Dieppe

Boulogne sur Mer – Dieppe 55 nm
Beide Häfen sind tidenunabhängig! Das ist sehr gut für uns und unsere Schlafgewohn-heiten. Einzig der Strom muss beachtet werden, wenn man vorankommen will. Aber bei rund 10 Stunden Fahrzeit bleibt es nicht aus, dass man Gegenstrom hat. Wir legen um 8:45 ab, das reicht. Die Windprognose sagt WSW auf West drehend voraus, jedoch nur 3 Bft. Aus Boulogne raus machen wir einen Holeschlag unter Motor und setzen dann das Großsegel und die Genua. Beide Segel stehen schlecht, weil einfach zu wenig Wind ist und auch noch aus SSW. Wir lassen den Motor mit 1000 Umdrehungen mit schieben. Auf den ganzen 55 Meilen lautet die Devise: Motor aus, Segel trimmen, Motor an und Genua weg, Genua setzten und Motor aus, Motor an und beide Segel weg… So vergeht die Zeit schnell und unterwegs machen wir noch ein Fotoshooting mit einer neuen holländischen Hallberg-Rassy 34.2, die uns überholt (unter Motor). Aber sie ist die ganze Zeit vor uns oder parallel zu uns gesegelt und war unter Segel zugegebenermaßen schneller unterwegs als wir. In Dieppe angekommen ziehen wir die Fotos auf einen USB Stick und Walter macht sich mit den Fotos auf zu den Holländern. Die freuen sich mächtig. Ich koche derweil unser Abendessen, da es mittlerweile bereits 20:30 Uhr geworden ist. Unterwegs war es heute mal wieder so scheußlich kalt und auch nass, dass wir beide Skiunterwäsche unter den Segelklamotten getragen haben und erst in Hafennähe uns peu á peu aus den Klamotten schälten. Hier im Hafen hat um 20 Uhr noch die Sonne vom Himmel geknallt und es war angenehm warm. Die Möwen hier sind echt clever, die hacken solange auf dem Verschluss der Frischwasserleitung rum, bis sich der Hebel umlegt und Frischwasser raus sprudelt. Ist das die Rache am Hafenmeister, weil der sie immer verscheucht?

Pfingstsonntag

Ausschlafen und ein spätes Frühstück. Dabei haben wir beschlossen, dass wir zum Plage von Boulogne spazieren.Wir hatten gestern bei der Einfahrt Strandsegler gesehen, die dort mit ihren besegelten Dreirädern mit unglaublichem Speed über den Strand gerauscht sind. Stoff für ein neues Video! Ausgerüstet mit der GoPro, einem Stativ und geladenen Ersatzakku, sind wir los marschiert. Immer an der Promenade entlang. Ich hatte schon eine leise Vorahnung, denn es war ja Pfingstsonntag und der Wind hatte deutlich nachgelassen. Von Strandseglern weit und breit nichts zu sehen, die Dreiräder waren alle schön hinter einem Verschlag eingesperrt. Nun, dann machen wir eben einen ausgedehnten Spaziergang immer am Wasser entlang. Zunächst ging es eine Anhöhe hinauf, kurz außerhalb von Boulogne entdecken wir zwei Fußballfelder auf denen das Turnier Frank Ribery stattfindet. Wusstet ihr das Frank Ribery in Boulogne sur Mer geboren und aufgewachsen ist? Ist auch völlig unwichtig, der spielt ja bekanntlich beim … Weiter ging es an der Steilküste entlang, mit atemberaubendem Ausblick bis an die englische Küste. Unser Spaziergang endet im nächsten Dorf nördlich an der Küste. Wimereux ist ein sehr schöner Küstenort mit einer schönen Promenade (€ 6,50 für 0,33 l Bier) und sehr viel Badebetrieb, malerisch in einer Bucht. Gegenüber die englische Küste, zum Greifen nahe. Unser Pfingstsonntagsspaziergang, zwei Stunden hin und 1,5 Stunden zurück, genug Bewegung.

Ups! Und dann Boulogne sur Mer

Heute 8:50 Brückenöffnung in der Calais Marina. Wir laufen in den Vorhafen vor der Marina und drehen gleich mal einige Warteschleifen, weil der Fährverkehr die Ausfahrt blockiert. Berufsschifffahrt hat absoluten Vorrang, was auch völlig in Ordnung ist. Wir haben heute nur eine kurze Strecke vor uns: Um das Cap Gris Nez rum nach Boulogne sur Mer. Es kommt wahrhaftig auf eine Stunde früher oder später nicht an. Wind: Fehlanzeige. Wir setzen zwar Großsegel und Genua, sehen aber ein, dass 1,5 kn Fahrt nicht wirklich zielführend sind. Das Groß kommt wieder weg, die Genua bleibt stehen, da leichte Brise von achtern. Der Strom scheibt mit und der Otto (Motor) auch. Vor Calais findet eine Fotosession statt: Ein holländischer Traditionssegler mit 3 Masten, hat alle Segel drauf, die er setzen kann und ein Hubschrauber steht über und/oder neben ihm und macht wohl Fotos (für den neuen Charterprospekt?). Das mag aber die Calais Coastguard und die Politie überhaupt nicht! Zumal der Großsegler fast im Fahrwasser dümpelt. Ein Schnellboot der Politie kommt angerauscht und geht am Großsegler längsseits. Der Hubi hat sich wohlweislich schon mal von Acker gemacht. Irgendwie werden die Kameraden sich geeinigt haben, denn die Politie düst wieder ab und nimmt sich den Frachter „Alcatel Lucent“ vor – und das am Samstag! Uns verschonen sie. Wahrscheinlich hat die französische Polizeigewerkschaft Samstagszuschläge ausgehandelt!
Wir haben Cap Gris Nez schon fast querab, als vor uns eine kohlrabenschwarze Wand steht. Der Wind dreht um 90 Grad und nimmt stetig zu und wir rollen die Genua nach und nach ein, zuletzt ganz weg – und das ist auch gut so, weil wir volle Lotte in die Regenfront rein fahren. Für ca. 45 Minuten bläst es aus vollen Rohren, in der Spitze 35 kn. Die Sunrise hat einen starken Motor und wir fahren mit gemäßigter Drehzahl gegenan. Es ist mal wieder Waschmaschine angesagt, was auch wirklich von Nöten war, denn die Möven in Calais hatten uns richtig vollgeschissen. Ist jetzt alles weg, sogar die feste Scheibe über dem Niedergang ist wieder Möwenscheiß frei. Immer alles positiv sehen! Die Ansteuerung von Boulogne sur Mer ist völlig unproblematisch, zwar ist der nördliche Wellenbrecher zum Teil weggebrochen und unter Wasser, aber das steht alles im Cannel Pilot drin und wer lesen kann ist wie immer klar im Vorteil. Um 14 Uhr liegen wir bereits in der tidenabhängigen Marina (kein Problem mit dem Tiefgang, wir haben Nippzeit und da steht eh noch etwas mehr Wasser. Die 2,7 m gemäß Hafenhandbuch haben wir locker unterm Kiel – jedoch nur an den ersten 2 Stegen. Der hintere Teil fällt trocken.) Die Kosten für den Liegeplatz sind im Rahmen, Stromanschluss, Duschen ohne Duschmarken und freies Wlan inkludiert. Einzig, es stinkt zeitweise tierisch nach Fischabfall, da gegenüber die Berufsschiffer anlegen, ihren Fang ausnehmen und den ganzen Abfall ins Wasser spülen. Natürliche Entsorgung und Wiederverwertung, kann man nicht meckern.
Am frühen Nachmittag machen wir uns auf zur Stadtbesichtigung. Riesiger Unterschied zu Calais, die Stadt lebt. Die Straßen sind bevölkert, Hochzeiten mit lärmendem Hubkonzert finden statt. In einer der Kirchen übt ein Organist für den Gottesdienst an Pfingsten. Wir sind von der Akustik und dem Spiel des Organisten in der alten (modrig riechenden) Kirche so beeindruckt, dass wir längere Zeit verweilen. Die alte Stadt Boulogne ist sehr schön, auf einem Hügel und umgeben von einer Stadtmauer, mittig ist auch der Dom. Wir gehen kurz rein, aber gleich wieder raus, weil im!!! Dom ein Touristenshop ist. Hallo, Katholische Kirche, was soll das denn! Wo bleibt da die Ethik? Auf dem Rückweg kaufen wir beim Carrefour Supermarkt die fehlenden Lebensmittel nach und kochen an Bord ein leckeres Ratatouille mit Reis. Der Abend klingt mit französischem Rosé (Elke) und Alter Notar (Trollinger Lemberger vom Rilling aus Cannstatt) für Walter, aus.

Vive la France

Vive la France – bonjour Calais
Heute um 9:00 macht der Schleusenwärter für uns 2 Brücken auf und eine Schleusung nach draußen. Unser Tagesziel ist Calais. Um 19:40 ist Hochwasser in Calais und die Brücke vor dem Jachthafen öffnet 2 Stunden vor bis 2 Stunden nach Hochwasser jede Stunde. Für die 55 Meilen müsste das gut passen. Die Wetterprognose ist gut, kein Regen und Wind aus Ost, der Stromatlas sagt mitlaufenden Strom bis 18 Uhr voraus. Als wir draußen sind, kommt der Wind aus Nord und so schwach, dass wir über 3 Stunden den Motor mitlaufen lassen, damit wir überhaupt von Fleck kommen. Danach wird die Genua ausgebaumt, das heißt Walter muss mit dem unhandlichen langen Spibaum auf dem Vorschiff rumturnen, die Genuaschot catchen, einhängen und den Spibaum fixieren. Hierdurch wird gewährleistet, dass die Genua (großes Vorsegel) nicht bei jeder Welle von hinten flappt und das ganze Rigg durchschüttelt, was echt nervig ist und auch aufs Material geht. So kommen wir mit Unterstützung des Tidenstroms doch noch recht gut voran. Ab 14 Uhr nimmt der Wind kontinuierlich bis auf 5 Beaufort zu. Die letzten 5 Meilen müssen wir den platten Vorwindkurs verlassen und auf Halbwindkurs gehen. Da wir noch die große Genua stehen haben und die Welle jetzt von der Seite kommt legt sich die Sunrise immer mal wieder gut auf die Seite. Im Vor- und im Achterschiff wird gut durchgemixt, denn alles, was nicht flugsicher fixiert ist, fliegt auch. Im Salon ist ja immer schön aufgeräumt, nur der dicke Reeds Nautical Almanach fliegt vom Tisch. Unser Timing ist trotz der Dümpelei in den ersten 3 Stunden perfekt. Wir segeln direkt bis vor die Hafeneinfahrt, erst hier (außerhalb vom Fahrwasser) nehmen wir die Genua weg. Um 18:30 wollen wir in den Vorhafen rein, aber die Ampel steht auf Rot. Hatten wir schon erwartet, da wir das AIS Signal der Calais-Dover-Calais Fähre bereits auf dem Bildschirm gesehen haben. Vor uns sind noch 2 Segler, die ebenfalls nach Calais rein wollen. Es wird grün, wir reihen uns ein und fahren gemeinsam in den Wartebereich für Sportboote vor der Brücke, die die Einfahrt zum Jachthafen versperrt. Walter ist froh, dass er den Hafen nicht anfunken muss, weil das der französische Skipper vor uns bereits erledigt. Nach kurzer Wartezeit zeigt das Brückensignal an, dass die Brückenöffnung vorbereitet wird. Der freundliche Hafenmeister sortiert in Blitzgeschwindigkeit die Neuankömmlinge, weist uns einen Liegeplatz in einer Box mit Schwimmauslegern zu, nimmt auch gleich noch die Leinen an und um 19:30 sind wir fest. Sagen wir mal: Heute schlapp begonnen und sportlich geendet. Einen derartigen Zieleinlauf haben wir selten erlebt!

Brüssel

Um 8:44 Uhr fährt der IC von Oostende nach Brüssel, wir sind dabei und fahren bis zur Station Central. Wir laufen zunächst völlig desorientiert durch die Gegend und landen gleich am Kunstberg mit der National-bibliothek, Kongresspalast und Palast der Dynastie. Alles sauber herausgeputzt, hier spielt Geld augenscheinlich keine Rolle. Uns steht der Sinn jedoch erst nach einem zweiten Frühstück, nach einem Stadtplan und Reiseführer. Unseren Kaffee/Tee mit Brioche nehmen wir in der feinen Königlichen Galerie St. Hubertus zu uns und studieren den frisch erworbenen Reiseführer und Stadtplan. Neben dem Kaffeehaus ist ein Schokoladenladen vom Feinsten. Belgische Schokolade und die Pralinen sollen ja die Besten überhaupt sein, aber aufgrund des Preises verzichte ich auf eine Kostprobe, mache zum Andenken jedoch ein Foto. Gestärkt gehen wir zum Grand Place mit Rathaus, Königshaus und Zunfthäusern. Das Rathaus soll das schönste gotische Gebäude von ganz Belgien sein. So viel Glanz und Gloria auf einem Fleck! Unglaublich. Mittlerweile regnet es in Strömen und wir ziehen eine trockene Variante der Stadtbesichtigung vor: Den hop on – hop off Sightseeing Bus für € 23,00/Person. Mit dem hop off wird es aufgrund des Regens nichts, wir fahren die komplette Route 2 (Innenstadt und Europaviertel) und anschließend gleich noch die Route 1 (Atomium, Laeken, National Basilika) mit. In einer Regenpause schauen wir uns den kleinen „Manneken Piss“ an und laufen quer durch die Stadt zum Europaparlament. Hier gibt es eine neue Multimedia-Gratisausstellung „Parlamentarium“ die wir besuchen. Aber offenkundig sind wir nicht die Zielgruppe, die diese Werkschau ansprechen will. Da wird das Thema Europa bis an den ersten Weltkrieg aufgerollt, eine komplette Etage widmet sich dem Thema in der Zeit von 1939 – 2011. Es wird viel für die Generation „ I“ (gesprochen Ei) geboten, wo gewischt und gescrollt wird. Der Mediaguide ist ein abgespecktes I-Pad und eine 360 Grad Multimediashow zeigt die Arbeit unserer 5000!!! Europaabgeordneten. Mal ganz ehrlich, mich beschleicht hier das Gefühl, das dies alles eine kolossale Geldvernichtungsmaschine ist. Aber wie heißt es so schön? Wer im Glashaus sitzt, werfe keine Steine.

Oostende

Wohlbekannte Geräusche am frühen Morgen – es regnet und zwar in Strömen. Wir ignorieren den Wecker und deuten das Wecksignal in „Bitte wenden“ (auf der Matratze) um. So kommt es, dass wir heute, nicht wie vorgesehen mit der Bahn nach Brüssel fahren, sondern ein spätes und ausgedehntes Frühstück machen. Es regnet bis in den Nachmittag hinein und wir vertreiben uns die Zeit mit Staubsaugen, Aufräumen, Umräumen, Sachen suchen (wasserdichte Hülle fürs IPhone, denn ein Regenwasserschaden ((Kamera)) reicht), Lesen, Duschen (leider kalt) und Ausruhen. Es ist bereits nach 16 Uhr, als wir uns auf den Weg machen, die Stadt nochmals anzuschauen. Gestern Nachmittag waren wir noch in der Sint-Petrus en Pauluskerk. Diese neu-gotische Kirche sieht aus wie eine kleinere Ausgabe des Kölner Doms und hat wunderschöne Bleiglasfenster.
Heute sind wir durch die Einkaufsstraßen in Richtung Strandpromenade gelaufen. Die Bauten in der Innenstadt sind wohl alle zwischen 1950 und 1970 entstanden, meist 5 – 10 Stockwerke hoch, teils noch höher, und fast alle in sehr üblem Zustand. Sieht aus, als ob nach der Fertigstellung keine Erhaltungsmaßnahmen gemacht wurden. Ganz wenige alte Fassaden sind zu sehen.  Oostende scheint wohl unter und wegen den Deutschen vor 70 Jahren sehr gelitten zu haben. Die Stadt wurde gegen Ende des 2. Weltkrieges aufgrund ihrer Hafenanlagen durch Luftangriffe der Westalliierten fast vollständig zerstört. Deshalb auch die vielen Bausünden. Fast an jedem Haus kleben Schilder „te koop“ oder „Appartement te koop“ und wir hatten den Eindruck, dass viele Häuser und Wohnungen leer stehen. Auf der Strandpromenade sieht es nicht anders aus, sie ist gesäumt von Hochhäusern und Hotels, die ihre besten Tage lange hinter sich haben. Auch das Kurhaus, die alte Trinkhalle, die ehemalige Königliche Villa reihen sich nahtlos ein. Das wirklich schöne Bahnhofsgebäude ist nur noch Fassade, es wird ein neuer Bahnhof gebaut und das alte Bahnhofsgebäude wird wenigstens integriert. Fähren nach England fahren seit 2013 auch keine mehr.
Morgen haben wir vermutlich das Kontrastprogramm, wir wollen nach Brüssel.

Adieu Amsterdam

Reisetag für Fleur und Dirk nach Stuttgart und für Elke und Walter nach Oostende. Kurz nach 10 Uhr sind wir auf dem Nordseekanal Richtung Ijmuiden. Walter hört komische Geräusche in der Steuersäule bzw. die Steuerung geht irgendwie schwerer als sonst. Wir fahren noch durch die Schleuse in Ijmuiden und biegen links in die Ijmuiden-Marina ab. Hier gibt es einen Yachtservice. Walter organisiert einen Schiffsmechaniker, der auch nach der Mittagspause auf die Sunrise kommt.  Für mich heißt das, die komplette Achterkoje ausräumen. Also Bettzeug, Matratzen, Lattenrost etc. muss alles weg, weil der Mechaniker an den Steuerquadranten unter dem Bett  muss. Hier ist nichts Auffälliges und alles sieht gut aus. Nun wird das Steuerrad und der „Hut“ der Steuersäule abgenommen, was nicht ganz einfach ist, weil der Schaltzug und die Kabel für Kompass, Autopilot und Bugstrahlruder hier durchlaufen. Auch die Kette der Steuerung sieht aus wie neu; auch der Mechaniker ist ratlos. WD40 kommt zum Einsatz, aber die Geräusche sind nicht vollständig weg. Es scheuert entweder die Umlenkung der Drahtseile nach hinten oder eine Drahtkardeele hat sich aufgestellt oder der Autopilot macht den Ärger. Der Mechaniker meint, dass er nichts weiter tun kann, sagt, dass das was er sehen kann alles in Ordnung ist, baut die Steuersäule wieder zusammen, macht das Steuerrad dran, kassiert 65,00 Euro und tuckert mit dem Dingi wieder davon. Wir laufen gegen 15 Uhr aus Ijmuiden aus, fahren die Nacht durch mit Kurs Calais. Gegen 6 Uhr am nächsten Morgen endet Walters Hundewache und er hat die Faxen dicke. Die ganze Nacht durch hat es viel Schiffsverkehr gegeben, über die „Einflugschneise“ Hoek von Holland (Hafen Rotterdam) sind wir noch mit Tageslicht gekommen, aber die Querung der Ansteuerung von Zeebrugge in der Morgendämmerung hat ihm den Rest gegeben. Wir beschließen nach Oostende zu gehen. Die Ansteuerung von Oostende ist einfach, liegt nur die Wenduinebank davor, die wir eh schon fast hinter uns gelassen haben, also Blinker raus und scharf links ab. Um 8:45 Uhr sind wir schon im Vorhafen, dürfen aber nicht weiter in den Hafen rein! Rote Ampel! Ja, wirklich 3 rote Lichter übereinander signalisieren uns, dass Schiffsverkehr nach draußen im Gange ist. Wir rechnen mit riesigen Fähren, die uns entgegenkommen werden, aber es sind nur 3 kleinere Pilotboote und ein dickerer Frachter. Endlich zeigt die Ampel grüne Lichter und wir dürfen in den Hafen einfahren. Wir steuern zunächst den Royal Yachtclub Oostende an, da dieser ganz am Ende der Hafenbecken und ohne Schleuse zu erreichen ist. Es scheint so, als ob es die Fährverbindung nach England rüber gar nicht mehr gibt, die Abfertigungsgebäude sind verfallen, alles sieht ziemlich rott aus. Opfer des Eurotunnels? Überall Schutt, Sandberge, Baustellen usw.. Leider leidet der Royal Yachtclub Oostende sehr unter dem hässlichen Umfeld und ich habe echt keinen Bock auf kiloweise Sand und Staub im Schiff, sodass wir umdrehen und uns doch zur Schleusung in die Mercator Marina anmelden.Wir bekommen eine Einzelschleusung, es werden zwei Klappbrücken bewegt und wir bekommen einen ganz breiten Platz für die Sunrise. Und das Beste, nun liegen wir mitten in der Stadt gegenüber ist der Bahnhof!

A´dam 16

Gastbeitrag von Fleur
Mal ne kleine Pause vom Hausmeister- und Verwaltungsservice der Daheimgebliebenen.
Ab nach Amsterdam ging es mit einer vollgepackten Tasche mit Fertiggerichten der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hällisches Landschwein (Gulasch, Sahnegeschnetzeltes usw.), der Post von gefühlten 5 Jahren und jeder Menge lebenswichtigem Kleinkrams, wie Ültje Erdnüssen in Dosen. Alles bestellt von Mama und Papa.
Am Donnerstagnachmittag waren wir dann endlich hier und haben uns erst mal schön eingerichtet. Danach ging es noch zum Abendessen ins chaotische Amsterdam, hätte mich einer ausgesetzt, ich hätte nie wieder zum Schiff gefunden. Tag 2 war da schon ein wenig einfacher. Nach einer Grachtentour und Pfannkuchen mit Eis kam dann auch allmählich die Orientierung und man erfährt sehr viel über die Stadt. Die Museen haben Dirk und ich uns größtenteils erspart und uns eher dem Amsterdamer Rundumschlag gewidmet. Mama und Papa haben sich in der Zwischenzeit das Reichsmuseum angeschaut. Am Samstag war dann der Noordermarkt dran, eigentlich wollte ich eine günstige neue schöne Lederhandtasche kaufen, aber leider war nichts Passendes dabei. Nachmittags waren wir dann noch bei den rollenden Küchen an der Westergasfabriek und haben hauptsächlich beobachtet, wie ein Afrikaner die Gesellschaft von gegrillten Heuschrecken überzeugen wollte. Heute, am Sonntag, sind wir mit dem Auto aus Amsterdam raus auf die idyllischen Dörfer gefahren und haben uns zu Fuß Hoorn, Edam und Monnickendamm angeschaut. Überraschenderweise war heute überall Markt und so bin ich in Monnickendamm doch noch an eine neue Handtasche gekommen. Abends steht leider, nach Schwäbisch-Hällischem Sahnegeschnetzeltem, schon wieder Koffer packen auf dem Programm, da Mama und Papa morgen früh aufbrechen wollen und wir wieder in Richtung Deutschland fahren.

A´dam 15

Samstag ist immer Noordermarkt: The sparkling Heart of Amsterdam —- take your pick: Antiques/Curiosa, Books, Delicatessen, Ethnographics, Clothes, Art, Paintings, Objekts, Musik, CD`s, DVD`s, Plants, Flowers, Juwelry, Accessories, Toys, Tapystries —- so steht es in einem Flyer, den wir in die Finger gekriegt haben. Wir erstehen eine Bratpfanne! Das stand so nicht im Prospekt, die listet wahrscheinlich unter „Objekts“. Den späten Nachmittag verbringen wir bei den „Rollenden Keuken“. Ein Straßenplakat hatte uns auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht. Auf einem alten Fabrikgelände, der Westergasfarbik nahe dem Westerpark, haben sich an diesem langen Wochenende mobile Imbissbuden aus aller Herren Länder versammelt und bieten ihre Spezialitäten an. So sind z.B. mexikanische, koreanische, italienische, amerikanische, spanische und natürlich viele holländische Küchen vertreten. Es wurden die unterschiedlichsten Snacks angeboten. Allerlei Waffeln, Fraps, gegrilltes, gekochtes, Hamburger und Omelette und als Gipfel des Ganzen dann auch noch einen Stand der gegrillte Heuschrecken anbot. Viele Bierstände und Musikbühnen unterhielten die in Massen herbei geströmten Besucher. Ein interessanter Nachmittag war es.

A´dam 14

Auflösung des Bilderrätsels von gestern: Butterbrot mit Schokostreusel, typisch holländisch von Rijders.
Heute war wieder Museumstag, das Rijksmuseum stand auf dem Plan. Ein sehr beeindruckendes Gebäude, vor ein paar Jahren grundlegend renoviert. Zwei Innenhöfe wurden verbunden, dies ist jetzt ein großzügiges Eingangsfoyer mit Kassen, Garderobe und Museumscafé. Hierhin gelangt man sogar auch ohne Museumsticket. Wir sind zusammen mit einigen Hundert Menschen ins Museum rein und haben uns einen Audioguide genommen. Zur Auswahl standen die Highlight-Führung, die Gebäudeführung und 17. Jahrhundertführung jeweils 90 oder 45 Minuten. Wirklich sehr gut gemacht. Uns hat die Gebäudeführung sehr beeindruckt, die 17. Jahrhundertführung haben wir ausgelassen, da bereits in der Highlight-Führung teilweise mit enthalten. Rembrandt ist als einzigem Künstler ein eigener Raum gewidmet. In diesem Raum hängt die berühmte Nachtwache. Neben Rembrandt wird die Malerei des holländischen Goldenen Zeitalters eine historische Bibliothek, asiatische Kunst und Porzellan gezeigt. Im Anschluss an die Museumstour sind wir am Hardrock Café vorbei (liegt grad um die Ecke) und in den Vondelpark zum Eis essen. Ein Exemplar der vor Jahren im Vondelpark von einem genervten Besitzer ausgesetzten knallgrünen Papageien haben wir entdeckt. Aber nur weil wir sein Gekrächze deutlich gehört haben und erst dann den knallgrünen Papagei gesichtet haben. Heute haben wir auf die Rückfahrt mit der Tram verzichtet, hatten uns eh schon die Füße platt gelaufen, wir haben uns mit dem Brückentags-Touristenstrom wieder zum Hauptbahnhof schieben lassen. Fleur und Dirk haben beim Hardrock Café ihren Stadtrundgang begonnen, eine Grachtenrundfahrt gemacht und sind nach ihrer Einkauftour auch ziemlich platt hier wieder angekommen. Morgen ist wieder Nordermarkt, den wollen wir uns nochmals antun.