Mitten im Atlantik, die wunderschönen Azoren
Aber wo bitte ist das Azorenhoch? Kein Verlass auf nix. Ein tiefes Tief umkreist uns. Bei Angela und Franz im Hafen von Vitoria auf Terceira knallen die Böen mit 51 Knoten rein. Sturmstärke. Bei uns in Horta im Hafen gibt es Schaumkronen. Keine Ahnung wieviel Knoten das sind, um die 40 Knoten vielleicht, wir hängen ja nicht dort am Anker, sonder sitzen fett im Hotel.
Unseren Tourplan hat es auf jeden Fall verblasen. Wir fahren am Vormittag gemütlich mit dem Auto rund um die Insel. Trauen uns am frühen Nachmittag aus den Auto und besuchen in Horta das Walmuseum. Sehr sehenswert. Aber auch sehr brutal zu sehen wie die Pottwale wegen ihres Öls und Fetts abgeschlachtet wurden. Gut dass die Walfängerei inzwischen verboten ist. Nicht wirklich besser ist die übrige Fischerei. Mir hat es gründlich den Appetit auf Tuna verschlagenen. Heute gab es Shrimps. Ein klein bisschen besser. Vegi gibt es dann daheim.
Azoren Insel Faial_2
Ein absolutes Muss ist eine Rundwanderung um die gigantische Caldeira do Cabeco Gordo – oder zumindest ein Blick in diese. Uns war aufgrund des regnerischen Wetters eine Wanderung um die Caldeira zu gefährlich. Wir begnügten uns mit einem Fotoshooting. Vielleicht spielt das unbeständige Wetter in den nächsten Tagen doch noch mit.
Das nächste Muss ist der Vulkan Capelinhos und das zugehörige hochmoderne Museum, das unterirdisch in die vulkanische Landschaft eingebunden wurde. Die Besteigung des teilverschütteten Leuchtturms ist mit inbegriffen. Der Vulkan Capelinhos brach in mehrere Schüben zwischen September 1957 und Oktober 1958 aus. Über 2000 Menschen aus dem Westen der Insel, deren Häuser und Felder verschüttet waren verließen die Insel für immer, großteils in Richtung USA.
Wir steigen über Lavafelder, Asche- und Steinwüste zur höchsten Erhebung des Capelinhos. Der Wind pudert uns mit Lavasand.
Azoren Insel Faial
Die Personenfähre bringt uns in 30 Minuten über den Kanal von Faial von Madalena auf der Insel Pico rüber nach Horta auf der Insel Faial. Mit unseren Rollenköfferchen bollern wir zur Mittagszeit vom Fährterminal aus durch Hortas Altstadt zum Hotel. Die Mittagsruhe der Bewohner und Gäste ist so wie so im Eimer, da die Avenida am Hafen und an der Marina entlang eine Großbaustelle ist. Da fällt unser Geboller nicht ins Gewicht. Das Schöne an unserem Fußmarsch ist, dass wir sofort in den Sightseeingmodus verfallen. Die Hafenpromenade (der bereits renovierte Teil), das Ankerfeld der mutigen Transatlantik-Segler, die Marina, die Kirchen u.v.m. sehen wir im Vorbeigehen. Unser Hotel ist ein historischer riesiger alter Kasten in zweiter Reihe über der Marina. Hat Flair, nimmt es aber mit dem Einchecken sehr genau, ab 16 Uhr dürfen wir erst ins Zimmer. Wir deponieren unsere Köfferchen, kramen den Reiseführer raus und ziehen wieder los. Hafenmole nach bekannten Visitenkarten/Zeichnungen von Seglern absuchen, das weltweit bekannte Café Peter Sport anschauen und fotografieren. Es ist brechend voll, wir ziehen weiter. Nochmals kurz zurück ins Hotel um den Zimmerschlüssel abzuholen und unsere Köfferchen einzuschließen. Zum Abendessen sind wir schon wieder mitten in Horta und zum Absacker und Schlafen im Hotel.
Azoren Insel Pico_3
Unser letzter Tag auf der Insel Pico
Heute wäre so ein Tag, um den Vulkan Pico zu erklimmen. 1150 Höhenmeter. Er zeigt sich am Morgen ohne Wolken. Das ist selten. Nur leider haben wir den optimalen Aufbruchszeitpunkt verschlafen. Weit vor Sonnenaufgang sollte der Aufstieg angegangen werden. So ein Pech aber auch.
Dafür gibt es schöne Fotos vom Berg und eine entspannte 9 km Wanderung durch das Weinanbaugebiet und durch verwilderte Gärten.
Azoren Insel Pico_2
Am Vormittag fahren wir zur Casa da Montanha, dem Einstieg der Wanderung auf den Pico. Wie meistens ist der Pico dick im Nebel, keine 50 Meter Sicht. Trotz allem haben sich einige Mutige die Erlaubnis geholt, den Pico zu besteigen (wir sind nicht dabei), die Bergsteiger haben GPS Tracker dabei und die jeweilige Position am Berg wird im Casa da Montanha auf dem Bildschirm verfolgt. Keiner geht im Nebel verloren. Hoffentlich.
Wir entscheiden, dass wir eine Wanderung an der Südwestküste machen. Vom Hafen in Calheta de Nequim steigen wir durch Weinberge und verwilderte Gärten hoch auf 300 Meter und in großer Runde wieder herunter. Wir sind 3,5 Stunden unterwegs, eine richtig nette Rundwanderung.
Azoren Insel Pico
Pico begrüßte uns mit Sonnenschein an der Küste und dichtem Nebel in der Höhe. Wir hatten die Hoffnung Portugals höchsten Berg aus dem Flugzeug zu sehen, aber um uns herum war alles weich und flauschig. Der Pico hatte ein Watte-Mäntelchen um.
Wir wohnen für die nächsten Tage im Städtchen Madalena an Picos Westküste mit Blick rüber zur Insel Faial.
Unser erster Ausflug führt uns nach Lajes do Pico. Whale watching steht an. Wir entscheiden uns für den Anbieter Espaco Talasso, der mehrfach ausgezeichnet wurde und sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. So lehnt der Anbieter es strickt ab, dass Teilnehmer mit den Delfinen schwimmen (andere bieten es an), hält Abstand und donnert nicht mit den Speedbooten direkt in die Delfinschulen. Eine Garantie, dass wir Wale sehen gibt er verständlicherweise nicht, aber er hat eine sehr hohe Quote. Auch deshalb, weil er einheimische Mitarbeiter auf den Walbeobachungsposten an Land beschäftigt. Wir haben das Glück, dass wir eine Pottwal-Mutti mit Kind und noch ein Weibchen aus dem Familienverband sehen.
Einen männlichen Pottwal sehen wir nicht, dafür aber viele Delfine und eine kleine Karettschildkröte.
Auf dem Rückweg nach Madalena fahren wir über die EN3 Höhenstraße und begegnen einem freilaufenden Stier. Ganz langsam fahren wir an ihm vorbei, damit er sich nicht erschreckt. Renault Clio gegen Stier kann böse enden.
Wir sind über der Wolkendecke und werden mit einem Blick auf den von der Abendsonne beleuchteten Vulkan Pico belohnt.
Azoren Insel Terceira_2
Betreute Seniorenreise 2.0 (just a joke)
Sonntagsausflug bei zwielichtigem Wetter. Wir machen unter Führung unserer Wiener eine Höhlentour. Es ist egal ob es regnet oder neblig ist. In der Algar do Carvao Vulkanhöhle ist es eh nass und tropft unentwegt von der Decke. Der Algar ist ein Vulkanschlot, der aufgrund seiner Einmaligkeit als Naturdenkmal klassifiziert ist. Wir steigen 338 Stufen in die Höhle hinab. Unten befindet sich ein kristallklarer See, durch den Vulkanschlot dringt Tageslicht. Völlig irreal, der Vorhof zur Hölle.
Diesem entkommen begutachten wir die fruchtbaren Caldeiras von oben. Ein befreiendes Gefühl über dem Abhang in den Nebelwolken zu stehen.
Azoren Insel Terceira
Inselhopping
Nach den beeindruckenden Tagen auf Sao Miguel bringt uns SATA Air auf die Insel Terceira. Beim Landeanflug nach Lajes fliegt die Maschine direkt über die Marina von Praia da Vitoria und rasiert fast (nicht wirklich) das Masttop der Segelyacht Maeva Piti. Unsere Wiener Freunde liegen seit 2019 mit ihrer Yacht hier in der Marina und sind auf unseren Besuch vorbereitet. Corona hatte auch ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, nun sind sie immer noch hier und bescheren uns gleich am ersten Tag ein fürstliches Frühstück an Bord. Nicht nur das, sie erweisen sich auch als ausgezeichnete Reiseführer. Kennen die Hotspots und natürlich auch die allerbesten Restaurants. Gemeinsam erkunden wir eine Vulkanhöhle sowie die Stadt Angra do Heroismio, nebenbei bemerkt Weltkulturerbe. Den Hausberg von Angra do Heroismo, den Monte Brazil, erklimmen wir selbstredend auch. Ein schöner Tag klingt mit einem hervorragenden Abendessen in Angra aus.
Azoren Insel São Miguel_4
16 bis 18 Grad und Regenwahrscheinlichkeit zwischen 30 und 80 %
Nicht wirklich unser Wanderwetter. Trotzdem starten wir einen weiteren Versuch und fahren zum Kratersee Lagoa do Fogo. Vielleicht erwischen wir ja die 30% Regen. Auf der Fahrt dorthin reißt die Wolkendecke in der Tat kurz auf und wir können den See zumindest fotografieren. Wandern? Bei dem Wetter? Ein kurzer Blickkontakt genügt und schon suchen wir uns eine Alternative. Wir sind eh schon fast übern Berg, also fahren wir runter an die Nordküste nach Ribeira Grande.
Dort befindet sich ein architektonisches Highlight, das Museo Arquipelago, ausgezeichnet mit dem Mies van der Rohe Award. Genau unser Ding. Die Architektur. Die zeitgemäße Ausstellung eher nicht. Mein Eindruck, die Künstlerin hatte sich gefragt: „Wie schaffe ich es, aus nem Scheißhaf nen Guglhupfmoodl zu machen“. Das ist arg bösartig, aber wir Schwaben meinen das nicht so.
Nächstes Highlight ist Europas einzigstes Teeanbaugebiet an der Nordküste von Sao Miguel. Ein schöner Rundweg führt uns knapp zwei Stunden durch die Teeplantagen. 30 % Regen. Am Endpunkt der Exkursion steht die alte Teefabrik Cha Gorreana von 1883 die besichtigt werden kann siehe www.gorreana.pt. Aufgrund des unsicheren Wetters sind wir nicht die Einzigen, wir werden förmlich durch die Produktion geschoben. Eine Tasse frisch gebrühten Grüntee sowie drei Päckchen Grüntee ergattern wir trotzdem.
Azoren Insel São Miguel_3
Unsere heutige Rundwanderung beginnt und endet in Furnas. Ausgehend vom Ortszentrum, vom Terra Nostra Park, steigen wir die unvermeidlichen 10% entlang eines naturbelassenen stark strömenden Bachs hinauf zum Furnas-See. Auch bei diesem See handelt es sich um einen eingestürzten Vulkankrater. Wir Umrunden den See nicht wie empfohlen entgegen den Uhrzeigersinn, sondern im Uhrzeigersinn. So kommen wir zuerst an der Kapelle Nossa Senhora das Vitorias und am Besucherzentrum zur Forschung und Beobachtung der vulkanischen Aktivitäten vorbei.
Der Trail wird als leicht, ähnlich einem Spaziergang beschrieben. Schon richtig, ein sich recht lang ziehender Spaziergang. Nach erfolgreicher Umrundung des Sees kommen wir zu den berühmten Caldeiras (Mini-Geysire die die Vulkanaktivitäten der Insel zeigen). Es dampft, blubbert, brodelt und stinkt nach Schwefel. In der heißen Erde werden Töpfe vergraben in denen das traditionelle Eintopfgericht Cozido das Furnas von der vulkanischen Hitze gegart wird. Die jeweiligen Restaurants stecken Schilder in die Erdlöcher, damit ja niemand versehentlich eine falsche Suppe löffelt. Wir verlassen das Areal und kommen an einem Kassenhäuschen vorbei, da wir ja rausgehen müssen wir auch keinen Eintritt bezahlen.
Zurück im Ort Furnas gibt es den obligatorischen Grüntee und traditionelle Backwaren von den Azoren. Mit dem Auto geht die Entdeckungsreise weiter über Povoacao, die Ostküste, den Nordosten und quer durch die Insel zurück nach Ponta Delgada.






























































