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Samstag, 21.02.2015

Antigua (86k)

Ich bin beeindruckt. Die Mietwagenreservierung hat tatsächlich geklappt. Wir haben eine koreanische Obstkiste mit Automatikgetriebe bekommen. Das ist für uns insofern gar nicht schlecht, weil wir uns somit auf die riesigen Schlaglöcher und den Linksverkehr (hier auf Antigua hatten die Engländer mal den Hut auf) konzentrieren können. Die Straßen sind in Wirklichkeit nur Pisten. Straßenschilder gibt es nicht. Wir fahren nach Kompass und Stand der Sonne. So groß ist die Insel ja auch nicht. Irgendwann kommt man wieder zum Ausgangspunkt zurück. Wir haben eine Straßenkarte im Reiseführer und finden die Harmony Hall an der Ostküste auch so. Hier war einstmals eine alte Zuckermühle, jetzt ist hier eine Artgalerie, ein Hotel und ein Restaurant. Wirklich tolle Gemäldegalerie – aber par tout nicht unsere Preisklasse.

Antigua (115k)
Antigua (94k)

Wir begnügen uns mit einem Softdrink und fahren weiter Richtung Devils Bridge. In der Ortschaft Willikies ist die Straße so schlecht, dass Walter nur im Schritttempo fahren kann. An der übelsten Stelle steht Derrick (nee, nicht der Kommisar) und tritt vor unser Auto. Walter hält und lässt das Seitenfenster runter und frägt was los ist. Derrick will wissen, ob wir zur Devils Bridge wollen und nachdem Walter bejaht, entert Derrick unseren Viertürer (hat leider keine Zentralverriegelung) sitzt auf der Rückbank und erklärt sich zu unserem Reiseführer. Shit. Das war nicht der Plan. Unser Rucksack mit den Geldbörsen, den Kreditkarten, den Ausweisen und den Führerscheinen steht hinter dem Fahrersitz. Die Dokumente haben wir für die Mietwagenausleihe benötigt, normalerweise haben wir die im Schiff versteckt. Nicht so heute. Mann, Mann, Mann. Derrick geleitet uns zur Devils Bridge, die wir auch ohne ihn gefunden hätten. Die anrauschenden Atlantikwellen haben den Festlandsockel unterhöhlt und es hat sich eine Kalksandsteinbrücke gebildet unter der sich die Welle spektakulär bricht.

Devils bridge k

Wir werden unseren selbsternannten Reiseführer noch nicht los, er zeigt uns noch den Badestrand Longbeach. Auf dem Weg zurück nach Willikies kommen wir an zwei Touristenressorts vorbei, die mit hohen Mauern und Stacheldrahtrollen gesichert sind. Derrick erklärt, dass es sich um ein italienisches Ressort und um ein privates Ressort von einem reichen weißen Mann handelt. Es ist erschreckend zu sehen, dass die Touristen und die Weissen heute noch auf diese Art und Weise abgeschottet und gesichert werden müssen. In Willikies wollen wir Derrick wieder loswerden. Es war klar, dass er für seine Tätigkeit als Reiseführer ein Trinkgeld bekommt. Walter will ihm 20 EC Dollar geben, aber damit ist er nicht einverstanden. Er will Rum kaufen und den gibt’s wohl nur für US Dollar. Ganz schlecht. Er will 20 US Dollar. Das haben wir grad nicht dabei. Er wird ziemlich ungehalten und steigt erst aus, nachdem er 50 EC Dollar in der Tasche hat. Wir sind froh, ihn los zu haben. Unser nächstes Ziel ist die Plantage Betty’s Hope. Aktuell ziemlich hoffnungslos, weil dem Verfall überlassen. Wir fahren weiter nach St. John’s Harbour. Mangels Straßenkarte und Straßenschilder fahren wir im Kreis durch die übelsten Vorstadtsiedlungen. Ärmste Wellblechhütten, verwahrloste Grundstücke. Wir sehen im Hafen von St. John Kreuzfahrtschiffe liegen und fahren in diese Richtung. Mit gemischten Gefühlen lassen wir den Mietwagen in der Mainstreet stehen und gehen zu Fuß weiter. Richtung Kreuzfahrtterminal ändert sich das Bild schlagartig. Wir gehen, ohne dass wir kontrolliert werden, durch ein Gate und befinden und im Duty Free Bereich unmittelbar vor den festgemachten Kreuzfahrtschiffen. Krasser könnte der Gegensatz nicht sein! Uhren, Schmuck und alle höchstpreisigen Modelabels der Welt sind hier vertreten. Die Stuttgarter Königsstraße ist ein Waisenhaus dagegen. Nein, das hier ist eine Scheinwelt, die uns nicht gefällt. Uns gefällt auch nicht unter welchen Umständen die „Lokals“ hier hausen. Ein Dazwischen gibt es nicht.

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Tag 2 in English Harbour

Dockyard English Harbour

Dockyard English Harbour

Ich bin schon persönlich bekannt beim Wassertaximann und beim Security-Mann von Nelson´s Dockyard! Der Wassertaximann hat mich gestern zum Zoll und zum Immigrationoffice und zurück gefahren, morgen um 9:30 holt er uns hier ab, und der Security-Man hat mir gestern den Bankomat gezeigt. Heute habe ich ihn nach dem Internetcafe gefragt und er hat mich wiedererkannt und gefragt, ob ich die „small german woman“ von gestern sei. Nett, nicht wahr. Das Internetcafe hatte leider schon geschlossen, wir wollten uns einen Zugang zum Wifi Netz kaufen. Es ist nicht mehr ganz so einfach einen Internetzugang zu bekommen.

Nelson´s Dockyard

Nelson´s Dockyard

Ab morgen werden wir, wenn es klappt, einen Mietwagen haben und können die Insel auf dem Landweg erkunden. Heute sind wir zu Fuß um den kompletten English Harbour gelaufen und haben am Abend die Ankunft der „Maserati“ (ein italienischer Racer) im noblen Antigua Yacht Club miterlebt. Der deutsche Segelprofi Boris Herrmann war als Überführungscrew mit an Bord.

Antigua (51k)

Der Antigua Yacht Club ist nichts für Normalsterbliche, poplige Fahrtenschiffe wie wir kommen hier gar nicht rein. Alles exklusiv und unter 70 Fuß braucht man erst gar nicht kommen – kommst hier net rein….

Ehemalige Lagerhallen, jetzt Admirals Inn

Ehemalige Lagerhallen, jetzt Admirals Inn

Antigua (23k)

Im Admirals Inn in Nelson´s Dockyard gab es für uns noch einen Aperitif und anschließend wollten wir per Wassertaxi wieder die 300 Meter rüber zu unserem Liegeplatz in der Antigua Slipway Marina fahren – aber leider fuhr der gute Mann nicht mehr. War schon dunkel geworden, er fährt nur bis 17:30 Uhr. Zwei Möglichkeiten: Laufen oder Taxi. Taxi war die Wahl der Stunde. Das war auch gut so, denn die Straße zur Antigua Slipway Marina ist nicht beleuchtet. Und alle, aber auch alle Autos, selbst die Polizei, fahren auf der falschen Straßenseite! Wie soll sich da überhaupt ein Fußgänger zu Recht finden?

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Antigua – English Harbour – Nelson´s Dockyard

English Harbour k

Bitte googelt. Wir sind hier.
Mit sechs anderen Seglern aus Deshaies ausgelaufen. Aufgrund der Windprognose und der Tatsache, dass wir 40 Seemeilen frei anrollende Atlantikdünung in Aussicht hatten, haben wir das Kutterstag und unsere Geheimwaffe die kleine Kutterfock bereits in der Ankerbucht in Deshaies angeschlagen. Am Windkurs, die kleine Fock und das Großsegel gerefft, bei 20 bis 25 Knoten Wind eigentlich optimal. Ja, wenn nur diese ekelige Atlantikwelle nicht wäre, die macht den schönsten Sahnehäubchenkurs zu nichte. Es war ein Kotzkurs. Walter musste zum ersten Mal seit Mai 2014 zum Antikotz-Kaugummi greifen und selbst mir war die Krängung zu viel. Wir könnten jedoch die Segel nicht verkleinern, da wir den Speed brauchten, um durch die Wellen zu ziehen. Nach der Halbzeit hatte ich mich daran gewöhnt und der Kaugummi wirkte bei Walter. Zwischendrin tillten noch die Navigationsinstrumente, oder wir hatten einen Unterwasservulkanausbruch, denn die Instrumente zeigten 8 Knoten Strom mit uns und auf dem Speeddisplay 14 Knoten SOG (Fahrt über Grund).
Antigua (145k)
Das geht eigentlich gar nicht, mit einem Fahrtenschiff. Irgendwie ein Rechenfehler des Raymarinesystems. Auch die Vorausschau stimmte nicht mehr, nach Raymarine wären wir weit in Luv an Antigua vorbeigeschossen. Die Überprüfung mit dem iPad ergab dass wir auf dem richtigen Kurs waren. Das ganze Spektakel endete nach 10 Minuten, wahrscheinlich hatte Oberlehrer Raymarine seinen Schüler Plotter an die Tafel gebeten.

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Dienstag und Mittwoch, 17. und 18. Februar. Westseite von Guadeloupe, Ankerbucht Deshaies. Nachdem wir mit dem ersten Tageslicht fluchtartig, ohne Frühstück, aus Les Saintes abgehauen sind, segelten wir die 33 Seemeilen nach Deshaies auf einem Bug. Wir waren zwar darauf vorbereitet, im Lee der Insel in der Windabdeckung zu sein, aber der Wind hielt durch bis Deshaies. Lustig würde es in der Ankerbucht, die mittlerweile ebenfalls mit Muringbojen bestückt ist. Unser Freund, der Wind fand es angemessen uns mit 25 Knoten zu begrüßen. Wir fanden es nicht lustig, zumal auch hier bereits wieder alle Bojen belegt waren.

Ankerbucht Deshaies k

Also wieder draußen auf 11 Meter den Anker werfen. Den ersten Rüffel auf unserer Reise erhielten wir von einem Deutschen mit einer bayrischen Bavaria. Er wollte, dass wir unseren Anker nicht hinter ihm werfen. Nur gut, dass der Wind so viel Krach gemacht hat, dass wir ihn unmöglich verstehen konnten. Wir holten zwar den Anker nochmals auf, da wir den Eindruck hatten, dass er nicht richtig gegriffen hatte und legten ihn dann noch 10 Meter weiter draußen. Mit 40 Meter Kette und mit 1400 Umdrehungen im Rückwärtsgang eingefahren, hielt der Anker gut. An Nachtruhe war wieder nicht zu denken, da es bis weit nach Mitternacht mit 25 bis 28 Knoten von den Hügeln runter geblasen hat. In dieser Nacht gingen alle Segler Ankerwache und tatsächlich sind auch 4 Schiffe auf Drift gegangen. Es ging zu, wie in Stuttgart auf der B14 im Berufsverkehr. Die ganze Nacht über kamen neue Schiffe, ein Katamaran hat gefühlte 20 Ankermanöver gefahren bis der Anker hielt. Andere mussten neu ankern und wieder Andere hatten die Nase voll und sind ausgelaufen. So wäre auch unser Plan B gewesen, wenn unser Anker geslippt wäre. Hat er nicht, also blieben wir den Mittwoch über noch in Deshaies. Aschermittwoch ist Public Holiday in Guadeloupe. Fast alles geschlossen. Eine Seglerkneipe geöffnet, ein kleiner Espresso zu 5,50 Euro und Wifi Hotspot, der überlastet war. Da wir die EU, also die französischen Überseebesitzungen (Departments) kurzfristig verlassen wollten, mussten wir in Deshaies Ausklarieren. Das Zoll und Immigrationoffice ist oben am Berg auf halber Höhe, aber nicht mehr besetzt (Pappkartonschild an der Türe). Danke auch für die kostenlose Fitnessstunde. Das Ausklarieren findet nun im Souvenir- und Cyberladen Le Pelikane statt, der Gott-sei-dank offen hatte.

Ausklarieren in Deshaies k

Für Donnerstag, 19.02. haben wir ausklariert und das war auch gut so. Denn die zweite Nacht in der Ankerbucht war die Kopie der ersten. Soll keiner glauben, dass wir hier Urlaub machen. Das war die dritte Nacht in Folge ohne Schlaf.

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Rosenmontag auf Guadeloupe – findet für uns nicht statt. Wir laufen aus in Richtung der vorgelagerten Les Saintes Inseln. Es sind nur 23 Seemeilen, aber über die Fahrt hängen wir lieber das Mäntelchen des Schweigens. Nur so viel, wir sind gut in der Ankerbucht von Grand Bourg angekommen. Unterwegs haben wir zwar meine schweineteure Lieblings-one-Touch-Winschkurbel versenkt, aber sonst ist alles noch heile geblieben. War halt einfach nicht unser Tag. Im ruhigen Teil der Bucht liegen zwischenzeitlich Muringbojen, die jedoch bereits um 12 Uhr mittags belegt sind. Uns bleibt nur die unruhige und rollige Ecke zum Ankern. Auch hier ist es bereits gestopft voll. Wir müssen weit draußen wieder auf 12 Meter Wassertiefe ankern, nicht so unser Ding. In der Nacht machen wir im Achterschiff eine Rollkur, sodass uns morgens alles wehtut, so verspannt sind wir. Das war wie Waschmaschine mit Schleudergang. Nichts wie weg. Vielleicht kommen wir auf dem Rückweg nochmals vorbei und gehen dann auch an Land. Soll echt schön sein hier.

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Karneval Guadeloupe (k)
Sonntag, 15.02.2015
Karnevalsumzug in Point a Pitre. Am schwarzen Brett in der Marina hängt ein Zeitungsausschnitt, dass der große Umzug um 12:30 Uhr beginnt. Fasching ist hier wie ein Feiertag, keine Busse und erst recht keine Taxen fahren. Wozu hat der Mensch zwei gesunde Beine bekommen? Wir gehen zu Fuß durch die unangenehme Vorstadt, werden jedoch wie bereits Tage zuvor nur von freundlichen Gesichtern gegrüßt. Trotzdem laufen wir schnellen Schrittes weiter ins Zentrum. Die Straße, auf der der Umzug durchzieht ist leicht zu finden. Die Einwohner von Point a Pitre haben mit Sack und Pack bereits um 12 Uhr Stellung bezogen. Klapptische, Klappstühle und Kühlboxen sind am Straßenrand platziert. Wir sind pünktlich an Ort und Stelle und suchen uns ein Schattenplätzen zwischen den Einheimischen. Gegen 13 Uhr kommt die Polizei durchgefahren und begutachtet die Lage – wohl alles in Ordnung. Die Großfamilien richten ihr Mittagessen her, was noch fehlt wird kurzerhand bei Kentucky Fried Chicken besorgt. Wir stehen mit unserer Literflasche Wasser ziemlich doof in der Gegend. Gegen 14 Uhr kommt ein niegelnagelneuer Audi Cabrio von der KFC Konkurrenz Mc mit der Faschingsprinzessin durchgefahren. Unser Wasservorrat geht zu Ende, es hat gefühlte 40 Grad. Gegen 15 Uhr kommen die ersten Amateurgruppen an. Nicht sehr spektakulär ziehen durchgeknallte Halbstarke peitschenknallend durch die Straße, gefolgt von einer Gruppe mit Trommeln und einigen recht ansehnlichen Mädels, auch unansehnliche sind dabei. Mir reicht es, ich brauch jetzt einen Kaffee. Ganz schlecht heute. Es wird ein Heineken. Zwischenzeitlich ist es 16 Uhr und der eigentliche Umzug fängt jetzt an. Keine Ahnung, ob es hier auch Sambaschulen gibt, aber es sieht so aus.
Karneval Guadeloupe (5k)
Mit sehr aufwändigen Kostümen und einstudierten Tanzformationen begeistern uns nun die eher traditionell geprägten Gruppen. Hier ist Rhythmus und Ästhetik und nicht Knallerei und Aggressivität gefragt. Irgendwann kann ich nicht mehr stehen und wir bewegen uns in Richtung Marina zurück. Zu Essen bekommen wir nichts mehr, hat alles zu. Klar, ist ja hoher Feiertag. Gut, dass es auf der Sunrise noch genügend Proviant aus Europa gibt.
Karneval Guadeloupe (6k)

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Freitag, der 13. Völlig ohne Plan! Wir waren so dreist es auszuprobieren, mittags um 12 Uhr ans östliche Inselende, nach St. François (35 km entfernt) zu fahren. Wir nehmen den Bus, ohne zu wissen, ob wir von dort am gleichen Tag wieder zurück nach Point a Pitre kommen. Im Bus eher Achterbahn und Geisterbahn in Einem, beschleunigt auf Busüberschallgeschwindigkeit von über 100 Stundenkilometer. Das auf Straßen, die eher eine Sackkarre, als einen Bus kennen.
Herausgekommen ist eine freundliche Guadeloupperin, die uns noch im Bus adoptiert, an der Endhaltestelle unterhakt und in ihre Bar geleitet. Dort erfahren wir, dass tatsächlich noch ein Bus am Abend St. François in Richtung Point a Pitre verlässt.
St. François ist ein Touristenort mit Badestrand, kleinem Yachthafen und allem was die Touristen begehren.

St. Francois

St. Francois

Uns bleiben nur zwei Stunden Zeit, den Ort und die Umgebung zu erkunden. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass auf Guadeloupe mehr als freundliche Menschen leben. Wenn man sich einlässt auf ihre Improvisationskünste und dass alles nicht so perfekt ist, kann man diese Insel schätzen und lieben lernen.

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Linienbus auf Guadeloupe

Linienbus auf Guadeloupe

Und es fährt doch ein Bus vom Flughafen nach Pointe á Pitre!!! Zwar nicht ganz direkt und nur halblegal, aber wenn frau sich hilflos genug anstellt… Es trug sich wie folgt zu: Mietwagenabgabe beim Verleiher am Flughafen. Auf unsere Frage, wo und ob es einen Bus in die Stadt gibt, kommt wie aus der Pistole geschossen die bekannte Antwort: Nein, es gibt keinen Bus. Wir haben einen Shuttleservice von hier zum Ankunftsterminal, zu den Taxis. Wir nehmen den kostenlosen Shuttleservice des Mietwagenverleihers in Anspruch und lassen uns zum Terminal fahren. Immer noch glauben wir es nicht, dass es am Flughafen keine Bushaltestelle gibt. Wir gehen ins Ankunftsterminal und schauen uns um. Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht. Auf der Suche nach einem Café fällt mir ein Schild auf, auf dem „Ausgang Busterminal“ steht. Na also, geht doch. Wir nehmen den Ausgang und stehen tatsächlich auf dem Busparkplatz. Fünf Busse stehen da und ein Werkstattwagen. Ein Mechaniker steht gelangweilt rum. Er ist mein Opfer und mit unbedarftem Altweibercharme frage ich ihn, wann der nächste Bus nach Poite á Pitre fährt. Er versteht mich und erklärt, dass von hier kein Bus abfährt. Unsere Kernfrage hat er also verstanden und weil wir nicht klein bei geben verstrickt er sich so lange in wenn und aber, bis er den Vorschlag macht uns zur nächsten offiziellen Bushaltestelle zu bringen. O.K. wir nehmen gerne an. So kommen wir zu einer Exklusivbusfahrt in einem Reisebus für ca. achtzig Personen vom Busparkplatz Flughafen bis zum nächsten Centre Commercial, wo immer Busse verkehren. Dort ist die nächste Linienbushaltestelle, etwa fünf Kilometer vom Flughafen entfernt. Auf die Frage, was es kostet (das Mieten eines kompletten Reisebusses), kommt die Antwort, ich soll ihm eine Cola bezahlen. Eine Cola krieg ich jetzt grad nicht so schnell hergezaubert, also einigen wir uns auf 2 Euro pro Person. An der Bushaltestelle will gerade der Linienbus nach Poite á Pitre abfahren, der wird von unserem Chauffeur kurzerhand ausgebremst und angehupt. Wir sollen schnell umsteigen. Der Fahrer des Linienbusses hat begriffen was Sache ist und öffnet uns die Türen. Für 0,75 Euro/Person fahren wir nach Poite á Pitre! Bleibt die Frage, wieso kein Bus vom Flughafen abfährt? Na logisch, weil die Taxis ja schließlich auch was vom Tourismuskuchen abhaben wollen.
Ich bin stolz wie Bolle und will das gesparte Geld gleich in Schuhe investieren. Ein paar neue Sandaletten. Die Hitze hat der Sohle von meinen Sandaletten stark zu gesetzt, das heißt, sie lösen sich auf und die Riemchen gehen buchstäblich aus dem Leim. Leider kann ich in den hier überall angebotenen Schuhen nicht laufen, entweder High Heels oder flache Latschen ohne Fußbett. Dann eben nicht.
Zurück in der Marina wird die Losung „Kampf um die Waschmaschinen“ ausgerufen. Einen
Wäsche-Vollservice wie in Le Marin gibt es hier leider nicht. Also muss ich mit meinem Wäscheberg, den drei Maschinenladungen, zu den Marinawaschmaschinen. Es gibt drei Waschmaschinen, zwei Trockner und täglich hunderte Kilo verschwitzter Seglerwäsche. Wenn Frau nicht in der Waschküche stehen bleibt und nach der nächsten freien Waschmaschine geiert, ist sie chancenlos. Bis zum späten Abend ist die Wäsche gewaschen. Die Trockner halten nicht, was sie versprechen. Die Wäsche bleibt sehr feucht und muss zwei Runden durchgeblasen werden. Schlecht, wenn frau nur Chips für drei Waschmaschinen und drei Trocknerladungen im Office gekauft hat und das Office zwischenzeitlich geschlossen hat. Es wandert eine Tüte sehr nasser Wäsche, eine Tüte feuchter Wäsche und eine Tüte mit trockener Wäsche zurück aufs Schiff. Ein unbefriedigendes Ergebnis, zumal es am Abend immer wieder tropische Regenschauer gibt und ein Aufhängen der Wäsche auf dem Schiff nicht zielführend ist. Morgen früh werde ich gleich Trocknerchips kaufen müssen.

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Die Route de la Traverse führte uns ins Inselinnere der Insel Basse Terre. Unser erster Stopp war der Wasserfall Ecrevisses. Dieses Ziel hatten auch die sieben Reisebusse, mit denen die Reisenden des Kreuzfahrers AIDA Luna dorthin gefahren wurden. Das Motto des heutigen Tages für die AIDA Toursten stand auf den Reisebussen: Guadeloupe auf einen Blick. Ich habe nichts gegen Kreuzfahrer, nein im Gegenteil. Dies ist eine hervorragende Möglichkeit für die älteren Semester bequem die Welt zu erkunden. Nur eben wenn sie in Massen auftauchen, ist es unangenehm. Wir fuhren weiter zum Maison de la Foret und machten eine zweite Wanderung durch den Regenwald. Die Wanderung fiel etwas kürzer aus, denn wir wollten uns heute nicht wieder bis zu den Knien einsauen. Es ist schon ziemlich feucht und matschig – deshalb ja auch Regenwald. Unsere Schuhe reinigten wir im Bachbett und fuhren anschließend weiter auf die andere Inselseite nach Pointe-Noire ins Maison du Cacao. Hier wird der Weg von der Ernte der Kakao-Pflanze bis zur Herstellung der Schokolade gezeigt. War sehr interessant und die Erfindung der Chilli-Schokolade geht auf die Azteken zurück. Die Schokolade wurde nämlich ursprünglich mit Wasser und scharfen Gewürzen getrunken. Erst ein Spanier kam auf die Idee, der Kakaomasse Zucker hinzuzufügen. Der Zucker erst weckt den Schokoladengeschmack. Erst später kam die Milch dazu und die Schokolade in Tafelform, so wie wir sie kennen wurde hergestellt.

Kakaofrucht

Kakaofrucht

Weiter ging es nach Deshaies, einem kleinen hübschen Küstenort. Hier ist eine geschützte Ankerbucht, die wir noch anlaufen wollen. Gleich nebenan ist die schönste Badebucht der Basse-Terre Insel, der Plage de la Grande Anse. Hier sahen wir zum ersten Mal auf Guadeloupe viel touristisches Leben mit Strandbars, Restaurants und Kajakverleih.

Minivögelchen in Deshaies

Im nächsten größeren Dorf, Sainte Rose, befindet sich das Rum-Museum. Das lassen wir jedoch links liegen und fahren Richtung Marina. Beim Carrefour ergänzen wir unsere Vorräte. Die Preise hier sind teilweise astronomisch hoch. Für eine Packung Camembert (250 g) zahlen wir fast 5 Euro, dafür kostet ein Baguette überall nur 1 Euro. Das relativiert den Käsepreis.

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Inselteil Basse Terre
Spruch des Tages: Wäre ich ein Trüffelschwein, fühlte ich mich hier daheim.
Und zwar im knöcheltiefen lehmigem Matsch. Heute stand ein Ausflug in den Regenwald am Soufrier-Vulkan auf der Inselhälfte Basse Terre auf dem Programm. Mit den Wägelchen fuhren wir rüber auf die andere Inselhälfte. Plan: Die „facile“ Wanderung zum dritten Wasserfall. Der Wasserfall ziert auch den Inselprospekt.

Dritter Wasserfall, 20 Meter hoch

Dritter Wasserfall, 20 Meter hoch

Mit dem Auto ging es hoch auf 800 Meter Höhe zum Parkplatz. Dar Weg war gut auszumachen, zuerst mit Wackersteinen ausgelegt, dann immer lehmiger. Streckenweise mit Holzplanken belegt, streckenweise nur knöcheltiefer Matsch. Regenwald pur. Feucht und glitschig. Auch der Spruch „im Schweiß gebadet“ hat hier seinen Ursprung. In tropischer Hitze läuft der Schweiß vom Kopf über den Nacken den Rücken hinunter, durch die Unterwäsche hindurch direkt in die Socken und Wanderschuhe rein. Nachdem wir eine Stunde unterwegs waren, kamen wir an eine Stelle, der Wasserfall war bereits zu hören, die die Bezeichnung „facile“ (leicht) definitiv nicht verdient hat. Die Strecke zuvor fand ich nun wirklich auch nicht so leicht, da alles rutschig, glitschig und matschig war, aber dieses Teilstück warf echt die Frage auf „Geht´s noch und vor Allem wie?“ Ein Abgrund unterhalb von dem Holzplateau.

Wo geht´s  bitte zum Wasserfall

Wo geht´s bitte zum Wasserfall

Na ja, halt 5 Meter senkrecht. Baumwurzeln, Steine und Matsch und –Gott-sei-Dank- und total eingesaut ein Seil, an dem ich mich halten konnte. Danach gab es wunderbare Holztreppenstufen vollends runter zum Wasserfall. Das Wasser soll oben am Vulkan mit 95 Grad rauskommen und hier am 3. Wasserfall hat es sich schon merklich abgekühlt. Einige unerschrockene Wanderer entledigten sich ihrer Klamotten und nahmen ein Bad im Wasserbecken.

Dritter Wasserfall mit "Planschbecken"

Dritter Wasserfall mit „Planschbecken“

Wir machten Picknick. Auf demselben Weg ging es für uns wieder zurück zum Auto und der Rückweg war einfacher, zwar immer noch glitschig, rutschig und matschig, aber wir wussten was uns erwartet. Nichts mit „facile“ eher „difficile“. Ein Problem mit der Glitschigkeit in Verbindung mit der Schwerkraft und der Erdanziehungskraft hatte ich schließlich auch noch. Ich saß völlig unvorbereitet plötzlich auf meinem Hinterteil im Urwald und kam alleine nicht mehr hoch. Walter war mein „Tarzan“ und hat mich selbstlos aus dem Matsch gezogen. Nur gut, dass ich bereits schlammfarbene Klamotten am Leib hatte. Zurück am Auto wurden Klamotten und Schuhe gewechselt und wir fuhren runter nach Trois Riviere zum Eisessen. Mit Eisessen am Nachmittag hat man es hier nicht so, wir werden immer doof anschaut, wenn wir gegen 16 Uhr am Mittag nur ein Dessert bestellen.

Petit Bourg

Petit Bourg


Alter Leuchtturm in Vieux Fort

Alter Leuchtturm in Vieux Fort

Unsere weitere Rundfahrt brachte uns in die rush hours der Hauptstadt Basse Terre (muss man nicht gesehen haben) und anschließend zum Sonnenuntergang zum Reserve Jaques-Yves Cousteau. Anschließend war es wieder schlagartig pottendunkel und so wir fuhren über die Traverse zurück zum Schiff.