{"id":6572,"date":"2019-02-16T05:00:47","date_gmt":"2019-02-16T03:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=6572"},"modified":"2023-09-30T10:06:45","modified_gmt":"2023-09-30T09:06:45","slug":"fazit-kolumbien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=6572","title":{"rendered":"Fazit Kolumbien"},"content":{"rendered":"<p>Weshalb kommen so wenig europ\u00e4ische Segler nach Kolumbien?<br \/>\nDiese Frage stellte uns ein Kolumbianer im Club de Pesca de Cartagena. Er, Clubmitglied, hatte sein wundersch\u00f6nes und top gepflegtes klassisches Holzsegelboot zwei Pl\u00e4tze neben uns an der Muelle 3 festgemacht. Muelle (Steg) 3, der Arbeitssteg und Steg f\u00fcr Gastlieger. Auf seinem Boot wienerten, schmirgelten, \u00f6lten und lasierten die Arbeiter tagelang. Als sie fertig waren, d\u00fcrfte das Ausstellungsst\u00fcck wieder an die Muelle 1 zur\u00fcckkehren. Dort konnte die Yacht von den G\u00e4sten des sterneverd\u00e4chtigen Restaurants bewundert werden. Zu Recht.<br \/>\nNun zur Fragestellung, weshalb so wenig europ\u00e4ische Segler nach Kolumbien kommen.<br \/>\n1.<strong> Kolumbien liegt au\u00dferhalb der klassischen Atlantikrunde<\/strong>. Viele Segler kommen um die Weihnachtszeit \u00fcber den Atlantik und segeln in den folgenden Monaten die Antillen rauf und\/oder runter. Ein Teil der Segler verl\u00e4sst die Karibik und kehrt im Mai \u00fcber die Bermudas oder direkt von St. Martin aus nach Europa zur\u00fcck. Der andere Teil sucht sich sp\u00e4testens im Juli, vor der Hurrikan Saison, einen sicheren Platz f\u00fcr das Boot im S\u00fcden von Grenada oder besser noch in Trinidad. Hiervon wiederum bleibt ein Teil der Segler an Bord, der andere Teil stellt das Boot an Land und fliegt f\u00fcr sechs Monate nach Hause. In der kommenden Saison teilt sich der verbliebene Rest in Antillen-rauf-und-runter-Segler und Segler die \u00fcber Puerto Rico, Jamaika, Kuba, Mexiko entweder nach Guatemala f\u00fcr die n\u00e4chste Hurrikanzeit in den Rio Dulce gehen oder weit in den Norden der US-Ostk\u00fcste in die Chesapeake Bay.<br \/>\n2. <strong>Die wenigen Segler, die im S\u00fcden der Antillen sind oder von Brasilien, Suriname etc. kommen, und es wagen, an der K\u00fcste von Venezuela entlang zu segeln und auch die venezuelischen Inseln Margarita, Los Aves, Los Roques zu besuchen sind die Ausnahme.<\/strong> Dies war aufgrund der Situation dort in den letzten f\u00fcnf Jahren nicht empfehlenswert. Der logische s\u00fcdliche Weg weiter ist \u00fcber die ABC Inseln nach Kolumbien oder Panama zu gehen. Einige Segler, so wie wir, gehen direkt nach Cura\u00e7ao. Lagern dort, au\u00dferhalb der Hurrikanzurichtungen das Boot ein und fliegen f\u00fcr sechs Monate nach Hause. Von hier aus ist es in der folgenden Saison unproblematisch nach Jamaika und Kuba zu segeln und sich den Seglern auf der Atlantikrunde anzuschlie\u00dfen. Einige wenige nehmen den Weg \u00fcber Aruba nach Santa Marta\/Kolumbien. Hier ist das Capo de la Vela ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine Starkwinde und die extreme See. Wir starteten 2018 zu Dritt von Cura\u00e7ao aus nach Santa Marta bei sehr guten Wetterbedingungen. Auf zwei von drei Booten gab es Sch\u00e4den, einem zerriss das Vorsegel in einer B\u00f6e, der andere verlor sein Vorstag. Beides konnte in Santa Marta repariert werden.<br \/>\n3. <strong>In Kolumbien angekommen bleiben die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr europ\u00e4ische Segler sehr beschr\u00e4nkt.<\/strong> Es gibt nur drei Marinas. Santa Marta, Puerto Velero und Cartagena. Ankern ist m\u00f6glich, aber nur in der N\u00e4he der Marinas und\/oder nach vorheriger Genehmigung der Beh\u00f6rden. F\u00fcr die Einklarierung muss zwingend ein maritimer Agent genommen werden. In Santa Marta erledigt dies die Marina. Die Beh\u00f6rdenvertreter kommen an Bord, protokollieren was an technischen Ger\u00e4ten da ist, schreiben zum Beispiel die Motornummer auf. Alles korrekt. Die Einklarierungsprozedur f\u00fcr Schiff und Mensch dauert mindestens f\u00fcnf Tage. In dieser Zeit sind auch die Reisep\u00e4sse weg und man kann sich nur in Santa Marta aufhalten. Wer eine Reise ins Landesinnere machen m\u00f6chte, oder wer eilig weiter will, muss sich gedulden. Die IGY Marina Santa Marta liegt zentral mitten in der Stadt. Der Standard ist in Ordnung. Sehr problematisch sind die abendlichen Fallwinde, die aus der Sierra Nevada auf die Stadt runterknallen. Es gibt an einigen wenigen Tagen schon mal Sturmst\u00e4rke in der Marina und Ausleger der Schwimmstege werden abgerissen. Selbst gesehen im Februar 2018. Es ging ein franz\u00f6sischer Katamaran gegen\u00fcber von uns mit abgerissenem und an ihm h\u00e4ngenden Stegausleger auf Trift. Dar\u00fcber hinaus freut sich jeder Segler, der von einem l\u00e4ngeren Landausflug zur\u00fcckkehrt, \u00fcber sein mit Kohlestaub \u00fcberzogenes Schiff. Direkt im angrenzenden Industriehafen ist eine Verladestation f\u00fcr Kohle. \u00dcber Puerto Velero kann ich nur aus der Erz\u00e4hlung eines uns befreundeten Seglers berichten. Die Beh\u00f6rdenvertreter dort verweigerten ihm im Februar 2018 auf seiner Weiterreise von Santa Marta nach Cartagena das Anlegen in der Marina Puerto Velero und zwangen ihn, trotz Starkwind, entweder weiter zu segeln oder zu ankern. Das Problem war, dass das nationale Zarpe (Reisedokument f\u00fcr die Fahrt von einem kolumbianischen Hafen zum n\u00e4chsten) keinen Zwischenstopp in Puerto Velero vorsah. V\u00f6llig unflexibel und stur und f\u00fcr Segler schwer zu akzeptieren. Andererseits berichtete ein norwegisches Paar uns im Januar 2019, dass die Marina Puerto Velero fertig gestellt und picobello sei, vor allem die sanit\u00e4ren Einrichtungen. Leider liegt das Umfeld brach, das Hotel ist nicht fertig und auch sonst fehlt noch jedwede Infrastruktur. Cartagena bietet f\u00fcr Segler den Club N\u00e1utico und den privaten Club de Pesca. Im Jahr 2018 wurden im Club N\u00e1utico die Steganlagen erneuert, sie konnten keine Gastlieger aufnehmen. Ins rollige Ankerfeld wollten wir nicht und deshalb waren wir dankbar einen Platz im Club de Pesca zu bekommen. Wir waren 2018 und 2019 insgesamt drei Mal f\u00fcr 2 bis 4 Wochen dort und f\u00fchlten uns sehr sicher und wohl. Latent ist der ewige Staub und Smog, der aus der Stadt her\u00fcber geweht wird und sich auf den Schiffe verteilt. Mit viel Putzaufwand ist auch dies zu regeln. Absolut und extremst nervig ist diese Ein- und Ausklarierungsprozedur mittels Agenten. Jede Klarierung, national oder international, muss zwei Tage vorher avisiert werden. Die P\u00e4sse sind wegzugeben und werden erst nach Bezahlung der Provision f\u00fcr den Agenten wieder zur\u00fcck gegeben. Die Provisionen sind nicht durchschaubar. Am fairsten war die internationale Einklarierung in Santa Marta. Alles wird korrekt aufgelistet und auf der Rechnung ausgewiesen. In Cartagena mussten wir f\u00fcr die nationale Einklarierung dem Agenten zun\u00e4chst einen Vorschuss von 100 US-DOLLAR, ohne jedwede Quittung, geben. F\u00fcr das internationale Zarpe f\u00fcr Panama weitere 100 US-DOLLAR, f\u00fcr die erneute internationale Einreise von Panama kommend ebenfalls. Das Schiff darf \u00fcblicherweise 365 Tage im Land, der Mensch 90 Tage bleiben. F\u00fcr das Schiff wird eine tempor\u00e4re Importlizenz (TIP) ausgestellt und dieses Dokument ist wichtiger als der eigene Reisepass. \u00dcber unsere Odyssee mit der TIP f\u00fcr Cartagena gibt es auf meiner Website eine eigene Abhandlung.<br \/>\n4. W\u00fcrden wir wieder mit dem Schiff nach Kolumbien segeln? Nein, definitiv nicht. Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Segler sind so restriktiv, dass wir darauf verzichten k\u00f6nnen. Das Land ist wundersch\u00f6n und wir haben auch in den Monaten Februar und M\u00e4rz 2018 einige Inlandsausfl\u00fcge unternommen, aber daf\u00fcr w\u00fcrden wir, falls wir noch mehr vom Land entdecken wollten, gezielt hinfliegen. Urspr\u00fcnglich war geplant noch nach Medell\u00edn und ins Amazonasdreieck zu fliegen, aber uns fehlte zuletzt die Lust dazu. Die Inseln San Andres und Providencia, die ebenfalls zu Kolumbien geh\u00f6ren lagen urspr\u00fcnglich ebenfalls bei uns auf der Segelroute. Die bleiben nun an Backbord liegen, denn wir segeln direkt nach Grand Cayman.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weshalb kommen so wenig europ\u00e4ische Segler nach Kolumbien? Diese Frage stellte uns ein Kolumbianer im Club de Pesca de Cartagena. 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