{"id":1289,"date":"2014-08-22T01:29:02","date_gmt":"2014-08-21T23:29:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=1289"},"modified":"2014-09-03T22:40:16","modified_gmt":"2014-09-03T20:40:16","slug":"madeira_nord","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sy-sunrise.de\/?p=1289","title":{"rendered":"Madeira_Nord"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Mietwagen fahren wir von Funchal aus quer durch die Insel nach Sao Vicente. Der alte Ortskern von Sao Vicente liegt in einem \u00fcppig gr\u00fcnen Flusstal. Hier verlassen wir die gut ausgebaute Schnellstra\u00dfe und fahren, sofern erlaubt, die alte K\u00fcstenstra\u00dfe Richtung Porto Moniz. In Seixal machen wir den n\u00e4chsten Halt. Die komplette Bev\u00f6lkerung ist auf den Stra\u00dfen zugange, Blumengirlanden werden aufgeh\u00e4ngt, Holzkohlegrills stehen mitten auf der Dorfstra\u00dfe. Hier findet am Wochenende offensichtlich ein gro\u00dfes Fest statt. Die alte K\u00fcstenstra\u00dfe bei Seixal ist komplett gesperrt. Ein Erdrutsch im Winter 2008 zerst\u00f6rte die spektakul\u00e4rste Strecke der Estrada Antiga. Hinter dem Wasserfall Veu da Noiva, der eine senkrechte Felswand hinab ins Meer st\u00fcrzt, verlief in einem kurzen Tunnel die ansonsten fast frei \u00fcber dem Meer schwebende K\u00fcstenstra\u00dfe. Madeira gleicht jetzt einem Schweizer K\u00e4se, l\u00e4ngs und quer von Stra\u00dfentunnels f\u00fcr die neuen Schnellstra\u00dfen durchzogen. Wir fahren weiter nach Porto Moniz. Hier gibt es das bizarrste Strandbad, das ich je gesehen habe. Naturpools, die von der Meeresbrandung ins Lavagestein genagt wurden, von Menschenhand noch etwas badegastfreundlich mit Beton nachmodelliert. Bei Flut schwappen die gr\u00f6\u00dferen Wellen (und Meeresgetier) in die Naturpools und sorgen f\u00fcr den Wasseraustausch. Wir haben keine Badesachen dabei und es sind uns auch zu viele Reisebusse in Porto Moniz, sodass wir den Ort in Richtung Hochebene verlassen. Die Landesstra\u00dfen 101 und 105 sind Passstra\u00dfen mit engen Kehren, rechts geht es senkrecht runter und links schie\u00dft das Wasser am Fels entlang den Berg runter. Der kleine Mietwagen packt die Bergfahrt von Meeresh\u00f6he auf 1300 Meter rauf fast nicht, vor den Kehren muss in den ersten Gang zur\u00fcckgeschaltet werden. Bei der Talfahrt hoffen wir darauf, dass die Bremsen durchhalten und uns kein Reisebus oder LKW entgegenkommt. Talw\u00e4rts schie\u00dft ja rechts das Wasser in Rinnen den Berg runter und wenn beim Ausweichman\u00f6ver das rechte Vorder- oder Hinterrad in die Rinne rutscht, dann ist das Auto hin. Wir erreichen die Hochebene Paul da Serra, hier gibt es auch Levada-Wanderwege. Wir wollen die Levada Casata do Risco\/25 Fontes begehen und stellen fest, dass die Beschreibung vom aktuellen Reisef\u00fchrer auch hier daneben liegt, denn die letzten 1,5 Kilometer bis zum Einstieg in die Levada sind f\u00fcr den normalen Autoverkehr gesperrt. Wir parken mit gef\u00fchlten hundert Fahrzeugen auf dem Parkplatz an der Landstra\u00dfe 105. Zum Rabacal-Haus, dem Einstieg in die Levadas, verkehrt ein Shuttlebus, wie wir auf halber Strecke feststellen k\u00f6nnen. Die Menschenmassen verteilen sich gut entlang der Lavada, wir k\u00f6nnen ohne Stau bis zu den Wasserf\u00e4llen laufen. Kr\u00e4ftig gr\u00fcner Baumfarn, Moos, tausende Aliumbl\u00fcten, Hortensien, Lorbeerb\u00e4ume und sonstige exotische Blumen, Str\u00e4ucher und B\u00e4ume s\u00e4umen die Levadawege. Unglaublich wie viel Wasser die H\u00e4nge und Felsen hinabflie\u00dft und mit welch unvorstellbarem Kraftaufwand bereits im 15. Jahrhundert die Levadas von den ersten Siedlern angelegt wurden, um Wasser in die Zuckerrohrplantagen zu leiten. Levadas leiten \u00fcber Kilometer hinweg das Wasser von den feuchten Nordabh\u00e4ngen in den trockenen Insels\u00fcden. Unter Lebensgefahr, an senkrechten W\u00e4nden in K\u00f6rben h\u00e4ngend, schlugen die Arbeiter mit der Spitzhacke die Kan\u00e4le in die Felswand. Anfang des 20. Jahrhunderts f\u00f6rderte der Staat den weiteren Ausbau der Levadas; die neueren sind auch nicht mehr mit Pflastersteinen ausgekleidet, sondern mit Beton. Insgesamt sind es 2000 Levada-Kilometer. Nach unserer Wanderung nehmen wir den Shuttlebus zur\u00fcck zum Parkplatz und fahren \u00fcber die Hochebene in einer dicken Wolkendecke Richtung S\u00fcdk\u00fcste. Abendessen gibt es in Funchal in einem der Restaurants am Hafen. Der Hafen in Funchal ist derzeit eine Gro\u00dfbaustelle, die Zerst\u00f6rungen vom Unwetter im Mai 2010 werden beseitigt und in diesem Zuge wird gleich ein neues Kreuzfahrtterminal gebaut. Gastliegepl\u00e4tze gibt es derzeit keine, im ausgewiesenen Ankerfeld liegen Arbeitsplattformen f\u00fcr den Hafenumbau. Wir werden auf jeden Fall mit der Sunrise in der Quinta do Lorde Marina bleiben und vor dort aus unsere Inselerkundungen unternehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Mietwagen fahren wir von Funchal aus quer durch die Insel nach Sao Vicente. Der alte Ortskern von Sao Vicente liegt in einem \u00fcppig gr\u00fcnen Flusstal. 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