Saison 2020_12

Brunswick Landing Marina

Sunrise in der Brunswick Landing Marina, Georgia USA

Bis Sonntag, 1. März bleiben wir hier. Jeweils montags, mittwochs und freitags ist Yoga class mit Dawn um 9 Uhr und Happy Hour ab 17 Uhr. Es gibt kostenlose Waschmaschinen, gute Wäschetrockner, courtesy bicycles und freies WLAN. Da wundert es nicht, dass es einige Hängengebliebene gibt.
Uns zieht es weiter in den Süden. Die Temperaturen sind hier etwas milder als in Charleston, aber in den letzten zwei Nächten ging es wieder runter bis zum Gefrierpunkt. Die Webasto Standheizung liefert nachts gute Wärme, tagsüber scheint seit gestern Gott sei Dank die Sonne wieder. Wärmt und füllt über die Solarzellen unsere Batterien wieder auf. Seit dem Batterietausch im letzten Jahr in Kolumbien hingen wir nicht mehr am Landstromkabel. Wind und Sonne machen es möglich. Problematisch waren die Regentage am Dienstag und Mittwoch. Keine Sonne und zudem kaum Wind. Da musste der Kühlschrank ausgemacht werden. Bei den Temperaturen hier ist das kein großes Problem.
Heute ist Brotbacken dran. Der Publix Supermarkt ist 7 Meilen weg, mit dem Fahrrad 30 Minuten, aber er hatte gestern kein Baguette mehr. Der Winn Dixie Supermarket in der Nähe ist nicht so gut sortiert – also selber Backen.

Roggenmischbrot vorher

Nachher

Saison 2020_11 Brunswick/Georgia

St. Simons Inlet

Brunswick Landing Marina, Georgia…. ist krass. Kurzfristig auszuhalten. Freibier 24/7 sowie heute Happy Hour ab 17:00 Uhr mit freiem Pinot Grigio (aus der 2 Liter Flasche von Aldi) und morgen Mardi Gras (Faschingsdienstag) mit freiem Alk und Futter (pot look). Oh my god. Das hält die stärkste Leber nicht aus.

Nach 28 Stunden Segeln von Charleston nach Brunswick, ohne wirklich zu schlafen, haut das echt rein. Aber Segler sind hart im nehmen. Wir sind Segler. Und wir wissen jetzt, alles funktioniert! Sowohl auf der Sunrise als auch wir.

Wir hatten eine schnelle Reise, keine Seekrankheit und auch keine sonstigen Malaisen. Ein gigantisches Seefahrtshinderniss hatten wir nur im St. Simons Inlet, das uns zur Brunswick Landing Marina führt. Im September letzten Jahres und ohne Einwirkung von wetterbedingten Einflüssen (also Hurrikan Dorian war unschuldig), kippte ein großer Frachter mit 4000 koreanischen Autos mir nichts dir nichts in einer Engstelle einfach um. Blöd gelaufen, bzw. blöd und falsch beladen. Jetzt liegt er da wie ein gestrandeter Wal. Menschen sind keine zu Schaden gekommen. Die Bergungsarbeiten laufen und sollen in vier Monaten beendet sein. Die Kias da drin, sind jetzt halt nur noch Boxautos. Shit happens.

Der Wal ist gestrandet

Saison 2020_10

Unser Dinghy hat Nachwuchs bekommen. Knuffige 2,10 Meter lang, mit rollbarem Lattenboden und um die 25 kg schwer. Nichts besonderes – aber als Backup für unser jetziges Dinghy reicht es allemal. Und wir sind billig rangekommen. Ein Stegnachbar hat es uns angeboten und wir haben es ihm nach einigem Überlegen abgekauft. Unser jetziges Dinghy hatte uns im letzten Sommer mit einigen aufgeplatzten Nähten verärgert. Es hatte die karibischen Temperaturen und die UV Strahlung nicht gut vertragen, es wurde geklebt und verstaut. Wir waren uns einig, dass wir es nach dem Winterlager aufpumpen, die Nähte prüfen und falls es wieder undicht ist, wird ein Neues, ein richtig gutes aus Hypalon gekauft. Prospekte hatten wir uns schon geholt und auch schon die Entscheidung für ein Achilles Dinghy getroffen. Jetzt jedoch hält das Dinghy die Luft und die Nähte scheinen noch gut verklebt zu sein – zu schade zum Wegwerfen. Verkaufen lässt es sich hier auch nicht, weil kein Ami kauft ein Dinghy ohne festen Boden und mit einer Zulassung für maximal 6 PS Außenbordmotor – die brauchen mindestens 20 PS Maschinen am Hintern. Also darf es noch bis auf weiteres auf der Sunrise mitreisen, uns klitschnass spritzen und von A nach B bringen. Wenn es dann auf den Bahamas die Sonne nicht abkann und die Nähte wieder den Schnabel aufsperren, muss es weg. Genau für diesen Fall haben wir jetzt ein Update. Die Entscheidung für ein Hypalon-Dinghy ist vertagt.

Saison 2020_9

Den dritten Tag in Folge regnet es. Unser Teakdeck-Restaurierungsprojekt stockt bzw. steht komplett still.
Vor lauter Tee, Kaffee und Kakao kochen ist unsere erste 5 kg Gasflasche bereits leer gesaugt. (Und Rum für Lumumba gibt’s auch nimmer) Gas nachfüllen sollte bei U Haul in Charleston City in der Kingsstreet gehen. Zumindest ging es dort im Juni 2019 noch. Die Charleston Harbor Marina liegt auf der Mount Pleasant Seite, gegenüber von Charleston City getrennt durch den Cooper/Ashley River. Kein Problem, wir nehmen den kostenlosen Resort-Shuttlebus rübber über die Brück. Der Fahrer wundert sich nicht über die Gasflasche in Walters Rucksack und setzt uns freundlicherweise außerhalb seiner üblichen Route bei U Haul ab. Für den Rücktransport müssten wir allerdings 15 Minuten zurück zur Marketstreet, zum Sammelpunkt laufen. Kein Thema. Machen wir. Walter zwar mit der Gasbombe auf dem Rücken – muss ja keiner wissen. Aber soweit kommt es nicht, die Gasflasche bleibt ungefüllt. Weil sich die Tussi am Gastank so außerordentlich bescheuert anstellte. Erstens kannte sie die europäischen Gasflaschen aus Metall nicht, was ihr ja niemand verübeln kann. Zweitens störte sie sich am rostigen Griff und Boden und sie ließ sich erst überreden die Flasche anzuschließen als Walter ihr den Stempel bis 2021 zeigte, war ja auch noch ok. Aber dann war sie nicht in der Lage, die Kupplung richtig an unseren amerikanischen Gasfüll-Adapter anzuschrauben. Irgend wie schlampig krumm und undicht draufgedreht, gab sie „Gas Marsch“. Das Gas versprühte sich über den ganzen Hof und vereiste umgehend die Kupplung, den Adapter und die Leitung, sodass gar nichts mehr ging. Tussi war bocksauer und beschuldigte uns, dass unser Adapter schuld sei. Nein, war er nicht. Wir zogen unverrichteter Dinge ab – natürlich ohne zu bezahlen.
Das war am Dienstag. Am Mittwoch früh für 8 Uhr bestelle ich den Shuttlebus zum Einkaufszentrum. Es war der gleiche Fahrer wie am Vortag, der mich fragte, ob wir gestern bei U Haul erfolgreich waren. Irgendwie roch er, dass das nicht geklappt hatte. Ich erzähle ihm die Story und er bot sich an, uns in seiner Mittagspause zum Hardwarestore True Value in Mount Pleasant zu fahren. Die hätten auch Propangas und dort würde es funktionieren. Alle europäischen Segler würde er dorthin fahren. Es hat funktioniert. Vielen Dank Henry.
Henry hat übrigens eine sehr interessante Familiengeschichte. Seine Wurzeln liegen in der Ukraine und die Flucht seiner Familie begann 1917 zu Zeiten der Oktoberrevolution, nachdem der Vater seines Vaters ermordet worden war. Nach einer Odyssee über drei Länder kamen sie schließlich in die USA und erhielten die Aufenthaltserlaubnis und schließlich auch die Staatsbürgerschaft. Nichtsdestotrotz ist er sehr kritisch und meinte, dass dies in der heutigen Zeit wohl nicht mehr funktionieren würde.
Heute, am Donnerstag, bin ich in der Waschmaschinen/Trockner Endlosschleife. In einer Regenpause renne ich vor um die Wäsche in die Maschine zu stecken, und der nächsten Pause, bzw. bei Nieselregen renne ich zurück zum Schiff (immerhin fast 10 Minuten) und dann wieder…. Wäschetrockner, 2. Maschine mit Wäsche, Wäschetrockner. Auf meiner letzten Runde verwischt es mich doch derart, dass ich nass bin, bis auf die Unterwäsche. Also komplett ausziehen, alles in den Plastiksack stecken. Ölzeug raus suchen – wo verdammt sind die Gummistiefel? Das Socken/Waschmaschinen-Phänomen hat zugeschlagen, es fehlt zwar nur eine Socke, aber das Schiff hat meine Gummistiefel gefressen. Das ist viel schlimmer. Also nächste Runde im Ölzeug und Flipflops (ohne Socken, weil die wären ja dann gleich wieder nass) zum Trockner, die regennassen Klamotten trocknen. Im Schiff wird bei diesen Temperaturen nichts trocken.
Eine richtig gute Nachricht haben wir heute zu verkünden. Wir haben ja auf dem Schiff immer mit dem Problem des Standschadens zu tun – und aus diesem Grunde, weil wir uns nicht noch eine weitere Baustelle ans Bein binden wollten, blieb bislang die Webasto Dieselstandheizung aus. Zuletzt hatten wir sie, unserer Erinnerung nach, im Oktober 2013 auf der Rückführung von der Ostsee in die Nordsee nach Hooksiel ins Winterlager angeworfen. Vor über sechs Jahren. Aber, deutsche Wertarbeit !!!, sie tut. Und das ist gut so. Es hat 8 Grad draußen, abnehmend in der Nacht – tagelang durchgefroren bis auf die Knochen, das hält der härteste Segler nicht aus.

Saison 2020_8

Zwiebellook ist angesagt. Nordwind Lage. Heute reichen vier Lagen gerade so um nicht in eine Schockstarre zu fallen.

Tagsüber machen wir seit drei Tagen Knochenarbeit an Deck. Unser schönes Teakdeck ist futsch. Die starken karibischen UV-Strahlen haben die Fugen mürbe und porös gemacht. Es bröselt. Die Feuchtigkeit dringt unter die Teakstäbe. Das wollen wir an den schlimmsten Stellen unterbinden. Eigentlich gibt’s nur schlimmste Stellen. So rutschen wir auf den Knien und wahlweise auch auf unseren Hinterteilen vom Bug zum Heck und popeln mit Skalpell und Linoleumschneider die rotten Fugen raus. Wirklich eine echte Sträflingsarbeit. Die Fein mit dem Spezialschneider für diese Scheißarbeit können wir nicht einsetzen; mit 110 Volt und 60 Hertz läuft die nicht wirklich. Auch unser Wandler packt das nicht – also Handarbeit. Walter hat die Aufgabe die Teakstäbe nach dem Auskratzen abzukleben und mit neuer Fugenmasse auszuspritzen. Murphy’s law verfolgt uns. Alles was passieren kann, passiert und potenziert sich. So brechen reihenweise die Skalpellklingen ab, die mit Fugenmasse verschmierten Klebebänder wickeln sich beim Abziehen, vom Wind beschleunigt, um Wanten und Schoten, natürlich latscht der Eine oder die Andere über eine frisch ausgespritzte Fuge. Alles in Allem eine mordsmäßige Sauerei mit der schwarzen Fugenmasse. Und, was soll ich sagen, eine super Stimmung an Bord. Das gibt sich erst am Abend nach der heißen Dusche und dem Abendessen wieder. Heute zum Valentinstag gab es gute Schweizer Schokolade Kugeln zum Runterkommen – könnte ich mich dran gewöhnen.

Saison 2020_7

Rigg Check

Arbeitsreiche Tage stehen uns bevor. Heute Rigg-Check und Segel anschlagen. 42 qm Vorsegel und 36 qm Großsegel aus der Vorschiffskoje an Deck zu wuchten würde heute an Fitnesstraining schon reichen, wir gehen jedoch in die Vollen. Nachdem ich Walter in den Mast gezogen habe (mit der Elektrowinsch) und er das Rigg für in Ordnung befunden hat, ziehen wir das Vorsegel in die Rollanlage und anschließend wird noch das Großsegel angeschlagen und faltenfrei (hoffentlich) in den Mast gerollt.

Jetzt nur noch eine heiße Dusche für die belasteten Muskelgruppen zur Tiefenentspannung.

Zwischendurch kommt noch kurz Hektik auf, weil wir die Abdeckung für die Steuersäule nicht mehr finden. Auf 12,30 Meter Schiffslänge. Wir befürchten, dass der Sturm sie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag abgeräumt und im Wando River versenkt hat. Das wäre echt ärgerlich. Ich bin mir sicher, ich habe sie verstaut. Aber wo? Eigentlich wie immer unter der Vorschiffskoje. Das Vorschiff, momentan eher noch Wurfkoje, wird erst von Walter, dann von mir und final nochmal von Walter umgegraben. Keine Abdeckung zu finden. Nicht unter den Waschbecken, nicht unter den Salonbänken, nicht hinter den Sitzbänken, wobei an diesen Orten zu suchen echt dämlich ist. Das Ding ist schlicht zu groß dafür. Wir finden Sie schlussendlich in einer der Backskisten. Niemand hat sie da hinein gelegt. Die hat sich selbst da hin gebeamt.
In der Marina hat sich wohl herumgesprochen dass da „a new foreign boat “ im Hafen liegt. Oder haben die Infos vom Boatyard im Wando River über „the two crazy Germans“ bekommen? Im Laufe des Tages jedenfalls bekommen wir Besuch von zwei Amerikanern, die uns an Steg „E“ willkommen heißen. Müssen wir jetzt eine Runde ausgeben? Befürchten die, dass wir länger bleiben? Wir kennen die Rituale hier nicht und fragen lieber mal nicht nach.

Zum Ausklang des Tages gibt es wieder ein wunderschönes Farbenspiel am Himmel im kalten South Carolina.

Immer wieder schön

Saison 2020_6

Väterchen Frost war zu Besuch

Ab in den Süden!
Die letzte Nacht im Wando-River war saumäßig kalt, so kalt, dass einem beim Zähneputzen die Selbigen aus dem Gebiss fliegen könnten. Unser alter Segelfreund Gerard, der das eine oder andere Mal mit uns im Oktober durch den NordOstseekanal gefahren ist, würde sofort seinen Kreislauf reduzieren und in den Winterschlaf fallen aus dem er erst wieder im Hochsommer erwachen würde.
Zitat Elke zu dieser Nacht: Ich habe nicht geschlafen – ich war schockgefrostet. Kurz nach sieben Uhr, die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich schon, steckt der Käpt’n seinen Kopf aus dem Niedergang. Das Deck ist trocken sagt er und tritt auf das Laufdeck. Um ein Haar hätte es ihn freiweg auf den Hintern gesetzt, es war nämlich überhaupt nicht trocken, sondern vereist. Er hält gerade so das Gleichgewicht und kommt erst mal wieder nach unten um eine Tasse Tee zu trinken. Nützt alles nichts, um kurz nach acht Uhr ist Hochwasser und wir müssen vor Hochwasser vom Steg weg. Bei ablaufendem Wasser ist die Strömung so stark , dass es die Sunrise auf den Steg und die Fender platt drückt. Manöver in diesem Tidenrevier nur bei Slack. Slack ist das Zeitfenster indem die Tide kentert, das Wasser sich entscheidet, dass jetzt die Gegenrichtung einzuschlagen ist. So etwa eine halbe Stunde vor und nach Hoch- oder Niedrigwasser. Unser Zeitfenster. Entgegen aller Regeln, nämlich nicht mit Straßenschuhen auf das Boot zu gehen, ziehe ich meine Wanderstiefel (mit Wollsocken) an, um bei der Leinenarbeit einen sicheren Stand zu haben. Die Bootsschuhe sind wie Schlittschuhe – kein guter Plan.
Der Ableger klappt prima, fast ohne unser Zutun entfernt sich die Sunrise mit Hilfe der Strömung gemütlich vom Steg, rückwärts wegziehen und ab in den Wando River – Kurs Süd. Immerhin knapp 15 Seemeilen. Die Sonne taut unterwegs das Deck auf. Wir stehen wie die Michelinmännchen da, Leggins unter der Jeans, T-Shirt, Wollpulli, Fleeceweste und Daunenjacke, Schal, Handschuhe und Mütze fehlen nicht. Kein Witz! Das kann man echt nicht glauben.

Der Hafenmeister der Charlestown Harbour Marina erwartet uns und legt uns zur Sicherheit gleich an einen Kopfsteg. Der Länge nach einparken geht auch bei Strömung. Er meint, gegen 13 Uhr kommt er wieder (Slack-Time) und weist uns dann in unseren endgültigen Liegeplatz ein. Kluger Mann. Der kann was. Außerdem lädt er uns gleich zur Oyster-Party im Hotelresort ein. Als Marinagast haben wir freien Zugang zu allen Hotel-Events (klar bezahlen wir das mit) aber unser Problem ist, dass wir dieses glibberige Austernzeugs nicht um alles in der Welt schlürfen mögen. Das ekelt uns Beide an. So hören wir etwas karibische steel drums Musik und ziehen uns zum gepflegten Mittagsschlaf zurück.

Oyster Party mit Lagerfeuer

Ach ja, der interessierte Segler fragt sich sicher, ob ich das Problem mit dem AIS beheben konnte – ja konnte. Mit der weitgereisten ausgedruckten deutschen Beschreibung, die immerhin zwei DIN A 4 Ordner füllt. Früher hat Frau die RTFM noch ausgedruckt und nicht alles gegoogelt. Das hat den Vorteil, dass mit vielen bunten Leuchtstiften und Bäbbern (Post its) gearbeitet werden kann. War nicht alles schlecht in der Prä-Google Ära.

Saison 2020_5

Nur die Harten kommen in den Garten

Noch Fragen zum Wetter? Es ist arschkalt!

Standschaden – Unwort der Woche. Wir testen die Schiffselektronik. Immer wieder fällt der Begriff Standschaden. Ich will und kann es nicht mehr hören. Walter, in voller Wintermontur, macht sich auf dem Vorschiff an die Arbeit. Eines der zwei Positionslichter, das grüne, verweigert sich. Erstens kommt man an die entsprechenden Schrauben nicht ran ohne den halben Bugkorb zu demontieren und zweitens kommt Murphys Law zum Tragen. Natürlich fällt eine der Schrauben ins Wasser. Und natürlich ist es eine metrische, die es hier nicht gibt. Wir finden in der Werkzeugkrabbelkiste Ersatz. Die 12 Volt Leitung zu den Lichtern ist korrodiert und muss ausgetauscht werden. Reparaturmaterial bekommen wir bei West Marine und bei Walmart. Immerhin. Nun leuchtet es wieder grün/rot am Bug und einer Nachtfahrt steht von dieser Seite aus nichts im Wege.
Aber das AIS, das Schiffsidentifizierungs-Gerät macht derzeit noch Zicken. Das Gerät kriegt wohl Saft, eine grüne Leuchtdiode ist aktiv, aber der Plotter, mit dem das AIS über das sea talk Netzwerk verbunden ist, will die AIS Signale nicht darstellen. Das liegt daran, dass wir den Plotter zur Überholung zu Raymarine nach England geschickt hatten und die Spezialisten dort den Plotter auf Werkseinstellungen zurück gesetzt hatten. Der konnte nix mehr. Jetzt kann er wieder GPS, WIND, LOT UND LOG – AIS fehlt noch. Ohne AIS keine Nachtfahrt. Ich hoffe, dass ich das in den nächsten Tagen selbst noch hinbekomme. Den Ober-Spezialisten hier traue ich überhaupt nichts zu und bitte inständig, dass ich keinen kommen lassen muss.

Saison 2020_4

Sie hängt in den Seilen

OMG – ist der Standardausruf der aufgesetzt euphorischen Ami-Muttis. Immer und überall ist er zu hören. Oh-mein-Gott wäre heute erstmals angebracht gewesen. Die Sunrise wurde endlich wieder in ihr Element gehoben wurde. Natürlich war die dicke Motoryacht vor uns nicht rechtzeitig fertig geworden und wie zu erwarten stand George G. Durst III (der Dritte), der Werftmanager, am Vormittag bei uns am Schiff und fragte nach, ob wir wirklich heute eingekrant werden wollen. Und wie wir das wollten. Das Appartement hatten wir ja bereits schon einmal um vier weitere Tage verlängert und waren nach dem Frühstück mit dem restlichen Sack und Pack ausgezogen. Also hatten wir keine Bleibe und außerdem keinen Goldesel für die nötigen Golddukaten. Das einzusehen fiel dem Manager nicht sehr schwer, schließlich hatte er uns den Krantermin bereits in der letzten Woche zugesagt. Seine Mitarbeiter mussten die Motoryacht eben umparken um uns in die Seile hängen zu können. Bei allem Ärger, den wir hier haben – Kranfahren können sie. Millimetergenau. Immerhin.
Sogar der Servicetechniker kam, als die Sunrise schwamm, an Bord um zu sehen, ob der frisch gewartete Schiffsmotor ansprang und vor allem, ob die getauschten Filter dicht hielten. Ja, sie sind dicht, jetzt nach sechs Stunden noch und hoffentlich bis zum nächsten Service.
Morgen steht der Elektronik-Check auf dem Programm. Meine speziellen Lieblinge, das SSB Radio (umgangssprachlich die Funke) und das Pactormodem kennen immerhin noch die Bluetooth Verbindung zum alten Windowsrechner. Das habe ich schon gecheckt. Das Airmail-Programm startet auch und stellt die Frequenzen an der Funke um. Die Sailmail-Stationen hier in den USA haben auf meine Funkanfragen noch nicht geantwortet – das kriegen wir auch noch hin.
Wetterdaten krieg ich, aber aktuell nur übers Internet mit einem WLAN Hotspot vom Mobiltelefon aus. An Land und an der Küste kein Problem, aber ein paar Seemeilen draußen auf dem Atlantik ist nichts mit Mobilfunk und Co. Da muss die Funke das Wetter reinbringen.
Ansonsten sind wir gesund und munter und gehen in die erste Nacht an Bord seit sechs Monaten. Mal sehen wie der Nachtschlaf wird.

Saison 2020_3

Am Sonntag ruht die Baustelle um uns herum

Die warmen Bettdecken lüften in der Sonne

Es ist außergewöhnlich kalt. Die warmen Bettdecken, die seit der Biscaya in der hintersten Ecke unter der Vorschiffskoje verstaut waren müssen raus. An die Sonne. Unwahrscheinlich wie miefig die ehemals frisch gewaschenen Decken nach Jahren im Vakuumbeutel riechen. Wenigstens scheint heute die Sonne, bei 12 Grad. Gefühlt wie 5 Grad. Noch viel wichtiger ist, dass heute die Baustelle um uns herum ruht. Das Werftgelände wird momentan mit schwerem Gerät bearbeitet und umgestaltet. Zwischendrin die eingelagerten Schiffe. Das ist saumäßig ätzend, wenn die Radlader, Planierraupen und Bagger an unserem Heck vorbei bollern und ihre öligen und rußigen Abgase direkt in unser Cockpit blasen. Mal wieder den Jack Pot gezogen.
Wir arbeiten tagsüber am Schiff und am späten Nachmittag fahren wir ins Hotel zurück. Bis Mittwoch habe ich das Hotelzimmer verlängert, denn auf dem Schiff zu leben ist ausgeschlossen. Es gibt zwar eine Toilette und eine Dusche auf der Werft, aber das Wasser hat keine Trinkwasserqualität. Es stinkt nach Faulei. Damit muss ich nicht unbedingt duschen. Es darf auch nicht in den Frischwassertank, somit kann auf dem Schiff weder gekocht noch gespült werden. Am Mittwoch sollen wir ins Wasser gehievt werden. Hoffentlich klappt wenigstens das. Ab Samstag bekommen wir in der schicken Charleston Harbour Marina einen Liegeplatz, zunächst einmal für eine Woche. Verlängerung nicht ausgeschlossen, je nach Wind.