besuchen den Friedhof, auf dem viele der Opfer der Titanic-Katastrophe beigesetzt wurden. Bei diesem Wetter ist dies noch bedrückender.

Nächster Halt ist der alte Fischereihafen Fisherman’s Cove. Es ist ein Hafen, der nach wie vor von kleineren Lobster Fischern genutzt wird. Es gibt einige Lobster Buden und dazwischen die unvermeidlichen Souvenir Shops.

Fisherman’s Cove

Für uns nicht unbedingt ein must have seen. Es gibt schönere Plätze in der Umgebung, so zum Beispiel der Crystal Crescent Beach im Sambro Creek. Puderzuckerfeiner Sandstrand zwischen Felsblöcken, mit schöner Brandung und einigen hartgesottenen Badenden.

Chrystal Crescent Beach

Der Holzbohlenweg durch die Dünen ist mit blühenden Heckenröschen gesäumt. Es sieht aus wie auf der Nordseeinsel Juist und es riecht auch so. Feiner Blütenduft mit einer Salznote. Im Hinterland ausgedehnte Mischwälder. Tiefes sattes Grün in allen Schattierungen. Eine Wohltat für die Augen.
Peggy’s Cove ist ein absolutes Muss. Der meist fotografierteste Leuchtturm Nordamerikas. Die Schönheit müssen wir uns mit zehn Busladungen asiatischen Touristen teilen. Selbst die Busse sind mit den asiatischen Schriftzeichen beschriftet. Gott bewahre diesen zauberhaften Ort vor Over Tourism. Wahrscheinlich waren wir am falschen Wochentag vor Ort – der Einzigartigkeit tut das jedoch keinen Abbruch.

Peggy’s Cove


Leuchtturm Peggy’s Cove mit Scharen von Touristen

Am Hafen von Peggy’s Cove steht ein alter Bauwagen, davor drei große Wasserkessel mit Gasbrennern darunter. In den Kesseln kochen die Lobster-Fischer ihren Fang direkt nach dem Anlanden. Frischer geht es nicht. Die Crew im Bauwagen zerlegt die frisch gekochten Lobster, bäckt Brötchen auf, füllt diese mit Lobsterfleisch. Der Verkaufsrenner schlechthin. Die Menschenmenge davor spricht Bände. Das Warten auf die Lobster Roll lohnt sich. Leckerer als Krabbenbrötchen und das will was heißen.

Lobster Roll im Hafen von Peggy’s Cove


Lobster Roll

Auf dem Weg nach Lunenburg kommen wir am Denkmal für die Opfer des Swissair Fluges 111 vorbei. Am 02.09.1998 stürzte unter dramatischen Umständen die Swiss Air Maschine auf dem Weg von New York nach Genf vor Peggy’s Cove ins Meer. Alle Insassen kamen dabei ums Leben. Die Gedenkstätte liegt in einem Strandbereich voller Felsen und sieht von Natur aus wie ein Trümmerfeld aus. Die Trauernden haben bei guter Sicht einen guten Blick auf die in 10 Meilen entfernte Absturzstelle.

Swiss Air 111 Gedenkstätte

Lunenburg, gegründet um 1750 von Auswanderern, überwiegend aus Deutschland. Lunenburg gilt als älteste deutsche Siedlung in Kanada. Im alten Stadtkern sind gut erhaltende und renovierte bunte Holzhäuschen und Kapitänsvillen zu bewundern.

Lunenburg

Keine neuzeitlichen Bausünden dazwischen, deshalb darf sich das Städtchen seit 1995 mit dem Prädikat UNSESCO Weltkulturerbe schmücken. Besonders die drei Kirchen sind herausgeputzt. An der Wasserfront gibt es das übliche Angebot für die Touristen. Schiffs-Museum, Hochsee-Angeln, Segeltörns mit alten Schonern, Souvenir Läden und jede Menge Restaurants.

Lunenburg Waterfront

Am späten Abend bessert sich das Wetter und wir verlassen Lunenburg rechtzeitig um die rund 100 Kilometer nach Peggy’s Cove zurück zu fahren. Wir wollen vor Sonnenuntergang dort sein, um bei schönem Licht nochmals Aufnahmen dieses wunderschönen Fleckchens Erde zu machen. Wir werden belohnt. Es sind keine Busse mehr da und da der Regen aufgehört hat werden wir mit einem grandiosen Sonnenuntergang beglückt. Jedes Bild (Foto) wie ein Gemälde.

Peggy’s Cove


Leuchtfeuer Peggy’s Cove

Kanada Reise 2019_7

Nova Scotia empfängt uns mit Regen. Der erste Stadtrundgang in Halifax wird zum Dauerlauf. Die Stadtbibliothek ist unsere erste Anlaufstelle. Von der Cafeteria im 5. Stock hat man einen schönen Überblick über die Stadt.

Halifax Stadtbibliothek


Den alten Glockenturm unterhalb der Zitadelle schaffen wir auch noch – der Rest versinkt im Nebel und Dauerregen.

Halifax
Glockenturm

Kanada Reise 2019_6

Prince Edward Island
Nach Neufundland wäre es jetzt auch nicht mehr weit. Von hier aus fährt eine Autofähre. Das wage ich gar nicht zu erwähnen, Walter würde mich für komplett überbelichtet bezeichnen. Quebec war unser nördlichster Punkt und dabei soll es bleiben. Entlang des Sankt Lorenz Stromes fuhren wir nach Westen in Richtung Atlantik. Nach einem Zwischenstopp irgendwo im nirgendwo, in Woodstock (New Brunswick), sind wir auf Prince Edward Island angekommen. Eine Zeitzone näher an Europa; wir sind jetzt nur noch fünf Stunden hinterher.

North Rustico Harbor
Parkplatz nur bei Ebbe

Dass die Insel ca. 280 Kilometer lang ist, das hatte ich nicht realisiert. Demzufolge mussten wir uns leider auf Charlottetown und auf einen Teil der Atlantikküste reduzieren. Die Einheimischen zogen bei 25 Grad Luft- und 18 Grad Wassertemperatur in Scharen an die Strände. Die Luft ist sehr angenehm, aber die Wassertemperatur liegt eindeutig unter unserer Wohlfühlgrenze.

Abwechslungsreich sind die Strände, Sand in den Farben rostrot und gelb. Die Küste hat zerklüftete Sandsteinklippen, aber auch flache Stellen mit Dünen und dichten Nadelwäldern dahinter.

Es gefällt uns hier. Auch ist es sehr sauber. Es liegt kein Müll, nirgendwo. Der Müll wird getrennt und die öffentlichen Toiletten sind wirklich sauber. Da können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden.
Morgen geht es schon wieder weiter, nach Halifax, Nova Scotia. Zum Abschied dürfen wir in Charlottetown in der Fußgängerzone eine Nachwuchsgruppe bewundern, die richtig guten Mainstream Jazz darbietet. Dazu ein kanadisches Bier – perfekt.

Kanada Reise 2019_5

Québec
Leben wie Gott in Frankreich. Nicht nur eine inhaltslose Phrase – nein das Angebot ist unbeschreiblich. Von A, wie Artischocken bis Z, wie Zucchini gibt es hier alles was das Herz begehrt. Die Tendenz geht eindeutig in Richtung französische Küche. Die vielfältigen Zutaten gibt es in jedem Lebensmittelladen, hinzu kommen Bäckereien und Konditoreien, Fleischer und Fischläden, Vinotheken und vieles mehr. Die Torten sind jede ein Kunstwerk für sich.


Quebec ist eine Reise wert! Nicht nur zum Schlemmen, nein auch die alten Straßenzüge, das Parlamentsgebäude, das meistfotografierte Hotel der Welt, das Hotel Fairmont Le Château Frontenac, die Kathedrale und noch viel mehr. Alles ist sehr gut erhalten und zieht die Touristen in Scharen an. Selbst einen Anleger für Kreuzfahrtschiffe gibt es. Es ist aber derzeit keines da. Vieux Quebec ist auch so schon voll genug.


Parlamentsgebäude in Quebec



Hotel Fairmont Le Château Frontenac


Es wird Französisch gesprochen, ein ganz reines Hochfranzösisch, dass es sogar mir möglich ist, etwas zu verstehen. Im Gegensatz zu den Franzosen in Europa, bemühen sich die Frankokanadier wenigstens mit den sprachbehinderten Touristen klar zu kommen.

Bagages – ein urschwäbisches Wort. Definition für eine Gruppe von Menschen. Schwäbisch ist eine Weltsprache ?‍♀️

Aber beim Autofahren haben sie das Aggro-Gen nachhaltig implantiert. Noch nirgends sind wir so böse angehupt oder beschimpft worden wie in Montreal und Quebec. Immerhin bremsen sie kurz bevor es scheppert. In den restlichen kanadischen Regionen und in den USA ist das Autofahren total relaxed. Sehr rücksichtsvoll, vor allem gegenüber Fußgängern (und Tretrollern). Auch ein Spurwechsel über drei Spuren ist problemlos machbar – hier würde es eine Massenkarambolage geben.

Am zweiten Tag unseres Quebec Aufenthaltes zieht es uns in die „Großgärtnerei“ Ile d‘Orleans. Die Insel liegt mitten im Sankt Lorenz Strom. Die Farmen dort versorgen ganz Kanada mit Erdbeeren und Kartoffeln. Es geht nichts über frisch geerntete Erdbeeren direkt vom Feld. Genuss pur am Straßenrand. Die Schokoladen Manufaktur streicht mir Walter aus dem Programm. Stattdessen fahren wir wieder über die Brücke zurück aufs Festland und nehmen die Montmorency Falls ins Visier. An der Zubringerstraße zum Parc de la Chute Montmorency können wir für 90 Minuten kostenlos parken. Demzufolge wird es es Speed-Dating mit den Falls. Über 83 Meter stürzt der Wasserfall in die Tiefe und ergießt sich in den Sankt Lorenz Strom. Die Niagara Falls sind natürlich nicht zu toppen, aber das hier ist auch sehr sehenswert. Eine Brücke führt über den Wasserfall, mit der ZIP-Line können besonders Profilierungssüchtige drüber rauschen und die normal Konditionierten können über eine Treppenkonstruktion die 83 Meter entlang des Wasserfalls runtersteigen. Das macht besonders viel Laune, wenn, wie bei uns der Fall, das Auto oben parkt. Aber unser neues Hobby ist ja eh überall rauf- bzw. runter zu steigen.

Montmorency Falls


Kanada Reise 2019_4

Montreal
Uns tun die Füße weh. Wir müssen auch zwanghaft immer irgendwo raufsteigen. Am gestrigen Nachmittag sind wir zwei Stunden zu früh in Montreal. Wir dürfen erst ab 16 Uhr in unser Loft. Immerhin darf das Auto schon auf den Parkplatz, der sich drei Querstraßen entfernt in einem Hinterhof befindet. Sicher geht anders. Wir nutzen die Zeit um auf Montreals Hausberg, den Mont Royal zu steigen. Insgesamt drei Stunden verbringen wir im Wald und am Berg. Der Ausblick auf Montreal, den Ontario See und den St. Lorenz Strom ist sehr gut. Leider ist es grau in grau, sodass es keine guten Fotos gibt. Auf der Aussichtsplattform des Chalet du Mont Royal steht ein altes Piano im Freien. Jeder Besucher darf darauf herumklimpern. Teilweise kommen schöne Stücke, auch vierhändig, dabei raus.

Blick über Montreal vom Mont Royal aus

Zurück in der City beziehen wir unsere Unterkunft, machen uns ein schnelles Abendessen und sind auch schon wieder weg. Zu Fuß geht es Downtown in die Maison du Jazz.

Maison du Jazz Montreal

Am nächsten Tag geht die Stadtrallye weiter. Alles zu Fuß. Nicht, dass wir nicht fähig wären uns ein Tagesticket für die Öffentlichen zu kaufen, nein es lohnt sich nicht. Wir wohnen direkt am Rande der Altstadt und alles ist fußläufig erreichbar. Außerdem sehen wir so mehr. Heute kein Museum, wir laufen die empfohlenen Sightseeing-Wege ab. Bei der Basilique Notre-Dame de Montreal zögern wir kurz, ob wir die 8 Dollar Eintritt pro Person bezahlen. Unser nächster Stopp ist in der alten Markthalle auf einen Café au lait. So gestärkt können wir wieder unserem neuen Hobby nachgehen. Leuchtfeuer hochsteigen. Der Bell Tower im alten Hafen ist kein Leuchtfeuer, sondern ein Glockenturm. 186 Treppenstufen und wir stehen mitten im Uhrwerk.

Ziffernblatt und Uhrwerk im Bell Tower
Alter Hafen Montreal

Darunter ist der Stadtstrand von Montreal. Ein Witz. Entlang des Jachthafens wurde Sand ausgebracht, einige Sonnenschirme und Stühle platziert, fertig ist der Strand. Nur doof, dass Baden hier strengstens verboten ist. Der St. Lorenz Strom ist reißend und vermutlich auch affenkalt. Eintritt kostet der Strand auch noch. Dass dieses Angebot nicht angenommen wird ist nicht verwunderlich.

Blick vom Bell Tower nach Westen

„Strand“ am St. Lorenz Strom
Baden strengstens verboten

Auf dem Heimweg lassen wir uns durch die Altstadt treiben und sehen schöne Gassen und Plätze. Sehr originell ist hier der unterirdische Fußgänger Highway. Über 33 km kann man kreuzungsfrei durch bzw. unter der Stadt laufen. Alle wichtigen Einkaufszentren, Hotels, Bürogebäude und Metrostationen sind so fix zu erreichen. Was uns sehr beeindruckt hat war, dass hier unten alles sehr sauber ist. Kein Müll, keine verpissten und stinkenden Ecken. Hochglanz 10 feet down.

Vieux Montreal

Vieux Montreal

Unterirdischer Fußgänger Highway

Kanada Reise 2019_3

Geocaching auf kanadisch – finde dein Loft und den Parkplatz
Die moderne Art ein Appartement zu beziehen ist in Kanada zum Geocaching mutiert. Die GPS Position des Schatzes wird vom Vermieter per E-Mail, mit Link zu Google Maps, übermittelt. Mit einer weiteren E-Mail wird die Position des Parkplatzes verraten. Schwierig wird es mit der Logistik, wenn der Parkplatz zwei Blocks vom Hotel entfernt liegt. Ganz wichtig ist, ausschließlich den angegebenen Parkplatz zu nehmen, weil sonst das Fahrzeug abgeschleppt wird. Die Identifikation des parkberechtigten Fahrzeugs erfolgt durch Übermittlung eines Fotos der Autonummer, Typ und Farbe. Wenn das Fahrzeug versorgt ist, folgt die nächste Hürde. Finde die Straße, die Hausnummer, die richtige Eingangstüre und die Tastatur für den Sicherheitscode für die Eingangshalle. Als nächstes ist die richtige Etage und die Wohnungstür zu finden. Die Türe ist entweder mittels Zahlencode zu öffnen oder der Schlüssel ist aus einem Minisafe, ebenfalls mittels Zahlencode, zu befreien. Bis zu diesem Zeitpunkt ist kein menschliches Wesen zu sehen und so bleibt es auch über die komplette Aufenthaltsdauer. Reklamation gehen über E-Mail oder WhatsApp. Alles ist total anonym, bis auf die Tatsache, dass das Auto identifiziert werden, ein Foto des Reisepasses sowie ein aktuelles Foto vom Passinhaber, direkt mit dem mobilen Endgerät aufgenommen, über das Onlineportal der vermietenden Organisation hochgeladen werden muss. Dies dient zur Identifikation und zum Abgleich zwischen Pass und Person. Datenschutz ist in Nordamerika nicht angekommen.

Ohne mobiles Endgerät bleibt uns der Eintritt in diesen Ausstellungssaal verwehrt

Ohne mobiles Endgerät und Kreditkarte geht es nicht. Wahrscheinlich können wir in zehn Jahren gar nicht mehr in Museen oder Theateraufführungen gehen, weil wir uns nämlich weigern, für jeden Sch… eine App runter zu laden und auch noch die Kreditkartendaten zu hinterlegen. Wir sind jetzt noch vorsichtiger, weil Walters Kreditkarte gehackt wurde. Unsere Hausbank war wachsam und hat die Karte gesperrt, nachdem innerhalb von 5 Minuten über 20 Belastungen aufgelaufen waren. Das Problem ist, dass wir mit dieser Karte ausschließlich die Hotel- und Mietwagenbuchungen getätigt haben um den Überblick nicht zu verlieren. Nun müssen wir, wenn wir zu Hause sind auf die Polizeistation gehen und Betrugsanzeige erstatten, damit uns die Beträge wieder gutgeschrieben werden.

Kanada Reise 2019_2

Toronto schläft nie. Das sagt New York ebenfalls, aber hier erfahren wir es direkt am eigenen Leib. Der CN Tower strahlt die ganze Nacht hindurch in den schönsten Farben über uns, auch der Verkehr unter uns, Fußgänger und Autos, reißt nicht ab. Wir standen gestern bis weit nach Mitternacht auf dem Balkon um das Farbspektakel über uns und das pulsierende Leben unter uns zu beobachten. Wir „wohnen“ im 12. Stockwerk und haben einen guten Überblick. Es ist Wochenende, tolles Wetter und die Menschen zieht es nach draußen. So bleich wie manche sind, ist anzunehmen, dass der Sommer hier in seinen ersten Zügen liegt. Unser Sonntagsausflug beginnt damit, dass wir unsere Kindertretroller aus dem Kofferraum holen. In Toronto gibt es keine Elektro-Tretroller zum Mieten – und das ist gut so. Wir sind rollende Exoten auf dem Radweg, teils auch auf den Gehwegen. Unser Ziel sind die beiden international anerkannten Museen, das Royal Ontario Museum und die Art Galerie Ontario (wieder zeigt sich hier die Handschrift Frank Gehrys). Bei dem tollen Wetter wollen wir gar nicht in die Museen rein, sondern nur die Architektur dieser anschauen und vor allem fotografieren. Es gibt leider keine Innenansichten. Frank Gehry hat so clever geplant, das wir seinen spiralförmigen Treppenaufgang im Inneren der Art Galerie nicht fotografieren können, ohne 25 Dollar Eintritt zu zahlen. Die derzeitige Ausstellung interessiert uns nicht, also gibt es keine Fotos. Wir rollern weiter durch die Stadt. Es gibt wenig alte und erhaltene Straßenzüge, oft wird Altes mit Neuem kombiniert.

Royal Ontario Museum in Toronto
Alt und Neu wunderschönen verzahnt

Alt und Neu an fast jeder Straßenecke
Die Kirche wurde kurzerhand umbaut

Alt und Neu in Toronto

Eaton Shopping Center
Mit je einer U-Bahnstation vorne und hinten

Unser nächstes Ziel sind die Toronto Islands im Ontario See, direkt vor Downtown Toronto. Mit der Fähre 10 Minuten. Gefühlt 100.000 Andere sind auf die gleiche Idee gekommen, denn die Schlange vor der Fähre ist unendlich lang. Im Augenwinkel hatte ich beim Vorbeirollern ein Schild eines Wassertaxis gesehen. Gleich im nächsten Hafenbecken legen Wassertaxis ab, die nur 2 Dollar mehr kosten als die Fähre. Kaum Wartezeiten, auf dem nächsten Wassertaxi haben wir Platz. Der Clou ist, dass das Wassertaxi den Preis für die einfache Fahrt aufruft. Aber die Rückfahrt von den Inseln zurück kann man mit der Fähre machen, weil das kostet dann nichts. Nun ja, eigentlich kostet das schon, man kann für die Fähre nur ein Hin- und Rückticket lösen, aber auf der Fahrt zurück muss die Fähre alles mitnehmen was da steht. Es soll kein Tourist auf der Insel bleiben. Die Verwaltung ist sehr restriktiv, es leben derzeit nur 700 Personen dauerhaft auf den Inseln, und es gibt eine Zuzugsbegrenzung, mehr soll und darf es nicht werden. Die Inselkette erstreckt sich über acht Kilometer und bietet für Segler einige Häfen, für Schwimmer erfrischendes Ontario-Seewasser. Alles gleicht einem heißen Sommertag am Bodensee. Draußen ziehen die Segelschiffe vorbei, am Strand spielen die Kinder und im Wasser wird sich erfrischt. Oma und Opa sitzen auf der Picknick-Decke und überwachen die Kühlboxen. Mit der Verpflegung ist es nämlich schwierig, aber die Erfahrenen ziehen am Wochenende mit Sack und Pack im Bollerwagen auf die Inseln. Der Ontario See hat derzeit ziemlich viel Wasser, die wenigen Ferienhäuser und Wohnhäuser sind mit Sandsäcken vor Überflutung geschützt, einige Wege sind jedoch unpassierbar, zumindest nicht mit dem Tretrollern.

Hochwasser auf Toronto Islands

So bleibt uns der Anblick des einzigen FKK Strandes am Ontario See verwehrt, oder erspart. Je nach dem.


Viel Verkehr über dem Inner Harbor
Fähren zu den Inseln, Freizeit-Segler, Motorboote und Flugzeuge im Landeanflug auf den Toronto Airport

Kanada Reise 2019_1

Von den Niagarafällen nach Toronto
Dieses Naturschauspiel zieht uns den dritten Tag in Folge in den Bann. In Buffalo bringt uns die Peace Brücke nach Kanada rüber.

Die Grenzkontrolle ist völlig stressfrei. Der kanadische Grenzbeamte fragt nach wohin, wie lange und schon haben wir den Einreisestempel im Pass. Auf dem kanadischen Niagara Parkway fahren wir bis zu den Horseshoe Falls vor. Die Niagarafälle sind von der kanadischen Seite noch spektakulärer. Nur eine Mauer trennt die Besucher von der Abbruchkante der Horseshoe Falls und die amerikanischen Falls sind aus dieser Perspektive ebenfalls super zu sehen.

Noch besser ist die Sicht vom Skylon Tower aus. Mit einem verglasten Außenaufzug geht die Fahrt in einer Minute nach oben auf die Aussichtsplattform. Es ist sehr windig, der Turm schwingt in der Tat etwas. Die Aussicht ist überwältigend. Hunderte Fotos werden gemacht und die Auswahl fällt schwer.

Niagarafälle vom Skylon Tower aus

Niagara American Falls vom Skylon Tower (Kanada) aus gesehen

Niagara Horseshoe Falls vom kanadischen Ufer aus

Niagara Horseshoe Falls

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Toronto, wo wir direkt in der City, neben dem CN Tower, unsere Unterkunft haben. Der Blick vom Balkon aus dem 12. Stockwerk hinauf zum CN Tower und durch die Straßenschluchten ist betonlastig aber trotzdem nicht unschön… es gibt eine weitere Fotosession bis weit nach Mitternacht.

CN Tower in Toronto/Kanada

Toronto bei Nacht

USA Rundreise 2019_18

Niagara Gorge Trail

Gemäß unseren Informationen gibt’s auf der amerikanischen Flussseite einen anspruchsvollen Wanderweg in der engen Schlucht des Niagara Rivers. Es ist trocken, also ist die Gefahr, dass es matschig und glitschig wird gebannt. Wir fahren zum Devil’s Cave Parkplatz, hier ist einer der drei Einstiege in die Schlucht. Es geht spektakulär los, über Steinplatten und verwitterte Stufen geht es gefühlte 200 Höhenmeter runter an den reißenden Fluss. Völlig ungefährlich und super gut in Schuss ist der Trail am Wasser entlang. Natur pur und kaum jemand unterwegs. Wir laufen die Trails 6 und 5; der Trail der weiter in Richtung der Falls führt ist leider gesperrt.

Niagara Gorge


Niagara Gorge

Teilweise können wir bis an die Wasserkante vor und sehen die vielen Races (Wirbel durch die starke Strömung). Über den Whirlpool, der einzigen Ausbuchtung in der Schlucht, lassen die Kandier von gegenüber eine vorsintflutliche Seilbahn, eine Gitterbox, sausen. Das Alter dieses Teils stellt wohl den Kick dar. Auf jeden Fall ist die Gitterbox immer gut gefüllt. Unten im Fluss tauchen am späten Vormittag immer mehr Speedboote auf, die mit Massen von Touristen über die unzähligen Stromschnellen jumpen und sich einen Spaß draus machen, die Passagiere absichtlich klatschnass zu machen.

Überhaupt ist Niagara eine nasse Angelegenheit, überall gibt’s Gummilatschen und Regenjacken zu kaufen.
Das brauchen wir heute nicht. Wir laufen den 5er Trail zurück zu den Whirlpool Stairs, steigen wieder aus der Schlucht. Dieser Zugang zur Schlucht ist der bequemste, zwar über unzählige Treppenstufen, aber richtig gut zu gehen. Für den Rückweg zum Parkplatz nehmen wir den Niagara Rim Trail, immer oben an der Abbruchkarte entlang. Gut ausgebaut wie ein breiter Waldweg. Wunderschön und absolut lohnenswert. Kaum Menschen auf dem Trail, die lassen sich lieber in die Gitterbox stopfen oder holen sich einen nassen Hintern im Speedboat. Faule Säcke!
Für das Abendprogramm stärken wir uns wieder „daheim“ und ziehen anschließend zu Fuß los. Bei uns um die Ecke, im Riverside Park spielt eine Led Zeppelin Tribute Band. Wir überlegen, landen aber schlussendlich in einer der vielen Brauereien. Auch hier Livemusik im Freien und frisch gebrautes Bier. Buffalo ist stolz auf seine Bierbrauer. (Gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot?) Unzählige Brauereien gibt’s und unüberschaubar viele Biersorten. Deutschstämmige Namen überall, der beste Supermarkt hier heißt Wegmann‘s.

42 Biersorten


Brauerei mit Ausschank

USA Rundreise 2019_17

Discover Niagara Falls State Park
Heute ist der ideale Tag für die Falls. Der Wetterdienst meldet bewölkt und 10 bis 20% Regenwahrscheinlichkeit. Donnerstags ist nicht so der Run auf die Falls und vielleicht hält die Wetterprognose noch ein paar Weitere davon ab, diesen Touristen Hotspot aufzusuchen. Trotz dem Hype um die Falls, sind sie für uns ebenfalls ein absolutes Muss. Wir werden nicht enttäuscht.
Eher durch Zufall, weil Walter schneller fährt als ich die vielen Wegweiser lesen kann, landen wir in unmittelbarer Nähe zu den Falls im Ort Niagara Falls. Hier können wir kostenlos parken. Das können wir gar nicht glauben. Walter läuft die Straße rauf und runter, nirgends ein Parkverbot-Schild. Hinter uns steht ein Wohnmobil, müsste also passen. Nach wenigen Minuten sind wir zu Fuß schon mitten im Niagara Falls Nationalpark. Keine Eintrittsgebühren. Die hervorragend ausgeschilderten Wege führen unmittelbar am Wasser entlang. Es ist möglich, direkt an die American Falls, hinüber auf die Goat Island zu den Bridal Veil Falls und dicht an die Horseshoe Falls zu gehen. Die gleiche Strecke fährt auch der Trolley Bus, Hop on – Hop off, für 3 Dollar am Tag. Das sind Preise, die sind wir gar nicht mehr gewohnt. Die Rundfahrt nehmen wir natürlich mit. Ist doch bequem, nebenbei informativ und wir bekommen einen Überblick.
Mittlerweile geht es auf die Mittagszeit zu und uns begegnen immer mehr frisch geduschte Menschen. Teils in klatschnassen Straßenklamotten, teils in gelben oder blauen tropfenden Plastikumhängen und mit quietschenden durchnässten Schuhen. Allen gemein ist ein fröhliches Grinsen. Wir entscheiden uns für die Blaukittel-Fraktion. Eine Schifffahrt mit der Maid of the Mist, hinein ins Duschvergnügen, das muss sein. Der Preis hierfür ist ebenfalls sehr moderat und beinhaltet die über die Niagara-Schlucht hinausragende Aussichtsbrücke. Wahnsinn. Mit dem Aufzug geht es hinunter zum Schiffsanleger. Kaum dass wir uns die blauen Plastikumhänge übergezogen haben gehts auch schon los mit dem Boarding. Keine Wartezeiten. Natürlich müssen wir aufs Oberdeck und selbstredend auch ganz vorne an den Bug. Alles andere wäre Pillepalle. Vorbei an den amerikanischen Falls und an den Bridal Veil Falls mit mäßig Sprühnebel geht es in die Massagedusche des Beckens der Horseshoes Falls. Es herrscht ein Winddruck, wie bei Starkwind und das Wasser bzw. der Sprüh prasselt herunter. Die Kleider bleiben soweit trocken, aber die ganze Soße läuft in die Schuhe. Wohl dem, der so schlau war und Badelatschen angezogen hat. Wir sind bei den Doofen.

Neptun mit Gattin auf der Maid of the Mist

Fahrt mit der Maid of the Mist direkt an die Falls.

Ausflugsdampfer „Maid of Mist“ mit Blaukitteln auf dem Weg in den Horseshoe Kessel vom amerikanischen Ufer aus.

Niagarafälle, links die amerikanischen und im Hintergrund mittig die kanadischen.
Die Rotkittel sind auf der „Hornblower“ die vom kanadischen Ufer ablegt

Gelbkittel Fußgänger unterhalb der Bridal Veil Falls auf der Cave of Winds Plattform

American Falls und Hintergrund Horseshoe Falls (Kanada)

Niagarafälle, American Falls

Horseshoe Falls
Ausflugsdampfer, Dusche inclusive

Zurück an Land versuchen wir die Treppen entlang der amerikanischen Falls hoch zu steigen, kehren aber in der Hälfte um. Echt zu glitschig und zu nass.
Zum Glück kommt die Sonne raus und trocknet uns auf unserer erneuten Runde durch den Park in Richtung der Bridal Veil Falls. Hier ist die Gelbkittel-Fraktion am Start. Mit dem Aufzug fährt man in die Cave of the Wind hinunter und kann auf eine Plattform, genannt Hurricane Deck, direkt an die Bridal Falls gehen. Nachdem wir die Mutigen von oben herab fotografieren, beschließen wir, dass wir für heute bereits ausgiebig geduscht haben.
Wir laufen zu den Horseshoe Falls. Die gehören bereits zu Kanada, aber der Aussichtspunkt Terrapin Point ist noch auf der amerikanischen Seite. Die Horseshoe Falls sind viel spektakulärerer, weil die Abbruchkante wirklich rechtwinklig ist und das Wasser senkrecht nach unten knallt. Unter den amerikanischen Falls liegen so viele Felsen und Schuttberge, dass die, zwar auch spektakulär, aber doch nicht so senkrecht wie die Horseshoes hinunter stürzen. Erst vor zwei Tagen, am Dienstag, ist ein Verwirrter auf der kanadischen Seite über die Mauer gestiegen und wurde von den Wassermassen des Horseshoe erfasst und mitgenommen. Er hat den Sturz, immerhin 51 Meter, wie durch ein Wunder überlebt und wurde weiter unten im Niagara Gorge mit mittelschweren Verletzungen auf einem Stein sitzend abgeborgen. Diese Meldung hatten wir zunächst als Fake eingestuft. Stimmt aber. Seriöse Medien und die Polizei haben es bestätigt.
Außer den Gelb- und Blaukitteln gibt es noch die Rotkittel. Die kommen mit den Hornblower Schiffen von der kanadischen Seite aus herbei. Gut zu unterscheiden.
Morgen gehen wir wieder hin. Wir wollen den Niagara Gorge Trail ein Stück weit laufen.