Amsterdam Tag 2
Um nicht dumm im Weg rumzustehen habe ich heute kurzerhand, gegen Walters Widerstand, beschlossen an einer Touristenbootsfahrt durch die Amsterdamer Grachten teilzunehmen – da ist man unter sich. Die Grachtenrundfahrt war sehr informativ, haben wir jetzt doch einen kleinen Überblick über das ursprüngliche Amsterdam bekommen. Im Anschluss daran konnten wir gezielt die vom Boot aus gesichteten Plätze ansteuern und natürlich unseren täglichen Kaffee/Tee und Kuchen im Freien direkt an der Heerengracht zu uns nehmen. Abends wurde es witzig, wir, unbedarft wie wir eben nun mal sind, sind auf die Veronika (Restaurant-/Partyschiff) gestolpert und konnten den holländischen Superstar-Contest verfolgen. Jungen Nachwuchskünstlern wird hier ein Podium geboten um Bühnenerfahrung zu sammeln. Am besten kommen doch immer die Bob Marley Songs an, der karibische Rhythmus rockt einfach! Der George Michel Song war ebenfalls klasse. Am Schluss waren alle zufrieden, betrunken oder bekifft. Die Masse heute Abend ist jedenfalls sehr angenehm relaxed von dannen gezogen.
Amsterdam
Wir sind überfordert; kommen wir doch gerade von unserer geliebten Insel Juist. Hier gibt es nur Menschen und zwar Hunderttausende, auf einem Fleck! Alle bewegen sich in einem uns unbekannten System, streben irgendwo hin. Es gleicht einem Bienenstock, nein nicht einem, hunderten. Es gibt Touristenbienen, die nicht wissen wohin oder nur beobachten und den Fluss des Ganzen hemmen und immer im Weg der großen Masse stehen. Es gibt die Arbeitsbienen, die so schnell wie möglich von A nach B kommen müssen und/oder die Touristenbienen bespaßen, bedienen und bedienstleisten müssen. Zudem der sich immer drehende Amsterdamer Microkosmos. Alles bewegt sich unsagbar schnell in einem uns völlig undurchsichtigen System. Ist das der Seglerjetlag oder einfach nur die Frührentnerroutine? Morgen ist ein neuer Tag und wir werden es aufs Neue mit dem Amsterdamer Microkosmos versuchen.
Randnotiz: Die Amsterdamer Marina ist nicht nur sehr sauber sondern auch noch sehr akzeptabel in Bezug auf die Liegegebühren. € 1,80 pro Schiffsmeter am Tag incl. Wasser, Strom und Duschen ohne die Gebühr für die edlen Edelstahl Miele Waschmaschienen.
Es gibt ein neues Video—Amsterdamer Speed-Live !!!
Norderney-Amsterdam 30 Stunden
Am Donnerstag, 15.05.2014 sind wir um 11:30, ca. 1 Stunde vor Hochwasser, aus dem Yachthafen Norderney raus. Im Seegatt zwischen Juist und Norderney stand aufgrund des starken NW-Windes in den Vortagen noch eine erhebliche Welle. Walter meint, das waren 2 Meter, aber ich glaube, das waren 1,20 bis 1,50. Der Hafenmeister hatte uns geraten, wieder durchs Dovetief rauszufahren und nicht durch den Schluchter, da dieser Weg hinaus auf die offene Nordsee diese Saison noch nicht neu vermessen und betonnt ist. War ein guter Rat, zwar 6 Meilen (1 Stunde) Umweg, aber Sicherheit geht vor! Wir haben mit der Sunrise ja noch einiges vor. Bis in die Nacht hinein kamen wir mit Vollzeugbesegelung sehr gut voran, zwar kam der Wind nicht wie vorhergesagt aus Nord, sondern Nordnordwest aber die Sunrise läuft am Wind ja sehr gut. Leider hat sich der Wind gegen Mitternacht komplett zum Schlafen gelegt, sodass wir mal wieder mit unserem Otto (Schiffsmotor) schieben mussten. Einen fast wolkenlosen Sonnenuntergang, einen knallroten Vollmondaufgang und einen schönen Sonnenaufgang konnten wir genießen. Auch viele UFOs, besser gesagt, USOs (undefinierbare Schwimmobjekte) haben wir gesichtet. Was da alles Nachts durch die Nordsee geschleppt wird – unglaublich. Halbe Bohrtürme und Bohrinseln. Viele Fischer waren auch bei der Arbeit, alle mit AIS ausgestattet, sodass die Identifizierung gut möglich war. Problematisch sind die Segler, die mit kurzen Kreuzschlägen aufkreuzen und kein AIS haben, da wird der Gegenverkehr ganz kirre – mal rot, mal grün, mal weiß und grün oder weiß und rot. Die Nachtschicht haben wir uns aufgeteilt: Erste Schicht Elke bis 3 Uhr und zweite Schicht Walter bis 7:30 Uhr. Vereinbart war, dass derjenige, der richtig müde wird, den anderen sofort weckt. Walter hat mich etwas länger schlafen lassen und sich anschließend nochmals bis 10:30 aufs Ohr gelegt. Beim gemeinsamen späten Frühstück, mit Frühstücksei*, in der Sonne an Deck, haben wir beschlossen, dass wir noch ganz gut drauf sind und gleich bis Amsterdam durchziehen. In Ijmuiden mussten wir vor der kleinen Schleuse nur kurz warten und flutsch waren wir durch und im Nordzeekanal nach Amsterdam. Ein Schiffsverkehr herrscht hier, wie auf der A8 Samstagsmorgens, wenn alle in die Skigebiete düsen. Der Sixthafen war uns zu voll und deshalb liegen wir jetzt in der niegelnagelneuen Amsterdam Marina auf dem ehemaligen NDSM Werftgelände.Tolle sanitäre Anlagen und Miele-Waschmaschinen und Trockner in der edlen Edelstahlausführung – da geht mir das Herz auf. Walter meint, warte nur mal ab, so wie es hier aussieht musst du die mit Krüger-Rand füttern. Ja, ich habe uns nur telefonisch beim Hafenmeister angemeldet und morgen um 9 Uhr muss ich zum „Vorstellungstermin“. Ich berichte, ob es mich dann gleich rückwärts aus dem edlen Salon raus katapultiert hat.
*Thema Frühstücksei:
Gibt es bei uns so gut wie nie. Ich hatte noch Bio-Eier aus Helgoland im Schrank, die mussten weg. So dunkel kann ich mich noch an den Loriot-Sketsch mit dem 3-Minuten-Ei und dem Gefühl erinnern. Ähnlich lief das bei uns heute ab. Wasser auf den Gasherd, zwei Eier rein und drei Minuten gestoppt (eher gefühlt). Stolz die Eier im Schnapsglas (es gibt an Bord keine Eierbecher) serviert. Walter schlägt das Ei auf und der ganze Eiglibber suppt raus. So schnell wie er das Ei über Bord geschmissen hat, konnte ich gar nicht schauen. Gut, Versuch Nr. 2: Wasser erst richtig voll zum Kochen bringen, zwei frische Eier rein und Stoppuhr an. Nach 2 Minuten das verbliebene Glibberei mit rein und noch 1 Minute mitkochen. Das Ergebnis: Ein wachsweiches Ei und zwei hartgekochte. Kommentar: Ich glaube, mit deinem Gefühl stimmt was nicht.
Und noch eine Randnotiz: Auf dem Foto von heute könnt ihr unschwer eine Bohrinsel erkennen, wie man sie nachts auf der Nordsee nach ca. 3 Std. Lichtergucken dann sieht. Siehe auch Video „Segeln bei Neumond“.
Ab in den Süden
In zwei Stunden geht es los! Dies ist der letzte Eintrag aus dem deutschen Mobilfunknetz über den Smartphone Hotspot. Mal sehen wie das künftig funktioniert mit der Übertragung der Berichte über Funk und Modem.
Wir hatten noch zwei schöne Tage auf Norderney. Die Insel hat ja auch ihren Charme, muss ich zugeben. Richtung Leuchtturm öffnet sich eine 10 Kilometer lange Dünenlandschaft, geeignet für ausgedehnte Wanderungen. Den Leuchtturm durften wir leider nicht hochsteigen, weil wir erst 5 Minuten vor 16 Uhr dort waren und der Leuchtturm-Beauftragte um 16 Uhr Feierabend hat. Wir sind in Deutschland und Ordnung muss sein!
Walter legt schon die Sicherungsleine übers Deck, der Landstrom ist weg. Ich werde jetzt auch tätig!
Norderney
Seit heute sind wir zurück auf Norderney. Heute früh um 7:45 ging die Fähre von Juist nach Norddeich und um 10:30 die Fähre von Norddeich nach Norderney. Die Sunrise war mit Flugsand überpudert, es hat ja auch ziemlich gepustet in der letzten Woche. Wir wollen weiter nach Holland. Wir holen täglich die Wetterprognosen und stellen ebenso täglich fest, dass wir Wind aus Nord- West und knapp 2 Meter Welle im Seegatt zwischen Juist und Norderney nicht brauchen können. Um durchs Seegatt zu kommen, wollen wir es ruhiger! Für die 145 Seemeilen nach Ijmuiden rechnen wir mit 25 bis 30 Stunden und speziell in der Nacht wollen wir nicht gegen Wind und Welle anbolzen. Das kostet zu viel Kraft und geht aufs Material. Ab Donnerstag dreht der Wind auf Nord, so die derzeitige Prognose. Vielleicht zieht das Tief auch schneller durch. Schaun mer mal. Morgen wollen wir Fahrräder mieten und Norderney erkunden.
Juist
Wir haben Spaß und zu Hause ist Chaos! Beim Sohnemann ist der Heizungsbauer am analysieren, wo die undichte Stelle im Leitungssystem ist, bei Oma und Opa ist das Haustürschloss kaputt, die kommen manchmal nicht mehr in ihr eigenes Haus. Mal geht der Schließzylinder, mal nicht. Gut dass wir hier noch im deutschen Mobilfunk- und Festnetzbereich sind.
Hier auf Juist sind die Gäste, die Rentner haben Oberhand, im slow-motion-modus und die Vermieter sind total im Druck um die Wohnungen und Zimmer für die neue Saison zu richten. So auch Thekla und Thomas. Neue Betten, neue Matratzen müssen her. Ein Stockbett im Kinderzimmer der großen Wohnung im Obergeschoss macht Ärger, bzw. die Dachkonstruktion ist nur bedingt geeignet um mit einem Stockbett unterbaut zu werden. Der Obenschläfer würde sich wie ein Sandwich fühlen. Thekla und Walter sind sehr entschlussfreudig: Dach ist so, kann man nicht ändern, also Stockbett umbauen! Kreissäge wird mit dem Fahrradanhänger längs durch die Insel gekarrt (hier auf Juist gibt es keine Autos), Stockbett wird abgebaut und die ganze Konstruktion wird abgesenkt, damit derjenige, der oben schläft auch aufstehen und runter klettern kann. Die beiden haben viel Spaß dabei.
Am Montagabend gehen wir gemeinsam zum Mundart-Theater (wir Schwaben verstehen nur Bruchstücke), am Mittwochabend zu Martin Fromme (Comedian) und heute Nachmittag Jazz im Haus des Kurgastes (www.coastmen.com). Das Konzert war leider nur spärlich besucht, liegt wahrscheinlich daran, dass die Zielgruppe der Band momentan nicht auf Juist weilt. Schade!
Töwerland – Zauberland
Die Sunrise muss alleine im Hafen von Norderney bleiben, da sie leider für das Juister Wattfahrwasser nicht geeignet ist. Wir sind gestern um 12:45 von Norderney mit der Fähre nach Norddeich und von Norddeich um 14:45 mit der Fähre nach Juist gefahren und machen nun eine Woche Urlaub im Urlaub. Ist schon witzig, für ca. 1 Seemeile Entfernung zwischen beiden Inseln haben wir 4 Stunden gebraucht.
Juist ist einfach viel zu schön um daran vorbei zu segeln! Auf Juist wurden wir sehr herzlich von Thekla und Thomas empfangen und sofort mit köstlichem, selbstgebackenem Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne bewirtet. Wir hatten so viel zu bequatschen, dass Thomas fast seinen Insulanerstammtisch verpasst hätte. Thekla und Thomas haben im Ortsteil Loog ein schönes Haus mit Ferienwohnungen (http://www.haus-likedeeler-juist.de/) ihr Motto: Geht nicht, gibt’s nicht! Ein Paradies zum Entspannen und auch ein Paradies für Kinder. Für unsere Kids war ein Sommer ohne Juist kein Sommer. Auch ich wurde bereits im Kindesalter vom Juistvirus infiziert – und den Virus wollte und konnte ich bis heute nicht besiegen!
Norderney
Um 5:30 Wecken. Um 6:15 sind wir aus dem Hafen draußen. Wir mussten nur einen Nachbarn wecken und wegschicken. Zeitplan: gegen 13:00 Uhr Ansteuerungstonne Dovetief vor Norderney. Um 14:55 ist Hochwasser auf Norderney und wir können nur mit auflaufendem Wasser und frühestens 2 Stunden vor Hochwasser ins Dovetief reinfahren. Der Zeitplan geht auf, aber auf den Kartenplotter, mit den neuesten Seekarten, darf man sich nie und nimmer verlassen! Die roten Fahrwassertonnen sitzen ganz woanders. Wir verlassen uns auf die Tonnenleger vom Wasser- und Schifffahrtsamt und kommen gut im Hafen an. Bereits um 15:00 sind wir am Steg im Yachthafen Norderney fest. Jetzt gerade erlebt die Sunrise eine Premiere: Sie sitzt im Schlick fest, weil ihr das Wasser unter dem Hinter weggelaufen ist. Aber in einer Stunde sieht es schon wieder anders aus.
Helgoland
Gegen 17:00 kommt Hektik auf. 6er Päckchen werden gebaut, die Sunrise mittendrin. Landleinen ausgebracht, am Bug und am Heck, über 4 Schiffe hin und zurück. Das ganze Programm gefühlte 10 Mal – es war nur drei Mal, aber wenn 5 Personen hin und her rennen multipliziert sich das. Ist aber in Ordnung, wenn der Windquirl heute Nacht kommt und den Hafen durchrührt, dann sind wir froh. Heute um die Mittagszeit sind wir zur Tankstelle in den Binnenhafen rüber gefahren, weitere Aktivitäten haben wir uns erspart. 200 Liter Diesel sollte eine Weile reichen.