Warten

Die Solarpanels sind seit letzter Woche in der Werft, allein an der Montage mangelt es. Wir sind seit 7 Uhr auf den Beinen und warten, und warten, und warten, trinken Tee, genießen die Sonne. Zwischendurch wird die Ankerkette geprüft und alle 10 Meter eine Markierung angebracht. Endlich, gegen 16:30 kommt der Schiffselektroniker mit dem Werftmeister an den Steg. Morgen, ganz sicher (gegen Mittag) soll es losgehen. Auch die neuen Batterien hat der gute Mann im Auto und fährt sie durch die Gegend. Schaun mer mal.

Kultur pur

Ostermontag
Vormittags Vorschiff ausräumen, einräumen, umräumen, ausräumen und einräumen – und zwar genau in dieser Reihenfolge, garniert mit einigen deftigen Sprüchen.
Nachmittags Kunsthalle Wilhelmshaven. Aktuell ist dort eine Ausstellung privater Kunstsammler mit Kunst aus Norddeutschland. Anschließend „Strand“-Spaziergang am Südstrand von Wilhelmshaven und matschigem Erdbeerkuchen (verwöhntes Touristenpack!). Am Abend feines Gitarrenkonzert in der Kirche in Wüppels. Flamenco, Jazz und Latin, dazu noch eine Prise Klassik auf der Konzertgitarre erstklassig vorgetragen vom Gitarristen Wolfgang Meyer, Gitarra Espagnola und Cancion.

Ausflugstag

Am Karfreitag, vor allem, wenn es bläst und regnet wird nichts gearbeitet. Ausgiebig geduscht (weil in der Werft ja niemand da ist, der in die Dusche reinplatzt), gemütlich gefrühstückt und dann ins Auto Richtung Nordseebad Dangast. Ziel ist der legendäre Rhabarberkuchen im Kurhaus. Man sagt uns, dass eine halbe Stunde anstellen für Kuchen und Kaffee durchaus im Rahmen ist. Hat sich wirklich gelohnt! Lauwarmer Rhabarberkuchen mit pappsüßem Baiserbelag. Ob wir Dangast schön finden? Naja, wenn man das Nordseebad Juist kennt, also richtig Nordsee und richtiger kilometerlanger Sandstrand, da kommt definitiv nichts ran. Bislang habe ich zumindest keinen Ort kennengelernt, der es mit der Schönheit und dem Flair von Juist mithalten kann. Nur leider kann dort die Sunrise nicht hinsegeln, mit einem Tiefgang von 2 Metern kann das Wattfahrwasser nach Juist von uns nicht befahren werden und ungeeignet für Trockenfallen ist sie auch.

Sunrise von oben

Heute vormittag Baumarktbesuch in Wilhelmshafen. Zum Schiff zurückgekehrt, kehrt allgemeine Müdigkeit ein. Vermutlich war Schlafmittel im Kirschstreuselkuchen drin. Zwischendurch war noch Hafenkino im Hooksieler Werfthafen angesagt. Wir hatten bis zu 30 Knoten Wind in Boen im Hafen. Als wir dann aktiv werden wollten, die Aufbauten müssen noch poliert und das Teakdeck gereinigt werden, hat der Wettergott ein Einsehen gehabt und zum Wind noch Regen geschickt. Das war´s dann für heute!

Höhenluft

Hooksiel war gestern Abend mäßig belebt, aber ein saumäßig übles Fischfilet und noch üblere Pommes verwischt. Gut dass der Supermarkt bis 22 Uhr geöffnet hat. Ein 56%iger Friesengeist zur Verdauung musste her. Der Sprit muss vor dem Trinken angezündet werden (im Glas), wahrscheinlich deshalb, damit er einen nicht gleich umhaut. Ansonsten war heute ein guter Tag: Vorsegel und Großsegel angeschlagen, Rettungsinsel angebracht, 40 Liter Methanol für die Brennstoffzelle verstaut, die Glocke vom Spibaum am Mast rumgedreht, damit Walter in diesem Jahr (mal) nicht den Spibaum auf den Kopf bekommt, wenn er beim Halsen vorne rumturnt und sich der Baum selbsttätig aus der Glocke löst. Den Radarreflektor angebracht, ganz einfach oberhalb der 2. Saling. Ging so: Bootsmannstuhl in das Spifall eingehakt, Spifall über die Elektrowinsch, Elke mit Werkzeug in den Bootsmannstuhl und ab die Post nach oben. Radarreflektor sitzt an der oberen Want mit 4 Kabelbindern fixiert. Weil die Luft dort oben so klar war, musste die Aufzugfahrt mit der Kamera in der Tasche wiederholt werden.

Guter Tag

Klappe die Erste: Die Navionics Vectorenkarten von Cuxhaven bis Kap Hoorn (wohin die Sunrise definitiv nie hinsegeln wird) sind vom Raymarine-Plotter lesbar. Die stundenlange Downloadaktion in der vorletzten Woche war doch erfolgreich! Trotzdem ist es seitens Navionics eine Zumutung: Die Kunden bekommen leere Speicherkarten, müssen sehen, dass sie eine stabile Internetverbindung haben und laden sich die gekauften Seegebiete von der Navionics-Website. Wenn es nicht klappt, dann ist es eben ein Anwenderfehler. Die machen es sich wirklich einfach.
Klappe die Zweite: Das interne Raymarine-Sea-Talk-Netzwerk akzeptiert nach kurzem, völlig überflüssigem Rumgezicke wieder das Notebook als Tochterinstrument vom Kartenplotter. Am Kartentisch mit dem Notebook die Routen zu planen ist eben viel komfortabler, als an Deck bei Wind und Wetter mit den Softtasten am Kartenplotter rumzutippen.
Walter hat die Gaskasten-Erhöhung in die Backskiste eingebaut, die Travellerleinen zweimal ausgetauscht und diverses an Deck rumgeschraubt.
Heute Abend wollen wir ins Hooksieler Zentrum um zu schauen, ob hier aufgrund der Osterferien ein bisschen Leben eingezogen ist.

Zurück in Hooksiel

War ja mit Ansage! 5,5 Grad, 7 Beaufort Wind aus Nordwest, Regen und Graupelschauer. Schon unterwegs bei Kierspe (Heimat unseres Bordingenieurs) im Sauerland Hagelschauer satt. In Hooksiel angekommen haben wir das Auto scheibchenweise in den Regenpausen ausgeladen. Plastikboxen, Kartons, Tüten, Rucksack, alles in den Salon gestapelt und somit gleich mordsmäßiges Chaos verursacht. Der Großteil ist verstaut, nur auf unserem Bett liegen noch 3 große Säcke (Gepäckstücke), die werden jetzt ins Vorschiff umquartiert. Morgen ist auch noch ein Tag. Spruch des Tages: Walter, eine riesig große Stofftasche in der Hand, fragt: „ Was ist mit der?“ Antwort: „ Ist unser Dreck(wäsche)sack, kommt zu dir neben dein Bett, wie immer, die Drecksäcke zu dir.“
Gute Nacht!
P.S. Die Kiste Flens im Kofferraum ist natürlich leer, Flens in den Norden zu karren, wäre ja wie Eulen nach Athen zu tragen. Wir hatten nur versäumt, unser Leergut zurück zu geben.

Endspurt

Ganz langsam, aber sicher wird es chaotisch! Die ToDo-Liste müsste doch endlich mal kürzer werden – nein tut sie eben nicht. Immerhin das Auto ist jetzt wieder da und darf zum TÜV um den begehrten Stempel abzuholen. Die Tochter wirft die Frage in den Raum: „Du, Mama, wie geht eigentlich dieses Lohnsteuer-Gedöns?“ Antwort: „Das geht so, dass wir die Software „ELSTER-FORMULAR“ auf deinen Rechner laden und die Einkommensteuer-Formulare Schritt für Schritt ausfüllen, so wie ich es in den letzten zwei Jahren auch gemacht habe. Die Ausdrucke sind hier, kannst eigentlich alles übernehmen!“ Und schon bricht Hektik aus, Rennerei durchs Treppenhaus, Türen knallen und diverse „Verwaltungskacke-Flüche“ folgen! Wo ist die Jahressteuerbescheinigung, Fahrtkostenaufstellung und…. Die Software ist installiert, aber mangels detaillierter Vorbereitung muss die Abgabe der Steuererklärung für die Tochter um zwei Tage verschoben werden. Kriegen wir hin!
Jetzt noch die privaten Versicherungsunterlagen sortieren und der Tochter erklären, was alles versichert ist und wo die Unterlagen abgelegt sind – und schwupp ein neues Thema: Das (uralte) Angebot der Hausratsversicherung ist fein säuberlich abgelegt, wurde aber weder unterschrieben noch rausgeschickt! Saumäßig blöd. Leitungswasserschaden sollte schon abgesichert sein, wenn Wasch- und Spülmaschine in der Wohnung sind.

Richtung Startlinie

Schritte in die richtige Richtung. Wobei die Phrase eigentlich ziemlich doof ist, weil kein halbwegs intelligenter Mensch geht in die falsche Richtung. Die zuletzt gemachten Schritte bei uns waren: Hausaufgaben vom 01.04. zu Ende bringen, das heißt auf dem Gerüst rumturnen, die vorgefertigten Kupferverschalungen anbringen und Reiseapotheke abholen. Hausarzt und Apotheker haben gut kooperiert und uns auch einige verschreibungspflichtige Medikamente zusammengestellt – die wir hoffentlich nie benötigen werden. Die Allianz Medicare Worldwide Versicherungsunterlagen sind da, die Schiffsversicherungsdeckungszusage auch, die Dokumente fehlen noch.
Hier zu Hause verabschieden sich die Sachen und Anlagen auf ihre eigene Art undWeise: Auto ist immer noch in der Werkstatt, der Kühler ist es, nicht die Schläuche zum Kühler. DieTelefonanlage will hin und wieder ihren Reset, d.h. mitten im Telefonat ist die Leitung tot; also in den Keller springen, Stecker aus dem DSL-Splitter ziehen, ISDN-Anlage vom Stromnetz trennen, auf 10 zählen und in umgekehrter Reihenfolge wieder einstecken und alles ist gut. Die Heizungsanlage meldet sich mit Druckabfall und in den Solarzellen fehlen 20 Liter von 25 Liter Kühlflüssigkeit. Jetzt wissen wir auch, weshalb wir immer kneippmäßig (kalt/warme Wechsel) duschen mussten. Hat ja auch was Positives. Außer dass halt noch eine gesalzene Rechnung vom Installateur kommt, vom Auto ganz zu schweigen.

Restliche Hausaufgaben

Das Gerüst am Haus von Oma und Opa steht seit gestern Abend. Am Wochenende wird die Aktion „Fenster“ abgeschlossen.
Unser treues Auto (echtes schwäbisches Markenprodukt) macht Zicken. Walter hat den TÜV-Stempel nicht bekommen. Schwingungsdämpfer hinten links ist undicht. Termin mit der Werkstatt ausgemacht und gleich vorbeigefahren, weil der Meister genaue Daten vom Fahrzeug braucht, um das richtige Teil zu ordern. Wir stehen vor der Werkstatt und es bildet sich vorne unter dem Fahrzeug eine klitzekleine Pfütze – die darf da nicht sein!!! Es ist eine Leitung zum Kühler die incontinent ist. Das Fahrzeug sollte jetzt nicht mehr bewegt werden. OK, dann eben mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren und die nächsten Tage schon mal für das Leben ohne Auto üben.