Azoren Insel Faial_4

Rundwanderweg

Zweiter und letzter Versuch eine Rundwanderung um die gigantische Caldeira do Cabeco Gordo zu machen. Am letzten Tag unseres Aufenthalts auf Faial ist das Wetter launig. Unten am Meer sonnig, oben in den Bergen kalt, feucht und neblig. Wir fahren trotzdem rauf zur Caldeira und bekommen tatsächlich einen der wenigen Parkplätze direkt am Einstieg zum 8 km Trail um die Caldeira. Wir hoffen darauf, dass sich die Sonne durchsetzt. Einige Wenige denken wie wir. Dick eingepackt mit Regenjacke, Schal und Mütze starten wir. Der Trail geht immer am Kraterrand entlang. Teilweise ist ein Blick in die Caldeira möglich, meist aber laufen wir in den Wolken.

Die Wolken geben einen Blick in die Caldeira frei

Der Wind bläst uns durch. Gefährlich ist es jedoch nicht, der matschige Trampelpfad ist nicht zu übersehen – allein der Spaßfaktor fehlt. Wir sind zügig rum, setzen uns sofort ins Auto und fahren zurück nach Horta ins Hotel. Die feuchten Winterklamotten ausziehen, ans Fenster zum Trocknen hängen, kurz heiß duschen, Sommerklamotten anziehen und zu Fuß runter ins Zentrum zum Kaffeetrinken.

Sonne und Wärme an der Küste

Künstler an der Hafenmole von Horta

Lieben Gruß an unsere Segelfreunde von der Murada aus Kiel. Wir trafen uns 2019 und 2020 an der US Ostküste

Azoren Insel Faial_3

Mitten im Atlantik, die wunderschönen Azoren
Aber wo bitte ist das Azorenhoch? Kein Verlass auf nix. Ein tiefes Tief umkreist uns. Bei Angela und Franz im Hafen von Vitoria auf Terceira knallen die Böen mit 51 Knoten rein. Sturmstärke. Bei uns in Horta im Hafen gibt es Schaumkronen. Keine Ahnung wieviel Knoten das sind, um die 40 Knoten vielleicht, wir hängen ja nicht dort am Anker, sonder sitzen fett im Hotel.
Unseren Tourplan hat es auf jeden Fall verblasen. Wir fahren am Vormittag gemütlich mit dem Auto rund um die Insel. Trauen uns am frühen Nachmittag aus den Auto und besuchen in Horta das Walmuseum. Sehr sehenswert. Aber auch sehr brutal zu sehen wie die Pottwale wegen ihres Öls und Fetts abgeschlachtet wurden. Gut dass die Walfängerei inzwischen verboten ist. Nicht wirklich besser ist die übrige Fischerei. Mir hat es gründlich den Appetit auf Tuna verschlagenen. Heute gab es Shrimps. Ein klein bisschen besser. Vegi gibt es dann daheim.

Skelett eines weiblichen Pottwals

Kopf eines weiblichen Pottwals

Azoren Insel Faial_2

Praia do Porto Pim

Ein absolutes Muss ist eine Rundwanderung um die gigantische Caldeira do Cabeco Gordo – oder zumindest ein Blick in diese. Uns war aufgrund des regnerischen Wetters eine Wanderung um die Caldeira zu gefährlich. Wir begnügten uns mit einem Fotoshooting. Vielleicht spielt das unbeständige Wetter in den nächsten Tagen doch noch mit.

Caldeira do Cabeco Gordo

Das nächste Muss ist der Vulkan Capelinhos und das zugehörige hochmoderne Museum, das unterirdisch in die vulkanische Landschaft eingebunden wurde. Die Besteigung des teilverschütteten Leuchtturms ist mit inbegriffen. Der Vulkan Capelinhos brach in mehrere Schüben zwischen September 1957 und Oktober 1958 aus. Über 2000 Menschen aus dem Westen der Insel, deren Häuser und Felder verschüttet waren verließen die Insel für immer, großteils in Richtung USA.

Wir steigen über Lavafelder, Asche- und Steinwüste zur höchsten Erhebung des Capelinhos. Der Wind pudert uns mit Lavasand.

Capelinhos

Vulkan Capelinhos mit Ruine des Leuchtturms und dem Volcano Interpretation Center

Farol dos Capelinhos Capelo

Aufstieg in der Ruine des Leuchtturms

Azoren Insel Faial

Die Personenfähre bringt uns in 30 Minuten über den Kanal von Faial von Madalena auf der Insel Pico rüber nach Horta auf der Insel Faial. Mit unseren Rollenköfferchen bollern wir zur Mittagszeit vom Fährterminal aus durch Hortas Altstadt zum Hotel. Die Mittagsruhe der Bewohner und Gäste ist so wie so im Eimer, da die Avenida am Hafen und an der Marina entlang eine Großbaustelle ist. Da fällt unser Geboller nicht ins Gewicht. Das Schöne an unserem Fußmarsch ist, dass wir sofort in den Sightseeingmodus verfallen. Die Hafenpromenade (der bereits renovierte Teil), das Ankerfeld der mutigen Transatlantik-Segler, die Marina, die Kirchen u.v.m. sehen wir im Vorbeigehen. Unser Hotel ist ein historischer riesiger alter Kasten in zweiter Reihe über der Marina. Hat Flair, nimmt es aber mit dem Einchecken sehr genau, ab 16 Uhr dürfen wir erst ins Zimmer. Wir deponieren unsere Köfferchen, kramen den Reiseführer raus und ziehen wieder los. Hafenmole nach bekannten Visitenkarten/Zeichnungen von Seglern absuchen, das weltweit bekannte Café Peter Sport anschauen und fotografieren. Es ist brechend voll, wir ziehen weiter. Nochmals kurz zurück ins Hotel um den Zimmerschlüssel abzuholen und unsere Köfferchen einzuschließen. Zum Abendessen sind wir schon wieder mitten in Horta und zum Absacker und Schlafen im Hotel.

Café Peter Sport mit Wimpeln von Seglern aus aller Herren Länder

Azoren Insel Pico_3

Not a place to be

Am Vormittag legt Pico sein Mäntelchen ab, schön zu sehen der Kraterrand der Caldeira

Unser letzter Tag auf der Insel Pico
Heute wäre so ein Tag, um den Vulkan Pico zu erklimmen. 1150 Höhenmeter. Er zeigt sich am Morgen ohne Wolken. Das ist selten. Nur leider haben wir den optimalen Aufbruchszeitpunkt verschlafen. Weit vor Sonnenaufgang sollte der Aufstieg angegangen werden. So ein Pech aber auch.
Dafür gibt es schöne Fotos vom Berg und eine entspannte 9 km Wanderung durch das Weinanbaugebiet und durch verwilderte Gärten.

Wanderung rund um St. Luzia

Weinanbaugebiet

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Gestern der Stier, heute die Mamas und die Kids auf der Landstraße

Blick nach Faial auf der Fahrt zur Casa da Montanha Pico

Am Vormittag fahren wir zur Casa da Montanha, dem Einstieg der Wanderung auf den Pico. Wie meistens ist der Pico dick im Nebel, keine 50 Meter Sicht. Trotz allem haben sich einige Mutige die Erlaubnis geholt, den Pico zu besteigen (wir sind nicht dabei), die Bergsteiger haben GPS Tracker dabei und die jeweilige Position am Berg wird im Casa da Montanha auf dem Bildschirm verfolgt. Keiner geht im Nebel verloren. Hoffentlich.

Wanderweg an der Westküste von Pico

Wir entscheiden, dass wir eine Wanderung an der Südwestküste machen. Vom Hafen in Calheta de Nequim steigen wir durch Weinberge und verwilderte Gärten hoch auf 300 Meter und in großer Runde wieder herunter. Wir sind 3,5 Stunden unterwegs, eine richtig nette Rundwanderung.

Weinberg auf den Azoren
Geschützt durch Lavasteinmauern, die die Wärme speichern und abstrahlen

Fischereihafen in Calheta de Nesquim

Azoren Insel Pico

Pico begrüßte uns mit Sonnenschein an der Küste und dichtem Nebel in der Höhe. Wir hatten die Hoffnung Portugals höchsten Berg aus dem Flugzeug zu sehen, aber um uns herum war alles weich und flauschig. Der Pico hatte ein Watte-Mäntelchen um.
Wir wohnen für die nächsten Tage im Städtchen Madalena an Picos Westküste mit Blick rüber zur Insel Faial.

Blick von Madalena (Insel Pico) nach Horta (Insel Faial)

Unser erster Ausflug führt uns nach Lajes do Pico. Whale watching steht an. Wir entscheiden uns für den Anbieter Espaco Talasso, der mehrfach ausgezeichnet wurde und sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. So lehnt der Anbieter es strickt ab, dass Teilnehmer mit den Delfinen schwimmen (andere bieten es an), hält Abstand und donnert nicht mit den Speedbooten direkt in die Delfinschulen. Eine Garantie, dass wir Wale sehen gibt er verständlicherweise nicht, aber er hat eine sehr hohe Quote. Auch deshalb, weil er einheimische Mitarbeiter auf den Walbeobachungsposten an Land beschäftigt. Wir haben das Glück, dass wir eine Pottwal-Mutti mit Kind und noch ein Weibchen aus dem Familienverband sehen.

Tante Pottwal

Tante Pottwal taucht ab zum Fressen, Lieblingsspeise Oktopus

Einen männlichen Pottwal sehen wir nicht, dafür aber viele Delfine und eine kleine Karettschildkröte.

Unsere Lieblingstiere, die Delfine

Auf dem Rückweg nach Madalena fahren wir über die EN3 Höhenstraße und begegnen einem freilaufenden Stier. Ganz langsam fahren wir an ihm vorbei, damit er sich nicht erschreckt. Renault Clio gegen Stier kann böse enden.

Der Stier hat Dünnpfiff

Wir sind über der Wolkendecke und werden mit einem Blick auf den von der Abendsonne beleuchteten Vulkan Pico belohnt.

Pico

Vulkan Pico

Azoren Insel Terceira_2

Furnas do Enxofre
Rauchende Schwefeldampfquellen, heißer Atem der Unterwelt

Zauberwald bei der Gruta do Natal

Kleine Wanderung rund um den Kratersee Lagoinha

Betreute Seniorenreise 2.0 (just a joke)
Sonntagsausflug bei zwielichtigem Wetter. Wir machen unter Führung unserer Wiener eine Höhlentour. Es ist egal ob es regnet oder neblig ist. In der Algar do Carvao Vulkanhöhle ist es eh nass und tropft unentwegt von der Decke. Der Algar ist ein Vulkanschlot, der aufgrund seiner Einmaligkeit als Naturdenkmal klassifiziert ist. Wir steigen 338 Stufen in die Höhle hinab. Unten befindet sich ein kristallklarer See, durch den Vulkanschlot dringt Tageslicht. Völlig irreal, der Vorhof zur Hölle.

Höhle Algar do Carvao

Vulkanischer Schlot des Naturdenkmals Algar do Carvao

Diesem entkommen begutachten wir die fruchtbaren Caldeiras von oben. Ein befreiendes Gefühl über dem Abhang in den Nebelwolken zu stehen.

Skiwalk über einer Caldeira

Azoren Insel Terceira

Azoreninsel Terceira

Inselhopping
Nach den beeindruckenden Tagen auf Sao Miguel bringt uns SATA Air auf die Insel Terceira. Beim Landeanflug nach Lajes fliegt die Maschine direkt über die Marina von Praia da Vitoria und rasiert fast (nicht wirklich) das Masttop der Segelyacht Maeva Piti. Unsere Wiener Freunde liegen seit 2019 mit ihrer Yacht hier in der Marina und sind auf unseren Besuch vorbereitet. Corona hatte auch ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht, nun sind sie immer noch hier und bescheren uns gleich am ersten Tag ein fürstliches Frühstück an Bord. Nicht nur das, sie erweisen sich auch als ausgezeichnete Reiseführer. Kennen die Hotspots und natürlich auch die allerbesten Restaurants. Gemeinsam erkunden wir eine Vulkanhöhle sowie die Stadt Angra do Heroismio, nebenbei bemerkt Weltkulturerbe. Den Hausberg von Angra do Heroismo, den Monte Brazil, erklimmen wir selbstredend auch. Ein schöner Tag klingt mit einem hervorragenden Abendessen in Angra aus.

Halbierte Insel vor Angra do Heroismo

Weltkulturerbe Angra do Heroismo

Azoren Insel São Miguel_4

16 bis 18 Grad und Regenwahrscheinlichkeit zwischen 30 und 80 %

Nicht wirklich unser Wanderwetter. Trotzdem starten wir einen weiteren Versuch und fahren zum Kratersee Lagoa do Fogo. Vielleicht erwischen wir ja die 30% Regen. Auf der Fahrt dorthin reißt die Wolkendecke in der Tat kurz auf und wir können den See zumindest fotografieren. Wandern? Bei dem Wetter? Ein kurzer Blickkontakt genügt und schon suchen wir uns eine Alternative. Wir sind eh schon fast übern Berg, also fahren wir runter an die Nordküste nach Ribeira Grande.

Ribeira Grande

Dort befindet sich ein architektonisches Highlight, das Museo Arquipelago, ausgezeichnet mit dem Mies van der Rohe Award. Genau unser Ding. Die Architektur. Die zeitgemäße Ausstellung eher nicht. Mein Eindruck, die Künstlerin hatte sich gefragt: „Wie schaffe ich es, aus nem Scheißhaf nen Guglhupfmoodl zu machen“. Das ist arg bösartig, aber wir Schwaben meinen das nicht so.

Nächstes Highlight ist Europas einzigstes Teeanbaugebiet an der Nordküste von Sao Miguel. Ein schöner Rundweg führt uns knapp zwei Stunden durch die Teeplantagen. 30 % Regen. Am Endpunkt der Exkursion steht die alte Teefabrik Cha Gorreana von 1883 die besichtigt werden kann siehe www.gorreana.pt. Aufgrund des unsicheren Wetters sind wir nicht die Einzigen, wir werden förmlich durch die Produktion geschoben. Eine Tasse frisch gebrühten Grüntee sowie drei Päckchen Grüntee ergattern wir trotzdem.

Teeplantage Cha Gorreana