Guadeloupe_2016_2

Deshaies

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker in der Bucht von Deshaies pumpten wir unser neues Dinghy auf und butscherten zum Steg. Das neue Dinghy ist wesentlich einfacher im Handling (also über die Reling zu wuchten und ins Wasser plumpsen zu lassen), wiegt es doch nur 14 Kilo, das alte hatte mit dem Aluboden über 40 Kilo, aber bei viel Welle haben wir noch keine Fahrt gemacht, wahrscheinlich werden dann klatschnass vom Spritzwasser. (Das heißt, die Gummiwurst ist für Nord- und Ostsee total ungeeignet – das Wasser ist viel zu kalt.) Egal, ich habe mir eh angewöhnt im Body oder Badeanzug zu fahren und mich erst am Dinghysteg umzuziehen. Das hat noch niemanden gestört.

Sunrise in Dehaies

Nachdem wir in der Boutique Pelikan am amtlichen Computer ein- und gleich wieder ausklariert hatten besuchten wir noch den botanischen Garten von Deshaies.

P1110708 (2k)

Eine sehr gepflegte Anlage mit allen möglichen Pflanzen und Bäumen, die in den tropischen Regionen der Welt beheimatet sind. Koi-Karpfen und Papageien durften nicht fehlen. Wobei sich die Papageien in den Käfigen nicht sehr wohl gefühlt haben, einer hatte einen Tick. Er tanzte immer von einem Bein auf das andere und wackelte dabei mit dem Kopf. Armes Viech – im Amazonasgebiet wäre er besser aufgehoben.

P1110736 (2k)

Aber die Touristen wollen die Tiere sehen, mir gefallen sie zugegebenermaßen ja auch.
Morgen segeln wir weiter nach Antigua, nach Jolly Harbour.

Guadeloupe_2016_1

Nach einer Nacht vor Anker vor St.Pierre/Martinique und einem Zwischenstopp in der Prince Rupert Bay/Domenica sind wir gerade in der Bucht von Deshaies/Guadeloupe angekommen. Gestern in der Prince Rupert Bay wurden wir wieder freundlich von einem Guide aus der Crew von Lawrence of Arabia begrüßt. Nein, er hätte für eine Nacht leider keine Boje für uns, wir sollten unseren Anker werfen. In der Bucht hatte das Wasser die Farbe von Milchkaffee und sie war voll mit Kokosnüssen, Blättern und abgebrochenen Ästen. Über Domenica war ein Starkregen niedergegangen, der alles ins Meer befördert hat.

P1110683 (2k)

Am nächsten Morgen brachen wir in Richtung Les Saintes/Guadeloupe auf.

P1110680 (2k)

Wir hatten guten Wind und liefen nicht unter 7 Knoten und deshalb wären wir schon um 11 Uhr dort gewesen. (Eine Menge Kokosnüsse vom Vortag war auch schon da, die hatte die Strömung in die Saintes getrieben). Die Entscheidung zum Weitersegeln nahm uns eine Gewitterwand ab, die direkt über den Saintes hing. Nein, wir wollten heute nicht schon wieder im strömenden Regen ankern. Die Klamotten vom Vortag waren noch klatschnass, da es über Nacht immer wieder geregnet hatte und wir sie deshalb nicht trocknen konnten. Lüften war nicht möglich, im Schiff roch es morgens noch nach Früchtecurry, dazu kam der Schlafgeruch – also nicht angenehm. Wir hielten uns unterwegs so wie so an Deck auf, sodass keinem übel wurde. Unterwegs nach Deshaies hatten wir wieder das volle Windprogramm – erst achterlichen Wind bis zu 20 Knoten, dann drehende Winde und zum Schluss am Wind mit 15 – 17 Knoten und in die Bucht von Deshaies liefen wir mit einem Windgruß von 25 Knoten ein. Mittlerweile hat es sich beruhigt und wir hoffen auf eine ruhige Nacht ohne Ankerwache.

Marinique_2016_12

Es geht weiter. Heute Vormittag um 8:45 legten wir in Le Marin ab und aktuell liegen wir vor Anker in der Bucht von St. Pierre (es lohnt sich, die Geschichte der Stadt nachzulesen, Vulkanausbruch Mont Pélé). Die Bucht ist nicht mein Favorit, nachdem wir im letzten Jahr auch hier waren, habe ich geschrieben, dass ich hier nicht wieder herkommen würde. Es kam nun doch so, dass wir auf dem Weg nach Antigua hier eine Übernachtung einlegen, weil Walter momentan einen kleinen Infekt hat und sich keine Nachtfahrt bzw. Ankunft in der Nacht in der Prince Rupert Bay/Domenica antun wollte. Muss ja auch nicht sein. Wir haben genug Zeitpuffer um Fleur und Dirk pünktlich am Flughafen auf Antigua abzuholen. Bei der Ankunft im Ankerfeld wurden wir bei unserem Ankermanöver sehr genau von einer bretonischen Jacht beobachtet. Die Bretonen sind ja bekanntermaßen begnadete Seefahrer und der Skipper, ein Herr um die Siebzig, hatte die Befürchtung, dass unsere Ankerkette über der seinen liegt. Der Ankergrund fällt hier schnell und stark ab und es ist nicht genau vorherzusagen, wann der Anker greift. Fluchs sprang der Bretone mit Flossen und Schnorchel ins Wasser und tauchte beide Ankerketten ab. Er kam zu uns ans Schiff geschwommen und verkündete, dass er zufrieden sei. Vielen Dank! Das ist uns jetzt noch nie passiert, im letzten Jahr wurden wir in Deshaies von einem Deutschen (Bayern) rüde angepreit, weil ihm unser Ankerplatz nicht passte. Wie wir sehen, geht es durchaus auch anders.

Ankerfeld vor St. Pierre. Links vor uns der hilfsbereite Bretone

Ankerfeld vor St. Pierre. Links vor uns der hilfsbereite Bretone

Martinique_2016_11

Am Freitag, 11.03.2016 wurden wir am Abend wieder ins Wasser gehievt.

Krancrew in Le Marin. Man beachte den Schutzhelm über dem Sonnenhut!

Krancrew in Le Marin. Man beachte den Schutzhelm über dem Sonnenhut!

Das Ruder im Kran hängend wieder einzubauen war wie erwartet etwas nervenaufreibend. Bei der Probefahrt quer durchs Ankerfeld und in Richtung St. Anne waren beide Mechaniker von Mechanique Plaisance an Bord. Zu Dritt hingen sie mit den Köpfen im Motorraum und über der Welle, während ich am Schluss mit 2400 Umdrehungen in Richtung St. Anne gepflügt bin. Unsere normale Reisedrehzahl ist zwischen 1600 und 1800 Umdrehungen, mehr nie. Alle Drei, die Mechaniker und Walter, waren mit dem Ergebnis zufrieden Die Rechnung über die Arbeitszeit der Mechaniker war sehr fair, insgesamt 16 Stunden mussten wir bezahlen. Es waren mehr. Wir verlegten uns zum Runterkommen nochmals für drei Tage in die Marina Le Marin. Am Samstag hatten wir einen netten Abschiedsabend mit Cordula, Andreas, Betty und Ron im Restaurant Ti Toques. Am Sonntag in den frühen Morgenstunden sind Cordula und Andreas los mit Ziel St. Maarten. Auch sie bekommen Besuch über Ostern, das Patenkind hat sich angemeldet. Vielleicht treffen wir sie ja auf St. Maarten nochmals, anschließend geht ihre Fahrt in den Norden und an die Ostküste der USA. Unser Plan geht in die andere Richtung – vorläufig. Wir wissen ja jetzt, dass sich alles schnell ändern kann und Flexibilität ist unser zweiter Nachname.

Marina Le Marin

Marina Le Marin

Martinique_2016_10

Werft Carentantilles

Werft Martinique

Auf der persönlichen Wohlfühlskala 1 (sehr gut) bis 10 (ganz schlecht) muss ich klar die 9 vergeben. Der einzige Grund, weshalb ich keine 10 vergebe ist, dass wir in Frankreich in der Normandie und der Bretagne viel üblere Duschen und sanitäre Anlagen zur Verfügung hatten als hier. Ansonsten, sachlich betrachtet, ist die Werft in Ordnung. Neue Travelllifts, das ganze Werftgelände hat einen Betonboden und es ist um das Schiff sauber. Natürlich haben wir überall den Schleifstaub der umliegenden Schiffe, aber das ist normal.
Wir wurden am Mittwochnachmittag, 09.03. nach fast vier Wochen Wartezeit, aus dem Wasser gehoben. Die beiden Mechaniker von Mechanique Plaisance waren vor Ort und haben unser Ruder gezogen als wir noch in den Gurten des Travelllifts hingen. Es ging um Millimeter, weil der Lift unsere Sunrise gar nicht so weit hochheben konnte, wie erforderlich gewesen wäre um das Ruder zuziehen. Irgendwann war Schluss und wir hätten gut und gerne noch 5 cm Höhe gebraucht. Irgendwie haben sie das Ruder dann rausgeruckelt. Es ging flott weiter mit dem Ziehen der Antriebswelle und dem Demontieren der flexiblen Kupplung. Am Donnerstag dann der nächste Tiefschlag. Der Oberhäuptling Jean-Paul teilte und mit, dass unsere Welle eine leichte Unwucht hat, vorne und hinten je 0,15 mm und mittig 0,3 mm. Er weigerte sich, diese Welle wieder einzubauen, weil die Toleranz 0,1 mm sei. Wir sollen entscheiden: Alte Welle und keinerlei Garantieleistung auf sämtliche Reparaturen, oder neue Welle (die er zufällig am Lager hat) und volle Garantieleistung. Weshalb nur hatten wir das Gefühl hier klassisch über den Block gezogen zu werden? Wir haben entschieden, dass wir weitere 750 Euro in die Hand nehmen und die neue Welle kaufen. Zuvor hatten wir noch in der Werft Hooksiel angerufen ( der Werftmeister meinte, dass die 0,3 mm nicht die Ursache unserer Vibrationen sein müssten) und ein Gutachter, den Andreas für uns angerufen hat, meinte dass man die Welle richten könnte. Beides fand hier keinerlei Gehör – deshalb die Entscheidung für die neue Welle. Seit zwei Tagen sind die Mechaniker nun dabei unseren Motorblock neu auszurichten, dass der Winkel zur Welle passt.

Mechanique Plaisanse

Die Stellschrauben waren irgendwann zu Ende, sodass der Sockel mit 2 cm Hartholz unterlegt wurde. Das ist der aktuelle Stand. In drei Stunden ist unser Lifttermin um wieder ins Wasser gehen. Das Ruder liegt noch unterm Schiff und der Goripropeller liegt noch in der Werkstatt. Bleibt spannend – bzw. eher ätzend.

Werft Martinique 2

Martinique_2016_9

Das neue Dinghy mit dem 5 PS Honda Außenborder ist da. Bei der Probefahrt war alles in Ordnung. Wie auch beim alten Dinghy kommt etwas Spritzwasser über und man/frau bekommt einen nassen Hintern.

Neues Dinghy (1)

Martinique_2016_8

Waldspaziergänge bzw. das Wandern ist auf Martinique ganz sicher nicht die Sportart der ersten Wahl. Auf unseren Spaziergängen im Landesinneren waren wir immer alleine unterwegs. Die Geräusche sind gewöhnungsbedürftig, überall knarzt und raschelt es. Viele Fallen (Rattenfallen?) sind aufgestellt und ab und zu zweifelt man an seinen Sinnen. Hat sich da gerade ein Blatt über den Weg bewegt? Oder eine halbe Nussschale? Wenn einem dann aber eine Muschel direkt vor die Füße kullert, dann wird man schon aufmerksam. Die Muschel richtet sich ganz langsam auf und es kommen immer mehr behaarte Füßchen zum Vorschein. Es ist ein Einsiedlerkrebs, der Fahrt aufnimmt und vor Walters bedrohlicher Sandale die Flucht ergreift.

Einsiedlerkrebs -oder die rasende Muschel im Regenwald

Einsiedlerkrebs -oder die rasende Muschel im Regenwald

Einsiedlerkrebs

Einsiedlerkrebs

Martinique_2016_7

Der nächstmögliche Krantermin ist der 09.03.2016. Zur Überbrückung haben wir uns nochmals für vier Tage einen Mietwagen genommen.
Am ersten Tag fuhren wir in den Norden um dort in der Nähe des Vulkans Pélé eine Regenwald-Wanderung zu machen.

Landesinnere von Martinique, im Hintergrund der Vulkan Pélé

Landesinnere von Martinique, im Hintergrund der Vulkan Pélé

Zuvor irrten wir jedoch, mit dem miserablen Stadtplan von Fort de France durch eben diese Stadt. Wir kamen unfallfrei durch, aber den Vertragspartner unserer EFOY Brennstoffzelle haben wir unter der angegebenen Adresse nicht gefunden. Wir brauchen zwei neue Kanister Methanol, aber das scheint hier ein Problem bzw. ausgeschlossen zu sein. Unser Ansprechpartner bei Mechanique Plaissance hier in Le Marin, hat ebenfalls versucht unter der gelisteten Telefonnummer anzufragen. Die Nummer existiert zwar, aber nur als Anrufbeantworter und der ruft halt einfach nicht zurück. Das gleiche Spiel hatten wir im letzten Jahr bereits auf Guadeloupe getrieben, auch damals erfolglos. Die Brennstoffzelle ruht mangels Futter in der Karibik, obwohl uns auf der Düsseldorfer Messe versprochen wurde, dass die Versorgung mit Methanol-Kartuschen weltweit möglich ist. Eben nicht. Nächste Chance besteht auf St. Barths. Abwarten.

Die Regenwaldwanderung im Norden von Martinique machte ihrem Namen alle Ehre. Derzeit ist es atypisch feucht hier, es regnet immer mal wieder und deshalb sind die Wanderwege total vermatscht bzw. aus Sicherheitsgründen gleich mal gesperrt. So auch unserer. Aus der Wanderung wurde ein kurzer Spaziergang von ca. 1,5 Kilometern, aber danach sahen wir aus, als ob wir den Wald zu Fuß umgepflügt hätten.

Martinique, links Trois Ilets, rechts Fort de France

Martinique, links Trois Ilets, rechts Fort de France

Zum Ausgleich ging es zum Sonnenuntergang nach St. Anne.

Martinique, Ankerfeld vor Ste Anne, im Hintergrund Rocher du Diamant

Martinique, Ankerfeld vor Ste Anne, im Hintergrund Rocher du Diamant

Am Samstag fuhren wir querfeldein über die kleinsten Sträßchen, machten hin und wieder Fotostopps

Martinique Nord 2

und erreichten am späten Nachmittag die Touristenhalbinsel Trois Ilets und Le Diamand. Abendessen gab es mal wieder außer Haus in Ste Luce. Leckeres Menü mit Crevetten und Dorade.
Am Sonntag dann zog es uns auf die Atlantikseite auf die Halbinsel Presque´Ile de la Caravelle. Dort, rund um das nette Dorf Tartane gibt es einige gut ausgeschilderte Wege durch das Naturschutzgebiet. Hier ist auch der Surfer-Hotspot von Martinique. Die Jugend trifft sich hier zum Wellenreiten. Die Strände sind weitläufig und durch Riffe geschützt.

Presque´Ile de la Caravelle

Presque´Ile de la Caravelle

Halbinsel Presque´Ile de la Caravelle

Halbinsel Presque´Ile de la Caravelle

Am Montag fuhren wir direkt von hier aus Richtung Landesinnere und fanden, nachdem wir zwei Mal umdrehen mussten, doch tatsächlich und rein zufällig an einer völlig unerwarteten Stelle unseren Wanderparkplatz am Circuit de Montravail. Der Spaziergang durch den Wald war ganz entspannt, ohne größere Matschlöcher und durchaus gut ausgeschildert. Aufgrund der Tatsache, dass der Parkplatz riesengroß ist und ein Teil als Busparkplatz ausgewiesen ist vermuten wir, dass hier auch die Kreuzfahrttouristen in den Genuss des ursprünglichen Martinique kommen können. Teilweise erinnert uns das Landesinnere mit seinen vielen Schluchten an Madeira. Nur auf Madeira blüht es vielfältiger, hier sieht man nur hin und wieder eine Helikonie blühen.

Martinique_2016_6

Es gibt Tage, da hat man/frau selbst in der Karibik die Schnauze gestrichen voll! Diese Aussage ist zwar nicht druckreif, trifft aber voll ins Schwarze. Seit heute Nachmittag steht fest, dass wir die Sunrise schon wieder aus dem Wasser holen müssen, damit der Mechaniker (you can trust him, he is the best in the caribean – abwarten) die Welle ziehen kann. Natürlich muss dazu wahlweise das Ruder raus oder der Gori-Propeller demontiert werden. Das alles, weil Raimond und Kevin in Trinidad keinen Plan von ihrem Job hatten und konfus vor sich hin gewurstelt haben. Die Welle muss deshalb raus, weil der Mechaniker alles, wirklich alles nochmal prüfen muss. Das Wellenlager, die Stopfbuchse, die Verbindung zur flexiblen Kupplung und die Verbindung dieser zum Motor und, und, und. Volles Programm, zu 70 Euro/Stunde Arbeitszeit, Travellift 716 Euro. Er sagt, dass es keinen Wert hat, im Wasser liegend mal hier, mal dort zu schrauben. Leider hat er Recht. Wir müssen uns auf drei unkomfortable und teure Werfttage einstellen.

Martinique_2016_5

In sechs Schritten zum seewasserdichten Elektromotor für die Ankerwinsch

In sechs Schritten zum seewasserdichten Elektromotor für die Ankerwinsch

Wenn´s nur so einfach gewesen wäre, wie es auf dem Bild aussieht. Der erste Versuch in Trinidad den mitgebrachten neuen Elektromotor für die Ankerwinsch seewasserfest einzupacken ging schief. Peer hing bei brütender Hitze und zu fortgeschrittener Zeit mit zornesroter Birne kopfüber zusammengefaltet im Ankerkasten oder wahlweise in der Segellast. Die für diesen Zweck, also Isolierung des Motors, mitgebrachte Tupperdose war einfach zu labil. Außerdem versagte der Elektromotor den Dienst, nachdem wir gefühlte 2 Tuben Silikon zur Abdichtung verspritzt hatten. Kabelbruch. Aus die Maus, rien ne va plus. Die Idee immer noch lauwarm, aber die Tupperdose war hinüber. Somit musste sie nebst dem kompletten, halb abgebundenem Silkonbaaaaz wieder raus. Eine riesengroße Sauerei, überall Silikon. Peer und Walter komplett verschmiert und ich, wobei ich mich gar nicht am Schauspiel beteiligt hatte, habe auch ein Poloshirt eingebüßt. Der Elektromotor wurde mit neuen Kabeln versehen und provisorisch mit der mitgebrachten, selbstklebenden Dachdeckerfolie umwickelt. Ein erster Schritt zur Dichtigkeit. Was sich jedoch nach zwei Wochen Amwindsegeln als schlechte Lösung für unser Problem erwies. Die Dachdeckerfolie konnte dem Wasserdruck des Salzwassers nicht standhalten und fand sich am Boden des Ankerkastens wieder. Unser Bordingenieur Gerard entwickelte den Plan einer wasserdichten Ankermotorbox mittels handelsüblichem Abwasserrohr. Ein guter Plan, aber für uns schwerlich durchführbar, da die handelsüblichen vier Meter langen Abwasserrohre für uns ein unlösbares Transportproblem darstellten. Man stelle sich nur vor, beim Überqueren der Straße: Elke wäre schon drüber gewesen und Walter hätte erst noch schauen müssen, ob ein Auto kommt; und das für 13 cm benötigtem Rohr. Mr. Bricolage (Baumarkt) war nicht willens und bereit uns ein kürzeres Stück zu verkaufen. So sahen wir uns im Baumarkt nach einer Alternative um und fanden einen pinkfarbenen Kosmetikeimer mit dem gewünschten Durchmesser von 20 cm und als Deckel einen Plastiktopfuntersetzer im Durchmesser von 21 cm. Und viel Silikon. Das Projekt „Walter faltet sich in den Ankerkasten“ fand ganz und gar nicht meine Zustimmung, aber es nützte nichts. Er musste und wollte es selbst machen. Mit 171 cm Körpergröße, davon ca. 50 cm Wirbelsäule versteift und die Operationsfolgen noch nicht ausgeheilt, eine an sich hirnverbrannte Aktion. Zwei Tage Arbeit. Am ersten Tag zuschneiden des Kosmetikeimers; d.h. auf Länge kürzen und den Boden raussägen. Gut dass wir einen Deltaschleifer und einen Akkubohrschrauber an Bord haben. Diesen Resteimer dann an die Grundplatte von der Ankerwinsch geschraubt, alles kopfüber und ohne Platz zum Hantieren. Das Ganze dann mit viel Silikon umschmiert. Walter war bis zu den Ellenbogen im Silikon. Die Wahl fiel dieses Mal auf schwarzes Silikon, was auf weißer Haut besonders gut zur Geltung kommt. Silikon von der Haut und von unter den Fingernägeln abzukriegen – ausgeschlossen. Wir werden auf Monate hinaus Trauer tragen! Wegschneiden und rauswachsen lassen. Die Konstruktion durfte über Nacht abbinden und am zweiten Tag ging es weiter mit dem Blumentopfuntersetzer. Löcher für die Kabeldurchführungen wurden gebohrt, natürlich sprang die Sch…. gleich beim ersten Bohrloch und musste mit Sekundenkleber gerettet werden. Letztendlich waren dann die drei Löcher im Deckel für die Kabeldurchführungen. Zwei für die Kabel und eines zur Kontrolle ob sich tatsächlich kein Seewasser in den Eimer presst und wenn ja, kann man aufschrauben und ablassen. Soweit der Plan. Deckel auf den Eimer und mit viel Silikon verschmiert. Auf den Bildern hebt sich der schwarze Silikonbaaaz wunderbar vom pinkfarbenen Eimer ab. So eine Konstruktion ist einmalig auf der Welt. Ich muss der Schöchl Werft echt die Bilder schicken, vielleicht kriegen wir einen Award für die Innovation.