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Blue Mountains, Jamaika

Blue Mountains, Jamaika

Walter hat heute seine eigene Rallye gefahren und gewonnen. Von Port Antonio nach Buff Bay und von da aus über die B 1 (keine Straße, eher eine Offroad-Piste) in die Blue Mountains rein, runter nach Kingston und über die A 3 zurück über Annotto Bay, Buff Bay nach Port Antonio. Fahrzeit insgesamt 7 Stunden. Unser eigentliches Ziel war das Old Tavern Coffee Estate der Familie Twyman in den Blue Mountains. Harte Arbeit für Fahrer und Auto dort hin zu gelangen. Oftmals ist die B 1 aufgrund von Erdrutschen oder sintflutartigen Regenfällen gesperrt, heute hatten wir Glück. Unterwegs wurden wir fast erschlagen von der Schönheit der Natur. Grüne Wildnis, Bachläufe, Wasserfälle, tiefe Schluchten u.v.m.

Blue Mountains

Blue Mountains

Blue Mountains

Wir benötigen zwar 2 1/2 Stunden bis nach Section und mussten nur ein einziges Mal nach dem Weg fragen um die Kaffeeplantage zu finden. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen und mit handgepflücktem, handverlesenem und vor Ort geröstetem Kaffee bewirtet. Köstlich mundend und darüber hinaus kostenlos. Die Kaffeerösterei sieht eher nach einem Gartenhäuschen aus, als nach einem Betrieb der seinen Kaffee weltweit verschickt. 227 Gramm für 27 US-Dollar. Wer mehr über die Old Tavern Coffee Estate wissen möchte, das www weiß mehr. Im Anschluss an die Kaffeeverkostung durften wir uns frei im Gelände der Plantage bewegen. Es ist beileibe nicht so, dass die Kaffeesträucher in Reih und Glied stehen, nein sie sind wild im bergigen und von Schluchten durchzogenen Gelände verteilt. Ein Wahnsinnsaufwand die reifen Bohnen einzeln abzupflücken und zum Gartenhäuschen zu schaffen. Dort werden sie von Hand verlesen, sortiert und geröstet.

Kaffeebohnen

Kaffeebohnen

Old Tavern Coffee Estate

Old Tavern Coffee Estate

Wir nahmen noch ein Päckchen vom medium gerösteten Kaffe mit, ließen uns den Weg in Richtung Kingston erklären und fuhren weiter. Nach wenigen Kilometern hatten wir die „Passhöhe“ überwunden und von da an ging es auf der Südseite der Blue Mountains bergab. Einen weiteren Stopp mussten wir noch im GAP-Café, hoch in den Bergen über Kingston, mit herrlichem Ausblick über die Stadt einlegen. Eine weitere Portion Blue Mountain Kaffee war fällig. Leider war es sehr neblig und kalt und wir konnten Kingston mehr erahnen als sehen und haben zum ersten Mal in der Karibik richtig heftig gefroren. Unten in Kingston angekommen hatten wir alle Mühe uns im Verkehrschaos zurecht zu finden. Die vierspurige Einfallstraße war komplett dicht. Zwischen der Autolawine irrten fliegende Händler, Autoscheibenputzer, Fußgänger, Fahrradfahrer entgegen der Verkehrsrichtung fahrend und völlig losgelöste Motorradpiloten umher. Und wir mittendrin ohne Navi und detaillierte Straßenkarte. Zweimal fragen und dabei in einer Tankstelle einen kleinen ratlosen Menschenauflauf (nie was von Port Antonio oder der Straße A3 zur Nordküste gehört) hinterlassend, sind wir der Blechlawine entkommen. Der Retter erschien in Form eines Linienbusses auf dem Port Antonio – Kingston stand. Wir waren auf dem richtigen Weg gewesen, aber der Bus machte uns die Straßen frei und Walter hatte alle Mühe dem Bus hinterher zu kommen. Wir hätten ohne den Bus als Wegbereiter sicherlich für die Fahrt quer durch Jamaika die doppelte Zeit benötigt.

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James Bond Beach in Oracabessa

James Bond Beach in Oracabessa

Die heutige Tour führte uns an der Nordküste entlang bis nach St. Ann´s Bay und zurück. Über die besuchten Orte Oracabessa, Ocho Rios, St. Ann´s Bay kann ich nicht viel schreiben. Oracabessa hat den privaten James Bond Beach, Ocho Rios ein Kreuzfahrt-Terminal und entsprechend viele Verkaufsstände und St. Ann´s Bay besteht hauptsächlich aus Marktständen. Unsere Begeisterung für Jamaika hält sich noch in Grenzen. Ja, es gibt schon schöne Orte, wie zum Beispiel bei Oracabessa den James Bond Beach (privat und kostet Eintritt), aber alles was nicht „Privat Property“, speziell für Touristen organisiert oder Ressortanlage ist, ist nicht ganz so prall.

St. Ann´s Bay

Markttreiben in St. Ann´s Bay

Markttreiben in St. Ann´s Bay

Die Strände sind voller Plastik- und sonstigem Müll und die Ortschaften sind chaotisch. Die Straßen in Richtung Westen sind recht gut, sehr viel besser als die in Richtung Osten. Gestern mussten wir im Slalom um die riesigen Schlaglöcher kurven und trotzdem hatten wir heute auf der Rückfahrt eine Reifenpanne hinten rechts. Der Mietwagen hatte einen neuen vollwertigen Ersatzreifen, aber das Radkreuz passte nicht auf die Radmuttern – keine Chance die aufzubekommen und unterwegs den Reifen zu wechseln. Die überall lauernden Helferlein waren auch sofort und ungebeten zu Stelle; konnten uns mit dem falschen Werkzeug auch nicht helfen, forderten aber umgehend ein Trinkgeld. Für was eigentlich, den guten Willen? Walter hat ihm JMD 500,– (EUR 3,50) gegeben – das Helferlein war aber nicht zufrieden damit. Besser wir hätten ihn am Straßenrand stehen lassen, so hätte er wenigstens einen Grund zum Nörgeln gehabt. Wir überdenken unser freundliches Auftreten gegenüber den Wegelagerern die uns ungebetene Dienste zukommen lassen wollen.
Die sechs Kilometer bis nach Ocho Rios sind wir mit dem platten Reifen gefahren und haben an einer Tankstelle Hilfe bekommen. Hier wiederum waren die Mitarbeiter ausgesprochen hilfsbereit und haben mit dem Pressluftschrauber die Radmuttern aufbekommen und flink das Ersatzrad drauf gezogen. Auf die Frage, was wir schuldig seien kam ein zaghaftes JMD 500,00.

Mietwagen Reifenpanne

Unterwegs an der Nordküste Jamaikas

Unterwegs an der Nordküste Jamaikas

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Am Montag und Dienstag hatte es immer wieder in Strömen geregnet, sodass wir überwiegend auf dem Schiff geblieben sind. Am Dienstag hatten wir den ganzen Tag irgendwas rumgewerkelt und nicht die geringste Lust ins Städtchen zu gehen. Uns geht der CD-Verkäufer mit seinen Kumpels auf den Zeiger – nicht nur, dass er uns CDs mit Radiomitschnitten untergejubelt hat, dabei hatte er gesagt, dass auf den CDs seine Musik drauf sei, nein, er hat auch noch seine Kumpels auf uns angesetzt. Die lauern am Marinaausgang. Der eine wollte am Montag Geld um sich Reis zu kaufen, der nächste hat wohl ein Auto und wollte sich als Taxifahrer und Guide verdingen. Dem Hungrigen habe ich ein Kilo Reis gekauft – er war nicht so richtig zufrieden. Der Guide ging leer aus, weil wir uns heute einen Mietwagen genommen haben und die Fahrten zu den Hotspots des Marco Polo Reiseführers selbst machen. Immerhin verdient der Mietwagenverleiher in Port Antonio was.
Heute war der Nordosten von Jamaika auf dem Tagesplan und wir haben einige „Insider“-Tipps und Hotspots aufgesucht. Das Mocking Bird Hotel in den Hügeln hinter Port Antonio hat derzeit keine Gäste und deshalb ist auch das empfohlene Mille Fleur Restaurant geschlossen. Falls wir uns dort ein Sternemenü servieren lassen wollen, müssen wir zwei Tage vorher anfragen, ob sie das Restaurant gegebenenfalls öffnen. Der supertolle Strand Frenchman´s Cove kostet U$ 10,00 Eintritt pro Person und das war uns für eine Fotosession zu teuer. Die aus vielen Filmen bekannte Blue Lagoon ist für die Öffentlichkeit eigentlich nicht mehr zugänglich. Guides bieten zwar an mit dem Bambusfloß in die Lagoon zu stochern, was aber verboten ist, weil die Korallen dadurch beschädigt werden. Alte Fischerkähne liegen ebenfalls zur Fahrt in die Blue Lagoon bereit, ohne uns. Nächster Stopp war Winnifred´s Beach, frei zugänglich und in einer schönen Bucht gelegen.

Winnifred´s Beachbar und Grill

Winnifred´s Beachbar und Grill


Winnifred´s Beach Bar

Winnifred´s Beach Bar

Der Strand ist mit Hütten zugepflastert und die Bar und Grillbetreiber schlagen sich fast um die wenigen Gäste. In den 1980igern Jahren waren es Zelte von deutschen Aussteigern, die sich dort niedergelassen hatten. Jetzt fehlen die Individualreisenden überall, was wir besonders beim nächsten Stopp, den Reach-Falls, feststellen konnten.

Reach Falls Jamaika

Reach Falls Jamaika

Außer uns waren noch fünf weitere Gäste da, die sich von den Lifeguides den Wasserfall hinauf führen ließen. Ich habe eine Einzelführung bekommen, weil Walter mit seinem Rückenimplantat diese glitschige und nasse Aktion nicht mitmachen konnte. Am Einstieg steht gleich eine Mutprobe an, nämlich unter dem Wasserfall hindurch laufen in eine dahinterliegende kleine Höhle rein, durch diese durch und ans Tageslicht zurück und rechts am Wasserfall entlang hochklettern und ins erste ausgewaschene Felsbecken rein. Nach dem ersten Temperaturschock war es ein wunderbares Gefühl im tiefblauen reinen Gebirgswasser zu schwimmen. Der Lifeguide ist immer in der Nähe und achtet auf die Sicherheit. Am Rad des Wasserfalls läuft ein Trampelpfad, sodass Walter meine Plantschaktionen bewundern und fotografieren konnte. Natur pur, was will man mehr.

Naturschwimmbad Reach Falls

Naturschwimmbad Reach Falls

Reachfalls (15)

Reach Falls

Reach Falls

Naturschwimmbad Reach Falls

Naturschwimmbad Reach Falls

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Heute haben wir uns zwei Mal charmant über den Block ziehen lassen. Zuerst hatten wir wieder Besuch vom Bananaman mit seinem Bambusfloß.

Bananaman

Nachdem wir ihn am Freitag mit der Begründung noch kein Geld zu haben weggeschickt hatten, war er heute zuverlässig wieder zur Stelle. Für seine sweet bananas (noch giftgrün)

Banana

wollte er 5 US $ – das war uns zu viel und außerdem erklärten wir ihm, dass wir keine US $ haben, sondern jetzt Jamaika Dollars. Er hat uns dann 350 JMD aus der Rippe geleiert und zwei Dosen gekühltes Bier. (Er wolle ein Bier, aber das Bier aus Curacao war ein Fehlkauf und deshalb bekam er zwei Dosen). Er erzählte uns, dass er eine deutsche Freundin in Bremen habe und auch schon in Bremen war.

Port Antiono Town

Am Nachmittag machten wir einen weiteren Spaziergang durch Port Antonio und wurden auf dem Rückweg von einem älteren Rasta angesprochen, der uns erzählte, er hätte uns beobachtet und positive vibes empfangen und uns auf den Kopf zugesagt, dass wir aus Deutschland kommen. Die Trefferquote war hoch, es liegen aktuell zwei deutsche und eine österreichische Jacht in der Marina. Er erzählte ebenfalls von einer deutschen Freundin in Stuttgart-Feuerbach und dass er vor langer Zeit in Stuttgart war und mit der S-Bahn zur Stadtmitte gefahren sei und dort old-school-reggae-music gemacht hat. Praktischerweise hätte er auch CDs mit seiner Musik da und würde uns gerne eine CD verkaufen. JMD 2000,00, rund 13 Euro. Zu viel. Da wir „deutsche Freunde“ waren bekamen wir dann 2 CDs, eine old-school und eine mit lovers-reggae.
Am Abend waren wir im Marinarestaurant zum Abendessen und ein weiterer CD Verkäufer erschien und wollte uns CDs mit original-old-school-reggae andrehen. Da wir nicht im Stundentakt CDs bzw. Raubkopien erwerben wollten, mussten wir ihn leider wegschicken. Ob er auch eine deutsche Freundin hat haben wir ihn vorsorglich nicht gefragt.
Mädels aus den 70igern, ihr wart ja ganz schön krass drauf – auf jeden Fall habt ihr zur Völkerverständigung einiges beigetragen.

Port Antonio Beach

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Port Antonio hat zwei Gesichter. Die schöne Bucht und das für karibische Verhältnisse gepflegte Umfeld um die Marina und im Gegensatz dazu die lärmende, stinkende (viel Verkehr) und wuselige Stadt.
Wir machten heute einen zweiten Anlauf um Geld aus dem ATM (Bankomat) zu ziehen. Heute war ein guter Tag, der Automat spuckte Jamaica-Dollar aus. Eine gewöhnungsbedürftige Währung. Ein Tütchen mit 6 Tomaten kostet 150 JMD, das entspricht ungefähr einem Euro. Da wir nun zahlungsfähig waren nutzten wir die Gelegenheit durch die Hauptstraße, die gleichzeitig Marktplatz und Hauptdurchgangsstraße ist, zu tingeln.

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio Hauptdurchgangsstraße

Port Antonio 2

Da Walter viel fotografierte kamen wir nur langsam voran und wurden sogar von den gechillten Jamaikanern geschoben und überholt. Sehr oft wurden wir angesprochen, woher wir kommen, wohin wir gehen und ob uns Jamaika gefällt. Die Menschen, so arm sie teilweise auch sind, sind sehr freundlich und hilfsbereit. Ein Ladenbesitzer kam sogar auf uns zu und zeigte den Hügel hoch und meinte, das beste Foto von Port Antonio könnten wir machen, wenn wir zum Hospital* hochlaufen würden. Von hier aus kann man die ganze Bucht und die Stadt überblicken. Gesagt, getan. Auf dem Rückweg wurden wir von einer Marktfrau angesprochen die uns darauf hinwies, dass es hier nicht nur gute sondern auch einige böse Jungs gibt und dass wir vorsichtig sein sollen. Es stimmt schon dass auch aggressive Typen rumlaufen, die haben was Falsches geraucht oder eingeworfen. Kurz vor Sonnenuntergang gingen wir zurück in die Marina. Sicher ist sicher.

*Port Antonio Hospital
Da wollten wir so und so hin um für Walters Schwester Fotos zu machen. Ihr Schwager war vor über 30 Jahren für ein Jahr im Hospital beschäftigt und Walters Schwester und ihr Mann verbrachten damals einen verlängerten Urlaub auf Jamaika und Port Antonio. Ich wette es hat sich nicht viel verändert.

Port Antonio Hospital

Port Antonio Hospital

Blick vom Hospital über die Bucht

Blick vom Hospital über die Bucht

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Jamaika Port Antonio

Angekommen in Port Antonio. Verwundert stellen wir fest, dass das Mooringfeld direkt vor der Errol Flynn Marina völlig leer ist. Wir bekommen sogar einen der 18 Gastliegeplätze direkt in der Marina. George der Verwalter der Marina ist überaus zuvorkommend und bringt uns sofort einen Berg von Formularen zum Ausfüllen. Wir müssen nirgends hin, die Behördenvertreter vom Zoll, der Immigration und der Quarantänebehörde stehen innerhalb von 15 Minuten am Schiff und ich bin immer noch am Ausfüllen. Die freundlichen Herren nehmen schon mal Pässe, Bootspapiere, Versicherungsdokumente und die ausgedruckten Crewlisten mit. Nach kurzer Zeit stehen sie schon wieder am Steg und ich bin immer noch am Ausfüllen. Ein Blatt nach dem anderen wandert vom Bauch der Sunrise raus und wird über den Steg gereicht. Der Zollbehördenvertreter stellt sich etwas dusslig an und versenkt gleich mal eine ausgefüllte Seite, Walter ist mit dem Pickhaken zur Stelle und fischt sie wieder aus dem Wasser. Nach und nach wird uns auch klar, weshalb sich die netten Herren vehement weigerten an Bord der Sunrise zu kommen um die Verwaltungsaktion bequem am großen Esstisch abzuwickeln. George der Verwalter steht grinsend an der Seite und flüstert Walter zu, dass es gut ist, dass bei uns die Quarantäneflagge noch an der Steuerbordsaling wimpelt, dann nämlich dürfen die Behörden nicht an Bord. Pest und Cholera drohen! Die Freigabe, also das Einholen der Quarantäneflagge darf nur der Quarantäne-Officer erteilen und der war nicht ganz so schnell zur Stelle. Der Quarantäne-Officer scheint immun gegen Pest und Cholera zu sein und kommt kurz danach an Bord. Wir wissen, dass wir kein frisches Obst, Gemüse und Fleisch einführen dürfen und deshalb ist auf dem Papier auch nichts mehr da. Der Officer ist hoch zufrieden mit uns und lässt sich noch unser System mit den Toiletten erklären. Ja, wir haben einen Holding Tank für die Toiletten und ja der ist auch leer und zu. Wir gehen hier in der Marina zur Toilette. Danach erteilt er uns die Erlaubnis die Quarantäneflagge einzuholen und die Jamaikaflagge zu setzen. Nun sind wir offiziell da und dürfen auch aufs Klo, also an Land.
Am Nachmittag stellen wir uns in die Bankautomatenschlange und bekommen mit der VISA Karte kein Geld – an zwei verschiedenen Banken. Es gibt eine dritte Bank in Port Antonio, dort versuchen wir es morgen. Everything`s gonna be alright!

Bonaire – Jamaika

Mooringfeld vor Kralendijk/Bonaire

Mooringfeld vor Kralendijk/Bonaire


Kralendijk Bonaire

Nach einer Stippvisite auf Bonaire (Freitag bis Sonntag) machten wir uns auf den Weg nach Jamaika. Den frisch gepflegten Schiffsmotor hatten wir auf der Strecke von Curacao nach Bonaire getestet. Er läuft gut, rund und alle getauschten Filter sind dicht. Die Fachleute von Wetterwelt sagten sehr gemäßigten Wind und Welle unter 1,2 m voraus. Für die über 600 Meilen lange Strecke nach Jamaika gute Bedingungen, zwar langsam, aber schlaglocharm. Für den ersten Schlag nach der halbjährigen Segelpause gut. So war wenigstens an Nachtschlaf zu denken. Der erste Tag auf See verlief wunderbar, bis zu dem Zeitpunkt als wir für die Nacht das Großsegel verkleinern wollten. Dieses Segel bringt uns noch um den Verstand – und es liegt nicht am Händling, die ersten Jahre ließ es sich ja auch wunderbar wegrollen. Mittlerweile ist das Segel etwas zu bauchig geworden, ist ja im Alter so, und so kam es mal wieder vor, dass sich beim Einrollen eine dicke Falte in die Mastnut zog und nichts mehr vor oder zurück ging. Mast frisst Segel. Kennen wir ja. Walter ließ sich überreden mich im Bootsmannstuhl am Mast entlang hochzuziehen damit ich mit dem Holzkochlöffel die Falte in die Mastnut drücken konnte. Es ging schwer, aber es ging und es war eine ziemliche Schleudertour. Für so eine blödsinnig überflüssige Aktion sind auf See mindestens 4 Arme und Hände zum Festhalten von Nöten. Wieder runter vom Mast, rollten wir das Segel aus und wieder ein und die Falte zog sich wieder rein. Die Sonne war mittlerweile fast untergegangen, Walter nahm HB-männchenartige Züge an, beschloss auf See keine weiteren Aktionen zu machen und nun steht das Großsegel mit einem Viertel seiner Segelfläche unbeweglich. Richtig doof, wenn man noch 500 Meilen vor dem Bug hat und das Großsegel ausfällt. Der Wind ließ immer mehr nach, zeitweise bis zur totalen Flaute, sodass wir jetzt schon 35 Stunden mit dem Motor mitschieben mussten. Zwischenzeitlich, Mittwoch 9:00 Uhr Lokalzeit, haben wir noch knapp 200 Seemeilen und kommen nach der Berechnung am Freitag um die Mittagszeit an. Nachtschlaf: erste Nacht ganz schlecht, zweite und dritte Nacht gut bis sehr gut. Wachwechsel im bewährten 6 Stunden-Rhythmus.

(Anm. d. R.: das Versenden von Mails mit dem Maritime Mobile Radio Service klappt prima)

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Test der elektronischen Instrumente
Vor diesem Check hatten wir die größte Sorge und deshalb haben wir dies bis heute hinaus geschoben. Von den Navigationsinstrumenten GPS, Windmesser, Tiefenmesser, UKW Funk und AIS wussten wir schon seit dem Einwässern dass sie funktionieren. Heute montierten wir den Kartenplotter mit den aktuellen Navionics-Karten, testeten ob der Windowsrechner noch willig ist als Tochter des Plotters zu arbeiten und testeten das Radar. Alles gut. Dieses Mal kein Problem mit korrodierten Steckern bzw. dem Kabelsalat.
Das Testen der Kurzwellen-Funke ICom 802 und dessen Schwester Pactor IV Dragon (Drachen!!!) DR-7400 haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben. Das ist bei uns an Bord nämlich ziemlich tricky, schalten wir die Funke an und versuchen eine Verbindung über das Airmail-Progamm aufzubauen, kommt es schon mal vor, dass der Bilgenalarm angeht oder das Bugstrahlruder anspringt. So müssen die üblichen verdächtigen Sicherungen zunächst mal ausgeschaltet werden, auch das Notebook darf nicht am 12 Voltanschluss dran sein, sondern muss auf Accu laufen und erst dann können wir die Funke und den Pactor einschalten und eine Verbindung aufbauen lassen. Auf der Nerv-Scala von 1 bis 10 klar auf 10, also nervig wie von hier bis zum Mond und zurück. Soweit so gut, die Funke ging und der Pactor blinkte auch mit seinen bunten Lichtlein – nur das sehr wichtige blaue Lichtlein wollte partout nicht dauerhaft leuchten. Dauerblau zeigt nämlich an, dass der Pactor über Bluetooth mit dem Notebook verbunden ist und genau das ist das Wesentlichste überhaupt! Keine Verbindung zwischen Notebook und Pactor, das heißt auch keine Verbindung über das Airmail-Programm zum Empfangen der Wetterdaten auf See. Und die Wetterdaten über Pactor sind für uns in diesem Jahr elementar, da wir unterwegs und bald auch auf Kuba keinen Internetzugang zum Abrufen der Wetterdaten haben werden. Ohne Wetter – keine Reise. Stunden später und erst nach dem Runterladen des Drachen-Handbuchs (P4 Dragon DR 7400 Manual) und dem Studieren wie die beiden Geräte üblicherweise mittels Bluetooth verbunden werden, stieß ich auf den Halbsatz, dass es schon mal passieren kann, dass bei nicht regelmäßiger Verbindung zwischen Notebook und Pactor die Hinterlegung der Paarung verloren gehen kann! Der Bluetooth-Manager ist demnach zu doof sich länger was zu merken. Nachdem ich auch noch rausgefunden hatte welchen achtstelligen Paarungscode ich im Bluetooth-Manager einzugeben habe, hatten sich die beiden wieder lieb. Ich konnte eine Verbindung über das Airmailprogramm zu einer Sailmailstadion aufbauen und Wetterdaten abrufen.

Wetterdaten über Kurzwelle

Wetterdaten über Kurzwelle

Alles wird gut!

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Curacao Marine Werft

Curacao Marine Werft

Die Motorinspektion
Jack hielt Wort und war zur Stelle als die Sunrise im Wasser schwamm. Das heißt es kam nicht Jack selbst, sondern er beorderte Klaas zu uns, einen seiner Monteure. Klaas war ganz zufrieden mit seiner Aufgabe die fällige Motorinspektion durchzuführen. Easy going, Filterwechsel, Impellerwechsel, Ölwechsel, das ganz normale Programm. Das hatte er auch nach knapp einem halben Tag durch. It looks pretty good sagte er noch bevor er wissen wollte, wie alt der Motor sei. Als ich ihm das Baujahr und somit das Motorenalter verriet, entgleisten seine Gesichtszüge und er betrachtete ab diesem Zeitpunkt seine Wirkungsstätte nur noch mit der ganz großen Lupe. Klaas, der neue Sherlock Holmes. Ein acht Jahre alter Motor musste einfach nach mehr Verschleiß ausschauen. Jede Dichtung, wirklich jeder Mückenschiss wurde nun misstrauisch betrachtet. Ein Fachmann wie Klaas weiß schon wo man hinschauen muss. Das Ganze kam uns nicht ungelegen, denn Klaas versteht sein Handwerk, kennt sich mit diesen Motoren richtig gut aus. So war es auch nicht zufällig, dass er zwei Dichtungen lokalisierte die kleine Ausblühungen an den Rändern zeigten. Nach seiner Aussage ein Indiz für vorhandene Korrosion im Wärmetauscher.

Motorinspektion

Motorinspektion

Man muss sich das so vorstellen: Ein Schiffsmotor funktioniert im Prinzip wie ein Automotor, nur die Kühlung des Motors ist anders. Beim Schiffsmotor gibt es zwei Kühlkreisläufe. Der Innere ist gleich wie beim Automotor ein mit Kühlmittel gefüllter Kreislauf. Der äußere Kreislauf ist beim Automotor die Frischluft. Kalte Luft trifft auf den Luftkühler, dieser kühlt die in ihm zirkulierende Kühlflüssigkeit und der Motor bleibt „kalt“. Beim Schiffsmotor wird die Luft(Kühlung) durch Seewasser ersetzt und aus dem Luftkühler wird ein Wärmetauscher. Die vom Motor erzeugte Wärme wird an die Kühlflüssigkeit abgegeben und im Wärmetauscher wird diese Wärme vom Seewasserkreislauf (beim Automotor der Luft) abgeführt.
Klaas war unerbittlich, der Wärmetauscher müsse ausgebaut und die Eingeweide des selben untersucht werden. Mich beschlich ein Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefert seins. Aber Klaas bestand auf diese Prozedur, andernfalls sei ein störungsfreies Funktionieren nicht zu erwarten. Wir willigten ein und Klaas zerlegte nun unseren Yanmar nach allen Regeln der Kunst. Nahm den Wärmetauscher mit in die Werkstatt, in die wir dann etwas später von Chef Jack zitiert wurden. Hier teilte uns dieser mit, dass eine Bronzekartusche im Inneren des Wärmetauscher ausgepresst werden muss, um diese zu säubern und neue Dichtungen einzubringen. Sollte die Kartusche bei dieser Aktion einen Schaden erleiden, so müsse eine neue eingebaut werden. Im schlimmsten Fall könne auch das Gehäuse des Wärmetauscher beschädigt werden. Alles in allem beläuft sich der worst case auf 3000 Dollar!
W H A T ??? Spätestens jetzt wäre bei der Schöneberger die Naht geplatzt!
Ein funktionierender Motor verlangt lediglich nach seinen Streicheleinheiten und nun könnte diese Aktion 3000 Dollar kosten. Jetzt verstehe ich: Segeln ist wie unter der kalten Dusche zu stehen und Hunderter (wahlweise Euro oder Dollar) zu zerreißen!
Das Ende war etwas weniger dramatisch, denn die Bronzekartusche ließ sich ohne Probleme auspressen, das Gehäuse bleib heil und Klaas konnte den Wärmetauscher wieder einbauen. Die Motorinspektion ist abgeschlossen, die Rechnung haben wir noch nicht.

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Einwässern ein feucht-fröhliches Vergnügen!?
Donnerstag morgen klingelt der Wecker um 7 Uhr. Punkt 8 fangen die Werftarbeiter an zu arbeiten. Am Tag zuvor wusste plötzlich niemand mehr, dass wir mit der Sunrise ins Wasser wollen. Alles war vereinbart, nur konnte uns am Montag niemand sagen, ob wir am Donnerstag Vormittag oder Nachmittag ins Wasser können. Als ich dies nun am Mittwoch klären wollte stellte sich heraus, dass sich keiner mehr an unsere Vereinbarung erinnern konnte. Die Sunrise wurde zur Sirius und die Sirius sollte ja am Freitag….. typisches karibisches Chaos eben. So kam es schließlich zur Zusage, Einwässern am Donnerstag, aber wir wissen nicht wann.
Warum nun feucht-fröhliches Vergnügen? Nun, am Donnerstag regnete es fast den ganzen Tag. Regen, das heißt hier es fängt schlagartig an zu regnen, der Wind nimmt zu und dann setzt ein Sturzbach ein, den man mit Bindfäden nur beleidigen würde, es sind wirklich BÄCHE, die da vom Himmel herunterprasseln. Nach einer halben Stunde ist alles wieder vorbei, bis zum nächsten Wolkenbruch der unter Umständen dann nach weiteren 10 Minuten einsetzen kann. So sieht ein Regentag aus und der Donnerstag war ein ganz extremer, denn das Werftgelände wurde zu Teilen überflutet.

Regentag

Was die Fröhlichkeit betrifft so begann der Tag nicht ganz so fröhlich, im Gegenteil. Ein sehr großes Arbeitsboot lag in der Slipbahn und sollte an Land gestellt werden. Jeder wusste, wenn die Arbeiter zuerst das Stahlschiff an Land bringen, ist der Vormittag mit Sicherheit für unsere Einwasserung erledigt. So war es dann auch. Millimeterweise wurde der Stahlkollos aus dem Wasser gezogen, mit einem Hochdruckreiniger gesäubert und dann millimeterweise zu einem Trockenplatz gefahren. Es verging Stunde um Stunde, dann war plötzlich und ganz unerwartet auch noch Mittagspause. Nach dieser hieß es wieder nur warten, warten und warten. Die ganze Aktion wurde von mehreren „Schaulustigen“ verfolgt und es stellte sich heraus, dass auf das Gelingen dieser Aktion nicht nur wir, sondern VIER weitere Schiffe hofften. Zwei Franzosen, ein Amerikaner und wir, alle wollten ins Wasser. Es wurde 15:00 Uhr und da das Büro um 16:00 Uhr schloss und die Arbeiter um 17:00 Feierabend haben, sahen wir vier Crews keine Chance mehr für einen erfolgreichen Tagesabschluss im Wasser, zumal einer der beiden Franzosen schon seit Mittwoch wartete. Aber dann tat sich etwas, der Stahlkollos war verstaut und eben der am längsten wartende Franzose wurde zu Wasser gebracht, dann die Amerikaner, ein weiterer Franzose und am Ende noch wir mit der Sunrise, selbstredend bei strömenden Regen. Noch etwas Stress bei der Zuteilung der Liegeplätze, denn Bürofrau Melissa hatte den Liegeplatz Nr 9 an uns und an einen der Franzosen vergeben. Melissa befand sich ja bereits im Feierabend und hat von diesem Zwischenfall und dessen internationalen Klärung nichts mitbekommen. Um 18:00 Uhr lagen wir alle klatschnass aber fröhlich an unseren Liegeplätzen im Wasser.

Liegeplatz in der Marina