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Grand Cayman Island, George Town
Erster Eindruck: angekommen in der Zivilisation. Massive Steinhäuser, nett im englischen Stil, einige wenige supermoderne Bankenhochhäuser (max. 5 Stockwerke), Supermärkte mit Allem und noch viel mehr, kein Müll auf den Straßen – leider auch kein Geld. Das papierlose Geld liegt auf den Konten und wird verwaltet von tausenden Briefkastenfirmen. Im Uglandhaus in der South Church Street sollen 18000 Firmen ihren Unternehmenssitz haben. Das Haus hat 5 Etagen und geschätzte 2.250 Quadratmeter Bürofläche, das wären immerhin 0,125 Quadratmeter pro Firma. Das reicht für ein Notebook um weitere 18000 E-Mail-Accounts zu verwalten.

Ugland House, Unternehmenssitz von 18.000 Firmen

Ugland House, Unternehmenssitz von 18.000 Firmen

Eine Kuriosität auf der Insel sind die vielen frei laufenden Hühner. Mitten in der Stadt, selbst vor der Kentucky Fried Chicken Filiale, scharren die Viecher im Gras. Hurricane Ivan fegte im September 2004 über Cayman hinweg und richtete viel Schaden an. Unter anderem zerstörte er auch die Hühnerfarmen, die Viecher büchsten aus und vermehren sich seither fröhlich weiter. 12.09.2004 ist der Cayman-Chicken-Independence-Day.

Wir liegen mit der Sunrise sicher an einer der wenigen orangenen Mooringbojen für Gastschiffe im Nordteil des Hafens vor George Town, Grand Cayman. Es war eine richtige Entscheidung nicht nach Cayman Brac zu gehen. Es kachelt seit vorgestern mächtig und an Cayman Brac und Little Cayman entlang fegen Böen mit 40 Knoten aus Nordost. Auch an Kubas Küsten ist mächtig was los. Bis Mittwoch hält der starke Wind an und lässt dann langsam nach.

In den letzten Tagen waren wir zusammen mit der Rebell-Crew zu Fuß und mit den öffentlichen Bussen auf der Insel unterwegs.

Captain Bernd Rebell links, Captain Sunrise rechts

Captain Bernd Rebell links, Captain Sunrise rechts

Letzten Freitag waren wir förmlich umzingelt von fünf Kreuzfahrtschiffen

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und ergriffen die Flucht mit der Buslinie 9 ans Ostende der Insel. Hier gibt es keine Souvenirläden und Bars. Es gibt ein Tauchresort, wenige BBQ-Stände mit den typischen Fass-Grills

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und die „Wreck of the ten Sails“ Gedenkstätte für die Schiffe, die an der riffreichen Ostküste von Grand Cayman aufgelaufen und gestrandet sind.

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Im Norden der Insel, am Rum Point ist im 19. Jahrhundert ein mit Rumfässern beladenes Schiff havariert. Ein Fest für die Einheimischen – Rum for free über Jahre hinaus.

Am Samstag statteten wir der deutschen Segelyacht Balou, mit Beate und Reiner, in der Barcadera-Marina im North Sound einen Besuch ab. Die Beiden waren sehr mutig und sind durch die Riffpassage und den mit Untiefen gespickten North Sound gefahren. Es gibt einen Weg durch den North Sound, mit genauen GPS-Punkten und Kurslinien, der ist aber nicht betonnt und hat zwischen 2,1 und 2,7 Meter Wassertiefe, links und rechts davon aber nur 50 oder 90 cm Wassertiefe. Nichts für schwache Nerven. Nun warten die Beiden bis sich der Starkwind gelegt hat um nach Mexiko weiter zu segeln.
Wir warten heute, Montag, 6. März 2017 auf der Sunrise. Es bläst auch hier im George Town Harbour mit 30 Knoten. Sicher ist sicher. Unser Gummi-Dinghy wäre überfordert und deshalb gibt es heute keinen Landgang, kein Wi-Fi und viel schlimmer noch kein leckeres Häagen Dazs Eis im Kreuzfahrtterminal, keinen Sundownder und nichts aus dem überragenden Supermarkt und kein Frischfisch direkt vom Fischer.

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Jack van Ommen
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Bevor die Rebell Montego Bay erreichte schrieb uns Birgit eine Whats app, wir sollten im Ankerfeld nach der Yacht Feetwood Ausschau halten. Das taten wir, konnten die Feetwood aber nicht sehen. Als die Rebell Montego Bay erreichte und zum Einklarieren kam, stand da auch Jack, Eigner der Feetwood und freute sich Birgit und Bernd nach fünf Jahren wieder zu sehen. Die Rebell und Fleetwood hatten sich in Griechenland kennen gelernt und zum letzten Mal gesehen und Birgit verfolgt seit dem Jacks Blog.
Jack ein nun mehr achtzigjähriger !!! Segelveteran ist seit 2005 unterwegs mit seiner Feetwood. D.h. er ist in 2005 an der Ostküste von Amerika gestartet und über die Nordatlantikroute nach Europa gekommen, hat hier Rhein und Donau befahren und ist über das Schwarze Meer in das Mittelmeer gekommen, all dies machte er mit seiner alten Feetwood, ein 30 Fuss Holzschiff mit Knickspant. In Ibiza war jedoch für die Fleetwood (1) dann Feierabend, denn in einer Sturmnacht strandete Jack mit seinem Schiff und verlor es. Mit viel Glück konnte er diese Havarie unbeschadet überstehen, hatte zwar Hab und Gut verloren, aber er lebte und er sagte sich „der liebe Gott hat noch was mit mir vor, wenn er mir mein Leben schenkt“. So segelte er weiter, hatte das Glück genau das gleiche Boot noch einmal kaufen zu können und ist heute einen Tag nach seinem achtzigsten Geburtstag, den er einsam und allein auf See verbrachte mit uns gemeinsam in Grand Cayman George Town angekommen.

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Jack hatte ein wirklich bewegtes Leben. Vom holländischen Jungen in Kriegszeiten (seine Mutter war aufgrund ihrer Sympathie für die holländische Résistance ab Februar 1944 im KZ Ravensbrück und in Dachau),zum aufstebenden Holzhändler, der dann nach Amerika auswanderte und sich dann mit einem kanadischen Freund selbständig machte und zum Millionär wurde. Nach drei Ehen mit fünf Kindern (2 Adoptivkinder) das Weite suchte und mit 150 US Dollar in der Tasche mit seiner kleinen Segelyacht Fleetwood aufbrach um Neues zu erkunden. Das ist Jack. Wir durften ihn kennen lernen und er hat uns sehr beeindruckt. Auf seiner neunjährigen Weltumsegelung, die er in den nächsten Monaten irgendwo an der Ostküste der USA komplettieren wird, hat er zwei Bücher geschrieben. Eines in dem er seine Familiengeschichte aufarbeitet (The Mastmaker’s Daughters) und ein zweites über seine Weltumsegelung (Solo Man). Jack ist ein Mann der Mythen, so hat er uns erzählt, dass er am 28.02.2017, seinem 80. Geburtstag um 12:00 Mitternacht den 80igsten Längengrad übersegelt hat. (Stimmt wirklich, denn wir waren zusammen von Montego Bay losgesegelt und in unmittelbarer Nähe) Ein gutes Ohmen für seine Zukunft! Happy Birthday Jack!!!

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Zum Abschied von Montego Bay haben wir noch eine ordentliche Watschn (Ohrfeige) bekommen. Nachdem wir Ausklariert und zum dritten Mal ein und dasselbe Formular ausgefüllt hatten, gingen drei Crews zurück zu ihren Schiffen. Die Fleetwood mit Jack van Ommen (Solo Man) lag rechts neben uns und die Rebell glücklicherweise am Anker. Eine schwarze Wand kam zum Abschied auf uns zu und brachte so viel Wind und Regen mit, dass die Fleetwood und auch wir trotz straff durchgesetzter Mooringleine mit dem Heck gegen den Steg knallten. Das war eine ganz üble Sache, da wir mit unserer Aries Windfahne gegen den Steg knallten. Wir halfen zuerst Jack beim Ablegen und dann mussten wir einen Blitzableger zum Schutz unserer Sunrise fahren. Zwischenzeitlich waren auch drei Helfer am Steg und riefen, dass wir sofort weg sollten – na das hatten wir schon selbst bemerkt. Die Helferlein waren jedoch sehr nützlich, da Walter und ich auf dem Schiff bleiben konnten und sie uns die Heckleinen und die Spring loswerfen konnten. Nun ging es daran, die gefühlten 300 Meter Leine bis zur Mooringboje am Bug einzuholen. Walter fuhr mit der Maschine in Richtung Mooringboje und ich hatte alle Hände voll zu tun die Festmacher einzuholen. Neben uns trieb die Fleetwood, die sich in ihrer Festmacherleine verfangen hatte, obwohl Bernd von der Rebell mit dem Dinghy die Leine sauber losknüpfen konnte und eigentlich nichts hätte schiefgehen können – aber leider war das Manöver auch für Jack zu hektisch, sodass er seinen eigenen Festmacher auf der falschen Seite einholte und ihn unter seine Fleetwood zog. Während dieses Manövers trieb die Fleetwood auf uns zu und mir blieb nichts anderes übrig als die letzten 15 Meter Festmacherleine mit dem Keramikmesser mit einem Schnitt zu kappen. Wir waren frei aber die Fleetwood trieb in die Mooringleine unseres linken Nachbarn am Steg. Mit Hilfe von Bernd und Birgit im Dinghy bekamen sie die Fleetwood frei und Jack konnte losfahren. Er hat morgen Geburtstag, er wird 80 Jahre alt. Wir sehen ihn hoffentlich auf Grand Cayman gesund wieder und feiern seinen Geburtstag nach. Nach diesem Scheißmanöver warfen wir erst mal wieder unseren Anker und begannen den Sonnenschutz abzubauen, die Fender einzuholen, die total verschlickten Festmacherleinen zu spülen und einen Pott Tee zu trinken sowie die letzten Wifi Strahlen einzufangen um diesen Bericht zu tippen.
Liebe Seglerfreunde, wenn ihr nach Montego Bay zum Ausklarieren müsst, dann bleibt im Ankerfeld. Das Bojenfeld ist mit einheimischen Booten komplett belegt und Platz zum Ankern bleibt nur für drei Schiffe – also eine ganz enge Kiste. Aber auf jeden Fall besser als die drei Gastliegeplätze am Kopfsteg, die Art und Weise dort festzumachen ist unmöglich. Die Mooringbojen liegen gefühlte 300 Meter weit weg, der Bug ist zwar fixiert, aber bei Winddruck hängt ihr trotzdem auf dem Steg. Sehr unkomfortabel und dazu noch schweineteuer.

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Wir wollen weg aus Montego Bay, Jamaika.
Die Rebell-Crew liegt am Anker in Sichtweite und wartet ebenfalls auf fairen Wind für die Reise zu den Cayman Islands. Wir beschließen, dass wir gemeinsam morgen, am Montag, 27.02.2017 lossegeln. Unser Ziel Grand Cayman Island liegt 210 nm entfernt, das heißt wieder zwei Nächte auf See. Zunächst wollten wir nur nach Cayman Brac, aber wenn wir hier schon mal um die Ecke sind, schauen wir uns doch eben mal die Briefkastenfirmen in George Town/Grand Cayman an. Vielleicht liegt ja Geld auf der Straße, wer weiß?

Wer sich für Finanzschiebereien, die Machenschaften der Banken und die der Mafia interessiert, dem sei der Roman „Die Firma“ von John Grisham ans Herz gelegt, ein sehr lesenswertes Buch mit Bezug zu den Caymans.

Bilder aus Jamaika gibt es derzeit nicht, die Upload-Geschwindigkeit der WiFi Verbindung ist so mager, dass keine Bilder hochgeladen werden können. Leider.

Es ist an der Zeit nach vier Wochen auf Jamaika ein Resümee zu ziehen:

a) Port Antonio: Gute Möglichkeit das Schiff in die Marina an den Steg (sehr sicher, aber teuer), an die Boje (sehr sicher, mäßig teuer) oder in den Osthafen (k.A. wie sicher, keine Gebühren) vor Anker zu legen. Das Städtchen Port Antonio ist voller Leben, der Markt findet auf der Hauptstraße statt, die Menschen sind freundlich, aber überwiegend bettelarm. Jeder Weiße wird sofort in die Schublade „Geld“ gesteckt und entsprechend angemacht – zwar sehr freundlich, aber permanent und bestimmt. Uns ging die Anmache ab dem 4. Tag gehörig auf den Keks. Manch Anderer kann damit besser umgehen.

b) Kingston: Ohne Guide eine No-Go-Area. Zumindest downtown. Sehenswert ist der Tat das Bob Marley Museum, das Ward Theater und das Devon House. Wir hatten Glück, dass wir die Adresse von Matthias, the rasta, bekommen hatten und eine individuelle Führung durch Kingston hatten.

c) Blue Mountains: ein Must. Möglich mit dem Mietwagen oder per Taxi. Einfach nur schön.

d) Oracabessa: Gut zu ankern, im Fischereihafen oder vor dem James-Bond-Beach. Ansonsten tote Hose.

e) Ocho Rios: Touristen-Bespaßung mit Delfinen und Dunn´s River Falls. Nice to see.

f) Discovery Bay: Schöne Ankerbucht mit klarem Wasser hinter einem Riff. Etwas tricky zum Ankern, weil viele Steine und Korallenblöcke „im Weg“ sind. Ansonsten empfehlenswert.

g) Montego Bay: Montego Bay Yacht Club (sichere Liegemöglichkeit), Ankerfeld vor dem Yachtclub (ebenfalls sehr sicher und geschützt). Außer dem Yacht-Club Restaurant mit Bar ist nichts los. Das Wasser ist brackig, also keine Bademöglichkeit direkt vom Schiff aus. Getränke und Verpflegung im Yachtclub sind hochpreisig. Fast gegenüber ist das Hard Rock Café mit eigenem Strand und Swimming Pool. Die Anlage ist sehr schön angelegt, hat aber auch ihren Preis. Am Wochenende schallt der Lärm von der City von Pier 1 und der Doctor´s Bay zum Yacht Club herüber. Die Basswumme verursacht Herzrhythmusstörungen auf eine Entfernung von 5 Seemeilen. Selbst Ohropax hilft nicht.

h) Würden wir nochmals herkommen? Nein, wir haben viel gesehen und aufgenommen, aber wir brauchen Jamaika kein zweites Mal.

i) Die Lokals sind verblendet. Sie sehen dass die Touristen, speziell die von den Kreuzfahrtschiffen mit Geld nur so um sich werfen, sehen im Fernsehen (läuft in der ärmsten Hütte rund um die Uhr) die Soaps, wo Geld eh keine Rolle spielt und immer zur Verfügung steht, können aber nicht nachvollziehen, dass der Großteil der Touristen im wahren Leben einen harten 40-Stunden-Job hat, sich sein Geld sauer und sauber verdient hat und sich ein Mal im Jahr eine 14-tägige-Kreuzfahrt leistet und im Urlaub nicht aufs Geld achtet. An 14 von 365 Tagen. Aber das ist ein Thema, das nicht nur die Karibik betrifft, sondern schon bei uns vor der Haustüre bei den Mittelmeeranrainern beginnt und in Asien nicht aufhört.

j) Müll: Wie überall in der Karibik ein endloses und frustrierendes Thema. Kurz gesagt: Müll liegt und schwimmt überall rum.
Völlig idiotisch ist die Regelung in Port Antonio. Dort, im Westhafen an der Boje benötigt man einen Tank für das Brauchwasser und muss diesen wöchentlich für US $ 30 abpumpen lassen. Am Steg in der Marina muss der Tank geschlossen sein, das heißt, man/frau darf nicht an Bord aufs Klo, sondern muss die Facilities der Marina nutzen. Dagegen läuft 100 Meter Luftlinie entfernt die komplette Kacke des Ortes ungeklärt in den Osthafen und die Ankerlieger dort dürfen nach Belieben pinkeln und kacken.

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Unser Segelfreund Gerhard ist seit Mittwoch mit deutscher Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit wieder zurück in Deutschland. Wir hängen noch im Montego Bay Yacht Club und sind etwas angenervt. Die Nachbarlieger sind Lokals und eigentlich sehr freundlich, leben aber auch am Steg ihr lautes No-Problem-Leben. Von morgens bis in die Nacht dröhnt das Radio über die Außenlautsprecher, selbstredend volle Lautstärke, egal ob der Eigner aktuell auf dem Boot ist, oder an der Bar rumhängt. Auf unsere Bitte, die Außenlautsprecher abzuschalten ernteten wir einen völlig konsternierten Blick. Der Nachbar konnte überhaupt nicht nachvollziehen, dass uns die ewige Beschallung auf den Zeiger geht. Die logische Konsequenz wäre auszulaufen – aber wohin? Wir haben momentan Westwind und somit scheidet Negril aus und außerdem können wir international nur noch hier in Montego Bay ausklarieren. Das heißt, wir müssten auf jeden Fall wieder hierher zum Klarieren. Blöde Situation, die wir nun eben aussitzen. Gegenüber ist das Hard Rock Café mit einem schönen Sandstrand – aber drei Tage in Folge dort abzuhängen liegt uns auch nicht.

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Dafür sind auch die Preise zu hoch. Einfach so rein zu gehen geht nicht. Es wird erwartet, dass du einen Liegestuhl, einen Sonnenschirm mietest und mindestens ein Getränk zu dir nimmst. Der Cocktail kostet 9.75 US $, also knapp 10 Euro, eine Dose Bier 0,275 l kostet 4 US $.

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Das sind hier die normalen Preise, auch im Yacht Club. Während ich das hier schreibe, wurde ich schon zwei Mal freundlichst gefragt, ob ich nicht etwas Trinken oder eine Kleinigkeit zum Lunch haben möchte. Ich erwarte, dass ich hier im teuren Yachtclub (der Stegliegeplatz ist recht teuer und ein Ankerlieger zahlt US $ 10/Person/Tag damit er Facilities und das WiFi nutzen kann) ungestört im Foyer sitzen und das WiFi kostenlos nutzen kann. Interessenskonflikt pur.
WiFi bzw. Internet ist auch so ein Thema. Die Netze hier funktionieren wie die Blinker am Auto, aus – an – aus – an. Gestern habe ich geschlagene 5 Stunden benötigt um Programm-Files von Wetterwelt runterzuladen. Erster Abbruch bei 75 %, zweiter Abbruch bei 87 %, dritter Abbruch bei 42 %. Mir hat es in der letzten Woche aus unerfindlichen Gründen meine Grib-View-2 Software zerschossen, ich konnte keine neuen Wetterdaten mehr einlesen aber das Wetterwelt-Team hat mir kulanter weise das Programm zum Download zur Verfügung gestellt. Nun habe ich in stundenlanger Arbeit, man hat ja sonst nichts auf dem Plan, die alte Software deinstalliert und die runtergeladene Software neu installiert. Nun funktioniert es wieder und ich kann die von Wetterwelt geschickten Wetterdaten einlesen und vor allem das Tool Streckenwetter nutzen. Gut so, weil ab nächster Woche bin ich auf die Funke und ihren Freund Pactor IV angewiesen, da geht nix mehr mit Internet, die Wetterdaten kann ich nur über die Kurzwelle beziehen. Ich muss also die „mittelalterliche“ Technologie Kurzwelle und Pactor loben! Ein dickes Lob und viele Grüße an die Sailmail-Stationen, auf dass die Server dort ausschließlich gute Tage haben.

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Montego Bay
Nachdem das Wochenende ausklang, war auch wieder an zeitigen Nachtschlaf zu denken: Die MoBay Strandtänzer und – feierer haben ihr Feuer bereits am Freitag und Samstag abgebrannt und somit war die lärmende Open-Air Disco zeitig aus.
Doch leider haben wir uns zu früh gefreut. Wie bereits geschrieben, liegen wir mit der Sunrise ja direkt gegenüber des Kreuzfahrer-Anlegers. Nachdem AIDAluna gestern Abend abgelegt hatte, begannen die Hafenarbeiter gegen 04:15h in der Früh mit Laubbläsern und lautstarken Diskussionen Dreck und Staub beiseite zu pusten und für den nächsten Kreuzfahrer den Boden zu richten – Kack-Idee!
Seit 06:30h liegt nun der 290m lange Kreuzfahrt-Riese Mein Schiff 4 gegenüber.
Ab heute Morgen konnten wir nun auch vom Ankerplatz an den Steg des Mobay Yacht Club verlegen. Das notwendige Manöver gestaltete sich als äußerst ätzend, mussten wir für das Festmachen an der sehr weit draußen im Hafenbecken liegenden Bug-Mooringboje doch insgesamt drei lange Festmacherleinen zusammenknoten und beim Zurückziehen des Bootes an den Steg langsam mitführen. Das ganze ohne Frühstück, da Walter die flaue Wind-Phase des Morgens ausnutzen wollte. Da fehlt bei Captain und Crew schon mal das richtige Timing und so bleibt das schwächste Glied in der Kette – der Pickhaken beim Saubermachen des eingeschmotzten Ankers – doch glatt auf der Strecke und bekam einen rechtwinkligen Knick. Hoppala, sorry Captain!

Sunrise an Steg und im Hintergrund das Hochhaus "Mein Schiff 4"

Sunrise am Steg und im Hintergrund das Hochhaus „Mein Schiff 4“

Für die ganz aufmerksamen Leser: Die Seereling an Backbord hat Walter mit viel Manpower und unter Zuhilfenahme des Hebelgesetzes provisorisch gerade gebogen.

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Warten war heute unser Tagesmotto.
Die Dame vom Marinabüro wollte uns heute um 9 Uhr über Funk anrufen, damit wir unsere Inbound-Einklarierung beim Zoll erledigen können. Da wir gestern erst nach 16 Uhr hier ankamen, war der Zoll nicht mehr besetzt. Also schalteten wir weisungsgemäß unsere Funke heute um 8:30 Uhr an und warteten. Warteten und warteten. Gegen 12 Uhr setzten sich Walter und Gerhard ins Dinghy und fuhren in den Yachtclub rüber. Die Dame hatte uns vergessen, rief aber sofort beim Zoll an und die Behördendame erschien innerhalb von einer halben Stunde. Die Einklarierungsprozedur hier in Jamaika ist völlig unlogisch, wir waren ja nur innerhalb Jamaikas unterwegs. Wir mussten in Port Antonio aus- und hier wieder einklarieren. Sind halt die Vorschriften hier, was soll´s. Die Zollbehördendame was not amused dass sie 3 Reisepässe und nur 2 Gesichter zu sehen bekam. Sie befürchtete wohl, dass Walter und Gerhard mich ausgesetzt hatten und hat den beiden einen gehörigen Einlauf verpasst. Sie will beim nächsten Mal alle Crewmitglieder zu Gesicht bekommen.
Warterunde Nummer Zwei begann. Wir sollten einen Liegeplatz am Steg bekommen, aber erst wenn unser künftiger Nachbar festliegt. Der künftige Nachbar kam nicht und so warteten wir bis kurz vor Sonnenuntergang. Dann ging uns die Warterei auf den Keks und wir stiegen ins Dinghy und fuhren rüber an Land mit den Ziel Hard Rock Café Montego Bay. Neu eröffnet, schön angelegt und vom Montego Bay Yacht Club fußläufig in 5 Minuten zu erreichen.

HardRock MoBay

Nach einem leckerem Abendessen gingen wir zufrieden zurück und butscherten mit dem Dinghy zurück zur Sunrise im Ankerfeld.
Das Spätprogramm lieferte die AIDAluna mit einem perfekten Ablegemanöver. Wir befürchteten schon kräftig durchgeschüttelt zu werden, aber die AIDA legte ohne Sog und Schwell fast lautlos ab.

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Discovery Bay – Montego Bay Yacht Club
Wieder einmal erwachen wir morgens anders herum als wir uns abends hingelegt haben – äh, besser gesagt das Boot liegt morgens anders herum an der Ankerkette. Das liegt daran, dass nachts der Wind einschläft oder auch auf die entgegengesetzte Richtung dreht und das Schiff entsprechend der Windrichtung mitdreht. Heute Nacht war es so schwachwindig, daß wir morgens direkt neben uns im Grund den Anker der Sunrise im kristallklaren Wasser sehen können. Das ist erstmal nichts ungewöhnliches, allerdings gefällt uns das Ankerketten-Origami, das sich von oben betrachtet bietet gar nicht: Der schwache drehende Wind hat die Ankerkette nachts kreuz und quer über den Ankergrund gelegt und dabei viele große Steine „umhäkelt“. Die nächste halbe Stunde sind wir damit beschäftigt mittels Bugstrahlruder, sehr feinfühliger Maschinenfahrt und Ankerwinsch die Ankerkette am Seegrund zu enthäkeln. Danach hat Walter keine Lust mehr auf ein weiteres Ankermanöver und setzen die Segel Richtung Montego Bay. Ein schöner Segeltag mit achterlichem Wind erwartet uns. Schon von weitem erkennen wir den int. Flughafen von Montego Bay , bei dem die Jets im 5-Minutentakt direkt über das karibische Meer einschweben und starten. Quasi um die Ecke liegt unser Tagesziel, der Montego Bay Yacht Club, vor dem wir wieder neben einem Kreuzfahrtschiff vor Anker gehen. Den Ankergrund können wir nicht sehen, das Wasser ist sehr trübe. Mal sehen, ob wir den Anker morgen wieder raus bekommen, wir dürfen nämlich morgen an den Steg des ehrwürdigen Montego Bay Yacht Club. Elke verweigert sich am Abend zu kochen und so kommen wir in den Genuss von Goat-Curry (Ziegen-Curry Spezialität in Jamaika) im Yachtclub Restaurant. Schmeckt ganz lecker, aber die vielen Knochen (Ziegenschwanz???) hätten sie wirklich entfernen können.

Direkt nebenan ist das Kreuzfahrt-Terminal

Besuch von der AIDAluna

Besuch von der AIDAluna

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Ochos Rios – Discovery Bay
Wir haben genug von herrenlosen Booten und von der Hafenpolizei im-Kreis-hin-und-her-geschickt-werden und fahren weiter Richtung Montego Bay. Der Planet brutzelt ordentlich und es ist Flaute. Gut, dass es heute nur etwa 20 Meilen sind. Unser Ziel schaut im Hafenführer wenig attraktiv aus: Die Discovery Bay wird seit Anfang der 1970er Jahre zum Verladen des auf den Hügeln oberhalb der Bucht abgebauten Bauxits in 250m lange Hochseefrachter genutzt. Ein Teil der Bucht hat also industriellen Charakter. Der andere Teil jedoch ist überraschend hübsch und wirkt mit seinen kleinen Standabschnitten mit netten Häusern sowie kristallklarem türkisen Wasser typisch karibisch. Auf gut 5m Wassertiefe rasselt der Anker in den sandigen Untergrund und wir liegen sehr gut geschützt im vom Saumriff umgebenen Naturhafen. Toll!

Discovery Bay

Als wir das Dinghi zum Strandausflug herrichten bekommen wir Besuch von einem interessierten Paddler, der seinen Urlaub in einem der Strandhäuser verbringt. Wir kommen ins Gespräch – Steve kommt mit seiner Familie aus Chicago, sein Bruder David, der auch hier ist, aus England. Ehe wir uns versehen sind wir zum Cocktail eingeladen. Im Sinne der guten Völkerverständigung lassen wir uns nicht zweimal bitten und fahren mit dem Dinghi rüber zum Strandhaus. Im hübschen Garten der Urlaubsvilla werden wir vom einheimischen Personal mit perfekt gemixtem Rum-Punsch versorgt. Bei netten Gesprächen tauschen wir uns gegenseitig über das wer-wie-was aus. David muss heute noch zurück nach England, daher verabschieden wir uns nach etwa einer guten halben Stunde.

Steve´s Strandhaus und Privatstrand

Steve´s Strandhaus und Privatstrand

Zurück im Dinghi setzen wir unsere Strand-Erkundungstour fort. Die einheimische Bar erweckt wenig Vertrauen und so beschließen wir nur noch unsere Vorräte an Gemüse kurz im direkt angrenzenden Ort aufzustocken. Der Dreh- und Angelpunkt des Ortes ist die Tankstelle, eine Romhangetse (schwäbisch für Treffpunkt der Jugend) für die Bewohner. Der benachbarte Wholesale hat gerade bankrottiert und räumt seine Regale vollends leer. Rund herum sind Obst- und Gemüsestände. Wir bekommen frische Tomaten, Karotten, Cho-Chos und Vespergurken sowie überreife Bananen. Die Bananen müssen sofort weg und Gerhard beschließt einen neuen Sundowner zu kreieren: Banana-Colada. Bananen werden verdrückt, mit etwas Sodawasser schaumig geschlagen, eine Prise Zimt dazu, etwas Rohrzucker und mit Milch aufgefüllt. Mischungsverhältnis 1 Teil Bananenmus und 3 Teile Milch und das Getränk mit einem kräftigen Schuss braunem Rum gepimpt. Lecker! Ersetzt fast ein Abendessen.

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Ocho Rios
Walter muss sich mit unwilligen und unfähigen Jamaikanern zwecks Schadensregulierung rumschlagen und wird im dritten Anlauf auf heute 14 Uhr vertröstet. Gerhard und ich beschließen nicht auf der Sunrise zu warten bis und ob sich was in dieser Angelegenheit tut, sondern zu den Dunn´s River Falls zu fahren. Die beiden Kreuzfahrtschiffe sind gestern Abend bzw. heute früh ausgelaufen, sodass nicht mit hohem Besuchsaufkommen zu rechnen ist. Wir nehmen ein Routentaxi zu den Falls. 300 Meter tief fließt der Dunn’s River in vielen Kaskaden ins Meer hinab und ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten Jamaikas. Hier kann man über mehrere hundert Meter durch Wasserfall-Kaskaden klettern. Unsere zuvor festgelegte Schmerzgrenze für den Eintritt sind US $ 20,00. Volltreffer, genau das kostet auch der Eintritt. Und wir sind beileibe nicht alleine, der Busparkplatz ist voll und Routentaxis karren im Sekundentakt Kletterwillige an. Wir ziehen uns um und packen alle Klamotten in den wasserdichten Sack (Segler sind vorbereitet) und lehnen ein Schließfach zu US $ 5,00 ab. Wie überall wo Touristen hingebracht werden sind die Anlagen sehr gepflegt und erinnern an einen botanischen Garten. Der Dunn´s River wird in viele kleine Bäche geteilt und fließt durch das Gelände. Nett. Um an die eigentlichen Kaskaden zu kommen, laufen wir dem Mainstream nach und landen am Strand vor einem Stoppschild. Hier wuseln Guides, Fotografen, Souvenir- und Getränkeverkäufer wild durcheinander. Vor dem Strand ankern bereits wieder die von uns verhassten Spaßkatamarane und machen Party und füllen die Gäste ab.
Wir sollen uns in eine Liste eintragen, damit wir der nächsten Wasserfall-Kletterer-Gruppe zugeteilt werden können. Gerhard checkt derweil die Lage und bekommt die Auskunft, dass wir durchaus auch alleine kraxeln dürfen. Gesagt getan, kurz noch aus der Liste austragen lassen und vollends runter zum Strand. Wir staunen nicht schlecht bzw. Gerhard ist kurz davor einen Lachkrampf zu bekommen. Stehen da nicht um die 100 Leute in zwei Reihen und halten Händchen wie im Kindergarten und laufen in Reih und Glied in Richtung der ersten Kaskaden. Wie heißt es schon bei Ice Age: „Wo ist meine Herde??“ Meine Güte, das ist ja so was von lächerlich.

Ringel-ringel-reihen - Kindergarten Dunn`s River

Ringel-ringel-reihen – Kindergarten Dunn`s River

Tschu-tschu-tschu, die Eisenbahn, wer will mit nach Dunn´s River fahrn. Alleine fahren mag ich nicht, da nehm ich mir die .....  mit.

Tschu-tschu-tschu, die Eisenbahn, wer will mit nach Dunn´s River fahrn. Alleine fahren mag ich nicht, da nehm ich mir die ….. mit.

Wir mischen die beiden Gruppen auf, indem wir einfach zwischendurch laufen und gleich mal mittig, statt links und rechts einsteigen. Wir hatten ja bereits an den Reach Falls geübt und waren ziemlich trittsicher, zumal in die Felsen kleine Tritte eingehauen waren. Große Augen bei den Gruppen, die immer mal wieder das Händchenhalten auflösen mussten, da wir ja durch wollten.

Dunn´s River Falls

Dunn´s River Falls

Leider gibt es hier nicht so schöne ausgewaschene Stellen um zu schwimmen wie an den Reach Falls, dafür ist die Strecke viel länger. Ob es empfehlenswert ist? Na ja, es war auf jeden Fall sehr lustig.

P.S. Nach harten und zähen Verhandlungen, auch mit Hilfe der Maritim Police, ist es Walter und Gerhard am späten Nachmittag gelungen vom arroganten und schwerreichen (O-Ton Officer Maritim Police) Eigner der Spaßkatamarane einen Ansprechpartner genannt zu bekommen. D.h. Walter und Gerhard sind einfach im Police Office sitzen geblieben, bis sich der Officer ans Telefon bemüht hat. Zuerst wollte er mit der Angelegenheit nichts mehr zu tun haben und die beiden nach Kingston (also ins Nirwana) zum Head Office schicken, aber getreu nach dem Motto „nix verstehn“ sind die beiden hartnäckig sitzen geblieben und der Assistent des Eigners hat sich ins Police Office bequemt. Wir haben nun eine Art Schadensregulierungsvereinbarung geschrieben und eine Anzahlung bekommen. Falls die Anzahlung für die Reparatur des Schadens nicht ausreicht, sollen wir den Rest überwiesen bekommen. Wer´s glaubt wird seelig! Erst wollten die uns aufzwingen, dass die Reparatur hier gemacht wird – niemals! Nicht in den schon oft zitierten 100 kalten Wintern nicht lassen wir hier die Hand an unser Heim legen!!!