{"id":5407,"date":"2017-06-02T07:49:10","date_gmt":"2017-06-02T05:49:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=5407"},"modified":"2017-07-09T12:10:15","modified_gmt":"2017-07-09T10:10:15","slug":"rueckblick-auf-jamaika-von-fleur-gastbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=5407","title":{"rendered":"R\u00fcckblick auf Jamaika von Fleur (Gastbeitrag)"},"content":{"rendered":"<p>Jamaika Impressionen von Fleur<\/p>\n<p>Zwei Wochen Jamaika. Dirk und ich waren zu Gast auf der Sunrise. <\/p>\n<p>Nun, was stellt man sich vor, wenn man nach Jamaika fliegt? Entspannte Reggae Musik, wei\u00dfe Str\u00e4nde, Regenwald, Karibikfeeling, entspannte Rastas, Bob Marley und Ganja. Das waren meine Schlagworte zu Jamaika.<\/p>\n<p>Nun ja. Karibik war es. Feeling eher anstrengend. Wei\u00dfe Str\u00e4nde hat es auch. Gegen die entsprechenden $$$ sind sie auch sauber und man kann sich einen entspannten Tag am Strand machen. Auf Jamaika hat eben alles seinen Preis.  Freundlich und hilfsbereit sind die Menschen, Alle. Sie haben nur auf dem Arbeitsmarkt so wenig Perspektiven, dass jeder versucht irgendwie zu \u00dcberleben und m\u00f6glichst einfach und schnell an Geld zu kommen. Hier sind die Touristen ein gefundenes Fressen (Wei\u00dfe Hautfarbe = Geld). Man kann sich in Jamaika nicht unter die Masse mischen. Man ist so offensichtlich anders, dass es \u00fcberhaupt kaum m\u00f6glich ist sich unauff\u00e4llig zu verhalten und so zu tun als w\u00fcrde man jeden Tag hier durch die Stadt laufen und einkaufen gehen. Naja, vielleicht lag es einfach auch mit am Sonnenbrand&#8230; jedenfalls wird man sofort angesprochen ob man<br \/>\n1. Etwas kaufen m\u00f6chte (CDs, Ganja, Halsketten, Armb\u00e4nder usw.)<br \/>\n2. ein Taxi braucht (von jedem einzelnen Taxifahrer der Stadt und alle parken nebeneinander)<br \/>\n3. einen Tourguide braucht,<br \/>\n4. ein Paar Dollars f\u00fcr einen armen Obdachlosen hat,<br \/>\n5. unbedingt an diesem Marktstand (auf jeden Fall der Beste der Stadt) etwas kaufen muss und<br \/>\n6. ob man aus Germany, Italy oder USA kommt.<br \/>\nDie Jamaikaner sind freundlich und geben sich mit einem deutlich mit Nachdruck gesagten &#8222;No, Thank you&#8220; zufrieden. Sobald sie aber rausbekommen, dass man aus Deutschland kommt hat man die Story sicher am Hals. (Mama sagte mal zu einem \u00fcberfreundlichen Jamaikaner dass sie ein Alien sei, was eine absolute Konfusion ausl\u00f6ste) Was auch immer in Jamaika Anfang der 70er oder so los war&#8230; jeder 2. hatte deutsche Freundin in Bremen oder Stuttgart. Oft waren sie angeblich schon in Deutschland (Noel, der illegale Raubkopien von &#8222;oldscool reggae&#8220; verkauft kennt das Stuttgarter S-Bahn Netz) und in Port Antonio gibt es tats\u00e4chlich ein Familienunternehmen \u201eMarktstand\u201c an dem der Sohn der Familie (40+) Schuldeutsch spricht.<br \/>\n&#8222;Alles klar&#8220; und &#8222;Alles gut&#8220; geh\u00f6rt auf jeden Fall zum festen Wortschatz eines jeden Jamaikaners .  Edgar, der den ganzen Tag vor der Port Antonio Marina rumh\u00e4ngt, in der Hoffnung jemandes Guide spielen zu k\u00f6nnen, erz\u00e4hlt einem 20 Mal, dass er einen deutschen Namen und Stiefvater hat. Er begleitet einen auf Schritt und Tritt, auch zum zum Jerk Chicken Stand, der nun wirklich nicht zu verfehlen ist. Nur mal so kurz in die Stadt ist ohne angequatscht zu werden, unm\u00f6glich. So ist es, sie versuchen ihr Business durchzuziehen. Es klappt ja auch hin und wieder. Hei\u00dft aber auch umgekehrt, wenn man etwas in Erfahrung bringen m\u00f6chte, nach dem Weg fragen muss oder zu einer nicht auf der Karte ausgeschriebenen Attraktion kommen will, findet man auch immer eine Antwort und Hilfe bei den Locals. Diese braucht man auch. Unser Marco Polo Reisef\u00fchrer (aktuellste Auflage die zu bekommen ist, ist von 2015) die ist leider so erb\u00e4rmlich schlecht, dass man mit dem bisschen Internet, dass man hier und da bekommt deutlich mehr planen kann als mit dem kompletten Reisef\u00fchrer. Das Irie Blue Hole (bester Ausflug den wir in den zwei Wochen gemacht haben) wurde \u00fcberhaupt nicht im Reisef\u00fchrer erw\u00e4hnt oder gelistet. Hier haben uns die freundlichen jamaikanischen M\u00e4dels aus dem Reggae Hostel in Ocho Rios super weiter geholfen (Siehe Beitrag).<br \/>\nLaut Marco Polo gibt es in einem Dorf namens Nonsuch nahe Port Antonio Tropfsteinh\u00f6hlen. Naja, wie der Security Mann der Marina mir erz\u00e4hlt hat, sind diese seit 13 !!! Jahren geschlossen. Da fast Niemand dort hin wollte, wurde auch keine Werbung daf\u00fcr gemacht und deshalb wusste es kaum Jemand. Es wurde einfach zu teuer den Betrieb aufrecht zu erhalten. Leider ist es mit vielen Dingen so. Wenn es sich nicht mehr rechnet macht man den Laden runter und l\u00e4sst es verfallen. Es k\u00fcmmert sich niemand um solche Dinge. Genauso ist es mit den \u00f6ffentlichen, kostenlosen Str\u00e4nden. Die nutzen haupts\u00e4chlich bis ausschlie\u00dflich die Locals. Besonders geschockt waren wir von Long Bay Beach. Laut Beschreibung Jamaikas Surfer Paradies. Au\u00dfer einer halb verfallenen Surf H\u00fctte und ein paar sp\u00e4rlich (von Locals) besuchten Strandbars ist davon nichts zu sehen. Der Strand ist \u00fcbers\u00e4ht mit PET Flaschen und Styropor Food Boxen. Es gleicht eher einer traurigen M\u00fcllhalde. Wenn ab und an nicht die Kirchengruppen den M\u00fcll zusammen sammeln w\u00fcrden, w\u00e4re kein Sand mehr zu sehen. Es ist traurig, wie wenig die Umwelt hier gesch\u00e4tzt wird. S\u00e4mtlicher M\u00fcll landet im Stra\u00dfengraben und wird einfach ins Meer geschwemmt. Zusammen mit dem Abwasser der Insel. Sie haben alles auf Jamaika. Es gibt genug Wasser und fruchtbaren Boden. Alle Klimazonen bis ins Gebirge der Blue Mountains. Bewirtschaftet wird aber wenig. F\u00fcr die lokalen M\u00e4rkte Gurken, Tomaten, Cho-Chos, Karotten, Pfefferschoten, Bananen, Mangos (fallen ohne Zutun vom Baum), Kokosn\u00fcsse und Zuckerrohr. Die Insel hat sehr viel Potential. Die Leute sind h\u00e4ufig und zu viel mit ihrem Ganja rauchen besch\u00e4ftigt. Richtige Jobs gibt es wenige. Die sch\u00f6nen Hotel Resorts, die Arbeitspl\u00e4tze schaffen geh\u00f6ren zum gr\u00f6\u00dften Teil ausl\u00e4ndischen Investoren, also auch nur in gewissem Ma\u00df eine Verbesserung f\u00fcr die Einheimischen (sie bekommen etwas Arbeit im Service und als Putzhilfen f\u00fcr einen Hungerlohn). Jamaikas Regierung vergibt Land f\u00fcr Resorts oder gro\u00dfe Baustellen an ausl\u00e4ndische Unternehmen. Im S\u00fcden wird es die neue Autobahn geben, die komplett von Chinesen gebaut wird. Es sind so viele chinesische Arbeiter im Land, dass dort sogar die Werbetafeln in chinesischer Schrift sind. <\/p>\n<p>Wer sich zwei Wochen an einen karibischen Resort-Strand legen m\u00f6chte, mit einem Cocktail in der Hand und nur genie\u00dfen will, kann das perfekt, aber auch isoliert, gut tun. Nur muss man dazu nicht um die halbe Welt fliegen. Das gleiche Feeling gibt es auch an Europas Str\u00e4nden. All inclusive Urlaub ist hier, genau so wie \u00fcberall auf der Welt, sehr gut machbar. Wer allerdings etwas individueller Reisen m\u00f6chte, braucht entweder Einen der sich gut auskennt, jede Menge Geduld, viele kleine Trinkgeld-Scheinchen, offline Karten, viel Zeit, einen guten Mietwagen und vor allem einen unerm\u00e4sslichen Enthusiasmus und Motivation durch das halbe Land zu fahren, um dann festzustellen, dass die vermeintliche Attraktion schon l\u00e4ngst verfallen oder nicht mehr so existiert ist.<\/p>\n<p>Trotz aller Hindernisse und des leider schlechten Wetters in der kompletten 2. Woche haben wir viel gesehen. Wir haben einfach versucht den typischen Touristen Massenveranstaltungen aus dem Weg zu gehen. Ich denke, das hat auch sehr gut funktioniert. In Montego Bay haben wir uns zwei Tage zu schlechter Musik (von ABBA best of \u00fcber Britney Spears zum n\u00e4chsten One Hit Wonder und anderen 80er und 90er Hits oder Peinlichkeiten der Musikgeschichte) am Hard Rock Caf\u00e9 am sauberen Bezahlstrand in die Sonne gelegt. Hier waren wir zum ersten Mal entt\u00e4uscht von der Musik . Wer erwartet schon auf Jamaika, der Reggae Hochburg, die 100er Chart Hits der letztens 25-30 Jahre? Gemixt vom schlechtesten Dj der Welt, der den &#8222;Soundeffekte- Knopf&#8220; auf seinem Laptop entdeckt hat und das Ganze versucht vor 6 G\u00e4sten als Ballermann Fete aufzuziehen? Keiner. zumindest wir jedenfalls nicht. Wie wir feststellen mussten ist die Musik auf der kompletten Insel leider so. Meine Devise war: Schnorchel raus, Kopf unter Wasser und die 8 Fische suchen, die diesen Strandabschnitt ihr zu Hause nennen.<\/p>\n<p>Man kann uns nicht vorwerfen wir w\u00e4ren unvorbereitet nach Jamaika gekommen. Auf meiner Liste standen:<\/p>\n<p>\u2022\tIrie Blue hole &#8211; abgehakt (h\u00e4rteste Nuss zu knacken)<br \/>\n\u2022\tVon den Klippen springen an Ricks Caf\u00e9 &#8211; abgehakt (eher so was f\u00fcr die Mitte 20er Generation, glaube Mama und Papa fanden es  da nicht sooo toll, ist eben doch eher Ballermann mit Acton \ud83d\ude42<br \/>\n\u2022\tWasserf\u00e4lle (2 x sogar, Secret Falls und den tosenden Reach Fall) &#8211; abgehakt<br \/>\n\u2022\tBob Marley und Kingston &#8211; abgehakt<br \/>\n\u2022\tLokales Essen &#8211; ja hatten wir. Ist weniger vielf\u00e4ltig als erwartet. H\u00fchnchen, Ziege oder Shrimp. Als Jerk Food (vom Grill) oder alles ins Curry geschmissen. Beides w\u00fcrzig und lecker, aber das war es mit der karibischen Vielfalt auf Jamaika<br \/>\n\u2022\tSchnorcheln &#8211; abgehakt (man sieht leider weniger als erwartet oder wir haben die richtigen Stellen nicht gefunden) das Wasser ist jedoch herrlich zum Schwimmen<br \/>\n\u2022\tRegenwald &#8211; abgehakt, ist cool<br \/>\n\u2022\tBlue Lagoon &#8211; halbwegs abgehakt. Wir hatten braune Br\u00fche, dem Regen geschuldet. Und wir hatten es uns deutlich gr\u00f6\u00dfer vorgestellt  <\/p>\n<p>Gesegelt sind wir nicht. Wir mussten unter Motor gegen den Wind von Montego Bay bis nach Port Antonio, mit unseren Zwischenstopps in der Discovery Bay (wir waren Schwimmen, an Land ist nichts Sehenswertes), Ocho Rios (unser Ausflug zum Irie Blue Hole) und Oracabessa (Dirk und ich haben mit dem Dinghy paddelnderweise, mit gro\u00dfem Unterhaltungswert, das nicht vorhandene Schnorchelriff erreicht, um dann entt\u00e4uscht gegen die Str\u00f6mung wieder zur\u00fcck zu Paddeln. Nicht so einfach wie man denkt und die sportlichste Aktion des ganzen Urlaubs).<br \/>\nPort Antonio war dann unser verregnetes Basislager f\u00fcr alle anderen Ausfl\u00fcge mit dem Mietwagen.<\/p>\n<p>Was mich \u00fcberrascht hat war, dass man kann mit einem Mietwagen kreuz und quer \u00fcber die Insel fahren kann und es interessiert kein Mensch wo man war. F\u00e4hrt man aber mit dem Schiff ein paar Meilen (auf dem Landweg 10-15km) weiter ist es f\u00fcr die Beh\u00f6rden fast als h\u00e4tte man das Land verlassen. Man muss sich in jedem Hafen oder Ankerbucht neu anmelden, so als w\u00fcrde man gerade international einklarieren. Ein Offizieller in Uniform nach dem Andern m\u00f6chte gerne irgendein Formular haben. Bevor die nicht alle happy sind geht erst mal gar nichts. Beinahe w\u00e4ren wir wegen eines Fehlers im Cruising permit nicht zu unserem Blue Hole Ausflug gekommen. Wer denkt Deutschland ist kompliziert, sollte mal ein paar Wochen in Jamaika segeln gehen. Immer entspannt bleiben, zwischen drin mal einen Kniffel oder Mexican Train Domino spielen und sich einen Sonnenbrand holen war unsere Devise. Am Ende klappt es immer, irgendwie eben. Und noch etwas haben wir gelernt: immer denjenigen mit dem schlechtesten Englisch nach vorne schicken, immer sch\u00f6n die Unschuldigen spielen, immer &#8222;No&#8220; ankreuzen und l\u00e4cheln. Wie die Jamaikaner sagen &#8222;don&#8217;t loose your irie&#8220; also: frei \u00fcbersetzt: &#8222;bleib immer entspannt cool&#8220;. Haben wir geschafft. Es war definitiv in vielen Dingen anders als erwartet. Es ist mehr Dritte Welt als ich mir vorgestellt habe. Wir sind froh, dass wir so viel von Jamaika gesehen haben und nicht am wei\u00dfen Resort Strand in der heilen Welt lagen, sondern das wirkliche Jamaika erleben durften. Wir hatten einen erlebnisreichen Urlaub, sind aber mit definitiv einem anderen Blick auf die Insel wieder nach Hause geflogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jamaika Impressionen von Fleur Zwei Wochen Jamaika. Dirk und ich waren zu Gast auf der Sunrise. Nun, was stellt man sich vor, wenn man nach Jamaika fliegt? 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