Portugiesische Gastfreundschaft

Madeira und somit Portugal ist mit Abstand das gastfreundlichste Land das wir bisher besucht haben. Es wird geholfen, wo es nur geht. Die Leute lächeln einem zu, keiner ist griesgrämig. Wir werden oft gefragt wie es uns in Madeira gefällt und alle sind daran interessiert, dass dieser gute Eindruck bleibt.
Frau fühlte sich unwohl. Und was macht Frau wenn sie sich unwohl fühlt??? Genau, sie muss zum Friseur! Hier im Resort Quinta do Lorde gibt es ja fast alles: Wellness, Massagen, Spa, Streching, Aguagymnastik und all das Zeugs. Wir befragen unsere freundliche Marinamanagerin, ob es auch einen Friseur im Resort gibt. Leider Fehlanzeige, es gibt Alles, außer Friseur. Aber sie nimmt Frau einfach am Arm mit vor die Türe, weist in Richtung Canical, dem nächsten Dorf, und auf den Marinerio Orlando. Frau geht nun zu Orlando und erklärt ihr Problem. Orlando lächelt, zückt sein Handy und vereinbart einen Termin für Frau um 17:30 beim Friseur. Orlandos Frau ist Friseurin in Canical. Orlando hat um 17:00 Dienstschluß und bringt Frau gleich zum Haareschneiden mit nach Hause. Exklusivbehandlung! Auf der überdachten Terrasse steht ein Friseurstuhl, Frau Orlando hat eine ordentliche Ausbildung hinter sich und arbeitet im eigenen Hause mit am Broterwerb für die Familie. Orlando arbeitet an Frau so zu sagen auch mit, in dem er als Übersetzer von englisch nach portugiesisch übersetzt was Frau nun für eine Frisur haben will. Am Ende ist es für Orlando selbstverständlich seinen Kunden wieder zurück in die Marina zu fahren, alles im Preis inbegriffen. Ja ja, jetzt wollt ihr Alle wissen was diese Exklusivbehandlung denn wohl gekostet hat? Ich verrate es euch —————10 Euro!!! plus freiwillige Taxipauschale.

Fest in Sao Vicente

Die ganze Woche ist Fest in Sao Vicente. Die Marina-Managerin hat uns empfohlen, dort auf jeden Fall vorbei zu schauen. Die Straßen sind geschmückt, die Autos parken wild überall, sogar im ausgetrockneten Flussbett standen einige. Die Einheimischen fahren mit ihren Autos tatsächlich überall hin, ich würde nie und nimmer eine improvisierte Sand- und Steinrampe runterfahren. Wir parken weit außerhalb und laufen ins Zentrum. Überall sind die bereits bekannten Holzkohlegrills für die Fleischspieße, jeder zweite Stand backt Brotfladen aus frischem Hefeteig, Bolo do Caco – gefüllt mit Chorizo-Wurst oder mit Knoblauchbutter. Traditionell gekleidete Tanz- und Musikgruppen treten auf. Auf der großen Bühne im Dorfzentrum übt eine lokale Rockband, bzw. ich glaube das war nicht der Soundcheck, sondern ernst gemeint. Uns gefallen in diesem Fall die traditionellen Darbietungen besser.

Funchal

Eine der Hauptattraktionen von Funchal ist die Korbschlittenfahrt. Von Monte aus geht es zwei Kilometer steil bergab in Richtung der Altstadt von Funchal. Noch vor Jahren ging die wilde Fahrt bis in die Altstadt, aus Sicherheitsgründen, weil befahrene Straßen überquert werden mussten, wurde die Schlittenbahn auf zwei Kilometer verkürzt. Nachdem wir mit der 6er Umlaufgondel von der Strandpromenade in Funchal aus nach Monte hochgefahren sind, haben wir uns die Kirche angeschaut, in der der letzte österreichische Kaiser Karl I. im Jahr 1922 beigesetzt wurde (er musste nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Ende der österreich-ungarischen Monarchie, ins Exil nach Madeira). Wir haben uns auf dem Rückweg auch den Spaß der Korbschlittenfahrt geleistet. Zwei Korbschlittenfahrer in traditioneller weißer Kleidung lenken das Gefährt, indem sie auf den, mit Seife eingeschmierten Kufen mitfahren oder auch bremsen. Ein lustiges Erlebnis. Die Zeit bis zur Rückfahrt mit dem öffentlichen Bus nach Quinta do Lorde (Buslinie SAM 113a) haben wir im Café Ritz überbrückt. Das Ritz ist ein altes klassisches Tee- und Kaffeehaus mit einer schönen Fliesenfassade (Azulejos). Man sitzt ungezwungen draußen direkt vor dem Ritz und genießt, meist spielt eine kleine Musikgruppe oder ein Alleinunterhalter.
Eine weitere Attraktion von Funchal sind die Parkanlagen und Gärten. Wir sind am nächsten Tag wieder nach Monte hochgefahren. Dieses Mal mit dem Taxi, weil wir die Bushaltestelle der gelben Stadtbuslinien 20, 21 und 22, die nach Monte hochfahren, nicht gefunden haben. Die Haltestelle ist, wohl in Absprache mit der Taxifahrergemeinschaft, das meistgehütetste Geheimnis in Funchal. Aufgrund der Großbaustelle im Bereich des Hafens, wo auch der Busbahnhof ist, sind die Haltestellen verlegt. Wir besuchen den Jardim Tropical Monte Palace. Der Garten des ehemaligen Monte Palace Hotels wurde von der Joe Berardo Fundation erworben, hergerichtet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben vielen exotischen Pflanzenarten stellt die Stiftung Kunstobjekte aus Afrika, eine Sammlung von 135 Azulejos Bilder, unter anderem mit der Geschichte Portugals, orientalische Vasen sowie im Orientgarten lebensgroße Repliken der Terrakottasoldaten aus dem Mausoleum der ersten chinesischen Kaisers (3. Jh. vor Chr.) aus. Wir verbringen den halben Tag im Garten und finden für die Rückfahrt doch tatsächlich die richtige Bushaltestelle. Für zwei Personen 3,60 Euro, statt 20 Euro mit der Seilbahn oder 12,50 Euro mit dem Taxi. Zurück zum Schiff geht es wieder mit dem SAM Bus, Fahrzeit 1 ¼ Stunden. Am Abend ist Livemusik in der Hafenbar und ab 23 Uhr übernimmt einer der portugiesischen Hotelgäste die Leadgitarre und das Mikrophon und die Veranstaltung wird zur witzigen Individualparty, teilweise mit Karaokeeinlagen.

Madeira Süd_West

Mit dem Mietwagen geht es heute die Südküste entlang nach Calheta. Wir besuchen das Centro das Artes das Mudas. Der Milliardär Joe Berardo hat seine Heimat Madeira nicht vergessen und fördert auf Madeira unter anderem die Kunst. Das Kunstmuseum in Calheta ist schon wegen seiner Architektur sehenswert (2005 für den Mies-van-der-Rohe-Preis nominiert). Dunkles Vulkangestein an den Außenwänden, die Besucher betreten das Gebäude durch das Dach, um dann drei Stockwerke nach unten zu steigen. Leider hat sich Herr Bernado derzeit nicht dafür entschieden eine Auswahl seiner 1000 Kunstwerke der Öffentlichkeit zu zeigen. Laut Reiseführer sollten dort Werke von Picasso (Werk „Tète de Femme“), Andy Warhol, Yves Klein, Sol leWitt, Henry Moore … zu sehen sein. Aktuell werden jedoch Arbeiten von lokalen jungen Künstlern auf nur zwei Ebenen gezeigt. Entsprechend enttäuscht, bzw. mit falschen Vorstellungen dort aufgelaufen, verlassen wir nach kurzer Verweildauer das Gebäude und fahren runter in den Ort. Der Ort Calheta hat zwei künstliche Badebuchten mit Sand aus Marokko und einen Yachthafen daneben. Der Yachthafen sieht leider nicht sehr verlockend aus; zwar gibt es Schwimmstege und genügend Platz, aber das Umfeld ist ziemlich ramponiert. In den Gebäuden am Hafen sind die Fenster eingeschlagen, selbst dicke Betonplatten wurden zum Brechen gebracht. Diese Schäden könnten von Unwettern her rühren, oder das ist reiner Vandalismus? Schade drum! Wir fahren weiter nach Paul do Mar, einem kleinen charmanten Fischerort am schmalen Küstenstreifen. Hier ragen die Felswände 400 Meter senkrecht in die Höhe, eindrucksvoll. Schon bei der Anfahrt über die Küstenstraße wundern wir uns über die Polizeipräsenz. Die Ortsdurchfahrt ist gesperrt, es riecht schon wieder nach Holzfeuer und Gerilltem. Wir parken außerhalb und gehen zu Fuß in den Ort mit seinen schmalen Gassen. Es ist Sonntag, Bettüberwürfe in knalligen Farben hängen an den Außenwänden der Häuser, die Bewohnerinnen wuseln durch die Gassen und legen einen Blumenteppich aus. Die Kirche, der Kirchplatz und die Gasse dorthin sind mit den schon bekannten (Plastik-) Blumengirlanden und weißen Flaggen mit rotem Kreuz geschmückt. Der ausgelegte Blumenteppich beginnt am Kirchenportal und endet am Hafen. Aktuell findet noch eine Messe statt, die über Außenlautsprecher bis in den letzten Winkel des Dorfes übertragen wird. Wir erfahren, dass nach der Messe eine Prozession zu Ehren des HERRN stattfindet. An diesem Wochenende ist auch hier das Festa do Senhor. Die Messe endet nach gefühlten zwei Stunden, die Frauen des Dorfes werden auf den letzten Drücker mit dem Blumenteppich fertig, die Prozession beginnt. Zuerst kommen die Kommunionskinder, die Messdiener, dann der Baldachin mit dem Pfarrer drunter, dahinter, fein rausgeputzt, die Besucher der Messe und zum Schluss reihen sich die restlichen Dorfbewohner und die Blumenauslegerinnen ein. Alle laufen links und rechts am Blütenteppich vorbei, nur der Pfarrer hat das Privileg über den Blumenteppich zu laufen. Zwischen den Blumen haben die Damen, farblich schön abgestimmt, blaue Weintrauben arrangiert. Nach diesem Akt fahren wir weiter nach Jardim do Mar, ebenfalls ein hübscher Fischerort mit engen gepflasterten Gassen und autofrei! Als letztes Ziel für heute haben wir uns die Pousada dos Vinháticos ausgeguckt. Pousada ist eine Art Landgasthaus, die Vinháticos liegt im unteren Drittel des alten Ecumeada Passes und ist die älteste Herberge auf Madeira. Wie immer fahren wir zunächst falsch, weil wir nicht von der Schnellstraße runter können. Wir sind im Tunnel gefangen und landen schon fast wieder in Sao Vicente bis wir endlich umdrehen können und einen neuen Anlauf starten. Das Tal Ribeira da Serra de Agua ist derzeit eine Großbaustelle und deshalb haben wir die Abzweigung von Süden kommend nicht gefunden. Im Restaurant angekommen stellen wir fest, dass außer uns nur noch zwei Gäste da sind. Später sind es acht Gäste – acht Deutsche. Neben uns ein Paar aus Stuttgart-Degerloch und Böblingen. So klein ist die Welt. Das Essen ist vorzüglich, das Beste, das wir seit langem serviert bekommen haben! Spät, sehr spät kommen wir zurück zum Schiff. Heute hat sich auch die Hundemeute nicht blicken lassen – gut für sie! Weil wir nämlich Taschenlampe und Pfefferspray parat hatten.

Madeira Nord_Ost

Die Nordküste von Madeira ist schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, das heißt zu erreichen schon, aber man kommt am gleichen Tag mit dem Bus nicht mehr nach Quinta do Lorde zurück. Wir fahren mit dem Mietwagen heute wieder an die Nordküste. Von Machico aus über Porto da Cruz, Sao Roque do Faial, Faial nach Santana. Besichtigen die im Reiseführer jeweils beschriebenen Highlights. Das besondere Highlight in Santana sind die Casa de Colmo, Hütten mit Strohdach. Ein mit Originalmobiliar ausgestattetes Museums-Strohhaus steht neben dem größten Restaurant in Santana. Es zeigt die spartanischen Wohnverhältnisse auf dem Land noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Gemeinde Santana hat einige der historischen Strohhäuser zusammengetragen und in einem Themenpark ausgestellt. Außer den Strohdachhäusern werden im Themenpark den Besuchern Rundfahrten mit Ochsenschlitten und mit winzigen Fischerbooten auf einem künstlichen Teich, Bungeejumping und Schauwerkstätten mit einheimischem Kunsthandwerk angeboten. Wir verzichten und fahren weiter nach Sao Jorge. Nach mehrmaligem Falschfahren, es gibt keine Wegweiser oder Straßenschilder (zumindest haben wir keine gesehen), bei jeder Abzweigung nach Gefühl abgebogen, finden wir doch tatsächlich die Straße zur Levada do Rei. Die Levada-Wanderung hat einen geringen Höhenunterscheid und bietet sich für den heutigen Nachmittag an. Die Wanderung wird als Wanderung mit Schwindelgefahr beschrieben. Anfangs noch auf breitem Weg durch Mischwald, durch üppigen Lorbeerwald, dann teils auf 30 cm breitem Weg direkt direkt am Fels entlang, also rechts die Levada, dann der Weg und links NICHTS. Die Wege sind jedoch gut mit Stahlseilen gesichert, sodass keine Absturzgefahr besteht. Spektakulär ist es jedoch schon. Wir sind fast alleine unterwegs, auf den 10 Kilometern begegnen uns ungefähr 10 Leute. Wir genießen die Ruhe und die Bewegung in der feuchtkühlen Luft. Die jahrhundertealte Wassermühle in Sao Jorge, die wir noch anschauen wollten, war zugeschlossen. Im Anschluss an die Wanderung fahren wir auf der abenteuerlichen Bergstraße 103 nach Ribeiro Frio. Hier ist eine Forellenzucht mit Restaurant – aber leider am Samstag geschlossen. Weiter geht es nach Camacha. In Camacha war das Korbflechterhandwerk zu Hause. Wir geraten mitten in das Festa do Senor. Die Straßen sind mit Blumengirlanden und weißen Flaggen mit rotem Kreuz, dem Symbol des Christusritterordens, geschmückt. Die Dorfjugend trägt die traditionelle Kleidung mit einen witzigen Hut. Der Hut sieht aus wie ein Klopapierrollen-Häkelüberzieher mit Antenne oben drauf. Auf dem Kirchplatz werden traditionelle Tänze und Reigen aufgeführt. Nebenan auf dem Dorfplatz dröhnt die Discomusik, riesige Fässer mit Holzfeuer liefern den Disconebel – nur nebenbei. Hauptsächlich werden auf den Holzfeuern die Espetada-Spieße (aufgespießte Rindfleischwürfel mit Lorbeer und Knoblauch gewürzt) gegrillt. Uns erschließt sich das System zum Erwerb der Spieße nicht und aufgrund des Lärmpegels können wir es auch nicht erfragen. Auf jeden Fall gibt es einen Kühlwagen, in dem ein halbes Rind hängt und der Metzger geht immer wieder rein und schneidet einige Kilo Fleisch ab. Vor dem Kühlwagen steht ein Tapeziertisch auf dem das Fleisch mit Beil, Eisensäge und Messer in Würfel geschnitten und auf einen Metallspieß aufgezogen wird. Die Leute laufen mit dem rohen Fleisch zu einem der Holzfässer und grillen ihren Spieß – so oder ähnlich läuft das ab. Klassisch werden die Fleischwürfel auf einen Lorbeerspieß aufgezogen, aber ich denke, dass hier der Schwund an Fleischstücken zu groß ist, falls der Lorbeerzweig Feuer fängt. Wir haben Hunger, schon aufgrund des Grillgeruchs. Das Café Restaurant Relógio hat trotz der Festivitäten offen und wir bekommen dort noch ein Abendessen – wir sind die einzigen Gäste und in der Küche wird bereits zur Discomusik mitgesungen und mit dem Abwasch geklappert. Wir essen und bezahlten recht zügig, damit das Personal das Fest genießen kann. Zurück in Quinta do Lorde parken wir den Mietwagen vor dem Resort und werden vom Anführer einer Meute wilder Hunde gestellt. Der Kerl fletscht die Zähne, bellt wie irre und will uns doch tatsächlich angreifen. Rückwärtsgehend, den Rucksack schützend vor dem Körper erreichen wir den Eingang. Der Wachmann hört das Gebelle, kommt mit einer starken Taschenlampe raus und verscheucht den bekloppten Köter.

Madeira_Nord

Mit dem Mietwagen fahren wir von Funchal aus quer durch die Insel nach Sao Vicente. Der alte Ortskern von Sao Vicente liegt in einem üppig grünen Flusstal. Hier verlassen wir die gut ausgebaute Schnellstraße und fahren, sofern erlaubt, die alte Küstenstraße Richtung Porto Moniz. In Seixal machen wir den nächsten Halt. Die komplette Bevölkerung ist auf den Straßen zugange, Blumengirlanden werden aufgehängt, Holzkohlegrills stehen mitten auf der Dorfstraße. Hier findet am Wochenende offensichtlich ein großes Fest statt. Die alte Küstenstraße bei Seixal ist komplett gesperrt. Ein Erdrutsch im Winter 2008 zerstörte die spektakulärste Strecke der Estrada Antiga. Hinter dem Wasserfall Veu da Noiva, der eine senkrechte Felswand hinab ins Meer stürzt, verlief in einem kurzen Tunnel die ansonsten fast frei über dem Meer schwebende Küstenstraße. Madeira gleicht jetzt einem Schweizer Käse, längs und quer von Straßentunnels für die neuen Schnellstraßen durchzogen. Wir fahren weiter nach Porto Moniz. Hier gibt es das bizarrste Strandbad, das ich je gesehen habe. Naturpools, die von der Meeresbrandung ins Lavagestein genagt wurden, von Menschenhand noch etwas badegastfreundlich mit Beton nachmodelliert. Bei Flut schwappen die größeren Wellen (und Meeresgetier) in die Naturpools und sorgen für den Wasseraustausch. Wir haben keine Badesachen dabei und es sind uns auch zu viele Reisebusse in Porto Moniz, sodass wir den Ort in Richtung Hochebene verlassen. Die Landesstraßen 101 und 105 sind Passstraßen mit engen Kehren, rechts geht es senkrecht runter und links schießt das Wasser am Fels entlang den Berg runter. Der kleine Mietwagen packt die Bergfahrt von Meereshöhe auf 1300 Meter rauf fast nicht, vor den Kehren muss in den ersten Gang zurückgeschaltet werden. Bei der Talfahrt hoffen wir darauf, dass die Bremsen durchhalten und uns kein Reisebus oder LKW entgegenkommt. Talwärts schießt ja rechts das Wasser in Rinnen den Berg runter und wenn beim Ausweichmanöver das rechte Vorder- oder Hinterrad in die Rinne rutscht, dann ist das Auto hin. Wir erreichen die Hochebene Paul da Serra, hier gibt es auch Levada-Wanderwege. Wir wollen die Levada Casata do Risco/25 Fontes begehen und stellen fest, dass die Beschreibung vom aktuellen Reiseführer auch hier daneben liegt, denn die letzten 1,5 Kilometer bis zum Einstieg in die Levada sind für den normalen Autoverkehr gesperrt. Wir parken mit gefühlten hundert Fahrzeugen auf dem Parkplatz an der Landstraße 105. Zum Rabacal-Haus, dem Einstieg in die Levadas, verkehrt ein Shuttlebus, wie wir auf halber Strecke feststellen können. Die Menschenmassen verteilen sich gut entlang der Lavada, wir können ohne Stau bis zu den Wasserfällen laufen. Kräftig grüner Baumfarn, Moos, tausende Aliumblüten, Hortensien, Lorbeerbäume und sonstige exotische Blumen, Sträucher und Bäume säumen die Levadawege. Unglaublich wie viel Wasser die Hänge und Felsen hinabfließt und mit welch unvorstellbarem Kraftaufwand bereits im 15. Jahrhundert die Levadas von den ersten Siedlern angelegt wurden, um Wasser in die Zuckerrohrplantagen zu leiten. Levadas leiten über Kilometer hinweg das Wasser von den feuchten Nordabhängen in den trockenen Inselsüden. Unter Lebensgefahr, an senkrechten Wänden in Körben hängend, schlugen die Arbeiter mit der Spitzhacke die Kanäle in die Felswand. Anfang des 20. Jahrhunderts förderte der Staat den weiteren Ausbau der Levadas; die neueren sind auch nicht mehr mit Pflastersteinen ausgekleidet, sondern mit Beton. Insgesamt sind es 2000 Levada-Kilometer. Nach unserer Wanderung nehmen wir den Shuttlebus zurück zum Parkplatz und fahren über die Hochebene in einer dicken Wolkendecke Richtung Südküste. Abendessen gibt es in Funchal in einem der Restaurants am Hafen. Der Hafen in Funchal ist derzeit eine Großbaustelle, die Zerstörungen vom Unwetter im Mai 2010 werden beseitigt und in diesem Zuge wird gleich ein neues Kreuzfahrtterminal gebaut. Gastliegeplätze gibt es derzeit keine, im ausgewiesenen Ankerfeld liegen Arbeitsplattformen für den Hafenumbau. Wir werden auf jeden Fall mit der Sunrise in der Quinta do Lorde Marina bleiben und vor dort aus unsere Inselerkundungen unternehmen.