Es wird ernst. Aeolus, Gott und Herrscher der Winde, meint es ebenfalls ernst. Jedenfalls schickt er uns einen Nordostwind mit 5 Beaufort. Das ist ja ganz in Ordnung, aber in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird er munter und frischt auf 6 – 7 Beaufort auf. Das ist nicht so ganz das, was wir uns für die erste Nacht auf See vorstellen.
Heute am Abend war auf jeden Fall das Skipperbriefing und der farewell Umtrunk im Real Yacht Club hier in Santa Cruz. Der Bürgermeister von Santa Cruz, der Vertreter der Inselregierung, der Yachtclub-Kommodore, der Marina-Manager und die Repräsentanten der Odysseey haben Grußworte an uns gerichtet und uns gute Fahrt gewünscht. Ja, das wünschen wir uns auch.
Besonders gefreut haben wir uns über den Besuch von Joanna und Marcel mit Nico, die extra eine einstündige Fahrt quer durch die Insel auf sich genommen haben, um uns alles Gute zu wünschen. Den Abend haben wir auf der Sunrise ausklingen lassen. Steffi und Tomy von der Yemanja haben unsere eigene farewell Runde komplettiert. Wir sehen uns auf jeden Fall irgendwann und irgendwo auf diesem Planeten wieder! Versprochen.
Atlantic Odyssey_1

Programm heute: Vortrag über Yachtpiraterie von Klaus Hympendahl im Yachtclub von Santa Cruz de La Palma. Es gibt in Venezuela, an der Küste der Paria-Halbinsel nach wie vor Überfälle auf Yachten, auch die Isla Margherita, Porlamar, ist nicht unbedingt der sicherste Ort für Yachten. Die meisten der Antilleninseln sind sicher, St. Vincent hat nach wie vor einen schlechten Ruf. Die einheimische Bevölkerung ist teilweise sehr verarmt, weil die Fischgründe um die Inseln überfischt sind und so die Fischer ihre Familien nicht mehr ernähren können. Die Überfälle auf Yachten sind der Armut, aber auch dem Neid geschuldet. Hunderte von Yachten, ausgestattet mit Hightech, ankern vor den Stränden und den ärmlichen Hütten der Fischer. Es ist menschlich, dass hier der Neid aufkeimt. Wer möchte nicht gerne die neuesten Geräte mit dem Apfellogo haben?
Am Vormittag haben wir unseren Positionstracker erhalten. Jeweils um 0:00, 8:00 und 16:00 Uhr UTC wird die Schiffsposition übermittelt und der Track kann auf der Website der Atlantic Odyssey verfolgt werden. Aber bis dahin sind es noch 4 Tage. Morgen ist erstmal Provianteinkaufen angesagt. Rhyanna (spricht holländisch, deutsch, englisch, französisch und spanisch) begleitet uns zum Markt. Wir wollen am Mittwoch ganz frisches Obst, Gemüse und Eier geliefert bekommen. Wir rechnen mit einer Überfahrt von 21 Tagen plus Reserve für weitere 3 Wochen. Ganz schön schwierig, hier den Bedarf für 2 Personen zu berechnen. Das Obst und Gemüse wird sich nicht so lange halten, schaun mer mal.
Es wird eine SSB Funkrunde geben. Gary von der Neptune II wird das organisieren. Sehr beruhigend für mich.
Happy hour:

Vorbereitung für die Odyssey
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Auf den Schiffen wird gewienert, Wäsche gewaschen, Ladungen von Lebensmitteln werden angeliefert, ständig hängt auf irgendeinem Schiff eine/r im Mast, es wird gebohrt und geschraubt und die letzten Kleinigkeiten nachgerüstet.Gestern war die Welcome Party in der Marina und heute die erste Frage/Informationsrunde im ehrwürdigen Yachtclub von Santa Cruz de La Palma.

Wir fühlen uns sehr wohl unter den Teilnehmern der Odyssey. Die Fragerunde und auch die komplette Kommunikation findet in Englisch statt und wir müssen uns sehr konzentrieren alles zu verstehen. Na ja, alles verstehen wir nicht wirklich, aber die wichtigsten Dinge wohl und außerdem ist Klaus Hypmendahl als Eventmanager for Germany hier. Dinge, die uns nicht so ganz klar sind, besprechen wir mit ihm kurz auf Deutsch. Leider gibt es nur drei Schiffe in der Gruppe, die eine SSB-Funkanlage an Bord haben. Wir werden versuchen, trotzdem eine SSB Funkrunde zu haben. Diese Technik scheint jedoch überholt zu sein; die restlichen Schiffe haben Satellitentelefone an Bord. Wäre wohl auch für uns die bessere Wahl gewesen. Wenn ich die Investitionskosten für das ICOM 802, den SCS Pactor IV, den Antennentuner, die isolierte Achterstagantenne und die Kosten für die Arbeitszeiten zusammenrechne, hätte ich das Satellitentelefon und hunderte Gesprächsminuten bezahlen können. Aber, wie heißt es so schön: Hätte, hätte, Fahrradkette und außerdem ist bei uns ja der Konjunktiv verboten. Wir leben mit dem was ist und nicht mit dem was hätte sein können. Jedoch dicke Freunde werden wir und die Funke und ihr Pactor nicht.
Der Spruch des Tages kommt von unseren australischen Nachbarn und bezieht sich auf die bewegte Marina hier: it´s not a marina, it´s a washing machine. Das stimmt leider.

Aber die Marina arbeitet mit Hochdruck daran, den Schwell in der Marina zu mindern. Es wird eine Art Schleuse gebaut werden (im Frühjahr 2015), sodass die Boote hier ruhiger liegen. Das Marina-Management, die Mitarbeiter/innen hier sind überaus zuvorkommend und hilfsbereit; sie tun mir schon fast leid, immer die geräderten und unausgeschlafenen Segler ertragen zu müssen
Santa Cruz de La Palma

Weihnachten 2014 verbrachten wir zu Hause in Weinstadt mit der Familie. Es waren sehr harmonische Weihnachtsfeiertage, was vor allem daran lag, dass wir tiefenentspannt erst am 22.12.2014 angereist sind. Früher war es immer so, dass am 24. vormittags noch unaufschiebbare Büroarbeiten und sonstige Aufträge erledigt werden mussten und wir direkt von der Arbeit in die Feiertage geplumpst sind. Von Feiertagsstimmung keine Spur – auch die Vorbereitungen schwankten zwischen Chaos und Hektik. Das ist Historie. Wir hatten sogar weiße Weihnachten, denn am 2. Weihnachtsfeiertag morgens war alles dick verschneit und die Temperatur lag weit unter null Grad.

Seit dem 29.12. sind wir nun wieder in Santa Cruz de La Palma. Unser Schiff hat den schwelligen Hafen gut überstanden, nur die Leinen, die teilweise im Wasser hingen, sehen grünschwarz aus. Von den 16 Schiffen, die am 08. Januar 2015 im Rahmen der Atlanic Odyssey gemeinsam über den Atlantik nach Maritinique segeln, sind 11 Schiffe bereits hier. Gleich am 29. abends haben die beiden australischen Crews zum „get together“ in die Pizzeria in der Marina La Palma geladen. Die Sitzplatzaufteilung, die sich ergeben hatte, war total genial. An der langen Tafel saßen erst die englischsprachigen Teilnehmer (GP, Aussis, Dänen), dann die deutschsprachigen (Österreich und Deutsch), dann die zwei Belgier und am anderen Ende die Franzosen. Die Belgier waren den ganzen Abend mit dem Übersetzen beschäftigt. Sie sprechen französisch, flämisch und englisch. Flämisch ist eigentlich niederländisch und dadurch verstehen und sprechen sie ja auch sehr gut deutsch. Es wurde ein langer Abend.
Heute war auspacken, verstauen und Schiffspflege angesagt. Wir haben 20 Kilo Material von Deutschland eingeflogen. Ein Wunder, dass unsere Reisetasche überhaupt befördert wurde. Es befanden sich Elektroteile, Saugpumpe, Solarlüfter, Befestigungsmaterialien, Rollen und Blöcke, Zinkanoden, Bohrmaschine, u.v.m. darin. Das war wohl alles kein Thema, aber die zwanzig 3er-Packungen Erdnüsse im Handgepäck waren nicht so erwünscht. Die Tasche musste mehrfach durchleuchtet werden und die Zolldame musste Rücksprache nehmen, ob wir das mitnehmen dürfen. Sind schon echt gefährlich, die eingeschleusten Erdnüsse! Wer weiß, was die da mit eingeschweißt haben.
Frohe Weihnachten
La Isla Bonita_9
4. Advent
Seit gestern liegen wir in der Marina La Palma in Santa Cruz. In Tazacorte sind wir morgens um 10 Uhr bei Sonnenschein, Flaute und spiegelglatter See ausgelaufen. Bis zum Vulkan San Antonio, fast an La Palmas Südspitze änderte sich dies auch nicht. Nur 2 Seemeilen weiter, auf der Höhe des Leuchtfeuers Fuencaliente fanden wir eine komplett andere Situation vor! Wind auf die Nase mit 25 bis 27 Koten und weiße Schaumkronen auf dem Wasser. Die Wellenhöhe betrug zirka 3 Meter. Kapeffekt nennen die Segler dies. Weiter um die Südspitze von La Palma herhum drehte der Wind mit und düste uns weiterhin voll auf die Nase. Wir bekamen hektoliterweise Wasser über den Bug und die Sprayhood geschüttet – Salzwasser kam aus allen Ritzen ins Cockpit – aber innen blieb alles trocken. Die Windvorhersage war 4 Beaufort aus ENE, und zwar für den West- als auch den Ostteil der Insel. Dies hätte bedeutet, dass wir die Stecke in den Süden mit raumen Winden und die Strecke nach Norden am Wind hätten segeln können. An Segeln war jedoch nicht zu Denken, wir wollten uns nicht den Wolf kreuzen, zumal wir ausnahmsweise auf Termin in Santa Cruz sein mussten (Machen wir normalerweise nie). Wir hatten uns mit Joanna und Marcel in El Castillo im Azul zum Abendessen verabredet. Erschwerend kam hinzu, dass wir unseren Mietwagen in Tazacorte drüben stehen hatten und zuerst mit dem Bus quer durch die Insel fahren mussten. Hat alles geklappt, wir sind rechtzeitig an- und rübergekommen und haben einen sehr schönen Abschiedsabend mit ausgezeichnetem 4-Gänge-Menü gehabt. Die Nacht hier in der Marina war unruhig (Elke) bzw. nichts mitbekommen (Walter). Die Schaukelei durch den Schell hier war kein Problem, aber hinter dem Marinagebäude ist ein Pommesladen mit 24 Stunden Öffnungszeit und einem riesigen Parkplatz. Hier hatte sich gestern wohl die komplette Jugend der Insel getroffen und abgefeiert. Die Autoradios plärrten in voller Lautstärke – aus jedem Auto kam ein anderes Geplärr, was einen miserablen Sound ergeben hat. Ab 3 Uhr schwand der Soundteppich so langsam. Auch aus diesem Grund war heute wieder lazy sunday. Die Läden hatten heute geöffnet und wir nutzten den Komfort des Mietwagens um unsere Vorräte für die Atlaniküberquerung aufzustocken. Am Nachmittag wollten wir noch eine kleine Runde im Nationalpark durch den Lorbeerwald laufen, aber, keiner hätte es gedacht, es regnete mal wieder auf dieser Seite der Insel. Aus dem Spaziergang wurde ein Stadtbummel in Santa Cruz. Da die Läden hier alle geöffnet waren, habe ich eine supergünstiges Schuhschnäppchen gemacht. Nein, keine Manolo Blahnik Highheels – sondern Markenlaufschuhe um 29,99 €. Guter Tag!
La Isla Bonita_8
Highlight heute war unsere Wanderung durch die Angustias-Schlucht in die Caldera de Taburiente. Gleich hier um die Ecke, von Los Llanos aus, geht eine kleine Straße zum Parkplatz im Barranco de Las Angustias. Der offizielle Wanderweg läuft parallel zum Bach, bei niedrigem Wasserstand kann man aber auch getrost im Bachbett wandern. Wir ziehen das Bachbett vor, obwohl es ein wenig mühevoller ist, als der Wanderweg. Hin und wieder müssen wir über Felsen im Bachbett kraxeln. Die Felswände des Barrancos ragen senkrecht in den Himmel, unterwegs unterqueren wir ein Felsentor (ein riesiger Felsbrocken hat sich links und rechts in der Felswand verkeilt).

Etwa zwei Stunden laufen und hüpfen wir durch das Bachbett immer tiefer in den Barranco hinein und stehen vor einer Staumauer.

Auch die können wir umklettern und laufen weiter im Bachbett bis zum Punkt Dos Aguas. Hier kommen, wie der Name schon sagt, dos, also zwei Bäche zusammen. Wir folgen dem rechten Bachlauf weiter bis zu einer weiteren künstlichen Staustufe, hier müssen wir kurz nach links ausweichen und über eine Felsrippe klettern. Weiter geht es den rechten Bachlauf entlang, der so langsam seine Farbe wechselt. Das Wasser ist sehr eisenhaltig und das ganze Bachbett leuchtet tieforange.

Die letzten 100 Meter bis zu den Cascada de Colores (bunter Wasserfall) sind die beschwerlichsten. Es gibt kaum mehr trockene Stellen im schmalen Bachbett, die Steine und Felsen sind mit ockerfarbenem Schlick überzogen, verdammt glitschig, hoch und rund. Wir kommen doch tatsächlich mit einigermaßen trockenen Schuhen bei der Cascada an. Zwei spanische Jungs ziehen sich die Badehosen an und duschen unter lautem Gejohle (scheint sehr kalt zu sein) mit dem eisenhaltigen Wasser.

Wir laufen und hüpfen auf dem gleichen Weg zurück, wobei der Rückweg wieder anstrengender ist, obwohl es nun leicht bergab geht.

Morgen werden wir Abschied nehmen von Tazacorte und von Marcel und Joanna; für uns geht es weiter nach Santa Cruz da la Palma. Die Chulugi segelt am Sonntag weiter nach La Gomera. Die Marina Tazacorte ist sehr angenehm, da es hier sehr windstill ist und es in der Marina keinerlei Schwell gibt. Die Schiffe liegen absolut ruhig in den Boxen. Nur ungern ziehen wir weiter nach Santa Cruz. Zumal es jedes Mal geregnet hat, als wir in Santa Cruz vorbeigefahren sind. Tazacorte hat laut Reiseführer die meisten Sonnenstunden der Insel La Palma und das stimmt wirklich.
La Isla Bonita_7
Der zweite Versuch die Vulkane San Antonio und Teneguia zu besteigen war erfolgreich. Der Wettergott hatte ein Einsehen und verwehrte uns diese großartige Rundtour durch die bizarre Vulkanlandschaft nicht ein zweites Mal. Wir parkten kostenfrei an der Zufahrtsstraße zum Besucherzentrum des Vulkans San Antonio. (Parken und Eintritt ins Besucherzentrum kostet 5 Euro/Person). Der ausgezeichnete Wanderweg führte uns in steilen Kehren hinab und dann immer am Fuß des Vulkans San Antonio entlang. Teilweise sinkt man knöcheltief in den schwarzen Vulkanschotter (Lavagrus) ein. Weiße Socken – ganz schlecht und Schuhe mit luftdurchlässigem, netzartigem Obermaterial auch; wirkt wie ein Filter, sodass sich der Schuh mit feinstem Vulkansand füllt.
Der Aufstieg zum jungen Vulkan Teneguia (erst- und letztmals im Jahr 1971 ausgebrochen) ging entlang an scharfen abgerissenen Ausbruchkratern. Die Krater sind nicht pechschwarz wie die Lava, sie schimmern in Rot- und Gelbtönen.

Der Pfad zum Gipfel führte über einen scharfen Grat, ungesichert. Im Rother Wanderführer steht hierzu folgendes: Bei Sturm ein gefährliches Abenteuer, das man besser lassen sollte! Wir drehten aufgrund der üblen Windböen knapp 50 Meter vor dem Gipfel um. Sicher ist sicher. Ebenfalls im Rother steht, dass sich am Wegrand noch zahlreiche heiße Stellen befinden und dass es nach Schwefel riecht. Wir haben nichts davon mitbekommen.

Der Rückweg zum Auto ging durch das Weinbaugebiet von Teneguia. Auf der schwarzen Vulkanerde gedeihen, geschützt durch Lavasteinmäuerchen, Weinreben. Die Weinreben werden nicht wie bei uns hochgebunden, nein, sie liegen auf dem warmen Boden. Was muss das für eine mühevolle Erntearbeit sein. Im Anschluss an unsere Vulkanwanderung haben wir noch zwei örtliche Bodegas (Weingüter) besucht, probiert und zwölf Flaschen Wein gekauft, die Weinbautradition hier muss erhalten bleiben! Zum Abendessen wurden wir von Marcel und Joanna auf die Chulugi eingeladen. Lecker, nein sauleckerer Salat mit nicht minder leckerem Schweinefilet mit Sherry-Thymian-Sauce. Sterneverdächtig. Ganz dickes Lob und vielen Dank!
La Isla Bonita_6
Der Versuch einen Teil der Vulkanroute zu laufen scheiterte. Weshalb? Na, weil es im Südwesten ab der Ortschaft Jedey mal wieder regnete. Wir haben wohl ein Regenabonnement. In der Hoffnung, dass sich die Wolken ganz im Süden bei Los Canarios verziehen, sind wir trotzdem weiter zum Parkplatz vor dem Besucherzentrum beim Vulkan San Antonio gefahren. Nicht nur, dass es auch hier regnete, nein, auch der Wind war sehr unfreundlich. Er hatte geblasen, aus allen Rohren. Flexibilität ist für uns ja kein Fremdwort, eher gelebte Praxis. Also Auto gewendet und wieder in Richtung Tazacorte (da scheint immer die Sonne) gefahren und weiter nach El Jesús. Hier, vom Parkplatz El Pinar haben wir eine kleine Wanderung durch den dichten Kiefernwald zum Torre del Time gemacht. Die Hälfte des Weges führt über dick mit Kiefernadeln gepolsterte Wege, die andere Hälfte ist anstrengend, über Stock und Stein durch zwei kleinere Barrancos. Belohnt wurden wir oben mit einer grandiosen Aussicht in die Caldera de Taburiente.

Am Aussichtspunkt wollte eine vorwitzige Krähe unbedingt einen Schokokeks von uns abhaben.

Die Stärkung haben wir jedoch selbst benötigt, der Rückweg war wesentlich anstrengender, da die Kiefernnadeln auf den Steinen wie Schmierseife wirken. Wir kamen ohne Sturz und Blessuren zum Auto zurück. Der Heimweg führte uns über Los Llanos und hier in eine prima Pizzeria, die uns von Joanna und Marcel empfohlen wurde.
La Isla Bonita_5
Wir machten einen neuen Versuch den rauen Norden von La Palma zu erkunden. Der Himmel war am Vormittag stechend blau, somit stand unserer Bergwanderung am Roque de los Muchachos scheinbar nichts im Wege. Mit dem Auto fuhren wir eine knappe Stunde, die Außentemperatur auf 2000 Meter Höhe erreichte trotz Sonne gerade mal 4 Grad und die Straße durch den Kiefern- und Pinienwald war noch sehr feucht. Oberhalb der Baumgrenze war die Straße trocken, jedoch im Bereich zwischen dem Abzeig zu den Observatorien und dem Mirador de los Andenes, im Schatten der Felswände, spiegelglatt. Nachdem Walter dies realisiert hatte, ist er sofort an der nächsten Ausbuchtung rechts ran gefahren. Mit einem Kleinwagen mit Sommerreifen eine kluge Entscheidung. Zu Fuß sind wir dann auf der Straße zum Mirador geeiert um die Eislage zu sondieren. Es war nur noch eine Stelle mit knapp 100 Metern auf unserer Fahrbahnseite total vereist, auf der Gegenfahrbahn war der äußerste Streifen einigermaßen frei. Die Autos die von Santa Cruz herauf kamen, hatten keine Probleme mit Vereisung. Also fuhren wir den Wagen auf der Gegenfahrbahn die 100 Meter runter auf den Parkplatz beim Mirador.

Dick eingepackt mit Mütze, Schal, Handschuhen und dicker Jacke gingen wir los. Schon nach wenigen Minuten und noch nicht einmal fünf hundert Metern der Wegstrecke bemerkten wir, dass die Wolkendecke immer dichter wurde und sich über die Bergrücken schob.

Der blaue Himmel war zur grau milchigen Masse geworden und zu allem Überfluss wurde es richtig feucht. Keine Chance mehr sicher weiter zu gehen. Schon recht nass kehrten wir wieder um und beeilten uns zum Wagen zu kommen, denn wir befürchteten, dass der Sprühnebel auf der kalten Bergstraße zu Eis werden würde. Vereinzelt hatte sich auch schon Eis an Zweigen und Ästen der Sträucher gebildet. So fuhren wir auf der anderen Seite Richtung Santa Cruz im dichten Nebel wieder ins Tal.

Unterhalb der Wolken stellte sich dann Bindfadenregen ein, kein Wunder, denn wir waren ja nun auf der Ostseite von La Palma und da regnet es offensichtlich zu dieser Jahreszeit immer. Aus der Wandertour wurde nun sightseeing mit dem Mietauto. Zurück nach Tazacorte fuhren wir über die LP 1, die ganz im Norden der Küstenlinie folgt und später im Nordwesten auf die LP 4 trifft. Gewaltige Barancos mussten durchfahren werden, die Straße schlängelte sich in Serpentinen den Berg hinauf und wieder herunter und dies einige Male. Beeindruckende grüne Täler, vereinzelt Weinanbaugebiete und wunderschöner Lorbeerwald alles auf wenigen Quadratkilometern und in einer sehr dünn besiedelten Region, das ist der Norden von La Palma. Es war bereits dunkel als wir zurück auf dem Schiff waren und das Abendessen vorbereiten; da steckte Nico den Kopf durch den Niedergang. Er hatte sich angewöhnt, immer erst bei uns nach dem Rechten (sprich Futter) zu sehen, bevor er dann mit den Chulugis auf das eigene Schiff geht.
Nico hatte vollen Erfolg, denn spontan wurden die Portionen verdoppelt und so verbrachten wir einen schönen Abend mit Joanna, Marcel und Hund Nico auf der Sunrise.
