Martinique_2016_10

Werft Carentantilles

Werft Martinique

Auf der persönlichen Wohlfühlskala 1 (sehr gut) bis 10 (ganz schlecht) muss ich klar die 9 vergeben. Der einzige Grund, weshalb ich keine 10 vergebe ist, dass wir in Frankreich in der Normandie und der Bretagne viel üblere Duschen und sanitäre Anlagen zur Verfügung hatten als hier. Ansonsten, sachlich betrachtet, ist die Werft in Ordnung. Neue Travelllifts, das ganze Werftgelände hat einen Betonboden und es ist um das Schiff sauber. Natürlich haben wir überall den Schleifstaub der umliegenden Schiffe, aber das ist normal.
Wir wurden am Mittwochnachmittag, 09.03. nach fast vier Wochen Wartezeit, aus dem Wasser gehoben. Die beiden Mechaniker von Mechanique Plaisance waren vor Ort und haben unser Ruder gezogen als wir noch in den Gurten des Travelllifts hingen. Es ging um Millimeter, weil der Lift unsere Sunrise gar nicht so weit hochheben konnte, wie erforderlich gewesen wäre um das Ruder zuziehen. Irgendwann war Schluss und wir hätten gut und gerne noch 5 cm Höhe gebraucht. Irgendwie haben sie das Ruder dann rausgeruckelt. Es ging flott weiter mit dem Ziehen der Antriebswelle und dem Demontieren der flexiblen Kupplung. Am Donnerstag dann der nächste Tiefschlag. Der Oberhäuptling Jean-Paul teilte und mit, dass unsere Welle eine leichte Unwucht hat, vorne und hinten je 0,15 mm und mittig 0,3 mm. Er weigerte sich, diese Welle wieder einzubauen, weil die Toleranz 0,1 mm sei. Wir sollen entscheiden: Alte Welle und keinerlei Garantieleistung auf sämtliche Reparaturen, oder neue Welle (die er zufällig am Lager hat) und volle Garantieleistung. Weshalb nur hatten wir das Gefühl hier klassisch über den Block gezogen zu werden? Wir haben entschieden, dass wir weitere 750 Euro in die Hand nehmen und die neue Welle kaufen. Zuvor hatten wir noch in der Werft Hooksiel angerufen ( der Werftmeister meinte, dass die 0,3 mm nicht die Ursache unserer Vibrationen sein müssten) und ein Gutachter, den Andreas für uns angerufen hat, meinte dass man die Welle richten könnte. Beides fand hier keinerlei Gehör – deshalb die Entscheidung für die neue Welle. Seit zwei Tagen sind die Mechaniker nun dabei unseren Motorblock neu auszurichten, dass der Winkel zur Welle passt.

Mechanique Plaisanse

Die Stellschrauben waren irgendwann zu Ende, sodass der Sockel mit 2 cm Hartholz unterlegt wurde. Das ist der aktuelle Stand. In drei Stunden ist unser Lifttermin um wieder ins Wasser gehen. Das Ruder liegt noch unterm Schiff und der Goripropeller liegt noch in der Werkstatt. Bleibt spannend – bzw. eher ätzend.

Werft Martinique 2

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Das neue Dinghy mit dem 5 PS Honda Außenborder ist da. Bei der Probefahrt war alles in Ordnung. Wie auch beim alten Dinghy kommt etwas Spritzwasser über und man/frau bekommt einen nassen Hintern.

Neues Dinghy (1)

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Waldspaziergänge bzw. das Wandern ist auf Martinique ganz sicher nicht die Sportart der ersten Wahl. Auf unseren Spaziergängen im Landesinneren waren wir immer alleine unterwegs. Die Geräusche sind gewöhnungsbedürftig, überall knarzt und raschelt es. Viele Fallen (Rattenfallen?) sind aufgestellt und ab und zu zweifelt man an seinen Sinnen. Hat sich da gerade ein Blatt über den Weg bewegt? Oder eine halbe Nussschale? Wenn einem dann aber eine Muschel direkt vor die Füße kullert, dann wird man schon aufmerksam. Die Muschel richtet sich ganz langsam auf und es kommen immer mehr behaarte Füßchen zum Vorschein. Es ist ein Einsiedlerkrebs, der Fahrt aufnimmt und vor Walters bedrohlicher Sandale die Flucht ergreift.

Einsiedlerkrebs -oder die rasende Muschel im Regenwald

Einsiedlerkrebs -oder die rasende Muschel im Regenwald

Einsiedlerkrebs

Einsiedlerkrebs

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Der nächstmögliche Krantermin ist der 09.03.2016. Zur Überbrückung haben wir uns nochmals für vier Tage einen Mietwagen genommen.
Am ersten Tag fuhren wir in den Norden um dort in der Nähe des Vulkans Pélé eine Regenwald-Wanderung zu machen.

Landesinnere von Martinique, im Hintergrund der Vulkan Pélé

Landesinnere von Martinique, im Hintergrund der Vulkan Pélé

Zuvor irrten wir jedoch, mit dem miserablen Stadtplan von Fort de France durch eben diese Stadt. Wir kamen unfallfrei durch, aber den Vertragspartner unserer EFOY Brennstoffzelle haben wir unter der angegebenen Adresse nicht gefunden. Wir brauchen zwei neue Kanister Methanol, aber das scheint hier ein Problem bzw. ausgeschlossen zu sein. Unser Ansprechpartner bei Mechanique Plaissance hier in Le Marin, hat ebenfalls versucht unter der gelisteten Telefonnummer anzufragen. Die Nummer existiert zwar, aber nur als Anrufbeantworter und der ruft halt einfach nicht zurück. Das gleiche Spiel hatten wir im letzten Jahr bereits auf Guadeloupe getrieben, auch damals erfolglos. Die Brennstoffzelle ruht mangels Futter in der Karibik, obwohl uns auf der Düsseldorfer Messe versprochen wurde, dass die Versorgung mit Methanol-Kartuschen weltweit möglich ist. Eben nicht. Nächste Chance besteht auf St. Barths. Abwarten.

Die Regenwaldwanderung im Norden von Martinique machte ihrem Namen alle Ehre. Derzeit ist es atypisch feucht hier, es regnet immer mal wieder und deshalb sind die Wanderwege total vermatscht bzw. aus Sicherheitsgründen gleich mal gesperrt. So auch unserer. Aus der Wanderung wurde ein kurzer Spaziergang von ca. 1,5 Kilometern, aber danach sahen wir aus, als ob wir den Wald zu Fuß umgepflügt hätten.

Martinique, links Trois Ilets, rechts Fort de France

Martinique, links Trois Ilets, rechts Fort de France

Zum Ausgleich ging es zum Sonnenuntergang nach St. Anne.

Martinique, Ankerfeld vor Ste Anne, im Hintergrund Rocher du Diamant

Martinique, Ankerfeld vor Ste Anne, im Hintergrund Rocher du Diamant

Am Samstag fuhren wir querfeldein über die kleinsten Sträßchen, machten hin und wieder Fotostopps

Martinique Nord 2

und erreichten am späten Nachmittag die Touristenhalbinsel Trois Ilets und Le Diamand. Abendessen gab es mal wieder außer Haus in Ste Luce. Leckeres Menü mit Crevetten und Dorade.
Am Sonntag dann zog es uns auf die Atlantikseite auf die Halbinsel Presque´Ile de la Caravelle. Dort, rund um das nette Dorf Tartane gibt es einige gut ausgeschilderte Wege durch das Naturschutzgebiet. Hier ist auch der Surfer-Hotspot von Martinique. Die Jugend trifft sich hier zum Wellenreiten. Die Strände sind weitläufig und durch Riffe geschützt.

Presque´Ile de la Caravelle

Presque´Ile de la Caravelle

Halbinsel Presque´Ile de la Caravelle

Halbinsel Presque´Ile de la Caravelle

Am Montag fuhren wir direkt von hier aus Richtung Landesinnere und fanden, nachdem wir zwei Mal umdrehen mussten, doch tatsächlich und rein zufällig an einer völlig unerwarteten Stelle unseren Wanderparkplatz am Circuit de Montravail. Der Spaziergang durch den Wald war ganz entspannt, ohne größere Matschlöcher und durchaus gut ausgeschildert. Aufgrund der Tatsache, dass der Parkplatz riesengroß ist und ein Teil als Busparkplatz ausgewiesen ist vermuten wir, dass hier auch die Kreuzfahrttouristen in den Genuss des ursprünglichen Martinique kommen können. Teilweise erinnert uns das Landesinnere mit seinen vielen Schluchten an Madeira. Nur auf Madeira blüht es vielfältiger, hier sieht man nur hin und wieder eine Helikonie blühen.

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Es gibt Tage, da hat man/frau selbst in der Karibik die Schnauze gestrichen voll! Diese Aussage ist zwar nicht druckreif, trifft aber voll ins Schwarze. Seit heute Nachmittag steht fest, dass wir die Sunrise schon wieder aus dem Wasser holen müssen, damit der Mechaniker (you can trust him, he is the best in the caribean – abwarten) die Welle ziehen kann. Natürlich muss dazu wahlweise das Ruder raus oder der Gori-Propeller demontiert werden. Das alles, weil Raimond und Kevin in Trinidad keinen Plan von ihrem Job hatten und konfus vor sich hin gewurstelt haben. Die Welle muss deshalb raus, weil der Mechaniker alles, wirklich alles nochmal prüfen muss. Das Wellenlager, die Stopfbuchse, die Verbindung zur flexiblen Kupplung und die Verbindung dieser zum Motor und, und, und. Volles Programm, zu 70 Euro/Stunde Arbeitszeit, Travellift 716 Euro. Er sagt, dass es keinen Wert hat, im Wasser liegend mal hier, mal dort zu schrauben. Leider hat er Recht. Wir müssen uns auf drei unkomfortable und teure Werfttage einstellen.

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In sechs Schritten zum seewasserdichten Elektromotor für die Ankerwinsch

In sechs Schritten zum seewasserdichten Elektromotor für die Ankerwinsch

Wenn´s nur so einfach gewesen wäre, wie es auf dem Bild aussieht. Der erste Versuch in Trinidad den mitgebrachten neuen Elektromotor für die Ankerwinsch seewasserfest einzupacken ging schief. Peer hing bei brütender Hitze und zu fortgeschrittener Zeit mit zornesroter Birne kopfüber zusammengefaltet im Ankerkasten oder wahlweise in der Segellast. Die für diesen Zweck, also Isolierung des Motors, mitgebrachte Tupperdose war einfach zu labil. Außerdem versagte der Elektromotor den Dienst, nachdem wir gefühlte 2 Tuben Silikon zur Abdichtung verspritzt hatten. Kabelbruch. Aus die Maus, rien ne va plus. Die Idee immer noch lauwarm, aber die Tupperdose war hinüber. Somit musste sie nebst dem kompletten, halb abgebundenem Silkonbaaaaz wieder raus. Eine riesengroße Sauerei, überall Silikon. Peer und Walter komplett verschmiert und ich, wobei ich mich gar nicht am Schauspiel beteiligt hatte, habe auch ein Poloshirt eingebüßt. Der Elektromotor wurde mit neuen Kabeln versehen und provisorisch mit der mitgebrachten, selbstklebenden Dachdeckerfolie umwickelt. Ein erster Schritt zur Dichtigkeit. Was sich jedoch nach zwei Wochen Amwindsegeln als schlechte Lösung für unser Problem erwies. Die Dachdeckerfolie konnte dem Wasserdruck des Salzwassers nicht standhalten und fand sich am Boden des Ankerkastens wieder. Unser Bordingenieur Gerard entwickelte den Plan einer wasserdichten Ankermotorbox mittels handelsüblichem Abwasserrohr. Ein guter Plan, aber für uns schwerlich durchführbar, da die handelsüblichen vier Meter langen Abwasserrohre für uns ein unlösbares Transportproblem darstellten. Man stelle sich nur vor, beim Überqueren der Straße: Elke wäre schon drüber gewesen und Walter hätte erst noch schauen müssen, ob ein Auto kommt; und das für 13 cm benötigtem Rohr. Mr. Bricolage (Baumarkt) war nicht willens und bereit uns ein kürzeres Stück zu verkaufen. So sahen wir uns im Baumarkt nach einer Alternative um und fanden einen pinkfarbenen Kosmetikeimer mit dem gewünschten Durchmesser von 20 cm und als Deckel einen Plastiktopfuntersetzer im Durchmesser von 21 cm. Und viel Silikon. Das Projekt „Walter faltet sich in den Ankerkasten“ fand ganz und gar nicht meine Zustimmung, aber es nützte nichts. Er musste und wollte es selbst machen. Mit 171 cm Körpergröße, davon ca. 50 cm Wirbelsäule versteift und die Operationsfolgen noch nicht ausgeheilt, eine an sich hirnverbrannte Aktion. Zwei Tage Arbeit. Am ersten Tag zuschneiden des Kosmetikeimers; d.h. auf Länge kürzen und den Boden raussägen. Gut dass wir einen Deltaschleifer und einen Akkubohrschrauber an Bord haben. Diesen Resteimer dann an die Grundplatte von der Ankerwinsch geschraubt, alles kopfüber und ohne Platz zum Hantieren. Das Ganze dann mit viel Silikon umschmiert. Walter war bis zu den Ellenbogen im Silikon. Die Wahl fiel dieses Mal auf schwarzes Silikon, was auf weißer Haut besonders gut zur Geltung kommt. Silikon von der Haut und von unter den Fingernägeln abzukriegen – ausgeschlossen. Wir werden auf Monate hinaus Trauer tragen! Wegschneiden und rauswachsen lassen. Die Konstruktion durfte über Nacht abbinden und am zweiten Tag ging es weiter mit dem Blumentopfuntersetzer. Löcher für die Kabeldurchführungen wurden gebohrt, natürlich sprang die Sch…. gleich beim ersten Bohrloch und musste mit Sekundenkleber gerettet werden. Letztendlich waren dann die drei Löcher im Deckel für die Kabeldurchführungen. Zwei für die Kabel und eines zur Kontrolle ob sich tatsächlich kein Seewasser in den Eimer presst und wenn ja, kann man aufschrauben und ablassen. Soweit der Plan. Deckel auf den Eimer und mit viel Silikon verschmiert. Auf den Bildern hebt sich der schwarze Silikonbaaaz wunderbar vom pinkfarbenen Eimer ab. So eine Konstruktion ist einmalig auf der Welt. Ich muss der Schöchl Werft echt die Bilder schicken, vielleicht kriegen wir einen Award für die Innovation.

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Meine Rede: Die Dummheit (Blödheit) greift rasend um sich.
Uns ist am Abend ein unbemanntes und nicht abgeschlossenes Dinghy zugeschwommen!!! Es trieb im Hafenbecken der Marina. Mit 15 PS Yamaha Motor hinten dran. Es gibt also durchaus noch Menschen, die genau so blöd sind wie wir. Nur, dass bei dem „gefundenem“ Dinghy der Festmacher unversehrt war. Dessen Besitzer war nach Vier Uhr wohl nicht mehr in der Lage, einen ordentlichen Knoten zu machen. Walter sah es zuerst und ist mit dem Pickhaken bewaffnet losgespurtet und hat es abgeborgen. Jetzt ist es erstmal mit unserer Stahltrosse (war ja von unserem verlustigen Dinghy noch an Bord) am Bug unserer Sunrise gesichert. Ja, nicht nur wir sind so doof und schließen nicht ab – irgendwie schon ein Witz. Morgen gehen wir ins Marinaoffice und melden den Fund.

Fundsache

Fundstück

Das Dinghy ist wieder bei seinem (rechtmäßigigen ?) Besitzer, zumindest hat der Mitarbeiter des hiesigen Yachtbrokers Besitzanspruch geltend gemacht. Wir haben ihm das Dinghy übergeben. Er hat sich bedankt und und eine Kiste Bier versprochen – schauen mer mal.

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Der tägliche Wahnsinn auf der Sunrise – oder man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Gut fing er an, der Tag. Um 8 Uhr mit der problemlosen Mietwagenrückgabe bei Avis. Um 9 Uhr mit dem Fachmann von Mechanique plaissance . Er schaute sich den Pfusch von Raimond aus Chaguaramas/Trinidad an. Lies den Motor laufen und machte viele Fotos mit seinem Handy. Der Motorblock steht schief und die Welle verursacht Vibrationen – ja genau, das wissen wir eh und deshalb haben wir ihn ja geholt. Er will am Nachmittag mit seinem Motortechniker anrücken. Hört sich doch gut an. Walter hatte ein frisches Baquette geholt, ein wirklich unschlagbar knuspriges. Besser als gut, supergut. So stand einem späten Frühstück nichts mehr im Wege. Dachten wir. Falsch. Nachdem ich den Kühlschrank öffnete, sah ich die Bescherung. Wir hatten gestern eine komplette Kofferraumladung Essen und Getränke gekauft und den Kühlschrank bis zur Oberkante voll gestapelt. Oben drauf ein Tetrapack mit Frischmilch, weil Café au lait halt einfach mit frischer Milch besser schmeckt. Der Tetrapack war mit meiner Stapellogistik nicht zufrieden und entleerte sich komplett in den Kühlschrank. Der Kühlschrank auf den Schiff ist ja kein Kühlschrank im herkömmlichen Sinn mit Türe und Fächereinteilung, nein es ist eine Kühlbox. Ca 70 cm tief, 50 cm lang und 30 cm breit. Die zu kühlenden Lebensmittel und Getränke sind darin gestapelt. Und die Fischmilch war überall und weil die Kühlbox einen Ablaufschlauch in die Bilge hat, war die Sch… logischerweise auch dort. Man kann sich gut vorstellen welche geruchsintensive Verbindung die Frischmilch mit der karibischen Hitze einzugehen gedenkt. Da heißt es schneller zu sein! Mit leerem Magen das Gemüse, die Joghurtbecher, die Butter, den Käse, die Schinkenpackungen, die Flaschen und Getränkedosen raus aus der Soße, alles mit kaltem Wasser abgewaschen. Besonders doof war, die Milch aus dem Rand der Getränkedosen zu kriegen. Wer will schon ein Bier oder Tonic mit Kinderkotzegeschmack an die Lippen setzen, nein das will kein Mensch. Walter lag derweil flach auf dem Schiffsboden, das entsprechende Bodenbrett hatte er entfernt und nahm mit dem Schwamm die Soße auf. Nachdem die Bilge trocken war, wurde der Kühlschrank mit Spülwasser geflutet und peu a peu wieder in die Bilge abgelassen. Zwischenzeitlich war es halb elf und nichts im Magen. Wie hat Gerhards Schwester geschrieben: Das wäre nichts für mich, da läuft ja gar nichts wie geplant. So schlimm find ich es jetzt doch nicht, immerhin war der Plan Gerhard am 4.2. in Grenada abzuholen und am 17.2. in Martinique in den Flieger zu setzen. Und das hat supergut geklappt, so Dinge wie Dinghy verlieren und Nebensächlichkeiten wie Kühlschrank mit Milch fluten plant ja kein Mensch. Das passiert halt unerfreulicherweise. Langweilig kann jeder, wir sind halt ein bisschen chaotisch aber trotzdem kriegen wir es auf die Reihe.
Die beiden Mechaniker waren pünktlich am Nachmittag da und gingen das Problem mit den Motorvibrationen an. Es ist wieder ein Stück besser, aber Walter ist noch nicht zufrieden. Marianne von Le Ship spricht Deutsch und muss übersetzen. Am Montag kommt der Chef zu uns aufs Schiff und schaut sich das alles nochmals an.

Martinique_2016_2

Grand Saline 3

Gerhards Rückflug ging um 20:20 Uhr von Fort de France, Martinique und wie ich seiner E-Mail entnehmen konnte, ist er gut und pünktlich in Stuttgart angekommen. Ich hatte schon einen Text für den Oberlooser-Award 4.0 im Kopf – aber anscheinend müssen wir Deutschen so langsam vom hohen Perfektionsross runter steigen. Von der Karibik zurück nach Deutschland haben die Flüge im letzten Jahr immer pünktlich geklappt. Der BER-nichts-funktioniert-Virus scheint den FraPort infiziert zu haben, zumindest ein bisschen. Weder Walter und ich, noch Peer, noch Gerhard kamen ohne Stress und viel Verspätung in Frankfurt weg. Das ist arg verbessungswürdig.
Wir hatten also noch den ganzen Mittwoch zur Verfügung und fuhren mit Gerhard zunächst nach St. Anne. St. Anne ist ein nettes Städtchen, hat eine große Ankerbucht, einen schönen Strand und am Ende der Sandbank thront der Club Med. Manchmal liegt sogar der Großsegler Club Med davor – eine perfekte Filmkulisse. Gestärkt mit Schokotörtchen (warm und innen flüssig) mit Vanilleeis ging es im strömenden Regen weiter in die Grand Anse de Salines. Der Strandspaziergang gestaltete sich als schwierig, dort wo der Sandstrand breiter war, lagen immer noch Sonnenhungrige im Weg, Palmen neigten sich fotogen in Richtung der Brandung oder der Strand war mit rottem Seegras (ekelig nach Faulei stinkend) bedeckt. Teilweise übten wir uns im Schlickrutschen auf dem total vermatschten Fahrweg direkt am Stand. Knöcheltiefer Matsch, aufgewühlt durch die vielen Autos, die direkt zum Strand fahren. Das ist hier so. Mit dem Auto zum Strand, zweimal umfallen und unter der nächsten Palme zum Liegen kommen. Wir mussten leider weiter. Fort de France Airport. Das Projekt „Betreutes Segeln“ ist damit b.a.w. beendet. Walter fühlt sich fit, die Sunrise wieder zu Zweit zu segeln.

Grand Saline 1

Martinique_2016_1

Angekommen in Le Marin, Martinique
15.02.2016 Wecken um 6:30 – total unentspannt. Ablegen Rodney Bay, St.Lucia um 8 Uhr. So war der Plan. Leider war die Dame von der Immigration um 8 Uhr noch im Wochenende, sie kam um 8:20 Uhr, völlig entspannt. Der Kollege hatte keine Stempelgewalt und musste deshalb von 8 Uhr bis 8:20 Uhr am Schreibtisch frühstücken. Auch eine Möglichkeit die Arbeitszeit abzuvespern. Danach ging alles ganz flott. Die benötigten Ausreisestempel befanden sich im Kosmetiktäschchen der Dame. Lippenstifte, Deospray und Handdesinfektionslotion raussortiert, Stempel gefunden, Pässe aufgeklappt, Ausreisestempel rein – fertig. Eine Sache von einer Minute.
Es wurde eine schöne Überfahrt, mit der Fock und gerefftem Groß ging es mit 5 Beaufort und 2 Meter Welle nach Martinique. Gerhards Wunsch nach einem schönen Abschluss-Segeltag ging in Erfüllung. In der Marina Le Marin war der Platz reserviert und bereits um 13:30 Uhr waren wir fest am Steg 3. Zwei Schiffe weiter liegt die Themi. Markus und Familie sind leider nicht an Bord, wahrscheinlich genießen sie den Winter auf Kärntens Skipisten.
16.02.2016
Die Mietwagenreservierung hat gut geklappt – wir sind ja auch schließlich wieder in Europa – und so kommt Gerhard an seinem letzten Urlaubstag zu einem Landausflug. Zunächst müssen wir uns jedoch dem Projekt Dinghy und Außenborder widmen. In Le Marin gibt es zwei Zentren, die auf Schiffsausstattungen spezialisiert sind. Bereits gestern haben wir uns direkt in der Marina ein Komplettangebot für Dinghy und Motor geholt. Heute ging es um die Ecke ins Industrieviertel Artimer. Kein Erfolg. Weiter mit dem Auto nach Lamentin. Hier könnten wir einen Yamaha Außenborder bekommen, kein Dinghy. Weiter nach Fort de France, gleiches Ergebnis. Mercury Außenborder, aber kein Dinghy. Es ist ja nicht so, dass es keine Dinghies gibt. Die hier haben alle einen durchgehenden Feststoffboden, sind zu groß und auch zu teuer für uns. Wir brauchen wieder eines, das einen Alu- oder Kunststoffboden hat, der dreigeteilt und herausnehmbar ist.
Projekt vertragt, Freizeitprogramm aufgenommen. So kommt Gerhard in den Genuss unserer Lieblingslokation auf Martinique.

Fondation Clément, Exposition "Hervé Télémaque"

Fondation Clément, Exposition „Hervé Télémaque“

Der Fondation Clément, mit Skulpturenpark, Historischer Rumfabrik, Kreolischem Landhaus, einer Kunstausstellung (aktuell Hervé Télémaque, Leihgabe vom Centre Pompidou, Paris) und natürlich Rum-Degustation aus der modernen Produktion.

Skulpturengarten Fondtion Clément

Skulpturengarten Fondtion Clément

Wir sind selbstverständlich wegen der Kunst dort hin gefahren, wirklich. Wir wundern uns selbst, dass auf dem Rückweg 6 Liter Rum im Auto sind.