Final Road Trip_2

Leg 2 St. Augustine/FL – Charleston/SC
Beides liebenswerte Städtchen. St. Augustine von den Spaniern geprägt, Charleston eher durch nordeuropäische Auswanderer. Hübsche Häuschen im Stil der Südstaaten mit vielen Holzverzierungen, umlaufenden Balkonen und Blumenschmuck. Uns zieht es irgendwie immer an Orte zurück, von denen wir wissen, dass sie uns beim vorherigen Besuch nicht enttäuscht hatten. Ein Muss in Charleston ist das kleine Schnellrestaurant das Lobster Rolls anbietet. Unser Favorit in Bezug auf amerikanisches Essen. Nichts, absolut gar nichts kommt da ran.

Auch ein Muss ist der Sundowner in einer Rooftop Bar. Wobei Charleston von oben pottenhässlich ist, ist halt luftiger und nicht so stickig wie unten in den Straßen der Altstadt. Das Leben in Downtown um die Markthallen herum pulsiert, aber es ist im Gegensatz zu 2019 sehr sehr angenehm. Es fehlen die europäischen und asiatischen Besucher, die einem ohne Empathie bis auf wenige Zentimeter auf die Pelle rücken. Sich zwanghaft noch in den überfüllten Aufzug zur Rooftop Bar reinquetschen. Wie ich das hasse!

Unsere Sunrise wird mit angenehmen 8 Knoten in Richtung Europa geschippert.

Final Road Trip_1

Leg 1 Fort Lauderdale – St. Augustine
Mit gemischten Gefühlen verließen wir Fort Lauderdale. Die Sunrise wurde auf die MV Onego Mississippi verladen. Alles war perfekt organisiert. Mit allen verfügbaren Fendern bestückt gingen wir am Frachter längsseits.

Geschäftiges Treiben auf der Sunrise

Walter durfte das Achterstag entfernen und die Dirk fieren damit der Kran die Traverse über die Sunrise manövrieren konnte. Die Lademeister Ben und Will schickten ihren Taucher ins Wasser, der die Hebegurte optimal ausrichtete.

Der Taucher

Nun hebt sie ab

Walter und ich mussten danach ins Tenderboot umsteigen und die Sunrise hob ab. Immer wieder aufregend, ein Boot schwebend zu sehen, zumal wenn’s das eigene ist, an dem doch viel Herzblut hängt.
Das Tenderboot brachte uns in die Nähe der Marina, wo der Mietwagen voll bepackt wartete. Peters und May hatte uns zugesichert, dass wir nach der Verladung der Sunrise an Bord der Onego kommen dürfen um das Achterstag selbst wieder zu fixieren und die Sunrise final reisefertig zu machen. Kaum zu glauben, es ist ein verdammt schwieriger Akt, an Bord eines Frachters zu kommen. Eigentlich dachten wir, wir könnten von der längsseits liegenden Sunrise aus die kurze Leiter, gefühlte 2 Meter, an der Bordwand der Onego hochsteigen. Wäre für uns kein Thema – aber nein, die Hafenpolizei war total dagegen. Bei Strafe verboten. Hätten die Lademeister uns das erlaubt, wäre der komplette Ladevorgang gestoppt und die Onego festgesetzt worden. Die Hafenpolizei ist immer und überall präsent, beobachtet, verweist und bestraft. Also müssen wir von Land aus ins Hafengebiet kommen. Mit dem Mietwagen. Das ist gar nicht so einfach, weil momentan die Terminals alle geschlossen sind. Wir landen im einzig geöffneten Terminalparkhaus, das jetzt ein Corona Impfzentrum ist. Dort sind wir nicht willkommen. Die Onego liegt quasi direkt vor uns an der Rückseite des Parkhauses. Immerhin kümmert sich die Security um uns, stellt uns einen Besucherausweis aus und schickt uns um den Block zum Gate 13. Da werden wir erneut aufgehalten, denn der Onego Kapitän muss uns einen autorisierten Begleiter schicken, der uns sicher durch das verlassene und verwaiste Hafengelände eskortiert. Vorschrift ist Vorschrift. Schlussendlich dürfen wir auf die Onego und unsere Sunrise erklimmen. Aber ein Mann der Stammcrew muss abgestellt werden um uns die Leiter zu halten. Big brother is watching you! Keine 20 Minuten später sind wir fertig und wieder muss uns ein Crewmitglied zum Gate 13 eskortieren.

Da steht sie nun. Prominent direkt am Bug der Onego Mississippi

Die Fixierungspunkte werden angeschweißt

Unser erstes Road Trip Ziel ist St. Augustine. Eine schöne historische Altstadt (die Spanier waren’s) mit vielen Restaurants und Kneipen. Selbstverständlich mit Livemusik und gut besucht. Im Restaurant unserer Wahl werden wir auf eine Warteliste gesetzt und nach 45 Minuten erhalten wir eine SMS dass unser Tisch jetzt frei ist. Schön im Freien mit mediterranem Laubenflair genießen wir den Abend. Wobei das Essen war Convenience (das Gemüse) und Tiefkühlkost (die Shrimps) – im Seafood Restaurant. Was willst auch erwarten….

USA_2021_Fort Lauderdale

Fort Lauderdale Beach

Lauderdale Beach Life

Fort Lauderdale, Las Olas

Street Art

Spaziergang in Fort Lauderdale
Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Angenehm ist das Umfeld der Bahia Mar Marina, über die Straße gehen und schon sind wir am Strand. Heute steht eine schöne Welle am Strand und die Lifeguards haben die rote Flagge gehisst. Absolutes Badeverbot, viel zu starke Strömung. Wir laufen die Strandpromenade entlang bis zum Las Olas Boulevard. Entlang des Boulevards, links und rechts jeweils ein Kanal, ein Straßenzug mit beidseitiger Bebauung und wieder ein Kanal. Jedes Grundstück hat eine eigene Bootsanlegestelle. Die dicksten Jachten liegen hier im Vorgarten. Die Brücken, die die künstlichen Inseln verbinden sind allesamt Klapp- oder Schwingbrücken, also kein Problem um bis zur Gartentüre zu segeln bzw. zu motoren. Angelegt wurde das Viertel bereits in den 1920iger Jahren. Viele alte beeindruckende Villen sind noch zu sehen, auch Neubauten im Bauhausstil.
Nützlich war unser Spaziergang deshalb, weil das Ziel eine bekannte Supermarkt-/Feinkostkette war. Hier gibt es Mittwochs immer Sushis. Acht leckere Röllchen zu 5 Dollar. Ein super Schnäppchenpreis für hiesige Verhältnisse und auch die Qualität passt. Die Sushi Meister kommen kaum mit der Produktion nach. Das Abendessen ist nach 5,7 Kilometer Fußweg gesichert. Zurück auf dem Boot, nach 11,4 Kilometern insgesamt, schmeckt es doppelt gut.

USA Schlussspurt

Heißer Ritt von Cape Canaveral bis Fort Lauterdale. Um den Golfstrom nicht voll dagegen zu haben, sehr dicht unter Land. Spitzenspeed 9,5 kn, langsamster Speed zwischen West Palm Beach und Fort Lauterdale 2,9 kn mit viel Gegenströmung. Unbotmäßige Kreuzwelle.

Der Kreis schließt sich
Nicht nur, dass unsere Atlantikrunde dem nächst in Holland beendet sein wird, auch für die Sunrise schließt sich der Kreis. Die zweijährige Sunrise hatten wir in Holland, in Sint Annaland, gekauft. Mit ihr waren wir auf der Nord- und Ostsee unterwegs, sowie ab 2014 auf großer Fahrt. Atlantiküberquerung im Januar 2015. Antillen, weit in den Süden, Trinidad und Tobago, ABC-Inseln, Kolumbien, Panama und viele weitere Länder und Orte haben wir bereist. Den Beschluss nicht durch den Panamakanal in den Pazifik zu gehen, wie ursprünglich vorgesehen, haben wir nicht bereut. Es war die absolut richtige Entscheidung auf der Atlantikseite zu bleiben. Ich denke nur an die vielen Segler die im Pazifik im Lockdown seit März 2020 ausharren mussten, nicht weiter konnten da überall Einreisesperren herrschten und jetzt erst langsam nach 14 Monaten wieder planen können. Das alles war nicht vorhersehbar als wir unsere Entscheidung, auf dieser Seite der Weltkugel zu bleiben, getroffen hatten. Irgendwie doch Glück gehabt. Das Jahr 2020 war ein Jahr zum Vergessen. Knapp 6 Wochen waren wir auf der Sunrise bis wir sie wieder einlagern mussten. Wegen Corona und dem Krankenversicherungsschutz sind wir aus den USA geflüchtet. Im März 2020 hatte Trump das Thema noch klein geredet während in New York schon die Toten in Kühllastern gelagert wurden und die Marine Hospitalschiffe in den Hudson River geschickt hatte.
Das Jahr 2021 läuft für uns auch nicht rund. Erst den Hustle mit der Einreise in die USA über Costa Rica. (Costa Rica ist wunderschön und die Rundreise haben wir wirklich genossen) Das Warten in Brunswick auf die COVID 19 Impfung, die auch für uns kostenlos war. Dann die ganzen neuen Einreisebestimmungen der Bahamas mit Coronatests, Health Visa und Travel Visa bzw. Cruising Permit. Alles nur online. Gutes WLan bzw. eine lokale SIM Card mit unbegrenztem Datenvolumen ist unabdingbar. Dann die Erkenntnis, dass wir uns mit der Sunrise im Flachwasser und in dem mit Riffen durchzogenen Gebiet der Bahamas nicht wohlfühlen. Der Abbruch der Bahamareise und die Rückkehr in die USA unter Bedingungen die kein Mensch braucht. Siehe vorheriger Bericht.
Unser Plan A war über die Bermudas auf die Azoren zu segeln. Mit Wetterwelt haben wir den Vertrag über das Wetterrouting bis zu den Azoren geschlossen. Das erste Monitoring auch schon erhalten. Wäre da nicht das Ewige was wäre wenn… Die Route zu den Bermudas, kein Thema. Für 6 – 8 Tage ist die Wettervorhersage relativ zuverlässig. Aber von den Bermudas zu den Azoren. Da haben wir schon großen Respekt. Uns sind die Berichte der Schiffe, die Ende Mai, Anfang Juni 2020 von den Bermudas auf die Azoren segelten noch sehr gut im Gedächtnis. Es kann, muss aber nicht immer so übel kommen wie für die Vektor und die Santa Esmeralda. Aber es ist damit zu rechnen. Wollen wir das? Je näher der Abfahrtstermin kommt, desto mehr Fragen. Einig waren wir uns, wenn einer uns Zweien Bedenken hat, machen wir es nicht. Der Beschluss, wir machen es nicht ist jetzt wenige Tage alt. Und also ob die Sunrise diesen Beschluss begrüßen würde, hat sie uns zur Bestätigung der Entscheidung vorgestern Nacht jede Menge Wasser ins Schiff geschaufelt. Das ist unfair, wir machen doch alles, dass sie im gutem Zustand bleibt. Auf jeden Fall kommt jetzt Plan B zum Tragen und die Sunrise wird huckepack mit dem Frachter zurück nach Holland geschickt. Kreis geschlossen.

Bahamas – US Ostküste

Good bye Bahamas – welcome USA
Planmäßig segeln, bzw. wegen ausbleibendem Wind (Vorhersage 15 bis 17 Knoten aus Ost) fahren wir als Motorboot an Grand Bahama entlang und hoffen auf den Wind sobald wir aus der Landabdeckung sind. Fehlanzeige. 2 – 5 Knoten umlaufend, drückende Hitze und Hitzegewitter am Horizont. Wenn sich das nicht ändert, steht uns wieder eine lange Motorfahrt bevor. Das ist an sich kein Thema, der Yanmar schnurrt zuverlässig.
Nachdem wir 20 Meilen draußen sind, will sich Walter für einige Stunden zum Ausruhen auf die Salonbank legen. Dazu kommt er nicht, den plötzlich ist Alarm auf der Sunrise. Massiv und erschreckend. Ohrenbetäubend laut hupt der Bilgenalarm. Das heißt Wasser im Schiff. Mittschiffs unter den Bodenbrettern und in der Motorbilge steht Wasser. Salzwasser. Die Toiletten und Spül- und Waschbecken sind dicht, bzw. die entsprechenden Seeventile geschlossen. Das entfant terrible ist schnell gefunden. Die Stopfbuchse auf der Schraubenwelle ist es. Verdammte Axt! Die Scheiße muss sich doch ankündigen. Prüfen wir doch ständig die Bilge, ob hier und dort Salzwassertropfen oder eingetrocknete Spuren zu sehen sind. Nichts, nada, niente! Ich dachte der Abnutzungsprozess geht schleichend, nicht von Null auf Hundert. Wieder eine falsche Annahme. Es ist ja nicht so, dass wir die Stopfbuchse nicht getauscht hätten. Die, die jetzt Ärger macht, ist die Zweite von uns angebrachte.
Im März hatten wir etwas Süßwasser in der Bilge, das war eine undichte Süßwasserpumpe. Das Problem konnte schnell behoben werden.
Jetzt aber die undichte Stopfbuchse. Wir wickeln selbst vulkanisierendes Band um die Buchse. Keine Chance. Bringt nichts, das Wasser schießt entlang der Welle raus. Beim Segeln kommt kein Wasser, Wasser kommt nur wenn der Motor die Welle bzw. die Schraube antreibt. Also segeln. Ohne Wind im Golfstrom – kein guter Plan. Da kommen wir irgendwann und irgendwo raus. Wir müssen so schnell wie möglich an die Küste und aus dem Wasser. Aber wo? Fünfzig Meilen im Westen liegt West Palm Beach. Das würden wir erst spät in der Nacht erreichen und wo man dort Kranen könnte wissen wir auch nicht. Ein Ankerfeld und die Marina könnten wir erreichen. So entscheiden wir uns für Cape Canaveral 110 Meilen nördlich. Wir müssen unter Motor weiter und beschließen den Golfstrom für uns arbeiten zu lassen und setzten Kurs auf Cape Canaveral ab. Dort gibt es Reparatur Facilities. Aber erst mal dorthin kommen. Das heißt für uns 16 Stunden Wasser auffangen. Mit der flachsten Plastikbox die gerade mit Müh und Not unter die Buchse und die Welle passt. Rein kriegen wir sie ohne dass uns die rotierende Kupplung die Finger wegschreddert. Aber die flache Box raus kriegen zum Ausleeren. Ausgeschlossen. Wir könnten das Wasser gleich weiter in die Bilge laufen lassen und mit der großen Bilgenpumpe abpumpen. Der Plan wird verworfen, wir wollen nicht so viel Wasser im Schiff. Also Auffangen und mit der großen Klistierspritze das aufgefangene Wasser absaugen und in einen Eimer spritzen.

Stopfbuchse (Schwarzes Hartgummiteil) Schraubenwelle und flexible Kupplungsscheibe

Flache Plastikbox und große Klistierspritze als Rettungsmittel unter der leckenden Stopfbuchse

So wechseln wir uns im zwei Stundentakt ab. Sitzen mit Ohrstöpseln direkt vor dem dröhnenden Schiffsdiesel, falten uns auf den 50 Zentimetern zwischen Bett und Motorraum zusammen und saugen ab. Yoga wäre jetzt echt von Vorteil, da wüssten wir wenigstens wohin mit den Beinen. So ist es eine Tortur. Aber immer noch besser Rücken und eingeschlafene Hinterteile haben, als …. Die Wassermenge die reinkommt erhöht sich schleichend. Zum Schluss eine Spritze voll mit knapp 100 ml in ca. 10 Sekunden. Während einer von uns unten seinen Job macht, versucht sich der andere während der zweistündigen Pausen so weit es geht im Cockpit zu erholen. So geht es in die Nacht. Die Sunrise läuft unter Motor und Autopilot, wie immer eigentlich, und zum Glück sendet und empfängt heute das AIS System. Wenigstens was. Die Großschifffahrt wird uns auf dem Display sehen und kann uns bei Annäherung anfunken oder im Idealfall sogar rechtzeitig ausweichen. Private Yachten oder Fischer ohne AIS sind beim gelegentlichen Rundumblick in der Nacht keine zu sehen. Was nicht heißt, dass keine unterwegs sind. Genießen können wir die 9 Knoten Fahrt, die wir im Golfstrom zeitweise machen absolut nicht. Es bringt uns nur schneller an Land. Kurz vor Cape Canaveral kommen wir in den Mobilfunkbereich. Es ist 5 Uhr morgens. Warten und Absaugen. Um 7 Uhr öffnet Cape Marina. Ich erreiche einen Mitarbeiter im Büro, dem ich die Situation schildern kann. Wir müssen sofort nach dem Einlaufen in die Kranbox rein und ausgekrant werden. Der Mann ist überfordert. Eine Gemeinsamkeit- ich auch. Nach nervigem Hin und Her, der Rückfrage mit einem seiner zwischenzeitlich eingetrudelten Mitarbeiter beschließen die Beiden, dass am Mittwoch das Travel Lift Gear nicht funktioniert. Ja, leck mich doch … heute ist Mittwoch und die Cape Marina hat zwei von den Dingern. Ich soll bei Scorpion Marine anrufen. Have a nice day.
Bei der Scorpion Marina arbeitet der Anrufbeantworter. Ich spreche mein Anliegen drauf und bekomme kurz nach 8 Uhr einen Rückruf. Da bin ich aber schon am Verhandeln mit Mike, dem Dockmaster des Port Canaveral Yacht Clubs. Er wird sich für uns einsetzen und für uns eine große Box zum Anlegen freihalten. Auch er empfiehlt uns die Scorpion Canaveral Marina und er wird dort anrufen. Ich kann nun die Scorpion Marina zurückrufen und bekomme die Antwort, dass wir kommen sollen und dass sie uns auf jeden Fall vor den Mittagessen rauskranen können. Das drückt das Stresslevel immens.
Ich kürze ab. Wir werden gekrant, eine neue und für unsere Welle passende Stopfbuchse haben wir dabei. Die Werft verschiebt Termine und stellt einen Mitarbeiter für uns ab der zusammen mit Walter die flexible Kupplung trennt, die Welle zieht und die neue Stopfbuchse anbringt und uns am späten Nachmittag wieder ins Wasser hievt. Kurze Rundfahrt im Cape Canaveral Kanal. Alles wieder dicht.
Wir müssen unsere Vorurteile gegenüber den amerikanischen „Professionals“ in seinem Fall echt revidieren. 1000 Dank.

Ausgebaute Stopfbuchse und die Rettungsmittel

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Muttertagsausflug zum Lucaya Marketplace und Lucaya Beach

Hurrikan Opfer Grand Lucayan Resort
Wird nicht wieder aufgebaut – kein Investor in Sicht

Lighthouse Pointe at Grand Lacayan
Nach Hurrikan Dorian renoviert und wiedereröffnet

Lighthouse Point

Meine Spuren im Sand… Grand Bahama Lucaya Beach

Muttertag auf Grand Bahama
Ein wunderschönes Fleckchen Erde – eigentlich – wenn Hurrikan Dorian im September 2019 nicht so unerbittlich zugeschlagen hätte. Geschätzte 75 % der Hotels und Resorts sind entweder aufgrund der Pandemie geschlossen oder wurden aufgegeben. Die Kosten für die Renovierungsarbeiten sind nicht zu stemmen. So rotten Standbars, Strandhütten, Pools und Hotels an den schönsten und weißesten Stränden vor sich hin. Neben dem renovierten Lighthouse Resort stehen meilenweit Ruinen. Das nimmt der schönsten Anlage ihren Charme. Echt schade drum.

Zum Abendessen gibt es auch heute nichts außer Haus. Wir hätten rechtzeitig das Muttertagsmenue im Lighthouse Restaurant vorbestellen müssen. So kocht Mutti heute eben wieder selbst.
Immerhin der Swimmingpool bei uns in der Marina ist in Betrieb und die Bar hat geöffnet. So können wir jeden Tag einige Bahnen schwimmen.

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Exumas
Es hat einfach nicht sein sollen. Anni und Peer konnten im letzten Jahr sowie auch in diesem Jahr wegen Corona und den Quarantänevorschriften nicht zu uns in die Bahamas kommen. Und wir, wir brechen in Highborne Cay ab und gehen zurück nach Port Lucaya auf Grand Bahama. Die Schweinchen in Staniel Cay bleiben unbesucht, Pablo Escobars abgestütztes Drogenschmuggelflugzeug in Norman Cay, David Copperfields kleine Meerjungfrau am Piano u.v.m. bleiben von uns unbeschnochelt. Warum? Ich bin traurig und enttäuscht, aber der Verstand sagt, dass es für uns zu stressig ist, mit unserem Schiff zwischen Korallenriffen, Korallenköpfen und Sandbänken durch zu segeln. Wir haben in den Seekarten sehr viele Stellen mit 2 Meter Wassertiefe, die wir nur bei Hochwasser passieren können. Die Höhe der Gezeit beträgt + 1 m bei Hochwasser und – 0,30 m bei Niedrigwasser bezogen auf das Kartennull (LAT, lowest astronomical tide). Wenn wir nun bei auflaufendem Wasser über die Flachs segeln und im tieferen Gebiet ankern, steht bei Niedrigwasser statt 2 m im Flach nur 1,70 m und wir sind gefangen bis zum nächsten Hochwasser. Das wollen wir nicht mehr. Wir müssen frei sein, um jederzeit aus einem rolligen Ankerfeld oder bei schlechtem Wetter weg zu gehen. Das aber wiederum geht nur bei auflaufendem bzw. bei Hochwasser und das ist saudummerweise in den nächsten Tagen am Morgen und am späten Nachmittag. Morgens und am späten Nachmittag steht die Sonne so flach, dass die Korallen und Steine nicht zu erkennen sind. Die Sicht ist zwischen 11 Uhr und 14 Uhr am Besten. Also wenn wenig Wasser da ist. Wir drehen uns im Kreis. Freunde haben uns ihre Tracks (gefahrene Routen) geschickt. Vielen Dank, aber wir wissen nicht, bei welchem Tidenstand sie das gefahren sind. Vielleicht sind wir übervorsichtig.
Wir hingen jetzt drei Tage im rolligen Ankerfeld vor Highborne Cay auf einer Wassertiefe von 4 – 5 Meter, völlig ungeschützt vor den derzeit vorherrschenden südlichen Winden, sogar Ankerwache gingen wir in der ersten Nacht und nur solche Ankerplätze weit draußen sind mit unserem Tiefgang sicher machbar. Wir machen uns mangels Alternativen vom Acker mit Ziel Port Lucaya, Grand Bahama. Echt schade, aber wir haben die Situation in den Exumas falsch eingeschätzt, bzw. wir können uns mit unseren 2 Metern Tiefgang mit den Flachwasserbereichen nicht anfreunden.

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Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Exumas verwerfen wir unseren Plan in Nassau, New Providence im Hafenbereich zu Ankern und am Tag drauf über die Yellow Bank/Exumas Bank zu segeln. Jochen macht den Vorschlag ans Westende von New Providence zu segeln und in der Clifton Bay zu Ankern. Das ist ein sehr guter Plan, weil in Nassau ist die Hafenbehörde wohl ziemlich ätzend und es kann durchaus vorkommen, dass Ankerlieger verjagt werden. Die zahlreichen Marinas in Nassau sind unbezahlbar.
Von der Clifton Bay aus ist es für uns wesentlich einfacher über die extrem flache Exumas Bank zu kommen. Wir bleiben so lange im tiefen Wasser „Tongue of the Ocean“ zwischen Andros und der Exumas Bank, bis wir auf einem der empfohlenen Wege exakt 90 Grad zum Highborne Cay segeln, bzw. mangels passendem Wind motoren können. Wir hatten durchgehend genügend Wasser unterm Kiel. Die niedrigste Stelle passierten wir bei Hochwasser, unser Tiefenmesser zeigte 5,90 Meter. Kein Vergleich zu dem Stress der auf uns zugekommen wäre, wenn wir von Nassau aus zu den Exumas gestartet wären. Über die Yellow Bank gibt es drei ausgewiesene Routen, die mittlere ist die tiefste und hat um die 3 Meter Wassertiefe. Slalomfahrt um die Korallenköpfe herum eingeschlossen. Und das über Stunden. Definitiv nicht vergnügungssteuerpflichtig mit 2 Metern Tiefgang.
Jetzt liegen wir sicher am Anker vor der Highborne Cay Marina und haben für morgen zunächst nur einen Plan: ausschlafen.

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Der erneute COVID 19 Test war negativ. Wie soll es auch anders sein? Wir halten uns strikt an die Vorschriften, weil wir die Notwendigkeit erkennen. Es muss sich was zum Guten verändern. Bald. Der Tourismus liegt weltweit komplett am Boden, hier sind kaum Fahrtensegeler, keine Kreuzfahrtschiffe, fast keine Hotels geöffnet, die komplette Touristen-Bespaßung tot. Im Grand Bahama Yacht Club kriegen wir sogar einen Sonderpreis. Es sind ja auch nur eine Handvoll Segler hier. (2 Amis und 3 Deutsche). Im Moment kreiseln ca. 40 Kreuzfahrtschiffe ohne Gäste rund um die Bahamas. Die Schiffe treiben im Tiefwasserbereich, weil die Betreiber die Liegegebühren in den Häfen nicht mehr bezahlen können.

Wir haben heute früh um 8 Uhr planmäßig den Grand Bahama Yachtclub verlassen und Kurs auf die Berry Islands abgesteckt. Unterwegs hatten wir netten Funkkontakt mit einem Kreuzfahrtschiff der Carnival Linie. Er hatte uns angefunkt, dass er seine Maschinen jetzt startet und wir uns frei halten sollen. Negativ! Wir segeln hoch am Wind und wollen auf keinen Fall unseren Kurs ändern und die mühevoll erkämpfte Höhe wieder wegschenken. Also ist der Jefe vom Carnival so nett und wartet mit dem Starten der Maschinen, bis wir ihn passiert haben. Er hat keine Eile, fährt über Stunden parallel zu unserem Kurs und funkt uns die gegnerischen Frachter aus dem Weg. Vielen Dank.
Gegen 18 Uhr erreichen wir die Ankerbucht bei Great Stirrup Island. Es ist windstill und es verspricht eine ruhige Nacht zu werden.

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Schneise der Verwüstungen durch Hurrikan Dorian 09/2019

Hurrikanopfer, High Rock Lighthouse

Lucayan Nationalpark, Gold Rock Creek

Lucayan Nationalpark, Mangrove Smash

Garden of the Groves

Garden of the Groves

Lucayan Nationalpark

Die vier Tage im Grand Bahama Yachtclub sind vergangen wie im Flug. Tag 1 mutierte zum Wandertag. Eine neue Bahama BTC SIM Karte fürs Telefon musste her. Die alte SIM Karte von 2020 konnte nicht wieder zum Leben erweckt werden. Weitere 35 Dollar als Spende verbucht. Just pay and smile. Wir latschen 75 Minuten zum BTC Shop um eine neue Karte zu kaufen. Fußgänger sind hier definitiv nicht vorgesehen. Wir laufen auf dem Grünstreifen am Rande der Straße. Ab und zu hupt uns ein Minibus an und signalisiert uns, dass wir ja auch Bus fahren könnten. Uns ist das Bussystem hier etwas suspekt. Wir laufen. Auf dem Rückweg wollen wir beim Vermieter von Motorrollern vorbei um für den nächsten Tag zwei Vespas klar zu machen. Nur leider sind wir „lost in Navigation“. Wir finden den Verleiher nicht an der angegebenen Adresse. Eine nette Dame in unserem Alter stoppt ihr Fahrzeug und erkundigt sich, ob wir ok sind. Sie sagt, sie hätte uns jetzt schon zweimal am Straßenrand laufen sehen. Das ist hier nicht normal. Das Auto ist das Fortbewegungsmittel der Wahl. Sie telefoniert diverse Autoverleiher für uns ab und kommt zum Ergebnis: Scooter gibt es keine. Keine Kreuzfahrttouristen, keine Scooter. Sie überredet uns förmlich in ihr Auto einzusteigen und nimmt uns einige wertvolle Kilometer in unsere Richtung mit. An der Kreuzung, an der wir uns nicht mehr verlaufen können (wir waren echt nie orientierungslos) lässt sie uns aussteigen. Keine 10 Minuten später hält das nächste Fahrzeug…ebenfalls eine Dame…sie hätte uns jetzt schon zweimal laufen gesehen, weit weg von hier… ob wir lost sind. Nein, alles in Ordnung. Wir schwören. Wir haben Wasser dabei und nur noch ca. 30 Minuten zu laufen. Das Resultat von Tag 1: Sonnenbrand, Blasen an den Füßen, aber wir können lokal telefonieren und bei Hertz am Flughafen einen Mietwagen bestellen.
Tag 2 beginnt relaxt. Ist auch gut so. Um 15:30 kommt der Shuttlebus von Hertz und holt uns ab damit wir den Mietwagen übernehmen können. Zusammen mit der Caroline Crew fahren wir am Nachmittag noch in den östlichen Teil von Grand Bahama. Hier hat Hurrikan Dorian im September 2019 zugeschlagen. Windgeschwindigkeiten von 295 Km/h und eine sieben Meter hohe Überflutungswelle haben bleibende Spuren hinterlassen. Überall zerstörte und verlassene Häuser, abgestorbene Bäume, abgeknickte Stromleitungen. Deprimierend. Der Lucayan Nationalpark existiert noch und wir können die Ben’s Cave und die Burial Mound Cave besichtigen. Zwei der offenen Spots des Höhlensystems das hier die Insel durchzieht. Am Abend schickt uns unser Dockmaster Adrian zum Fish fry am Smith’s Point Beach zum Abendessen.
Am Tag 3 steht der Garden of the Groves auf dem Plan. Ein schön angelegtes Refugium mit Teichen, tropischen Pflanzen, sprechenden Papageien, Wasserschildkröten und kleinen Echsen, ein kleines Labyrinth lädt zum Meditieren ein. Anschließend fahren wir nochmals zum Lucayan Nationalpark und machen die südlichen Runde über den Gold Rock Creek zum Gold Rock Beach und zurück über den Mangrove Smash. Hört sich alles furchtbar weit an, aber in weniger als einer halben Stunde sind wird rum.
Nun noch den verpflichtenden 2. COVID 19 Test bestehen und wir können morgen weiter segeln.