Segelsommer 2026 mit der SY Pille_28

Landausflug zum Dalslandkanal
Thomas vom Nachbarschiff Schnussi überrascht uns mit der Frage ob wir Lust hätten mit ihm und seiner Crew Wolfgang und Nils einen Ausflug zum Dalsland Kanal zu machen.
Und ob! Was für eine wunderbare Idee. Thomas holt morgens den Mietwagen und chauffiert uns nach Håverud zum Dalsland Kanal.
Dieser Kanalabschnitt bei Håverud ist das absolute Highlight, hier überbrückt das berühmte 33,5 Meter lange Aquädukt die Håverud Stromschnellen und verbindet zwei der Seen des 254 km langen Kanalsystems. Eine Schleusentreppe mit vier Schleusen bringt die Schiffe hoch zum Aquädukt. Wir sehen tatsächlich ein Ausflugsschiff beim Durchfahren des Aquädukts und beim Abwärtsschleusen.

Dalsland Kanal Schautafel

Dalsland Kanal Aquädukt

Dalsland Kanal Aquädukt

Ausflugsschiff auf dem Aquädukt

Der Landausflug wird abgerundet durch den Besuch des Baldersnäs Herrgårds. Natur pur und Fotosession 2.0.

Ausflug nach Baldersnäs

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_27

Trollhätte Kanal
Von Vänersborg nach Trollhättan.
Heute fünf Klapp- oder Hubbrücken öffnen lassen und die erste von sechs Schleusen gemeistert.
Früh am Nachmittag sind wir in Trollhättan und legen uns in die Spikön Marina. Landausflug ist auf dem Programm. Zu den alten Schleusenanlagen von 1800 und 1844.

Trollhättan Schleuse von 1800

Trollhättan Schleuse von 1844

Im Jahr 1916 wurde die aktuelle Schleusentreppe mit drei hintereinander liegenden Schleusen eingeweiht und tut immer noch Dienst.

Die Firma Vattenfall hat bereits 1910 am Göta Älv Wasserfall das erste Stromkraftwerk in Betrieb genommen. Das neue Kraftwerk „raubt“ dem Wasserfall nun komplett das Wasser und es ist nur noch ein Rinnsal im zerklüfteten Alten Tal zu sehen.

Göta Älv Alter Flusslauf

Göta Älv Alter Flusslauf

Göta Älv gezähmt nach dem Kraftwerk

Göta Älv im 18. Jahrhundert

Trollhättans Kyrka

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_26

Der Vänern
Zwanzigmal so groß wie der Bodensee. Seit wir hier sind bläst es entweder aus allen Rohren, dazu noch aus der für uns falschen Richtung und es baut sich eine ekelhafte Hackwelle auf, oder es ist totale Flaute. Der Vänern teilt sich in einen westlichen Teil den Dalbosjön und einen östlichen Teil den Värmlandssjön mit vielen größeren Inseln, mehreren Schären und dadurch insgesamt etwa 22.000 Inseln. Von Mariestad nach Vänersborg führt die Route mitten durch ebendieses Flach. Aufgrund dessen und der aufziehenden schlechten Wetterlage lassen wir Läckö Schloss und Spiken notgedrungen aus und segeln die 44 Meilen bis Dalbergsö durch. Zeitweise ist richtig Kirmes angesagt. Kaum zu glauben, dass sich so eine Hackwelle aufbauen kann. Am nächsten Morgen ist es bereits richtig drückend und totale Flaute.

Vänern bei totaler Flaute

Vänern bei totaler Flaute

Irgendwie gibt der See und wir kein Match. Wir mögen ihn nicht besonders.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_25

Tåtorp-Töreboda-Hajstorp-Lyrestad-Sjötorp-Vänernsee

Töreboda, unberührte Natur am Kanal

Wir sind durch. 58 Schleusen im Göta Kanal, 38 bergauf- und 20 bergab. Teilweise mit bis zu vier Stunden Wartezeit vor den Schleusentreppen. Vor der Schleusentreppe Riksberg hingen wir mit 11 Booten am Wartesteg, der eigentlich nur Platz für zwei Boote längsseits bietet. Wir lagen direkt am Steg, weil rechtzeitig vor Ort. An uns dran hingen noch fünf weitere Segler. Am anderen Boot hingen noch vier Schiffe, also ein 6er und ein 5er Päckchen in Wartestellung. Die Segler selber sortieren die Schiffe nach Länge und Breite in die Schleusenkammern. Zwei 4er Schleusungen (mit den etwas kürzeren Booten) und eine 3er Schleusung. Derjenige der das längste Boot hat wartet am längsten, so hatten wir uns geeinigt. Wir durften mit dem zweiten 4er Päcken mit. Nichts mit first come, first serve. Wir hatten Glück, dass die Motorbootfraktion schon durch war und wir das unter uns Seglern regeln konnten. Die Motorbootfraktion ist auch in Schweden nicht sehr beliebt. Die heißt Ellenbogen-Fraktion.

Päckchen packen vor der Schleusentreppe Riksberg

Päckchen packen vor der Schleusentreppe Riksberg

In den letzten drei Schleusen in Sjötorp waren wir heute alleine drin. Wie entspannend! Die meisten Segler gingen gestern gleich auf den Vänern See raus, wir blieben für die Nacht in Sjötorp und waren deshalb die Ersten an der Schleuse.

Presspassung

Göta Kanal Schiff Juno (hat immer Vorrang)

Nun schwimmen wir im Vänern, dem größten See Schwedens, der gleichzeitig auch der größte See in der EU ist. Er ist zehnmal so groß wie der Bodensee. Der Vänern liegt 44 Meter über Normalnull; deshalb nur 20 bergab Schleusen im Göta Kanal. Die restlichen Höhenmeter runter machen wir über den Trollhätte Kanal von Vänersborg (Vänern See) bzw. über die Göta Älv bis nach Göteborg (Kattegat).

Walter und ich sind uns einig, dass der Göta Kanal ein echtes Erlebnis ist. Aber es ist mit einer Zweier-Crew auch sehr anstrengend. Der Nord-Ostsee-Kanal ist ein Sonntagsspaziergang dagegen. Wir beide würden den Göta Kanal kein weiteres Mal machen. Lieber warten wir, wenn wir wieder in dieser Region unter Segel unterwegs sind, an Schwedens Ost- bzw. Südküste auf den passenden Wind um wieder Richtung Westen zu kommen.

Es zeichnet sich ab, dass wir aufgrund der Windrichtung und Stärke ein paar Tage in Mariestad bleiben. Nett hier. Es gibt hier alles. Schiffsausrüster (um die Schäden vom Kanal zu beheben), Systembolaget (für den nötigen Hochprozentigen zum Runterkommen), ICA Supermarkt, Restaurants, Bars, Boutiquen, Apotheken, Vårdcentral (Medizinisches Versorgungszentrum), Krankenhaus u.v.m.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_24

Karlsborg – Forsvik – Vikensee – Tåtorp

Der Barometer fäll und fällt. Mittlerweile 985 hpa, aber es regnet nicht. Da für die nächsten Tage keine Besserung in Sicht ist legen wir ab. Die nächste/letzte Bergschleuse für uns ist die in Forsvik. Die Ampelanlage ist ausgefallen, die Schleusenwärter sind komplett überfordert. Es ist ein unbeschreibliches Chaos. First come, first serve – ausgesetzt. Die Rücksichtslosigkeit gewinnt. Wir legen uns dann eben auch in den Kanal direkt vor der Schleuse. Keine Chance sonst. Die Schleuse funktioniert ja. Von oben kommen keine Schiffe, aber vor uns werden zwei Schiffe hoch geschleust. Beim nächsten Durchgang sind wir dabei. Wir sprechen uns mit dem kleinen Boot hinter uns ab, dass wir auf die rechte Seite der Kammer gehen und er auf die linke. Soweit so gut. Wir sind drin und auch fest, dann drängt sich hinter uns noch ein Däne rein, dessen Schiff mindestens genauso lang ist wie unseres. Es passt nicht. Ich muss drei Mal die Leinen verlegen und der Schleusenwärter steht passiv daneben. Eigentlich hätte der Däne nach links müssen, da wäre genug Platz hinter dem kleineren Boot gewesen. Jetzt scheuert unser Burgkorb fast am Schleusentor, der Däne hakt sich mit seinem Anker in unseren Heckanker ein. Danach schrabbt er mit dem Anker über unseren „Prinzessinensitz“ im Heckkorb. Die Felsen seitlich in der Schleuse sind bedrohlich. Ich hab einen Hals und Blutdruck. Zum ersten Mal überhaupt werde ich richtig ausfällig und ich hoffe sehr, dass der Schleusenwärter meine englische Schimpftirade nicht komplett verstanden hat. Der Schaden am Schiff hält sich in Grenzen, weil Walter eilig noch Fender an den Burgkorb und an den Heckanker bindet. Der Sonntag ist gelaufen.

älteste Schleuse in Forsvik

Göta Kanal ältestes Teilstück

Göta Kanal ältestes Teilstück

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_23

Motala – Vadstena – Vättern – Karlsborg

Von Motala nach Vadstena. Die besondere, in allen Seglerposts empfohlene Marina befindet sich im Wassergraben des Schlosses. Charmant aber ein furchtbares Chaos. Schon bzw. noch proppenvoll am späten Vormittag. Zwischendrin noch einige freie Boxen, die aber nicht belegt werden dürfen. Wir fahren zwei An- und Ablegemanöver im engen Wassergraben. Die Recherche im Netz auf dem Buchungsportal ergibt in der Tat noch einen einzigen freien buchbaren Platz. Den QR Code der zum Buchungsportal führt kann man erst am Steg scannen, also wenn das Schiff bereits in der Box fest ist. Ätzend. Den freien Platz buche ich sofort und schon ist das nächste Manöver fällig. Wie einfach wäre es grüne (freier Platz) und rote Schilder (belegt) anzubringen. So wie’s eigentlich weltweit üblich ist. Besser noch im aktuellen Hafenhandbuch den Link zum Buchungsportal aufführen, dann weiß man Bescheid und kann am Vortag buchen.

Abgesehen davon lohnt es sich Vadstena einen Besuch abzustatten. Ich würde jedoch in Motala in der Marina Fahrräder leihen und die sieben Kilometer runterfahren.
Vadstena hat das am besten erhaltene Renaissance-Schloss Schwedens, die Klosterkirche und das Sancta Brigitta Klostermuseum. Die Klosterkirche haben wir besucht, das Schloss und das Museum nicht. Zu viel Mittelalter, mittlerweile.

Vadstena Schloss mit Seglerhafen im Wassergraben

Vadstena Schloss

Katholische Klosterkirche in Vadstena

Dafür sind wir durch die wirklich schöne Altstadt geschlendert, haben eine Bäckerei gefunden und ein wunderbares Sauerteigbrot bekommen. Außer Knäckebrot kann man in Schweden wirklich kein Brot kaufen, es ist pappig, süß und teigig weich. Gute Bäckereien sind eine Rarität und Sauerteigbrot ist ein Magnet, die Kunden stehen bis auf die Straße raus.

Nach einer Nacht im Wassergraben sind wir mit 6 – 7 Knoten flott quer über den Vättern gesegelt und pünktlich zur 11 Uhr Brückenöffnung in Karlsborg angekommen. Nett hier. Am Abend großes Event: Allsång. Der Schweden Lieblingsveranstaltung. Livemusik auf der Bühne und Liederheft für die Besucher zum Mitsingen.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_22

Borensberg-Borensee-Schleusentreppe Borenshult-Motala

Wartebereich vor dem Göta Hotel in Borensberg

Showschleuse von Hand gedreht vor dem Göta Kanal Hotel

Go West!
Heute hatten wir nur eine Schleusentreppe mit fünf Schleusen hintereinander und eine Einzelschleuse. Wartezeit vor der Schleusentreppe in Borenshult genau vier Stunden. Sie ist die steilste Schleusentreppe des Göta Kanals. Sie besteht aus 5 miteinander verbundenen Schleusen mit einer Gesamtfallhöhe von mehr als 15 Metern.
Von wegen der frühe Vogel fängt den Wurm… Pünktlich zur Schleusenöffnung waren wir vor Ort – leider nicht die Einzigen. Wir waren das Siebte ankommende Schiff. Andere sind auch auf den Vogel reingefallen. Hinzukommt, dass die Göta Kanal Touristenschiffe immer Vorrang haben. Eines davon kam von oben und das dauert eben fast 1,5 Stunden mit den fünf Schleusen.

Wartebereich Schleusentreppe Borenshult

Vorrangschiff

Schleusentreppe Borenshult

Wir hatten ja noch Glück, denn die Schleusengruppe nach uns musste rückwärts wieder aus der ersten Kammer raus, weil eines von den Touristenschiffen unten ankam und sofort und auf der Stelle eingeschleust werden musste. Ich glaube ich hätte dem Kapitän und den winkenden Touristen ein paar ziemlich wüste Beschimpfungen hinterhergeschickt.
Wir wurden vom Schleusenpersonal in der fünften Schleuse angewiesen bei der nächsten Wartestelle den Pott passieren zu lassen. Das war das kleinere Übel.
Nun liegen wir in Motala am Vätternsee.
Morgen soll es regnen. Da bleib ich ganz entspannt auf der Matratze liegen – der frühe Vogel kann mich mal!
Ein Tag Pause.

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_21

Roxensee

Roxensee, Göta-Kanal Boot Wilhelm Tham

Norsholm – Berg
22 Schleusen von 58 gemeistert. Wobei die Schleusentreppe in Berg mit insgesamt 7 Schleusen direkt hintereinander halb so wild war. Walter durfte an Bord bleiben und ich musste an Land gehen und mit zwei 15 Meter langen Festmacherleinen von Schleuse zu Schleuse laufen. Heck- und Vorleine über die Metallringe legen. Walter durfte sich den Wolf winschen um die Pille im „Wasserfall“ zu halten. Mein Job war der bessere.
Für das Wochenende ist Gewitter angesagt. Wir bleiben nun 2 Nächte im Hafen in Berg oberhalb der Schleusentreppe. Wäsche waschen und entspannen.

Wartesteg vor der Schleuentreppe Berg

Berg, Schleuse Nr. 3

Bergschleuse Nummer 4

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_20

Visby/Gotland – Loftahammar – Fyrudden – Stegeborg – Mem

Die Tage fliegen nur so dahin. Wir verlassen Gotland nachdem das Sturmtief durchgegangen ist und der Wind moderat aus Nord bläst. Die Wellenhöhe ist mittlerweile auch erträglich; zwischen Gotland und den geschützten Schären liegen über 50 Seemeilen (ca. 95 Kilometer) freier Seeraum, da kann sich schon einiges aufbauen. Fun Fakt: auf der Hinfahrt hatte es uns ziemlich verschaukelt. Achterbahnfahrt. Ein Crewmitglied hat es auf der Toilette ausgehoben und bei der Landung hat’s den Klodeckel gesprengt. Schleudergang halt. Erster Schaden auf der Reise.
Zwischenzeitlich hatten wir einen Stopp in Loftahammar, dann waren wir zwei Tage in Fyrudden. Dort war am Wochenende Hafenfest Halligalli und Fußball Public Viewing bis zwei Uhr morgens. Da sind nur die Harten am Sonntag raus. Am Montag ging es für uns weiter in Richtung Göta Kanal. Herrliches Wetter. Sonne pur. Wind ganz schwach.

Schären zwischen Fryudde und Mem

Nächster Stopp war Stegeborg mit seiner alten Schlossruine. Walter weigerte sich, nachdem er den Eintrittspreis von 70 SEK/Person gesehen hatte, noch weitere mittelalterliche Steinhaufen anzuschauen. Gustav Wasas alte zusammengefallene Hütte mit erhaltenem Schlossturm war ihm grad egal.

Yachthafen vor der Ruine Stegeborg

Von Stegeborg ging’s dann in Mem in den Göta Kanal. Die ersten drei von 58 Schleusen, von haben wir schon geschafft und liegen jetzt als Fotomodell direkt an der Göta Kanal Promenade in Söderköping. Sie ist halt schon schön, die Pille.

Ansteuerung Mem/Göta Kanal

Erste Schleuse im Kanal

Gästehafen Söderköping direkt an der Göta Kanal Promenade

Söderköping, St. Laurentii Kyrka

Söderköping, Glockenturm der St. Laurentii Kyrka

Segelsommer 2026 mit der SY Pille_19

Visby Stadtrundgang_2


Das Sturmtief ist durch. Einmal kräftig durchgeblasen. Der Botanische Garten hat einige alte Bäume eingebüßt und musste zum Teil gesperrt werden. Wir lassen uns nochmals durch die Mittelalterstadt treiben, besuchen Schwedens größten Eisladen u.v.m.



St. Maria Domkirche, Visby

Fiskegränd, Visby
Meist fotografierte Gasse in Visby

Die Stadt Visby bereitet sich auf den nächsten Sturm vor. Auf den Ansturm der Stockholmer Nachwuchs Haute Volée mit ihren fetten Motorbooten und noch fetteren Soundanlagen. Nächste Woche ist Stockholm-Woche. Die ersten Vorboten sind schon da und beschallen den inneren Hafen. Da heißt es Reißaus zu nehmen. Zurück in die Schären an der Ostküste und in Richtung Göta-Kanal.