Aerösköping-Flensburg

6:30 Uhr – es regnet. Bindfäden. Mist, das haben wir so nicht bestellt. Nochmals rumdrehen und abwarten. 7 Uhr, der Wecker schlägt Alarm und es regnet – Bindfäden, was sonst. Da die Zeit bis zum Ablegen eh knapp ist, bietet es sich an, auf dem Weg zum Toilettenhäuschen gleich schon mal hautschonend mit Regenwasser zu duschen. Wir sind heute wieder richtig freundlich, Ausnahme-Deutsche, und legen 10 vor 8 ab, damit unser netter Schwede seinen Tagesplan einhalten kann. Das erste Mal seit 3 Wochen stehen wir in voller Regenmontur am Steuer. Das geht so bis 14 Uhr, dann lassen Regen und leider auch der Wind nach. Selbst in der Flensburger Förde, wo vor der roten Tonne „Schwiegermutter“ immer die Düse steht, ist nichts. Also alle Segel einrollen und unter Motor weiter. Um kurz darauf nach der nächsten Kursänderung wieder 17 Knoten voll auf die Nase zu kriegen. Das mit dem Reinkreuzen in die Förde lassen wir dieses Mal bleiben – Schande über uns – und fahren einfach so als Motorboot weiter. Um 18 Uhr liegen wir dann ruhig und sicher am Steg bei Niro Petersen

Aero Jazzfestival

Die Päckchenlieger links und rechts geben Ruhe, das heißt, die wollen nicht ablegen. Der nette Schwede direkt an der Mauer will auch erst morgen früh !!! 8 Uhr weg. Also völlig relaxed in den Tag. Der erste Anlauf, in die Bucht Richtung Ommel zu laufen endet sehr abrupt wegen einer tiefschwarzen Gewitterwand. Die kurze Wanderung gerät zur ebenso kurzen Joggingrunde. Gerade noch rechtzeitig vor dem Platzregen sind wir am Schiff. Was tun? Schlafen!!! Ein zweiter Versuch der körperlichen Ertüchtigung endet auf halber Strecke, weil in den Erdbeeren mit Sahne (Egelykke Piskeflötte steht auf dem Tetrapack – und ich schwör, das ist süße Sahne), die es nach dem Mittagschlaf gab, wohl in der Tat was Flottes drin war. Also beschleunigt zurück zum Hafen, insbesondere zum Toilettenhäuschen. Nichts passiert, außer dass es einen weiteren Regenschauer gibt und unser Nichtschweden-Nachbar eine Ablege-Liveschau hinlegt. Sogar unser netter Schwede mit Gattin kommt auf unsere Sunrise rübergehechtet zum Abhalten des Chaoten und um Schaden zu vermeiden. Der Chaot hat einen rabenschwarzen Tag gebucht! Kurz nach der Hafenausfahrt setzt er Segel und läuft auf Grund. Jetzt hat er voll die Kacke am Dampfen, kommt aber nach gefühlten zwei Stunden wieder frei. Vermutlich weil ihm ein netter Däne eine Schleppleine zugeworfen hat und ihn ins tiefe Wasser gezogen hat. So genau konnten wir das von unserer Mole aus nicht sehen. Ist aber auch saublöd betonnt. Auslaufend an Bb grün – ist klar. Aber dass die grünen Tonnen, so weit im flachen Wasser (ca. 1,60 m) stehen, das kann kein Schwein wissen. Steht so nicht in der Seekarte und auch nicht im Hafenhandbuch. Da steht drin, im Tonnenstrich 3,60 m Tiefe. Wir hatten beim Einlaufen (grün an Stb.) auch große Augen, als unser Tiefenmesser unter 2 m im Tonnenstrich angezeigt hat. Das ist nicht witzig. Bei einem Tiefgang von 2 m schon mal gar nicht. Da war kurz Alarm an Bord, mit Rückwärtsgang und langsam rumeiern und so…
Die grünen Tonnen stehen definitiv zu weit im flachen Wasser – trotzdem ist es doof vom Segelkollegen, aus dem Tonnenstrich raus zu fahren und Segel zu setzen.
Am Abend: Thomas Siffling Trio (aus Mannheim!!!) im Andelen. Allererste Sahne. Thomas Siffling, Trompeten, Jens Loh am Bass und Marcel Gutzke, Schlagzeug.
Die waren ja auch schon bei uns im Jazzclub Armer Konrad in Beutelsbach – das spricht für deren Qualität.

Aerö Jazzfestival

Heute ist der erste offizielle Tag des Jazz-Festivals. Wir besorgen Karten und gehen abends ins Andelen. Jakob Bro Trio. Ganz junge Kerls und gut. Mischung zwischen Fusion und Free.

Walter hat einige Videos gemacht und hochgeladen > Videos

Aerosköping

Der erste am Steg – wie soll es auch anders sein – will um 10 Uhr weg. Kein Thema, ist ja nicht mehr nachtschlafende Zeit. Also zwei Schiffe kreisen im Hafenbecken, bis sich die Lage neu sortiert hat. Das mit dem Neusortieren hat trotz böigem Seitenwind gut geklappt. Die ultimative Katastrophe fand heute in der Panty (Küche) statt. Walter hat´s nicht so mit den Tetrapacks, speziell nicht mit denen mit Frischmilch drin. Beim Öffnen, wie auch immer, passiert es. Die Spüle, der Kühlschrank, das Regal, der Backofen – speziell dahinter – badet in Frischmilch. Walter ist auch kurz vorm Platzen – aber wer macht die Sauerei dann weg?
Also konzertierte Aktion bevor die Frischmilch bei der Hitze sauer wird und das ganze Schiff nach Kinderkotze stinkt. Alles ausräumen, Tupperle, Gewürzgläser, Kannen etc. spülen, Regal auswaschen, Backofen ausbauen !!! um den Milchsee dahinter zu beseitigen. Alles beseitigt! Jetzt nach drei Stunden stinkt´s noch nicht. Hoffe, es bleibt so. Wir schließen das Schiff jetzt ab und gehen Downtown, gucken was die Vorbereitungen für Festival machen.

Wieder in Aerosköping

Bleierne See, kein Wind, total diesig. Fahren unter Motor die ganzen 38 Meile nach Aerosköping. Unterwegs macht Walter Radarübungen und lässt das Schiff nach den Radarechos fahren. Klappt gut, es ist jedoch zu berücksichtigen, dass wir überhaupt keinen Seegang und deshalb auch keine Echos von den Wellen haben, die üblicherweise die Interpretation des Radarbildes erschweren. Wir sind schon um 15 Uhr im Hafen, der bereits gut gefüllt ist. Wir gehen als 3 Schiff an einem alten Holzsegelboot aus Flensburg längsseits. Werden gleich als Schwaben erkannt und nicht für voll genommen. Ist uns völlig völlig schnuppe, frei nach dem Motto „wir können alles, außer Hochdeutsch“. Auf dem Nachbarkutter sind drei ältere Herren, wahrscheinlich Ex-Bundeswehrler, von denen einer sogar in Stuttgart gearbeitet hat. Das Schwabenländle kann demnach doch nicht so übel sein.
Abends gehen wir noch in ein Musik-Café. Ein lokaler Gitarrist spielt Klassiker, die mindestens genau so alt sind wie er selbst. Aufgrund des Regens können wir dieses Mal nicht draußen sitzen, wir müssen rein in die Räucherbude. In Dänemark darf wohl in den Bars geraucht werden. Sehr unangenehm, stinken wie Räucheraale und gehen während des zweiten Sets nach Hause.

Wieder in Dyvig

Fahrrad leihen war erfolgreich, weil wir nicht wie am 18.07. in der Marina, sondern vor dem Sternehotel Dyvig Bro liegen. Wir sind ja noch lernfähig, trotz Ü50. Hier ist die Nutzung der Fahrräder im Preis inbegriffen – der Liegeplatz kostet auch bloß 10 DK mehr als gegenüber! Also nach dem Frühstück los und die besten Aluräder gesichert und ab Richtung Augustenborg. Die Räder sind kein Vergleich zu denen in Aerosköping. Haben zwar nur 3 Gänge, aber rollen richtig leicht und gut. Schon um 12 Uhr sind wir in Augustenborg und finden auf Anhieb das schöne Schloss – da gibt es leider kein Schloss-Café. Das Schloss ist toll renoviert und ist jetzt Psychiatrische Klinik. Schnell weg hier! Wo gibt es hier was für den Durst??? Nirgendwo! Auch heute ist es schwül warm – alles zu, verrammelt, verlassen. Finden einen Spar, der verkauft uns zwei Tüteneis und 2 Flaschen Mineralwasser. Hilft schon mal. Das Schloss hat einen tollen Garten und einen anschließenden Schlosswald mit Skulpturenpfad. Hier deuten wir den Fußweg in Fahrradweg um und genießen den Schatten und die Skulpturen. Da wir völlig planlos sind, also ohne Stadtplan und Landkarte, und irgendwie und vor allem nicht mehr an der L405 zurück nach Nordborg radeln wollen, statten wir einer Tankstelle einen Besuch ab. Der nette Däne findet uns wohl auch so und schenkt uns eine Karte und erklärt uns den Weg über Nebenstraßen. Halt leider in die falsche Richtung, wir wollen heute nicht mehr nach Sonderborg sondern nach Nordborg! Egal, wir bedanken uns, radeln um die Ecke und navigieren selbst.
Auf der Nebenstraße zwischen Stevning und Oksböl wäre der Ausflug um ein Haar abrupt beendet gewesen, da ein Lieferwagenfahrer wohl Radlerhasser ist und dermaßen haarscharf mit einem Affenzahn bei Gegenverkehr an Walter und mir vorbeigerauscht ist, dass dessen rechter Außenspiegel genau zwischen meine Schulter und mein Ohr gepasst hat. Ich hab nur noch den Lenker festgekrallt und gedacht jetzt fliegt mir mindestens das Ohr weg. Walter ist Zeuge, er war 50 m hinter mir. Ich war so erschrocken, dass ich ihm (dem Lieferwagen-Piloten/Idioten) leider zu spät den Stinkefinger hinterher geschickt habe. So ein Volldepp!
Jetzt ist wieder alles gut, sitze im Cockpit und trinke ein Viertele aus der letzten Trollinger-Lemberger (reeller Württemberger Rotwein) Flasche. Morgen geht es auf der bekannten Route wieder nach Aerosköping, Jazzfestival, 2. Anlauf.