
Im November regnet es auf Teneriffa und La Gomera im Durchschnitt an 6 Tagen. Ich befürchte, die Aussage gilt pro Insel, weil wir nähern uns den zwölf Regentagen im November. Ab Freitagmittag ist hier laut Wettervorhersage kräftig was geboten: Wind mit 7 – 8 Beaufort und Regen dazu Wellen mit 4-5Meter. Das heißt, unser Programm für Freitag steht schon. Wir bleiben im Hafen auf dem Boot und lassen den Landausflug sausen. Nur so können wir sicher sein, dass unsere Festmacherleinen und Fender dem Druck standhalten. Zurzeit herrscht die Ruhe vor dem Sturm, es ist windstill und im Hafen ist eine angespannte Atmosphäre. Einige Schiffe sind noch eilig in Richtung Süden ausgelaufen, neue Schiffe kommen nicht mehr an, weil diese lieber in sicheren Häfen das Wetter abwarten. Das Barometer fällt und fällt – wir werden sehen was kommt.
Heute hatten wir den zweiten Versuch gestartet, eine Wanderung im Nationalpark zu machen. Eine schöne Rundwanderung mit 3 Stunden durch den ursprünglichen Lorbeerwald sollte es sein. Mit jedem Höhenmeter, den wir hochfuhren wurde es feuchter. Am Wanderparkplatz Laguna Grande angekommen, regnete es Bindfäden. Wir waren uns sofort einig, dass das auch heute wenig Freude macht und so starteten wir zur Rundfahrt mit dem Auto in Richtung Hermigua, Agulo und Vallehermoso. Die Straße nach Hermigua zweigt von der Hauptstraße nach Valle Gran Rey ab und führt nach Nordwesten. Die Hauptverbindungsstraßen sind richtig gut ausgebaut und trotz der vielen Serpentinen gut zu fahren. Nach ein paar Kilometern standen Absperrungen quer über die Straße – Straße gesperrt wegen Steinschlag und Felsrutsch! Planänderung. Gut, dass wir eine detaillierte Wanderkarte von La Gomera (vielen Dank an Christine und Heinz) dabei hatten, da sind auch die kleinen Nebenstraßen drauf verzeichnet. Kurz vor der Absperrung geht links eine Piste ab, ein Schild zeigt Durchfahrtverbot für Fahrzeuge ab 10 Tonnen. Da fallen wir nicht drunter, also abbiegen. Die Piste erweist sich als gepflasterte Forststraße und da wir nicht als einziges Auto dort unterwegs waren, konnte es so falsch ja nicht sein. Entgegenkommen darf halt kein Auto, sonst ergibt sich eine schwer lösbare Situation. Wir wollen also über El Cedro nach La Palmita und weiter nach Hermigua – laut Wanderkarte eine weiße Piste, durchgehend. Da Walter zwischendurch einen Fotostopp machen musste, verloren wir unseren vorausfahrenden einheimischen Polo. Es gab nun mehrere Abzweigungen in Folge, die jeweils ordentlich mit Wanderwegschildern versehen waren. Wir fuhren nun nach den Wanderwegschildern und landeten doch tatsächlich in El Cedro. Dort gibt es einen Campingplatz und ein Restaurant. Den einheimischen Polo fanden wir auf dem Parkplatz vor dem Restaurant wieder – nur der Parkplatz war leider auch gleichzeitig eine Wendeplatte – also Sackgasse. Um es abzukürzen: Nach mehreren Versuchen die Forst- und Wanderwege, die von hier aus sternförmig abgehen, zu befahren, sind wir schließlich alles wieder zurückgefahren. Zuvor hatten wir jedoch ein Paar mit einen Kleinwagen (demnach war Autofahren hier schon erlaubt) mit deutschem Kennzeichen!!! ED – xx yy, an einer Müllsammelstelle Müll ausladen gesehen und die Oldies nach dem Weg nach La Palmita gefragt. Nun, es gab nur das Zurück auf die Hauptstraße und gaaanz außen rum nach Vallehermoso. Die Fahrt durch den „Regen“-Wald war wirklich sehr schön. In Vallehermoso hat Walter tolle Bilder vom kochenden Atlantik gemacht.

Der Atlantikbrandung und dem Felsschlag (sowie auch fehlender Konzession) ist auch das Castillo-del-Mar, vormals Schiffsanlegestelle mit Kran, letztmals Kultur-Café, Freiluftbühne und Theater, zum Opfer gefallen. Der Weg dorthin, teils vom Steinschlag zerschlagen und teils von der Brandung weggerissen – sah ziemlich übel aus. Es gibt eine website www.castillo-del-mar.com, dort kann nachgelesen werden, was in Planung ist. Weiter ging es nach Agulo (alles geschlossen, wohl keine Saison mehr) und nach Hermigua (Café Creativo hatte offen). Beide Städtchen sind ganz nett, einige schöne altkanarische Herrenhäuser mit schönen Balkonen, kleine Gässchen und herausgeputzte Kirchen. Die landwirtschaftlichen Flächen, einst mühevoll angelegte Terrassen an den Bergrücken, sind verwildert. Die Bewirtschaftung ist zu beschwerlich und zu arbeitsintensiv, die Produkte wären im Vergleich zu den billigen Importwaren (Tomaten etc.) unbezahlbar. Einzig in den Tallagen sahen wir noch Bananenplantagen und Kartoffelfelder. Vom Tourismus á la Valle Gran Rey ist der Norden von La Gomera weitgehend verschont geblieben. Ob das gut ist oder nicht, mag ich nicht beurteilen.
La Gomera_3
Es ist kalt und es hat geschneit – auf dem Teide drüben in Teneriffa. Für heute ist Sonne angesagt, am Vormittag ist herrliche Weitsicht. Wir fahren in die Berge und wollen eine kleine Wanderung ins fruchtbare Tal von Las Lajas machen. Vor lauter Fotoshooting-Stops läuft uns die Zeit davon, gute Fotos brauchen eben Zeit. Der erste Stopp ist gleich hinter San Sebastian am Mirador El Santo. Hier steht auf den Felsen eine 7 Meter hohe Christusstatue, die von oben direkt in den Hafen von San Sebastian schaut. Von der Plattform aus hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und übers Meer zum Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa.

Nächster Halt ist der Mirador Degollada de Peraza mit wunderbarer Aussicht auf die Gebirgslandschaft und in den Barranco. Hier ist der Ausgangspunkt unserer Wanderung nach La Laja – aber es ziehen, wie immer mittags, dicke Wolken auf und es fängt an zu nieseln. Darauf waren wir nicht vorbereitet. Die Wanderung wird verschoben. Weiter geht es zum nächsten Aussichtspunkt, dem Mirador de los Roques –ein weiteres Postkartenmotiv.

Unser neues Ziel für heute ist das Valle Gran Rey im Südwesten. Auf dem Weg dorthin kommen wir noch am Mirador de Palmarejo vorbei, mit einem von Cesar Manrique gestalteten Panoramarestaurant in den Steilwänden oberhalb vom Valle Gran Rey. Schade – es hat geschlossen. Nein, kein Ruhetag, es hat einfach nur zu. Aber der Blick ins Valle Gran Rey ist trotzdem phantastisch.

Unten angekommen gehen wir zuerst ins Hafenviertel Vueltas. Vom ehemaligen Hippietreff ist nicht viel übrig geblieben. Playa de la Caleras, Playa de la Puntilla und Charco del Conde sehen aus wie alle anderen Touristenhochburgen auf der Insel, aber irgendwas ist doch anders an diesem Ort. Man hat einfach das Gefühl an einem besonderen Ort zu sein, hier geht alles noch ein bisschen entspannter zu, es ist sehr überschaubar und doch angenehm. Kleine Läden, Cafés und Restaurants gibt es viele, aber hier herrscht ein anderer Geist. Nicht das übliche TV oder gar Musikvideos in Hintergrund, nein einfach nur der Wind die Wellen und das Meeresrauschen, keine billige Touristenanmache. Die einzige Musik erleben wir vor der legendären Bar Casa Maria, dort ist eine Trommlerformation zum Sundowner angetreten. Es wird getrommelt bis die Sonne untergegangen ist und der Regen eingesetzt.

La Gomera_2
Seit gestern regnet es. Nicht so, wie bei uns zu Hause, dass es anfängt zu tröpfeln der Regen langsam einsetzt und sich dann eventuell bis zum Starkregen steigert. Nein, hier setzt für 5 Minuten Starkregen ein und das etwa 4 – 5 Mal in der Stunde. Dazu bläst ein starker Wind aus Nord und es ist kalt. Wer unterwegs ist und auf die Schnelle keinen Unterstand findet, ist im Nu durchnässt bis auf die Knochen. Am Freitag Nachmittag hatten wir im Trockenen noch einen Spaziergang zum Parador-Hotel hoch über San Sebastian gemacht. Von hier ist dieses Panoramafoto aufgenommen.

Am Samstag konnten wir mit 3-4 Zwischenstopps einigermaßen trocken den Bauernmarkt im Zentrum von San Sebastian erreichen. Hier werden einheimische Produkte angeboten. Wir haben Engadiner Apfelkuchen und Käsekuchen von einer (hängengebliebenen) Schweizerin gekauft, der Stand gegenüber hatte eine große Auswahl an Obst und Gemüse (leider stand auf der Apfelkiste der Ursprung Südtirol). Der Stand des Fleischers sah sehr appetitlich aus und ich habe zwei Kalbsschnitzel gekauft – in der Hoffnung, dass es sich tatsächlich um ein ehemals regionales Rindvieh gehandelt hat. Mit gemischtem Salat (vom regionalen Markt), Zitronenreis und Zitronensauce hat es sehr lecker geschmeckt. Heute war wieder lazy Sonntag angesagt. Außer zum Duschen (warm!!!) bin ich nicht aus dem Schiff rausgekommen. Stattdessen habe ich zum zigten Mal die RTFM (read the fu….. manual) des Airmail-Programms (Sailmail-Primer) sowie die dazugehörenden FAQs gelesen. Walter hat parallel das Buch Amateurfunk an Bord von Rüdiger Hirche gelesen – weggelegt – gebruddelt –wieder in die Hand genommen und weiter gelesen. Diese Prozedur hat sich im Laufe des Regennachmittags mehrfach wiederholt und wurde nur kurz durch den Schweizer Käsekuchen unterbrochen. Eines ist sicher, die Funke und ihr Pactor sind und werden mit Sicherheit nicht unsere Lieblingsgeräte an Bord.
Highlight des Sonntagabends waren die 25 lautstarken Demonstranten plus Kinder, die auf dem Plaza de la Amerika demonstriert haben. Es ging gegen die von der spanischen Regierung erteilte Tiefsee-Ölbohrungslizenz für den Konzern Repsol. Repsol will zwischen den Kanaren und dem afrikanischen Festland nach Öl bohren – unvorstellbar, was ein Ölunfall vor den Kanaren für die Ökologie und auch den Tourismus bedeuten würde. Die Bewohner der Inseln leben zum Großteil vom Tourismus. Ein Referendum, das heute auf den Kanaren durchgeführt werden sollte, wurde von der spanischen Regierung schon im Vorfeld als nicht gesetzeskonform abgelehnt. Es wurde sogar mit Sanktionen für die Inselregierungen gedroht.

http://www.canariasdicenoarepsol.com/nein_zur_olforderung.html
La Gomera
Die Überfahrt von Teneriffa nach La Gomera hat uns auf der kurzen Strecke von rund 25 Meilen einen bunten Querschnitt durch die Wetterküche gezeigt. Sonne, Starkregen, Flaute, Böen mit 33 Knoten, lange Atlantikdünung (mittig zwischen den Inseln), Kreuzseen (Tenerife Sud) und ruhige See vor der Hafeneinfahrt von La Gomera. Punkt 8 Uhr sind wir in San Miquel los. Wir hatten beschlossen loszugehen, falls der Wind unter 15 Knoten im Hafen bläst. In der Nacht hatte es aus Südwest noch ordentlich durch den Hafen gedüst, aber der angekündigte Starkregen blieb aus. Die Wolkengebilde am Himmel gaben uns jedoch den Hinweis, die wasserdichten Jacken schon mal in Griffweite zu haben. Der Seegang vor Pta Rasca (Tenerife Sud) war für den Magen in den frühen Morgenstunden sehr grenzwertig, anrollende Atlantikdünung in Richtung Südwest und dagegen die Windsee der Süd- Südwestwinde der letzten drei Tage. Das Vorschiff wurde recht gut gespült und ab und zu mussten wir hinter der Sprayhood in Deckung gehen, um keine Salzwasserdusche abzukriegen. Besser wurde es als wir mittig zwischen den beiden Inseln waren. Hier hatte sich die Atlanikdünung durchgesetzt. Sie war angenehmer, weil sie zwar höhere Wellen, aber auch längere Wellen brachte, sodass sich das Schiff hebt und senkt ohne mit voller Wucht in die Wellen zu stampfen.

Nur der Blick in den Himmel verhieß nichts Gutes – rechts von uns ein dickes fettes schwarzes Wolkenband mit Zugrichtung Teneriffa. Sehr viel Regen haben wir nicht davon abbekommen, nur die Gewitterböen mit 33 Knoten, die uns jedoch nichts ausgemacht haben, da wir die Segel nicht gesetzt hatten. Weiter südlich stand ein weiteres schwarzes Wolkenband, das uns ebenfalls verschonte. In den Abendnachrichten im spanischen Fernsehen (in jeder Kneipe plärrt das Fernsehen in voller Lautstärke, sodass die Leute auf der Straße kostenlos mit Informationen versorgt werden. Üblicherweise läuft Fußball) konnten wir sehen, dass es auf Teneriffa und auf El Hierro heute Nachmittag Starkregen, übergelaufene bzw. verstopfte Kanäle und Überschwemmungen gegeben hat. Da sind wir ja mal wieder richtig gut weggekommen, in San Sebastian auf La Gomera schien nämlich die Sonne als wir angelegt haben. Die Marina in San Sebastian auf La Gomera ist sehr gut organisiert. Die Stege und die sanitären Anlagen (warmes Wasser und sauber) sind nur mit Codekarte zugänglich, das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Die Dame im Marinaoffice hat mir gleich einen zweiten Zugangscode für das kostenlose WiFi-Netz gegeben. Für meinen Mann, sagte sie, es ist immer gut, wenn die Frauen shoppen gehen und der Mann auf das Schiff aufpasst und beschäftigt ist. Na dann! Wobei shoppen nicht wirklich zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Aber die Butter war aus und frische Früchte waren in San Miquel auch nicht zu bekommen, deshalb ging es zu zweit in den Supermarkt. Auf dem Rückweg sind wir am China-Restaurant gestrandet, das gerade für die Abendgäste öffnete. Für Walter Nr. 31 gebratener Eierreis mit Garnelen, für mich Nr. 93 Garnelen mit Gemüse und Reis und zwei Gläser Bier für unter 20 Euro. Kannst nicht meckern – und die Bordküche bleibt sauber.
San Miquel_2
Der Wille war da! Auf unserer Seite und auch auf der Seite des spanischen Staates/der Gemeinden/Investoren. Unser Vorhaben für heute: An der Felsküste entlang auf der ausgewiesenen Route in Richtung Montana Roja zu laufen. Ein gemütlicher Spaziergang, an der Küste entlang. An den beiden Golfressorts vorbei, auf gepflegten gepflasterten Wegen, weiter an den Residentenanlagen entlang (Residenten werden hier Pensionäre genannt, die hier leben oder den Winter in ihren Ferienwohnungen verbringen) und durch den ersten Barranco (Felsschlucht) durch. Dass der Weg durch den Barranco natürlich nicht gepflastert ist, ist ja logisch, aber dass der ausgewiesene Promenadenweg anschließend über Stock und Stein weitergeht, haben wir nicht erwartet, war uns aber egal. Weiter ging es durch den nächsten Barranco in das Fischerdorf Los Abrigos mit einer traditionellen Bootswerft und vielen schönen Fischrestaurants direkt auf den Felsen. Da wir zur Mittagszeit nie eine warme Mahlzeit zu uns nehmen, mussten wir die freundlichen (unaufdringlichen) Angebote der Wirte, bei ihnen Platz zu nehmen, ablehnen.

Wir stiefelten weiter zu einem wunderschön gestalteten Aussichtspunkt, der aussah, als hätte Cesar Manrique hier noch die Hand im Spiel gehabt. Die Stufen, die vom Aussichtspunkt hinab in den nächsten Barranco führten, führten buchstäblich ins Nichts. Die letzte Stufe ragte ins Freie und einen halben Meter darunter die Steine und Felsen der Schlucht. Auch diese Schlucht durchquerten wir, weiter in Richtung Montana Roja. Nun fing es jedoch an, sehr unappetitlich zu werden. Der Weg war nicht mehr so genau auszumachen, überall illegale Bauschutthalden, Wohlstandsmüll und auch Tretminen-Hinterlassenschaften (vom Menschen, erkennbar am Klopapier, das in den Kaktusfeigen flattert). Wir hatten keine Lust mehr, durch diese von unseren Artgenossen verschandelte Natur zu laufen und haben unseren Spaziergang abgebrochen. Der gute Wille ist überall erkennbar, nur mangelt es an Geld die Vorhaben zu Ende zu führen. In den Dörfchen teilweise schön hergerichtete Plätzchen, um die Ecke dann Schutt und Müll. Auch hier auf Teneriffa gibt’s viel Unvollendetes. Sehr viele Bauruinen stehen hier, weil offensichtlich die Investoren pleite gegangen sind.

Der große Boom scheint längst vorbei zu sein. Die Hotels sind froh, wenn sie gebucht werden und neue Hotels entstehen mit höchstem Risiko. Auch angefangene Privatbauten, stehen schon wieder kurz vor dem Verfall. Am schlimmsten jedoch ist die Vermüllung der wunderschönen Natur.
Hier der spektakuläre Blick auf den Teide, vom Cockpit aufgenommen.

San Miquel
Der Aufenthalt in der Marina Santa Cruz de Tenerife hat mich in den letzten Tagen zunehmend genervt. Die ständigen Abgase der Fähren und der Kreuzfahrtschiffe im Nachbarbecken zogen direkt in den Yachthafen, mit dem Ergebnis, dass das ganze Schiff außen und auch innen mit schwarzen Rußpartikeln gespickt war. Die Fähren sowie auch die Kreuzfahrer lassen zur Energieversorgung Tag und Nacht die Dieselmaschinen laufen und erzeugen mit dem verbrannten Schweröl eine dermaßen verpestete Luft, dass die Abgaswerte, wenn sie denn gemessen würden, sicher über jeglicher Grenze lägen. An das Motorengeräusch hatte ich mich gewöhnt, nicht aber an die verpestete Luft. So war es nur logisch, dass wir heute in Santa Cruz die Leinen gelöst haben und nach San Miguel im Süden von Teneriffa verlegt haben. Bei absoluter Windstille legten wir ab. Als wir dann nach zwei Stunden 8 Knoten Wind von achtern hatten und das Vorsegel ausrollen wollten, fing der Zeiger auf der Windrose an zu rotieren. Nun: Wind direkt auf die Nase mit 5 – 7 Knoten. Das war uns dann doch zu wenig, um die Segel zu setzen und nach Süden aufzukreuzen. Kurz darauf verschwand die Sonne hinter einer dicken Wolke. Es entwickelte sich ein dickes fettes Wolkenband, das zirka 5 Seemeilen aufs Meer hinaus und weit ins Landesinnere hinein ging. Nördlich und südlich davon volle Sonne und wir direkt unter einer sich entwickelnden Gewitterzelle. Der Wind unter der Gewitterzelle nahm stetig zu, bis zu 25 Knoten direkt auf die Nase. Blöderweise zog die Zelle mit uns nach Süden, schnell bauten sich auch die Wellen auf. Das einzig Gute an der Situation war, dass das überkommende Salzwasser gleich durch den einsetzenden Regen wieder abgespült wurde. Das Seegebiet, in dem sich die Marina San Miguel befindet, liegt in der Accelerations-Zone, in der der Wind um bis zu 15 Knoten zunehmen kann – bei den üblicherweise vorherrschenden Winden aus dem Nordquadranten. Hierauf waren wir vorbereitet. Aber nun kam der Wind genau aus der anderen Richtung nämlich aus dem Süden, und da wollten wir ja hin. Die Marina von San Miguel ist nicht ganz einfach anzulaufen, da direkt neben der Hafeneinfahrt die Felsen ins Meer gehen und die Wassertiefe dort nur 2 Meter beträgt. Bei 25 Knoten Wind hätten wir abgedreht und wären nicht in den Hafen rein, aber als wir kurz vor der Einfahrt waren, hatten wir nur noch 17 Knoten und der Marinero hat uns über Funk wissen lassen, dass die Einfahrt in die Marina möglich sei. Wir hatten auch gleich drei freundliche Anlegehelfer, sodass wir nun sicher an zwei Mooringleinen hängen. Die Marina San Miquel ist eine private Marina und gegenüber liegt das dazugehörende Golfressort. Hier die Aussicht von unserem Cockpit:

Hier müssen wir bis Donnerstag verweilen. Wir haben in San Sebastian, La Gomera eine Reservierung ab Donnerstag und sie wollen uns nicht zwei Tage früher in den Hafen lassen.
Tenerife_7
Kleine Schiffe, kleine Sorgen – große Schiffe, große Sorgen
So, oder ähnlich könnte man dies beschreiben. Auf Lanzarote hatten wir die Sunrise aus dem Wasser genommen und die ganzen „Winterarbeiten“ erledigt. Auch hatten wir unseren Goripropeller akribisch gepflegt, nachdem wir ein Netz gefangen hatten. Auf der Überfahrt nach Teneriffa konnten wir aber weniger Fahrt als gewöhnlich aus dem Propeller kitzeln. Bei Marschfahrt waren wir etwa einen Knoten langsamer als gewohnt. Dies im Hinterkopf wollten wir der Sache auf den Grund gehen und montierten unsere GoPro-Kamera im wasserdichten Gehäuse auf einen Stativfuß, den wir dann einfach unter das Schiff hielten und ein Video machten. Der Clip zeigte, dass der Faltpropeller nicht ganz geöffnet war, was zunächst nicht schlimm ist. Durch Starten des Motors und Einlegen des Vorwärtsganges sollte sich der Propeller eigentlich ganz entfalten. Ein zweites Video brachte uns aber das gleiche Ergebnis wie zuvor. Also erörterten wir unsere Möglichkeiten. Einen Taucher, einen Krantermin oder gar selbst tauchen. Wir entschieden uns für die Lightversion – selber Tauchen! Zuerst musste aber das nötige Equipment beschafft werden. Selbst auf Tenerrifa zu dieser Jahreszeit nicht einfach. Werden doch zur Zeit hier eher Plastikweihnachtsbäume als Flossen und Taucherbrille verkauft.

Ich erstand bei El Corte Inglese eine Schwimmbrille; die Flossen müssen noch auf mich warten, da nicht mehr im Sortiment. Das größere Problem war aber das schmutzige und kalte Hafenwasser. Es kostete einige Überwindung bis auch der Kopf unter Wasser war. Schon nach dem ersten Tauchgang konnte Entwarnung gegeben werden, der Propeller lässt sich leicht bewegen. Also außer Spesen und ein paar Schürfwunden vom Muschelbewuchs am Steg, nichts gewesen. Alles nur blinder Alarm.
Was aber eine aufgegangene Naht an einem Vorsegel bei einem Großsegler bedeutet zeigt unser heutiges Beitragsfoto. Viel Aufwand wegen einer Kleinigkeit.

Was wiederum belegt: Kleine Schiffe, kleine Sorgen – große Schiffe, große Sorgen.
Neues Video auf unserer Website
Tenerife_6
Eine weitere Wanderung führte uns am Montag zum Organos Höhenweg oberhalb von Aquamansa. Dieses Mal trifft die Bezeichnung Wanderung zu, wir waren 4 Stunden unterwegs. Diese Region ist sehr regenreich, das Dörfchen Aquamansa hat seine Bezeichnung zu Recht, es heißt mildes (Regen)-Wasser. Nachdem wir zwei Stunden durch den Lorbeer- und Kieferwald unterwegs waren, hatten wir den höchsten Punkt (1600 Meter) erreicht und sollten eigentlich einen ausgezeichneten Ausblick auf das untere Orotavatal und den Teide haben – nur leider war die Wolkendecke so dicht, dass wir überhaupt nichts erkennen konnten. Außerdem fing es an zu nieseln. Nach kurzer Rast gingen wir 10 Meter weiter um einen Fels herum und ein weiß-rotes Absperrband leuchtete uns entgegen. Hier ging es nicht mehr weiter, Weg gesperrt. Wahrscheinlich zu glitschig oder wegen Steinschlaggefahr. Nicht, dass am Ausgangspunkt der Wanderung irgendwelche Hinweise waren – nein. Der Wanderweg war ausnahmslos gut gekennzeichnet, nichts deutete auf die Sperrung hin, aber irgendwie hatten die Franzosen, die uns kurz vor dem Absperrband begegneten so ein komisches Grinsen im Gesicht. Die paar Minuten Aufstieg hatten uns auch nicht geschadet, ätzend und glitschig war der Abstieg. Die Route war so angelegt, dass am Anfang ein schneller steiler Aufstieg auf 1600 Meter erfolgt und der Abstieg sich dann lang und gemächlich zieht. Notgedrungen mussten wir ja den Aufstiegsweg wieder zurück, wir haben es „überlebt“ und im letzten Drittel sind wir auf dem bequemen Forstweg unterhalb der Orgelpfeifen-Felsen gegangen, der als Aufstiegsalternative ausgewiesen war. Mit dem Auto nach Santa Cruz zurück ging es über die spektakuläre TF 21 Höhenstraße. Zuerst ging es bergauf und als wir über der Wolkendecke waren, lag der Teide und der Felsengarten Roques de Garcia in der Abendsonne vor uns. Die Landschaft ist so bizarr, dass man sich nicht sattsehen kann.

Nach den obligatorischen Fotostopps ging es weiter. Die TF 21-Straße führt auf der östlichen Inselseite über Vilaflor und Granadilla wieder hinunter zum Meer und auf die Autobahn Richtung Santa Cruz. Die Sonne ging so eindrucksvoll in der Wolkensuppe unter, dass Walter beschlossen hatte, am nächsten Tag eine Zeitrafferaufnahme von diesem Szenario zu machen.

So fuhren wir also am Dienstag zunächst in den Süden, um unseren nächsten Hafen San Miquel schon mal von Land aus zu inspizieren und vor allem um nachzuhaken, ob hier unsere Liegeplatzreservierung vermerkt wurde (war sie nicht – aber wir durften uns für den 17. November anmelden). Die Marina zu finden, war eine echte Herausforderung. Es gibt nämlich an der Küste kein Dorf mit dem Namen San Miguel. Das Dorf San Miguel liegt hoch droben in den Bergen. Wir wussten ja aus der Seekarte (lag praktischerweise im Schiff) wo ungefähr die Marina liegt, so sind wir dann an drei verschiedenen Autobahnausfahrten abgefahren, jeweils ans Meer vor, auf die Klippen gestiegen um einen Rundumblick zu haben. Beim dritten Anlauf haben wir in der Ferne Masten blitzen sehen. Also der Nase nach Richtung den Masten. Ganz so einfach war dieses Unterfangen aber auch nicht, weil wir in einer Endlosschleife im Golfressort Amarilla gelandet sind. Letztendlich, kurz bevor Walter die finale Krise bekommen hat, haben wir ein kleines Marina-Schild gesehen und wurden umgehend in ein weiteres Golf-Ressort geleitet. Nein, dieses Mal keine Endlosschleife, sondern ein weiteres Schild, auf dem sogar Marina San Miguel stand. Nachdem alles mit dem Marinaoffice geklärt war, hatten wir uns den Apple-Pie und den Kaffee wirklich verdient. Dann ging die Fahrt weiter auf der TF 64 und der TF 21 wieder in Richtung Nationalpark. Nachdem wir die Wolkendecke durchstoßen hatten, hat Walter eine Stelle gesucht, um die GoPro Kamera aufzubauen und sein Zeitraffer-Szenario „Wolkenmeer von Teneriffa“ zu machen. Knapp zwei Stunden saßen wir unterhalb der Straße in den Felsen und haben die Sonne und den Sonnenuntergang genossen.
Tenerife_5
Wandern auf Teneriffa
Die Temperaturen sind merklich gesunken. Zeitweise haben wir in den Bergen nur noch 15 Grad, also die ideale Temperatur um kleinere Wanderungen zu unternehmen. Von Santa Cruz de Tenerife sind es nur ein paar Kilometer in den Norden ins Anaga-Gebirge. Hier, auf 900 Meter Höhe, haben wir die Höhenroute zwischen El Bailadero und Chamorga durch den märchenhaften Nebelurwald gemacht. Auf halber Strecke liegt der Roque de Anambro, ein Guanchenheiligtum (Heiligtum der Ureinwohner). Das nächste Highlight ist der Aussichtspunkt Cabezo del Tejo, tief unten sieht man die zerklüftete Westküste. Vom Aussichtspunkt führt ein breiter Weg zurück zur Straße und dann zum Parkplatz.
Eine weitere Wanderung führt uns von Garachico an der Westküste 500 Höhenmeter in Serpentinen hoch nach San Juan del Reparo. Beschrieben war eine gemütliche Wanderung durch den von Kiefern besiedelten Hang. Gemütlich ist anders, ich fand es ziemlich schweißtreibend, die Sonne stand doch sehr in den Hang rein und die Kiefern waren eher Latschen, also kein Schatten. Unbestritten ist jedoch, dass wir einen herrlichen Ausblick über das Städtchen Garachico, die Küste bis Puerto de la Cruz (rechts) und Buenavista del Norde (links) hatten. Oben angekommen mussten wir uns erst auf die Bänkchen vor der Kirche legen und unsere verschwitzen Klamotten von der Sonne trocknen lassen. Zurück nach Garachico wollten wir knie- und gelenkschonend per Bus, aber der fährt nach Icod und dort hätten wir in den Bus nach Garachico umsteigen müssen. Da nirgends Fahrpläne aushängen und außerdem Sonntag war, sind wir dann doch die 500 Meter wieder abgestiegen. Zur Belohnung gab es in dem, von König Juan Carlos I mit der Goldmedaille für schöne Künste prämierten Städtchen ein frühes Abendessen (Gemischter Salat, gegrillter Fisch und kanarische Kartoffeln).

