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Zurück in Cayo Largo liegt die Fleetwood mit Jack (80 Jahre) neben uns am Steg. Jack ging mit uns zusammen aus Grand Cayman weg, hatte in Cienfuegos einklariert und ist auf dem Weg nach Florida, wo er seine 9jährige Weltumsegelung beendet. Als US-Bürger darf er nur zwei Wochen in Kuba bleiben und deshalb muss er nach einer Nacht in Cayo Largo weiter. Er wird die Westspitze Kubas, das Capo de San Antonio runden und vor dem Absprung nach Florida noch in die Hemingway Marina in Havanna gehen. Für das nächste Jahr hat er bereits wieder Pläne, er will nach Kolumbien. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder. Bis dahin, alles Gute Jack.

Abschied von Jack

Wir bleiben mit der Sunrise b.a.w. noch in der Marina Cayo Largo. Ist bequemer, jedoch nicht schöner als am Ankerplatz.

Am Steg Cayo Largo

Wir haben ein kleines Problem mit der Wasserversorgung. Wir haben keinen Wassermacher an Bord und schleppen unser Trinkwasser in PET-Flaschen her, das ist soweit kein Problem. Die Wassertanks vom Schiff konnten wir zuletzt in Montego Bay füllen, die sind jetzt noch halb voll. Wir nehmen das Wasser aus dem Tank nur für die Körperhygiene und zum Geschirrspülen. Nachtanken in Cayo Largo ist ausgeschlossen, das Wasser hier ist sehr salzhaltig und riecht ziemlich modrig. Das kommt uns nicht in den Tank. So bleiben wir hier und duschen ausgiebig in der Marina. Die Duschen sind zwar unterirdisch, je nach dem, ob das Wasser abläuft oder der Ablauf wieder verstopft ist. Ist der Ablauf verstopft, wird kurzerhand das Wasser abgestellt. Abschließen kann man die Duschen auch nicht, entweder es fehlt innen der Türgriff oder die Verriegelung. Ich nehme immer den Teleskopstock vom Kamerastativ mit und klemme den von innen unter die Türklinke, dann ist auch zu.

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Havanna (143)

Ein weiterer Tag in Havanna.
Birgit und Bernd machen heute ihr eigenes Programm. Ihr Ziel ist es mit den öffentlichen Stadtbussen zur 12 Kilometer entfernten Hemingway Maria zu gelangen. Es ist nicht einfach, aber es gelingt ihnen. Einen Busfahrplan gibt es nicht, durchfragen ist angesagt. Bernd hat es leicht, er spricht gut italienisch und wird von den Einheimischen verstanden. Der Preis für eine Fahrt mit dem Bus liegt bei 1 Peso moneta national, 0,04 Euro.

Wir haben den Tag nicht durchgeplant und lassen uns nach dem obligatorischen Frühstück bei Biky einfach treiben. Bereits vor dem Frühstück hatten wir im Hotel Havanna Libre bei der dortigen Cubatur Agentur Tickets für unser Abendprogramm, die Buenavista Social Club Show zu je 30 CUC erworben. Die staatliche Cubatur hat auf allen touristischen Events den Daumen drauf. Wir wissen nicht, ob es eventuell auch an der Abendkasse Tickets gegeben hätte.

Zu Fuß gehen wir in Richtung des historischen Zentrums.

Havanna Historico (8)

HAvanna (247)

Wir nehmen einen anderen Weg und kommen durch das Chinesenviertel. Es ist Anstreichtag im Viertel. Fast an jeder Fassade, Haus wäre übertrieben, hängt an einer abenteuerlichen Konstruktion ein Anstreicher nebst Farbeimer und Pinsel. Es gab hellblau. Gestrichen wird so weit die Farbe reicht. Auch notdürftige Ausbesserungsarbeiten werden durchgeführt. Der Mörtel zum Zukleistern der riesigen Risse im Mauerwerk wird kurzerhand auf der Straße gemischt. Keiner stört sich dran. Etwas weiter auf der Touristenmeile ist der Bär los.

Havanna (206)

Ein Kreuzfahrtschiff liegt an der Mole und entsprechend wuselt es. Die Italiener sind da. In Massen und für das kleine historische Zentrum nicht zu fassen. Wir weichen aus und landen in einem Straßenzug der etwa 100 Meter Luftlinie entfernt ist und drehen mit einem „Oh my god“ wieder bei. Dann lieber Masse. Und wenn schon, dann richtig mitten rein. Erst Floridita und dann Bar Monserrat und zum Abendessen gibt es am Plaza de la Cathedrale schlechten Fisch zu europäischen Preisen.

Havanna Historico (20)

Unser Abendprogramm, das „Gran Cencerto Traditionales de Los 50“ startet erst um 21:30 Uhr. Das alte Theater Rosalia de Castro in Havannas Altstadt besteht nur noch aus der Galerie beziehungsweise aus den Balkonen, die rings um den viereckigen Kasten gingen. Das eigentliche Gebäude ist zusammen gebrochen, es ist jetzt ein leeres Viereck umgeben von drei Etagen mit Galeriebögen beziehungsweise mit alten Theaterlogen. Darüber freie Sicht in den Nachthimmel. Die Gruppen, die auftreten sind auf eine Bühne in eine Ecke gequetscht. Von allen Plätzen, mit Tischen und Bierbänken bestückt, schlecht einzusehen. Die Akustik ist unter aller Sau, wobei die Musik doch ganz gut ist. Es gibt noch drei original Mumien, sorry Musiker, die mit einem Grammy für den Film und die Musik „Buenavista Social Club“ ausgezeichnet wurden. Die alten Herren werden hier wahrscheinlich abwechselnd präsentiert. Wir haben keinen gesehen. Außer der Musik sind im Eintrittspreis drei Freigetränke enthalten. Rum, Rum oder Rum. Als die Stimmung langsam auf Bierzeltniveau ansteigt ist es Zeit für uns zu gehen.

pink Cadillac

pink Cadillac

Havanna (185)2

Kuba_5

Kuba_5 17.03.2017
Valle de Vinales, seit 1999 UNESCO Weltkulturerbe

Panorama Vale Vinales, Kuba

Panorama Vale Vinales, Kuba

Wir sind bequem und machen einen organisierten Auslug mit Cubaturs ins 180 Kilometer entfernte Vale de Vinales. Die Rennerei nach einem Überlandbus-Ticket von Viazul, das nach Möglichkeit 24 Stunden im Voraus gebucht werden soll, ist uns schlicht zu blöd. Wenn Überlandausflug ohne Mietwagen, dann organisiert mit Cubaturs. Im perfekten Durchorganisierten sind die unschlagbar, siehe Flug von Cayo Largo nach Havanna inclusive Busshuttle. Wir werden im Hotel Colina gegen 7:30 Uhr abgeholt, was natürlich wieder ein sehr frühes Aufstehen bedeutet. Der Bus ist voll besetzt, die Deutschen sind in der Mehrheit. Der erste Stopp zum zweiten Frühstück ist an der Autobahn an einem Campingplatz, weiter geht es nach Pinar del Rio zur Casa Garay Likörfabrik, die einen ausschließlich in Kuba vertrieben Likör aus Mini-Guaven herstellt. Heute musste die Produktion eingestellt werden, da es Probleme bei der Anlieferung bestimmter Zutaten gab. Die Verkostung und der Verkauf war jedoch geöffnet und wie immer konnte von den Touristen nur in Peso convertibile, CUC, bezahlt werden. Geschäftstüchtig sind die Kubaner. Der Run auf die Devisen und den CUC ist nicht zu übersehen. Wir kaufen keinen Likör, dafür jedoch eine 5er Packung gelabelte (staatlich autorisierte) Zigarren, die auch ausgeführt werden dürfen. Im Anschluss daran besuchen wir eine private Tabakplantage.

Tabakblätter zum Trocknen aufgehängt

Tabakblätter zum Trocknen aufgehängt

handgerollte Zigarren von der Tabakplantage, Vale Vinales

handgerollte Zigarren von der Tabakplantage, Vale Vinales

Die getrockneten Tabakblätter hängen in Holzscheunen auf horizontalen Stangen in mehreren Lagen übereinander bis zu Decke. Ein ausgebildeter Zigarrenroller demonstriert seine Kunst und gibt für die Reisegruppe auch einige Zigarren aus.

Vale Vinales, Tabakplantage

Vale Vinales, Tabakplantage

Und natürlich hat er auch bereits eingepackte (ungelabelte) Zigarren unterm Tisch zum Verkauf. Er macht guten Umsatz. Von seiner Tabakernte darf er nur 10% behalten, die restlichen 90% gehen nach dem Trocknungsprozess an die staatliche Tabakindustrie, die die Tabakblätter ein zweites Mal fermentiert und dafür sorgt, dass die kubanischen Zigarren einen hohen Qualitätsstandard halten. Der Export bringt einiges an Devisen ins Land. Weiter geht es zur Mural de la Prehistoria, einer Felsenmalerei auf einer Karstfelsenwand. Hier im riesigen Restaurant bekommen wir auch ein typisch kubanisches Mittagessen. Reis mit roten Bohnen, gedünstete Yukka, gedünstete Karotten, Tomate und Schweinefleisch oder Omelett. Zum Abschluss eine Schokocreme und einen Espresso. Weiter geht es zu den Karsthöhlen Cuevas del Indio. Die Höhlen sind gut zu begehen und enden an einem unterirdischen Fluss, wo ein Holzkahn, mit Außenbordmotor, die Gäste mitnimmt und die letzten 200 Meter zum Ausgang fährt. Ein Ruderboot wäre stilvoller. Erstens stinkt der Außenbordmotor abartig und hallt zweitens durch die Höhlen. Trotzdem ist es sehr eindrucksvoll.
Auf der Rückfahrt hält unser Busfahrer zur Fotosession auf einer Anhöhe über dem Valle de Vinales.

Vale Vinales, Kuba

Vale Vinales, Kuba

Zurück geht es über die Autobahn nach Havanna. Auf der Autobahn bewegt sich auf der rechten Spur alles was Räder hat: Fahrräder, auf dem Standstreifen gerne auch entgegen der Fahrtrichtung, Ochsengespanne mit Anhänger, Pferdekarren, rückwärts fahrende Autos und Reisebusse. Autos dann, wenn ein Anhalter mitgenommen wird oder ein Bauer aus einer Obstkiste heraus seine Produkte verkauft und der Bremsweg zu lang war. Reisebusse dann, wenn sie zum Beispiel eine Ausfahrt verpasst haben. Gewendet über den Mittelstreifen hinweg wird auch, sowohl von Autos als auch vom Bus, wenn zum Beispiel die Tankstelle auf der anderen Seite ist. Das Verkehrsaufkommen über Land ist gering und deshalb sind diese Verkehrsverletzungen auch nicht sehr gefährlich. Ganz im Gegensatz zu Havanna. Da ist immer Verkehrschaos und es stinkt nach Abgas, das kann man gar nicht glauben. Die Autofahrer unterhalten sich unterwegs mittels Hupe, es ist also auch noch entsprechend laut.

Kuba_4

Kuba_4 16.03.2017
Nach einem fürstlichen Frühstück stellen wir uns an die Bushaltestelle vom hop on -hop off Touristenbus. Wir werden eingenebelt von den Abgasen der Oldtimer. Selbst die Linienbusse rauchen wie früher bei uns die Fabrikschornsteine. Bernd hat die Nase voll und will schon weg gehen, als doch tatsächlich der Bus mit 20 Minuten Verspätung um die Ecke biegt. Auf dem luftigen Oberdeck sieht die Welt schon wieder klarer aus. Überhaupt ist es momentan ziemlich frisch in Havanna. Es bläst ein kalter Nordwind durch die Straßenzüge. Wir verlassen den Bus in der Stadtmitte beim Capitol.

Havanna

Havanna

Birgit und Bernd zieht es in das Museum der Revolution, wir gehen ins Museum Belle Art. Panzer, Kübelwagen, abgeschlossene Flugzeuge und der Personenkult um Che, Fiedel und Raúl interessiert uns nicht ganz so arg. Es ist zwar die Geschichte Kubas, aber die ist mittlerweile Geschichte. Es bleibt zu hoffen, dass das hervorragende Bildungssystem und die gute ärztliche Versorgung nicht unter dem zu erwartenden Umbruch leidet. An allen Ecken gibt es mittlerweile Internet-Hotspots, die Jugend hantiert mit Smartphones wie in anderen Großstädten der Welt auch. Nur dass es hier wesentlich komplizierter ist ins worldwide Web zu kommen. Es muss eine Karte zu 1,50 für bis zu 4,00 Peso convertibile (CUC), je nach Angebot und Nachfrage, erworben werden, die aussieht wie ein Parkticket bzw. wie ein Rubbellos. Den Zugangscode muss man freirubbeln und dann kann man an einem der vielen Hotspots versuchen für eine Stunde ins www zu kommen.
Die privaten Restaurants (Paladares) und Pensionen schießen zumindest hier in Havanna förmlich aus dem Boden.
Am Nachmittag vollenden wir unsere Stadtrundfahrt mit dem Touristenbus. Wir kommen durch die Stadteile Vedado und Miramar. Hier gibt es überwiegend kleinere Wohnhäuser, die gut erhalten und gepflegt erscheinen. Auch europäische Nobelautos und Mittelklassewagen biegen schon mal um die Ecke. Die Oldtimer sind jedoch eindeutig in der Mehrzahl.
Den Tag lassen wir in der Altstadt in der Touristenmeile Obispo ausklingen.

Fidels vergessene Kameraden auf Betteltour in Alt-Havanna

Fidels vergessene Kameraden auf Betteltour in Alt-Havanna

Kuba gestern und heute

Kuba gestern und heute

Auch die Bar El Floridita mit Hemingway als Metallskulptur an der Bar besuchen wir – das gehört eben dazu.

Touristen-Hotspot

Touristen-Hotspot

Blech-Hemingway im Eck  in seiner Stammbar Floridita

Blech-Hemingway im Eck in seiner Stammbar Floridita

Der Strawberry-Daiquiri schmeckt scheußlich chemisch, sollte man hier nicht trinken. Besser dann doch einen normalen Daiquiri, der von den Barkeepern wie am Fließband produziert wird. Es stehen drei Reihen zu je 20 Gläser hinter der Theken und das Getränk wird wie mit der Gießkanne ausgeschenkt.

Frozen Daiquiri in Serienproduktion

Frozen Daiquiri in Serienproduktion

Anders ist der Rummel nicht zu stemmen. Eine nette Girlie-Truppe spielt lateinamerikanische Musik und lässt den Spendenhut kreisen.

Damen-Quintett

Damen-Quintett

Richtig gebettelt wird hier nicht, es wird immer eine Leistung angeboten zum Beispiel ein Tütchen mit Erdnüssen zu 1 Peso, oder fürs Fotografieren wird schon mal eine Spende verlangt. Damit kann man umgehen.

Bettelhund

Bettelhund

Fotos nur gegen Bares

Fotos nur gegen Bares

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Flug von Cayo Largo nach Havanna am 15.03.2017
Allen Bedenken zum Trotz hat unser Flug nach Havanna wie am Schürchen geklappt. Am Montag hatten wir uns vorsichtig im Hotel Sol Pelicano an die Agentur von Cubatours herangetastet. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass wir das All inclusive Angebot des Hotels mit nutzen konnten (freie Getränke) und am Dienstag sollten wir zur Flugbuchung um 10 Uhr morgens wieder auf der Matte stehen. Kein Problem, auf Cayo Largo sind alle Menschen äußerst flexibel, wir haben kurz das Touristen-Bimmelbähnchen umgeleitet, das uns zu viert in das sechs Kilometer entfernte Hotel gefahren hat. Hat 8 CUC/Euro gekostet, dafür hatten wir den ganzen Zug für uns gehabt und der als Lokomotive getarnte Traktor hat alles gegeben um uns so schnell wie möglich abzusetzen. Voll Speed über die Schlaglöcher, liebe Grüße an die Bandscheibe. Dort angekommen waren die Jungs von Cubaturs erst noch am Warmlaufen – das heißt, von Dreien war nur Einer präsent. Der machte den Eindruck als ob es ihm völlig egal wäre, ob, wann und wie wir nach Havanna kommen. Ja, es sei doch schon grundsätzlich möglich und auch ein Casa Particulares (Privatunterkunft) könnte er uns vermitteln, aber genau könnte er es erst am Nachmittag gegen vier Uhr sagen. Wir sollten nochmals vorbeischauen. Nach einigem Hin und Her einigten wir uns darauf, dass er um vier Uhr in die Marina Cayo Largo kommt. Wer um vier Uhr nicht kam war er, dafür kam er dann eben um fünf Uhr mit den bereits ausgedruckten Flugtickets. Wobei der Preis inflationär nach oben schnellte, von 159,00 Euro auf 198,00 Euro pro Person für Hin- und Rückflug. Egal wie wären so und so geflogen. Abflug am Mittwoch um 8:20 Uhr, Abholung um 7 Uhr in der Marina.
Oh weh, schon wieder vor dem Aufwachen in Aktion kommen – ganz schwer.

Mittwoch morgen also in der Nacht aufgestanden und um 6:40 abfahrtbereit am Dorfplatz gestanden. Wir dachten, lieber einen kleinen Zeitpuffer zu haben, falls wir zum Flughafen rüberlaufen müssen. Nichts da, ein großer Linienbus kam um 6:45 und brachte uns und die Rebells, Birgit und Bernd zum Flughafen. Wir standen doch tatsächlich auf der Abflugliste und nachdem der Check-In erledigt, die kleine Propellermaschine gefüllt war, ging es bereits um 8 Uhr in die Luft. Ein kurzer Flug von 30 Minuten und schon waren wir in Havanna. Auch das Gepäck kam mit und wir standen auf dem internationalen Flughafen Jose Marti in der Ankunftshalle. Eine Mitarbeiterin von Cubaturs kam mit einer weiteren Liste um die angekommen Passagiere auf die Hotels oder den Weiterflug zu verteilen. Alles perfekt durchorganisiert. Nur wir standen halt auf keiner Liste, weil wir ein Privatquartier und kein staatliches Quartier gebucht hatten. Auch das war kein Problem, der Hotel-Shuttlebus nahm uns kostenfrei mit und setzte uns beim Hotel ab, das in der Nähe unserer Unterkunft lag. Unschlagbar. Das nächste Highlight war, dass unsere Privatvermieter bereits von unserer Ankunft informiert waren und an der nächsten Straßenkreuzung mit einem großen Schild mit Bernds Namen winkten. Das kann man gar nicht glauben. Wir bezogen zwei Appartements in der Straße des 27. Novembers. Ganz passabler Standard, besser als das in Kingston/Jamaika. Erster Weg: Frühstück. Restaurant Bicky gleich um die Ecke. Edel mit Tür-Steher im schwarzen Anzug und schönem Interieur. Nichts deutete darauf hin, dass wir im Sozialismus gelandet waren. Nein, die Speisekarte ließ keine Wünsche offen. Gut gesättigt ging es in die Wechselstube um weitere Euro Bargeld in die Touristenwährung CUC zu tauschen. Und im gleichen Aufwasch gleich noch die CUC in CUP, die einheimische Währung zu tauschen. Das Krasse ist, dass der real existierende Sozialismus durchaus das Zweiklassensystem pflegt. Wer CUC hat, der ist ganz vorne mit dabei. Beim staatlichen Eisladen, der Copellia, müssen die CUP-Leute, also die Einheimischen und die knickerigen Touristen die mit CUP bezahlen in die Schlange stehen und stundenlang für einen Eisbecher anstehen. Ein staatlicher Eisdielen-Besucherströme-Lenker und Überwacher hat hier ein scharfes gesetzliches Auge drauf. Wer sich vordrängelt fliegt raus. Nicht so, wer mit CUC bezahlt, der darf unbehindert durch und sich seine Eiskugel direkt zu 0,40 CUC abgreifen. Pro Waffel geht nur eine Kugel. Willst du zwei, gibt es auf jede Hand eine Waffel mit jeweils einer Kugel. Willst du drei, hast du ein Problem oder kannst gleich beim Zirkus anheuern.
Um uns einen ersten Eindruck von Havanna zu verschaffen laufen wir zu Fuß in Richtung Malecon, der bekannten Uferstraße

Havanna, Malecon bei Nordwindlage

Havanna, Malecon bei Nordwindlage

und biegen dann nach rechts in die ehemalige Prachtpromenade Prada ein.

Havanna, Del Prado

Havanna, Del Prado

Straßen-Musiker spielen zum Tanz auf, Havanna Del Prado

Straßen-Musiker spielen zum Tanz auf, Havanna Del Prado

Die Bausubstanz in ganz Havanna ist so dermaßen rott, dass ganze Stadtviertel wegen akuter Totschlaggefahr gesperrt werden müssten.

typischer Straßenzug in Havanna-Zentrum

typischer Straßenzug in Havanna-Zentrum

typischer Straßenzug in Alt-Havanna

typischer Straßenzug in Alt-Havanna

Die Bemühungen die Gebäude zu erhalten und zu sanieren laufen überwiegend ins Leere. Es ist zu erkennen, dass man sich bemüht etwas zu tun, aber es fehlt halt hinten und vorne am Geld. Einzig das Capitol und einige Hotels sind im guten Zustand und die Oldtimer-Taxis.

Oldtimer-Parade vor dem Capitol in Havanna

Oldtimer-Parade vor dem Capitol in Havanna

Oldtimer Chevi

Oldtimer Chevi

Wir haben nichts anderes erwartet und sind mit dem Vorhaben dieses Havanna zu sehen auch gekommen, aber es ist echt richtig schlimm und jammerschade. Dass es anders geht haben wir im letzten Jahr in San Juan auf Puerto Rico gesehen. Hier ist die Altstadt ein Schmuckstück. Mit diesen ersten Eindrücken gehen wir zurück in unser Casa particulares nicht ohne zuvor zu 16 Euro, zu Viert, in einem privaten Lokal zu Abend gegessen zu haben. Es gab Huhn oder Schweinefleisch mit Reis und Krautssalat. Wir hatten Huhn und es war gut.

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Erkundung Cayo Largo
Gleich neben dem Gelände der Marina ist die Meeresschildkröten-Aufzuchtstation.

Turtle-Farm Cayo Largo

Turtle-Farm Cayo Largo

Es ist eine private Organisation, ohne Unterstützung vom Staat, die mit nur 2 freiwilligen insgesamt 28 Kilometer Sandstrand auf Cayo Largo betreuen. Bis zu 20.000 Eier verbuddeln die Meeresschildkröten jährlich hier. Ein Bruchteil der Eigelege wird von den Mitarbeitern gehoben und im Sand der Aufzuchtstation neu verbuddelt. In der freien Natur kommt eine von 1000 Baby-Schildkröten durch, hier in der Aufzuchtstation kommen die geschlüpften Meeresschildkröten in Meerwasserbecken und werden gepflegt und gehegt bis sie mit etwa 2 Jahren groß und stark genug für die freie Natur sind. Dann werden sie ausgesetzt und müssen sich selbst zu Recht finden.
Wir laufen weiter am Flughafen entlang in Richtung der Hotelanlagen.

Resort Sol Pelikano, Cayo Largo

Resort Sol Pelikano, Cayo Largo

Unser Ziel ist das Hotel Sol Pelicano, hier befindet sich eine Agentur von Cubatur. Wir wollen einen Flug nach Havanna buchen, weil wir die Sunrise hier in der Marina sicher einige Tage unbewohnt liegen lassen können. Die Straße zum Hotel zieht sich endlose und wir halten einen vorbeifahrenden Touristenbus an, der uns zum Hotel mitnimmt. Kostet nichts, der Fahrer bekommt ein Trinkgeld. Praktischerweise ist das Hotel Pelikano ein all inklusive Hotel. Vier Orangensaft und 4 Becher Bier kosten ebenfalls nichts – bezahlen nicht vorgesehen. Der Barkeeper bekommt ein angemessenes Trinkgeld und ist sehr zufrieden. Lässt sich gut an, der heutige Tag. Morgen wissen wir mehr, in Bezug auf die Havanna-Reise.
Für den Rückweg zur Marina nehmen wir den vermeintlich kürzeren Weg am Strand entlang. Der weiße Puderzuckerstrand wird nicht heiß, weil Korallensand. Es ist ein angenehmes Laufen an der Wasserkante entlang, gestört nur durch einige wenige unappetitlich gepiercte Freikörperkulturliebhaber westlich der Hotelanlagen (holla, FKK in Kuba). Am Paradies Beach finden wir eine Verpflegungsstation, der Barkeeper ist total irritiert, dass wir nur eine große Flasche Wasser ordern. Kein Gast außer uns trinkt am Paradies-Beach Wasser. Es gibt nur Cuba Libre, Mojito, Pina Colada und Wasser. Es bleibt beim Wasser, eisern. Wir haben ja noch einige Kilometer Fußmarsch vor uns. Wir laufen weiter und verlaufen uns doch glatt und landen bei den eingefangenen Delfinen auf einer vorgelagerten Sandbank. Zwei Delfine werden in einem abgezäunten Bereich zur Bespaßung der Touristen gehalten. Schwimmen mit Delfinen, muss man haben oder nicht. Der Vorteil dieser Lokation ist, dass die Besucher hier von großen Katamaranen abgeholt werden, die direkt am Steg in der Marina Cayo Largo festmachen. Was hält uns davon ab, unseren Fußmarsch aufzugeben und mit dem Schiff zurück zu fahren? Nichts. Noch nicht mal der Preis, es kostet nämlich nichts. Auch ein all inklusive Angebot der Hotels.

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Vamos!

Ansteuerung Cayo Largo

Ansteuerung Cayo Largo

Angekommen in Cayo Largo del Sur. Nach einer traumhaften Vollmondnacht mit fairen Winden und mäßiger Welle (Ausnahmen bestätigen die Regel) sind wir um 9 Uhr am Morgen auf dem vorgelagerten Koralleninselchen angekommen. Erster Eindruck: wow, welche Farben und welche Ruhe. Die Marina Cayo Largo ist putzig und trotzdem bekommen wir einen Platz am Steg. Zuvor hatten wir versucht, beim Eintritt in die 12-Meilen-Zone, die Guarda Nacional per Funk von unserem „Eindringen“ in die kubanischen Hoheitsgewässer zu unterrichten. Kein Funkspruch wurde beantwortet. Dann eben nicht. Später funkten wir die Marina Cayo Largo an und bekamen sofort eine Antwort in englischer Sprache. Wir seien sehr willkommen, sollen reinkommen und am östlichen Steg festmachen. Alles andere würde von der Marina geregelt. Alles was wir bislang über Schikanen bis zum Abschrauben der Bodenbretter im Schiff gehört und gelesen haben ist absoluter Mumpitz. Wir hatten unsere Papiere sauber geordnet, die Touristenkarten/Visa hatten wir auch und den kompletten Papierstapel haben wir dem Marina-Officer überreicht. In loser Folge besuchten uns die Gesundheitsbeamten (kein Fiebermessen), der Drogenschnüffelhund und der Offizielle der Zoll, Einwanderungsbehörde und Guarda Nacional vertritt. Insgesamt weniger Formulare als in Jamaika und in sehr freundlicher Stimmung. Keine Gebühren, kein Overtime am Sonntag!!! In Jamaika musste ich, als wir freitags nach 16 Uhr innerjamaikanisch in Montego Bay ankamen 68 US $ Overtime Gebühren bezahlen.
Der erste Eindruck ist überaus positiv. Nicht ganz unwichtig für uns Segler, ein Sundowner-Bier kostet nur 1 Peso convertibile (ca. 1 Euro).

Bierkrüge auf kubanisch

Bierkrüge auf kubanisch

In Jamaika locker mal 4,50 US $. Das braucht kein Mensch. Wir freuen uns darauf, Kuba kennen zu lernen.

Grand Cayman_5

Also Bernd meint, wenn wir schon nicht mit dem Schiff in den North Sound rein fahren, dann machen wir einen organisierten Ausflug mit dem Bus und dem Motorboot dort hin. Walter meint erst mal nichts. Ich sage zu. Schnorcheln hinter dem North Sound Riff und Stingray City steht auf dem Programm. Der Wecker, das muss man sich mal geben, im Urlaub, klingelt um 7 Uhr. Die Rucksäcke sind voll gestopft mit Flossen, Schnorchel, Brille, Ersatzklamotten und wasserdichten Kameras. Wir butschern mit dem Dinghy an den Anleger und am Treffpunkt von Captain Marvin, der die Touren anbietet, wuselt es wie im Ameisenhaufen. Gut frequentiert das Angebot, obwohl nur drei Kreuzfahrtschiffe da sind. Der Bus fährt am Seven Miles Beach entlang, an den exklusivsten Hotels und Villen vorbei und biegt in Richtung Governor Harbour ab. Das geht’s grad so weiter Villen, Pomp und Gloria. Sieht aus wie am Lago di Como. Völlig unkaribisch bzw. ungewohnt.

Haus mit Wasserparkplatz

Haus mit Wasserparkplatz

Governor Harbour Grand Cayman

Angekommen an der Bootsanlegestelle von Captain Marvin werden wir in das Motorboot Nummer 2 verladen. Zuerst geht’s zur Sandbank auf der zahme Stingrays leben. Die Bootsbesatzung stimmt die Viecher mittels Fischfutter milde und auf die kommende Kuschel- und Knutschstunde ein. Wir dürfen zum Rudelkuscheln raus auf die Sandbank. Ich kuschel und knutsche nicht, das ist doch völlig daneben. Aber lustig ist es trotzdem. Einer der Stingrays ist liebesbedürftig und schwimmt mich an, sodass ich auf dem Rückzug, bzw. auf der Flucht über Bernds Unterwasserkamera stolpere. Sorry, jetzt ist das Video verpfuscht. Das muss man rausschneiden.

Rudelkuscheln mit Stingrays

Rudelkuscheln mit Stingrays

Stingray Kiss

Stingray Kiss

Stingray Kuscheln

Stingray Kuscheln

Nächster Stopp ist Rudel-Schnorcheln. Das Wasser ist noch ziemlich bewegt und es kommen immer wieder Brecher übers Riff, sodass der ganze Sand aufgewirbelt wird und das Wasser etwas trüb ist. Aber einige bunte Fische und Fächerkorallen sind doch zu sehen.

Rudelschnorcheln hinterm Riff

Rudelschnorcheln hinterm Riff

North Sound Grand Cayman
Unsere Zeit ist abgelaufen, die Nachmittagsfuhre wartet schon in George Town. Alle wieder ins Schiff geladen, in den Bus und retour.
Der Abschluss des Ausflugs findet im Eiscafé statt. Eine Tag ohne Eis, ist kein guter Cayman Tag, das gehört mittlerweile schon zur täglichen Übung dazu.

Grand Cayman_4

Grand Old House, Grand Cayman

Walter und Bernd waren erfolgreich Gas kaufen. Propangas zum Kochen und Backen. Damit waren sie drei Stunden beschäftigt, man hat ja viel Zeit als Segler und ist echt froh und dankbar, wenn die Gasabfüller nicht von vornherein die Hände in Abwehrhaltung bringen, wenn sie europäische Gasflaschen sehen. In Curacao zum Beispiel erntet man ein Kopfschütteln gefolgt von einem Geht nicht, ausgeschlossen, haben wir noch nie gemacht, machen wir auch nicht und schon gar nicht mit einem mitgebrachten Adapter. Das Problem ist, dass die europäischen Propan- und Campinggasflaschen kleinere Gewinde haben als die amerikanischen. Hier auf Grand Cayman haben sich die Gasabfüller stundenlang Mühe gegeben, gebastelt, mit Teflonband abgedichtet um dann für 3,50 Dollar Gas zu verkaufen. Das stellt man sich mal vor. Auf einer Insel, wo das Durchschnittseinkommen bei US $ 10.000,00 pro Monat liegt. Ein echtes Highlight in Bezug auf Kundenservice und Freundlichkeit.
Nachdem Walter die gefüllte Gasflasche im Rucksack quer durch George Town geschleppt hat, war dann erst mal Schluss mit Programm. Ausruhen auf der Sunrise war angesagt und warten bis die Sonne untergeht. Es gibt schlimmeres.

Sunrise und ihre Freunde

Sunrise und ihre Freunde

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Heute war ein guter Tag: der Wind ließ nach und wir konnten mit dem Dinghy an Land. Das hieß es gab wieder leckeres Eis und damit verbunden auch freies Wifi. Wobei sich die Frage stellt, steht das Eis, für 2 Personen immerhin US $ 9,50 im Vordergrund oder das schnelle Wifi? Hätten wir auch ohne den Wifi-Zugang dem Eisladen einen Besuch abgestattet?
Die Frage stellt sich jetzt nicht mehr, denn ich habe mir eine lokale Prepaid-SIM Karte fürs Tablet geholt. Ohne Internetzugang fehlen uns wichtige Informationen übers Wetter, die aktuellen Infos der Cruiserszene zu Kuba, die Bundesliga-Spielergebnisse u.v.m. Des Weiteren konnten wir herausfinden wo wir unsere leere Propangasflasche füllen lassen können, sofern die Gasstation einen Adapter für europäische Flaschen auftreiben kann, sowie via Internet in Deutschland gleich einen Gasflaschen- Adapter für amerikanische Propangasflaschen bestellen. Den brauchen wir im nächsten Jahr auf jeden Fall.
Wir verabschiedeten Beate und Reiner (SY Balou), für sie geht es morgen früh weiter nach Mexiko. Gute Reise! Bis zum nächsten Jahr.

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