Wir sind mit dem Motorroller kreuz und quer über die Insel gefahren. Die Insel hat nur rund 40 Straßenkilometer und irgendwann landet man immer wieder in Gustavia. Baie de St. Jean an der Nordküste der Insel war die erste Traumbucht, in der wir einen kurzen Fotostopp machten. Hier entstand in den 60iger Jahren das erste First-Class-Hotel der Insel, das Eden Rock. Nächster Halt war in Lorient mit der alten Kirche und einem Friedhof mit alten schwedischen Grabstätten. Die Straße verläuft im Halbkreis um das nordöstliche Inselende und endet wieder in Lorient. Im nordöstlichen Teil der Insel befinden sich wunderschöne Buchten, die durch Riffe geschützt sind, für Yachten eine absolute Tabuzone. Teilweise ist die Ansteuerung sogar verboten. Unser nächster Halt war dann oberhalb der Anse de Colombier, einer beliebten Bucht im Nordwesten der Insel, die nur von See aus zu erreichen ist. Wir nahmen den 20minütigen Fußmarsch in Kauf und bestaunten die Megayachten, die dort tagsüber vor Anker gingen. Das Schiffspersonal musste mit dem Beiboot auf den Strand fahren, damit die Herrschaften bequem aussteigen konnten. Die nächsten Beibootfuhren brachten Deckchairs, Sonnenschirme, Strandtücher, Kühlboxen, Taucherflossen und sonstige Utensilien an den Strand. Na ja, wie schon gestern geschrieben, Refugium der Reichen und Schönen. Wir stiegen in der Mittagshitze die 20 Minuten wieder den Berg hoch und fuhren mit unserem Motorroller wieder in Richtung Nordküste mit dem Ziel eine Strandbar zu finden. Café au lait oder Pastis? Eine einfache Strandbar – Fehlanzeige, aber mittlerweile sind wir so abgebrüht, dass wir in die Nobelresorts rein gehen und fragen, ob sie ein auch für Nichtressortgäste offenes Café oder eine Strandbar haben. Und weil die ja nur unser Bestes wollen, nämlich unser Geld, kommen wir auch immer rein. So landeten wir dieses Mal im Fünf-Sterne-Ressort „Cheval blanc“. Alles auf echtem Fünfsterneniveau und wir, mit unseren Freizeitklamotten, dem Motorradhelm unterm Arm und den Rucksack auf dem Rücken, mittendrin. Aber wir sind nun in dem Alter, in dem uns nichts mehr peinlich ist. Wir haben einen superschönen Platz in der Strandlounge erhalten und weil es so unbeschreiblich war, haben wir uns jeder einen Pastis (wie in St. Tropez) bestellt und den Nachmittag genossen. Es wurde, und wird es auch bleiben, der teuerste Pastis unseres Lebens! Pro Glas 12,00 Euro (im Dutyfree-Shop in Gustavia kostet die Literflasche Pastis 7,50 Euro). So viel zum Preisniveau auf St. Barth – fürstlich, oder? Vor der Rückgabe des Motorrollers musste der Tank noch gefüllt werden. Eine Tankstelle gibt es nur am Flugplatz und hier geht die Zapfanlage nur mit Kreditkarte. So war ich gezwungen gigantische 1,51 Euro mit Kreditkarte zu zahlen. Unglaublich aber wahr. Auch Taxis sind hier nicht einfach Taxis, nein es muss schon ein Porsche Cayenne sein! Viele Grüße in die Heimat Stuttgart Zuffenhausen.
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Wir mussten noch einklarieren und deshalb ging es zu früher Stunde in die Capitanerie von Port Gustavia. Zuvor jedoch holten wir unseren Anker auf und verlegten die Sunrise an einen anderen Ankerplatz auf 7 Meter Wassertiefe. Das zusammengefaltete Dinghi mussten wir auch noch aus dem Vorschiff wuchten, die Bodenbretter einbauen und aufpumpen. Der stressigste Moment ist der, wenn der schwere Außenbordmotor von der Schiffsreling weggeschraubt und ins schwankende und hüpfende Dinghi gewuchtet werden muss. Nach einigen nicht druckreifen Schimpfwörtern war auch diese Hürde genommen. Der Außenbordmotor sprang zum Glück gleich an. Frühstück fiel aus, wir hatten keinen Vorrat an englischem Katschbrot gekauft und freuten uns auf knuspriges Baguette und Croissants. Das Einklarieren hier funktioniert völlig problemlos. Einfach in der Capitanerie an den Computer gehen, zwei Seiten ausfüllen, ausdrucken, zahlen, fertig. Keine Rennerei zur Port Authority, keine Costumsoffice und auch nicht zur Immigration – ja, wir sind nämlich wieder in der EU, in Frankreich! Für den rolligen Ankerplatz auf der Rede mussten wir einen kleinen Betrag bezahlen. Kein Grund zum Aufregen, ist hier halt so, auf dieser Insel, dem Refugium der Reichen und Schönen. St. Tropez in der Karibik, exorbitant hohe Preise sorgen dafür, dass die Haute-Volée unter sich bleibt.
Ein kleines Frühstück mit Milchkaffee und Croissant gab es anschließend, erst die Pflicht und dann das Vergnügen. Mit uns im Café saß Dirk von der Roxy. Marjolein war beim Shopping. Gustavia ist Freihafen und hier ist alles zollfrei. Nach einem herzlichen Hallo verabschiedeten wir uns von Dirk, um den Mopedverleiher aufzusuchen. Auf dem Rückweg konnten wir Marjolein noch kurz begrüßen und umarmen. Wir treffen uns auf St. Maarten wieder. Zu Fuß erkundeten wir noch die nette, aufgeräumte Kleinstadt Gustavia. Am frühen Nachmittag kehrten wir bereits wieder auf unseren rolligen Ankerplatz zurück. Am Sonntag werden wir die Insel mit dem Motorroller erkunden.
St. Barth
Wir haben St. Kitts am Freitag früh verlassen. Die Windprognose war 5 Bft. aus Ost und 2 – 3 Meter Welle. Beides exakt zutreffend. Nachdem wir aus der Abdeckung der Insel St. Kitts rausgekommen sind, mussten wir die Genua wegrollen und auf die kleine Stagreiterfock wechseln, das Großsegel hatten wir im zweiten Reff. Der Wind hatte eine leichte Ost-Nord-Ost Tendenz und so ergab sich ein schneller Amwindkurs. Es kam zwar einiges an Wasser über das Vorschiff, aber es war trotzdem ein schneller und nicht unangenehmer Kurs. Mit uns lief die Coco de Mer, eine 46iger Malö aus. Sie hat uns nicht überholt. In St. Barth angekommen, haben wir uns die Mole angeschaut, hier liegt man mit Buganker und mit Heckleinen. Der Schwell im Hafen ist unangenehm, sodass wir beschossen hatten, ins Ankerfeld zu gehen. Im Ankelfeld „Rade Port Gustavia“ gibt es Mooringbojen. Es sollen 100 Stück sein – aber es war keine frei. Es gab schon viele freie Mooringbojen, aber auf denen stand immer „Privat“ drauf. Wir warfen den Anker notgedrungen außerhalb des Bojenfeldes, mal wieder auf 10 Meter Wassertiefe. Die Nacht war sehr rollig und Walter hat immer mal wieder die Peilungen zu den markanten Punkten überprüft. Die Roxi mit Marjolein und Dirk (Atlantic Odyssee) war ebenfalls am frühen Nachmittag in Port Gustavia eingelaufen, war für zwei Stunden an der Mole und hat dann ebenfalls ins Ankerfeld vor dem Fischerdorf Corossol verlegt.
Abschied von St. Kitts
Eine der Attraktionen auf St. Kitts ist die Scenic Railway. Auf den Schienen der alten Schmalspurbahn von 1912, die ursprünglich für den Transport von Zuckerrohr zu den Rumfabriken gebaut wurde, bietet die Scenic Railway eine Inselrundfahrt. Wir hatten einen Platz für die heutige Fahrt um 8:30 Uhr reserviert. Mit dem Taxi fahren wir zum Flughafen, hier ist auch der Bahnhof der Scenic Railway. Die Bahn wird von einer alten Diesellok gezogen, die Schienen sind wellig und verzogen, die zweistöckigen Wagons schaukeln wie unser Schiff bei drei Meter Welle.
Die Strecke verläuft entlang der Atlantikküste von St. Kitts und endet kurz vor Sandy Point auf der Karibikseite. Von hier geht es mit Bussen zurück nach Basseterre. Mit uns im Wagon 1 sind nur 7 weitere Fahrgäste, die restlichen 4 Wagen sind ebenfalls spärlich besetzt. Der Reiseleiter ist, wie auch alle Taxifahrer hier, sehr kompetent und gibt sein Wissen gerne weiter. Die alten Zuckerrohrplantagen sind seit über 10 Jahren aufgegeben, der Weltmarktpreis für Zucker war so verfallen, dass sich die Produktion nicht mehr rentierte. Viele verfallene Windmühlen und halb eingefallene Schornsteine der alten Zuckerfabriken stehen noch auf der Atlantikseite der Insel. Auch Baumwolle wird keine mehr angebaut. Inmitten der verwilderten Plantagen sehen wir, dass Kleinbauern Kartoffeln, Gurken und Kürbisse anpflanzen. Obwohl hier, wie der Reiseführer sagt, eigentlich alles, was in die Erde gesetzt wird, wächst. Die junge Generation arbeitet im neuen Wirtschaftszweig Tourismus.
Zwischendurch kommt immer wieder ein kleiner Gospelchor zum Einsatz, auch erfahren wir, dass der weltberühmte Gospelsong „amazing grace“ hier auf St. Kitts komponiert wurde.
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Heute hießen die schwimmenden Hochhäuser, die St. Kitts mit Besuchern überschwemmten „Mein Schiff“ und „Celebrity irgendwas“. Wir wollten eh zu den schönen Stränden auf der südlichen Halbinsel und schlossen uns einem Kreuzfahrer-Sammeltaxi, welches noch zwei Plätze frei hatte, an. Adonis, der Taxifahrer und „Reiseleiter“, brachte uns in die Cockleshell Bay.
Einer bildschönen Badebucht am Kanal zwischen St. Kitts und Nevis. Adonis war leicht konsterniert, dass wir uns nicht bereits um 15 Uhr wieder abholen lassen wollten. Er hatte Sorge, dass wir „Mein Schiff“ verpassen würden. Nein, verpassen wir nicht. Unser Schiff läuft aus, wann wir es wollen. Auf der Fahrt zur Cockleshell Bay ließ er uns aussteigen, um Fotos zu machen.
Er erzählte uns, dass in der White House Bay, unmittelbar am Great Salt Pont eine neue Marina, die Christophe Harbour Marina, entsteht. Die Zufahrt von der karibischen See aus wird gerade ausgebaggert und der Salzsee ebenfalls. Der ausgebaggerte Sand wird um den Salzsee herum aufgeschüttet, hier soll ein Golfplatz entstehen. Ein riesiges Projekt, das in den nächsten 2 – 3 Jahren fertig gestellt sein soll. Hoffentlich, die Landschaft ist viel zu schön für Bauruinen. Die Cockleshell Bay selbst war auf den Ansturm der Gäste hervorragend vorbereitet. Hunderte von Strandliegen mit Sonnenschirmen standen bereit. Die Bucht ist sehr weitläufig und der Massenandrang störte nicht weiter. Wir durften einen weiteren karibischen Urlaubstag genießen. Adonis holte uns pünktlich wieder ab und brachte uns zurück in die Port Zante Marina. Wir hatten zunächst vor, eine Vespa o.ä. zu mieten und selbst über die Insel zu fahren. Aber die Kreuzfahrer versauen die Preise. Eine Vespa kostet 65 US $ am Tag plus die lokale Fahrerlaubnis 24 US $ (gültig für 30 Tage). Da rechnet es sich mit dem Sammeltaxi zu fahren.
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Auch heute wieder Ballihoo in Port Zante. Nur dass die Kreuzfahrtschiffe heute „Costa Fortuna“ und „Celebrity“ hießen. Wir flüchteten. Zu Fuß gingen wir unsere bekannte Strecke an der Wasserfront entlang, am ersten Kreisverkehr rechts den Hügel hoch und nach 200 Meter scharf links in die Palms Court Gardens.
Eine Oase mit Pool, großer Terrasse und Meerblick zum Relaxen mitten im Wohngebiet. Die Inhaberin ist Schweizerin, war aber momentan nicht da. Es gibt Tageskarten, geöffnet ist von 9 Uhr bis 17 Uhr. Wir frühstückten dort gemütlich, mit Cappuccino, und verlegten uns danach in die Chillerecke am Pool. Wir waren nicht die einzigen Gäste. Wie wir später von der Verwalterin erfahren haben, waren die anderen Gäste von einem der Kreuzfahrtschiffe. Sie suchten Ruhe und Erholung. Der Trubel auf den fahrenden Hochhäusern kann wohl auch ganz schön nervig sein. Ab 14 Uhr waren wir alleine, die Kreuzfahrer mussten zum nächsten Event hetzen. Gegen 16 Uhr zogen die typischen Regenwolken auf und wir mussten unsere Doppelliege notgedrungen verlassen. Nein, wir werden jetzt nicht spießig und träge! Aber so ein schöner karibischer Urlaubstag darf zwischendurch schon sein.
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Ballihoo und hulligully in Port Zante.
Heute früh um 6:30 hat der Kreuzfahrer „Norwegian Pearl“ und um 10 Uhr der Kreuzfahrer „Royal Caribian“ am Kreuzfahrtterminal angelegt.
Hunderte, ach was Tausende von Menschen überschwemmten die Duty Free Meile und zu meinem Verdruss auch die Vorhalle vor dem Immigrationoffice, das sich im Kreuzfahrtterminal befindet. Wie bereits geschrieben, hatte ich am Freitagabend noch den Zoll, aber nicht mehr die Immigration erledigen können. Anweisung war, heute um 8 Uhr bei der Immigration auf der Matte zu stehen und ordentlich einzuklarieren. Da wir Deutschen doch irgendwie den Kadavergehorsam noch in den Genen haben, stand ich frisch geduscht, aber ohne Frühstück, um Viertel vor Acht vor dem Hochsicherheitsgefängnis, nein vor dem Hochsicherheitstrakt des Kreuzfahrtterminals und habe um Einlass gebeten. Nachdem ich den ersten Einlauf der Security mit Schulterzucken und nix verstehen weggedrückt hatte, durfte ich immerhin schon zur Port-Authority, wo ich ein Formular zum Ausfüllen bekam. Nachdem ich alle Angaben wahrheitsgemäß gemacht hatte, durfte ich wieder 12 US $ abdrücken. Ich glaube, die haben mich schon wieder über den Block gezogen, weil beim Costumsoffice hatte ich am Freitag ebenfalls schon 12 US $ liegen lassen. Egal. Nun sollte ich durch die gefühlten Tausend desorientiert herumirrenden Menschen, die sich im Kreuzfahrtterminal von Musikern, Tourguides und Taxifahrern bespaßen bzw. bequatschen ließen, quer hindurch ins gegenüber liegende Immigrationoffice.
Das ließ sich soweit auch arrangieren und vor der Türe des besagten Offices angekommen, habe ich meinen zweiten Einlauf des Tages auf nüchternen Magen erhalten. Für mich nicht zu erkennen, befand sich nämlich vor dem Office bereits eine elendlange Queue (engl. Warteschlange) die ich im Gewimmel absolut nicht ausmachen konnte. Ich wurde umgehend von einer englischen Lady angeraunzt, dass ich mich an das Ende der Schlange zu stellen hätte.
Es war nämlich so, dass die ankommenden Kreuzfahrtschiffe hier neue Gäste an Bord genommen haben und dieselben auch die Immigration durchlaufen mussten. Mit mir zusammen war ein kanadisches Paar, deren Schiff im Ankerfeld lag, bei der Portauthortity, beide verdrehten nun ebenfalls die Augen. Mir und meinem Magen war das zuviel und ich habe die Flucht bzw. den Rückzug angetreten. Zur Security habe ich nur kurz gesagt, come back later, und verschwand eilends aus dem Irrenhaus. Zurück auf der Sunrise wartete bereits eine schöne Tasse Kaffee und der Kommentar, das hat ja gedauert…… Schonend habe ich beim Frühstück Walter beigebracht, dass ich noch garnichts erledigt hatte. Kurz vor 10 Uhr, bevor der zweite Kreuzfahrer angelegte, machten wir uns nun zu zweit auf den Weg. Der Zerberus am Terminal ließ uns passieren und vor dem Immigrationoffice standen nur noch 6 Leute. Es ging jetzt relativ flott und wir staunten nicht schlecht, als wir im Office noch das kanadische Seglerpaar sitzen sahen. Die mussten nämlich warten, bis alle Kreuzfahrtpassagiere abgefertigt waren. Der machtbesessene Officedrachen machte es absichtlich und auch vorsätzlich kompliziert. Weshalb sie gestern gekommen waren? Weshalb sie nicht am Flughafen einklariert hätten und überhaupt… Nachdem die Kanadier ihren Stempel im Pass hatten, kamen wir dran. Walter sagte lächelnd: the same procedure… Nur mit dem Unterschied, dass wir bereits seit Freitagabend da waren. Zwischendurch kamen noch zwei Kreuzfahrtpassagiere, die schnell abgefertigt wurden und dann kamen wir wieder ins Kreuzverhör. Wir haben die Stempel jetzt im Pass und haben auch gleich für Freitag wieder ausklariert. Und wenn es uns nicht passt, gehen wir früher oder später hier weg.
Der weitere Tag verlief fast unspektakulär. Wir gingen Getränke einkaufen, an der Wasserfront entlang spazieren und gegen 16 Uhr wieder Richtung Port Zante zurück. Der Wind hatte aufgefrischt und die zwei Schiffe im Ankerfeld schaukelten heftig hin und her. Irgendwann sagte Walter, ich glaube, das Schlauchboot da draußen hat ein Problem. Der Außenbordmotor hatte offensichtlich seinen Geist aufgegeben und der Skipper ruderte schon ziemlich entkräftet – keine Chance gegen die Dünung anzukommen. Der Wind wehte zum Glück auflandig und es war abzusehen, dass Boot und Mann in der kleinen Bucht unterhalb von Fort St. Thomas stranden würden. Es kam so. Walter zog die Schuhe aus und kletterte über die Steine um das Schauchboot abzuhalten. Irgendwie gelang es dem Skipper mir die lange Festmacherleine zuzuwerfen und so konnten wir, in der Brandung stehend, das Schlauchboot an Land ziehen. Der arme Mann war total durch den Wind. Er war jetzt sicher an Land, aber hier wollte er gar nicht hin. Sein Schiff lag draußen vor Anker, seine Ehefrau an Bord. Außer uns hatte eine Frau und ein Taxifahrer die Situation beobachtet. Beide boten sofort ihre Hilfe an. Die Frau verständigte per Handy die Coastguard. Das war auch gut so, weil ohne Motor hätte es der Skipper weder in den Hafen noch zurück zum Schiff geschafft. Wir schleiften zu dritt das Schlauchboot in einen Bereich der Bucht, in der es nicht so felsig war. Zwischenzeitlich war die Coastguard mit einem Schlauchboot, professionell ausgestattet mit drei Außenbordern, in der Nähe um ihre Hilfe anzubieten. Mit Hilfe eines einheimischen Jungen, und auch nur mit dessen Hilfe, gelang es schließlich das Schlauchboot durch die Brandungswellen zu bringen und der gute Skipper schaffte es, bis zur Coastguard zu pullen, die ihm die Schleppleine übergaben und ihn bis zu seinem Schiff in Schlepptau nahm. Wir waren bis zur Unterwäsche nass, ich stand mit Schuhen und Hose im Wasser. Der junge Einheimische bekam von Walter noch einen nassen 5 US $ Schein als Dankeschön für seine Hilfe. Hatte er sich auch wirklich verdient. Den Skipper in Not haben wir nicht mehr gesehen, er liegt im Ankerfeld und ist wohl immer noch durch den Wind. Ein Anlegemanöver in der Marina hat er abgebrochen und ist wieder ins Ankerfeld zurückgekehrt. Meinen Geldbeutel samt Personalausweis, Führerschein, Geld und Kreditkarten habe ich zum Trocknen ausgelegt. Mal sehen, ob das Plastikgeld das Salzwasser ebensogut verkraftet wie das Papiergeld.
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Sonntag auf St. Kitts
Entgegen der Beschreibung im Hafenhandbuch (Barthelmes) gibt es in der Port Zante Marina Toiletten und Duschen. Die Damenabteilung ist soweit in Ordnung, ich hab schon üblere gehabt und zwar auf dem europäischen Festland. Walter fand seine Abteilung ekelig. Geduscht wird natürlich mit dem Wasser, wie es aus der Kaltwasserleitung kommt – also leicht temperiert, oder in Walters Ausdrucksweise „arschkalt“. So erfrischt haben wir uns auf den Weg gemacht, die Hauptstadt Basseterre zu erkunden.
Der Weg ins Zentrum führt direkt am Anleger der Kreuzfahrtschiffe vorbei und unweigerlich in die Duty Free Shopping Meile. Kannten wir ja bereits aus St. John’s auf Antigua. Nur mit dem Unterschied, dass wir uns hier auf einem völlig verlassenen Areal bewegten. Ich sagte zu Walter, rüttel doch mal an den Fassaden, ich glaube wir sind zwischen irgendwelchen Filmkulissen gelandet. Die Mauern, Holzfassaden und Rollläden aber waren echt. Doch nicht im/beim Film. Schade, wäre doch mal eine willkommene Abwechslung.
Des Rätsels Lösung: Die Shopping Meile darf nur öffnen, wenn tatsächlich ein Kreuzfahrer angelegt hat. Weiter ging es ins Stadtzentrum, zum „Circus“, einem kleinen Kreisverkehr, dem Picadilly Circus von London im Kleinformat.
Weiter zum Independence Place, zur Kathedrale und zur alten anglikanischen Kirche. Außer einem asiatischen Paar waren wir wohl die einzigen Gäste, die sich in Basseterre verlaufen hatten. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Sammelsurium-Laden vorbei, der angefangen vom Henkel trocken Piccolo bis zum Klopapier alles zu bieten hatte. Unseren Bestand an Trinkgläsern konnten wir hier auffüllen. Beim Segeln hatten wir kein einziges zerschossen, alle fünf sind beim Spülen und beim Stapeln im Abtropfgitter drauf gegangen, womit bewiesen wäre, dass Spülen gefährlicher ist als Segeln (Aussage nur für die Glaswaren gültig). Auch der Asia-Supermarkt hatte geöffnet, hier konnten wir noch einige Kleinigkeiten nachkaufen. Wir gingen zurück zum Schiff um unsere Schätze zu verstauen. Im Hafen haben wir mitbekommen, wie ein junges Paar mit einem Taxifahrer im Gespräch war, diesen aber wieder wegschickte. Kurze Zeit später kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass die Beiden eine Inselrundfahrt machen wollten. Das nächste Taxi kam und wir wurden uns schnell einig. Der Preis war 90 US $ für 4 Personen. Und so kamen wir in den Genuss einer individuellen Inselrundfahrt. Zuerst eine Stadtrundfahrt durch Basseterre, zu den Sehenswürdigkeiten, die wir bereits zu Fuß erkundet hatten, dann weiter auf der Straße entlang der Ostküste, Nordküste und an der Atlantikküste zurück. Der Taxifahrer war ein hervorragender Reiseführer, sehr gebildet. Dreisprachig: Englisch, Französisch und Spanisch. An wichtigen und interessanten Wegpunkten machte er Halt, ließ uns aussteigen und erklärte uns die historischen Hintergründe. Wir hielten am Romney Manor, in Old Town, bei den Wingfield Petroglyphen, Brimstone Hill Fortress, Sandy Point Town, Dieppe Bay und bei den Black Rocks. Es waren drei sehr informative Stunden.
Good bye Antigua
Antigua – St. Kitts 55 Seemeilen
Um 8 Uhr öffnete das Marinaoffice in Jolly Harbour. Bis 8:20 Uhr hat es gedauert bis der Computer im Office willens und bereit war, die Rechnung zu erstellen. Gut, dass wir bereits am Freitagnachmittag beim Zoll und der Immigration ausklariert hatten, sonst wären wir noch viel später weg gekommen. Die Rechnung der Jolly Harbour Marina bestand aus drei Einzelrechnungen, Liegegebühren, Stromrechnung und die Wasserrechnung. Strom und Wasser werden beim Anlegen und vor dem Ablegen vom Dockmaster an den Zähleruhren abgelesen. Walter hatte von beiden Zählern ein Foto gemacht. Wasser 24745 Einheiten beim Anlegen und 24856 beim Ablegen. Berechnet haben sie uns 1111 Einheiten, was ich sofort angezweifelt hatte. Weil die Tausenderstelle gerade am Umklappen war und weder die Vier noch die Fünf gut zu sehen war – so leider auch auf den Beweisfotos, bestanden die Damen auf den 25856 und auf der Berechnung der 1111 Einheiten. Was ich auch letztendlich zahlen musste. Nur dass die Einheiten nicht Liter, sondern Gallonen sind und wir dann in den 10 Tagen fast 5000 Liter verbraucht hätten. Absolut unmöglich – wir haben unsere Wassertanks gefüllt und sonst nichts. Kein Schiff abgespritzt und auch keine sonstigen Wasserspiele gemacht. Ich bin der Meinung, dass wir nur 111 Einheiten hätten bezahlen müssen. Nachdem wir beschlossen hatten, dass Terz machen zu keinem Ergebnis führen würde, haben wir uns von unseren Nachbarn, Antje und Ingo, verabschiedet und sind los. Irgendwann, wir waren schon unter Segel unterwegs, hatte Walter auf dem UKW-Kanal 16 einen Funkspruch gehört. Da hatte jemand Sunrise gerufen. Ich hatte nichts verstanden und gemeint, wenn die uns meinen, rufen die uns wieder. Es war kein weiterer Funkspruch zu hören und Walter hat mich dann solange genötigt, bis ich zur Funke gegangen bin und nachgefragt habe, ob die Sunrise gerufen wurde. In der Tat, die Dame vom Marinaoffice war dran und teilte mir mit, dass die Wasserrechnung nicht stimmen würde (meine Rede) und ich sollte zum Office kommen und die Gutschrift holen. Ganz schlechter Zeitpunkt. Wenn wir umgedreht wären, hätten wir es nicht mehr bei Tageslicht nach St. Kitts geschafft. Wir einigten uns, dass ich die Gutschrift über meine Kreditkarte erhalten sollte – warten wir es ab. Vielleicht wird ja alles gut.
Die 55 Meilen bis St. Kitts konnten wir komplett unter Segel zurücklegen. Noch nicht mal in Lee von Nevis ließ der Wind nach, es war zwar sehr böig, aber erfreulicherweise drehte der Wind mit und schob uns in Richtung St. Kitts. Wirklich beim letzten Tageslicht um 18 Uhr fuhren wir in die Port Zante Marina und um 18:15 Uhr lag die Sunrise sicher an zwei Dalben festgemacht im ruhigen Hafenwasser. Im Ankerfeld links von der Marina lagen nur zwei Schiffe, die sehr hin und her rollten. In der Marina zu liegen, bedeutet auch ordentlich Ein- und Ausklarieren. Der Dockmaster schickte mich umgehend ins Office, weil die Leute Feierabend machen wollten. Den Zoll habe ich noch verwischt, aber nicht die Immigration. Dort kann ich erst am Montag einklarieren. Somit hat sich unser ursprünglicher Plan, vor Anker zu gehen, die Nationale und die „Q“ Flagge zu setzen und am nächsten Morgen unklariert wieder in Richtung St. Barth zu gehen, überholt. Wir bleiben b.a.w. auf St. Kitts.
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Good bye Antigua
Seit 19.02.2015 sind wir auf Antiqua, heute ist der 06.03.2015 und es ist an der Zeit weiter zu segeln. Den Entschluss am Samstag zu gehen, haben wir aufgrund der Wetterprognose bereits gestern gefasst. Eigentlich schade, es sind hier in Jolly Harbour einige deutsche Schiffe. Die Florentine, die im November mit der Atlantic Odyssee I von Lanzarote aus gestartet war. Leider haben wir die Schröders noch nicht persönlich kennen gelernt. Sie liegen drüben in der Werft und als wir heute Nachmittag rüber gegangen sind, um uns vorzustellen, waren sie unterwegs. Bestimmt kreuzen sich unsere Wege demnächst noch. Die Amazone mit Antje und Ingo liegt seit 4 Tagen neben uns und die Lubini, die wir zuletzt auf La Gomera getroffen haben, ist heute Mittag eingetroffen. Wolf mit seiner Yacht Carla liegt im Ankerfeld.
In den letzten Tagen haben wir klassischen Sommerurlaub gemacht. Spätes Frühstück, Badesachen, E-Bookreader und IPad eingepackt und rüber an den Pool zum Abhängen und Schwimmen (genau in dieser Reihenfolge und Priorität). Der Hit war, auf der Liege zu liegen und mit dem IPad und dem guten Wlan-Netz des Restaurants Crow´s Nest in der ARD Mediathek „Mord mit Aussicht“ und „Unter Gaunern“ zu schauen. Sowie ab und zu auch die neuesten Nachrichten aus der Stuttgarter Region zu holen. Gegen 17 Uhr rüber in den Supermarkt und frischen Salat und Gemüse fürs Abendessen gekauft. Abendessen an Bord und später zur Livemusik wieder rüber ins Crow´s Nest für einen Drink und einen neuen WLan Code für eine weitere Stunde zu holen. (Typisch schwäbisch eben, ein Drink an der Bar = 1 Stunde freies WLan)
Nur mit der Zeit wird es langweilig. Wir haben unseren Plan nach Barbuda zu gehen wohl oder übel canceln müssen, der Wind bläst fürs Ankern vor Barbuda einfach noch zu stark. Wir gehen nach Nevis, St. Kitts, St. Barths und dann St. Maarten.




















