Mit dem T 3 Bulli unterwegs_6

Auf unserer Busslestour durchqueren wir Thüringen (Weimar, Jena), Sachsen (Dresden, Elbsandsteingebirge), Sachsen-Anhalt (Dessau, Dom zu Naumburg), Berlin und Brandenburg sowie aktuell MeckPomm; genauer die Mecklenburgische Seeplatte. In Waren an der Müritz finden wir uns im afrikanischen Kamerun wieder. So heißt der Campingplatz, warum auch immer. Die Weiblein und Männlein-Duschen und WC sind mit nackten afrikanischen Ureinwohnern gekennzeichnet, auf der Speisekarte des Restaurants gibt es afrikanisch angehauchtes Essen; TIefkühl Mahi-Mahi und Victoriabarsch. Wer es mag… ich brauche das nicht. Insgesamt ist die Anlage jedoch außergewöhnlich sauber. Der einzige Nachteil ist, dass es das WLAN nicht bis zu unserem Stellplatz schafft und die allgemeine Mobilfunkabdeckung hier in der Region bei gefühlten 20 Prozent ist. Tageszeitung zum Frühstück funktioniert so, dass Frau mit I Pad meilenweit (verdammt große Anlage) zur Dusche läuft, versucht im Duschgebäude das WLAN einzufangen und den Download der Tageszeitung startet. Wenn’s gut läuft, dann ist die Zeitung nach dem Duschen da, wenn nicht dann gibt es eine zweite Chance in der Warteschlange vor dem Laden, wo die bestellten Frühstücksbrötchen unter hygienischen coronabedingten Abstandsegeln abgeholt werden.

Nach dem Frühstück und der Zeitungslektüre schwingen wir uns auf die Fahrräder. Wir sind mit unseren Tourenrädern eindeutig in der Minderheit. Geschätzte 90 Prozent der Camper unserer Altersklasse fährt mit E-Bikes. In Massen. Der Radweg entlang dem Müritzseeufer ist nichts für Vegetarier. Es prasselt nur so von Mücken und Fliegen auf der Fahrradjacke, durch Mund und Nase kommen sie in dein Inneres. Ganz dumme dieser Gattung verirren sich hinter der Brille und in ihrer Panik sehen sie dann nur noch dieses schwarze Loch hinter dem Brillenglas durch das sie zu entkommen glauben. Sie erreichen eine der empfindlichsten Schleimhäute unseres Körpers, die Bindehaut, an der sie kleben bleiben und im letzten Überlebenskampf all ihre Exkremente von sich und ins Auge abgeben. Ihr könnt euch alle vorstellen wie das brennt und so bastelte ich mir aus meinem Seidenschaal eine MuNaske. Entsetzte Blicke von Bikern des Gegenverkehrs waren die Folge und ich realisierte was ich getan hatte. Corona, da war doch was? Mit MuNaske auf dem Fahrrad die hat sie doch nicht alle – die hat doch bestimmt…
So fuhren wir auf der Westseite des Sees in Richtung Süden bis nach Röbel um dann in Ostrichtung bis nach Rechlin zu gelangen. Rechlin ist quasi die halbe Strecke und von dort nordwärts bis nach Waren und wieder zurück auf den Campingplatz. Eine komplette Umrundung des Müritzsees also. Ich habe keine Ahnung wieviel Kilometer das sind, haben wir doch etliche Kilometer mehr radeln müssen, weil die Beschilderung recht dürftig ist. Die Freunde von Google konnten zwecks schlechter Mobilfunkabdeckung nicht helfen. Die Tour ist aber alle Anstrengungen wert, führt durch wunderschöne Landschaften, osttalgische Dörfer und am Ende auch noch durch einen Nationalpark immer mehr oder weniger am Wasser entlang. Die eingedellten Körperpartien unterhalb des Äquators haben wir morgen schon wieder vergessen, diese Tagestour jedoch nicht.

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Mit dem Bulli fahren wir von Dresden aus ins Elbsandsteingebirge. Was wir Tags zuvor mit dem Fahrrad vom Elberadweg von unten bestaunen konnten, erkunden wir jetzt von oben. In der Nähe der Bastei gibt es seit einer Woche einen Wohnmobilstellplatz; der ist wie für uns gemacht. Der Bulli darf ruhen und wir radeln die letzten Kilometer auf der Höhe zur Bastei. Die Bastei ist unser Ausgangspunkt. Zwischen imposanten Felsnadeln, über ursprüngliche alte Steinbrücken, durch Schluchten und Täler führt uns, sowie viele andere Wanderlustige auch, ein gut ausgezeichneter Wanderweg rund um die Bastei.

Unterwegs können wir einige Kletterer beobachten, die in den Felsnadeln hängen. Mit Haken, Ösen und Seilen ausgestattet und barfuß! suchen sie sich den Weg auf das Plateau. Bewundert und viel fotografiert durch das normale Fußvolk.


Unser Wanderweg führt stetig nach unten auf das Niveau der Elbe. Das ist der kleine Haken an dem Spaß, der Bulli und auch die Fahrräder stehen oben. Während wir durch ein schönes kühles Tal, vorbei an einem kleinen Stausee laufen, können wir uns seelisch und moralisch auf den bevorstehenden Aufstieg durch die Schwedenlöcher vorbereiten. Der Weg, eher die unzähligen Stufen, sind in gutem Zustand, alles ist machbar.

Verschwitzt und etwas kurzatmig kommen wir wieder oben an der Bastei an. Uns zieht es ins Panoramarestaurant auf die Besucherterrasse. Wir bekommen einen freien Tisch (Corona-Abstand und Hygiene) zugewiesen. Es ist 17 Uhr, die Speisekarte liegt bereits auf den Tischen und als wir frischen Spargel bzw. Hirschmedaillon bestellen wollen, beschließt der Service dass das Abendessen nur drinnen serviert wird. Im geschlossen Raum, hinter Glasscheiben über dem Elbetal wollen wir nicht sitzen. Dann halt nicht. Der Kühlschrank im Bulli gibt auch noch was her.

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Der Bulli darf einen weiteren Tag pausieren. Wir schwingen uns auf die Räder und radeln den Elbe-Radweg flussaufwärts von Dresden nach Bad Schandau.

Schätzchen am Elberadeweg Sächsische Schweiz

Wir sind flott unterwegs, müssen jedoch bereits in Königstein vor dem ersten Regenschauer flüchten. Das war so nicht angesagt. Wir fahren nach einer kurzen Pause trotzdem weiter nach Bad Schandau und müssen feststellen, dass wir auf der falschen Elbeseite sind. Auf unserer Seite ist tote Hose. Die Fähre über die Elbe verpassen wir um wenige Minuten, über die Autobrücke wollen wir nicht radeln. Im Nordosten braut sich ein Wetter zusammen. Das veranlasst uns ohne den nach 40 Kilometer dringend erforderlichen Einkehrschwung umzukehren. Die Pause machen wir im Luftkurort Rathen.

Elbsandsteingebirge beim Kurort Rathen

Zunehmend wird es gewittriger, es donnert und blitzt. Ein Gewittersturm erwischt uns in Pirna. Ein Baum hält dem Winddruck nicht Stand und liegt anschließend quer über dem Elberadweg. Mit vier Regenpausen unter diversen Brücken und Vordächern erreichen wir wieder unseren Campingplatz in Dresden Mockritz. Wir bauen im Trockenen den Tisch und die Stühle fürs Abendessen auf und sofort wieder ab. Es regnet.

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Dresden

Unsere Befürchtung, dass halb Baden-Württemberg und Bayern in den Pfingstferien innerhalb Deutschlands unterwegs ist hat sich nicht bestätigt. Der von uns favorisierte CBM Campingplatz in Dresden Mockritz hat mehr als genügend freie Plätze. Freie Platzwahl!

Fleurs Bulli in Dresden

Kein Andrang in den Sanitäranlagen. Alles sehr sauber und gepflegt. Der Bus in die City hält direkt hinter der Rezeption und mit dem Fahrrad sind es 6 Kilometer bis zur Frauenkirche. Wir wollen unabhängig sein und fahren mit dem Fahrrad in die Altstadt. Das ist das Fortbewegungsmittel unserer Wahl; bei den Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln stellen wir uns bisweilen schon etwas dusselig an (zumindest in Stuttgart sind die Ticketautomaten so programmiert, dass wir noch gar nie auf Anhieb das von uns gewünschte Ticket erhalten haben). Wir bleiben deshalb beim Gewohnten. Also heute mit dem Fahrrad mitten nach Dresden rein. Bei so viel Historien braucht es eine qualifizierte Stadtführung. Eine Kunsthistorikerin führt unsere kleine Gruppe 2,5 Stunden durch die Altstadt. Residenzschloss, Hofkirche, Fürstenzug, Neumarkt, Frauenkirche, Brühlsche Terrasse, Zwinger und Semperoper.

Brühlsche Terrassen

Katholische Hofkirche, Residenzschloss und Zwinger

Theaterplatz, Hofkirche, Residenzschloss

Frauenkirche und Neumarkt

Die Frauenkirche dürfen wir von innen besichtigen und für die Semperoper haben wir eine separate Führung dazu gebucht. Die Frauenkirche lässt ab 13 Uhr immer grüppchenweise 10 Personen rein. Kurzer Aufenthalt und Photoshooting und schon werden wir wieder hinaus komplimentiert. Der einzige Vorteil von Corona ist, dass sich der Besucherandrang in Grenzen hält. Bei der 45 minütigen Führung durch die Semperoper sind wir nur sechs Personen, natürlich mit Mundschutz.

Frauenkirche

Kuppel der Frauenkirche


Semperoper

Decken im Umlauf des 1. Rangs

Semperoper 1. Rang

Voll beladen mit Informationen braucht der Kopf eine Pause – auch die Beine sind müde. Abhilfe schafft eines der vielen Straßencafés in der Altstadt. Es gibt sächsischen Eiskaffee (Vanilleeis, Eierlikör, Sahne und Kaffee) sowie die Spezialität Eierschecke.
Das Wetter ist klasse, der Tag noch jung, also schwingen wir uns auf das Fahrrad. Über die historische Augustusbrücke queren wir die Elbe und fahren auf dem Elberadweg einige Kilometer flussaufwärts. Wir kommen an prachtvollen Villen und Schlösschen vorbei. Wer da wohl zwischen 1945 und 1990 gewohnt hat? Die beeindruckendste Villa ist die Villa Stockhausen, jetzt Lingnerschloss, des bereits 1916 verstorbenen Odol-Fabrikanten Karl August Lingner, der das Schloss und den Park der Stadt Dresden vermachte.

Lingnerschloss

Die Auflage war, Schloß und Park für die Bevölkerung zu öffnen und ein Restaurant mit bezahlbaren Preisen einzurichten. Wie es zwischen 1916 und 2020 war wissen wir nicht, aber jetzt ist es ein Touristenmagnet und sehr gut besucht. Weiter geht es zum „Blauen Wunder“, einer Stahlbrücke über die Elbe aus dem Jahr 1893.

Blaues Wunder und Villenhügel

Blaues Wunder

Diese sollte am 7. Mai 1945, einen Tag vor Ende des 2. Weltkrieges, genau wie die Augustusbrücke, von den Nazideppen gesprengt werden. Die Sprengung wurde jedoch von zwei Dresdner Bürgern verhindert, die die Sprengkabel kappten. Verdammt viel Geschichte.

Mit dem T 3 Bulli unterwegs_2

Wir fahren nach Dessau und beschäftigen uns einen weiteren Tag mit dem BAUHAUS.
Leider, bedingt durch die nach wie vor bestehende Infektionsgefahr durch den Coronavirus, sind derzeit keine Führungen möglich.

Nachdem das Bauhaus 1925 von rechten Kräften in der thüringischen Landesregierung aus Weimar vertrieben wurde, konnte die Stadt Dessau in Sachsen-Anhalt den Bauhäuslern ein neues Zuhause bieten. Walter Gropius baute in den Jahren 1925/26 ein neues Schulgebäude mit Werkstätten für Kunst, Design und Architektur. Ein moderner, weiß strahlender Gebäudekomplex aus Stahlbeton und Glas. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz und gehört wie weitere herausragende Bauhausbauten zum UNESCO-Welterbe. Wie früher wird hier wieder experimentiert, geforscht und Wissen vermittelt und die Ideen des Bauhauses hochgehalten.

Bauhaus Dessau

Bauhaus Kursraum

Derzeit eingeschränkt geöffnet hat das neue Bauhaus Museum aus dem Jahr 2019. Seine Eröffnung erfolgte im Rahmen von „100 Jahre Bauhaus“. Wir ergatterten zwei der begrenzten Eintrittskarten für das Zeitfenster ab 15 Uhr. Das Bauhaus Museum ist ein Haus im Haus. Außen eine Stahlkonstruktion mit Glashülle, innen auf den beiden Treppenaufgängen liegend die „Black Box“, ein geschlossener Kubus aus Stahlbeton. Die Black Box enthält die Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“ mit über 1000 Ausstellungsstücken aus nur 14 Jahren Schulbetrieb. Designklassiker Lampen, Sessel, Textilien, Teppiche, Industriedesign aus Glas und Stahl und Licht, die Architektur des Industriezeitalters, Geometrie: Kreis, Rechteck, Dreieck und Stab, Klarheit und Formstrenge, Kunst und Handwerk.

Neues Bauhaus Museum
Figuren aus Oskar Schlemmers Triadischem Ballett

Die Meisterhäuser sind geschlossen und können nur von außen betrachtet werden.

Bauhaus Meisterhaus Muche/Schlemmer

Kornhaus an der Elbe

Das Ende des Schulbetriebs kam bereits im Jahr 1932. Auch im Dessauer Gemeinderat hatte sich die NSDAP Fraktion die Mehrheit verschafft und einen Beschluss zur Bauhaus Schließung durchgedrückt. Meister Mies van der Rohe versuchte noch die Weiterführung in Berlin, wurde jedoch kurze Zeit später im Jahr 1933 zur Selbstauflösung gezwungen. Und jetzt UNESCO Welterbe!

Mit dem T 3 Bulli unterwegs

Ganz gemächlich und altersgerecht (der Bulli) fahren wir über Land- und Bundesstraßen nach Jena. Über Schwäbisch Hall, Crailsheim, Bamberg und Coburg.

Weiß-blaue Idylle in Oberfranken

Wobei wir das letzte Teilstück ab Bamberg über die Autobahnen A 73, A 71 und A 4 zurück legen. Unsere Tochter bittet uns telefonisch darum, ihr 33 Jahre altes Bulli-Schätzchen nicht über die Landstraße durch den Thüringer Wald und über den Rennsteig zu quälen. Recht hat sie. Sie lebt zeitweise in Jena und kennt aufgrund der vielen Fahrten zwischen Stuttgart und Jena die Topographie sehr gut.
Wir dürfen in ihrer Studentenbude nächtigen, sie weilt gerade zu Hause im Ländle. Das beschert uns ein muggelig warmes Bett in der Nacht, im Bulli wäre es bedeutend kälter. Eine böse Kaltfront von Norden beschert uns 4 – 6 Grad in der Nacht – Besserung ist aber in Sicht.
Ab jetzt ist Kultur angesagt. 30 Jahre nach der Wende sind uns die Kulturhochburgen der neuen Bundesländer, außer Berlin und Potsdam, immer noch gänzlich unbekannt. Das ist blamabel, wenn man bedenkt, dass wir in den letzten Jahren die indigenen Mayastätten aus dem 4. – 10. Jahrhundert in Mexiko und die archäologischen Fundstätten San-Agustín in Kolumbien aus dem Jahrhundert vor Christi bestaunt hatten. Nun, die „Kultur“, die wir im letzten Jahr auf unserer mehrmonatigen USA Rundreise besichtigt hatten, war überwiegend europäisch (spanisch, französisch und britisch) geprägt, weil eben diese Einwanderer die Ureinwohner von Nordamerika abgemetzelt hatten und bis heute deren Nachfahren nicht vollumfänglich respektieren.

Jetzt also die Kultur Deutschlands. Weimar:

Goethe und Schiller Denkmal in Weimar

Goethe und Schiller haben hier gewirkt und sind in Form von Statuen, Museen und Straßennamen sehr präsent.

Goethes Gartenhaus im Ilmpark in Weimar

Ilm Park in Weimar

Uns interessiert jedoch mehr das Wirken der Bauhaus-Künstler ab dem Jahr 1919. Ganz vorne mit dabei Walter Gropius, Gründungsdirektor des Bauhauses, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe sowie die Meister Lyonel Feininger, Gerhard Marcks, Johannes Itten, Oskar Schlemmer oder Paul Klee. Das Bauhaus-Museum im Weimar zeigt eindrücklich die Entwicklung der Kunst-/Handwerks- und Architekturschule „Bauhaus“ und beschönigt nicht, dass die Bevölkerung zu dieser Zeit noch nicht reif war für diese neuen Kunstformen.

Bauhaus Musterhaus von 1923 in Weimar

Es herrschte eine extreme Inflation in den goldenen Zwanziger Jahren und politisch übte die parlamentarische Demokratie nach der Kaiserzeit die Weimarer Republik von 1918 bis 1933. Wie es ausging wissen wir heute. Schlecht lief es auch für das Bauhaus, denn das Land Thüringen stellte die Förderung ein und das Bauhaus zog 1925 nach Dessau in Sachsen-Anhalt. Nichts desto trotz haben die Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, die Architektur und die Kunst Weltkulturerbestatus.

Bauhaus Klassiker

Rückreise nach Deutschland in Zeiten der Corona-Pandemie

Eine Woche voller Überraschungen….
fing am Montag mit einer Überraschung der übelsten Art an. Als wir in der Früh unseren Liegeplatz am Steg der Brunswick Landing Marina verlassen wollten um in die Kranbox zu fahren, sprang unser Yanmar Schiffsdiesel nicht mehr an. Unser Yanmar, die Zuverlässigkeit par excellence. Fassungslos starrten wir den Motor an. Wir waren nahe am mental breakdown. Der herbeigerufene Mechaniker von der Werft konnte nicht helfen, ebenso nicht der Schiffselektroniker. Beide waren sich einig, dass der Anlasser seinen Geist aufgegeben hatte. Soweit war Walter auch schon, sogar mit dem Hämmerchen hat er auf den Anlasser geklopft, ohne Erfolg. Witzig, der Professional hat das auch versucht. Die Mitarbeiter der Werft haben die Sunrise in die Kranbox geschleppt und aus dem Wasser gehievt. Nun steht sie also hoch und trocken. Aufgrund der Corona-Pandemie haben bereits viele Geschäfte geschlossen, so auch die Lieferanten für die Schiffsersatzteile. Die Sunrise steht mit defektem Anlasser an Land. Ersatzteile gibt es hier grad nicht. Wir werden zu Hause einen neuen Anlasser besorgen und beim Rückflug mitbringen. Sicher ist sicher.

Am Dienstag mussten wir feststellen, dass der Flughafen in Jacksonville (40 Meilen von Brunswick entfernt) unseren Flug nach Newark/NJ gecancelt hat. Jacksonville liegt in Florida und da ist shutdown. Rien ne va plus.

Am Mittwoch war die Lufthansa Website nicht zu erreichen und ich hing 1 Stunde und 17 Minuten in der Warteschleife des Lufthansa Service Centers bis ich einen Ansprechpartner am Ohr hatte. Der freundliche Service-Mitarbeiter hat es gemanagt, unseren Reiseplan so zu ändern, dass der Flug von Jacksonville nach Newark herausgenommen und der Flug von Newark nach Frankfurt bestehen bleiben konnte. War wohl nicht einfach, weil bei einem Storno und auch bei einer Umbuchung eines verbundenen Fluges, wäre auch der Flug nach Frankfurt verfallen.

Am Donnerstag kam uns Enterprise Car Rental entgegen, indem sie uns die Rückgabe des Mietvertrages von Jacksonville auf Newark umgebucht haben. Dann ging es flott auf die Interstate 95, 918 Meilen bzw. 1.480 Kilometer immer gerade aus nach Norden. Mit zwei kurzen Tankstopps und zweifachem Fahrerwechsel waren wir nach 14 Stunden in Newark/New Jersey. Noch eine Nacht im Airport Hotel, dann…

Am Freitag früh noch volltanken, Mietwagen abgeben und ab ins Terminal C. Wir sind für den Flug eingecheckt!!!
Das Terminal ist fast verwaist. Nur ein Kaffee hat offen und zum Essen gibt es nichts – doch Chips und Salzbrezeln aus der Tüte. Natürlich auch die üblichen Getränkeautomaten mit der süßen Brause.
So siehts aus.

Impressionen vom Newark Airport

Saisonende 2020

Stillleben in Brunswick, Strom- und Wasserversorgung great - keep it in that level
Stilleben in Brunswick, Strom- und Wasserversorgung great – keep it in that level

Einige unserer Segelfreunde sind noch in den Bahamas. Eine Yacht liegt in Bimini South, die Crew ist froh und munter. Darf jedoch nicht zwischen den Inseln segeln. Es gibt wahrhaft schlimmeres als in Bimini auf bessere Zeiten zu warten. Eine andere Yacht liegt vor Cat Island, die Crew ist ebenfalls gesund, berichtet von keinerlei Einschränkungen. Innerhalb der Bahamas unterschiedliche Regeln. In Nassau/New Providence ist das Corona-Virus angekommen.

Als wir vor drei Tagen von Cape Canaveral weg sind, lagen im Hafen bereits fünf dicke, leere Kreuzfahrtschiffe fest. Ein Kreuzfahrtschiff der Norwegian und eines der Disney Linie waren laut dem AIS jedoch mit Ziel Bahamas unterwegs.

Ansteuerung Cape Canaveral
Zwei Kreuzfahrtschiffe Richtung Bahamas, Eines rein.

Beide Redereien haben Privatinseln in den Bahamas. Morgens werden Tausende ausgebootet, tagsüber Spaß- und Sportangebote für die Massen, karibisches Feeling auf den privaten Inseln San Salvador oder Ocean Cay. Derweil liegt das Kreuzfahrtschiff vor Anker und Teile der Schiffscrew unterstützen die Servicekräfte an Land. In den Bars und Restaurants an Land arbeiten viele Bahamians. Vier Wochen Service für die Touristen und dann eine Woche frei. An sich keine schlechte Sache.

Für uns ist die Saison definitiv zu Ende. Anfangs hatte ich noch mit der Entscheidung gehadert, aber mittlerweile stellt sich der Reisestopp als einzig vernünftige Entscheidung heraus. Stand heute sollen laut Aussage unseres Marina-Managers alle Häfen südlich Fort Lauderdale geschlossen sein. Zumindest haben die Behörden, die Schulen und Unis zu. Aber nichts genaues weiß man nicht. Alles ist im Prozess, eine Auskunft von offizieller Seite kann eine Stunde später schon nicht mehr stimmen.

Stillleben auf der Sunrise
Stilleben auf der Sunrise

Am Montag, 23.03.2020 kommt die Sunrise an Land und am Freitag, 27.03.2020 fliegen wir von Jacksonville nach New York Newark und von dort nach Frankfurt. Gebucht über die Lufthansa – auch mit dem Hintergedanken, dass bei Streitfällen deutsches Recht zur Anwendung kommt. Als letztes Ass, sollte unser Flug nicht durchgeführt werden, habe ich die „Luftbrücken-Liste“ des auswärtigen Amts im Ärmel. Wenn absolut gar nichts mehr funktioniert, dann ziehen wir diese Option.

Saison 2020_18 Abbruch

Shit happens!
Die Entscheidung ist gefallen. Wir unterbrechen unsere Reise bis auf weiteres. Definitiv nicht freiwillig.
Geplant war die US Ostküste von Charleston bis Cape Canaveral (Haken dran) runter zu segeln, danach rüber in die Bahamas. Gechillte Tage mit unserem Sohn und dessen Lebensgefährtin auf den Exumas. Daraus wird nichts. Unser Besuch wird nicht aus Deutschland ausreisen können. Der Flug Frankfurt-Toronto (Kanada)-Nassau (Bahamas) wird nicht stattfinden. Corona-Virus-Pandemie. Das ist das eine Problem.
Unser eigenes Problem ist jedoch größer. Unsere Cruising License läuft am 01.04.2020 ab. Das heißt, wir müssten mit der Sunrise für mindestens 15 Tage aus den USA raus, also auf die Bahamas, um danach wieder eine Cruising License für ein weiteres Jahr für die USA zu bekommen. So war der gut durchdachte Plan. Jedoch es gibt Gerüchte, dass die USA die Grenzen sehr bald dicht macht, also auch die Häfen. Somit ist ein Weg für uns zurück an die US Ostküste von den Bahamas kommend ausgeschlossen. Wir wären auf den Bahamas gefangen, weil der Weg nach Süden aus der Hurrikanzone raus (Grenada, Aruba, Bonaire und Curacao sind schon zu) und auch der Weg auf die Azoren (momentan auch geschlossen) keine Alternative ist. Atok direkt zurück nach Europa, also ohne Pause auf den Azoren, ist nicht unser Plan.
So werden wir hier an der US Ostküste bleiben, die Sunrise vor dem 01.04.2020 an Land stellen und versuchen die Sache mit der Cruising License irgendwie zu klären. Wir waren heute bei der örtlichen Customs and Border Controll Behörde. Die hat nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, wir sollen 15 Tage ausreisen, dann wiederkommen und wenn dann die Grenzen dicht sind – unser Problem. Dann schicken sie uns wieder weg. Kein guter Plan. Mehr oder weniger unter der Hand wurde uns gesagt wir sollen online ein sogenanntes DECAL über die Website der Customs und Border Control erwerben. Gilt für Ein- und Ausreisen in die und aus der USA für ein Kalenderjahr, kostet knapp 30 Dollar und wird per Post an die Heimatadresse verschickt. Das habe ich jetzt mal beantragt und bezahlt. Irgendwann werden wir es schon schaffen, nach Hause zu kommen um diesen „Bäbber“ aus dem Briefkasten zu holen. Vielleicht rettet uns das vor der Strafe im nächsten Jahr. Genaues weiß keiner, die Beamten hier vor Ort sind nicht wirklich daran interessiert einem weiter zu helfen.