Jamaika_2

Port Antonio hat zwei Gesichter. Die schöne Bucht und das für karibische Verhältnisse gepflegte Umfeld um die Marina und im Gegensatz dazu die lärmende, stinkende (viel Verkehr) und wuselige Stadt.
Wir machten heute einen zweiten Anlauf um Geld aus dem ATM (Bankomat) zu ziehen. Heute war ein guter Tag, der Automat spuckte Jamaica-Dollar aus. Eine gewöhnungsbedürftige Währung. Ein Tütchen mit 6 Tomaten kostet 150 JMD, das entspricht ungefähr einem Euro. Da wir nun zahlungsfähig waren nutzten wir die Gelegenheit durch die Hauptstraße, die gleichzeitig Marktplatz und Hauptdurchgangsstraße ist, zu tingeln.

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio 2

Da Walter viel fotografierte kamen wir nur langsam voran und wurden sogar von den gechillten Jamaikanern geschoben und überholt. Sehr oft wurden wir angesprochen, woher wir kommen, wohin wir gehen und ob uns Jamaika gefällt. Die Menschen, so arm sie teilweise auch sind, sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ein Ladenbesitzer kam sogar auf uns zu und zeigte den Hügel hoch und meinte, das beste Foto von Port Antonio könnten wir machen, wenn wir zum Hospital* hochlaufen würden. Von hier aus kann man die ganze Bucht und die Stadt überblicken. Gesagt, getan. Auf dem Rückweg wurden wir von einer Marktfrau angesprochen die uns darauf hinwies, dass es hier nicht nur gute sondern auch einige böse Jungs gibt und dass wir vorsichtig sein sollen. Es stimmt schon dass auch aggressive Typen rumlaufen, die haben was Falsches geraucht oder eingeworfen. Kurz vor Sonnenuntergang gingen wir zurück in die Marina. Sicher ist sicher.

*Port Antonio Hospital
Da wollten wir so und so hin um für Walters Schwester Fotos zu machen. Ihr Schwager war vor über 30 Jahren für ein Jahr im Hospital beschäftigt und Walters Schwester und ihr Mann verbrachten damals einen verlängerten Urlaub auf Jamaika und Port Antonio. Ich wette es hat sich nicht viel verändert.

Port Antonio Hospital

Port Antonio Hospital

Blick vom Hospital über die Bucht

Blick vom Hospital über die Bucht

Jamaika_1

Jamaika Port Antonio

Angekommen in Port Antonio. Verwundert stellen wir fest, dass das Mooringfeld direkt vor der Errol Flynn Marina völlig leer ist. Wir bekommen sogar einen der 18 Gastliegeplätze direkt in der Marina. George der Verwalter der Marina ist überaus zuvorkommend und bringt uns sofort einen Berg von Formularen zum Ausfüllen. Wir müssen nirgends hin, die Behördenvertreter vom Zoll, der Immigration und der Quarantänebehörde stehen innerhalb von 15 Minuten am Schiff und ich bin immer noch am Ausfüllen. Die freundlichen Herren nehmen schon mal Pässe, Bootspapiere, Versicherungsdokumente und die ausgedruckten Crewlisten mit. Nach kurzer Zeit stehen sie schon wieder am Steg und ich bin immer noch am Ausfüllen. Ein Blatt nach dem anderen wandert vom Bauch der Sunrise raus und wird über den Steg gereicht. Der Zollbehördenvertreter stellt sich etwas dusslig an und versenkt gleich mal eine ausgefüllte Seite, Walter ist mit dem Pickhaken zur Stelle und fischt sie wieder aus dem Wasser. Nach und nach wird uns auch klar, weshalb sich die netten Herren vehement weigerten an Bord der Sunrise zu kommen um die Verwaltungsaktion bequem am großen Esstisch abzuwickeln. George der Verwalter steht grinsend an der Seite und flüstert Walter zu, dass es gut ist, dass bei uns die Quarantäneflagge noch an der Steuerbordsaling wimpelt, dann nämlich dürfen die Behörden nicht an Bord. Pest und Cholera drohen! Die Freigabe, also das Einholen der Quarantäneflagge darf nur der Quarantäne-Officer erteilen und der war nicht ganz so schnell zur Stelle. Der Quarantäne-Officer scheint immun gegen Pest und Cholera zu sein und kommt kurz danach an Bord. Wir wissen, dass wir kein frisches Obst, Gemüse und Fleisch einführen dürfen und deshalb ist auf dem Papier auch nichts mehr da. Der Officer ist hoch zufrieden mit uns und lässt sich noch unser System mit den Toiletten erklären. Ja, wir haben einen Holding Tank für die Toiletten und ja der ist auch leer und zu. Wir gehen hier in der Marina zur Toilette. Danach erteilt er uns die Erlaubnis die Quarantäneflagge einzuholen und die Jamaikaflagge zu setzen. Nun sind wir offiziell da und dürfen auch aufs Klo, also an Land.
Am Nachmittag stellen wir uns in die Bankautomatenschlange und bekommen mit der VISA Karte kein Geld – an zwei verschiedenen Banken. Es gibt eine dritte Bank in Port Antonio, dort versuchen wir es morgen. Everything`s gonna be alright!

Bonaire – Jamaika

Mooringfeld vor Kralendijk/Bonaire

Mooringfeld vor Kralendijk/Bonaire


Kralendijk Bonaire

Nach einer Stippvisite auf Bonaire (Freitag bis Sonntag) machten wir uns auf den Weg nach Jamaika. Den frisch gepflegten Schiffsmotor hatten wir auf der Strecke von Curacao nach Bonaire getestet. Er läuft gut, rund und alle getauschten Filter sind dicht. Die Fachleute von Wetterwelt sagten sehr gemäßigten Wind und Welle unter 1,2 m voraus. Für die über 600 Meilen lange Strecke nach Jamaika gute Bedingungen, zwar langsam, aber schlaglocharm. Für den ersten Schlag nach der halbjährigen Segelpause gut. So war wenigstens an Nachtschlaf zu denken. Der erste Tag auf See verlief wunderbar, bis zu dem Zeitpunkt als wir für die Nacht das Großsegel verkleinern wollten. Dieses Segel bringt uns noch um den Verstand – und es liegt nicht am Händling, die ersten Jahre ließ es sich ja auch wunderbar wegrollen. Mittlerweile ist das Segel etwas zu bauchig geworden, ist ja im Alter so, und so kam es mal wieder vor, dass sich beim Einrollen eine dicke Falte in die Mastnut zog und nichts mehr vor oder zurück ging. Mast frisst Segel. Kennen wir ja. Walter ließ sich überreden mich im Bootsmannstuhl am Mast entlang hochzuziehen damit ich mit dem Holzkochlöffel die Falte in die Mastnut drücken konnte. Es ging schwer, aber es ging und es war eine ziemliche Schleudertour. Für so eine blödsinnig überflüssige Aktion sind auf See mindestens 4 Arme und Hände zum Festhalten von Nöten. Wieder runter vom Mast, rollten wir das Segel aus und wieder ein und die Falte zog sich wieder rein. Die Sonne war mittlerweile fast untergegangen, Walter nahm HB-männchenartige Züge an, beschloss auf See keine weiteren Aktionen zu machen und nun steht das Großsegel mit einem Viertel seiner Segelfläche unbeweglich. Richtig doof, wenn man noch 500 Meilen vor dem Bug hat und das Großsegel ausfällt. Der Wind ließ immer mehr nach, zeitweise bis zur totalen Flaute, sodass wir jetzt schon 35 Stunden mit dem Motor mitschieben mussten. Zwischenzeitlich, Mittwoch 9:00 Uhr Lokalzeit, haben wir noch knapp 200 Seemeilen und kommen nach der Berechnung am Freitag um die Mittagszeit an. Nachtschlaf: erste Nacht ganz schlecht, zweite und dritte Nacht gut bis sehr gut. Wachwechsel im bewährten 6 Stunden-Rhythmus.

(Anm. d. R.: das Versenden von Mails mit dem Maritime Mobile Radio Service klappt prima)

Curaçao 2017_6

Test der elektronischen Instrumente
Vor diesem Check hatten wir die größte Sorge und deshalb haben wir dies bis heute hinaus geschoben. Von den Navigationsinstrumenten GPS, Windmesser, Tiefenmesser, UKW Funk und AIS wussten wir schon seit dem Einwässern dass sie funktionieren. Heute montierten wir den Kartenplotter mit den aktuellen Navionics-Karten, testeten ob der Windowsrechner noch willig ist als Tochter des Plotters zu arbeiten und testeten das Radar. Alles gut. Dieses Mal kein Problem mit korrodierten Steckern bzw. dem Kabelsalat.
Das Testen der Kurzwellen-Funke ICom 802 und dessen Schwester Pactor IV Dragon (Drachen!!!) DR-7400 haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben. Das ist bei uns an Bord nämlich ziemlich tricky, schalten wir die Funke an und versuchen eine Verbindung über das Airmail-Progamm aufzubauen, kommt es schon mal vor, dass der Bilgenalarm angeht oder das Bugstrahlruder anspringt. So müssen die üblichen verdächtigen Sicherungen zunächst mal ausgeschaltet werden, auch das Notebook darf nicht am 12 Voltanschluss dran sein, sondern muss auf Accu laufen und erst dann können wir die Funke und den Pactor einschalten und eine Verbindung aufbauen lassen. Auf der Nerv-Scala von 1 bis 10 klar auf 10, also nervig wie von hier bis zum Mond und zurück. Soweit so gut, die Funke ging und der Pactor blinkte auch mit seinen bunten Lichtlein – nur das sehr wichtige blaue Lichtlein wollte partout nicht dauerhaft leuchten. Dauerblau zeigt nämlich an, dass der Pactor über Bluetooth mit dem Notebook verbunden ist und genau das ist das Wesentlichste überhaupt! Keine Verbindung zwischen Notebook und Pactor, das heißt auch keine Verbindung über das Airmail-Programm zum Empfangen der Wetterdaten auf See. Und die Wetterdaten über Pactor sind für uns in diesem Jahr elementar, da wir unterwegs und bald auch auf Kuba keinen Internetzugang zum Abrufen der Wetterdaten haben werden. Ohne Wetter – keine Reise. Stunden später und erst nach dem Runterladen des Drachen-Handbuchs (P4 Dragon DR 7400 Manual) und dem Studieren wie die beiden Geräte üblicherweise mittels Bluetooth verbunden werden, stieß ich auf den Halbsatz, dass es schon mal passieren kann, dass bei nicht regelmäßiger Verbindung zwischen Notebook und Pactor die Hinterlegung der Paarung verloren gehen kann! Der Bluetooth-Manager ist demnach zu doof sich länger was zu merken. Nachdem ich auch noch rausgefunden hatte welchen achtstelligen Paarungscode ich im Bluetooth-Manager einzugeben habe, hatten sich die beiden wieder lieb. Ich konnte eine Verbindung über das Airmailprogramm zu einer Sailmailstadion aufbauen und Wetterdaten abrufen.

Wetterdaten über Kurzwelle

Wetterdaten über Kurzwelle

Alles wird gut!

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Curacao Marine Werft

Curacao Marine Werft

Die Motorinspektion
Jack hielt Wort und war zur Stelle als die Sunrise im Wasser schwamm. Das heißt es kam nicht Jack selbst, sondern er beorderte Klaas zu uns, einen seiner Monteure. Klaas war ganz zufrieden mit seiner Aufgabe die fällige Motorinspektion durchzuführen. Easy going, Filterwechsel, Impellerwechsel, Ölwechsel, das ganz normale Programm. Das hatte er auch nach knapp einem halben Tag durch. It looks pretty good sagte er noch bevor er wissen wollte, wie alt der Motor sei. Als ich ihm das Baujahr und somit das Motorenalter verriet, entgleisten seine Gesichtszüge und er betrachtete ab diesem Zeitpunkt seine Wirkungsstätte nur noch mit der ganz großen Lupe. Klaas, der neue Sherlock Holmes. Ein acht Jahre alter Motor musste einfach nach mehr Verschleiß ausschauen. Jede Dichtung, wirklich jeder Mückenschiss wurde nun misstrauisch betrachtet. Ein Fachmann wie Klaas weiß schon wo man hinschauen muss. Das Ganze kam uns nicht ungelegen, denn Klaas versteht sein Handwerk, kennt sich mit diesen Motoren richtig gut aus. So war es auch nicht zufällig, dass er zwei Dichtungen lokalisierte die kleine Ausblühungen an den Rändern zeigten. Nach seiner Aussage ein Indiz für vorhandene Korrosion im Wärmetauscher.

Motorinspektion

Motorinspektion

Man muss sich das so vorstellen: Ein Schiffsmotor funktioniert im Prinzip wie ein Automotor, nur die Kühlung des Motors ist anders. Beim Schiffsmotor gibt es zwei Kühlkreisläufe. Der Innere ist gleich wie beim Automotor ein mit Kühlmittel gefüllter Kreislauf. Der äußere Kreislauf ist beim Automotor die Frischluft. Kalte Luft trifft auf den Luftkühler, dieser kühlt die in ihm zirkulierende Kühlflüssigkeit und der Motor bleibt „kalt“. Beim Schiffsmotor wird die Luft(Kühlung) durch Seewasser ersetzt und aus dem Luftkühler wird ein Wärmetauscher. Die vom Motor erzeugte Wärme wird an die Kühlflüssigkeit abgegeben und im Wärmetauscher wird diese Wärme vom Seewasserkreislauf (beim Automotor der Luft) abgeführt.
Klaas war unerbittlich, der Wärmetauscher müsse ausgebaut und die Eingeweide des selben untersucht werden. Mich beschlich ein Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefert seins. Aber Klaas bestand auf diese Prozedur, andernfalls sei ein störungsfreies Funktionieren nicht zu erwarten. Wir willigten ein und Klaas zerlegte nun unseren Yanmar nach allen Regeln der Kunst. Nahm den Wärmetauscher mit in die Werkstatt, in die wir dann etwas später von Chef Jack zitiert wurden. Hier teilte uns dieser mit, dass eine Bronzekartusche im Inneren des Wärmetauscher ausgepresst werden muss, um diese zu säubern und neue Dichtungen einzubringen. Sollte die Kartusche bei dieser Aktion einen Schaden erleiden, so müsse eine neue eingebaut werden. Im schlimmsten Fall könne auch das Gehäuse des Wärmetauscher beschädigt werden. Alles in allem beläuft sich der worst case auf 3000 Dollar!
W H A T ??? Spätestens jetzt wäre bei der Schöneberger die Naht geplatzt!
Ein funktionierender Motor verlangt lediglich nach seinen Streicheleinheiten und nun könnte diese Aktion 3000 Dollar kosten. Jetzt verstehe ich: Segeln ist wie unter der kalten Dusche zu stehen und Hunderter (wahlweise Euro oder Dollar) zu zerreißen!
Das Ende war etwas weniger dramatisch, denn die Bronzekartusche ließ sich ohne Probleme auspressen, das Gehäuse bleib heil und Klaas konnte den Wärmetauscher wieder einbauen. Die Motorinspektion ist abgeschlossen, die Rechnung haben wir noch nicht.

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Einwässern ein feucht-fröhliches Vergnügen!?
Donnerstag morgen klingelt der Wecker um 7 Uhr. Punkt 8 fangen die Werftarbeiter an zu arbeiten. Am Tag zuvor wusste plötzlich niemand mehr, dass wir mit der Sunrise ins Wasser wollen. Alles war vereinbart, nur konnte uns am Montag niemand sagen, ob wir am Donnerstag Vormittag oder Nachmittag ins Wasser können. Als ich dies nun am Mittwoch klären wollte stellte sich heraus, dass sich keiner mehr an unsere Vereinbarung erinnern konnte. Die Sunrise wurde zur Sirius und die Sirius sollte ja am Freitag….. typisches karibisches Chaos eben. So kam es schließlich zur Zusage, Einwässern am Donnerstag, aber wir wissen nicht wann.
Warum nun feucht-fröhliches Vergnügen? Nun, am Donnerstag regnete es fast den ganzen Tag. Regen, das heißt hier es fängt schlagartig an zu regnen, der Wind nimmt zu und dann setzt ein Sturzbach ein, den man mit Bindfäden nur beleidigen würde, es sind wirklich BÄCHE, die da vom Himmel herunterprasseln. Nach einer halben Stunde ist alles wieder vorbei, bis zum nächsten Wolkenbruch der unter Umständen dann nach weiteren 10 Minuten einsetzen kann. So sieht ein Regentag aus und der Donnerstag war ein ganz extremer, denn das Werftgelände wurde zu Teilen überflutet.

Regentag

Was die Fröhlichkeit betrifft so begann der Tag nicht ganz so fröhlich, im Gegenteil. Ein sehr großes Arbeitsboot lag in der Slipbahn und sollte an Land gestellt werden. Jeder wusste, wenn die Arbeiter zuerst das Stahlschiff an Land bringen, ist der Vormittag mit Sicherheit für unsere Einwasserung erledigt. So war es dann auch. Millimeterweise wurde der Stahlkollos aus dem Wasser gezogen, mit einem Hochdruckreiniger gesäubert und dann millimeterweise zu einem Trockenplatz gefahren. Es verging Stunde um Stunde, dann war plötzlich und ganz unerwartet auch noch Mittagspause. Nach dieser hieß es wieder nur warten, warten und warten. Die ganze Aktion wurde von mehreren „Schaulustigen“ verfolgt und es stellte sich heraus, dass auf das Gelingen dieser Aktion nicht nur wir, sondern VIER weitere Schiffe hofften. Zwei Franzosen, ein Amerikaner und wir, alle wollten ins Wasser. Es wurde 15:00 Uhr und da das Büro um 16:00 Uhr schloss und die Arbeiter um 17:00 Feierabend haben, sahen wir vier Crews keine Chance mehr für einen erfolgreichen Tagesabschluss im Wasser, zumal einer der beiden Franzosen schon seit Mittwoch wartete. Aber dann tat sich etwas, der Stahlkollos war verstaut und eben der am längsten wartende Franzose wurde zu Wasser gebracht, dann die Amerikaner, ein weiterer Franzose und am Ende noch wir mit der Sunrise, selbstredend bei strömenden Regen. Noch etwas Stress bei der Zuteilung der Liegeplätze, denn Bürofrau Melissa hatte den Liegeplatz Nr 9 an uns und an einen der Franzosen vergeben. Melissa befand sich ja bereits im Feierabend und hat von diesem Zwischenfall und dessen internationalen Klärung nichts mitbekommen. Um 18:00 Uhr lagen wir alle klatschnass aber fröhlich an unseren Liegeplätzen im Wasser.

Liegeplatz in der Marina

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Schraube locker. Klappe die Zweite

Das Schraubenthema hat uns in der Tat 3 Tage auf Trapp gehalten. Unglaublich, wo doch die Versorgungslage hier recht gut ist. Nachdem es sich herausgestellt hatte, dass die Befestigungsschraube von Kooyman für Kloschüsseln ein Griff in selbige, also die Schraube völlig ungeeignet für unsere Opferanode war, hatte Walter sich vorgenommen am nächsten Morgen mit dem Supermarktshuttle zu Island Waterworld zu fahren. Er stand am Mittwoch morgens um 9:30 auf dem Hof um auf den Shuttlebus zu warten. Er stand um 10 Uhr immer noch alleine auf dem Hof und irgendwie wussten Alle, dass mittwochs der Bus nicht kommt – nur eben wir nicht. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen. Gefühle 10 Kilometer einfach. Auf dem Weg zu Island Waterworld liegt eine Fabrik die sich Dijtham Fasteners nennt. Fasteners ist super, hat irgendwas mit Festmachen und im weitesten Sinne auch mit Schrauben zu tun. Walter erstand eine stainless steel Schraube mit Inch-Maß. Am späten Nachmittag wollten wir dann endlich die Opferanode an den Kiel anbringen, aber leider hatte die in der Anode eingelassene Mutter eine andere Steigung, oder wir haben beim Montieren die Mutter verkantet, auf jeden Fall hat sich die Mutter an der Schraube festgefressen. Mit absolut roher Gewalt, Walter dreht und ich halte die Mutter gegen, haben wir nichts erreicht, außer dass wir die Schraube verbogen !!! haben.

Schraubenkrüppel

Nächster Tag, also gleiches Spiel, nur dass dieses Mal der Bus fuhr. Wegen dieser bescheuerten Schraube kamen wir echt in Zeitdruck! Wir sollten am Donnerstag ins Wasser gekrant werden und der Motorservice war ebenfalls auf Donnerstag eingebucht. Die zweite Schraube von Dijtham hat gepasst und die Opferanode sitzt jetzt am Kiel. Schon echt blöd, wenn deswegen alles aufgeschoben werden muss. Wir sind seit Donnerstagabend im Wasser und das Leben wird wieder komfortabel. Wasserschlauch und Stromkabel direkt am Schiff. Trotzdem geht uns die Arbeit nicht aus. Alles was für die Einlagerung abmontiert wurde, muss jetzt wieder ran. Auch Großputz ist angesagt, der Schleifstaub vom Antifouling hat sich in den allerletzten Ecken festgesetzt. Am Montag kommt MRC für den Motorservice, dann ist schon wieder ein dicker Punkt auf der Liste erledigt.

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Schraube locker ???
Die Arbeiten an der Sunrise gehen voran und wir denken daran, dass wir sie wieder zu Wasser lassen können.

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Es fehlen nur noch Kleinigkeiten, so müssen noch die Propeller für das Bugstrahlruder und diverse Opferanoden montiert werden.
Eben diese Opferanoden mussten wir noch beim hiesigen Bootsausrüster (Island Waterworld) kaufen. Da wir unseren Mietwagen bereits zurück gegeben hatten, waren wir auf den alltäglichen Shuttlebus zum Supermarkt angewiesen. Dieser fährt an Werktagen von der Curacao Marina zum Vreugdenhil Supermarket, der wiederum ist ganz in der Nähe vom Bootsausrüster. So erstand ich eine Opferanode für den Kiel der Sunrise. Etwas größer als üblich, jedoch dachte ich mir, dann wird diese vielleicht auch mal etwas länger halten als üblich. Das Ding wollte dann auch noch 46 US Dollar aus meiner Börse zum Freikauf haben. Gerechnet auf die erhoffte Lebensdauer war dies jedoch akzeptabel.

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Zurück in der Marina war es dann auch schon Mittag! Ein halber Tag vergangen ohne produktiv irgend etwas gearbeitet zu haben. In der Karibik laufen die Uhren eben anders!
Als ich nun die Anode montieren wollte stellte ich fest, dass die mitgelieferte Befestigungsschraube zu kurz war. Exakt um EINEN Zentimeter. Nun, eigentlich kein großes Problem, denn nur fünfzig Meter von der Sunrise befindet sich MRC Motor Service in der Curacao Marina. Ich enterte die Werkstatt, aber niemand war anwesend. Die gesamte Werkstatt war offen zugänglich, ich konnte in den Regalen stöbern wie mir beliebte und es waren viele Kisten mit alten und neu sortierten Schrauben vorhanden. Als dann doch noch Jack der Besitzer von MRC auftauchte, erklärte der mir ganz kühl und ohne meine Musterschraube auch nur eines Blickes zu würdigen, dass er diese Schraube nicht in länger habe und es diese auch bei Island Waterworld nicht gäbe. Ich verstand, wenn ein Holländer nicht will, dann will er nicht und so zog ich es vor die Werkstatt zu verlassen und bei der fälligen Motorinspektion genauer aufzupassen. Die letzte Möglichkeit eine 8 cm lange M6 Schraube zu erstehen war Kooymann Hardwarestore, ca. 4 km entfernt und nur zu Fuß erreichbar. Also Hut auf und auf die Socken zum langen Marsch. Meine Versuche in näher gelegenen Shops wie Volvo Penta oder einem Batterieladen scheiterten kläglich und so landete ich nach einer Stunde bei Kooymann. Hier stellte sich dann heraus, dass es sich bei der von mir benötigten Schraube um eine nicht metrische Schraube sondern um ein zöllige Schraube, also im Inchmaß, handelt. Mir wurde am Ende eine Schraube verkauft, die zur Befestigung von Kloschüsseln am Boden verwendet wird. Diese besteht jedoch aus Messing. Ich habe mich bemüht, jedoch diese Schraube ist schon beim ersten Versuch sie fest anzuziehen abgebrochen!
Morgen ist ein neuer Tag. Der Shuttlebus fährt um 9 Uhr und ich gebe nicht auf, die Anode will am Kiel befestigt werden, komme da was es wolle!!
Tageswerk: Schraube kaufen!

Curaçao 2017_1

Wir kommen gut mit den Erhaltungsarbeiten voran. Das Unterwasserschiff benötigt nur noch einen Antifouling-Anstrich, wobei wir gestehen, dass wir diese schweißtreibende und anstrengende Arbeit erstmals der Werft übertragen haben.

Curacao blue - auch am Schiffsrumpf

Curacao blue – auch am Schiffsrumpf

Seit gestern wohnen wir auf der Sunrise. Sie steht noch an Land und es ist sehr unkomfortabel und heiß, aber wir können in der Marina wenigstens wohltemperiert duschen! Ja, wir sind aktuell noch voll die Warmduscher – auch bei 30 Grad Celsius Außentemperatur. Im Hotel gab es nur Kaltwasser aus „Ökogründen“. Quark, war doch eh nur eine Wasserleitung und ein Wasserhahn vorhanden. Wir werden uns wieder daran gewöhnen und die Abkühlung zu schätzen wissen. Außerdem hat unser Appartement ziemlich feucht-modrig gemüffelt. Es ist noch Regenzeit, mit durchschnittlich 18 Regentagen/Monat und deshalb ist es sehr feucht. Im Gegensatz zum Juni letzten Jahres ist die Insel jetzt satt grün, überall stehen Wasserlachen

Rainy Day

Willemstads Straßen stehen unter Wasser

Willemstads Straßen stehen unter Wasser

und die Moskitos vermehren sich wie blöde. Wir kommen mit dem Sprühen von Anti Brumm, Autan und Co. kaum nach. In der Nacht verheddern wir uns im Mosiktonetz und machen abwechselnd die Decksluken auf und zu. Es gießt immer wieder für kurze Zeit in Strömen. Guter Nachtschlaf sieht anders aus.
Gestern haben wir für schlappe 1000 NAF (Niederländische Antillen Gulden) haltbare Lebensmittel und Getränke eingekauft. Die Supermärkte hier haben europäischen Standard, alles was das Herz begehrt ist vorhanden. Frisches Gemüse und Obst holen wir in kleinen Mengen nach Bedarf, bei diesen Temperaturen ist die Aufbewahrung ein echtes Problem. Unser Kühlschrank ist einfach zu klein, da müssen wir Prioritäten setzen – es geht nichts über ein gepflegtes Kaltgetränk zum Sonnenuntergang!

Zurück in Curaçao

Zunächst ein Kompliment an Air Berlin, so pünktlich wie gestern sind wir noch nie am Zielort angekommen. Was hatten wir für Befürchtungen! Montags hatte es geschneit und es war kalt und nebelig in der Nacht. Der Flieger sollte um 6:15 von Stuttgart nach Düsseldorf abheben und unser Zeitpuffer in Düsseldorf betrug nur knappe zwei Stunden. Vereiste Tragflächen, eine nicht geräumte Startbahn oder sonstige Verzögerung und schon wären wir in Stuttgart hängen geblieben. Nein, alles hat funktioniert wie am Schnürchen. Hallo Condor und Co. es geht doch! Auch hatten wir durchaus nette und sympathische Flugbegleiter, zwar teilweise kurz vor der Grenze zur Altersrente, eben Leute wie du und ich. Ganz in Gegensatz zu den Flugbegleitern von der Gruppe „gescheitertes Top-Model“ mit einer Spur zu viel Arroganz.
In Willemstad angekommen ging es zunächst ins Hotelzimmer

Herrlich quietschbunte Farben am Hotelpool

Herrlich quietschbunte Farben am Hotelpool

und dann umgehend zur Curaçao Marine um nach der Sunrise zu sehen. Sie ist noch da (war eh klar, sie wurde ja von drei Dobermännern bewacht) und sie steht bereits in der Working Area. Sie sieht nicht ganz so mitgenommen aus wie in Trinidad, aber es besteht Bedarf an Erhaltungs- und Schönheitsreparaturen. Es kann losgehen.
Wenn alles so gut läuft wie zum Auftakt, dann wird es eine tolle Segel- und Reisesaison. Wir klopfen schon mal auf Holz!

Willemstad, Weihnachtlich beleuchtete Brücke

Willemstad, Weihnachtlich beleuchtete Brücke

Baby-Gekko Mumie Hat unsere Abwesenheit nicht überlebt

Baby-Gekko Mumie
Hat unsere Abwesenheit nicht überlebt