Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin
Mit Fleurs 30 Jahre altem Bulli fahren wir nach Berlin. Bei Leipzig legten wir einen Zwischenstopp ein und treffen dort, wie verabredet auf Renate und Dieter. Sie erwarteten uns bereits und hatten schon einen Stellplatz reserviert. So stehen Urzeit-Campingbulli und Neuzeit-Wohnmobil einträchtig nebeneinander. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Berlin. Wegen fehlender Umweltplakette und noch nicht beantragtem H-Kennzeichen bleiben wir außerhalb von der City auf dem Campingplatz in Gatow an der Havel.

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Sofort werden die Fahrräder abgeladen und weiter geht es mit Muskelkraft. Erster Stop nach 10 Minuten am Kleinen Badestrand zu Kaffee und Kuchen. Der Kalorienverbrauch muss ausgeglichen werden. Nächster Halt, nach 10 Kilometern am Schloss Charlottenburg. Von hier aus ging es wieder zurück nach Gatow zur Osteria. Italienisches Essen kommt immer gut, vor allem das Dessert und der Verdauungs-Grappa.
Am Sonntag Morgen krabbeln wir früh aus dem Bulli, frühstücken und jagen mit dem Fahrrad zur Schiffsanlegestelle Schloss Charlottenburg. Eine knappe Stunde benötigen wir. Eine recht gute Zeit. Die Spree-Rundfahrt mit dem Ausflugsschiff beginnt um 11 Uhr. Mit dem Linienbus hätten wir das nicht geschafft, der fährt am Sonntag erst ab 10 Uhr von Gatow in die City. Das Wetter spielt mit und wir genießen 3 1/4 Stunden Stadtrundfahrt mit dem Schiff. Anschließend radeln wir zur Siegessäule, zum Brandenburger Tor, zum Holocaust Denkmal (wo wir den chinesischen Künstler Ai Weiwei sehen), durch den Tiergarten und im Zickzack zurück nach Gatow.

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Berliner Siegessäule auf dem Großen Stern Mit der vergoldeten Victoria

Berliner Siegessäule auf dem Großen Stern
Mit der vergoldeten Victoria

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Holocaust Mahnmal

Holocaust Mahnmal

Oldies-Treffen

Oldies-Treffen ist
– Wenn Oldies auf Oldies treffen (Silberköpfchen-Treffen)
– Wenn menschliche Oldies auf blecherne Oldies treffen.
Letztes Wochenende war in unserer Nähe genau so eine Zusammenkunft, die beide Kriterien erfüllte.
Zwischen die zeitlos schönen, perfekt restaurierten oder erhaltenen VW-Käfer, T 1 – T 3 Bullies mischten sich die Besucher.

Käfer Schätzchen Bj 1965

Käfer Schätzchen Bj 1965

Wobei auffällig war, dass die Blechkameraden oft besser in Schuss waren, als deren Bewunderer. Wie sagte schon ein gewisser Alfons S. aus München: fürs Motorenöl ist kein Preis zu hoch, aber selber nehmen sie das billige Olivenöl vom Discounter. Recht hat er, der alte Nörgler. So ein Schätzchen muss gepflegt werden. Das ist kein Auto, das ist ein Familienmitglied.

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Karmann-Ghia  Bj 1968

Karmann-Ghia Bj 1968

Weinstadt

Ist Weinstadt unser zu Hause oder unser Feriendomizil? Steuerrechtlich ganz klar unser zu Hause und gefühlt – na ja das ist die Frage. Auf die Frage, wann wir wieder zurück auf die Sunrise gehen habe ich (Elke) geantwortet: Wir fliegen nach Weihnachten wieder heim.
Auf jeden Fall arbeiten wir aktuell unsere Bilder auf und Walter hat ein neues Vimeo-Video von Jamaika auf unsere Website gestellt. Aufgenommen von einer befreundeten Drohne. Ja, das gibt es in Seglerkreisen. Zu sehen bei uns auf der Website unter der Rubrik „Videos“, Titel „Jamaika von oben“.

Earthling
Unser „Drohnenfreund“ Earthling

Remagen

10-Jahre-Jubiläum ARP-Museum mit der Ausstellung Henry Moore – Vision Creation Obsession
Auf der Rückfahrt von Münster nach Stuttgart machten wir einen kleinen Schlenker nach Westen und legten einen Stopp in Remagen ein. Die Wechselausstellung zeigt Werke von Henry Moore im Museum und im Außenbereich. Der 1898 geborene und 1986 verstorbene Bildhauer war ein Meister der monumentalen Plastiken.

Die Dauerausstellung zeigt Werke von Hans Arp, einem ebenfalls einflussreichem Bildbauer des 20. Jahrhunderts.

Hans-Arp_Museum Remagen Bahnhof Rolandseck Skulptur von  Henry Moore

Hans-Arp_Museum Remagen Bahnhof Rolandseck
Skulpturen von Henry Moore

Hans-Arp-Museum Remagen

Hans-Arp-Museum Remagen

Henry Moore

Henry Moore

Sehr schön ist auch das Museums-Restaurant im alten Bahnhof Rolandseck. Bei schönem Wetter sitzt man draußen, genießt und schaut auf den Rhein.

Münster/Westfalen

Skulpturen_2017_Muenster (120k)

Radfahren macht glücklich, Radfahren hilft beim Denken, beim Radfahren tut man sich und der Umwelt etwas Gutes. Aber mussten wir deshalb 500 km mit dem Auto nach Münster fahren? Ja! Wegen Skulptur Projekte 2017, Ausstellung im öffentlichen Raum. Umsonst und draußen. Das Rad ist das perfekte Fortbewegungsmittel für solche Entdeckertouren. Gerade in Münster, der deutschen Fahrradhauptstadt. In der Tat funktioniert hier die gemeinsame Nutzung von öffentlichen Flächen von Fußgängern, Radlern und Autofahrern problemlos und stressfrei. Wenn ich nur daran denke, wie desorientiert wir in den ersten Stunden mit den Rad durch Münster geradelt sind. Kein Navi dabei, nur mit dem klassischen alten Papierstadtplan. Zugegeben sehr unpraktisch mit den Rad. Nicht nur Straßennamen, sondern auch die vielen alten und neuen Skulpturen waren zu finden. Ehrlich, es glich mehr einer Schnitzeljagd als einer Kunstausstellung. Wir brachten es auf eine Such- und Findequote von knapp 70 %. Einige sehr interessante Projekte sind dabei, aber auch einige ist-das-Kunst-oder-kann-das-weg-Projekte. Ansichtssache.

Skulpturen_2017_Muenster (8k)

Skulpturen_2017_Muenster (57k)

Der Wunsch der Menschen übers Wasser zu Laufen wurde auch hier umgesetzt. Zwar nicht so spektakulär wie die floating piers am Iseo See von Cristo (siehe Bericht vom 30.06. 2016) aber die im Hafenbecken versenkten Container, die begehbar sind, sind auch ganz witzig. Wobei die Künstlerin sich wohl mehr dabei gedacht hat, als witzig zu sein. Wer weiß.

Skulpturen_2017_Muenster (106k)

Skulpturen_2017_Muenster (95k)

Auf jeden Fall ist Münster eine tolle Stadt, mit einem historischen Altstadtkern, dem Prinzipalmarkt, Dom, historischem Rathaus, Museen, Grünflächen, Aasee u.v.m.

Skulpturen_2017_Muenster (157k)
Abends um 18 Uhr gelang es uns noch einen Platz bei einer 2stündigen Führung (zu Fuß) zu ergattern. Wir hätten online reservieren müssen, aber bis September war alles als ausgebucht gelistet. Einige der Angemeldeten waren nicht erschienen, so konnten noch weitere sechs Kurzentschlossene mitgehen. Eine junge angehende Kunsthistorikerin führte uns launig durch Münster. Für uns gewöhnungsbedürftig war die Art der Führung. Zuerst Brainstorming der Besucher, dann die Interpretation der Kunstführerin und dann die Auflösung was der Künstler uns damit sagen wollte.

Karibik ?

Die ersten Reklamation treffen ein: seit Tagen steht nichts Neues auf der Website. Schnauze voll? Karibische Depressionen? Abhängen im Luxusresort (und sich dafür schämen)? NEIN, alles daneben. Wir genießen das karibische Wetter!
In Süddeutschland. Seit einer Woche sind wir zurück und genießen nicht nur das tolle Wetter sondern auch die perfekt funktionierenden Behörden und Verwaltungen. Man kann es kaum glauben, es ist ein Segen, wirklich. Nicht nur wegen der unproblematischen Verständigung in deutscher Sprache, sondern auch deswegen, weil die Prozesse einfach funktionieren. In einer Woche konnten wir die Post eines halben Jahres bearbeiten (gut, Fleur hatte die dringenden Sachen bereits erledigt), zwei Autos anmelden, ein Auto abmelden, zwei Krankenversicherungsverträge reaktivieren u.v.m. Es läuft.
Eine gute WLAN-Verbindung (die eigene) haben wir auch, deshalb kommt erst jetzt das Video über die Fischvielfalt in der Marina Cayo Largo auf Kuba. Unmöglich von unterwegs etwas auf Vimeo hochzuladen. Die offenen WLAN-Netze in der Karibik schaffen das nicht.
Viel Spaß beim Entspannen mit den Fischen im pflegeleichten Aquarium.
Wo? Na klar mit unserer Website, auf der Seite mit den Videos. Das Aquarium heißt „Es gibt Fisch“.

Curaçao Marine II

Endlich Urlaub!  Für die nächste Stunde, während die Sunrise aus dem Wasser gezogen wird.

Endlich Urlaub!
Für die nächste Stunde, während die Sunrise aus dem Wasser gezogen wird.

Gut eingeparkt!

Gut eingeparkt!

Curaçao Marine Service ist bei deutschen Seglern nicht mehr hoch im Kurs. Wir wissen alleine von drei Booten, die ihre Reservierung hier storniert haben. Wir sind die einzige deutsche Yacht in der Working Area beziehungsweise am Steg. Außer uns sind noch ein paar französische Schiffe da, ansonsten ist die Marina voll in venezuelischer Hand. Sehr viele Protz-Motoryachten liegen am Steg und an Land. Es liegt der Verdacht nahe, dass die venezuelische Haute Volée ihr Kapital und ihre Vermögenswerte außer Landes geschafft haben. Die dazugehörigen Personen gockeln arrogant über das Gelände und haben jede Menge männliches Personal für den Service dabei. Gegrüßt wird schon mal grundsätzlich nicht, wir popligen Segler sind das nicht wert. Auch dass wir in Badeklamotten (wie unästhetisch) unser Schiff selbst reinigen wird mit Kopfschütteln bedacht. Dass die Männertoiletten und die Dusche unbeschreiblich versaut sind und die Putzfrau kaum mit Sauermachen nachkommt steht auf einem anderen Blatt. Mehr Schein als Sein eben. Das gibt es auch bei uns in Deutschland, hier ist eben zu krass. Da die fette Yacht, täglich auf Hochglanz gewienert, dort die Marinatoiletten.
Übrigens hat das Management der Marina gewechselt. Pierre ist nicht mehr da. Arno wird es freuen.

Curaçao Marine

Arbeitsreiche Tage in Curaçao
Wir sind jetzt genau eine Woche in Curaçao und haben es nur ein einziges Mal geschafft, abends in Willemstad zu flanieren und zum Abendessen zu gehen. Das war am Tag unserer Ankunft, als wir so und so in die City zum Einklarieren mussten. Zu Fuß ungefähr 15 Minuten vom Marinagelände entfernt. An den restlichen Tagen waren wir abends so mausetot, dass wir lieber an Bord die Beine hoch legten und unsere restlichen Vorräte verspeisten. Tagsüber waren wir damit beschäftigt das Boot außen und innen zu entsalzen, den Flugrost und unbekannte Verätzungen* an den Edelstahlteilen zu entfernen, innen sämtliche Schränke leer zu räumen und alles mit Essigwasser auszuwaschen, sämtliche Polster an Deck zu wuchten und von der Sonne braten zu lassen.

Vorschiff leer und sauber, dafür ist das Bad bis Oberkante voll gestapelt. Alles wird vor hier nach dort und wieder zurück bewegt.

Vorschiff leer und sauber, dafür ist das Bad bis Oberkante voll gestapelt. Alles wird vor hier nach dort und wieder zurück bewegt.

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Und im Salon sieht es auch nicht besser aus

Und im Salon sieht es auch nicht besser aus

Gjis, der Rigger machte einen Riggcheck. So wie es aussieht hat das Rigg den Belastungen in dieser Saison gut getrotzt. Gemeinsam gelang es Walter und Gjis den festgefressenen Achterstagspanner zu lösen. Gjis setzte seinen starken Bunsenbrenner ein um das Metal heiß zu machen. Steinharte Salzkristalle hatten sich ins Gewinde eingesetzt und alles blockiert. Eine Stunde lang haben die beiden daran gearbeitet, nun geht das Gewinde wieder. Gut so. Wir hatten den Achterstagspanner schon auf der Ersatzteileliste.
*Verätzungen: in der ersten Nacht auf unserer Überfahrt sind wir zwischen Jamaika und Haiti in einer schwimmenden Müllhalde gelandet. Wer weiß was da alles dabei war. Das Boot wurde sehr langsam, die Welle und die Schraube liefen unrund. Es war wohl einiges durchzuhechseln. Nach einiger Zeit wurde es wieder besser und die Schraube schien wieder frei zu sein. Über den schwimmenden Müll im Ozean ist ausgiebig berichtet worden. Wir können bestätigen, dass es eine Katastrophe ist. Und in Verbindung mit Seegras eine Barriere im Wasser.

Rückblick auf Jamaika von Fleur (Gastbeitrag)

Jamaika Impressionen von Fleur

Zwei Wochen Jamaika. Dirk und ich waren zu Gast auf der Sunrise.

Nun, was stellt man sich vor, wenn man nach Jamaika fliegt? Entspannte Reggae Musik, weiße Strände, Regenwald, Karibikfeeling, entspannte Rastas, Bob Marley und Ganja. Das waren meine Schlagworte zu Jamaika.

Nun ja. Karibik war es. Feeling eher anstrengend. Weiße Strände hat es auch. Gegen die entsprechenden $$$ sind sie auch sauber und man kann sich einen entspannten Tag am Strand machen. Auf Jamaika hat eben alles seinen Preis. Freundlich und hilfsbereit sind die Menschen, Alle. Sie haben nur auf dem Arbeitsmarkt so wenig Perspektiven, dass jeder versucht irgendwie zu Überleben und möglichst einfach und schnell an Geld zu kommen. Hier sind die Touristen ein gefundenes Fressen (Weiße Hautfarbe = Geld). Man kann sich in Jamaika nicht unter die Masse mischen. Man ist so offensichtlich anders, dass es überhaupt kaum möglich ist sich unauffällig zu verhalten und so zu tun als würde man jeden Tag hier durch die Stadt laufen und einkaufen gehen. Naja, vielleicht lag es einfach auch mit am Sonnenbrand… jedenfalls wird man sofort angesprochen ob man
1. Etwas kaufen möchte (CDs, Ganja, Halsketten, Armbänder usw.)
2. ein Taxi braucht (von jedem einzelnen Taxifahrer der Stadt und alle parken nebeneinander)
3. einen Tourguide braucht,
4. ein Paar Dollars für einen armen Obdachlosen hat,
5. unbedingt an diesem Marktstand (auf jeden Fall der Beste der Stadt) etwas kaufen muss und
6. ob man aus Germany, Italy oder USA kommt.
Die Jamaikaner sind freundlich und geben sich mit einem deutlich mit Nachdruck gesagten „No, Thank you“ zufrieden. Sobald sie aber rausbekommen, dass man aus Deutschland kommt hat man die Story sicher am Hals. (Mama sagte mal zu einem überfreundlichen Jamaikaner dass sie ein Alien sei, was eine absolute Konfusion auslöste) Was auch immer in Jamaika Anfang der 70er oder so los war… jeder 2. hatte deutsche Freundin in Bremen oder Stuttgart. Oft waren sie angeblich schon in Deutschland (Noel, der illegale Raubkopien von „oldscool reggae“ verkauft kennt das Stuttgarter S-Bahn Netz) und in Port Antonio gibt es tatsächlich ein Familienunternehmen „Marktstand“ an dem der Sohn der Familie (40+) Schuldeutsch spricht.
„Alles klar“ und „Alles gut“ gehört auf jeden Fall zum festen Wortschatz eines jeden Jamaikaners . Edgar, der den ganzen Tag vor der Port Antonio Marina rumhängt, in der Hoffnung jemandes Guide spielen zu können, erzählt einem 20 Mal, dass er einen deutschen Namen und Stiefvater hat. Er begleitet einen auf Schritt und Tritt, auch zum zum Jerk Chicken Stand, der nun wirklich nicht zu verfehlen ist. Nur mal so kurz in die Stadt ist ohne angequatscht zu werden, unmöglich. So ist es, sie versuchen ihr Business durchzuziehen. Es klappt ja auch hin und wieder. Heißt aber auch umgekehrt, wenn man etwas in Erfahrung bringen möchte, nach dem Weg fragen muss oder zu einer nicht auf der Karte ausgeschriebenen Attraktion kommen will, findet man auch immer eine Antwort und Hilfe bei den Locals. Diese braucht man auch. Unser Marco Polo Reiseführer (aktuellste Auflage die zu bekommen ist, ist von 2015) die ist leider so erbärmlich schlecht, dass man mit dem bisschen Internet, dass man hier und da bekommt deutlich mehr planen kann als mit dem kompletten Reiseführer. Das Irie Blue Hole (bester Ausflug den wir in den zwei Wochen gemacht haben) wurde überhaupt nicht im Reiseführer erwähnt oder gelistet. Hier haben uns die freundlichen jamaikanischen Mädels aus dem Reggae Hostel in Ocho Rios super weiter geholfen (Siehe Beitrag).
Laut Marco Polo gibt es in einem Dorf namens Nonsuch nahe Port Antonio Tropfsteinhöhlen. Naja, wie der Security Mann der Marina mir erzählt hat, sind diese seit 13 !!! Jahren geschlossen. Da fast Niemand dort hin wollte, wurde auch keine Werbung dafür gemacht und deshalb wusste es kaum Jemand. Es wurde einfach zu teuer den Betrieb aufrecht zu erhalten. Leider ist es mit vielen Dingen so. Wenn es sich nicht mehr rechnet macht man den Laden runter und lässt es verfallen. Es kümmert sich niemand um solche Dinge. Genauso ist es mit den öffentlichen, kostenlosen Stränden. Die nutzen hauptsächlich bis ausschließlich die Locals. Besonders geschockt waren wir von Long Bay Beach. Laut Beschreibung Jamaikas Surfer Paradies. Außer einer halb verfallenen Surf Hütte und ein paar spärlich (von Locals) besuchten Strandbars ist davon nichts zu sehen. Der Strand ist übersäht mit PET Flaschen und Styropor Food Boxen. Es gleicht eher einer traurigen Müllhalde. Wenn ab und an nicht die Kirchengruppen den Müll zusammen sammeln würden, wäre kein Sand mehr zu sehen. Es ist traurig, wie wenig die Umwelt hier geschätzt wird. Sämtlicher Müll landet im Straßengraben und wird einfach ins Meer geschwemmt. Zusammen mit dem Abwasser der Insel. Sie haben alles auf Jamaika. Es gibt genug Wasser und fruchtbaren Boden. Alle Klimazonen bis ins Gebirge der Blue Mountains. Bewirtschaftet wird aber wenig. Für die lokalen Märkte Gurken, Tomaten, Cho-Chos, Karotten, Pfefferschoten, Bananen, Mangos (fallen ohne Zutun vom Baum), Kokosnüsse und Zuckerrohr. Die Insel hat sehr viel Potential. Die Leute sind häufig und zu viel mit ihrem Ganja rauchen beschäftigt. Richtige Jobs gibt es wenige. Die schönen Hotel Resorts, die Arbeitsplätze schaffen gehören zum größten Teil ausländischen Investoren, also auch nur in gewissem Maß eine Verbesserung für die Einheimischen (sie bekommen etwas Arbeit im Service und als Putzhilfen für einen Hungerlohn). Jamaikas Regierung vergibt Land für Resorts oder große Baustellen an ausländische Unternehmen. Im Süden wird es die neue Autobahn geben, die komplett von Chinesen gebaut wird. Es sind so viele chinesische Arbeiter im Land, dass dort sogar die Werbetafeln in chinesischer Schrift sind.

Wer sich zwei Wochen an einen karibischen Resort-Strand legen möchte, mit einem Cocktail in der Hand und nur genießen will, kann das perfekt, aber auch isoliert, gut tun. Nur muss man dazu nicht um die halbe Welt fliegen. Das gleiche Feeling gibt es auch an Europas Stränden. All inclusive Urlaub ist hier, genau so wie überall auf der Welt, sehr gut machbar. Wer allerdings etwas individueller Reisen möchte, braucht entweder Einen der sich gut auskennt, jede Menge Geduld, viele kleine Trinkgeld-Scheinchen, offline Karten, viel Zeit, einen guten Mietwagen und vor allem einen unermässlichen Enthusiasmus und Motivation durch das halbe Land zu fahren, um dann festzustellen, dass die vermeintliche Attraktion schon längst verfallen oder nicht mehr so existiert ist.

Trotz aller Hindernisse und des leider schlechten Wetters in der kompletten 2. Woche haben wir viel gesehen. Wir haben einfach versucht den typischen Touristen Massenveranstaltungen aus dem Weg zu gehen. Ich denke, das hat auch sehr gut funktioniert. In Montego Bay haben wir uns zwei Tage zu schlechter Musik (von ABBA best of über Britney Spears zum nächsten One Hit Wonder und anderen 80er und 90er Hits oder Peinlichkeiten der Musikgeschichte) am Hard Rock Café am sauberen Bezahlstrand in die Sonne gelegt. Hier waren wir zum ersten Mal enttäuscht von der Musik . Wer erwartet schon auf Jamaika, der Reggae Hochburg, die 100er Chart Hits der letztens 25-30 Jahre? Gemixt vom schlechtesten Dj der Welt, der den „Soundeffekte- Knopf“ auf seinem Laptop entdeckt hat und das Ganze versucht vor 6 Gästen als Ballermann Fete aufzuziehen? Keiner. zumindest wir jedenfalls nicht. Wie wir feststellen mussten ist die Musik auf der kompletten Insel leider so. Meine Devise war: Schnorchel raus, Kopf unter Wasser und die 8 Fische suchen, die diesen Strandabschnitt ihr zu Hause nennen.

Man kann uns nicht vorwerfen wir wären unvorbereitet nach Jamaika gekommen. Auf meiner Liste standen:

• Irie Blue hole – abgehakt (härteste Nuss zu knacken)
• Von den Klippen springen an Ricks Café – abgehakt (eher so was für die Mitte 20er Generation, glaube Mama und Papa fanden es da nicht sooo toll, ist eben doch eher Ballermann mit Acton 🙂
• Wasserfälle (2 x sogar, Secret Falls und den tosenden Reach Fall) – abgehakt
• Bob Marley und Kingston – abgehakt
• Lokales Essen – ja hatten wir. Ist weniger vielfältig als erwartet. Hühnchen, Ziege oder Shrimp. Als Jerk Food (vom Grill) oder alles ins Curry geschmissen. Beides würzig und lecker, aber das war es mit der karibischen Vielfalt auf Jamaika
• Schnorcheln – abgehakt (man sieht leider weniger als erwartet oder wir haben die richtigen Stellen nicht gefunden) das Wasser ist jedoch herrlich zum Schwimmen
• Regenwald – abgehakt, ist cool
• Blue Lagoon – halbwegs abgehakt. Wir hatten braune Brühe, dem Regen geschuldet. Und wir hatten es uns deutlich größer vorgestellt

Gesegelt sind wir nicht. Wir mussten unter Motor gegen den Wind von Montego Bay bis nach Port Antonio, mit unseren Zwischenstopps in der Discovery Bay (wir waren Schwimmen, an Land ist nichts Sehenswertes), Ocho Rios (unser Ausflug zum Irie Blue Hole) und Oracabessa (Dirk und ich haben mit dem Dinghy paddelnderweise, mit großem Unterhaltungswert, das nicht vorhandene Schnorchelriff erreicht, um dann enttäuscht gegen die Strömung wieder zurück zu Paddeln. Nicht so einfach wie man denkt und die sportlichste Aktion des ganzen Urlaubs).
Port Antonio war dann unser verregnetes Basislager für alle anderen Ausflüge mit dem Mietwagen.

Was mich überrascht hat war, dass man kann mit einem Mietwagen kreuz und quer über die Insel fahren kann und es interessiert kein Mensch wo man war. Fährt man aber mit dem Schiff ein paar Meilen (auf dem Landweg 10-15km) weiter ist es für die Behörden fast als hätte man das Land verlassen. Man muss sich in jedem Hafen oder Ankerbucht neu anmelden, so als würde man gerade international einklarieren. Ein Offizieller in Uniform nach dem Andern möchte gerne irgendein Formular haben. Bevor die nicht alle happy sind geht erst mal gar nichts. Beinahe wären wir wegen eines Fehlers im Cruising permit nicht zu unserem Blue Hole Ausflug gekommen. Wer denkt Deutschland ist kompliziert, sollte mal ein paar Wochen in Jamaika segeln gehen. Immer entspannt bleiben, zwischen drin mal einen Kniffel oder Mexican Train Domino spielen und sich einen Sonnenbrand holen war unsere Devise. Am Ende klappt es immer, irgendwie eben. Und noch etwas haben wir gelernt: immer denjenigen mit dem schlechtesten Englisch nach vorne schicken, immer schön die Unschuldigen spielen, immer „No“ ankreuzen und lächeln. Wie die Jamaikaner sagen „don’t loose your irie“ also: frei übersetzt: „bleib immer entspannt cool“. Haben wir geschafft. Es war definitiv in vielen Dingen anders als erwartet. Es ist mehr Dritte Welt als ich mir vorgestellt habe. Wir sind froh, dass wir so viel von Jamaika gesehen haben und nicht am weißen Resort Strand in der heilen Welt lagen, sondern das wirkliche Jamaika erleben durften. Wir hatten einen erlebnisreichen Urlaub, sind aber mit definitiv einem anderen Blick auf die Insel wieder nach Hause geflogen.

Curaçao II_2017

In 6 Tagen von Port Antonio/Jamaika nach Willemstad/Curaçao, 640 Seemeilen.
Die ersten 250 Meilen fuhren wir unter Motor gegen Wind und Welle mit einiger Entfernung zur Küste an den Inseln Jamaika, Haiti und Dominikanische Republik entlang. Wir mussten Ost machen, für einen günstigeren Kurs, um quer über die Karibische See nach Curaçao zu kommen*. Es gab, wie immer, mehr Wind und Welle als prognostiziert. Dies hatte zur Folge, dass wir mit einer relativ hohen Motordrehzahl gegenan motoren mussten und unser Yanmar-Schiffsdiesel zum Säufer mutierte. Kurz vor der Isla Beata füllen wir unsere 140 Liter Diesel aus den Kanistern in den Tank und waren danach beide mit Diesel eingesaut. Irgendwie passte das mit dem Lee der Inseln und dem Schutz vor dem Seegang nicht. Wir hatten kreuz und quer laufende See. Außerdem ging noch ein Schraubverschlusses eines Kanisters über Bord, sodass wir künftig nur noch 6 Ersatzkanister haben. Wir setzten schließlich am Sonntagabend kurz vor Sonnenuntergang unsere Fock und das Großsegel im zweiten Reff. Kurs hoch am Wind Richtung Curaçao. Die Nachtwachen waren unangenehm, das Wetter um uns herum wirkte bedrohlich. Die ersten drei Nächte gab es über Jamaika, Haiti und der Dominikanischen Republik starke Gewitter mit Blitzen, die den ganzen Himmel erhellten. Dies war auch ein Grund dafür, weshalb wir an den Inseln mit 10 Meilen und mehr Abstand entlang motorten, mit dem Nachteil, dass wir konfuse und hohe Welle hatten. Je weiter wir nach Südosten und weg vom Land kamen, desto weniger Gewitter bzw. Wetterleuchten sahen wir. Die kompletten 640 Meilen hatten wir zuverlässig den Wind, der uns von der Wetterwelt als möglicher Wind in Böen vorhergesagt war. Der angesagte Grundwind fand nicht statt. Total daneben lagen die Wetterdaten von Ugrib, die sagten nämlich nur 3 Beaufort Wind voraus.
Zum Vergleich: Vorhersage NOAA (allerdings bereits am 26.05. vor der Abfahrt eingeholt) für Dienstag 12 UTC 6,8 Knoten im Gegensatz zur Vorhersage von Wetterwelt für selbe Zeit und selbe Position (am 28.05. per Funk erhalten) mit 22,7 Knoten.

Vorhersage für Dienstag, 30.05.2017 12 UTC von NOAA (U-Grib) 6,8 Knoten Wind

Vorhersage für Dienstag, 30.05.2017 12 UTC von NOAA (U-Grib) 6,8 Knoten Wind

Vorhersage von Wetterwelt für Dienstag, 30.05.2017 12 Uhr UTC, 22,7 Konten

Vorhersage von Wetterwelt für Dienstag, 30.05.2017 12 Uhr UTC, 22,7 Konten

Die Welle am Dienstag war um die zwei Meter, was bei einem Kurs hoch am Wind nicht so prall ist. Das Schiff wird ständig aus dem Kurs gedrückt und das Material leidet, und wir mit. Am Dienstag gab es erstmals kein Abendessen, unmöglich etwas warm zu machen. In der Nacht brach der Schäkel der Dirk (die Dirk verbindet das Ende des Großbaums mit dem Masttop und verhindert, dass der Großbaum an Deck knallt, wenn kein Großsegel gesetzt ist). Grund dafür war, dass sich unterwegs vermutlich durch die harten Welleneinschläge und Schiffsbewegungen der Gasdruckdämpfer des Großbaumniederholers verabschiedet hat und der Niederholer völlig wirkungslos war. So hing beim Motoren ohne Großsegel die komplette Last des Großbaums an der Dirk beziehungsweise am Schäkel. Auch dem Windanzeiger war das alles zu viel und er verweigerte seinen Dienst. Er ließ seinen Zeiger einfach senkrecht nach unten in die Nullposition fallen. Immerhin zeigte der die Windgeschwindigkeit noch zuverlässig an. Wir sahen in einer Regen-Böe kurz 30 Knoten, aber sonst 20 – 24 Knoten aus Ostsüdost und Ost.
Unseren Zielpunkt zwischen den Inseln Curaçao und Bonaire konnten wir nicht halten und so fiel auch die Möglichkeit in Bonaire noch einige Tage mit Relaxen und schwimmen zu verbringen weg. Wir konnten mit viel Mühe einen Punkt zwischen Aruba und Curaçao anlegen und fuhren unter Motor an der Südküste Curaçaos, wie immer gegen Wind und Welle, entlang. Schön ist das nicht – aber wir wussten annähernd was uns erwartet. Die To-Do-Liste für Curaçao ist um einiges länger geworden.

*Ost machen: Die vorherrschende Windrichtung zu dieser Jahreszeit ist Ostsüdost bis Ost. Wenn wir nach Südosten segeln wollen bedeutet dies, dass wir nicht direkt auf unser Ziel absetzen können. Es geht nicht, direkt gegen den Wind zu segeln. Es geht aber zum Ziel mit Kreuzschlägen (Zick-Zack) zu kommen, was aber die Strecke um mindestens ein Drittel verlängert. Bei 640 Meilen vor dem Bug überlegen wir da nicht lang. Wir schauen, dass wir uns unter Motor soweit vor arbeiten, bis wir einen segelbaren Winkel zum Ziel bekommen. Auf kurzen Strecken machen wir das natürlich nicht.